Tag 1285 – Das Ende der Konsequenz.

Michel ist nicht so vorsichtig mit seinen Sachen, wie ich mir das wünschen würde. Genau genommen kriegt er alles ziemlich schnell kaputt, nicht mit Absicht aber aus totaler Unachtsamkeit und nicht-Mitdenken. Ich habe mich damit abgefunden, dass, seit er drei war, keine Sachen mehr an Pippi weitergegeben werden können, weil eigentlich alles, was Michel ab diesem Alter besessen und benutzt hat, danach ein Fall für die Tonne war. Zerkaute Jackenkrägen, durchgeschubberte Hosen, großgeprokelte Löcher, lauter einzelne Handschuhe. Bei manchen Sachen kann ich damit seufzend leben, bei (Winter-)Schuhen und Draußenkleidung knirsche ich aber schon recht vernehmlich mit den Zähnen und wenn ich sehe, wie es zu bestimmten Abnutzungserscheinungen kommt, kriege ich ganz schlimmes Augenzucken und nach der dritten „pass auf, du trittst schon wieder vorne die Schuhspitze kaputt“ habe ich die Ansage gemacht, dass ich diesen Winter jedenfalls nicht ein zweites Paar neue Winterstiefel kaufen werde* und wenn die Schuhspitze dann kaputt ist und er nasse und/oder kalte Zehen kriegt, sei das halt sein Problem.

Heute brachte ich Michel zum Hort und als wir ankamen und er seine Schuhe auszog, waren seine Socken von unten nass. Die Schuhe sahen trocken aus, was mich dann doch verwunderte, erst dachte ich, er sei im Flur in eine Pfütze getreten. Aber nein. Die Schuhe sind beeindruckend hinüber. Wirklich nicht mehr verantwortbar, das Kind damit rumlaufen zu lassen, Konsequenz hin oder her. Zumal ich bezweifle, dass Unachtsamkeit allein das schafft:

Die Schuhspitzen hat er selbst runtergerockt, aber…

Kein Wunder dass da nix mehr dicht ist.

Also machten die recht fitte Pippi und ich heute einen spontanen Ausflug ins Einkaufscenter, wo wir im Saisonschlussverkauf reduzierte Winterstiefel kauften, Marke und Synthetik, in der Hoffnung, dass die länger halten. Plus neue Gummistiefel für Michel, weil die alten, das merkte ich, als ich ihm die als heutigen Ersatz für die Winterstiefel brachte, mit Größe 28 gar nicht mehr passen können. Plus Winterstiefel in den wahrscheinlichsten nächsten-Winter-Größen für beide Kinder und eine Winterjacke in der nächsten Größe für Michel. Den Rest des Monats gibts hier Knäckebrot.

Auf dem Hin- und Rückweg durch unfassbar tristen Nebel und graubraune Schneematschlandschaften gefahren. Fast möchte ich hoffen, dass noch nicht Frühling wird, auch runtergesetzt waren Winterstiefel und Gummistiefel zu teuer um sie nie anzuziehen. Obwohl, dann kann Pippi sie auftragen. Vielleicht doch ganz schön mit Frühling.

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*wären sie in der Zwischenzeit zu klein geworden, wäre das ja noch mal eine andere Sache

Tag 1276 – Füße hoch!

Wochenende ist zum Wäsche waschen, Fingernägel lackieren und Füße hochlegen da. Ersteres und letzteres haben wir heute ausgiebig getan, war auch nötig. Pippi hielt auf mir einen langen Nachmittagsschlaf, was dazu führte, dass Herr Rabe dann bei der etwas ausufernden Einschlafbegleitung einschlief. Michel schaute während Pippis Mittagsschlaf eine norwegische Kindersendung, in der Teams aus drei Kindern gegen den Steampunk-Lord „Daidalos“ antreten müssen, der sie durch Labyrinthe schickt, in denen sie auf seine Erfindungen und Maschinen treffen, die allesamt nur ein Ziel haben: die Kinder mit grünem Schleim einzuspritzen. Das ist gar nicht mal schlecht gemacht oder so, aber es ist für mich wie 99% aller Kindermusik: ich fremdschäme mich furchtbar. Vermutlich, weil ich als Kind Sendungen wie „1, 2 oder 3?“ super gut fand und Rolf Zuckowski sich durch Dauerbeschallung in den Lebensjahren 5-10 für immer in meine Gehirnwindungen gebrannt hat. Wie gern wär ich so ein Kind im Fernsehen gewesen. Heute gucke ich sowas an und ich mag die Kinder nicht, gekünstelte Anspannung, Altklugheit, gekünstelter Triumph, schreckliche Team-Sprüche. Eine Mädchengruppe sprach offensichtlich abgesprochen dauernd im Chor. Im Chor! Leider war ich ja von Pippi ans Sofa gefesselt. Und Michel findet die Sendung ganz toll, es hält ihn nicht auf dem Sofa:

Nach dem Essen erzählte mir Michel dann noch ganz viel in seiner Michel-Art, vieles hat er aus der Schule, manches denkt er sich dann selbst dazu und dann wird es sehr lustig. Zum Beispiel:

„Mama? Haben wir im ganzen Körper Wasser?“

„Ja, überall in unserem Körper ist Wasser.“

„Auch IM Gehirn???“

„Ja, im Gehirn auch.“

„Aber warum denke ich dann nicht nur ‚Wasser, Wasser, Wasser‘?“

oder auch

„Es ist gut, dass wir eine Haut am Auge haben. Wenn sonst eine Fliege ins Auge fliegen würde, käme die direkt ins Gehirn rein und wenn man dann reden würde, würde man nur ‚Bssss Bssss‘ sagen.“

Ebenfalls fiel mir heute auf, wie unsauber wir manche Worte aussprechen, nachdem Michel einen Zettel an seine Tür gehängt hatte, auf dem er um den Besuch seines Ladens und das Bezahlen in ONKLIE PENER bat. Das sollte wohl „ordentlige penger“ heißen, also „richtiges Geld“ (schlaues Kerlchen), aber genauso wie ENKLICH statt egentlig/eigentlich ist ordentlich auch bei mir so ein Wort, wo ich mir wohl mehr Mühe beim Aussprechen geben sollte. Note to self: ooantlicha attikulian.

Pippi hat heute auf ihrem Telefon Videos geguckt. Komplett mit danach suchen, dann scrollen, dann anschalten und das Telefon quer auf den Tisch stellen, an eine Wasserflasche gelehnt. Pippis Telefon ist ein hellblaues Plastikteil aus den frühen 2000ern, mit Antenne und ohne Bildschirm, nicht mal einem angedeuteten, einzeiligen Display wie man es ja doch meist hatte, damals, als man mit Telefon noch nicht automatisch Handy meinte und das Attribut „schnurlos“ noch durchaus Sinn besaß. Für Pippi heißt Telefon Smartphone, damit kann man Fotos machen und Videos angucken, so.

Tag 1271 – Møte, møte, møte.

Einleitung 1: Ich wollte heute gern ein klärendes Gespräch mit meiner Team-Chefin führen, die ist aber so etwa bis in zwei Wochen durchgehend in irgendwelchen Meetings.

Einleitung 2: selbige Team-Chefin sagte heute im Meeting (sic) zur Besprechung des Jahresberichts und den darin auftauchenden Diskrepanzen zwischen Fristen und tatsächlichem Abliefern: „Ein Problem ist auch, dass wir alle zu viel in Meetings sitzen. Dadurch schaffen wir unsere eigentliche Arbeit nicht mehr.“

(Da möchte man ja schon ganz Loriotesk „ACH!“ rufen, aber es kam ja noch besser.)

Tatsächliche Story: in selbigem Meeting, nach der Besprechung des Jahresberichts, diversen Neuerungen auf Datenmanagement-Seite (die neue Team-Chefin macht nicht alles so weiter, wie es der alte Team-Chef seit immer gemacht hat und die Inspektør hier seufzt aus Gründen erleichtert) und „bitte tragt eure Urlaubswünsche da und da ein“ bekamen wir noch Besuch. Der Besuch stellte uns ein neues Tool vor, eine Art Datenbank, die wir ab demnächst benutzen müssen, allerdings längst nicht alle von uns und vor allem brauchen wir diese Datenbank eigentlich nur, um einen ganz bestimmten Prozess nachvollziehen zu können. Die Vortragenden stellten uns aber sämtliche drülfzig verschiedenen, zum Teil noch unausgegorenen und zum Teil auch noch gar nicht implementierten Funktionen vor. Über eineinhalb Stunden lang. Nach etwa dreißig Minuten dachte ich, ja, alles klar, ich klicke also dann da und dann sehe ich, was da passiert ist und kann dann überlegen, ob ich da oder da anrufe und wen ankacke frage, was da wohl los war. Gut! Nein. Denn es ging noch ewig so weiter. „Wir können auch alle Mails an Sie alle weiterleiten!“ (Äh, nein Danke? Ich möchte bitte nur Mails, die für mich relevant sind, nicht tonnenweise Spam…) „Und dann können Sie hier einfach immer gucken…“ (Genau. Wie ich dann demnächst* immer sagen werde „Und wie stellen Sie sicher, dass da auch geguckt wird?“) „Hier machen wir dann noch diese Funktion hin, aber das muss noch von der EU…“ (Jesus. Ich will keine schöne Zukunftsmusik hören. Was zählt ist was jetzt da ist.)

Und weil das alles ja noch nicht reichte, ignorierte der Ex-Team-Chef nach Kräften meinen sehr demonstrativ mit den Hufen scharrenden** Kollegen und besprach noch tausendundeine Feinheit der „vielleicht irgendwann mal“-Features dieses Systems mit dem Besuch. Während 15 weitere Anwesende an ihren Schreibtisch dachten und an die schlechten Ergebnisse im Jahresbericht.

Nach dem Meeting ging ich an meinen Schreibtisch zurück und hängte die verschwendete Stunde hinten dran. Mit leicht rauchendem Kopf. Und wenn es mir so geht, auf deren Tisch noch gar keine Fristsachen liegen, wie soll es dann denen gehen, bei denen die Deadlines schon wie Zombies über den Schreibtisch wanken und die sich zudem grad anhören durften, wie schlimm das ist, dass sie ihre Ziele nicht erfüllen weil sie permanent in Meetings rumhängen? Gnarfz.

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Abends mit Michel Hausaufgaben gemacht und viel Spaß gehabt. Ich sehe das mit den Hausaufgaben ganz entspannt, dadurch geht es auch bei Michel einigermaßen ohne Wutausbrüche. Dafür macht er nur Blödsinn. Tjanun, möchte ich da sagen, nach einem 10-Stunden-Tag in Hort und Schule und dann wieder Hort würd ich vielleicht auch nur noch rumalbern und mal mit beiden Händen oder mit geschlossenen Augen schreiben.

Was ich aber faszinierend finde: dass er gar nicht merkt, dass die „Lösung“ für die Aufgaben dauernd daneben steht. Die Aufgabenstellungen sind nämlich oft so: ein Bild von einem Baum, darunter steht „Baum“, daneben die Wörter „Baum, Traum, Ball“. Aufgabenstellung: „Kreise das richtige Wort ein und schreibe es darunter.“ Vielleicht bin ich echt übermäßig systematisch veranlagt, ich würd nach den zwei gleich aussehenden Wörtern suchen, einkreisen, abmalen, fertig. Vermutlich könnte ich bis heute nicht schreiben. Aber das bin ja nur ich, und ich bin 33 und kann seit fast 30 Jahren lesen, insofern bin ich da wirklich kein Maßstab und die Macher*Innen von Schreiblernbüchern denken sich ja sicher was dabei. Und so hab ich was zu wundern, win-win.

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*genau genommen ab morgen. Wünschen Sie mir irgendwas, am besten, dass mich das verfluchte „Ich kann das nicht!“-Gefühl nicht wieder einholt

**noch nie habe ich jemanden so aggressiv Zettel einsammeln sehen

Tag 1264 – Das ging fix.

Heute mit meiner Kollegin die Arbeitszeitabrechnung für die letzte Woche gemacht. Einmal 3 Tage Inspektion = 10,5 Überstunden. Und das war ja noch eine einigermaßen entspannte Inspektion. Ich kann übrigens jedes Mal aussuchen, ob ich die Überstunden ausbezahlt haben will, oder ob ich die „Abspaziere“, wie man hier so schön sagt. Ich werde vermutlich mehr abspazieren, Zeit sticht Geld eigentlich immer. Direkt heute hab ich zwei Abspaziertage eingetragen, einmal hat die KiTa zu, einmal werd ich’s aus anderen Gründen brauchen.

Ansonsten war heute ein mittelmäßiger Tag. Ich höre das Gras nach der Chipsmanngeschichte sogar wachsen, wenn ich auf einer durchgängig betonierten Fläche stehe. Das ist anstrengend und nicht hilfreich. Wird hoffentlich bald besser.

Immerhin heute geschafft, endlich Zugang zu diversen Jobdingen zu kriegen, die mir noch fehlten. Im Ernst, ich glaub langsam, ich bin verflucht. Nicht nur fehlte mir zu Anfang einfach mal der Zugang zu allem, was im Vorfeld hätte der IT mitgeteilt werden müssen (wurde wohl in Gänze vergessen), nein, auch alles was ich nachträglich noch klären musste wie Reiseportal und Betriebs-Telefonapptralala, ging irgendwie schief. Falsche Rechte zugeteilt, irgendwas schief gelaufen in der Registrierung, Benutzerprofil doppelt angelegt, was da schiefgehen kann, ging bei mir auch schief. Jetzt scheint alles zu gehen. Mal gucken, wie lange.

Sie entnehmen dem Obigen vielleicht, dass Pippi heute im Kindergarten war. Das stimmt, da war sie. Sie schniefte da mit ein paar anderen Kindern um die Wette, aber nachdem sie heute um halb sechs wach war und direkt sang und Mundharmonika spielte entschied ich, dass sie auch in den Kindergarten kann. Fieber hatte sie ja schon gestern keins gehabt und eine völlig unabsehbare Zeitspanne abwarten, bis die Nase nicht mehr läuft, hmm, ja, nee. Schön für die Eltern, die das können, sag ich mal.

Jetzt schnieft Michel.

Es ist zum Mäuse melken.

P.S. Ich hab schon über zum Beispiel ein Au-pair nachgedacht*. Aber da gibt es so gewisse Standards, die wir nicht bieten können, bei einem eigenen Zimmer, möglichst auch Bad angefangen, über Taschengeld und Sprachkurs bezahlen können bis hin zu „da wohnt eine weitere Person mit uns im Haus für echt lange“. Und wir haben ja unseren Wikinger. Und 10 Überstunden pro Inspektion, die Möglichkeit für Homeoffice** und 10 Kindkranktage pro Jahr pro Elter. Es geht schon. Kranke Kinder sind für alle echt blöd, aber die meisten haben ja Kinder zumindest mal gehabt von weitem gesehen und heucheln haben entsprechend Verständnis.

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*genauso wie jede andere Möglichkeit, den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familienleben irgendwie kleiner zu machen.

**halt in der Anlernphase mit drülfzig Meetings pro Tag noch eher schlecht

Tag 1263 – Ausgeschlafen.

Herr Rabe hat mich heute früh ausschlafen lassen, das war sehr gut, ich erwachte nämlich mit ordentlichen Kopfschmerzen. Irgendein Wein gestern Abend war wohl zu viel gewesen. Also mir ging es schon schlechter nach übermäßigem Alkoholkonsum, auch deutlich, aber ich war dann doch froh heute früh Kaffee und Rührei serviert zu bekommen und sie nicht noch selbst machen zu müssen. Der Tag verlief dann auch sehr faul und langsam, aber ich hatte eh nicht wirklich was vor. Orchideen wässern, Ohrring kleben, Blusen bügeln*, Wäsche waschen, Schminkpinsel waschen, Fingernägel lackieren. Alles gemacht. Herr Rabe und ich haben die kommende Woche besprochen, jetzt mache ich noch eine Brotdose für Michel fertig und dann gehe ich ins Bett, in der Hoffnung, dann auch zeitig schlafen zu können.

Morgen früh entscheiden wir spontan, ob Pippi in den Kindergarten geht oder nicht. Heute war sie fitter als gestern, hatte auch kein Fieber, ging aber noch merklich in den Seilen. Unsere Strategie, alle paar Stunden Nasenspray zu geben, zahlte sich aus, sie klagte jedenfalls nicht noch mal über Ohrenschmerzen und auch ihre Augen und… eigentlich ihr ganzes Gesicht war nicht mehr so verquollen. Dafür läuft halt der Rotz und das dauernde Naseputzen ist natürlich auch nicht so toll für die Haut und deshalb hab ich ihr heute mit Bepanthen-Nachmacherprodukt einen Drachen auf die Wange gemalt, der Feuer bis unter die Nase spuckte, das war nämlich die einzige Art, wie sie sich an den wunden Stellen eincremen ließ. Falls Sie gut schläft wird sie morgen mitsamt Taschentüchern und Salbe in den Kindergarten gebracht. Falls nicht, bleibe ich mit ihr zu Hause, Herr Rabe hat ja letzte Woche schon drei Kindkranktage verbraten. Vielleicht fahren wir dann nach Jessheim, dann kann ich da meinen neuen Führerschein beantragen und könnte mir den Termin am Mittwoch Morgen sparen. Mal sehen. Ich hoffe, sie ist einfach fit genug, das zieht sich ja nun auch schon seit einer Woche mit dieser Erkältung.

Ach ja: jemand kommentierte, ob Pippi denn nun das PFAPA los sei? Ja. Seit Oktober hatte sie jedenfalls kein Fieber mehr ohne sonst krank zu sein. Puhhhhhh! Sie erzählt aber noch von der Operation, bzw. dem 2. Ausflug ins Krankenhaus wegen der Nachblutungen. Zum Beispiel erzählt sie gerne allen möglichen Leuten, dass sie „Masse Blut im Mund!“ hatte, und jetzt wo sie krank ist, sagt sie, sie muss ins Krankenhaus. Heute hat sie Ärztin gespielt, mir allerlei Gerät in den Mund gesteckt und mich dann aufgeschnitten. „So, jetzt bist du wach! Jetzt ist’s besser!“ war das Entlassungsgespräch, da war ich ja froh.

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*Jemand hier oder bei Twitter gab mir den Tipp, zum Ärmel bügeln ein aufgerolltes Handtuch in den Ärmel zu stecken. Das klappt super, endlich keine Bügelfalten mehr im Ärmel, vielen Dank für den Tipp!

Tag 1250 – Halbe 2500.

Heute auf die Minute passend gearbeitet, auf die Minute passend die Kinder abgeholt. Es ist ein Spagat und ich frag mich, ob sich auch Väter schlecht fühlen, wenn sie ihr Kind um zwei vor Schluss aus dem Hort abholen? Ich hoffe es.

Leider sind wir auf den Hort ja morgens und nachmittags angewiesen und damit ist die kurzzeitig verlockend erscheinend gewesene Idee des „Sport-Hort“ schon wieder passé. Der Sport-Hort kostet das Gleiche wie der normale Hort, hat aber tägliches Sportprogramm und (noch viel besser) tägliche Gelegenheit zum Hausaufgaben machen. Aber der Sport-Hort ist nicht morgens und soweit ich das sehen kann gibt es keine andere Möglichkeit, als beim normalen Hort einen halben Platz zu nehmen um morgens je eine Stunde in Anspruch zu nehmen und dafür aber 67,15% des normalen Hortpreises zu zahlen. Wir würden also 167,15% von dem bezahlen, was wir jetzt zahlen und das ist viel. Enorm viel. Mistekack.

Mein Meeting heute war mittelspannend, das Eis ist fest, allerdings brauchen wir um der Firma weiterhelfen zu können erstmal mehr Infos von eben dieser.

Dafür werde ich wohl mit der Dokumentenmanagementsoftware noch viel Spaß haben, die ist nämlich das Gegenteil von selbsterklärend. Bester Tipp aus der Erklärpräsentation: man kann Shortcuts wie zum Beispiel esc benutzen. ACH! Na dann ist ja alles klar.

Der lange Tag wurde mit einem glücklichen Michel belohnt, weil heute ein Paket aus dem Internet ankam. Da hat er auch gleich halbwegs motiviert Hausaufgaben gemacht. (Sie lernen diese Woche den Buchstaben F und weil er keine Lust hatte, die Worte aus der Wörterliste zu schreiben und zu malen hat er seinen Vater gemalt und seinen Namen geschrieben. Im Auto wollte er dann wissen, ob man Felix denn eigentlich mit k schreibt. Norwegen halt.) Hach, mein großes Kind.

Sport-Hort wäre wohl wirklich nicht doof für ihn. Immer in Bewegung.

Tag 1245 – Das wollte ich ja so.

Ich fragte heute meine Patin, was ich wohl dringend vor der 1. Inspektion, an der ich teilnehmen werde, wiederholen sollte.

Danach lud ich das halbe Internet runter und, weil ich nicht gut stundenlang am Bildschirm lesen kann, druckte es auch gleich aus. Migräne oder Regenwald, manchmal muss Frau sich entscheiden.

Bis auf das unterste (Das norwegische Arzneimittelgesetz) sind das übrigens genau die gleichen* Dinge, die ich im April auch schon durchgeackert und danach frustriert in die Altpapiertonne gestopft hab.

Aber das wollte ich ja tatsächlich so und deshalb ist das auch nicht schlimm.

Und der Ausblick!

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Heute etwa drei mal von unterschiedlichen Seiten gefragt worden, ob ich Qualified Person** gewesen sei. Bei der nächsten antworte ich mit dem entsprechenden Paragraphen, der besagt, dass ich zu meinen Industriezeiten keine QP gewesen sein kann, weil man, um QP zu sein, zwei Jahre Arbeitserfahrung braucht. Ich bin da nicht nur altersmäßig ein Exot, ich komme außerdem aus Arbeitslosigkeit, von der Uni und war noch nicht mal QP. Ich poliere einfach weiter meine Fanfare***.

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Heute Abend dann socializing event: Weihnachtsfest für die Angestellten mit Kindern. War ganz nett, ich hab jetzt mal ein paar der anderen Menschen mit Kindern aus der Behörde kennengelernt, ich bin nicht die einzige, andere Abteilungen sind da auch stärker repräsentiert. Voll war es trotzdem wirklich nicht, aber Michel war sehr glücklich, meine neue Arbeit mal zu sehen. Herr Rabe war sehr genervt, die Kinder waren wohl auf dem Weg zur Behörde ordentlich anstrengend.

Der Weihnachtsmann war da!

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*Zwei Änderungen: Advanced Therapies sind jetzt ein eigener Part im EudraLex (statt ein Annex zu sein) und ein Annex ist dazu gekommen – Real Time Release Testing. Because apparently it’s a thing.

**Die Person in einem Herstellbetrieb, an der die ganze Verantwortung hängt, weil sie die Batchfreigabe macht. Also unter jeden Batzen Dokumente, die mit einem Produktionsbatch erzeugt wird, ihre Unterschrift setzt, dass dieser Batch so in Ordnung**** ist und verkauft/weitergegeben werden kann.

****Also nach den internen, von der Behörde im Rahmen der Zulassung so genehmigten Vorschriften und unter Einhaltung der Qualitäts-Akzeptanzkriterien und ohne besondere, qualitätsrelevante Vorkommnisse durchgeführt.

Tag 1227 – Baum: Check!

Weil es schon so spät ist, heute nur kurz: wir haben die Beste heute zu einem Bauernhof mit Weihnachtsbaumverkauf und Kutschfahrt und allem norwegischen Tralala mitgenommen, das war sehr schön und wir haben jetzt auch einen sehr schönen Tannenbaum.

Die Igelmütze passt eigentlich nicht mehr so wirklich, aber sie ist so niedlich! (Und warm. Und noch an Omas alter Nähmaschine genäht, das war nicht so einfach, die konnte nämlich nur geradeaus und Zickzack, Punkt.)

Die Beste und ich fuhren dann noch alleine los um die Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen, leider war vieles schon ausverkauft, morgen müssen wir dann auch noch mal los und eine Lichterkette für den Baum kaufen, unsere 80er macht lächerlich wenig Licht im sehr dichten und breiten Baum. Aber egal, verhungern werden wir nicht.

Zum Abendessen hat dann auch die Beste ganz allein gekocht, nämlich eine ganze Lachsforelle, die sich die Kinder gewünscht hatten. Omnomnom, das war sehr lecker und die Kinder haben sogar richtig reingehauen, das ist ja auch mal schön. Wenn danach nicht Pippi eine ewige Einschlafhampelei aufgeführt hätte, wäre der Tag fast perfekt gewesen. Das hat dann doch ordentlich runtergezogen und überhaupt ist dieses Kind grad in einer Phase… wenn sie nicht so niedlich wär, hätte ich sie vermutlich schon an der Tankstelle ausgesetzt. Grenzen testen galore, bei aufgezeigter Grenzüberschreitung ausdauerndes Geschrei, es ist wundervoll, wirklich. Hoffentlich geht das bald vorbei.

Danach noch mit Biet auf dem Sofa versumpft, während Herr Rabe Dir Kinder erneut ins Bett steckte, nachdem Pippi mit ihrem Gebrüll Michel aufgeweckt hatte.

Tag 1222 – Hmmmmmmplöt.

Heute mehr oder weniger unterschwellig über vieles geärgert. Erst morgens die langsamen Kinder, wie können die so unfassbar langsam sein, bitte? Dann Herrn Rabe, der auf meinen Mental Load noch fröhlich draufpackt, dann über Preise von Dingen, Technik, die nicht tut wie sie soll, kaputte Kopfhörer, verschlürte Handschuhe, verpasste Züge, echt schwer abzusägende Bäume, und so weiter und so fort.

Aber auf der anderen Seite hab ich den Baum jetzt abgesägt, hatte wegen des Zugs einen extra Kaffee, die Handschuhe lagen noch im 1. Laden, mein neues Handy hätte für diese Kopfhörer eh nen Adapter gebraucht und da stellt sich die Frage, ob man nicht lieber Bluetooth-Kopfhörer kauft, Herr Rabe frickelt an der Technik (da ist Code auf unserem Fernseher, genau jetzt!), das große Kind wird sich über seine neuen schicken Klamotten sicher sehr freuen, Herr Rabe und ich haben uns ein wenig angemotzt und dann bleiben nur noch die langsamen Kinder. Die müssen halt früher raus.

Wirklich doof gelaufen ist ein Test, den wir heute unternommen haben, ob nämlich Michel allergisch auf die Katze von Nachbarn von Bekannten reagiert, die demnächst umziehen. Wenn nicht, hätte hier ein sehr großer, sehr sehr flauschiger Maine-Coon-Norwegische-Waldkatze-Perser-Kater einziehen können, nun wird er leider zur Wohnungskatze downgegraded. Denn Michel reagierte. Nicht stark, nicht so eindeutig wie auch schon, aber eben schon. Mich macht das sehr traurig, ich möchte doch so gerne eine Katze haben, aber nicht so dringend, dass ich riskiere, dass Michel allergisches Asthma entwickelt. Werde wohl oder übel erst eine Hyposensibilisierung anleiern müssen, die muss dann durch sein muss (dauert halt) und zu der Zeit darf hier keine Katze wohnen. Das ist echt eine doofe Aussicht, zumal ich mir schon gut vorstellen kann, wie auf solcherlei Wünsche hier reagiert wird. Gut, wir könnten die Hausstaubmilbenallergie vorschieben und dass er, wenn wir zu Besuch bei Leuten sind, da nicht schlafen kann ohne Antihistamine. Ich habe echt Angst vor Asthma. Hyposensibilisierung hilft genau gegen die Entwicklung von allergischem Asthma.

Andererseits muss er dann da jede Woche hin, vermutlich in die Poliklinik, eine Stunde Fahrzeit entfernt, zu Praxiszeiten. Hahaha. Keine Katze. Keine Übernachtungen ohne Pillen.

Abends dann aber immerhin noch mal herzlich gelacht über so Aussteiger-Vögel, die Aussteiger-Beratung für nur drülfzig Geld anbieten und sich damit ihr nices Aussteigerleben finanzieren. Top gepflegter Instagramaccount, Smartphone, Reiseblog, beseeltes, „Erleuchteteres“ Geseier inklusive. Joa. Spoiler: funzt so lange prima bis der Typ, der deinen zum mobilen Tiny-Haus umgebauten Bauwagen wegen Motorschaden am diesen ziehenden Dieseljeep von anno dazumal reparieren soll, halt auch erfolgreich aus seinem Angestellten-Hamsterrad ausgestiegen ist und auf der Nachbarinsel nun Aussteigerberatung für drülfzig Geld anbietet. Nachwuchs ist auch keiner da, weil die alle keine Ahnung haben, wie ein Motor funktioniert, weil nach Lesen und Schreiben und vielleicht ein bisschen plusminusmalgeteilt in der Schule ja nix mehr kommt, was irgendeine Relevanz fürs Leben hat und deshalb kann man das mit der Schule ja gleich sein lassen. Merkste selbst, ne?

Tag 1220 – Verschenkt.

Tja, gut dass der Tag vorbei ist. Habe nichts zu erzählen, denn ich habe im Grunde den ganzen Tag Selbstsabotage betrieben und weder Dinge, die auf meiner kilometerlangen To-Do-Liste stehen getan, noch irgendwas, das mir erfahrungsgemäß gut tut (zum Beispiel die To-Do-Liste abarbeiten) und nun werfe ich mir beides vor, sowie das, was ich als Alternaive tat: viel nichts, viel Kinder anmotzen, sehr viel „The Crown“ schauen. Großartige Serie übrigens.

In diesem Sinne: ich gehe jetzt einfach schlafen, dann ist der Tag endgültig rum. Gute Nacht