Der Baum ist gepflanzt worden, es war alles in allem eine sehr hyggelige Veranstaltung, auch wenn ich, als ich mit einem Minischäufelchen symbolische Mengen Erde auf dem Wurzelballen verteilte, harte Beerdigungsassoziationen hatte. Die Kollegin auch, stellte sich später heraus. Ein paar Höflichkeitsfloskeln später und um zwei aufgezwungene Mappen Papier (Audit File und CAPA File) „reicher“ saßen wir wieder im Taxi, das erste mal im Hellen.
Der Rest war dann Heimreise. Ingesamt über 24 Stunden. Geschlafen habe ich davon ca. 5-6, allerdings unglaublich schlecht, weil meine Füße kalt waren, mein Po kalt war, die Ohrenstöpsel nicht saßen, mir die Hüfte weh tat oder sich jemand auf dem Weg zum Klo auf meinem (bis dahin) schlafenden Körper abstützte.
Dann kam am Ende auch noch kein Taxi und ich saß dumm und mit immer vollerer Blase am Bahnhof herum
Insgesamt war das sehr anstrengend, aber es war sehr schön, die Familie wieder zu sehen und an den Kindern zu riechen und sie postwendend unter die Dusche zu schicken.
Jetzt schlafen. Hoffentlich besser als letzte Nacht.
… schreiben. Koffer ist halbwegs gepackt, morgen fertig inspizieren, Baum pflanzen, zurück zum Hotel, duschen und umziehen, zum Flughafen fahren.
Ich freue mich auf die Familie, Zähne putzen mit Leitungswasser und meine frisch reparierte Geige. Das Essen und die vielen Farben überall hingegen werde ich vermissen.
Ich war heute Wasser und Luft (Wasserreinigungsanlage und Ventilationsanlage) angucken, ganz alleine, und es war gar nicht schlimm (im Sinne von: niemand hat gemerkt, dass ich doch gar keine Ahnung hab)
Die Kollegin hat gesagt, ich könne Data Integrity besser als sie (inspizieren)
Das IT-Projekt ist jetzt live, mit einem Tag Verspätung
Das IT-Projekt ist aber gleichzeitig auf die denkbar schlimmste Art live gegangen, und zwar können wir Inspekteur*Innen jetzt leider keine Sachbearbeitung mehr machen, bis mindestens Ende nächster Woche, weil die Integration des Archives (das für uns auch ein Sachbearbeitungssystem ist) mit dem IT-Projekt macht, dass wir im Archiv nicht mehr arbeiten können. Gleichzeitig ist außer mir aber niemand im Stande, das IT-Projekt-System zu benutzen. Das zeigte sich heute, als eine Kollegin, die auch schon einiges getestet hatte, versuchte, den „smoke study“-Test durchzuführen, also eine Nachricht aus dem System zu schicken, und dann die Antwort zu archivieren. Das ging nicht so richtig gut, as in: das ging einfach mal gar nicht. Eine Kombination aus tatsächlichen technischen Schwierigkeiten und mangelnder Tiefenkenntnis der Kollegin. War der Projektleitung aber egal, sie haben das System einfach trotzdem freigegeben und mit Schampus angestoßen und sich beglückwünscht, wie geil sie sind, und deshalb habe ich jetzt endlich mal eine wirklich WIRKLICH böse Mail geschrieben und auch abgeschickt. Weil verarschen kann ich mich auch allein. Wenn man eh auf das Ergebnis unserer (Inspektions-)smoke study scheißt, hätte ich mir, meiner Kollegin, einer (echten) Firma und einem Entwickler (zum Teil echt viel) Arbeit ersparen können. Dass man außerdem einfach in Kauf nimmt, dass wir mindestens 8 Tage lang KEINERLEI Sachbearbeitung machen können, zeugt auch nicht grad von Respekt gegenüber unserer Arbeit.
Großes F***t-euch-alle-Gefühl.
Vielleicht auch weil ich die magischen PMDS-Tabletten zu Hause vergessen hab, aber eigentlich war alles gut, bis ich von diesem dampfenden Haufen Sch***e erfuhr.
Bisschen viel Arbeit, aber ich stehe noch (Spaß, ich liege im Bett). Die Kollegin erwischte heute sowohl Montezumas Rache als auch Klimaanlagenrotznase, die Arme. Was lob ich mir meinen robusten Magen und das Abstand nehmen von Fleisch.
Erste Male: von einem Willkommensschild und mit einem Strauß Rosen auf der Inspektion begrüßt worden. Das macht man hier wohl so. Ok. Ebenfalls zum ersten Mal großflächig Visitenkarten an den Mann (kein gendern nötig) gebracht.
Was hier auch so ist: Zeit ist relativ. Alles dauert. Von „könnte ich bitte die Rechnung haben“ bis Rechnung gut und gerne 10 Minuten, und das nicht, weil das Hotel understaffed ist oder so. Ich wäre bestimmt geduldiger, wenn ich im Urlaub wäre, klar, aber speziell wenn beim Abendessen ein Livemusiker die ganze Zeit die selben drei Akkorde spielt, darauf aber ganz unterschiedliche Lieder singt, und das auch noch echt laut, sodass man sich nicht mehr unterhalten kann – dann finde ich das sehr anstrengend auch noch ewig auf die Rechnung warten zu müssen.
Inspektion an sich war völlig in Ordnung. Wir sitzen in einem fensterlosen Raum, das ist etwas blöd. man fährt auch über eine Stunde durch den hiesigen Verkehr zur Site, das ist… interessant. Zwar führt eine zweispurige Autobahn da hin, aber es sind eigentlich eher so 5 Spuren, es scheint keinerlei Überholregeln zu geben, man hupt auch einfach um zu sagen, dass man da ist und man fährt so schnell wie man Lust hat. Es ist wild. 5 Menschen auf einem Motorrad und ca. 12 (wirklich nicht übertrieben) in einem Subaru MiniVan. Nirgendwo Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Wah!
Es war eine lange und anstrengende Reise, insgesamt 23 Stunden. In denen habe ich so 3 x 1 h geschlafen und das auch eher schlecht als recht. Außerdem bin ich jetzt in einem Land, in dem das MB mobiler Daten 5 € kostet, also irgendwas aus dem mobilen Netz machen ist nein-nein. Es gibt außerdem eine Zeitverschiebung, es ist warm und feucht und ich bin dementsprechend im Eimer.
Aber das Essen ist gut und ich hab mich direkt beim Abendessen überfressen und das obwohl ich allem, was nicht sehr heiß ist und allem, was nicht vegetarisch ist, aus dem Weg gehe. Großräumig. Ich möchte die Packung Immodium, die ich mitgenommen habe, lieber vollständig wieder mit zurück nehmen.
Immigrations war an der Reise das größte Problem, weil nur ein Schalter für alle 1.- und Businessclasspassagiere geöffnet war. Bei den Economyclasspassagieren waren sicher 8 Schalter offen. Und so kamen wir Businesskasper, mitten in der Nacht, als allerletzte durch die Visumskontrolle.
Das zweitgrößte Problem war die Domestic Lounge beim längeren Zwischenstopp, denn da hab es keine Möglichkeit, vernünftigzu sitzen. Meine Kollegin und ich saßen von ca. halb drei bis ca. halb fünf auf Barhockern. Nachts. Dann wurden zwei Sessel frei, auf die wir uns stürzten und so kamen wir zu einer der drei Stunden Schlaf.
Ich würde ja Fotos hochladen, aber WordPress sagt, mein Speicherplatz sei voll. Ich hab noch nicht rausgefunden, wie man den aufstockt.
Jetzt fallen die Augen aber auch wirklich zu. Morgen on-Site, 1 Stunde Auto in ständig hupendem Verkehr pro Weg entfernt vom Hotel. Hurra.
Hmm naja naja, der Arbeitstag lief eher so semi-erfolgreich und das heißt leider, dass ich mir nicht drei Tage frei nehmen kann. Also könnte schon, natürlich, ich könnte ja auch morgen vom Bus überfahren werden und dann würde ja auch die Welt nicht untergehen. Aber da ich gleichzeitig auch möchte, dass „die da draußen“ Antworten auf ihre brennenden Fragen zeitnahhalbwegs fristgerecht bekommen, tja. Tjaja.
Aber ein bisschen frei mache ich schon. Vermutlich werde ich einen Arbeitstag auf drei Tage aufteilen und allgemein eine ruhige Kugel schieben. Laut Auto-Reply kann man von mir vor Montag keine Mail erwarten und der Wecker ist auch aus, alles was ich tue ist also Bonus.
Was ich aber auf jeden Fall machen muss, und zwar noch diese Woche: meine Gehaltsforderung fertig machen. Frustrierender Weise mit den selben Argumenten wie letztes Jahr, ich hinke da also (obwohl ich letztes Jahr echt nicht so wenig mehr bekommen hab) irgendwie hinterher und das macht, dass ich mir dezent verarscht vorkomme.
Ach was war das schön, als man noch nicht jedes Jahr aufs neue drum kämpfen musste, ein der Arbeitsleistung, Arbeitsbelastung und Qualifikation angemessenes Gehalt zu bekommen. Ich hasse sowas ja sehr.
Ansonsten war heute hier ein wenig Kinderdrama. Michel ist auf dem Trampolin blöd auf den Nacken gefallen und hat sich aufgrund eines Knackens der Wirbel furchtbar erschreckt und meint jetzt, sein Hals ist gebrochen. Zur einen Seite könne er gar nicht gucken und nach unten auch nicht. Also außer auf der einen Seite ist der Fernseher oder unten der Laptop und man hat grad vergessen, dass man ja einen mindestens gebrochenen Hals hat, dann kann man den Kopf ganz normal bewegen. Pippi packte jedoch die große Eifersucht, weil ich Michel tröstete. Ich hätte Michel lieber als sie, überhaupt hat niemand sie lieb und dieses und jenes Kind war im Hort doof zu ihr und apropos Hort ist es auch brutal ungerecht, dass sie da hin muss und Michel nicht. Wie immer bei Pippi war das Drama aber wesentlich kurzlebiger als bei Michel und bei „morgen geht ihr mit dem Hort in die Bibliothek und da ist eine Veranstaltung mit Reptilien“ plötzlich vergessen. Fünf Minuten später stand sie schon wieder singend vorm Spiegel. Da war Michel noch motzig und rieb sich den Nacken. Es ist wirklich faszinierend, wie unterschiedlich die zwei sind.
Irgendwie war im Tag der Wurm drin. Nichts lief wie geplant, und das wird jetzt auch so weiter gehen, weil Dinge, die heute nicht liefen, Konsequenzen für meine Planung bis, oh, Ende Oktober haben werden. Danke für nichts, Menschen mit denen ich hätte zusammen arbeiten müssen!
Ich atme einfach in eine Tüte und matrae vor mich hin, dass es dann echt nicht meine Schuld ist, wenn Fristen nicht eingehalten werden.
Außerdem ist es im Büro kalt. Dabei haben wir gar keine verordnete Stromspar-Temperaturabsenkung. Es ist einfach kalt da. Blödes Büro.
Gut war heute eine gute Stunde Geige spielen. Leider muss ich einsehen, dass ich nicht mehr ewig an den aktuellen Stücken herumüben kann*, andererseits fahre ich in einer guten Woche ja schon für über eine Woche weg und da lohnt es sich jetzt auch nicht mehr, was neues anzufangen. Ich merke weiterhin kontinuierlichen Fortschritt, üben hilft halt. Vielleicht hole ich zum Wochenende einfach noch mal was raus, was ich schon beiseite gelegt habe, poliere da ein bisschen dran rum, und nutze die Reise dann dazu, mir was cooles neues auszusuchen. Klingt doch nach nem Plan.
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Weil man in Antworten keine Fotos hochladen kann, hier meine Antwort an Sunni:
Ja, die meisten norwegischen Haushalte haben einen „Spotpris“-Vertrag, da bezahlt man den stundengenauen Börsenpreis plus irgendwelche festen Aufschläge plus Umsatzsteuer. Irgendwann am Abend werden die Preise für den nächsten Tag veröffentlicht. Für heute sieht das zum Beispiel so aus:
Sehen kann ich das in der App meines Stromanbieters, auf einigen Zeitungs-Webseiten hat der Strompreisgraph allerdings auch die Covid-Inzidenzen ersetzt.
Wir passen manche Verbrauche an den Strompreis an, zum Beispiel wann wir die Autos laden. Das kann man ja programmieren, entweder am Auto selbst (Tesla) oder an der Ladebox (Citroën). Und wenn am Wochenende dann mal eine Stunde lang am Nachmittag der Preis unter 100 øre/kWh liegt, kann man das ja für ein Bad nutzen, wenn man eh im Laufe des Tages baden wollte.
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*es ist kompliziert. Einerseits brauche ich kontinuierliche Herausforderung, andererseits mag ich gern Routine und bin sehr perfektionistisch, kann also problemlos Wochen- bis monatelang dasselbe spielen und immer noch was finden, was nicht perfekt ist.
Against all odds haben wir heute den IT-Projekt das Go gegeben. Wir haben es getestet und es ist so halb ok, brauchbar und in zwei Wochen wird es dann in Betrieb genommen. (Da bin ich nicht da, deshalb nehmen die Inspekteur*Innen es später in Betrieb.)
Es war holprig und heute waren überall sehr viele Arme und Beine, wie man auf Norwegisch sagt. Meine eine Kollegin hätte im Meeting glaube ich fast geheult, weil insbesondere für sie der Endspurt extrem stressig war, aber jetzt ist es erstmal vorbei. „Vorbei“, haha, es wird ja „kontinuierlich daran weiter entwickelt“. Jajablabla, aber wenigstens muss ich nicht mehr täglich in drei Stand-Ups meine Lebensentscheidungen infrage stellen meine Nase in die Kamera halten. Des Weiteren muss ich nicht mehr mit echt unangenehmen Personen zusammenarbeiten. Hurra.
Außerdem heute: den Schlussreport der Inspektion in den USA unterschrieben, das ist also jetzt sozusagen abgeschlossen. Wow. So geschmeidig sollte das mal immer laufen.
Michel „muss“ jetzt Japanisch lernen. Er hat innerhalb von zwei Tagen fünf Kirby-Mangas (in Buchform) eingeatmet und die weiteren sind nicht übersetzt, es ist eine Katastrophe, sage ich Ihnen, und es gibt keine andere Lösung, als Japanisch zu lernen. Soll er machen, schadet sicher nicht. Persönlich bin ich grad eher auf Koreanisch gepolt, aber jede*r hier im Haus darf ja seine eigenen Seltsamkeiten haben.
Heute gutes Sushi und einen Haufen Edamame gegessen, ansonsten nicht wirklich viel positives zu berichten.
Anekdote: mitten in der Inspektion, während ich grad im Labor stand und meine Kollegin sich was zeigen ließ, klingelte mein Handy. Das stand auf nicht stören und das heißt, man muss mindestens zwei mal direkt nacheinander anrufen um überhaupt durchzukommen. Und es war Michel, also ging ich ran, vermutend, dass mindestens das Haus brennt oder Herr Rabe mit gebrochenem Genick am Fuß der Treppe liegt. „MAMA?“ brüllte er ins Telefon. „Ich kann grad wirklich nicht, du musst bitte Papa anrufen!“ „Aber Papa kann auch nicht und ich muss was ganz wichtiges sagen!“ [also brennt das Haus, dachte ich] „Hm ok, was ist denn?“ „Ich sehe den Kronprinzen!“ „Was?“ „Den Kronprinzen! Ich sehe den Kronprinzen!“ „Äh, ok?“ sagte ich, aber da hatte Michel schon aufgelegt.