Tag 3614 – so lala, so lala.

Herr Rabe hat alles gegeben, aber es war trotzdem nur eine Person da, um das Haus anzugucken. Eine, von vier angemeldeten. Tjanun, ne? Wird schon werden, irgendwie.

Ich konnte deshalb nicht schlafen und bin entsprechend jetzt auch gar. Außerdem war der Tag anstrengend. Die Anlage hier ist riesig und wir waren oben und unten und über drülf Etagen in drülf Gebäuden. Mit Helm mit runterklappbarer Brille und Sicherheitsschuhen (aua, meine Zehen). Irgendwann am frühen Nachmittag war dann auch meine Kapazität, plötzliche Zisch-, Klapp-, Pfeif- und Dröhngeräusche zu ignorieren, erschöpft und alles war dann einfach nur noch laut und ein einziger Lärm-Brei. Davon, von zu wenig Wasser getrunken, von der Runterklappbrille und dem wenigen Schlaf habe ich dann heute Abend Migräne bekommen. Da ich bei dem ganzen Gelaufe heute und unzähligen Treppen (wahhhh, Gittertreppen, nur gut, dass bei dem Lärm keiner hört, wie ich summe, um mich selbst zu beruhigen) weder Handy noch Uhr dabei hatte (Explosionsschutz), kann ich leider nicht dokumentieren, dass ich heute total aktiv war. Ganz entgegen der Inspekteurinnen-Gewohnheit sage ich aber ganz einfach: das macht es nicht weniger wahr. Und ich darf jetzt schlafen. So.

Tag 3612 und 3613 – Inspektionstunnel.

Eigentlich geht es sogar, aber erzählen darf ich ja eh nichts. Andeuten kann ich ja, dass die Firma nen riesigen Stein bei mir im Brett hat, weil sie nach ner dummen – sehr teuren – Entscheidung, komplett zurückgerudert ist, statt noch mehr Geld in einem hoffnungslosen Projekt zu versenken. Das machen die wenigsten, inklusive meines eigenen Arbeitgebers. Das Reiten toter Pferde ist sehr weit verbreitet. Die Firma hier hat tatsächlich sogar recht schnell eingesehen, dass das schicke neue Pferd mindestens im Koma liegt und dann doch ein langsames, altes Pferd besser ist als gar keins. Inzwischen ist das neue shiny Pferd tatsächlich komplett beerdigt. Ich kann das nicht genug loben, echt mal.

Was sonst geschah: Ich bin gestern morgen auf dem Weg zum Auto die Treppe runtergefallen und habe mir meinen kleinen Finger fies an der Wand aufgeschrappt. Da ist seither ein Blasenpflaster drauf (feuchte Okklusion ftw, aber eigentlich hatte ich auch in meinem Rucksack nichts anderes). Heute musste ich neue besorgen, hier ist zum Glück ein kleiner Supermarkt. Ansonsten ist hier literally gar nichts, selbst zum Essen muss man 30 Minuten fahren. „Es gibt die Tankstelle, die haben auch Burger… ja, ok und das Hotel halt.“ Das Hotelrestaurant ist nur leider sehr teuer, wir können uns schlicht nicht leisten, hier täglich zu essen.

Aaaaber das Hotel hat einen (leicht schäbigen) Fitnessraum. Gestern habe ich Krafttraining gemacht, heute Yoga. Letzteres, weil ich jetzt zwei Tage je 9 Stunden lang auf so Wartezimmerstühlen aus den 90ern gesessen habe und mein unterer Rücken sich darüber sehr eindrücklich beschwert. Man wird ja nicht jünger, ne?

Man kann hier auch sicher schön laufen gehen, das probiere ich morgen mal. Heute war ich mit dem Lieblingskollegen „nur“ spazieren.

Am allerliebsten würde ich aber grad zu Hause, denn Herr Rabe tut mir sehr leid, der muss das Haus ganz allein zur Visning morgen fertig kriegen. Wäre ich an seiner Stelle, hätte ich mir schon mindestens die Krätze an den Hals gewünscht, dafür, dass ich einfach so abdampfe und ihn damit allein lasse.

Tag 3611 – Wäh.

Es fühlt sich an, als hätten wir heute hauptsächlich *irgendwas* gemacht. Und dann bin ich zu einer Inspektion aufgebrochen.

Jetzt bin ich im Süden (von Norwegen). Am Meer. Wäre schön, das genießen zu können, aber grad ist da nur die Stimme, die sagt, was ich alles nicht gemacht habe.

Langsam macht mich das alles ein bisschen unglücklich, ich brauche mal wieder Alltag ohne Räumen und Packen und Putzen und Chaos.

Sorry für Gemecker. Lieber Licht aus jetzt.

Tag 3610 – Garten.

Wir haben heute noch mal das neue Haus besucht und dabei die Verkäufer kennengelernt. Sie sind sehr nett. Und was ich beim ersten, einzigen, kurzen Besuch übersehen hatte: es gibt

  • Schwarze Johannisbeeren
  • Rote Stachelbeeren
  • Jede Menge Walderdbeeren
  • Jede Menge Blaubeeren
  • Himbeeren
  • Rote Johannisbeeren
  • Rhabarber

Alles auf dem Grundstück. Und einen wunderschönen, riesigen Rhododendron. Ich wette, im Herbst gibt es auch Pilze, das Waldgebiet, in dem ich oft Pilze sammeln gehe, ist ja direkt hinterm Haus. Außerdem sind da noch ein paar Hochbeete, die man mal mit Erde füllen müsste und dann kann man da mit wenig Arbeit noch viel mehr pflanzen, zum Beispiel mehr Erdbeeren oder einen Teil von „meinem“ Rhabarber. Und einen Platz für einen Holunderstrauch finden wir sicher auch. Das wird fein.

Davon angespornt habe ich fertig Unkraut gejätet. Ich habe vieles, aber nicht alles, wegbekommen, aber es muss ja nur Mittwoch kurz gut aussehen. Ein paar Grashalme stehen halt noch und Baby-Disteln und Baby-Ringelblumen sehen halt auch sehr ähnlich aus, da habe ich bestimmt noch einiges übersehen. Aber jetzt sieht es wieder ordentlich(er) aus. Im Kräuterbeet habe ich auch den alles überwuchernden Estragon ordentlich ausgedünnt, jetzt sieht auch das wieder ganz ok aus. Halt mehr so Darwin als englischer Garten, weil im Kräuterbeet Schnittlauch, Oregano und eben Estragon einen erbitterten Kampf um die Ressourcen führen, aber ich mag es so. Im Beet nebenan passiert das gleiche mit Erdbeeren und Pfefferminze. Ansonsten müssen die Käufer Koriander mögen, der hat das Gewächshaus komplett eingenommen.

Hier ein Bild, weshalb ich den Holunder nicht ausgraben werde.

Kaum zu glauben, dass der vor 6 Jahren so ein kleines Stöckchen war.

Ich bin außerdem sehr zufrieden, dass der Garten alles gibt, um Mittwoch alles herzuzeigen, was er kann. Der Holunder blüht jetzt gerade fast, die Pfingstrosen blühen fast, der Schnittlauch blüht wie bekloppt (ähäm, ja, ich weiß, dass der das nicht soll. Aber die Blüten sind so hübsch und die Hummeln mögen die auch sehr gerne). Die Zierdistel blüht fast, die gelbe Blume und die blaue Blume an der Einfahrt blühen beide (auch wenn ich nicht weiß, was sie sind, aber sie sind hübsch). Die ersten Erdbeeren werden rot, der Johannisbeerstrauch und der Stachelbeerstrauch sind voller Beeren. Ich denke, am Mittwoch wird das alles super aussehen.

Hach.

Das war alles so schön heute, ich habe sogar alle Spinnen, die ich in meiner Jäterei aufgeschreckt habe, einfach ignoriert. Und da waren ein paar Oschis dabei.

Tag 3608 und 3609 – Komplett platt.

Auch heute nur piep, weil mir die Augen zufallen. Der Tag war super lang und super anstrengend, aber auch gut. Wir waren bei der Bank und haben da viel geschafft, und ab nachmittags bis abends war ich beim Sommerfest der Zirkeltrainingsgruppe von der Arbeit, was sehr lustig und auch SEHR SEHR anders war, als Feste mit Den Direktoratsangestellten(TM) sonst so sind. Aber das war eben auch ein Fest mit lauter Leuten, die ich maximal mittel gut kenne und es war dann irgendwann (als die anderen anfingen, ziemlich verzaubert zu sein, während ich an meinem alkoholfreien Weihnachtsbier* herumnuckelte) auch echt laut. Da bin ich dann auch gegangen, aber es dauerte deutlich über einer Stunde bis nach Hause. Tjanun.

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*Umzugsfund und muss ja weg. Schmeckt aber noch und ich mag das sehr gerne, das ist wie ein helles und wesentlich weniger süßes Malzbier.

Tag 3607 – Uffz.

Ich war im Büro. Ich musste, denn ich hatte so ein Beratungsgespräch, das machen wir ja manchmal, wir beraten Leute. Das finde ich seltsam, ich spiele doch nur Erwachsen. Aber egal, ich überlebte das und auch den Rest des Tages, aber ich habe mich auch über vieles da sehr geärgert heute. Manchmal möchte ich die meisten da einfach zum Mond schießen. Oder schütteln. Oder erst schütteln, dann zum Mond schießen. Dann können sie da von mir aus weiter ihre respektiven Jobs nicht machen, das ist mir dann egal.

Nach der Arbeit habe ich Unkraut gejätet, es ist viel Unkraut zu jäten, ich bin etwa halb fertig geworden, dann gab es essen. Nach dem Essen mussten wir das Auto (Zwoe) zum Service fahren, der wird dann morgen gemacht. Danach haben wir das Aquarium von Pippi sauber gemacht weil die Blumen dringend gegossen werden mussten weil das echt nötig war. Die Kinder haben wir auch sauber gemacht, auch das war echt nötig. Am Wochenende werden wir wohl wieder sehr viel putzen und die Putzhilfe muss sich neue Kunden suchen.

Laune ist immer noch ungenießbar. Sorry alle, die heute von mir mails bekommen haben.

Tag 3605 und 3606 – Piep.

Es geht eigentlich gut voran, aber mich haben gleichzeitig Laune, müde und Migräne eingeholt. Außerdem habe ich mir vorgestern beim Rhabarber abschneiden (Pippi und ihre Freundin wollten welchen essen, ich wollte nicht, dass sie einfach random irgendwelche Stangen abschneiden) fies in den Daumen gesäbelt und mit dem Pflaster kann ich nicht tippen. Jetzt dauert alles viel zu lange und nervt mich sehr.

Tag 3604 – Nichts neues.

Wir rödeln halt so rum, ne? Heute eins der Lager. Das, von dem wir dachten, dass es schon halb ausgeräumt sei, weil da ja jetzt Monty und Greg wohnen, bis das Haus verkauft ist (gegebenenfalls bis wir umziehen, weil diese Terrarien wirklich enorm schwer sind und nichts, was man mal eben von A nach B schleppt). Das hat quasi den ganzen Tag gedauert (und ein paar Sachen stehen da auch noch, irgendwo muss man ja so Sachen wie Pinselreiniger oder das Zeug zum Auto sauber machen aufbewahren, ne?). Jetzt haben wir noch einen Lagerraum (drinnen) und den Schuppen vor uns. Plus, dass überall halb gepackte Kisten rumstehen und mich irre machen. Den Schuppen priorisiere ich sehr weit hinten, davor würde ich eher so Sachen machen wie rigoroses Unkraut jäten. Das ging heute leider nicht so richtig gut, weil es den halben Tag sehr viel geregnet hat. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag und da kommt ja auch noch ein Wochenende vor dem Besichtigungstermin.

Abends haben wir dann tatsächlich mal ein bisschen auf dem Sofa rumgehangen. Das war sehr schön.

Tag 3603 – Wie wir mal dachten, wir hätten kinderfrei.

Michel wollte eigentlich noch mindestens bis morgen bei seinem Schulfreund bleiben. Pippi ist über Nacht bei ihrer Schulfreundin. Wir wollten einfach nur auf dem Sofa hängen und Chips essen, weil wir uns das echt verdient haben. Aber dann bekam ich eine Nachricht von der Mutter von Michels Schulfreund, Michel habe Fieber. Also fuhr Herr Rabe ihn abholen. Michel behauptet, er stürbe. Ich glaube das nicht so ganz, es ist halt ne Erkältung mit Fieber. Aber trotzdem doof für das für ihn ins Wasser gefallene Wochenende.

Wir haben ansonsten heute ein bisschen Zeug vakuummiert und sind eine Tour ins Lager gefahren, haben Terrassenöl gekauft und haben dann noch bei einem netten älteren Herrn im betreuten Wohnen Umzugskartons abgeholt. Das reicht dann auch für heute.

Tag 3601 und 3602 – Tatsächlich wahr.

Das Haus ist jetzt zu verkaufen. Ab jetzt kann man das kaufen. Ich würde die Anzeige hier auch posten, aber dann denkt die Maklerin, dass uns die Leute die Bude einrennen werden, wenn es so viele Klicks auf die Anzeige gibt.

Das war gestern und auch heute noch mal aufregend. Gestern war ein Gutachter da und hat alles mögliche vermessen und nachgeschaut und überprüft. Wir wissen jetzt exakt, wie viele Millimeter die Böden schief sind und dass wir keine Feuchtigkeit an Stellen haben, wo sie nicht sein soll. Wir haben auch gelernt, dass wir ein Mäuseband haben, nur auf dem Balkon nicht, und dass man die Ventilationsanlage, also die Rohre und so, ab und zu sauber machen lassen sollte (hupsi). All sowas haben wir gestern von dem sehr netten Gutachter gelernt. Aber unser Haus ist in okayem Zustand und kann so verkauft werden.

Heute ging dann die Anzeige raus. Davor war noch einiges Korrekturlesen angesagt, die Maklerin hat das gestern noch in Windeseile zusammengekloppt, und das merkte man auch. Gut, dass ich beruflich Fehler in Dokumenten finde.

Jetzt schauen wir mal was passiert. Aber es wird wohl, so oder so, irgendwas passieren.