Die Kinder sind nicht da! Beide! Beide Kinder haben dieses Wochenende Korpsseminar und übernachten in der Turnhalle der Schule. Heute Mittag lieferte Herr Rabe sie da ab, dann marschierten und spielten sie eine Weile, dann gab es Abendessen und seit etwa einer Stunde kriegen wir auch keine Bildschirmzeitanfragen mehr. Herr Rabe und ich haben den Tag dazu genutzt, gemeinsam (und in Ruhe! Und ohne dass wer nölt oder Eis/Chips/Spielzeug will!) einzukaufen, zu überlegen, was wir im Garten pflanzen und abends essen zu gehen. Wir waren in der Hauptstadt und haben sehr lecker indisch gegessen. Wenn wir essen gehen, fällt die Wahl irgendwie oft auf indisch… aber es war auch einfach sehr lecker. Wir waren entscheidungsfaul und haben einfach das „Probiermenü“ mit Happen von allem möglichen in vegetarisch genommen und ich hätte mich in fast alles einfach reinlegen können. Vielleicht nicht ins Dessert, da war ich nämlich eigentlich schon kurz vorm Platzen. Auf dem Rückweg saßen wir romantisch nebeneinander im Zug, mit Kopfhörern und Duolingo (Herr Rabe lernt jetzt Französisch, Michel Japanisch und Pippi Ukrainisch, dieser Familienaccount muss ja genutzt werden und wir haben halt alle so Schwammgehirne, die gern neues lernen), nach Kräften die Gruppe stark angeheiterter Mitt-50er post Theaterbesuch ignorierend. Die waren friedlich, nett und überaus gut gelaunt, aber laut, meine Güte. Jetzt ist auch schon Bettzeit, Herr Rabe hat sich breitschlagen lassen, von drei bis sieben Uhr morgens (!!!) die Nachtwache in der Turnhalle mit den übernachtenden Kindern zu übernehmen. Bis dahin genießen wir einfach noch ein bisschen die Stille.
Autor: Frau Rabe
Tag 2831 – Decke übern Kopf.
Ach, doofer Tag. Erst mal wieder bestätigt bekommen, dass ich selbst unter merkwürdigen Leuten (Inspekteur*Innen sind schon alle ein paar Zentimeter vom Durchschnitt entfernt, auf viele Arten) noch merkwürdig bin. Und dass ich echt eine ordentliche Abneigung gegen MiNdFuLLnEsS habe. Und nicht verstehen kann, warum jemand Eisbadet, wenn man sogar selbst sagt, dass man die ersten 5 Sekunden überzeugt ist, zu sterben. Das macht überhaupt keinen Sinn.
Bitte keine flammenden Reden (höhö) über Eisbaden. Oder Mindfulness.
Den Rest des Arbeitstages mit dem IT-Projekt herumgeärgert, statt meiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Es schlaucht. Die eigentliche Arbeit staut sich. Das IT-Projekt ist nicht mindful. Und nicht agil. Und hat keine Kohle mehr. Hupsi.
Dabei hängt mir diese vormittägliche Sache noch nach, ich hätte diese Bestätigung jetzt nicht direkt gebraucht, um ehrlich zu sein. Wir sollen außerdem unser authentisches Ich finden, dann seien wir charismatisch. Mein authentisches Ich möchte leider gar nicht mit Menschen reden, aber mein professionelles Inspekteurinnen-Ich kann das eigentlich ganz gut. Ich glaube, ich bleibe lieber dabei, im professionellen Zusammenhang eine Rolle zu spielen und bin vielleicht etwas weniger charismatisch, dafür aber auch weniger grumpy misanthropische crazy cat lady ohne Katzen. Dieses, ich nenne es mal Seminar, hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich mir „meiner Stärken mehr bewusst“ bin, sondern das Gegenteil bewirkt. Ich möchte meinen seltsamen Kopf jetzt nur noch unter die Decke stecken und ganz authentisch die Welt hassen.
Tag 2830 – Schönreden.
Es ist sicherlich vernünftig, ins Bett zu gehen. „Schon“. Obwohl ich weder Geige gespielt noch Sport getrieben habe. Total vernünftig ist das, morgen muss ich schließlich fit sein für den Kapitalismus. Es ist gar nicht schlimm, schwach, sonstwas, sondern normal, mein Tag hat ja auch nur 24 Stunden. Normal. Selbstfürsorge. Dingens.
Tag 2829 – Arbeit, Arbeit…
Alltagstrott ist wieder da. Bin dementsprechend auch wieder müde, obwohl ich, als Pippi beim Tanzen war, im Auto ein kleines Nickerchen gemacht habe. Immerhin habe ich einen Spaziergang eingeschoben und Geige gespielt. Beim Spaziergang konnte ich mich daran erfreuen, dass die graubraunen Schneeberge wegschmelzen und hier und da schon (totes) Gras und (lebendes) Moos hervorguckt. Außerdem hatte ich so Sonnenlicht und frische Luft. Aber so richtig Spaß macht das nicht, in dieser dreckigen, steinigen Vorfrühlingswelt draußen herumzustapfen.
Naja, andererseits könnte alles schlimmer sein, vor drei Jahren war obendrein noch Pandemie. Schlimmer geht immer.
Tag 2828 – Elfen-Update.
Das mit dem nicht so gut fühlen gestern war möglicherweise ein neues Feature meines Zyklus. Ich muss das mal weiter beobachten, ob das so regelmäßig passiert, wie ich mir einbilde. Kommt alles in die Zyklus-App… Jedenfalls war es heute wesentlich besser. Kein Schüttelfrost, keine Gliederschmerzen mehr. Insgesamt nicht mehr tot als lebendig gefühlt.
Dementsprechend war ich abends dann auch beim Ballett. Ich habe mich dazu durchgerungen, die Aufführung mitzumachen, Peer Pressure der anderen Muttis war mit Schuld. Wir haben die Choreografie jetzt auch fertig, was gut ist, so [checks notes] 2 Trainings vor der Aufführung. Unsere Trainerin hat sich das mit den Röcken doch noch ein bisschen anders überlegt und jetzt haben wir etwas andere, etwas weniger bauschige und dafür modernere Röcke (fertig mit Höschen dran), die auch, ähm, optisch schlanker machen. Diversen Schokoosterhasen gefällt das. Was mir persönlich gar nicht gefällt, ist, dass wir dazu ein schwarzes (ok) Tanktop (naja ok) mit eng anliegendem Stehkragen/halben Rollkragen (irks!) in Plastequalität (Doppel-irks!) tragen sollen. Gefühlt fing das schon beim Anziehen zu müffeln an und dieser Kragen am schwitzigen Hals, mich juckt es immer noch beim bloßen Gedanken daran. Aber die Choreografie ist schön, das Lied ist toll, und der Auftritt dauert drei Minuten, solange werde ich es in dem ekligen Plastikstoff schon aushalten. (Am Hals! Wäh!)
Tag 2827 – Im heimischen Bett.
Wir sind zu Hause. Die Koffer sind ausgepackt und leer verstaut, die erste Maschine Wäsche ist durch und trocknet, die Schweinchen sind wohlbehalten wieder eingezogen, das Haus ist aufgewärmt. Die Kinder sind im Bett – die sind ja auch mit uns heute morgen um halb sechs aufgestanden. Ich bin auch schon im Bett, nachdem ich in der Badewanne war. Irgendwie bin ich nicht so richtig fit, mindestens müde, hoffentlich nur das. Ich hoffe, dass es die eigene Matratze, das große Kissen (Familie Weirdo hatte ja bis auf Herrn Rabe eigene Kissen dabei…) und generell Schlafen ohne Kind im Zimmer richten wird.
Das war ein schöner Kurzurlaub.
Tag 2826 – Frohe Ostern!
Hier war ein weiterer Sonnenscheintag, ich hoffe, Sie hatten es alle genauso gut wie wir, ob mit, ohne, bunten, braunen, gekauften, geschenkten, selbst bemalten, Schokoladen- oder Hühnereiern.
Wir müssen jetzt alle ganz schnell schlafen, deshalb bleibt es bei dem kurzen Ostergruß.
Tag 2825 – Noch mehr Sonnenschein!
… und Leute. Viel zu viele Leute in Brighton selbst, weshalb ich mich ganz schnell wieder in den Vorort begeben habe. Selbst mit Musik über noise cancelling Kopfhörer war es kaum zu ertragen. Aber heute war weiter allerschönstes Frühlingswetter und die knapp zwei Stunden am Strand mit den Kindern richtig schön. Die Kinder sind ja groß genug, als dass sie selbst auf den Steinen klettern und mit den Füßen ins Wasser gehen können, wir müssen nicht mehr ständig in einer Armlänge Abstand sein und können einfach eine Weile auf einer Picknickdecke am Strand sitzen und in die Gegend gucken. Herrlich.
Langsam tritt doch sowas wie Erholung ein.
Tag 2824 – Sonnenschein.
Laune war heute etwas besser. Dafür verantwortlich waren sicherlich einerseits das Wetter (strahlender Sonnenschein, 12 Grad, nicht mal am Meer nennenswert Wind) und andererseits Pippi, die, da der große Bruder mit Papa und Onkel im Kino war, mit dem Rest von uns rumhängen musste.
Wir waren in einem Buch- und Bastelkramsladen, wo wir aber nichts gefunden haben außer Squishy-Toys, jetzt haben Pippi und ich je einen. Es sind welche von der Art, wie sie das BUP hat, die finde ich toll. Pippi auch. Ist auch mit Glitzer. Ich kann es schlecht beschreiben, es sind diese Gelbälle, bei denen man Teile durch ein Netz drückt und dann entstehen große und kleine „Blasen“, die man auch wieder rein drücken oder einfach zurück flupschen lassen kann.
Dann waren wir Kaffee trinken, Pippi hat sich da ein riesiges Croissant mit Käse und Tomaten ausgesucht, aus Erfahrung ging ich davon aus, dass ich mindestens die Hälfte davon essen würde, aber Pippi hat sich das ganze Ding reingezogen. Ich glaube, da wächst bald eine schon wieder. Dann hat sie auf dem Kunstrasen neben dem Café eine Schrillion Räder geschlagen, sehr zur Begeisterung aller anwesenden Ü-60-Menschen. Es war aber auch zuckersüß, wie sie übte und übte, bis sie vier Räder hintereinander schlagen konnte, und sich zwischendurch immer mal wieder theatralisch auf den Rücken plumpsen ließ, aber sofort wieder lachend aufsprang, um von vorne anzufangen. Hachz!
Dann waren wir im Asda und haben Badezusätze für zu Hause und Strumpfhosen für Pippi gekauft. Die kleine Rübennase mit der Rabenkinderüblichen Strichmännchenfigur braucht Strumpfhosengröße 9-10 Jahre, sonst hängt ihr der Schritt irgendwo auf Halbmast am Oberschenkel. Es musste dann auch noch ein Kleid mit Schmetterlingen und ein Haar-… Dings mit, ein buntes 90er-Haarband, das um den Kopf gewickelt und an der Stirn geknotet wird. Wie ein Stirnband, aber es geht im Nacken lang und unter den Haaren her, nicht zwingend über die Ohren… Ähh, keine Ahnung wie das heißt.
Auf dem Rückweg ließ die Schwägerin uns zwei dann am Strand raus, wo Pippi wieder mal „nur mit den Füßen“ ins Wasser ging, weshalb sie sich danach umziehen musste. Natürlich in das neue Kleid, die neue Strumpfhose und das Stirnband. Dazu hatte sie noch ein bisschen rosa Lippenpflege aufgetragen und SEIT WANN IST DENN DIESES KIND SO GROẞ??? Die war neulich noch so! (Sehr klein halt.) Ich bin schockiert.
Danach waren wir mit der gesamten Familie lecker essen, in einem türkischen Restaurant. Pippi war kurz vorm Verhungern (ich sag doch, die wächst bald) und schob sich schon mal jede Menge Fladenbrot als Vorspeise rein. Michel aß Sucuk und Pommes und hat mit Sucuk jetzt sein Speisenrepertoire erweitert. Hurra. Obwohl, nein, weil die kriegen wir zu Hause ja nur in der Großstadt, ohje. Als sich das Restaurant mit lauteren Gästen füllte, wurde Pippi (nur Korrelation, keine Kausalität) sehr müde und kuschelig und musste sehr dringend auf meinem Schoß sein (eigentlich ist sie ja doch noch nicht so groß), was mir ganz recht war, da konnte ich den Trubel und Geräuschpegel besser ausblenden.
Als Tagesabschluss brachte ich sie noch ins Bett, wo sie erst ein Giggelmäuschen sondergleichen war, aber nach ein bisschen Erzählen dann doch wie üblich einfach umkippte und schlagartig einschlief. Schnarchend. Hach.
Tag 2823 – Sagte ich zufrieden?
Mörderisch, meinte ich. Laune kommt halt auch im Urlaub. In meinem Kopf war heute alles ziemlich doof. Menschen doof, Museum doof, Kunst doof, Vivaldi total doof. Beste Zeit des Tages: die anderthalb Stunden, die ich alleine mit dem Bus durch die Gegend gurkte, weil wir nicht zu sechst ins Auto passen und ich mich nicht sehr gewehrt habe, die auserwählte zu sein, die den Bus nehmen muss. Zwei mal 35 Minuten in Bussen plus ein bisschen Zeit davor, dazwischen und danach zu Fuß, allein, mit Musik auf den Ohren und keiner Aufgabe, außer den Weg nach Hause zu finden (für jemanden ohne Orientierungssinn ist das schon Aufgabe genug). Wundervoll.
Hoffentlich ist die Laune morgen besser. Ich würd auch gerne nicht so Rotz träumen wie letzte Nacht, das wäre auch schön. Kann ich das beides irgendwo bestellen?