Tag 2667 – Puls.

Heute war ich ein Mal sehr aufgeregt, weil ich eine Rede halten wollte, das wussten nur diejenigen nicht, die für die Feierlichkeiten zuständig waren, ich hab also das Wort einfach an mich gerissen. Aber ich wusste ja, das ich das tun würde und war deshalb sehr aufgeregt. Innendrin. Äußerlich wirkte ich ziemlich gelassen, glaube ich, und sogar meine Witze kamen an. Ich hab hinterher viel positive, persönliche Rückmeldung von den richtigen Leuten bekommen und wurde spontan? zufällig? zu einem Gehirnwäschemeeting eingeladen, um mich vor der IT-Projekt-Retrospektive morgen auf Kurs zu bringen oder so. Dabei habe ich nichts negatives über das Projekt gesagt, ehrlich! Das hebe ich mir für die Retrospektive auf. Vielleicht sollte ich mich vorher noch mal selbst auf Kurs bringen und diverse alte Beiträge hier lesen.

Dann hatte ich Puls auf dem Heimweg. Weil mein Laptop/Tablet möglicherweise die Grätsche macht, passenderweise kurz vor Inspektion. Er hat aufgehört, mit der (abnehmbaren) Tastatur zu reden, was echt nicht cool von ihm ist, weil ich ihn so nicht mal anbekomme. Das hätte echt nicht ausgerechnet heute sein müssen, ich hätte noch viel Arbeit im Zug und während Pipoi beim Tanzen war, erledigen wollen. Stattdessen hab ich auf dem Handy gedaddelt und ein paar seriöse Klamotten geshoppt (und einen Teppich zum Anziehen, weil im Werk ab nächster Woche die Temperatur reduziert wird).

Solche Tage sind bestimmt nicht gut für die grauen Haare auf meinem Kopf und/oder mein Herz.

Tag 2661 – Applaus!

Heute habe ich die Inspekteure und Inspekteurinnen im IT-Projekt eingewiesen. Es war ein wilder Ritt und am Ende haben alle geklatscht (außer mir) und geweint (ok nur ich und nur fast). Jetzt liegt das also hinter mir. Ich bin angeblich streng, so als Lehrerin, merke das selbst aber nicht. Andererseits habe ich angeblich auch eine Engelsgeduld. Auch das merke ich nicht. Spannend. Aber ja, ich habe heute ca. eine Schrillion mal das selbe gesagt, immer wieder die gleichen Abläufe erklärt, weil niemand zuhört, wenn man was für alle sagt, und jede*r dann in die selben Löcher tappst. Ich mache sieben Kreuze, dass ich nicht Lehrerin geworden bin, da würde ich über kurz oder lang bekloppt werden. So viel kann man gar nicht klatschen, auch wenn es natürlich echt lieb ist, wenn sie das am Ende tun.

Jetzt bin ich allerdings auch echt gar. Könnte aber auch am Prosecco liegen, mit dem ich den heutigen Meilenstein begossen habe, liegen. (Unter der Woche! Schockschwerenot.)

Tag 2658 – Finger verbrannt.

Der IT-Projekt-Hass nimmt Ausmaße an, die hatte ich so kurz vorm Ende nicht für möglich gehalten. Andererseits ist es ja nur für mich das Ende, nicht für den Rest vom Werk, die dürfen sich noch weiter damit herumschlagen. Heute sind da allerdings auch wieder Sachen aufgetaucht, die hätte ich in einem staatlichen, norwegischen Etat nicht für möglich gehalten und jetzt weiß ich nicht so ganz, was ich damit machen soll (es ist nichts in irgendeiner Form illegales). Vielleicht schaffe ich es ja noch ne Woche oder zwei, auf meinen Händen zu sitzen? Aber das wäre gegen meine Integrität. Ach, ach.

Whatever. Bald vorbei, bald vorbei. Und sowas mache ich NIE. WIEDER. Niemals mehr. Generell glaube ich, ich gehe jeglicher Projektarbeit lieber aus dem Weg. Was für ein Clusterfuck.

Tag 2653/54 – Heimreise.

Der Baum ist gepflanzt worden, es war alles in allem eine sehr hyggelige Veranstaltung, auch wenn ich, als ich mit einem Minischäufelchen symbolische Mengen Erde auf dem Wurzelballen verteilte, harte Beerdigungsassoziationen hatte. Die Kollegin auch, stellte sich später heraus. Ein paar Höflichkeitsfloskeln später und um zwei aufgezwungene Mappen Papier (Audit File und CAPA File) „reicher“ saßen wir wieder im Taxi, das erste mal im Hellen.

Der Rest war dann Heimreise. Ingesamt über 24 Stunden. Geschlafen habe ich davon ca. 5-6, allerdings unglaublich schlecht, weil meine Füße kalt waren, mein Po kalt war, die Ohrenstöpsel nicht saßen, mir die Hüfte weh tat oder sich jemand auf dem Weg zum Klo auf meinem (bis dahin) schlafenden Körper abstützte.

Dann kam am Ende auch noch kein Taxi und ich saß dumm und mit immer vollerer Blase am Bahnhof herum

Insgesamt war das sehr anstrengend, aber es war sehr schön, die Familie wieder zu sehen und an den Kindern zu riechen und sie postwendend unter die Dusche zu schicken.

Jetzt schlafen. Hoffentlich besser als letzte Nacht.

Tag 2651 – Antiklimax.

Erst die guten Nachrichten:

  • Der Sonnenbrand ist schon viel besser
  • Ich war heute Wasser und Luft (Wasserreinigungsanlage und Ventilationsanlage) angucken, ganz alleine, und es war gar nicht schlimm (im Sinne von: niemand hat gemerkt, dass ich doch gar keine Ahnung hab)
  • Die Kollegin hat gesagt, ich könne Data Integrity besser als sie (inspizieren)
  • Das IT-Projekt ist jetzt live, mit einem Tag Verspätung

Das IT-Projekt ist aber gleichzeitig auf die denkbar schlimmste Art live gegangen, und zwar können wir Inspekteur*Innen jetzt leider keine Sachbearbeitung mehr machen, bis mindestens Ende nächster Woche, weil die Integration des Archives (das für uns auch ein Sachbearbeitungssystem ist) mit dem IT-Projekt macht, dass wir im Archiv nicht mehr arbeiten können. Gleichzeitig ist außer mir aber niemand im Stande, das IT-Projekt-System zu benutzen. Das zeigte sich heute, als eine Kollegin, die auch schon einiges getestet hatte, versuchte, den „smoke study“-Test durchzuführen, also eine Nachricht aus dem System zu schicken, und dann die Antwort zu archivieren. Das ging nicht so richtig gut, as in: das ging einfach mal gar nicht. Eine Kombination aus tatsächlichen technischen Schwierigkeiten und mangelnder Tiefenkenntnis der Kollegin. War der Projektleitung aber egal, sie haben das System einfach trotzdem freigegeben und mit Schampus angestoßen und sich beglückwünscht, wie geil sie sind, und deshalb habe ich jetzt endlich mal eine wirklich WIRKLICH böse Mail geschrieben und auch abgeschickt. Weil verarschen kann ich mich auch allein. Wenn man eh auf das Ergebnis unserer (Inspektions-)smoke study scheißt, hätte ich mir, meiner Kollegin, einer (echten) Firma und einem Entwickler (zum Teil echt viel) Arbeit ersparen können. Dass man außerdem einfach in Kauf nimmt, dass wir mindestens 8 Tage lang KEINERLEI Sachbearbeitung machen können, zeugt auch nicht grad von Respekt gegenüber unserer Arbeit.

Großes F***t-euch-alle-Gefühl.

Vielleicht auch weil ich die magischen PMDS-Tabletten zu Hause vergessen hab, aber eigentlich war alles gut, bis ich von diesem dampfenden Haufen Sch***e erfuhr.

Tag 2647 – Blumen und Motorräder.

Erste Male: von einem Willkommensschild und mit einem Strauß Rosen auf der Inspektion begrüßt worden. Das macht man hier wohl so. Ok. Ebenfalls zum ersten Mal großflächig Visitenkarten an den Mann (kein gendern nötig) gebracht.

Was hier auch so ist: Zeit ist relativ. Alles dauert. Von „könnte ich bitte die Rechnung haben“ bis Rechnung gut und gerne 10 Minuten, und das nicht, weil das Hotel understaffed ist oder so. Ich wäre bestimmt geduldiger, wenn ich im Urlaub wäre, klar, aber speziell wenn beim Abendessen ein Livemusiker die ganze Zeit die selben drei Akkorde spielt, darauf aber ganz unterschiedliche Lieder singt, und das auch noch echt laut, sodass man sich nicht mehr unterhalten kann – dann finde ich das sehr anstrengend auch noch ewig auf die Rechnung warten zu müssen.

Inspektion an sich war völlig in Ordnung. Wir sitzen in einem fensterlosen Raum, das ist etwas blöd. man fährt auch über eine Stunde durch den hiesigen Verkehr zur Site, das ist… interessant. Zwar führt eine zweispurige Autobahn da hin, aber es sind eigentlich eher so 5 Spuren, es scheint keinerlei Überholregeln zu geben, man hupt auch einfach um zu sagen, dass man da ist und man fährt so schnell wie man Lust hat. Es ist wild. 5 Menschen auf einem Motorrad und ca. 12 (wirklich nicht übertrieben) in einem Subaru MiniVan. Nirgendwo Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Wah!

Tag 2645 und 2646 – noch mal Piep.

Es war eine lange und anstrengende Reise, insgesamt 23 Stunden. In denen habe ich so 3 x 1 h geschlafen und das auch eher schlecht als recht. Außerdem bin ich jetzt in einem Land, in dem das MB mobiler Daten 5 € kostet, also irgendwas aus dem mobilen Netz machen ist nein-nein. Es gibt außerdem eine Zeitverschiebung, es ist warm und feucht und ich bin dementsprechend im Eimer.

Aber das Essen ist gut und ich hab mich direkt beim Abendessen überfressen und das obwohl ich allem, was nicht sehr heiß ist und allem, was nicht vegetarisch ist, aus dem Weg gehe. Großräumig. Ich möchte die Packung Immodium, die ich mitgenommen habe, lieber vollständig wieder mit zurück nehmen.

Immigrations war an der Reise das größte Problem, weil nur ein Schalter für alle 1.- und Businessclasspassagiere geöffnet war. Bei den Economyclasspassagieren waren sicher 8 Schalter offen. Und so kamen wir Businesskasper, mitten in der Nacht, als allerletzte durch die Visumskontrolle.

Das zweitgrößte Problem war die Domestic Lounge beim längeren Zwischenstopp, denn da hab es keine Möglichkeit, vernünftigzu sitzen. Meine Kollegin und ich saßen von ca. halb drei bis ca. halb fünf auf Barhockern. Nachts. Dann wurden zwei Sessel frei, auf die wir uns stürzten und so kamen wir zu einer der drei Stunden Schlaf.

Ich würde ja Fotos hochladen, aber WordPress sagt, mein Speicherplatz sei voll. Ich hab noch nicht rausgefunden, wie man den aufstockt.

Jetzt fallen die Augen aber auch wirklich zu. Morgen on-Site, 1 Stunde Auto in ständig hupendem Verkehr pro Weg entfernt vom Hotel. Hurra.