Tag 1264 – Das ging fix.

Heute mit meiner Kollegin die Arbeitszeitabrechnung für die letzte Woche gemacht. Einmal 3 Tage Inspektion = 10,5 Überstunden. Und das war ja noch eine einigermaßen entspannte Inspektion. Ich kann übrigens jedes Mal aussuchen, ob ich die Überstunden ausbezahlt haben will, oder ob ich die „Abspaziere“, wie man hier so schön sagt. Ich werde vermutlich mehr abspazieren, Zeit sticht Geld eigentlich immer. Direkt heute hab ich zwei Abspaziertage eingetragen, einmal hat die KiTa zu, einmal werd ich’s aus anderen Gründen brauchen.

Ansonsten war heute ein mittelmäßiger Tag. Ich höre das Gras nach der Chipsmanngeschichte sogar wachsen, wenn ich auf einer durchgängig betonierten Fläche stehe. Das ist anstrengend und nicht hilfreich. Wird hoffentlich bald besser.

Immerhin heute geschafft, endlich Zugang zu diversen Jobdingen zu kriegen, die mir noch fehlten. Im Ernst, ich glaub langsam, ich bin verflucht. Nicht nur fehlte mir zu Anfang einfach mal der Zugang zu allem, was im Vorfeld hätte der IT mitgeteilt werden müssen (wurde wohl in Gänze vergessen), nein, auch alles was ich nachträglich noch klären musste wie Reiseportal und Betriebs-Telefonapptralala, ging irgendwie schief. Falsche Rechte zugeteilt, irgendwas schief gelaufen in der Registrierung, Benutzerprofil doppelt angelegt, was da schiefgehen kann, ging bei mir auch schief. Jetzt scheint alles zu gehen. Mal gucken, wie lange.

Sie entnehmen dem Obigen vielleicht, dass Pippi heute im Kindergarten war. Das stimmt, da war sie. Sie schniefte da mit ein paar anderen Kindern um die Wette, aber nachdem sie heute um halb sechs wach war und direkt sang und Mundharmonika spielte entschied ich, dass sie auch in den Kindergarten kann. Fieber hatte sie ja schon gestern keins gehabt und eine völlig unabsehbare Zeitspanne abwarten, bis die Nase nicht mehr läuft, hmm, ja, nee. Schön für die Eltern, die das können, sag ich mal.

Jetzt schnieft Michel.

Es ist zum Mäuse melken.

P.S. Ich hab schon über zum Beispiel ein Au-pair nachgedacht*. Aber da gibt es so gewisse Standards, die wir nicht bieten können, bei einem eigenen Zimmer, möglichst auch Bad angefangen, über Taschengeld und Sprachkurs bezahlen können bis hin zu „da wohnt eine weitere Person mit uns im Haus für echt lange“. Und wir haben ja unseren Wikinger. Und 10 Überstunden pro Inspektion, die Möglichkeit für Homeoffice** und 10 Kindkranktage pro Jahr pro Elter. Es geht schon. Kranke Kinder sind für alle echt blöd, aber die meisten haben ja Kinder zumindest mal gehabt von weitem gesehen und heucheln haben entsprechend Verständnis.

___

*genauso wie jede andere Möglichkeit, den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familienleben irgendwie kleiner zu machen.

**halt in der Anlernphase mit drülfzig Meetings pro Tag noch eher schlecht

Tag 1261 – Nicht viel Neues.

Die Inspektion wurde heute abgeschlossen. Es lief wie ich erwartet hatte. Der Hersteller hatte heute früh noch ein paar Knochen von gestern poliert und heute vormittag ging es so weiter. Mir wurde sehr geduldig der nicht ganz unkomplizierte Batch Release Prozess erklärt, ganz ohne dass ich das Gefühl hatte, die halten mich für doof. Natürlich bin ich noch nicht so weit, wie meine Kollegin mit der dienstältesten QP über „Ne, haha, DAS muss ja nicht von einer QP gemacht werden, DAS kann ja auch QC!“ zu witzeln, aber ich lerne ja noch. Das wird schon noch. Dann muss ich nur noch drauf bauen, dass mich die zu 95% deutlich älteren Menschen allein wegen meiner Funktion ernst nehmen, das wird spannend, wenn ich dann nicht mehr nur „Observatør“ bin. Aber das dann zu seiner Zeit. Ich fand es lief so fürs erste Mal überraschend gut, mal schauen, was die nächsten so bringen.

Weil die aber da immer so fleißig ihre Knochen poliert haben, fiel das Abschlussgespräch sehr kurz und friedlich aus, wir haben unsere wenigen Fleischfitzel präsentiert, über die gab es auch keine Diskussion. Ausdrucken, unterschreiben, bis in drei Jahren das Labor erweitert ist dann, hyggelig å hilse. Alle fuhren zufrieden auf ihre Hütten, ich fuhr in die Hauptstadt, kaufte Tofu, gepresste Kokosfaser fürs Terrarium und Wein für morgen abend*, traf Herrn Rabe und Pippi, die kleine Rotznase und dann fuhren wir zurück aufs Dorf und lösten den Babysitter, der Michel abgeholt hatte, ab.

Fernsehabend mit Star Trek: Discovery, ach, die erste Folge der 2. Staffel fand ich noch sehr gut, die 2. jetzt… eher Mittel. Sehr oldschool Star Trek, eine (wie es scheint) abgeschlossene Geschichte in einer Folge bin ich gar nicht mehr gewohnt. Mhmhmh.

Jetzt platt. Ich gehe mal lieber ins Bett. Und träume von Validierungsdokumentation, erklärt auf norwegisch, in Dialekt.

___

*Ich hab die Nachbarinnen eingeladen. Und dann panikartig Weingläser gekauft. Wünschen Sie mir Glück und ein paar Social Skills.

Tag 1260 – Mini Winni.

Bloggen aus dem Zug, ich werde wohl so gegen halb neun zu Hause sein. Das ist jetzt auch mein Leben, mein Arbeitsleben zumindest. Aber ich mag’s. (Wir haben einen Plan, morgen vor der angekündigten Zeit fertig zu sein, das wird wohl auch klappen und zwar nicht nur, weil mein Kollege danach auf die Hütte fährt. Insofern wird wenigstens morgen nicht auch noch so lang.)

___

Es folgt: eine zusammenhanglose Erzählung. Aus Gründen.

Meine Kollegen haben mir erklärt, dass es bei den meisten Inspektionen „Pølse“ gibt, woraufhin ich verwirrt war und dachte es gehe ums Mittagessen. Aber nein, der Ausdruck stammt noch aus Zeiten, da man nur ein paar mal im Jahr schlachtete. Zur Schlachtzeit gab es natürlich viel Fleisch, da waren die Würstchen aus den Schlachtabfällen unattraktiv und wurden liegen gelassen. Übersetzt heißt das: bei vielen Inspektionen findet man so viele Fleischbrocken, dass einem die Würstchen entweder durchgehen, weil man keine Zeit mehr hat, wirklich jeden Knochen abzuschaben oder man lässt sie liegen weil es erstmal drum geht, dem Hersteller der Familie beim Essen des Festtagsbratens zu helfen.

Ich hab jetzt schon ein bisschen Hunger.

___

Horrorgeschichte erzählt bekommen, dass meine Kollegen mal bis halb zwölf zusammensaßen, weil beim Hersteller so viel schief lief. Immerhin auswärts, also im Hotell. Trotzdem: /o\

___

Fühle mich Rabenmutterig und Rabenfrau-ig, weil Pippi krank ist, heute morgen mega schlechte Laune hatte und Herr Rabe sie heute den ganzen Tag an der Backe hatte betreuen musste durfte. Geht bestimmt auch noch weg und dann überwiegt die Freude am Job. Bestimmt. Bald.

Er ist schon cool, der neue Job. Mehr völlig verschiedene Betriebe von ganz ganz nah sieht man woanders wohl eher nicht. Ich bin auch nicht zu doof dafür, auch wenn ich es mehrmals heute und gestern dachte, das haben mir meine Kollegen heute auf Nachfragen bestätigt. Puh!

Tag 1259 – Voll leer.

Huff. Was für ein Tag. Ich bin komplett gar und bin das im Grunde auch schon seit etwa 15 Uhr. Alles zu aufregend. Ganz verrückt auch irgendwie, das ist mein Leben nun, mein Arbeitsleben verbringe ich bewegungsarm in Meetingräumen und sage Sachen wie „ich hätte dann gern Mal die komplette Dokumentation zu diesen 5 Complaints und die übergeordnete SOP auch“ und dann lasse ich mir Eskalierungswege und dergleichen erklären und meist versuche ich eigentlich hauptsächlich nicht durch große Ratlosigkeit aufzufallen. Gut dass ich dieses Mal nur Beobachterin bin und am Ende nix unterschreiben muss. Gut, dass es eine Anlernphase gibt. Huff.

Mehr später. Ich muss schlafen, kranke Pippi* wird vermutlich wieder die Nacht zerhacken. Ich bin auch so fertig und mein Kopf so leer, ich schreib dauernd was und dann lösche ich’s wieder, das macht so keinen Spaß.

___

*jo, 3 Anrufe in Abwesenheit vom Kindergarten direkt am 1. Tag wo’s um die Wurst geht. Handy natürlich auf nicht stören und in der Tasche. Karrieregeile Rabenmutter galore.

Tag 1257 – Seuche.

Pippi schlief sehr schlecht und hustete viel. Um halb drei hustete sie dann so schleimig, dass sie brechen musste. Jetzt sind unsere Badezimmerteppiche mal wieder gewaschen. Pippi war dann auch nicht im Kindergarten, sondern mit Herrn Rabe zu Hause. Das fand Pippi ziemlich doof und wir alle hoffen, dass sie morgen wieder in den Kindergarten gehen kann. Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich wegen Inspektion Mittwoch bis Freitag und davor Inspektionsvorbereitung wirklich einfach nicht zu Hause bleiben kann und mal wieder vieles an Herrn Rabe hängen bleibt.

Dafür schleppte ich mich heute nach zu wenig und zu unterbrochenem (muhaha) Schlaf zur Arbeit. Dort trank ich viel mehr Kaffee als sonst und musste trotzdem immer mal wieder aufstehen und herumlaufen, um meinen Kreislauf in Gang zu halten. Habe meinen direkten KollegInnen gestanden, dass ich absolut kein Morgenmensch bin, mich nur dank eisernem Willen aus dem Bett rolle und abends nicht ins Bett komme. Das schien niemand schlimm zu finden. Gute KollegInnen.

Von meiner Arbeit kann ich ja nix erzählen und heute ist das echt schlimm, weil ich Ihnen so gern die Geschichte erzählen würde, die die Worte „Milchpackung“, „Kristallkugel“ und „Homöopathin“ verbindet. Das müssen Sie sich jetzt denken, wie das zusammen geht, aber verrenken Sie sich nicht das Hirn, ans Original kommt’s eh nicht ran.

Die übernächste Inspektion soll ich dem betreffenden Unternehmen ankündigen und UIUIUIUI! (Vor allem Uiuiui, weil ich dann zum ersten Mal so richtig ernsthaft mit dem seltsamen Dokumentenverwaltungssystem arbeiten muss. Uiuiui.)

Noch ein Seuchending: die Erdmücken. Oder Trauermücken, oder Erdfliegen, oder einfach die dreckigen Scheißviecher, die sich in Terrarium und Küchenkräutererde vermehren wie die Pest. Sie nerven mich zu Tode und die Schnecken wohl auch, jedenfalls haben letztere sich alle eingegraben und lassen sich auch mit Futter nicht locken, nicht mal mit Zucchini. Arme Schnecken. Die Mücken sind überall und nerven unsäglich, dauernd (wirklich) haue ich sie tot, aber es sind so viele, das ist völlig sinnfrei. Im Terrarium kann ich kein Gießmittel anwenden, Nematodenlarven auch nicht, Gelbstecker bringen rein gar nichts und ich kriege echt zu viel. Meine letzte Hoffnung sind Raubmilben, mal sehen ob ich die hier bekomme*, falls nicht, muss mir die wohl wer** mitbringen. Zwinker, zwinker. Ich hoffe ich kriege die hier, weil man sicher für den Import von insektenfressendem Getier in Teufels Küche kommt, wenn man erwischt wird. Morgen mal recherchieren, dank Gleisbauarbeiten habe ich ja morgens (und nachmittags) jetzt extra viel Zeit im Zug.

___

*man kriegt hier auch kein Insektengift, jedenfalls hab ich noch keins gefunden

**zwinker, zwinker

Tag 1254 – Dies und das geschafft.

Bin platt, aber heute war ein guter Tag. Viel gelernt. Michel und Pippi morgens gebracht, um 06:58 mit allen und allem im Auto gesessen. Um 07:30 im Zug gesessen und um 08:20 gearbeitet.

Abends Brot gebacken, aus morgens angesetztem Teig. Einkaufen lassen* und ein Essen gekocht, das beiden Kindern geschmeckt hat (es war eine süße Mehlspeise, also keine Kunst, dass es ihnen geschmeckt hat). Michel aus dem „tøffe guttene“** (toughe Jungs)-Buch vorgelesen und etwas über Arthur Rimbault gelernt.

Mit Herrn Rabe die erste Folge der 2. Staffel von Star Trek Discovery geguckt.

Doch, ein guter Tag.

___

*läuft bisher super, das mit dem Einkaufsservice, dazu muss ich mal mehr aufschreiben.

**Boys who dare to be different, googeln sie das ruhig und dann kaufen Sie es, wenn Sie mögen, es ist sehr gut.

Tag 1253 – Heute aber!

Heute gehe ich früher ins Bett.

Das denke ich jeden Morgen wenn der Wecker mich aus dem Tiefschlaf reißt, den ich nun mal um 5 Uhr habe. Ich quäle mich dann mit Mühe aus dem Bett und heute war ich auch zu knapp dran zum Duschen, das ist nicht schön (und die Zeitersparnis auch eher eine gefühlte, weil ich trotzdem Haare waschen muss).

Heute könnte es aber echt was werden, denn es ist nichts mehr zu tun. Die Brotdosen für morgen sind gepackt und im Kühlschrank, alle möglichen Anträge liegen auf dem Schreibtisch, der Arbeitsrechner ist im Büro. Das ist eine doofe Geschichte, mein Rechner sponn von Anfang an vor sich hin und hängte sich zum Beispiel in den Meetingräumen wegen wasweißich ständig auf. Gestern wollte er dann plötzlich einen Recovery Key haben, den ich heute früh im Beisein der IT-Frau anforderte und der, ich habe nachgezählt, 55 Zeichen lang ist. Danach ging er wieder, aber wie ich so bei der IT-Frau stand, erzählte ich das mit dem Aufhängen und sie meinte, sie mache mal über Mittag eine Runde Updates, vielleicht helfe das. Dann bekam ich aber in meine Mittagspause (die ich mit Herrn Rabe außerhäusig mit Thai-Essen verbrachte, das war ganz großartig und das machen wir jetzt so ein Mal im Monat) eine Mail von der IT-Frau, dass es bei den Updates ein paar Probleme gegeben habe, sie da noch mal genauer nachgucken würde und für die Zwischenzeit bekäme ich einen Leihrechner. Und der Leihrechner ist kein handliches Inspektørinnen-Notebook sondern ein riesiges Teil, das passt natürlich nicht in meine Tasche. Deshalb habe ich also meinen Arbeitsrechner nicht hier und kann gar nicht weiter total nervös werden über den Vorbereitungen für meine allererste Inspektion nächste Woche. Meine Patin lachte heute schon ein bisschen, weil ich, nachdem ich die vom Hersteller geschickten Unterlagen durchgegangen war, die Abschnitte aus der European Pharmakopoeia zu den beim Hersteller durchgeführten Analysen las. In der Print-Version. Die in der „Bibliothek“ steht (also sogar auf unserer Etage). Was meine Patin noch nicht mal wusste, weil jeder Band (von 4) davon so… 3000 Seiten hat, auf so super dünnem Bibelpapier, aber in A4, es ist dröge und sperrig und wirklich sehr dröge, erwähnte ich dröge? Es ist dröge. Und das gibt es viel übersichtlicher halt auch alles im Internet, wieso also das Buch? Weil ich am Bildschirm nicht gut lange lesen kann, deshalb. Und warum lesen? Zum Beispiel, weil ich jetzt sagen kann, dass der Hersteller unter „Endotoxine“ nur „Ph. Eur.“ geschrieben hat, in der Pharmakopoeia aber drei unterschiedliche Methoden zur Endotoxintestung stehen. Also ein bisschen genauer wär halt schon fein.

Insgesamt also: ich bin nervös und übertreibe es möglicherweise mit der Vorbereitung, ich hoffe ich krieg meinen kleinen Computer bis Dienstag Nachmittag zurück und weil ich nix besseres zu tun hab, gehe ich jetzt tatsächlich mal früher ins Bett und kriege so hoffentlich mal etwas mehr als 6 Stunden Schlaf.

Tag 1250 – Halbe 2500.

Heute auf die Minute passend gearbeitet, auf die Minute passend die Kinder abgeholt. Es ist ein Spagat und ich frag mich, ob sich auch Väter schlecht fühlen, wenn sie ihr Kind um zwei vor Schluss aus dem Hort abholen? Ich hoffe es.

Leider sind wir auf den Hort ja morgens und nachmittags angewiesen und damit ist die kurzzeitig verlockend erscheinend gewesene Idee des „Sport-Hort“ schon wieder passé. Der Sport-Hort kostet das Gleiche wie der normale Hort, hat aber tägliches Sportprogramm und (noch viel besser) tägliche Gelegenheit zum Hausaufgaben machen. Aber der Sport-Hort ist nicht morgens und soweit ich das sehen kann gibt es keine andere Möglichkeit, als beim normalen Hort einen halben Platz zu nehmen um morgens je eine Stunde in Anspruch zu nehmen und dafür aber 67,15% des normalen Hortpreises zu zahlen. Wir würden also 167,15% von dem bezahlen, was wir jetzt zahlen und das ist viel. Enorm viel. Mistekack.

Mein Meeting heute war mittelspannend, das Eis ist fest, allerdings brauchen wir um der Firma weiterhelfen zu können erstmal mehr Infos von eben dieser.

Dafür werde ich wohl mit der Dokumentenmanagementsoftware noch viel Spaß haben, die ist nämlich das Gegenteil von selbsterklärend. Bester Tipp aus der Erklärpräsentation: man kann Shortcuts wie zum Beispiel esc benutzen. ACH! Na dann ist ja alles klar.

Der lange Tag wurde mit einem glücklichen Michel belohnt, weil heute ein Paket aus dem Internet ankam. Da hat er auch gleich halbwegs motiviert Hausaufgaben gemacht. (Sie lernen diese Woche den Buchstaben F und weil er keine Lust hatte, die Worte aus der Wörterliste zu schreiben und zu malen hat er seinen Vater gemalt und seinen Namen geschrieben. Im Auto wollte er dann wissen, ob man Felix denn eigentlich mit k schreibt. Norwegen halt.) Hach, mein großes Kind.

Sport-Hort wäre wohl wirklich nicht doof für ihn. Immer in Bewegung.

Tag 1247 – Im kalten Wasser.

Mir fiel heute auf, wie viele seltsame Redensarten es rund um das Thema Wasser gibt. Der Auslöser war, dass ich von meiner Chefin mitgeteilt bekam, dass sie mich in einer neuen Gruppe haben will, die ein noch recht junges Unternehmen hinsichtlich Herstellerlaubnis und (später dann) Zulassung für ein Produkt aus dem Bereich „Advanced Therapies“ begleiten und beraten soll. Advanced Therapies sind Therapien, die Gentherapie, Zelltherapie oder künstliche* Gewebe beinhalten. Das ist heißer Scheiß und genau das, wofür man eine junge, moderne und andere Inspektørin gut gebrauchen kann und zufällig auch genau das, was diese junge, moderne und andere Inspektørin auch sehr gerne machen möchte, weil es heißer Scheiß ist.

Ich sagte meiner Chefin, dass ich da gerne ins kalte Wasser springe.

Sie fragte, ob ich Angst hätte? Ich antwortete, nein, ich sei nur überrascht, dass es so schnell ginge. Außerdem freue ich mich über das mir entgegengebrachte Vertrauen und auf die Aufgabe**.

Seitdem denke ich darüber nach, ob ich da wohl ins Schwimmen geraten werde? Ist das dünnes Eis***? Auch unter dünnem Eis ist das Wasser kalt und dann schwimmt man. Kommt halt drauf an, ob man den Kopf über Wasser halten kann.

Ich freue mich so! Hach, hach. Und jetzt lese ich dann noch mal ein wenig in den Advanced Therapies Guidelines, damit das Eis wirklich richtig fest ist. Dann brauche ich auch keine Angst haben, ins Schwimmen zu geraten.

___

*hmmhmmhmm. Künstlich klingt so nach Plastik. Das sind schon echte Zellen bzw. Gewebe. Aber „engineered“ halt. Tissue engineering. Man entnimmt einem Patienten einige Zellen und lässt diese um ein Gerüst oder ähnliches wachsen. So kann man ganze Gewebe, zum Beispiel Darmzotten oder eine Aorta, nachwachsen lassen, die dann am Ende dem Patienten transplantiert werden können.

**Jupp, ich klinge immer noch, als lebte ich in einem dauernden Vorstellungsgespräch.

***Ich hab die total vertraulichen Dokumente aus der Anfrage kurz überflogen und das Eis fühlt sich schon recht solide an.

Tag 1246 – Strategie, Plan, Vorschrift, hui.

Ich ackere mich tapfer durch meine tausend Vorschriften. Dazu hatte ich heute noch zwei Meetings mit jeweils einer meiner insgesamt vier Chefinnen.

Im ersten ging es um die Struktur, Organisation und Strategie der Behörde und ich erfuhr noch mal genaueres über die Umstrukturierung, die letztes Jahr stattgefunden hat. Das Meeting war sehr nützlich, weil ich jetzt verstehe, welche Absicht hinter der Organisationsstruktur steckt. Das nimmt der (weiterhin vorhandenen) Unübersichtlichkeit ein wenig den Schrecken und ich sehe nun, dass das gut sein kann, wenn es auch in allen Köpfen angekommen ist.

Das zweite Meeting war mit der Chefin, die für mein lag die Verantwortung hat. Auch das sehr gut, es ging um „was macht unsere Einheit, unser lag, deine Kollegen…“. Nach dem Gespräch verstehe ich nun ein paar der Zusammenhänge besser und weiß nun, mit welcher Chefin ich was besprechen kann. Das mit der Gleitzeit nämlich zum Beispiel nicht mit dieser Chefin sondern mit der, die für mich die Personalverantwortung trägt. Das hat sich aber schon gestern geklärt, alles gut sozusagen, die Gleitzeittage werden nur „verbraucht“, wenn ich nicht die volle Kernarbeitszeit da bin und das wird wohl tatsächlich eher selten so sein. Das war ein Missverständnis, dem ich da aufsaß. Heute bin ich dann auch direkt mal ne viertel Stunde eher gegangen, weil die Züge immer zu spät sind und das blöd ist. Diese meiner Chefinnen ist übrigens sehr froh, dass ich da bin, genau ich, jung und anders und modern. Das ist mal schön, das nach hundert mal „bist du QP???“ zu hören.

Die Züge sind immer zu spät und da bröckelt die Planung etwas. Ich hab da noch nicht fertig drüber nachgedacht. Ich hoffe einfach, dass es irgendeine Baustelle oder so irgendwo vor Oslo ist, die grad auf der Strecke für Verzögerungen sorgt, aber sonst die Züge wenigstens einigermaßen pünktlich fahren. Haha, ja, ich bin noch so Pendel-naiv.

Bisher ist das Pendeln noch ganz ok. Ich lese morgens im Zug, Blogs oder ein Buch oder ich höre Podcasts. Nachmittags muss ich meistens bis zum Flughafen stehen und dann höre ich Podcasts oder Musik. Das frühe Aufstehen schlaucht mich aber sehr, hoffentlich gewöhne ich mich da noch dran.

Die neue Putzhilfe schickt versehentlich Textnachrichten mit „Chcesz cos ze sklepu“ an mich (Google Translate sagt sowas wie „Brauchst du noch was aus dem Laden“), sie putzt super, faltet Waschlappen und Putzlappen ganz akkurat und hat, weil das Bettzeug und die gewaschenen Bezüge da noch oben drauf lagen, einfach das Gästebett bezogen. Und die Spülmaschine ausgeräumt. Ich bin schwer beeindruckt. Und froh. Vor allem froh.

Morgen wird ein Einkauf geliefert. Da bin ich sehr gespannt drauf. Ich möchte den Lieferanten gern treffen und fragen, ob es ne Möglichkeit gibt, die 8 (!) Plastiktüten in Zukunft zu umgehen. Dann müssen wir nur noch zum Vinmonopolet und zum Meny (für Brot) und doch noch mal in den Supermarkt, weil unser Waschmittel wohl nicht mehr fürs Wochenende reicht.

Nächste Woche werde ich meinen Führerschein eintauschen. Erst gegen einen vorläufigen und dann gegen einen norwegischen Führerschein. Denn im EWR sind Führerscheine aus anderen EWR-Staaten zwar unbegrenzt gültig, aber ein deutscher Führerschein ist hier kein Ausweis und ich will echt nicht immer meinen Pass zur Post mitschleppen müssen, um ein Paket abzuholen. Außerdem stelle ich es mir einfacher vor, zum Beispiel Autos zu mieten, wenn man einen Führerschein hat, mit dem die Leute hier vertraut sind. Jedenfalls musste ich für diesen Führerschein noch einen Sehtest machen, damit nun auf dem Führerschein vermerkt werden kann, dass ich eine Sehhilfe benötige und nutze und die Sehhilfe auch zur Kurzsichtigkeit passt. Michel und Pippi haben also heute gesehen, wie so ein Sehtest abläuft. Michel hat auch nur ganz am Anfang Buchstaben gespoilert, dann hab ich gesagt, dass er das in seinem Kopf machen soll und nicht laut sagen. Als wir dann aus dem Raum gingen, sagte er „Ne, Mama? Da stand F G O R P. Fgorp. Was ist das für ein Wort?“ Michel kann schon echt viel lesen und liest nun halt alles vor, was er sieht. Und er sagt, er liest gerne, das freut mich ganz außerordentlich, ein Kind das gar nicht lesen mag wäre mir irgendwie fremd.

Pippi hat heute einen Ausflug gemacht. Das machen aus ihrer Gruppe jeden Donnerstag ein paar Kinder. Nach dem ersten Ausflug kam sie freudestrahlend an und sagte, sie seien in der „Apothek!“ gewesen, das kam mir unwahrscheinlich vor. Heute waren sie jedenfalls in der „Biblothek!“, das erscheint mir auch als ein besseres Ausflugsziel. Apotheke wär jetzt irgendwie zu sehr „ganz die Mama“. Apotheken inspiziert die Behörde nämlich auch.

Ebenfalls gelernt: wir als Inspektøre können jederzeit und unangemeldet Inspektionen durchführen. Selbst in Privatwohnungen, da könnte man zum Beispiel die korrekte Lagerung überprüfen. Jetzt stelle ich mir vor, wie tierisch beliebt man sich wohl macht, wenn man bei Freunden erst mal den Medizinschank aufreißt um dann Tenperatur, Luftfeuchtigkeit und die nicht-Vorhandenheit eines rollierenden Warenmanagements zu bemängeln. „Report kommt in spätestens 30 Tagen!“

Ich sehe eine glorreiche Zukunft als Partypooper auf mich zukommen.