Ich habe furchtbar schlecht und zu kurz geschlafen und wachte mit Nackenschmerzen aus der Hölle auf. Dann inspizierte ich und morgen werde ich wieder inspizieren und ich hoffe sehr doll darauf, dass ich diese Nacht besser schlafe und mein Nacken morgen bitte bitte wieder in Ordnung ist. Ich verspreche auch hoch und heilig, mich morgen Nachmittag vom Auto aus um eine neue Matratze zu kümmern. Ehrlich wahr. (Bin Beifahrerin, keine Sorge.)
Arbeit
Tag 2498 – Sagt einer ja auch keiner.
Ich weiß jetzt offiziell mehr über das IT-Projekt als ich je wissen wollte der IT-Support. Es ist zu Heulen und zum Haare raufen, aber es hilft ja auch nichts. Einfach gar nichts. Noch ein paar Wochen. Augen zu und durch.
Sommerarbeitszeit (reguläre Arbeitszeit nur 35 Stunden/Woche von Mitte Mai bis Mitte August, dafür 38,75 Stunden/Woche den Rest des Jahres, im Schnitt übers Jahr also 37,5) ist eine gigantische Lüge. Man hat ja nicht weniger zu tun, bloß weil die Sonne scheint. Außerdem muss man hat man das Recht und wird stark dazu angehalten, von den 13 Wochen Sommerarbeitszeit 3 Wochen Ferien zu nehmen. Zumindest bei uns im Werk muss man dafür Ferientage (wird tageweise abgerechnet, Länge des Arbeitstages ist egal) verbrauchen, nicht Abfeiern (stundenweise abgerechnet). Dadurch schenkt jeder norwegische Vollzeit-Staatsangestellte im Laufe des Sommers dem Staat 11,25 Arbeitsstunden. 1,5 Arbeitstage. Mal ca. 150.000 Angestelltenjahre sagt das SSB. Man muss schon echt sehr idealistisch sein, um das mitzumachen, eigentlich. Vielleicht sollte man nach 30 Jahren Staatsdienst dann einfach fordern, 9 Wochen eher in Rente zu gehen. Oder ich fordere erst mal, dass nicht verlangt werden kann, Ferientage innerhalb der Sommerarbeitszeitsperiode zu verbrauchen. (Ich mache übrigens beides, Ferien und Abfeiern, und habe dadurch halt sehr lange frei im Sommer. Dafür kann es aber auch passieren, dass ich in der Abfeierperiode doch zu irgendwas beordert werde.)
Mit Pippi diskutieren wir momentan täglich mehrmals das Thema BH. Die eine Freundin trägt nämlich BHs. Bei der Freundin ist das genauso unnötig wie bei Pippi, aber das sture Kind sieht das nicht ein und deshalb gibt es jeden Tag Theater. Und in jedem Laden auch, weil es ja nicht so ist, als gäbe es keine BHs in Größe 128. Ich möchte das Patriarchat und den Kapitalismus inzwischen nur noch brennen sehen. In welcher Welt haben wir geschafft, Kindern einzureden, dass sie einen BH brauchen bevor auch nur der winzigste Anflug von Pubertät etwas erzeugt hat, das nicht mehr 100%ig nach Kind aussieht. Vielleicht muss man auch die Kinder da in was rein pressen, damit sie ordentlich konsumieren, bevor sie dann mit 40 beschließen, dass sie lange genug BH getragen haben und die Dinger außer zu seltenen Deko-Zwecken an den Nagel hängen. Das kommt bei mir jedenfalls nicht in die Tüte, dass ich dafür Geld ausgebe, solange einfach so gar kein körperlicher Bedarf dafür da ist. (Blöde Mama mit ihren feministischen Tiraden immer. Alle anderen dürfen nämlich!)
Entschuldigen Sie das ranten. Musste mal raus, alles.
Tag 2490 und 2491 – Weggeworfene Zeit.
Gestern bin ich abends auf dem Sofa vom Schlaf übermannt worden. Tjanun.
Es gab aber auch nichts spannendes zu erzählen, außer, das ist natürlich sehr spannend: es hat geregnet. Den ganzen Tag! Das ist eine Meldung wert, das war nämlich, leider wirklich nicht übertrieben, das erste mal seit März, dass es geregnet hat. Vor lauter Schreck ist gleich der Rosmarin (Versuch Nummer 275) im Garten eingegangen und der Rest der Natur ist förmlich explodiert. Zack, Frühling, alles grün. Nur doof, dass der Korps gestern seine finale Marschübung hatte, ich bekam 3 (Herr Rabe marschiert als Begleitelter mit) sehr nasse Raben zurück, die erst mal in der Badewanne auftauen mussten.
In einem Land, in dem der komplette Strom aus Wasserkraft kommt, weiß man Regen gleich ganz anders zu schätzen.
Heute war auch nicht so ganz viel, um ehrlich zu sein. Ich arbeite so vor mich hin, ziemlich unproduktiv aber es saufen halt auch alle die billigen Desinfektionsmittel da, was soll man machen. Die Arbeitszeit fühlt sich ziemlich verschwendet an, oder wie man auf norwegisch sagt: weggeworfen.
Abends habe ich versucht, Pippi die Bräune aus dem Gesicht zu waschen, weil ich dachte, es sei Dreck. Sie hat einen sehr deutlichen Abdruck von ihrer Brille, das passiert mir ja tatsächlich einfach nie, deshalb dachte ich halt, das Braune muss Staub oder Dreck sein. Hoppla. Aber Pippi sieht natürlich auch mit einem weißen Balken auf der Nase ganz bezaubernd aus. Michel hat wieder Sommersprossen auf der Nase und den Wangen bekommen und sieht damit auch ganz hinreißend aus, wie immer. Ich muss neue Sonnencreme kaufen, die Restbestände habe ich alle aus Gründen wie „voller Sand“ entsorgt. Und meine ist leer, aber die kriege ich auch nicht im Supermarkt, die muss ich bestellen oder es wagen, in eine Parfümerie zu gehen. Da ich aber schon die letzten Male im Zug gern Leuten an die Gurgel gegangen wäre, weil sie zu penetrant nach Parfüm rochen, läuft es wohl auf bestellen raus. Ich frage mich, warum mir das jetzt so extrem auffällt? Ich war immer schon geruchsempfindlich, aber doch nicht so? Bei meinem letzten physischen Maskarakauf wollte ich am liebsten rückwärts den Laden wieder verlassen, weil ugggghhhh Parfüm. Werde ich seltsam mit den Jahren? Also noch seltsamer als eh schon? Ist es die Entwöhnung durch Pandemie? Egal was: ich wünsche mir von der Menschheit generell einen sparsameren Umgang mit Düften aller Art.
Tag 2489 – Meine Nerven!
Kann nicht schon 7.7. sein? Ich wäre dafür bereit, muss ich sagen.
Eine Woche vorm 17. Mai ist totales Orga-Chaos und als wäre das nicht genug, hat die Kommune sowohl den 17. Mai-Festzug über diese Brücke, mit Kranzniederlegung an diesem Denkmal, genehmigt, als auch die Renovierung eben dieser Brücke. Tadaa.

Das IT-Projekt eskaliert völlig und es weiß langsam der Zeigefinger nicht mehr, was der Ringfinger tut oder was seine eigene Aufgabe ist.
Ich habe mit dem Kind, das eine strikte Nulltoleranzpolitik gegenüber eigenen Fehlern fährt (as in: es macht keine, wenn es welche macht, sind es keine, wenn es doch welche sind, war es nicht seine Schuld, wenn es doch seine Schuld ist, explodiert es gründlich und ausdauernd) seinen Mathetest korrigiert. Ich bin Gandhi, nach außen hin jedenfalls. Innerlich möchte ich schreien, dass das alles kein informed consent war, I didn’t sign up for this, warum muss ich sowas plötzlich machen?
Liebe Menschen, die ihr darüber nachdenkt, ob ihr Kinder haben möchtet: Hausaufgaben. Ihr werdet Hausaufgaben betreuen müssen. Bedenkt, dass 5 Minuten Hausaufgaben 30 und mehr Minuten Gezeter und Genörgel vorausgehen können und dass ihr unter Umständen mit Radiergummis beworfen werdet, weil ihr wagt, die Flüchtigkeitsfehler eurer in deren Augen gottgleichen Brut aufzuzeigen.
Tag 2384 – Noch 49 Tage.
Maximal 49 Tage müssen Sie mein Genörgel, Geheul und frustriertes Waszurhölle-n ertragen, dann ist der Tag an dem wir entscheiden, ob in 116 Tagen das IT-Projekt live geht. Also ich nicht, an dem Tag mache ich ja einen Langstreckenflug. Aber 49 Tage. Das ist aushaltbar. Wir müssen da jetzt alle zusammen durch und das beste draus machen, nicht wahr.
Noch 64 Tage bis Urlaub und noch 66 Tage bis in-den-Urlaub-fahren. Mindestens ich werde es bis dahin sehr nötig haben, denn bis dahin sind noch Herr Rabes Geburtstag, 17. Mai, 1 Inspektion (die wegen Magen-Darm verschobene), 1 LAN-Party für die 5.-7. Klassen, an 1 Wochenende, an dem Herr Rabe nicht da ist, Acceptance testing für das IT-Projekt, diverse Sommerfeste und Gedön, 1 Inspektion auf 1 anderem Kontinent mit 1 anderen Inspektor aus 1 anderen Land (Hilfe!), 1 Sommertour für Michel mit 2 Übernachtungen und 0 Menschen, die er dort kennt (er wollte das!) und Packen für den Urlaub.
Was sagte meine Kollegin heute? Ich müsse auch an mich denken. Ich denke ja an mich, zum Beispiel werde ich in 53 Tagen ganz allein in New York sein. Und heute habe ich immerhin 45 Minuten Geige gespielt, hatte sowas wie einen Durchbruch/eine Erleuchtung bei Markov-Scales in D-Dur und hab sogar endlich meine längst gewaschene Wäsche wegsortiert und damit etwas Platz im Hirn geschaffen. Wenn das nicht selfcare ist.
Noch 64 Tage.
Tag 2383 – Was hab ich getan.
Das IT-Projekt läuft exakt wie befürchtet und wie mir prophezeit worden war, nämlich wie durch Sirup, rückwärts und in Zeitlupe. Es raubt mir den letzten Nerv und alle meine Arbeitsstunden und ich mag langsam echt nicht mehr.
Noch ein paar Wochen. Angeblich.
Jetzt muss ich schlafen, um morgen wieder… ach lassen wir das, das macht nur schlechte Laune am Abend.
Tag 2382 – Karma is a b*tch.
Heute warf ich einen Blick in den reichlich, äh, nicht durchdachten Plan für den Abnahmetest im IT-Projekt und wie soll ich sagen. Sie hören nicht zu. Doppelt nicht. Denn nicht nur hatten sie mich für das Ende der Testphase eingeteilt (ich kann. Da. Nicht. Ab dem Mittwoch in der dritten von drei Wochen sitze ich in einem Langstreckenflug und dann bin ich auf einem anderen Kontinent, ich kann. Also. Wirklich. Einfach. Nicht. Und das hab ich auch vor Monaten schon gesagt, und vor ein paar Wochen nochmal gesagt und alle immer so ‚jaja da nehmen wir natürlich Rücksicht drauf‘.) sondern sie hatten auch ab dem ersten Tag Tests eingetragen, ignorierend, obwohl ich auch das schon mal gegenüber den selben Leuten gesagt hatte, dass das Pfingstmontag ist. (Wahrscheinlich müssen wir dann jetzt trotzdem arbeiten oder so, well, gerne, das kostet 100% Überstundenzuschlag an Sonn- und Feiertagen, also doppelte Bezahlung.)
Eine weitere IT-Geschichte aus dem Haus, das Verrückte macht, ist, dass wir seit Wochen an verschiedenen Fronten am laufenden Band IT-Probleme haben. Die EMA hat was upgedated und seitdem ist es ziemlich kaputt. Das Werk hat diverse Dinge in die Cloud verfrachtet, und seitdem sind auch da alle möglichen Dinge kaputt. Das wird gefühlt jedes Wochenende häppchenweise geflickt und montags ist immer etwas spannend, wenn man rausfindet, was diesmal kaputtrepariert wurde. Zum Beispiel haben einige von uns alle ihre Einstellungen inklusive Ordnern und Regeln in Outlook verloren. Andere haben alle Mails, die älter als 3 Monate waren, verloren. Letzte Woche kam man in einem unserer wichtigsten Programme nur in eine Test-Version. Da kann man schon mal leichtes Augenzucken kriegen. Kollegin K-M startete heute die montägliche Klageorgie, was wieder alles nicht geht, woraufhin der Lieblingskollege anfing herumzutönen, ER habe ja nie solche Probleme, weil ER mache immer alle seine Updates. Die automatischen Updates hat nach der Pandemie nämlich niemand wieder angeschaltet, so scheint es zumindest, man muss also selbst daran denken, ab und zu mal zu gucken, ob Updates gemacht werden könnten. Und ER mache das ja immer und habe NIE Probleme, das führe er darauf zurück. Und dann war nachmittags plötzlich sein Ordner, in dem alles ist (ALLES. 39.000 Dateien, gesammelt seit 2002), weg. Einfach vom Server verschwunden. Tadaaaa! Ich zog ihn ein bisschen damit auf, dass MIR sowas ja NIE passieren könnte, weil ICH immer alle meine Updates mache UND meinen Ordner schon lange in die Cloud verfrachtet habe. Dann stand ich ihm bei, während er den IT-Support anrief um seinen Alles-Ordner aus den Untiefen des Back-Ups wieder herzustellen. Hehehehe.
Tag 2379 – Protesthaltung.
Ich bin auf der Palme, wegen Arbeit und wegen Tanzen. Arbeit ist das IT-Projekt, in dem schon wieder alle Lack saufen. Und zwar keinen auf Wasserbasis. Tanzen – wir hatten heute Generalprobe und da waren ziemlich viele Muttis, die auf die ganzen Gruppen aufpassten, und eine davon hatte nicht ganz auf dem Schirm, dass „Ballett für Erwachsene“ eher aus 37-jährigen als aus 7-jährigen besteht und schiss uns an, weil wir 1. uns was zu essen gekauft hatten (wir waren alle direkt von der Arbeit gekommen), wir hätten nämlich was von zu Hause mitbringen sollen; 2. dies auch verzehrt haben und das 3. ohne unsere Kostüme vorher auszuziehen. Man könnte vielleicht mit Vorbildfunktion argumentieren, aber wir waren mit anderen Erwachsenengruppen in einem Raum allein. Alls zwei von uns auf dem Bildschirm in der „großen Umkleide“ (wo alle Gruppen außer den Erwachsenen und den sehr fortgeschrittenen Gruppen sind) den Jazz-Auftritt der anderen anschauen wollten, wurden wir von der selben Dame ebenfalls angeschissen, wir sollten zurück in unseren Raum gehen, bis wir geholt werden „den Gang runter und dann rechts, einfach da warten“. Da konnte ich nicht mehr an mich halten und teilte der Dame mit, dass ich weiß, wo unsere Garderobe ist. Leuten, die so mit minimaler Macht umgehen, sollte niemand Macht geben.
Tag 2356 – Muss sehr schnell schlafen.
Ich bin fix und alle, Arbeit Arbeit, Tanzen, Essen, Dusche, Bett.
Tanzen gut, zwei Wochen extra Magnesium hilft gegen krampfende Füße.
Tag 2351 – Ächz.
Müdes High Five, ich bin in dieser einen Sache(TM) jetzt up to date, es warten davon erst mal keine neuen To-Dos auf mich. Dafür ging heute der komplette Arbeitstag drauf. Dafür kann ich jetzt wieder rituell eine To-Do-Liste zerknüllen, die fertig abgehakt ist. Hallelujah.
Morgen scheuche ich dann die 24 anderen Kühe vom Eis, aber es ist schon ganz nett, wenigstens in der einen Sache(TM) mal kurz den Kopf über Wasser zu haben.
Außerdem über die Post geärgert, aber dazu vielleicht wann anders mal mehr.