Tag 2780 – Ferien!

Nicht arbeiten müssen ist echt schön! Habe den Tag über auch nicht so richtig was sinnvolles getan, außer morgens sehr viel Wäsche verräumt und ein bisschen die Reste aufgeräumt, damit die Putzhilfe (wir haben eine neue und die ist gut, wesentlicher Qualitätsunterschied zur vorherigen, dabei günstiger und viel zuverlässiger, win-win-win-win-win) putzen kann. Dann habe ich Michel beim Hogwarts Legacy spielen zugeguckt, ihm beim Endgegner gut zugeredet und war dann mit ihm sehr stolz, dass er den besiegt hat und jetzt die Hauptstory des ja nicht ganz unkomplexen Spiels durch hat. Auf Englisch! Als ich so alt war wie Michel, konnte ich auf Englisch grad mal sagen, wie ich heiße und wo ich herkomme, Michel kann problemlos Fernsehen auf Englisch gucken, vernünftige Gespräche mit Erwachsenen führen und also auch PlayStationspiele ohne Hilfe zocken. Faszinierend.

Danach machte ich Michel und mir was zu essen und mir einen Plan, was ich die Tage jetzt so machen könnte und dann machte ich als erstes das, was ich nicht machen MUSS sondern nur möchte und schon dreiundsiebzig mal vertagt habe, weil es immer irgendwas wichtigeres zu tun gab und habe gepuzzelt. 500 Teile, davon sind jetzt noch so ca. 50 übrig, aber die übrigen Teile sind alle schwarz und das mache ich jetzt nicht mehr bei künstlichem Licht fertig. Morgen ist ja auch noch ein Urlaubstag.

Tag 2779 – Wenn Augen reden.

Arbeitstag: arschlangweilig. Auch mal schön, irgendwie. Den Rest der Woche habe ich frei. Das ist noch schöner.

Michel fragte mich heute beim Vorlesen, was „unter vier Augen reden“ bedeutet. Generell gibt es ja viele so Augen-Metaphern, Wünsche von den Augen ablesen, leuchtende Augen, jemanden mit den Augen ausziehen und in meinem Kopf seufzt es „Huuuungry Eeeeeyyeees“. Es gibt Leute, ich deutete es ja mal an, dass Michel und vielleicht auch ich da vielleicht zugehören, die können mit solchen Metaphern nicht automatisch was anfangen, weil sie die zu wörtlich nehmen. Bei leuchtenden Augen sehe ich den Schamanen aus „Asterix erobert Rom“ („Ich bin ein Wildschwein, ich bin ein Wildschwein…“) vor mir und das Übersetzen in „Freude“ ist eine bewusste Handlung, aber ich schweife ab. Ich erklärte jedenfalls Michel, dass das heißt, dass man zu zweit miteinander redet, sodass nur vier Augen im Raum sind, auch wenn die Augen ja eigentlich nichts mit dem Reden zu tun haben. Michel meinte daraufhin, man könne ja schon mit den Augen reden. Ich war auf ungefähr alles gefasst, wie er das ausführen würde, außer, was er tatsächlich sagte, nämlich: „Man kann vielleicht mit den Augen morsen, aber das ist sehr schwer.“

Tag 2778 – So nen Bart.

Pippi und ihre Freundin schliefen bis halb sieben, das ist ja gegenüber fünf erfreulich lang.

Michel hat heute wichtige Fragen des Erwachsenwerdens mit Herrn Rabe geklärt. Also falls er zu dem Zeitpunkt, an dem er einen Bart bekommt, zufällig grad in der Schule ist, kann er sich den gerne wie Gandalf stehen lassen. Seit Herr Rabe mir das erzählt hat, muss ich sehr über die Vorstellung lachen, wie da in der 8.-10. Klasse lauter pickelige Teenager sitzen und plötzlich einer so „Oha, ich glaub es geht los!“ und *puff* – Gandalf. Aber mit Milchgesicht.

Wie bei Asterix der Gallier, als der entführte Miracolix den Römern statt Zaubertrank Haarwuchsmittel gibt. Gnihihi.

Tag 2777 – Ferienkinder (und arbeitende Erwachsene).

Die Kinder haben nächste Woche Winterferien, das heißt, Michel wird wohl sehr viel PlayStation spielen (Hogwarts Legacy, das hat er seit letzter Woche und macht eigentlich wenig anderes seither) und dabei den Fernseher anschreien. In seinem braunen Pulli und ohne Hose, wie sich das für einen mittelgroßen Sesselpupser gehört. Pippi geht zum Sport-Hort, wo sie alles mögliche an Aktionen machen. Zum Beispiel, und das dürfte an einigen Orten noch mehr schockieren als dass Michel Hogwarts Legacy spielen darf, feiern sie nächsten Freitag Karneval. FREVEL!

Pippi hat heute schon den ganzen Tag mit ihrer Freundin N. verbracht, sie haben zusammen die Oma von N. besucht, was ich sehr begrüße, weil unseren Kindern im Leben ja irgendwie alte Leute total fehlen. Am Abend bekamen wir hier zwei total aufgekratzte Mädels abgeliefert (Omas scheinen auch in Norwegen die Enkelkinder gerne mit Süßkram zu füllen) und jetzt schläft N. bei uns. Das haben wir zugesagt, bevor wir erfuhren, dass N. gerne mal um halb fünf aufsteht. Aber da wir beide morgen arbeiten müssen, ist das vielleicht auch gar nicht so dramatisch? (DOCH!) Ich hoffe, sie schlafen wenigstens bis sechs… ansonsten können wir Pippi auch morgen Abend vergessen, die wird das heulende Elend, wenn sie zu wenig geschlafen hat. Jedenfalls wird Herr Rabe die Mädels dann morgen zum Sport-Hort bringen und wir fahren beide ins Büro – Michel kann auch alleine PlayStation spielen. Es wird aber ein kurzer Büro-Tag für beide von uns.

Michel hat mir aufgetragen, aus Oslo einen Tacker mitzubringen. Er hat heute im Probenraum von Herr Rabes neuem Musikkumpel nämlich einen Tacker gefunden und war hellauf begeistert, aber der Uralt-Tacker, den ich von meiner Oma geerbt hab, entspricht nicht ganz seinen Vorstellungen. Ich glaube, wir haben im Büro noch welche, die niemand braucht, falls die nicht alle weggeworfen wurden. Das Kind ist manchmal seltsam, aber wenn es einen Tacker begehrt, soll es einen Tacker bekommen.

Tag 2776 – Sie werden so schnell groß.

Als erstes eine kleine Fortsetzung von gestern: vermutlich war der Grund meiner Bauchschmerzen und Magenverstimmung schimmeliges Brot, an dem ich den Schimmel erst heute gesehen hab.

Heute waren so halbwegs normale Wochenenddinge auf dem Plan. Michel sind schon wieder seine Winterschuhe zu klein geworden. Pippis Winterschuhe passen zwar (grad noch so), sind aber so fertig, dass sie ständig durchweichen, was auch kein Zustand ist. Pippi kann aber bis zum Ende des Winters ein Paar von Michel auftragen, das wir aufgehoben haben. Da mussten nur neue Einlegesohlen rein. Außerdem hat Pippi ab übernächster Woche Schwimmunterricht in der Schule und brauchte dafür eine Badekappe. Wir fuhren also nach Jessheim, um Schuhe, Einlegesohlen und eine Badekappe zu kaufen. Aus Gründen kauften wir ein Mikrofon samt Ständer, Schuhe, Einlegesohlen, eine Badekappe und einen Badeanzug.

Teile der Gründe sind: die Kinder wachsen wie Unkraut. Michels Füße wachsen vor allem nach vorn (der kriegt sehr lange Zehen, sehr seltsam, das hat von uns eigentlich niemand) und er hat jetzt Größe 37 erreicht. Bald müssen wir Erwachsenenschuhe für ihn kaufen, mir graut jetzt schon davor, weil die ja tendenziell noch weniger haltbar sind, als Kinderschuhe (bei denen man wenigstens davon ausgeht, dass die Kinder damit auch mal durch den Dreck robben und durch Pfützen latschen). Pippi hat jetzt einen anständigen Schwimm-Badeanzug und sieht erschreckend groß darin aus. Beide Kinder haben ja den Körperbau von Strichmännchen, mit absurd langen Beinen (auch das muss irgendwie Generationen übersprungen haben oder verwächst sich noch) und Badekleidung verstärkt diesen Eindruck noch mal ungemein.

Pippi liest jetzt auch immer mehr, sie tat sich damit anfangs ein bisschen schwer, aber jetzt wird alles immer laut* vorgelesen, auch das „Bitte hängen Sie anprobierte Waren zurück“-Schild in der Umkleidekabine. Und auch die verfügbaren WiFis und HotSpots auf dem Telefon, und deshalb heißt Herr Rabes Telefon jetzt „I P Hone“. Manchmal ist sie echt zum Knutschen niedlich.

___

*generell ist Pippi ja ein Kind, bei dem man sich eigentlich nie fragen muss, wo es ist, weil sie einfach immer Geräusche produziert. Meistens in Form von Reden oder Singen.

Tag 2775 – Uhla, uhla.

Vielleicht hab ich mir den Magen ein bisschen verdorben, ich weiß aber nicht, an was das gewesen sein sollte. Vielleicht bin ich auch einfach so ein bisschen platt und sollte dringend einfach schlafen.

Hier ist irgendsoeine eklige Wetterfront, vorhin schneite es ungelogen handtellergroße, klitschnasse Schneeflocken, jetzt regnet es. Draußen steht schon wieder überall das Wasser auf dem Eis, alles ist feucht (Cardos wird also bei Minusgraden wieder von innen zufrieren) und das ganze ist sehr bah. Wetterfühlige Menschen wie ich kriegen da ja auch gern Kopfschmerzen von, wenn das Wetter ständig umschlägt, vor allem, wenn es wärmer wird. Weiter Richtung Küste ist auch richtig Sturm, da sind schon Brücken gesperrt und so weiter. Klimawandel macht doch immens Freude, nicht wahr?

Ansonsten heute fast ohne Re-Traumatisierung am IT-Projekt gearbeitet. Einzelpersonen da drin möchte ich aber schon ganz gerne mal… naja. Ich denke, ein Personalgespräch mit der Personalverantwortlichen zur Evaluierung einer möglichen beruflichen Umorientierung wäre angezeigt. Es gibt viele Möglichkeiten bei uns. Irgendjemand muss zum Beispiel die Kaffeemaschinen jeden Tag reinigen.

Anekdote: habe heute eine Stellenanzeige gelesen, in der Erfahrung mit folgendem gefordert wird (immerhin nur unter nice to have): „medicinal products revived from substance of human origin“. Habe dann sehr gelacht, vor allem weil niemand den Fehler auf Anhieb zu finden schien und sich alle fragten, was ich an Blutprodukten lustig finde. Meine eine U40-Kollegin schnallte es dann aber immerhin, als ich ein Voldemort-GIF postete.

Tag 2774 – Flow (kind of).

Aus Gründen war ich heute bei der Arbeit zeitweise sehr happy, da hab ich dann gleich mal nen kompletten Report (für den eigentlich der Lieblingskollege zuständig war) so runtergeschrieben. Ok, danach war es irgendwie schon fünf und die Lieblingskollegin fluchte laut ihren Computer an und dann half ich der noch und dann war es halb sechs und bis ich zu Hause war war es zwanzig nach sieben und ich ziemlich platt, aber ansonsten war es ein guter und produktiver Tag.

Ende nächster Woche ist es(TM) entweder spruchreif oder geplatzt, aber dass es ganz platzt ist seit heute eher unwahrscheinlich. Hihihi, ich freu mich schon mal vor.

Tag 2772 – Kuhdung.

Heute war Ausschusssitzung, was ich nach einem langen und zähen Arbeitstag mit anschließendem Kinder-Rumgefahrene auch nur so mittel empfehlen kann (generell war der Tag eher stressig, ich hatte auch noch Eier bestellt und musste die abholen und Luxusproblem Friseurtermin und ach…) aber das soll hier nicht das Thema sein. Denn ich hatte nach der Sitzung einen Flyer am Auto, den ich erst für einen Strafzettel hielt und schon drauf und dran war, mich aufzuregen, ich hatte nämlich extra geguckt, dass man da nach 18 Uhr einfach parken darf. Aber es war kein Strafzettel, sondern ein Flyer, der so klischeehaft diverse Verschwörungsmythen runterrasselt, dass ich nicht 100% sicher bin, dass es sich nicht um Satire handelt. Ich umreiße mal grob:

Es ist eine globale Verschwörung im Gange, um die Sonne zu dimmen, wegen der Erderwärmung (aber das wär ja gut, die zu bremsen? Whatever). Damit soll die Erdbevölkerung auf 500 Millionen reduziert werden (wie auch immer) und das mit Bill Gates‘ „Werkzeugen“ (Win…dows…? Nehme an, das ist hier nicht gemeint.). Außerdem oder vielleicht auch im Zusammenhang damit oder auch wenn man eh schon dabei ist, sprüht man Gift aus Flugzeugen. Mao hat auch irgendwas damit zu tun, aber ich verstehe nicht, was. Jedenfalls werden ungefähr alle größeren internationalen Vereinigungen als Drahtzieher benannt und das CIA gleich mit.

Und wer nicht dran glaubt, hängt mit drin oder nimmt doch zumindest in Kauf, dass Kinder in Zukunft nur noch mit Gasmaske (ansonsten aber nackt) draußen spielen können.

Jaja.

(Das Traurige ist ja: mindestens eine Person glaubt da so fest dran, dass sie echtes Geld dafür ausgegeben hat, diese Flyer zu drucken.)

Tag 2771 – Elterngedöns.

Heute wieder sehr früh bei der Arbeit gewesen, trainiert, gearbeitet, sehr früh wieder gefahren. Zug verspätet, doof ne viertel Stunde rumgestanden, Pläne geändert, Michel abgeholt, Michel zum Kornettunterricht gefahren, zum Hort gefahren, Pippi abgeholt, mit Pippi Michel abgeholt, nach Hause gefahren. Michel und Pippi hatten beide schon Hausaufgaben gemacht, immerhin. Essen gemacht. Gegessen, Pippi ins Bett gebracht, ein Meeting zur Vorbereitung auf die morgige Ausschusssitzung online wahrgenommen (es war ja echt nicht alles schlecht an der Pandemie. Aber das ist ein „was haben die Römer je für uns getan?“-Thema). Wäsche, jetzt gleich Bett. War früh heute morgen und dann voll, der Tag.