Tag 1252 – Grrrrrr.

Morgen sollte ja nun der Termin sein, um meinen Führerschein gegen einen norwegischen einzutauschen. Den musste ich grade verschieben, weil ich neben Sehtest, Antrag, altem Führerschein und Pass auch noch ein „Bostedsattest“ brauche, also einen Wisch, auf dem steht, dass ich wohne wo ich wohne und seit wann. Das ärgerte mich schon, weil ich das hinter mich bringen will. Aber tjanun. Dann dachte ich, ach, ich schlag zwei Fliegen mit einer Klappe und bestelle gleich 2 Bostedsatteste, dann kann ich auch gleich nen neuen Personalausweis beantragen. Pustekuchen, denn ich brauche für den Personalausweis kein Bostedsattest sondern dessen große Schwester, die „Utskrift av opplysninger registrert i det sentrale folkeregisteret“, also einen Wisch, auf dem steht, was in Norwegen so über mich gespeichert ist.

Und überhaupt brauche ich für einen Perso auch noch allerlei anderen Quatsch.

Natürlich ist meine Geburtsurkunde nicht hier. Aber die kann man online bestellen. Unsere Heiratsurkunde ist hier, nicht jedoch die Bescheinigung über die Namensführung (haben wir je eine besessen? Keine Ahnung.) und die kann man natürlich nicht online bestellen und ich frage mich jetzt ernsthaft ob es den Aufriss überhaupt wert ist, der Perso ist hier eh kack egal. Aber der Reisepass ist unhandlich. Immerhin haben wir die Abmeldebescheinigung hier, yeah. Und auf der Heiratsurkunde steht das mit dem geänderten Familiennamen ja auch drauf, genauso wie auf meinem (gültigen) Perso und meinem ebenso gültigen Reisepass, ich verstehe das nicht, dass man das doppelt und dreifach belegen muss und generell könnte ich mich grad kolossal darüber aufregen und muss auch eigentlich ins Bett da wollte ich schon seit ner Stunde liegen aber dann musste ich ja das verkackte Bostedsattest anfordern und jetzt die höllenkombi deutsch-norwegische Bürokratie leidenschaftlich hassen.

Entschuldigen Sie bitte den Ausbruch, es ist nur so arrrrrgggggghhhhhh!

(Was lernen wir daraus? Diejenige sein, die ihren Namen bei Heirat ändert, ist scheiß, wer weiß, irgendwann will man nen neuen Perso haben und lebt im Ausland und dann kommt so was.)

Herrn Rabes Perso ist übrigens bereits seit einiger Zeit abgelaufen und es kümmert ihn null, ich wär auch gern mal so.

Tag 1251 – Zu müde…

… für alles. Für Konzentration jedenfalls. Deshalb habe ich dann lieber statt noch SOPs zu lesen

  • Ein Brot gebacken
  • Michels Skihose gewaschen
  • Brotdosen gemacht
  • Den Weihnachtsbaum endlich abgeschmückt und auf die Terrasse verfrachtet, da kann er von mir aus rumnadeln bis irgendwer Lust hat, ihn 20 Minuten zwecks Entsorgung durch die Gegend zu fahren (und danach das Auto grundzureinigen)
  • Die Harzflecken vom Parkett geschrubbt
  • Eine halbe Tonne Tannennadeln aufgefegt und aufgesaugt

Und wie ich hier so liege, merke ich, dass ich so müde und unkonzentriert bin, dass ich vergessen hab, meinen BH auszuziehen. Immer mal was neues. In diesem Sinne – Gute Nacht!

Tag 1246 – Strategie, Plan, Vorschrift, hui.

Ich ackere mich tapfer durch meine tausend Vorschriften. Dazu hatte ich heute noch zwei Meetings mit jeweils einer meiner insgesamt vier Chefinnen.

Im ersten ging es um die Struktur, Organisation und Strategie der Behörde und ich erfuhr noch mal genaueres über die Umstrukturierung, die letztes Jahr stattgefunden hat. Das Meeting war sehr nützlich, weil ich jetzt verstehe, welche Absicht hinter der Organisationsstruktur steckt. Das nimmt der (weiterhin vorhandenen) Unübersichtlichkeit ein wenig den Schrecken und ich sehe nun, dass das gut sein kann, wenn es auch in allen Köpfen angekommen ist.

Das zweite Meeting war mit der Chefin, die für mein lag die Verantwortung hat. Auch das sehr gut, es ging um „was macht unsere Einheit, unser lag, deine Kollegen…“. Nach dem Gespräch verstehe ich nun ein paar der Zusammenhänge besser und weiß nun, mit welcher Chefin ich was besprechen kann. Das mit der Gleitzeit nämlich zum Beispiel nicht mit dieser Chefin sondern mit der, die für mich die Personalverantwortung trägt. Das hat sich aber schon gestern geklärt, alles gut sozusagen, die Gleitzeittage werden nur „verbraucht“, wenn ich nicht die volle Kernarbeitszeit da bin und das wird wohl tatsächlich eher selten so sein. Das war ein Missverständnis, dem ich da aufsaß. Heute bin ich dann auch direkt mal ne viertel Stunde eher gegangen, weil die Züge immer zu spät sind und das blöd ist. Diese meiner Chefinnen ist übrigens sehr froh, dass ich da bin, genau ich, jung und anders und modern. Das ist mal schön, das nach hundert mal „bist du QP???“ zu hören.

Die Züge sind immer zu spät und da bröckelt die Planung etwas. Ich hab da noch nicht fertig drüber nachgedacht. Ich hoffe einfach, dass es irgendeine Baustelle oder so irgendwo vor Oslo ist, die grad auf der Strecke für Verzögerungen sorgt, aber sonst die Züge wenigstens einigermaßen pünktlich fahren. Haha, ja, ich bin noch so Pendel-naiv.

Bisher ist das Pendeln noch ganz ok. Ich lese morgens im Zug, Blogs oder ein Buch oder ich höre Podcasts. Nachmittags muss ich meistens bis zum Flughafen stehen und dann höre ich Podcasts oder Musik. Das frühe Aufstehen schlaucht mich aber sehr, hoffentlich gewöhne ich mich da noch dran.

Die neue Putzhilfe schickt versehentlich Textnachrichten mit „Chcesz cos ze sklepu“ an mich (Google Translate sagt sowas wie „Brauchst du noch was aus dem Laden“), sie putzt super, faltet Waschlappen und Putzlappen ganz akkurat und hat, weil das Bettzeug und die gewaschenen Bezüge da noch oben drauf lagen, einfach das Gästebett bezogen. Und die Spülmaschine ausgeräumt. Ich bin schwer beeindruckt. Und froh. Vor allem froh.

Morgen wird ein Einkauf geliefert. Da bin ich sehr gespannt drauf. Ich möchte den Lieferanten gern treffen und fragen, ob es ne Möglichkeit gibt, die 8 (!) Plastiktüten in Zukunft zu umgehen. Dann müssen wir nur noch zum Vinmonopolet und zum Meny (für Brot) und doch noch mal in den Supermarkt, weil unser Waschmittel wohl nicht mehr fürs Wochenende reicht.

Nächste Woche werde ich meinen Führerschein eintauschen. Erst gegen einen vorläufigen und dann gegen einen norwegischen Führerschein. Denn im EWR sind Führerscheine aus anderen EWR-Staaten zwar unbegrenzt gültig, aber ein deutscher Führerschein ist hier kein Ausweis und ich will echt nicht immer meinen Pass zur Post mitschleppen müssen, um ein Paket abzuholen. Außerdem stelle ich es mir einfacher vor, zum Beispiel Autos zu mieten, wenn man einen Führerschein hat, mit dem die Leute hier vertraut sind. Jedenfalls musste ich für diesen Führerschein noch einen Sehtest machen, damit nun auf dem Führerschein vermerkt werden kann, dass ich eine Sehhilfe benötige und nutze und die Sehhilfe auch zur Kurzsichtigkeit passt. Michel und Pippi haben also heute gesehen, wie so ein Sehtest abläuft. Michel hat auch nur ganz am Anfang Buchstaben gespoilert, dann hab ich gesagt, dass er das in seinem Kopf machen soll und nicht laut sagen. Als wir dann aus dem Raum gingen, sagte er „Ne, Mama? Da stand F G O R P. Fgorp. Was ist das für ein Wort?“ Michel kann schon echt viel lesen und liest nun halt alles vor, was er sieht. Und er sagt, er liest gerne, das freut mich ganz außerordentlich, ein Kind das gar nicht lesen mag wäre mir irgendwie fremd.

Pippi hat heute einen Ausflug gemacht. Das machen aus ihrer Gruppe jeden Donnerstag ein paar Kinder. Nach dem ersten Ausflug kam sie freudestrahlend an und sagte, sie seien in der „Apothek!“ gewesen, das kam mir unwahrscheinlich vor. Heute waren sie jedenfalls in der „Biblothek!“, das erscheint mir auch als ein besseres Ausflugsziel. Apotheke wär jetzt irgendwie zu sehr „ganz die Mama“. Apotheken inspiziert die Behörde nämlich auch.

Ebenfalls gelernt: wir als Inspektøre können jederzeit und unangemeldet Inspektionen durchführen. Selbst in Privatwohnungen, da könnte man zum Beispiel die korrekte Lagerung überprüfen. Jetzt stelle ich mir vor, wie tierisch beliebt man sich wohl macht, wenn man bei Freunden erst mal den Medizinschank aufreißt um dann Tenperatur, Luftfeuchtigkeit und die nicht-Vorhandenheit eines rollierenden Warenmanagements zu bemängeln. „Report kommt in spätestens 30 Tagen!“

Ich sehe eine glorreiche Zukunft als Partypooper auf mich zukommen.

Tag 1244 – Hopps!

Michel ist heute beim Skitraining das erste mal gesprungen. Ich war drinnen in der Skihütte und habe versucht, Guidelines zu lesen*, deshalb habe ich das nicht gesehen. Was wohl gut ist, weil ich gar nicht weiß, wie begeistert ich davon wäre, würde mein Kind Skispringer. Bei den Profis sieht das hinreichend sicher aus, aber ich bin sicher, deren Eltern mussten in jüngeren Jahren öfter mal diverse Blessuren versorgen und haben vermutlich auch das ein oder andere mal in der Notfallpraxis gewartet, während drinnen das angehende-Skisprung-Profikind genäht oder gegipst wurde. Da denkt man, Langlauf sei harmlos und dann kommt der Sechsjährige mit rot glühenden Wangen angelaufen und erzählt von seinen Sprüngen. Aber Hauptsache, er hat Spaß, ne?

Und den hat er und das ist alle absurden Sorgen um ungelegte Skisprungeier allemal wert. Und auch, dass er unbedingt am Wochenende Skilaufen will, kann ich verkraften, aber wo kriege ich denn nun so schnell Ski her? Und lerne Skilaufen?

___

Ich bin todmüde. Und habe heute nach einer… ich nehme mal an einfach unbedachten Bemerkung mir gegenüber der hässlichen Fratze des Impostorsyndroms direkt wieder ins Gesicht geblickt. Aber nur kurz, dann überwog schnell der Ehrgeiz, es nun allen zu zeigen. Das ist mal ein Fortschritt seit dem PhD, da war mir der echte Ehrgeiz, der, der es nicht nur irgendwie über die Ziellinie schaffen will, sondern der schon mal die Fanfaren poliert und die Flaggen bügelt, der war mir da abhanden gekommen und jetzt ist er wieder da, mein alter Freund.

Trotzdem müde. Morgens um viertel nach fünf bläst hier leider keine Fanfare.

___

Steuerkarte abgerufen und Schreck bekommen: der Lohnsteuersatz war routinemäßig auf das Letztjahres-Einkommen berechnet worden. Würde ich nur diese Steuern zahlen, käme mit dem Steuerbescheid nächstes Jahr eine wirklich schmerzhafte Nachzahlung auf mich zu. Was lobe ich mir in solchen Fällen Norwegen: einmal eingeloggt lässt sich einfach unter Angabe des neuen Einkommens eine neue Steuerkarte beantragen. Das tat ich heute am frühen Nachmittag als Kaffeepausenbeschäftigung und heute Abend kam die neue Steuerkarte. Was das für ein Aufriss mit Post und Zeug in Deutschland wäre, will ich mir gar nicht vorstellen.

___

*ohne Erfolg, ich döste über Partikelgrenzwerten verschiedener Reinraumklassen ein.

Tag 1242 – Bremse.

Heute ein wenig Zen praktiziert. Unfreiwillig. Mir war gar nicht so richtig klar, wie schnell ich meist gehe, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Selbst mit Kindern, aber da ist ja auch Michel dabei, der meistens rennt. Immer rennt. Oder nicht mehr kann. Heute war Michel aber bei seinem Kumpel und die Kombination aus Pippi, meinem sturzängstlichen Schwiegervater und meiner kniegeschädigten Schwägerin verlangte mir einiges an Geduld ab. Trotzdem schafften wir es durchs Vikingerschiffhaus und, of all things, das Freilichtmuseum. Letzteres hat im Januar quasi keine Aktivitäten, man wandert also nur so durch die Gegend und guckt alte Häuser an, das ist ziemlich kalt, wenn man sich halt in etwa der Hälfte der normalen Geschwindigkeit bewegt. Tjanun. Es war trotzdem ein sehr schöner Tag und ich starte jetzt total entschleunigt in die neue Woche.

Tag 1236 – Guten Rutsch!

Obwohl wir uns am Dorf-Feuerwerk finanziell beteiligt haben, sitzen wir nun auf dem Sofa und die Kinder feiern schnarchend in ihren Betten rein. Die waren nämlich nach einer mehrstündigen Aufräumaktion ihrer Eltern rechtschaffen müde. Schön war es trotzdem und ein bisschen Silvester ging dann auch um halb zehn schon.

Herr Rabes Wunderkerze ist auch mit drauf.

Ich habe lange Zeit schreckliche Angst vor Wunderkerzen gehabt. Oh, und, das da im Hintergrund, nicht das mit dem blauen Stern, das andere: das ist unser Haus. Weil nach mehreren Bildern fremder Häuser immer gefragt wurde, ob das unseres sei.

Dann noch ein Bild vom Kleid:

Es hat übrigens vorne in der Mitte eine Naht und man sieht sie nicht trotz Muster, ich muss mir dafür mal ein bisschen auf die Schulter klopfen. Bettwäsche trägt sich auch recht gemütlich, ich werde das sicher nicht zum letzten Mal genäht haben. Es ist (habe ich glaube ich schon mal geschrieben) Bollec von Schnittquelle. Die Beste hat es nun in dunkelrotem Jersey und mit halblangem Ärmel. Und insgesamt die knapp 20 cm kürzer, die sie kleiner ist als ich.

Herr Rabe hat die Bücher, die ich im Wohnzimmer dekorativ auf die 16 Kästen verteilen wollte, äh, nahezu ebenso dekorativ einsortiert. Mehr kommen dann ja nun bald, da freue ich mich drauf.

Nun denn, kommen Sie alle gut rüber!

Tschüssi, 2018, du warst echt ein Arsch und ich werd dich nicht vermissen.

Tag 1235 – Blink, Blink.

Die eine der drei Küchenlampen ist irgendwie nicht ganz so smart drauf heute und macht, was sie will. Wir sind aber so tiefenentspannt, dass wir das eher lustig finden als u s drüber zu ärgern.

Pippi ist dreieinhalb. Heute hätten wir sie gerne ein paar mal irgendwo „vergessen“. Ihr Geduldsfaden ist einfach mega kurz und sie kennt nur die Modi „nörgeln“ und „kreischen“. Ganz toll. Wären wir nicht so tiefenentspannt, würde das grad wohl sehr an unseren Nerven sägen.

Ich habe mit dem Mantel angefangen*. Gestern Abend habe ich zugeschnitten, heute geheftet um die Passform beurteilen zu können und, naja, die Passform ist so lala, da kann ich aber sicher noch was rausholen. Was blöder ist, ist dass ich nicht mehr nachgeguckt hatte, ob ich passendes Garn habe und weil die Nähte außen liegen geht halt „passt einigermaßen“ eher nicht. Und natürlich habe ich kein passendes Garn. Wäre ich nicht tiefenentspannt, wäre ich ziemlich sauer auf mich wegen dieser Doofheit. So habe ich der Nähmutter geschrieben, ob sie mir Garn leihen** kann und fahre nun morgen Vormittag dort hin und schaue ob sie passendes hat. Dann kann ich auch diverse andere Fragen stellen, zum Beispiel nach Taschen***, Futter und ob sie Tipps hat, von einem meiner absoluten Lieblingskleider, in das die Waschmaschine (?****) leider nach Heiligabend viele ganz kleine Löcher gefressen hat, den Schnitt abzunehmen. Das Kleid war sehr teuer, passt mir wie angegossen und ist nicht von der Stange, also mal eben nachkaufen ist auch nicht. Da war ich mal kurz nicht so ganz tiefenentspannt und hab ob der Löchlein recht doll geflucht und ein Tränchen verdrückt. Weil Lieblingsstück.

Nicht nur ein Tränchen verdrückt habe ich heute bei der absolut letzten Folge Tatortreiniger. Ich fand die Serie von Anfang an super und das Ende ist lustig, wunderschön und tieftraurig und passt wunderbar zu Schotty. Schnief.

___

*Jaja, Sie wollen Fotos von den anderen Projekten. Beim Kleid für Die Beste muss ich Sie enttäuschen, das andere kann ich ja morgen zur Feier des Tages anziehen und Ihnen dann zeigen?

**Man „leiht“ hier auch Dinge, die sich dadurch verbrauchen. Genau genommen schenkt sie mir dann Garn, und ich kaufe ihr eine neue Rolle und gebe es ihr zurück. Leihen halt. Man leiht hier auch einen Keks, von dem man mal abbeißen will.

***Ich hab da schon eine Idee, aber egal wie brauche ich erst Futterstoff.

****Erst hab ich panisch den ganzen Schrank und jede einzelne Wollklamotte nach Mottenlöchern abgesucht, aber es ist nur dieses eine Kleid und ich glaube mir wär an Heiligabend auch aufgefallen, dass es Löcher hat, wenn es die denn gehabt hätte.

Tag 1234 – Jahresendfragebogen 2018.

Zeit für einen Jahresrückblick, auf das eindeutig verrückteste Jahr… ever. Bisher. Muss auch in Zukunft bittedanke nicht getoppt werden.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Tja. Ganz starke Amplitude, im Mittel wohl irgendwas zwischen 4 und 5.

Zugenommen oder abgenommen?

Alle Jahre wieder schreibe ich, dass ich keine Waage besitze. Vermutlich Gewicht zu, optisch etwas ab.

Haare länger oder kürzer?

Gleich. Signature Haarschnitt ist ne nette Sache, nur Friseur*Innen finden, die das zu meiner vollsten Zufriedenheit hinkriegen, Glückssache.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich. Denke ich. Jedenfalls hab ich vor ein paar Wochen neue Gläser in der gleichen Stärke in mein altes Gestell einbauen lassen, weil meine alten Gläser ziemlich lädiert waren. Mein Maßstab ist: kann ich bei weit entfernten Bäumen mehr als diffuse grüne Masse ausmachen, ist es höchstens marginal verändert.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Joa, also so ein Haus ist schon recht teuer.

Der hirnrissigste Plan?

Für einen Job (von dem ich keine Ahnung hatte) innerhalb von fünf Wochen in Trondheim alle Zelte abbrechen, Haus kaufen, umziehen, Betreuung organisieren und durchstarten. Hat alles irgendwie hingehauen, manches (das Haus) war ein Glückstreffer, dass der Job auf noch mal ganz andere Art eine noch viel größere Katastrophe werden würde, als ich mir in meinen pessimistischsten Momenten ausgemalt hatte, konnte ich ja nicht ahnen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mich zu einem Mann, den ich nur ein mal getroffen hatte, ins Auto setzen und mit ihm in die tiefste Norwegische Pampa fahren, auf ein Industriegebiet. Seither weiß ich, wie das mit dem Notruf beim iPhone geht.

Dicht gefolgt von: denselben Mann einige Monate später, als ich schon wusste, dass der mehr als nur ein paar Schrauben locker hat, sehr wütend machen.

Der beste Sex?

Ach ja, alle Jahre wieder… sag ich, dass ich dazu echt nicht ins Detail gehen werde. Offen sagen kann ich ja, dass ich viel entspannter Sex habe, wenn ich mich auf die Verhütung verlassen kann.

Die teuerste Anschaffung?

Das Rabenhaus.

Das leckerste Essen?

Puh… Ich hab mich nach dem letzten Vorstellungsgespräch bei meiner neuen Behörde mit Sushi belohnt, das war vermutlich gar nicht so überragend gut, wie es die rosarote Wolke meiner Erinnerung mich glauben lassen will. An das Dinner nach meiner Disputation hab ich kaum Erinnerungen. Das erste Essen im Haus war Tiefkühlpizza und allein deshalb köstlich, weil wir es in unserem ganz eigenen Backofen zubereiteten. Und das Weihnachtsessen war einfach köstlich.

Das beeindruckenste Buch?

Schon wieder nix beeindruckendes gelesen.

Der ergreifendste Film?

Auch kaum Filme gesehen.

Die beste CD?

… oder neue Musik gehört.

Das schönste Konzert?

Leute, lets face it: ich habe dieses Jahr nichts gemacht. Immerhin ist die Chance, dass Bands die ich mag, nach Oslo kommen, viel größer, als dass sie nach Trondheim kommen, also besteht eine gewisse Chance, dass sich das ändert.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Bewerbungen, Selbstmitleid, dem Umzug und dem EU-Regelwerk für Pharmazeutika und Medizinprodukte.

Und den Kindern.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Meiner Familie.

Vorherrschendes Gefühl 2018?

What the fuck is going on?

2018 zum ersten Mal getan?

Ein Haus gekauft, einen Dr.-Titel erhalten, Arbeitslosengeld bezogen, mich aus Angst in meinen eigenen vier Wänden eingeschlossen, einen Kühlschrank gekauft, meine Haare blau gefärbt, regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit gefahren.

2018 nach langer Zeit wieder getan?

Rechtsberatung in Anspruch genommen, nach London gereist, viel Zeit bei Ikea verbracht und da auch viel Geld gelassen, mit meinem Bielefelder Ex-Chef telefoniert, Regelwerke gewälzt.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Nur drei?

– Etwa 50 Absagen.

– Die Monate August bis Oktober.

So sind’s sogar nur zwei, aber es erscheint mir etwas unfair, ganze drei Monate streichen zu wollen. Trotz allen Mistes habe ich nette Leute durch die Chipsfabrik-Sache kennengelernt, weiß nun sehr viel besser, wo ich mein Bauchgefühl nicht ignorieren sollte und immerhin wohnen wir nun deswegen hier und das ist sehr wunderbar.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Die Bank davon, dass sie uns einen Kredit geben, auch wenn ich nur ein einigermaßen loses Versprechen, einen Job zu kriegen, vorweisen konnte. Und die Behörde davon, dass ich die Richtige für sie bin.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Michel, die schicken Sachen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Das Internet und allen voran @diekalteSophie einen richtigen Doktorhut.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Vi vil gjerne tilby deg stillingen og håper at du takker ja!“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Vermutlich sowas wie „Das mache ich nie, nie wieder, versprochen.“ Im März.

Oder „Javisst takker jeg ja, jeg gleder meg utrolig mye!“ (Vielleicht war es auch nonchalant dahingeplaudertes Aufzählen diverser Hygieneroutinen, ich hab die Herzchen in den Intervieweraugen quasi blinken gesehen.)

Mehr Kohle oder weniger?
Dramatisch viel weniger.

Besseren Job oder schlechteren?
Tjanun, ne? Erst keinen, dann einen, den ich echt niemandem wünsche, dann wieder keinen, jetzt noch drei Tage bis vermuteter Traumjob.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Freunde und Erfahrungen. Massenweise Erfahrungen. Und einen Dr.-Titel, aber den hab ich nicht gewonnen, sondern mir erarbeitet.

Mehr bewegt oder weniger?
Schwer zu sagen. Die täglichen Gänge zur Arbeit und zurück fehlten mir schon, ebenso das Tanzen, dafür hab ich dann mit den Workout-Videos angefangen. Insgesamt zielgerichteter, regelmäßiger, aber vermutlich etwas weniger.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Richtig krank war ich glaube ich nicht, die Schilddrüsensache plätschert halt so vor sich hin.

Davon war für Dich die Schlimmste?
Die Schilddrüse ist nach wie vor ätzend.

Dein Wort des Jahres?
Inspektør.

Dein Unwort des Jahres?
Mikroalgen.

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Da kann und will ich mich nicht entscheiden. Neu in meinen Feedreader aufgenommen sind menschenwiesteine.wordpress.com, humble.blog, Donnerhallen.de, Frolleinpollys.wordpress.com und Wunnibar.wordpress.com. Alle haben mich dieses Jahr auf ganz unterschiedliche Weise berührt und ich freue mich, dass sie da sind.

2018 war mit einem Wort…?
Irre.

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Dass der Job so gut wird, wie ich ihn mir vorstelle.

Tag 1233 – Platt.

M. und H. sind heute Mittag wieder (bzw. weiter) nach Hause gefahren und obwohl das wirklich alles tolle Besuche waren, die ich sehr genossen hab, war ich danach platt wie ein Brötchen. Schlafmangel und sehr leckerer Wein und halt Besuch, hui. War ein bisschen viel und ich hab dann auch vernünftiger Weise einen Mittagsschlaf gemacht, alternativ hätte ich mit schlimmer Laune allen dieselbe versauen können, das bringt ja auch keinem was.

Abends dann noch den Backofen gereinigt, der sah nach dem Krustenbraten nicht mehr so hübsch aus wie vorher. Ich liebe übrigens unseren neuen Backofen und auch den Herd, das kam ja beides mit der Küche. Beides ist von der großen Haushaltsgerätemarke aus Gütersloh, das heißt, man kann im Backofen zum Beispiel echt einfach alles ab- und ausbauen, ohne Werkzeug und Tralala, und dann kann man das alles super sauber machen. Und der Herd ist ein Induktionsherd, obwohl das hieß, dass wir einige (sehr wenige) Kochgefäße darauf nicht mehr benutzen können, und obwohl ich der Besten recht gebe, dass die Temperaturregelung bei den unteren Stufen etwas schwierig ist, liebe ich das Ding einfach. Mit Turbo-Stufe kocht Wasser für Nudeln etc. ultra schnell. Aber was ich am besten finde, ist dass nichts am Herd anbrennt. Wenn mal was überkocht, brennt es maximal am Rand des Topfbodens fest, aber weil die Platte an sich nicht heiß wird, kann man, sobald man sich wegen der passiven Hitze traut, alles einfach wegwischen ohne schrubben zu müssen. Tschüss, Ceranfeld-Politur! Auch sehr praktisch ist, dass man sehr schnell die Platten wechseln kann, weil eben nicht erst die Platte heiß werden muss. Und aus heißt aus, kein Nachwärmen und träges Runterkühlen der Platte. Hach! Ich sag es Ihnen. Induktion. In Bielefeld hatten wir ja einen Gasherd Und bisher schwor ich wirklich auf Gas zum Kochen, aber da kommt Induktion von der Kochleistung her fast ran, ist dazu aber wesentlich einfacher zu reinigen und viel, viel sicherer. Wenn kein Metall drauf steht, geht der Herd halt nicht an. Grade mit Kindern ist das ja auch noch mal ein Aspekt.

Ok, ich merke, dass ich hausfräulich abschweife. Im Grunde hab ich nur prokrastiniert, den Mantel zu nähen. Ich hab nämlich ein bisschen Angst, dass ich mich da übernommen hab, oder der Stoff doch zu dünn ist oder der Schnitt doof oder oder oder. Ich hab schon bestürzt festgestellt, dass da keine Taschen vorgesehen sind und ich da wohl selbst was basteln muss, eieiei, es stresst mich jetzt schon. Vom Futter, das im Schnitt nicht vorgesehen ist und von dem ich auch keine Ahnung hab, wie ich’s reinmache oder auch nur, welchen Stoff ich dafür nun wieder kaufen soll (und wären Taschen innen nicht auch vielleicht ganz nett?), mal ganz abgesehen. Es ist also schwierig. Aber immerhin hab ich jetzt das Schnittmuster fertig ausgeschnitten. Ohne Taschen.