Tag 2547 – God nok.

Ich war im Büro, um sehr viel Papier wegzuwerfen, das ich nicht einfach in die heimische Papiertonne werfen kann, weil das Betriebsgeheimnisse sind. Das gelang mir, ich fuhr mit einer sehr vollen Tasche ins Büro und mit dem Beutel zusammengeknüllt im Rucksack von dort wieder los. Ich weiß jetzt auch, dass der Schlitz an der Destruktionstonne im Werk exakt DIN A4 breit ist, also knapp zu schmal für US Letter-Format. Ich weiß ebenfalls, dass unser Scanner schlau genug ist, auf 90% der Seiten den gelben Hintergrund (die Amerikaner hatten alles auf gelbes Papier gedruckt, warum auch immer) im Scan weiß zu machen. Dass der Scanner auch A5 (meine Notizen) und doppelte Letter-Größe (Floorplan der Fabrik) problemlos scannt. Und dass ich beim nächsten mal noch rigoroser aussortieren kann, was ich mitnehme, weil das meiste halt dann doch unnötiger Kram ist, den man nie mehr anschaut. Zugeschicktes ausdrucken ist auch Blödsinn, das wusste ich vorher, hab es aber noch mal probiert mit diesem Papier und nee, das ist nichts für mich, da kann man schlechter drin suchen als in jedem pdf und einzelne Sätze oder Bilder in One Note (als, ich glaube, einzige Inspektørin im Werk bevorzuge ich das für meine nicht handschriftlichen Notizen) kopieren ist auch nicht so einfach.

Bei der Arbeit war ich auch ansonsten sehr produktiv und muss jetzt morgen „nur noch“ eineinhalb sehr dicke Kühe vom Eis schaffen, von denen eine auch noch taub, blind, lahm und überaus stur ist. Danach ist aber Urlaub.

Nach der Arbeit hatte ich, vom Papier befreit, sehr gute Laune. Ich fragte zu Hause an, ob es wohl ok sei, wenn ich mir spontan die Haare schneiden ließe. Jaja, hieß es. Also schlenderte ich so Richtung Oslo City durch Byporten (die Frisörkettenapp hatte gesagt, da sei die kürzeste Schlange und „zufällig“ kommt man da auch an einer Backstube vorbei und Backstube hat authentische Laugenstangen, Franzbrötchen und Apfeltaschen, was will eine da machen). Oh, Taschenbücher, schau an, ein neuer Jussi Adler Olsen, dachte ich, als ich an einer Buchhandlung vorbei kam. Oh, und Kastaniemannen als Buch, da brauche ich die Serie nicht schauen (traumatisiert von True Detective hier, was in Bäumen hängende Basteleien an Tatorten angeht). Oh, 40% auf alle Spiele und Puzzles. Oh, Puzzles von Lisa Aisato. Oha.

Gekauft. (Strong enough ist eine seltsame Übersetzung. Gut genug reicht doch?)
Gekauft. (In dieser Übersetzung geht der Wortwitz verloren. Den kann man aber auch schlecht erklären, es ist eine Anspielung auf „bergtatt“, was etwa „gefesselt“ oder „versunken“ heißt, inklusive der mitschwingenden nicht-ganz-Freiwilligkeit.)

Wie so jemand, der Zeit zum Puzzeln hat.

Hier, das wünsche ich mir zu Weihnachten, nicht dass es wieder heißt, ich hätte ja nichts gesagt: https://salg.aisato.no/produkt/digitaltrykk/hverdagskjaeresterhttps://salg.aisato.no/produkt/digitaltrykk/hverdagskjaerester.

Das hier „hit too close to home“:

Ist aber wahrscheinlich einfacher zu puzzeln.

Haare schneiden lassen war ich dann tatsächlich auch noch. Das ist ja bei mir eine Sache von wenigen Minuten und deshalb gehe ich gerne zur 15-Minuten-Friseurkette, einmal 9 mm an den Seiten und im Nacken, leichten Fade und oben irgendwie wieder wie ne Frisur. Duschen kann ich zu Hause, die wenigsten Friseure waschen ja überhaupt nach dem Schneiden nochmal, da brauche ich die Wascherei generell nicht. Wenn ich mal Geld beim Friseur lasse, dann gerne richtig, aber insgesamt waren die meisten der Friseurbesuche in den letzten Jahren, die eher viel Geld gekostet haben, Verschwendung. Manchmal sah ich hinterher auch eher pfiffig aus. Da lasse ich mich lieber innerhalb von 5 Minuten mit der Maschine scheren und lasse die Farbe „mausblond mit wachsendem Anteil von unpigmentiert“.

P. S. Das Parfum ist wieder da. Ganz von selbst stand es plötzlich wieder im Bad, nachdem ich den Kindern gesagt hatte, dass ich es wirklich schön fände, wenn es wieder auftauchen würde. Schon kriegen die Dinge Beine und ein Gewissen und laufen selbst zurück.

Tag 2541 – Auf dem Heimweg.

Ich wusste bis letzte Woche nicht, dass es im Flugzeug Dreipunktgurte gibt, und ich wüsste auch nicht so richtig, wozu das gut sein soll, aber egal. Nach einer Woche freue ich mich auf zu Hause, freue mich auf die Horizontale und freue mich auf Temperaturen unter 30 Grad. Mein Plan ist, zwischen den Mahlzeiten im Flugzeug durchzuschlafen. Mal sehen, ob das klappt. Cheers jedenfalls!

Ich sehe etwas mitgenommen aus, so schlimm ist es eigentlich gar nicht.

Übrigens haben wir aus Gründen etwas vom Hersteller geschenkt bekommen. Jeder und jede von uns eins:

Bestes Fidget-Toy.

Insgesamt war das alles sehr spannend und sehr gut. Hach. Den besten Job, den ich mir wünschen könnte, habe ich!

Tag 2532 – Nicht cool.

Ich würde gerne behaupten können, dass ich diese Reise routiniert und tiefenentspannt angehe, weil ich ja dauernd reise, aber dieses Mal ist halt alleine (ohne meine Kollegin und meinen Kollegen, mit einem Inspektor aus einem anderen Land, den ich bisher nur auf Bildschirmen gesehen habe) und über mehrere Zeitzonen hinweg. Ein Drittland. Irgendwann musste das ja passieren, aber jetzt ist es sehr real und uff. Wahhh.

Einzig beruhigend, dass ich erfahrungsgemäß souverän rüber komme, egal wie sehr ich mir vorkomme wie ein verkleidetes Kind.

Tag 2527 – Kaltstart.

Heute Morgen habe ich verschlafen. Das ist auch schon was her, dass mir das passiert ist. Aber um zwanzig nach sieben wachte ich auf, versuchte, auf meine Handy-Uhr zu fokussieren, und dachte SCHEISSE. Ich hätte nämlich um halb neun bei der Arbeit sein sollen, und dann muss ich um halb acht im Zug sitzen. Naja, ich saß stattdessen um fünf vor acht im Zug, was ich beachtlich finde, besonders wenn man einbezieht, dass ich da angezogen und mit geputzten Zähnen, geschminkt und mit gemachten Haaren saß (ein Hoch auf die Kurzhaarfrisur und ein 5-Minuten-Basismakeup, das ich wahrscheinlich auch im Schlaf machen könnte).

Allerdings war ich, bis ich dann bei der Arbeit war, auch echt verstrahlt und neben der Spur.

Dafür habe ich aber heute meine Testcases durchgeorgelt und bin jetzt fertig. Morgen noch meine Chefin durch ihre drei Cases begleiten und dann ist die erste Runde durch. Wird auch Zeit, ich hab nach morgen eigentlich nur noch einen Arbeitstag an dem ich was testen könnte, dann ist Inspektion, dann ist Jetlag, dann sind Ferien.

20 Fehler im Akzeptanztest in meinem kleinen Bereich.

Die Kinder haben ab morgen um 12 Uhr Sommerferien. Ich bin ein bisschen neidisch. Michel tut schon so, als lese er ganz viel, weil es da einen Sommer-Lesewettbewerb gibt. Pippi ist erkältet, was zur Zeit heißt, dass sie zu Hause immer wenn sie da ist nur nölt, aber fast nie da ist, weil Sommer ist und alle Kinder der Reihenhaussiedlung, außer Michel, beieinander ein- und ausgehen.

Kaum zu glauben, dass schon wieder ein Schuljahr rum ist.

Tag 2526 – Die Geister die ich rief.

Ich sagte, ich wolle mal wieder was anderes machen als testen. Und heute kam ich einfach nicht mehr ins System. Fehlermeldung mit kryptischen Zahlenreihen und wenn ich die wegklickte ging einfach der ganze Browser zu. So hatte ich mir das allerdings nicht vorgestellt. Nachdem auch Neustart und Fluchen nichts brachte, gab ich auf, sagte dem Testteam Bescheid und verbrachte den Vormittag damit, den Screenshot der Fehlermeldung diversen Menschen zu schicken, die alle „hmm.“ dazu sagten. Ab der Sekunde, in der ich eigentlich Essen gehen wollte, ging es wieder, nach dem Essen musste ich meiner Chefin erklären, warum die Inspektionstypen in der Testumgebung so Namen haben wie „AT Inspektion Auftrag EMA“ und nicht „GMP-Inspektion“ (weil ich so auf einen Blick weiß, was das für ein Inspektionstyp ist, welche Parameter der hat [hier: Auftrag EMA] und dass ich den eigens fürs Testen eingerichtet habe). Dann hab ich erklärt, wie man komplexe Suchanfragen an das System stellt und warum uns das bei $Problem nicht weiter hilft. Das hatte ich auch schon versucht, diversen Entwicklern zu erklären, erfolglos leider. Chefin explodierte daraufhin aber ein bisschen und ich konnte nur immer wieder sagen „ich WEISS das das scheiße ist, das sage ich seit Januar, aber mir hört niemand so richtig zu!“. Spitze gelaufen der Tag.

Erfolg: am Ende des Tages hörte mir jemand zu und aus „out of scope, schade Schokolade“ wurde „ja, die Ansicht, dass das kritisch ist, teile ich voll und ganz und das muss auf jeden Fall in den Scope!“. Erst nachdem ich gesagt hatte, dass wir dafür sogar schon ein Szenario haben, mit Akzeptanzkriterien und so weiter, aber immerhin.

Die Arbeit, das zu implementieren, ist übrigens auf 6 Stunden geschätzt. Da haben wir bereits wesentlich mehr Zeit damit verbracht, zu diskutieren, ob das jetzt out of scope oder total kritisch ist.

Egal. Ebenfalls Erfolg: abends zum Sport gegangen und jetzt kann ich mich wahrscheinlich wieder drei Tage lang nur eingeschränkt bewegen und muss beim Lachen vor Schmerzen stöhnen, aber gut war das. Jetzt ist leider bis Ende August nichts mehr.

Tag 2525 – Testeditest…

Die kleine R. möchte bitte aus Testhöllenhausen abgeholt werden. Die kleine R. würde wirklich gern mal langsam wieder was anderes machen. Mit eisernem Willen wird die kleine R. morgen fertig und muss dann auch echt dringend mal ein paar testfreie Tage haben.

Vielleicht besorge ich zur Schulungswoche nach den Ferien einfach ganz viel Schnaps, dann können wir uns das System kollektiv schön saufen.

Nie mehr mache ich sowas, ich schwöre. Productownership ist NICHT vereinbar mit meinem Job, nicht in dieser Organisation, in der erwartet wird, dass man das irgendwie so nebenher wuppt.

Genauso wie man halt nebenher noch nen Vortrag vorbereitet und vor Fachpublikum hält. Und eine Inspektion in einem dieser Drittstaaten vorbereitet, mit allem was dazu gehört, zum ersten Mal. Mein Kollege kriegt hinterher nen sehr großes Lakritzeis spendiert, weil der echt viel hilft, mit so Dingen wie „hast du den MAH angeschrieben, dass sie dir ne Bestellnummer für die Rechnung schicken? Du kannst da Artikel blabla aus Regulation dingsbums referenzieren wegen der Kostenübernahme.“ äh, ok, ja.

Wenn ich da aber nicht bald mal die Tonnen von Dokumentation gelesen kriege, wird das eine Lächeln-und-Winken-Aktion, ein bisschen wie dieser Vortrag. Der aber überraschend gut lief, so insgesamt, ich bin ja gut im kompetent auftreten und locker flockig improvisieren. Frisst nur vorher, währenddessen und nachher alle meine Nerven.

Tag 2519 – Stillarbeit.

Ich kann eigentlich leider gar nicht mehr sprechen, sondern nur noch flüstern. Ach wäre doch nur ein Tag gewesen, an dem ich nicht hätte reden müssen. Haha.

Testen läuft so lala, gestern ok, heute scheiße, weil die Umgebung erst nicht fertig war, dann hatte ich Meetings, dann musste ich erst mal Gedön ins System legen, damit meine Kolleginnen eine Grundlage zum Testen haben, und dann war 14 Uhr und die Umgebung wieder nicht fertig (weil dann deployed wird. Fragen Sie mich nicht, was dabei genau passiert oder warum wir in der Zeit nicht testen können, aber es klingt doch, als hätte ich voll Ahnung, oder? „Wir können nicht testen, die Entwickler deployen in die Testumgebung.“).

Alles andere bleibt grad liegen und ist so viel und so dringend, dass ich gar nicht drüber nachdenken darf, sonst lähmt mich die schiere Masse.

Wegen keiner Stimme ließ ich den Sport heute ausfallen. Ansonsten bin ich zwar recht fit, aber das kann nicht gut sein, denke ich mir.

Seit heute Nachmittag hab ich auch einen sehr nervigen Ohrwurm, von „Und es regnet“ von Die Ärzte. „Vertrocknet ist die rote Rose, ich huste rote Brocken aus. Ich glaub ich hab Tuberkulose, doch ich will nicht ins Krankenhaus. Ich will bei dir sein, ich bin so allein, ich will bei dir sein, immer bei dir sein.“

Tag 2514 – Das IT-Projekt…

… droht vollends zu eskalieren, es ist schon wieder verspätet und Teile davon werden halt auch einfach nicht so richtig gut. Ich arbeite dran, mich selbst nicht dafür verantwortlich zu fühlen, aber das ist gar nicht mal so leicht.

Das einzige gute ist, dass sich tatsächlich mal was „von selbst“ gelöst hat. Dadurch, dass das Projekt verspätet ist, muss ich keine Vertretung organisieren, die für mich in wichtigen Meetings sitzt, während ich in einem Interkontinentalflug sitze. Weil die Meetings ebenfalls verschoben wurden. Tadaa.