Tag 2858 – Overpeopled.

Nun ja, ich dachte, es wäre inzwischen besser, aber ein ganzer Tag unter vielen Leuten, zu denen ich kollegiale Beziehungen habe, ist zu viel, auch wenn es nett ist. Am Ende möchte ich nur noch heulen. Könnte es jetzt wieder auf das Restaurant schieben, auf die Menschen, die Sitzplatzanordnung, dass alle durcheinander reden und die Musik zu laut war (war sie vermutlich nur in meinen Ohren), aber machen wir uns nichts vor: die meisten Menschen kommen damit klar. Die meisten Menschen zucken nicht zusammen, wenn eine Kollegin lacht. Die meisten, zumindest am Tisch, wollten sich gerne mit mehreren anderen gleichzeitig unterhalten. Ich möchte das nicht. Ich möchte mich eigentlich gar nicht so gerne zu mehr als einer Person gleichzeitig verhalten müssen, jedenfalls nicht, wenn von mir erwartet wird (was ich ja von mir selbst auch erwarte), dass ich genau passend viel rede, genau passend lebendig und unterhaltsam bin und die richtigen Dinge sage, mit denen ich nicht overshare und nicht zu abweisend und unpersönlich bin. Manchmal gelingt mir das besser als heute. Heute war ich darin echt mies, was sich darin äußert, dass ich all das nur wenige Minuten am Stück kann und dann minutenlang Löcher in die Luft starre, bis der Akku wieder minimale Ladung hat. Heute konnte ich eigentlich nur Vier-Augen-Unterhaltungen führen, alles andere war zu viel.

Ich möchte so nicht sein, eigentlich. Ich mag die ja alle. Nur halt am liebsten einzeln.

(Mir ist übrigens sehr klar, dass das höchstwahrscheinlich niemandem aufgefallen ist. Aber mir ist es sehr stark an mir aufgefallen.)

Eine mögliche Lösung, die ich bei Gelegenheit ausprobieren muss, ist, eine Pause zwischen Arbeit und Sozialtralala zu haben, 30 Minuten allein irgendwo rumliegen oder Spazieren gehen oder so.

Was ganz anderes: Das Werk wird umbenannt. Es ist tragisch. Es gibt eine von der Regierung beschlossene Umorganisation der „Zentralen Gesundheitsverwaltung“, was 5 Etats umfasst und jetzt wird da ein wenig umsortiert. Wir kriegen Funktionen dazu, damit hat niemand so richtig gerechnet, und wir kriegen einen neuen Namen, der nach staubiger Bürokratie in grauen Anzügen klingt. Wir werden ein Direktorat (wir waren immer schon einem Direktorat gleichgestellt, hießen nur nicht so) und der Rest des Namens erinnert mich an Stützstrümpfe und Kompressen. Mach’s gut, Werk, es war schön mit dir, ab 2024 dann Direktorat. Seufz.

Tag 2857 – Norwegische Sorgen.

Nächste Woche ist der 17. Mai, also der heiligste aller norwegischen Feiertage. Michel, der ja nix an seinem Fuß hat, kann wieder marschieren, was gut ist, weil marschieren für Korpskinder ein ganz wesentliches Element am 17. Mai ist. Genau wie (das ist eine gute Überleitung, und so ungezwungen!) Eis und Würstchen. Laktosefreies Eis (für Laktoseintolerante) und vegane Würstchen (für diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen die normalen Würstchen nicht essen möchten oder können) war schon gekauft und sicher gelagert in der Gefriertruhe in der Schule, in der kleinen Küche, die sich Korps und Schulelternrat teilen. Und am Wochenende wird die Küche, zusammen mit der Turnhalle, manchmal für Kindergeburtstage verliehen. So auch dieses Wochenende und scheinbar hat da jemand die Kühltruhe ausgestöpselt, jedenfalls haben wir jetzt, eine Woche vorm 17. Mai, eine Truhe voll laktosefreier Eissuppe mit einer Einlage aus veganen Würstchen. Ich kann diverse mir bekannter Papas bis hierhin Schnappatmen hören, weil ob wir in so kurzer Zeit genug Ersatz beschaffen können, mal abgesehen davon, dass wir die Truhe leeren und sauber machen müssen, ist fraglich.

Ich halte mich da dieses Jahr sehr raus, ich hab eh schon viel zu viel zu tun. Aus der mittleren Entfernung betrachtet ist die ganze Geschichte auch tatsächlich ein bisschen lustig.

Tag 2854 – Wochenendende.

Ein Sonntag Anfang Mai. Herr Rabe hat das Trampolin aufgebaut, Pippi ist achthundert mal ums Haus Fahrrad gefahren, ich war in der Sonne spazieren und habe ein paar neue Sommersprossen bekommen, Michel hat mit dem Korps auf der Konfirmation eines anderen Korpsmitgliedes gespielt und zum Ende des Tages hat sich Michel den Fuß noch blöd umgeknickt und wenn das morgen nicht besser ist, fährt Herr Rabe mit ihm zum Arzt. Er ist ja manchmal eine kleine Dramaqueen, was Aua aller Art angeht, allerdings war der Fuß schon ein bisschen geschwollen. Ich nehme trotzdem an, es ist nur umgeknickt ohne schwerere Folgen.

Zwischendrin haben wir noch die Schwägerin verabschiedet und verspäteten Kuchen gegessen.

An Anfang-Mai-Dingen stehen jetzt noch Weide beschneiden und Sommerreifen aufziehen an. Und diverse Gartenarbeiten, aber die kann man ja bis auf im Winter immer machen, die Weide ist jetzt verblüht und muss dann jetzt geschnitten werden. Die der Nachbarn auch, das wissen die aber bestimmt nicht, die haben das Haus mit Weide gekauft und die Weide war das einzige, was der Vorbesitzer nicht vorm Auszug noch mit RoundUp tot gemacht hat (seltsame Leute gibt es). Die neuen Nachbarn wurden noch nicht im/um den Garten gesichtet. Vielleicht schneide ich deren Weide einfach mit und erkläre den neuen Nachbarn dann, dass man das halt machen muss, wenn man möchte, dass sie blüht.

Tag 2853 – Vierzig.

Herr Rabe hat heute (hatte kalendarisch gestern, aber es ist ja erst ein neuer Tag, wenn man mindestens 4 Stunden geschlafen hat) Geburtstag. Ein runder Geburtstag um den herum sich Männer gerne Motorräder kaufen und Sekretärinnen… ja. Herr Rabe hat keine Sekretärin und ich kann bezeugen, dass er schon länger immer mal wieder darüber nachdenkt, sich wieder ein Motorrad zuzulegen, und das auch schon länger immer wieder verwirft. Auch ansonsten gefällt mir die 40er-Version von Herrn Rabe mindestens genauso gut, wie die Version, die ich vor vielen Jahren kennengelernt habe und die, die ich vor minimal weniger vielen Jahren geheiratet habe. Das ist ja schon viel wert, das so sagen zu können. Wir sind nach wie vor ein gutes Team, auch (oder weil?) wenn wir ziemlich unterschiedlich sind. Zum Beispiel werde ich ja eher gleichmäßig meliert weiß, während Herr Rabe sich eine Mr. Sheffield-Strähne wachsen lässt. Was ich im Übrigen sehr attraktiv finde, mein graue-Haare-Herz schlägt gleich höher.

Wir hatten alle einen recht schönen, wenn auch recht normalen, Tag. Keine große Party, sondern ein Ausflug nach Oslo mit gutem Essen und der eingeflogenen Schwägerin. Kinder, die sich zum Teil eifrig aufs an-der-Laterne-ausgesetzt-werden bewarben, Sonnenschein, Füße in den Fjord halten (die Kinder, zum Teil), ein Besuch in der Deichman-Bibliothek in Bjørvika, was wohl die krasseste öffentliche Bibliothek ist, die ich je gesehen hab. Sechs Etagen, alle offen, ein Spielplatz mitten drin, überall Lese- und Arbeitsecken, gut besucht von Menschen allen Alters und trotzdem unglaublich angenehm ruhig. Die müssen eine meisterhafte Schalldämpfung haben. Das ist wie eine Oase mitten in der Großstadt.

Abends noch lange mit der Schwägerin auf dem Sofa gesessen, auch das sehr schön. Morgen gibt es Geburtstagskuchen – das ist die logische Konsequenz aus zu spät mitgeteilten Kuchenwünschen.

Tag 2849 – Scheißtag.

Aus mehreren Gründen, einige davon intrinsisch, war der Tag heute richtig doof. Ich will das gar nicht ausführen, das macht ja nichts besser, wenn ich mich noch mehr als eh schon über alles aufrege, aber ich illustriere beispielhaft mal kurz wie der Tag anfing:

„MAAAMAAAAA!!!“ – *grhrgswaspassiertbinnochgarnichtwach* „Hmm?“ – „MAAAAAAMAAAAA!!! HILFE!!!“ – *stolpert Treppe runter, wegen Kaltstart wird alles schwarz* – „MAAAAMAAAA!!! KOMM SCHNELL!!!“ – *komme in die Küche* „Wasn los?“ – „DER TOASTER BRENNT!“

Tag 2848 – Gefühle.

Heute war Pippis Vorstellung, das heißt, ich konnte heute auch die ganze Vorstellung mal sehen. Bonus: die richtig guten Gruppen Tanzen auf jeder Vorstellung. Nun ist es ja so, dass ich normalerweise nicht die emotionalste Person der Welt bin, eigentlich kann ich hauptsächlich Wut offen zeigen und bin sonst recht reserviert*. Aber Musik macht schon was mit mir und Tanz macht noch viel mehr mit mir. Und so fand ich mich in einem gnädiger Weise dunklen Saal und die Tränen liefen wegen süßen Kindern (darunter Pippi) und extrem guten Modern-Gruppen, und sogar wegen extrem guten HipHop-Gruppen. Ich meine, HipHop. Aber die waren auch alle so gut und ich war auch mal gut (nicht so!) aber jetzt bin ich 38 und kriege schon Schmerzen überall bei der Vorstellung, mich so schnell zu bewegen oder mich elegant und ausdrucksstark über den Boden zu wälzen. Ich könnte natürlich jetzt Dance Mom werden und Pippi muss dann all meine unerfüllten Träume stellvertretend für mich ausleben, aber dafür bin ich mir 1. viel zu bewusst, wie bescheuert das wäre und 2. ist Pippi dafür das falsche Kind, wenn man auf die Druck ausübt, passiert nämlich meist das Gegenteil von dem, was man möchte.

Drei der Kinder und Jugendlichen sind mir sehr aufgefallen, da war der eine Junge, der unglaublich viel Spaß hatte und mitsang (das macht Pippi auch, und ich mache das auch, aber nicht bei Shows), das große Mädchen das unfassbar gut HipHop tanzt und passabel alles andere, aber wirklich überragend eben HipHop (alle Styles) und das eine blonde Mädchen mit den langen Haaren (ok, das trifft auf ca. 80% der Tänzerinnen hier zu…), das aus der Jane-Fonda-Gedächtnisgruppe (I‘m so exited) herausstach, weil sie nicht nur wie der Rest der Gruppe die komplette 3-Minuten-Killer-Choreografie technisch sauber und voller Energie ausführte, sondern, Achtung, auch noch nen schönen Kopf/Hals dabei hatte. Ich hatte mal eine Ballettlehrerin, die sagte, man spricht beim Tanzen mit dem Brustbein, den Schultern und dem Kopf, und bei diesem Mädchen war das sehr gut zu sehen, auch was das für die Linien ausmacht. Ich hoffe, die werden alle entsprechend gefördert. So. Das war mein Senf als Hilfs-Dance-Mom.

Einziger Minuspunkt: es war zu laut. Und viel zu viele Menschen – die zum Teil auch noch mit mir reden wollten. In Summe waren das dann wohl in den letzten Tagen leider ein bisschen viele Dinge außerhalb meiner halt doch ziemlich begrenzten Komfortzone und als wir wieder zu Hause waren, war mein Akku so leer, dass ich mich erst mal ins Bett legte – besser jedenfalls als direkt wieder loszuheulen, diesmal aus Erschöpfung. Trotz 8 Stunden Schlaf letzte Nacht schlief ich noch mal fast zwei Stunden. Dann ging’s wieder.

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* kalt, sagen einige. Sieht aber nur so aus, ehrlich.

Tag 2847 – Alles gut.

Der Auftritt liegt hinter mir, es lief so ganz gut, denke ich. Der unmittelbare Eindruck war, dass es ganz gut war. Aktive Erinnerungen habe ich fast keine, das ist normal, vor allem, wenn nichts schlimmes passiert ist. Die Choreografie kam zu großen Teilen aus dem Rückenmark, was auch gut ist, dann habe ich nämlich Zeit, Spaß zu haben. Einmal wäre ich fast sehr wenig elfengleich in den Vorhängen (man läuft ja ständig rein und raus…) ausgerutscht, bekam aber grad noch so die Kurve und war nur einen halben Schritt zu spät beim nächsten (nahtlos angeschlossenen) Teil. Aber sowas korrigieren kann ich noch von früher, das hat ziemlich sicher niemand gesehen. Apropos von früher: all unsere schönen Bilder und Reihen und Aufstellungen waren (nicht nur) ein bisschen off, habe ich aus dem Augenwinkel gesehen, die waren aber so durcheinander, dass es auch nichts mehr gerissen hätte, wenn ich irgendwohin korrigiert hätte. So what, wir sind 12 Erwachsene, die das aus Spaß an der Freude machen, keine Formation. Fotografieren war nicht erlaubt, verständlicherweise, da zogen sich ja überall Leute ständig um, aber ein Bild von einem Teil des Straßenschuhhaufens habe ich machen können, ohne dass Menschen drauf sind:

Jetzt ist Tanzpause für mich bis nach dem 17. Mai.

Ansonsten gibt es von heute nicht so viel zu erzählen, eine Anekdote vielleicht, als Pippis Freundin N. völlig aufgelöst weinend bei uns vor der Tür stand, wir fragten, was los sei und sie rief: „GUCK was ich anhab! Eine Hose UND eine Draußenhose! UND einen Pulli UND eine Jacke! PAPA HAT EINFACH GESAGT, MIR SEI KALT!“ Herrn Rabe und mich hat das, nachdem sich Pippis Freundin einigermaßen beruhigt hatte und die beiden draußen mit ihren Rollern herumfuhren, doch sehr amüsiert (genau genommen prusteten wir beide mit dem Türklapp vor Lachen los). Wir dachten wirklich, es sei irgendwas ganz schreckliches passiert, dabei sind andere Eltern nur ebenfalls so rücksichtslose Monster, die ihre Kinder – wenn auch mit zweifelhaften Argumenten – zu wetterangemessener Kleidung zwingen.

Jetzt müde. Der Auftritt war nervlich zwar weniger schlimm als auch schon, aber hat doch einiges an Energie gekostet.

Tag 2846 – Kultur und andere Qualitätszeit.

Pippi hat sich schon länger einen „Vater-Tochter-Abend“ gewünscht. Das beinhaltet in ihrer Vorstellung, dass Michel und ich uns irgendwie verflüchtigen. Letzte Woche hatte ich dann den nahezu spontanen* Einfall, das Konzert des Korpes der Janitsjar des Lieblingskollegen anzuschauen, weil ich eh Geigenunterricht in Oslo hatte und da könnte man ja danach da vorbei. So dachte ich. Herr Rabe schlug vor, dann doch Michel mitzunehmen, dann könne er mit Pippi Vater-Tochter-Dinge tun. Michel war erst so semibegeistert, fand die Idee nach einiger Bedenkzeit dann aber doch gut und so traf ich heute die ganze Familie nach dem Geigenunterricht** in Oslo. Wir kauften Michel ein neues weißes Hemd (17. Mai is coming und die Kinder wachsen ja wie Unkraut, sein altes Hemd kann Pippi nahtlos erben…) und Pippi für ihre Tanzshow am Montag eine neue schwarze Leggins ohne Löcher und Hochwasser. Danach war ich eigentlich gar, weil ein Einkaufzentrum in Oslo an einem Samstag die totale Hölle ist, aber ich hatte diesen Konzertbesuch angekündigt und brauchte außerdem für morgen noch eine richtige (schweinchenrosa) Ballettstrumpfhose. Der Weg zum Ballettladen war dann ganz gut zum Runterkommen, ich wählte auch den wenig besuchten Weg, statt mitten durch die Innenstadt zu stiefeln. Die Strumpfhose war schnell gekauft und dann fuhren Herr Rabe und Pippi nach Hause, während Michel und ich in den Stadtteil fuhren, wo der Lieblingskollege wohnt. Schon auf dem Weg taute Michel auf und fing an, einen Vortrag über Schlangen zu halten, weil er immer noch gern eine Schlange hätte und sich da mit den verschiedenen Arten, die man so halten könnte, wirklich viel auseinandergesetzt hat. Wenn Michel Vorträge hält, ist er einigermaßen ausgeglichen, das ist schön und ich höre die Vorträge gerne, einfach weil ich ihn gerne über irgendwas abnerden höre.

Das Konzert war in einer Kirche, einer dieser architektonisch ungewöhnlichen, modernen Kirchen, mit sehr viel Holz innen und sehr viel Licht und Raum, so vom Gebäude her wirklich schön. Ansonsten bin ich ja keine Kirchgängerin, das ist nicht meine Welt und ich bin froh, keinem der verfügbaren Vereine je angehört zu haben. Komm ich halt in die Hölle, ist ja gut, das vorher zu wissen, ich bin gern vorbereitet. Michel stellte jedenfalls zu der Kirche (an der außen deutlich Kirche dransteht) fest: es ist eine Kirche, aber es sieht nicht aus wie eine Kirche.

Innen musste Michel erst mal die Räumlichkeiten erkunden (auch das Kind ist gern vorbereitet) und dann begrüßte uns schon der Lieblingskollege, ungewohnt ganz in schwarz, leicht nervös, aber sichtlich erfreut, uns zu sehen. Michel war nicht gesprächig, was sich vielleicht auch dadurch erklären lässt, dass ihm das mit dem Lieblingskollegen irgendwie entgangen war. Die haben sich ja schon oft im Teams gesehen, insofern kennt er ihn so ein bisschen. Heute war Michel aber erschrocken, ihn plötzlich in 3D zu sehen (und den ganzen Körper, in Teams sieht man ja meist nur bis zur Brust). Ehrlich gesagt war es auch für mich ein bisschen seltsam, den Lieblingskollegen komplett außerhalb jeglicher Arbeit am Wochenende zu treffen. Der Lieblingskollege setzte sich dann auch zu Anfang des Konzerts zu uns, denn zuerst sang ein Chor einige Stücke und die Janitsjar hatte „frei“. Der Chor sang sehr schön aus einem vielfältigen Repertoire***. Dann war Zeit für die Janitsjar (zu diesem Zeitpunkt war Michels Fähigkeit, auf dem Po zu sitzen bereits aufgebraucht und ich gab ihm meine Glitzerflasche zum Spielen) und auch die Stücke waren wirklich richtig gut. Kein Vergleich zum (sorry) popeligen Schulkorps. Auch die Janitsjar spielte sehr diverse Stücke, von Marsch bis Bossa Nova. Ein Stück war ein Solostück für 2 Marimbas, das hätte bestimmt auch Pippi gefallen. Ich hoffe, es ist für sie bald Zeit für melodisches Schlagwerk. Jedenfalls war das ein sehr schönes Gesamterlebnis und Michel gefiel die Musik der Janitsjar auch. Wir verabschiedeten uns vom Lieblingskollegen**** und Michel plapperte mich sofort weiter voll mit allem möglichen, wanderte an der Haltestelle hin und her und wünschte sich dann Sushi, Running Sushi genau genommen, das gibt es in Oslo am Bahnhof. Das sollte mir recht sein, Sushi ist immer gut, und so konnten Michel und ich noch ein bisschen Zeit miteinander verbringen. Auch das Sushi essen war dann echt schön, Michel wartet da geduldig auf Lachs-Nigiris, während ich mich durch alles mögliche andere schlemme. Ich hatte sogar, weil ich so gute Laune hatte und überaus entspannt war, Lust auf ein kleines Bier. Das erste seit… wir in England waren und die Alkoholeinheiten der letzten 6 Monate kann ich immer noch an 1 Hand abzählen. Das war eine gute Entscheidung, übrigens, mir geht es sehr viel besser, seit ich kaum noch Alkohol trinke*****.

Gut vollgefuttert fuhren wir mit dem Zug nach Hause, während wir Unterhaltungen über Phasenunterschiede verschiedener, nicht ineinander löslicher Flüssigkeiten diskutierten, ein bisschen Strömungsdynamik war auch dabei, Dichte von Kleber, Wasser und Glitzer und so weiter. Sag noch jemand, Glitzerflaschen seien reine Beschäftigungstherapie für schnell überreizte Gehirne!

Ein paar Seiten in Eragon und dann schnorchelte Michel auch ziemlich schnell ein, angekuschelt an mich, wie immer (wenn ich ihn ins Bett bringe). Hach. So entspannt könnte es von mir aus immer sein.

Herr Rabe hat übrigens mit Pippi Frozen 2 geguckt und die beiden hatten ebenfalls einen schönen Nachmittag und Abend.

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* der Einfall an sich war, wie jeder Einfall, tatsächlich spontan, aber es kostete mich albern viel Überwindung und Überlegung, den Lieblingskollegen um entsprechende Veranstaltungsdetails zu bitten, damit ich das auch in die Tat umsetzen konnte.

**Geigenunterricht war diesmal richtig gut. Ich soll mehr Raum nehmen und präsenter sein, die Technik ist eigentlich (bis auf Kleinigkeiten) recht gut, ich zeige es nur nicht. Wir haben über recht fortgeschrittene Konzepte gesprochen wie Grounding und Phrasierung, und ich wurde entlassen mit der Aufgabe, selbst mit ein paar Techniken zur Ausmerzung der Kleinigkeiten zu spielen, mir den 2. Satz vom Vivaldi-Concerto zu erarbeiten und mich zu melden, wenn ich eine Stunde haben möchte – ich sei fortgeschritten und selbständig genug um das selbst gut einschätzen zu können. Außerdem sehe er, dass ich sehr gut umsetze, was er mir sagt, und mit den Stücken tatsächlich arbeite. Yeah.

*** ich hab mit Kirche nichts am Hut, aber Kirchenmusik finde ich mit zunehmendem Alter immer besser.

**** das klingt jetzt als hätten wir einfach Tschüss gesagt, haha. Wir standen noch bestimmt 20 Minuten im Foyer rum, bis Michel ungeduldig neben mir herumtrippelte und „Hunger!!!“ sagte.

***** das wiederum klingt, als hätte ich vorher krass viel getrunken, so war es nun auch nicht. Aber jedes Mal, wenn ich was getrunken hab, selbst wenn es nur 1 kleines Bier war, war ich danach krank und da beschloss ich, das mal ne Weile sehr stark zu reduzieren. Das war, wie gesagt, bisher eine sehr gute Idee.