Tag 1652 – Minus vier.

Die Fähnchen fangen an, so lange überfällig zu werden, dass sie sich selbst erledigen. Das ist ziemlich doof aber so lerne ich vielleicht priorisieren und wegdelegieren. Heute, während ich mit den Fähnchen kämpfte, wollte sich mir ein weiteres Fähnchen aufdrängen und ich hab es eiskalt an unsere gemeinsame Mailbox weitergeleitet mit den Worten „kann das wer anders machen, ich komme nicht vor nächster Woche Freitag dazu, das überhaupt anzuschauen.“

Ächz.

Aber immerhin hab ich heute vier Fähnchen grün gemacht und ein weiteres rosa (also teilweise bearbeitet). Einfach runterarbeiten und auch mit der 90%igen Ausführung vorläufig zufrieden sein muss ich auch noch lernen, aber grad geht es nicht anders, nur halt nicht zufrieden sondern zähneknirschend.

Arbeite beim Staat, haben sie gesagt. Da kann man ne ruhige Kugel schieben, haben sie gesagt.

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Hanau macht betroffen und ich mir Sorgen um diejenigen meiner Freunde und Freundinnen, die rassistische Diskriminierung erfahren. Ich kann nicht aufhören, an die Familien der Opfer zu denken und daran, dass der Täter nicht mal mehr bestraft werden kann.

Nazis raus. Alle, überall.

Den Anfängen kann man nicht mehr wehren, dazu ist es viel zu spät und so richtig gab’s ja auch kein Ende vorher.

Tag 1651 – Strategisch unklug die 2.

Merke: wenn die To-Do-Liste schon überall rote Fähnchen anzeigt, und mehr als genug Dinge für fünf Tage in vier gequetscht werden wollen, ist es total dämlich echt nicht schlau, dann auch noch einen Drittel Arbeitstag mit einem Frühstücksseminar über ein zwar interessantes, aber auch für die Arbeit ziemlich irrelevantes Thema zu vergeudenbringen.

Jedenfalls werden wir in der Zukunft und wenn es nach den Vortragenden geht wohl folgende Dinge essen:

  1. Genveränderte Pflanzen
  2. Essen aus dem Replikator 3-D-Drucker
  3. Fleisch aus im Labor vermehrten Muskelzellen
  4. Insekten

Ich halte 1 und 4 für sehr wahrscheinlich und denke, das wird auch nicht mehr lange dauern. 1 schon allein deshalb weil wir dauernd genveränderte Pflanzen essen (oder wie dachten Sie, wie sich aus wildem Senf Brokkoli entwickelt hat?) und neue Methoden des Gen-Editierens (vornehmlich CRISPR/Cas9) sehr viel sicherer, robuster und schneller sind als herkömmliche (Strahlung und dann mal gucken). 4 weil warum denn nicht, ob ich nun ne Grille oder eine Krabbe esse ist nun auch kein so großer Unterschied. In Verbindung mit 2 könnte man vielleicht gewürzten Brei aus Insektenmehl in ansehnliche Formen bringen und braten und dann hat man sowas wie ein Schnitzel. Sehr Proteinreich, gesund und im Vergleich zu Wirbeltieren viel bis sehr viel ressourcenschonender.

Weiterhin denke ich, 2 wird eine Nischensache sein, für Leute, die Kau- und Schluckschwierigkeiten haben, aber die wollen ja auch nicht nur undefinierbaren Mamp essen, und wenn man den Mamp in schöne Formen bringen kann, hilft das vielleicht dem Appetit auf die Sprünge. Warum nicht.

3 hingegen: warum sollte man das wollen? Ist es echt so, so, so wichtig, den heutigen Fleischkonsum aufrecht zu erhalten, dass man auf Biegen und Brechen Möglichkeiten finden muss, wie man Fleisch einen Hauch nachhaltiger produzieren kann? Esst mehr Blumen, möchte ich da sagen (und war damit auch nicht alleine).

So, jetzt aber genug über Essen geschrieben. Ich muss noch ein bisschen arbeiten. Seufz.

Tag 1646 – Doppel-Homeoffice.

Huh, neue Schriftart im WordPress-Editor. Was ist das für eine Zermürbungstechnik hier? Das macht mich doch jetzt wieder drei Wochen lang wuschig. Das komische Absatzgehampel nervt mich ja auch noch. (Jaja, dochdoch, ich bin total technikaffin.)

Herr Rabe und ich haben heute beide Homeoffice gehabt, ich, weil ich um halb zehn eine Blutentnahme hatte und es Quatsch fand, danach dann noch ins Büro zu fahren, Herr Rabe weil ich auch Homeoffice hatte. Und so saß ich dann am Esstisch und Herr Rabe im Arbeitszimmer und wir homeofficeten halt so rum, aber immerhin mit gemeinsamer Mittags- und Kaffeepause (und wem, bei dem man sich über #alleirre auskotzen kann). Das war sehr nett, vielleicht können wir das hin und wieder so einschieben, zumindest die Blutentnahmen, wurde mir heute gesagt, finden nicht früher statt, weil ich ja nicht nüchtern kommen muss, wen interessiert da schon, ob Leute vielleicht auch noch andere Dinge zu tun haben, als sich um halb zehn („Das ist aber wirklich das allerfrüheste!“) Blut abnehmen zu lassen. Alle zwei Wochen.

Ich bin darüber so sauer, und es stimmt auch einfach nicht, weil ich nämlich auch schon um halb neun Termine zur (nicht nüchternen) Blutentnahme dort hatte und dann um acht da auflief und um fünf nach acht mit zwei Röhrchen Blut weniger rausspazierte. Dieses Aus-Prinzip-Macht-Demonstrieren-Weil-Du-Bist-Patientin-Und-Von-Uns-Abhängig-Ätsch nervt mich sehr.

Sonst war heute nicht viel. Michel hatte drei mal sehr herausfordernde Laune, nämlich

  • Direkt nach dem Aufstehen
  • Beim Abholen aus dem Hort und
  • Beim/nach dem Abendessen

Und da ich gestern die steile These las, dass Kinder grundsätzlich immer kooperieren wollen, aber manchmal (sic!) nicht können, weil sie entweder schon zu viel kooperiert haben oder „ihre Integrität verletzt wurde“, frage ich mich halt jetzt schon, was genau Michels Kooperationsbereitschaft heute so in Mitleidenschaft gezogen haben soll bzw. inwiefern ich seine Integrität verletzte. „Geld kann man immer nur ein Mal ausgeben“ war’s wahrscheinlich.

Geld ist an allem schuld und ich las heute, dass meine Einstellung zum Kapitalismus zum linksextremen Antikapitalismus gezählt wird. Tscha, dann ist das wohl so. Gleich mal nen schwarzen Hoodie kaufen einem Kapitalistenschwein rauben.

Tag 1644 – Mit den Ohren schlackern.

Hui, 2 Inspektionen an drei Tagen, morgens abschließendes Meeting mit der einen, dann direkt zur anderen Firma… das ist schon echt anstrengend.

Leider durfte ich heute kein Foto machen. In rotem Overall, gelber Weste und orangem Helm sehe ich aus wie Bob der Baumeister.

Meine Kollegin kennt Byggmester Bob nicht. Fühle mich sehr Muttimäßig. Dabei haben meine Kinder das nie geguckt.

Arbeit quasi ohne Unterbrechung (außer Taxi fahren) von acht bis einundzwanzig Uhr ist mörderisch. Kann man mal machen, aber als Lebensentwurf taugt das für mich höchstens wenn ich unbedingt in 5 Jahren nen Herzinfarkt haben will.

(Ich definiere ~40 Tage im Jahr mal großzügig als „mal“. Hust.)

Tag 1643 – Hotelzimmeraussichten, Folge 2.

Heute war vieles sehr aufregend, unter anderem verlor ich einen Baumwollnuppi vom Q-Tipp in meinem Ohr (und war ehrlich gesagt drauf und dran, ihn da einfach zu lassen) und dann flog ich mit einem sehr kleinen Flugzeug, zum ersten Mal, das war nicht schön.

Dafür habe ich den Tag eigentlich gut überstanden, aber jetzt bin ich leider total im Eimer und will nur noch schlafen, bis halb sieben ungestört, wenn’s geht.

Tag 16:30 – Genug.

Um 16:30 Uhr wollte ich heute in den Trainingsraum gehen.

In echt ging ich um 16:45 meine Kollegin suchen, um ihr zu sagen, dass ich jetzt trainieren und dann nach Hause gehe und dann das offizielle Dokument, was sie noch durchschauen wollte, eben morgen von zu Hause aus schicke.

Die Kollegin war mit dem Kollegen in einer informellen Besprechung, der Kollege wollte dann auch noch was von mir, die Chefin kam dazu, plötzlich ging es um China und das Corona-Virus und was das für uns als Behörde heißt (jedenfalls keine Aussicht auf Däumchen drehen) und dann war es 17:30 und ich echt nicht mehr motiviert, dann noch zu trainieren.

Das Überstundenkonto schreit freut sich auf großzügige Sommerferien. Das andere, echte Überstundenkonto wird ja dieses Jahr nicht mehr gefüllt, wenn es sich vermeiden lässt, sondern eben alles ausbezahlt. Es sind so schon genug Stunden und dieses Jahr habe ich ja echten, bezahlten Urlaub, wie so eine Erwachsene.

Um das zu feiern, nehme ich morgen direkt mal einen dieser Urlaubstage und gucke mal, wie sich das anfühlt. Der Kindergarten hat nämlich zu. Pippi und ich werden meine neue Brille abholen und dann zu Herrn Rabe in die Hauptstadt fahren und mit ihm Mittag essen. Und dann machen wir noch ein bisschen Gurkenmaske und lackieren die Fußnägel und was Mädels(TM) noch so machen, wenn sie unter sich sind. Hochoffizielle Briefe verschicken. Sowas halt.

Tag 1628 – Alles sehr schlimm.

Meine Hose ist kaputt.

Es gibt pharmazeutische Hersteller, da wird man vor der Inspektion von der QP angerufen, und vorgewarnt, man solle keine „feinen Sachen“ anziehen, der Prozess wäre sehr speziell. Und die Kollegin sagt dann auch „Jeans reicht völlig“. Dann schmeiße ich mich also in meine beste (lies:Lieblings-) Jeans und kraxele damit in der Produktion rum (Treppen bei denen ich nur ganz stur gradeaus gucken kann, nicht hoch, nicht runter, wahhhh!) und dann macht es ratsch und die Hose ist hin.

Mimimi.

Tag 1627 – Hotelzimmeraussichten, Folge 1.

Das ist doch ein lustiges Projekt. Hoffentlich denke ich öfter da dran.

Außerdem Nissan Qashquai als Mietwagen, was für ein Monster und schrecklich unübersichtlich. Lieb gemeinte 3 von 10 Punkten. Die schlechte Bewertung hat natürlich gar nichts damit zu tun, dass ich schrecklich aufgeregt war/bin, weil ich dieses Mal fahren und also die Kollegin durch die Gegend kutschieren muss. Im Dunkeln, in einer Gegend, die ich nicht kenne, mit einem Auto, das ich nicht kenne. What could possibly go wrong?

Jetzt Hotelbett. Garantiert keine Kinder morgen früh auf meinem Kopfkissen oder am Fußende. Auch mal schön.