Tag 2953 – Alles wie immer.

Erster Tag nach dem Urlaub, und alles ist wie immer. Die Da Draußen(TM) stellen Fragen, die von „huff, du wirfst da echt Dinge durcheinander, die nichts miteinander zu tun haben, und das solltest du wissen“ bis „das ist eine echt gute Frage, ich habe keine Ahnung, wie ich sie beantworten soll, ohne erst mal drei Stunden Recherche zu betreiben“ alle möglichen Reaktionen auslösen. Das Essen in der Kantine ist fleischlastig mit der tollen vegetarischen Alternative einen grünen Salat zu essen. Wenn man Glück hat, gibt es eine vegetarische Proteinkomponente an der Salatbar, wenn ich Pech habe, ist diese Hüttenkäse*. Ich habe also spätestens auf dem Nachhauseweg wieder großen Hunger. Das IT-Projekt denkt, ich sei doof und ich möchte es aus dem Fenster werfen, an Tag 1 nach dem Urlaub habe ich immerhin noch Energie, sauer zu werden, wenn mich Leute für dumm verkaufen wollen. Ins Büro fahren schlaucht voll, es ist laut und hell überall draußen und drinnen, aber immerhin habe ich meinen Lieblingsplatz bekommen, obwohl ich wegen dem unter Wasser stehenden Bahnhof und den daraus resultierenden Verspätungen ein bisschen spät dran war. Züge können nämlich nur an einem von drei Bahnsteigen Menschen ein- und aussteigen lassen, denn zu den anderen Bahnsteigen kommt man nur mit Schnorchel.

Selbst, dass die Züge auf dem Rückweg allesamt aus unerklärlichen Gründen total verspätet waren und ich zwischendurch kurz mal dachte, ich würde vielleicht doch aus Versehen nach Drammen fahren (weil der Zug das innen anzeigte), war irgendwie wie immer.

Irgendwie auch ok, dass die Welt sich nicht plötzlich ganz anders dreht als vor sechs Wochen.

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*Hüttenkäse ist so eine seltsame Erfindung. Geschmackloser Milch-Schlonz mit Brocken, wie nicht mehr ganz so guter Joghurt, nur halt ohne Geschmack. Die Brocken machen es für mich sehr schwierig.

Tag 2907 – Wieder allein.

Herr Rabe ist heute zu einem guten Freund aufgebrochen, der am Wochenende 40 wird. Damit haben wir seit dem 16. Juni exakt 2 Nächte im selben Bett geschlafen. Seit dem 2. Juni 15, seit dem 19. Mai 23. Sonntag Abend kommt er wieder und dann ist auch echt erst mal gut mit einzeln in der Weltgeschichte herumreisen.

Ich kämpfe weiter tapfer gegen den jet lag. Ich habe mich vorsichtshalber bettfertig gemacht, bevor ich die Kinder ins Bett gebracht habe, ich muss nämlich schon wieder ganz viel blinzeln irgendwie…

Ansonsten war ich heute im Büro und habe die Makulierungstonne gefüttert, das war sehr befriedigend. Jetzt fliegt hier nicht mehr so viel vertrauliches alles mögliche zu Hause rum, während (bald) wochenlang niemand zu Hause ist. Potentielle Bösewichte können jetzt nur ein paar handgeschriebene Notizen finden, aber das will ich sehen, wie die meine Inspektions-Handschrift entziffern wollen. Ich kann manchmal selbst schon nach kurzer Zeit nur noch einen educated guess machen.

Tag 2904 – Schon wieder fast um.

Ich sitze auf gepackten Koffern. Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, andererseits freue ich mich auch echt wie Bolle auf zu Hause.

Die Essensreise wurde heute mit einer Schalentiersuppe beendet, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, die aber sehr sehr lecker war. Auch wenn es echt nicht leicht ist, mit Stäbchen die Muschel aus ihrer Schale zu rupfen.

So, Licht aus. Gute Nacht!

Tag 2901 – Platt^2.

Ist platt zum Quadrat ein Viereck oder ein Würfel? Es ist schwierig.

Jedenfalls bin ich sehr fertig. Der Tag war anstrengend, wir haben aber ausgesprochen gut gegessen (ich werde immer mutiger und habe einfach durch zeigen auf die Karte irgendwas nach Optik bestellt – und es war super. In einem Restaurant im Einkaufszentrum nebenan) und auch gut inspiziert. Zum Tagesabschluss habe ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Straßen hier ums Hotel gemacht und dabei tatsächlich Ecken gefunden, die nicht bis zur scheinbaren Sterilität sauber waren.

Ach, und wussten Sie, dass Menschen in Korea ständig ihre Zähne putzen? Nach dem Mittagessen gehen alle zusammen Zähne putzen, die Firma hier hat Mundwasserspender auf dem Klo und die Mitarbeiterinnen haben Zahnbürsten und Zahnpasta auf dem Klo geparkt – da gibt es dafür extra einen Schrank. Ich muss sagen, das finde ich nicht das schlechteste.

Tag 2900 – Öfter mal was neues.

Der erste Inspektionstag ist überstanden. Offen gestanden bin ich ziemlich fertig, kämpfe immer noch gegen den Jet lag an (teils eher mäßig erfolgreich, so wie heute morgen um zwei, als ich hellwach war, und auf dem Rückweg im Taxi, als ich einschlief) aaaaaber ich glaube, es ist ganz ok gelaufen bisher. Mein Mit-Inspektor, den ich ja gestern das erste mal überhaupt in 3D gesehen habe, ist sehr nett und überaus professionell. Die in der Firma sind auch nett und nicht so yes-mam-unterwürfig wie in Indien, sondern halt Profis, die ein Nischenprodukt herstellen. Ich glaube allerdings, dass sie uns vorgaukeln, geschlossen kein Englisch zu können. Ich habe zwar eine sehr professionelle Dolmetscherin, aber das hier ist ja nicht tiefste mongolische Provinz. Vom Rest der Kultur her bekommt man eher den Eindruck, ein bisschen mehr westlich wäre ca. New York. Die Leute sind auch überwiegend sehr jung, maximal mein Alter und drunter. Dass die kein Wort Englisch sprechen können die ihrer Oma erzählen, vielleicht dolmetscht die das ja dann. Es ist außerdem ein bisschen offensichtlich, schon zu antworten, sobald ich ausgesprochen habe statt auf die Dolmetscherin zu warten. Whatever, so kann ich üben, mit Dolmetscherin zu arbeiten. Auch ok.

Noch seltsamer als das angebliche nicht-Englisch-können war aber, dass wir gebeten wurden, im Meetingraum unsere Schuhe auszuziehen und Badelatschen anzuziehen. Ich hatte Ballerinas ohne Socken an und war mir für den Rest des Tages meiner Zehen übermäßig bewusst. Für morgen habe ich schon Socken in den Rucksack getan.

Und dann war da noch das Schild auf dem Damenklo, auf dem etwas mit knapp 10 Ausrufezeichen auf Koreanisch stand. Bis ich das aber mit Google translate-Bildersuche raushatte, was vor den vielen Ausrufezeicheb kam, war es aber schon zu spät. Auf dem Schild stand:

Tag 2899 – Essensvideos und Dunst.

Um sieben aufstehen war überhaupt kein Problem. Bis sieben schlafen hingegen schon. Mein Körper fand irgendwie noch nicht, dass Nachtschlafzeit sei und war dauernd wach. Heute war ich deshalb einigermaßen groggy und hatte ein großes Bedürfnis nach sehr sehr viel Kaffee.

Mittags, als mir vorm Computer fast die Augen zufielen, holte ich mir deshalb einen im Shoppingcenter nebenan und machte dann einen Spaziergang, in den Park, der laut Google Maps etwa 1 km vom Hotel entfernt ist. Dabei lernte ich folgendes:

  • Meine Kreditkarte war für „Asien 1“ gesperrt. Jetzt ist sie entsperrt.
  • In Korea gibt es nirgendwo draußen Mülleimer. Interessanterweise fliegt aber auch kein Müll rum.
  • Bei gefühlten 95% Luftfeuchtigkeit und 25 Grad lächelt mein Deo einmal resigniert und macht dann einfach Feierabend.
  • Koreanischer Park ist mit Mauer drumrum und es gibt nur einen Eingang. Der ist nicht einen, sondern ca. 1,5 km vom Hotel entfernt, und man muss die ganze Zeit an der Hauptstraße lang. So romantisch!
  • Koreanischer Park ist ebenfalls für mich Hilfsnorwegerin viel zu steril.

Naja, es erfüllte seinen Zweck, danach war ich wacher. Und nass und hatte meinen Kaffeebecher immer noch in der Hand.

Im Laufe des Nachmittages kam auch mein Supporting Inspector an und wir gingen abends zusammen ins Hotelrestaurant essen. Der Inspector ist sehr nett, genau wie in Teams, auch in live. Scheinbar hat der Lieblingskollege in internationalen Fora von mir erzählt und die Erwartungen sind jetzt nicht niedrig. Ähäm.

Heute war ich etwas mutiger und bestellte Bibimbap. Da es mein erstes Mal Bibimbap war, zeigte mir der Kellner auf seinem Handy ein YouTube-Video, wie man das isst. Dem leistete ich Folge und es war wirklich sehr sehr lecker. Besonders lecker war etwas, das ich erst für frittierte Zesten von irgendwas hielt, bis ich entdeckte, dass jede der kleinen Zesten an einem Ende Augen hatte. Es waren winzige Fische, frittiert und sehr gut gewürzt. Und das Kimchi, das war auch sehr lecker. Und überhaupt – ich denke, das wird wieder so eine Essensreise wie nach Indien. Mjammi.

Zum Frühstück war ich auch schon mutig gewesen und habe etwas gegessen, von dem ich nur annahm, zu wissen, was es ist. Ich hatte aber recht.

Eine frische Litchi.

Tag 2898 – Angekommen (durchatmen).

Die Reise, nachdem der Flug nach Seoul eine Dreiviertel Stunde nach dem Schedule endlich abflog (lokale Zeit in Istanbul dann 02:30, bis ich die Augen zumachen konnte, war es nach 03:00 und ich dann doch auch mal echt platt), verlief sehr smooth. Es wurde zwar ab und an etwas ruppig in der Luft, aber ich kann ja im Normalfall besonders gut schlafen, wenn’s brummt und ruckelt, so auch da. Ich schlief ca. 5,5 Stunden, das ist recht wenig, aber da ich ja jetzt gleich auch schon wieder schlafen sollte, ist das schon ok.

In Korea angekommen, ging es stressfrei weiter. Ich füllte einen Ich-habe-keine-Covid-Symptome-Zettel aus, füllte einen Registration-Zettel aus (es ist Visit Korea-Jahr, viele Länder, unter anderem Norwegen, sind von der Visumspflicht befreit), ging mit 20 Sekunden Wartezeit durch die Passkontrolle und gab die Zettel wieder ab, holte mein Gepäck, das sich schon auf dem Band befand und ging aus dem Flughafen. Da wartete der Taxifahrer mit einem Schild auf mich. Eine halbe Stunde von Landung bis Taxi, das ist rekordverdächtig!

Der Taxifahrer hielt außerdem einen Kaffe Americano für mich bereit, schwarz und heiß, nicht zu stark, und in meinem Kopf war ja auch erst Vormittag, ähäm. Der Fahrer fuhr mich dann zum Hotel und erzählte mir zwischendurch mit Google Translate ein bisschen was, zum Beispiel hat die Stadt, in der ich grad bin, 1,3 Millionen Einwohner*innen. Also… so viele wie Viken. Nur auf 120 Quadratkilometern statt knapp 25.000 Quadratkilometern, also… ca. 200 fache Bevölkerungsdichte. Bin noch ein wenig kulturgeschockt allein davon.

Im Hotel an der Rezeption wurde ich kurz ein bisschen panisch, weil ich meinen Pass nicht fand. Der war in meiner Hosentasche gewesen… vielleicht war er mir im Taxi aus der Tasche gefallen? Mit der Rezeptionistin zusammen rannte ich aus der Lobby, um den Fahrer aufzuhalten, was gut war, denn der Pass lag nicht im, sondern unterm Taxi. Wäre der Fahrer losgefahren, hätte er meinen Pass glatt überfahren, ich weiß nicht, ob der das so mitgemacht hätte.

Im Hotelzimmer diese Aussicht:

…und endlich eine Dusche und frische Kleidung. Aber ganz fix, weil das Restaurant nur bis 9 aufhat und ich musste ja noch Mittag, ähhh, Abendessen essen. Ich hielt mich erst mal an „safes“ Essen, weil ich nur so wenig Zeit hatte und die Auswahl so groß war, dass ich schon Entscheidungsparalyse bekam. Es gab für mich also gebratene Pilze, scharfe Nudeln und Suppe. War schon mal sehr lecker. Zum Nachtisch nahm ich mir ein Häppchen Zitronenmousse, das war gefährlich lecker (ich bin ja jetzt ne Woche hier). Dann wieder ins Hotelzimmer und erst mal auspacken.

Jetzt liege ich hier schon ne Weile auf dem (riesigen! Ich könnte locker noch 2 weitere Erwachsene beherbergen) Bett und warte auf Müdigkeit. Morgen um sieben (bei Ihnen: Mitternacht) muss ich mich auf jeden Fall aus dem Bett peitschen. Das wird interessant.

Tag 2897 – Grüße aus Istanbul.

Die Reise nach Korea hat begonnen. Dazu passend:

Mein Weiterflug nach Seoul ist leider ein bisschen verspätet. Davon abgesehen war die Reise bisher allerdings überaus geschmeidig, die größte Katastrophe war, dass ich mir noch in der Lounge in Oslo an meinem Gepäckzettel fies in den Finger geschnitten habe. Eine Mitarbeiterin hat mir dann aber sehr schnell ein Pflaster besorgt.

Ich kann ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz fassen, dass ich hier ganz alleine um die Welt fliege, das ist doch ein Fehler, wer hat denn da nicht aufgepasst, ich kann doch sowas gar nicht! Das ist nur für Erwachsene!

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Pippi ist sehr happy bei ihrem Tanz-Ferienspiel-Gedön. Ich konnte sie heute noch mit abholen, bevor mich Herr Rabe und sie am Bahnhof abgesetzt haben. Das war sehr schön, da konnte ich mich versichern, dass sie es da ausgesprochen gut hat. Hach.

So. Als nächstes melde ich mich von einem anderen Kontinent und in einer komplett anderen Zeitzone.

Tag 2884 – Der übliche Wahnsinn.

Warum sind diese letzten Wochen vorm Sommerurlaub nur immer so ein Marathon? Alles muss irgendwie noch fertig werden, am besten bis gestern, und jemand(TM) reist ja auch noch nach Korea (so langsam fange ich deshalb an zu hyperventilieren, was habe ich da getan, ahhhhh!), Urlaub will geplant werden, Sommerfeste überall und ich möchte eigentlich nur schlafen bis Juli, dann habe ich nämlich Urlaub und da kann ich weiter schlafen.

Stattdessen schlafe ich zu wenig und arbeite viel zu viel, um alles fertig zu kriegen. Tjanun. Noch anderthalb Wochen Schule, noch dreieinhalb Wochen Arbeit. Ächz.

Einziger Bonus heute: die Ausschusssitzung der Kommune ging nur halb so lang wie veranschlagt. Und da ich mit dem Auto da war (weil ich bis 15 Minuten vor der Sitzung noch gearbeitet habe), war ich um kurz nach halb acht deshalb schon wieder zu Hause. Hurra!

Tag 2862 – Wahhh!

Zu viel Arbeit für zu wenig Zeit, morgen noch und dann ist erst mal ne Woche Urlaub, das ist auch echt sehr nötig, die saufen alle Lack da und können das gerne mal ne Weile ohne mich tun.

Außerdem heute alles vergessen, Sportzeug, Mittagessen, Thermotasse im Rucksack (seit Donnerstag, bah!). Wer’s nicht im Kopp hat, der muss es auf dem Konto haben und Mittagessen kaufen. Immerhin gab es heute Fisch und nicht wie sonst die Wahl zwischen irgendwas mit Fleisch und Salat. Meine Kollegin aus dem hohen Norden meinte aber nur „ist das Fisch? Normalerweise sieht der nicht… so aus“. Mit „so“ meinte sie „so kompakt“, der war halt nicht sonderlich kunstvoll zubereitet und dann trocken und gummiartig geworden.

Unsere Kantine ist echt nicht so der Knüller.