Tag 986 – Alltag einer Arbeitssuchenden.

Heute ein großes Auf und Ab. Morgens noch neben Pippi auf dem Laufrad hergehachzt, zu Hause dann aber doch erstmal gelernt und nicht direkt Sport gemacht – ein Fehler, weil ich so als die Recruiterin von vorletztem Freitag anrief, grad sehr konzentriert Zeug zu Guter Herstellpraxis las. Die hatte zwar gute Neuigkeiten, denn ich darf zu einem zweiten Interview nächste Woche kommen, und außer mir darf das nur eine weitere Person, was bestimmt in einem anderen Kopf als meinem total positiv klingt, aber es ist halt nächste Woche und mein Gehirn irgendwo in allgemeinen Aspekten zur Wichtigkeit von Qualitätsmanagementsystemen verloren, deshalb sagte ich etwas unbedacht, ich sei nächste Woche leider Mittwoch verreist und käme erst Donnerstag zurück. Oh wo ich denn sei, ach, London, wie schön, hmm, aber vielleicht könnte ich ja auf dem Rückweg, wenn ich eh nen Zwischenstopp habe, und überhaupt und by the way, was ich denn da machen würde, ob ich in anderen Bewerbungsverfahren weit gekommen wäre? Tja. Jemand(TM) ist ja „too honest for her own good“ und sagte also wies ist: Dass ich in London am Auswahlverfahren für eine Stelle bei einer Behörde teilnähme, dass das alles noch sehr in den Sternen stünde und ich aber total viel grad lerne, das ich auch bei der Stelle in Oslo gut einbringen könnte und gerne würde. Nunja, und danach fühlte ich mich ziemlich mies, das ging auch durch Sport nicht weg. Einmal diplomatisch geschickt sein und die glauben lassen, sie wären die einzig wahre Stelle für mich… Hrmpf.

Ich lernte noch irgendwie weiter und dann kam die Familie zurück, als ich grad aus der Tür und Spazieren gehen wollte, das war irgendwie vom Timing her auch blöd. Immerhin kochte ich dann sehr leckeres Abendessen und alles schien halbwegs ok, bis ich (Volltrottel, echt mal!) in Michels Hörweite zu Herrn Rabe sagte: „Weißt du was mir eingefallen ist? Wenn wir zu Ende Juli die Wohnung kündigen wollen würden, müssten wir das bis nächsten Montag tun.“ Dann hatte ich einen sehr aufgelösten Fünfjährigen auf dem Schoß, der einfach nur hier wohnen bleiben will, seine Freunde behalten will, auf die Stadtteilschule gehen will. Das bricht mir je-des-mal das Herz. Immerhin konnte ich selbiges dann nach dem Kinder ins Bett bringen bei Herrn Rabe ausschütten und dann gings wieder, da kam mir tatsächlich sehr gelegen, dass ein verabredeter Telefontermin sich etwas nach hinten schob. Dieser Telefontermin war dann sehr nett und überaus hilfreich, denn ich sprach mit jemandem, die auch in einer EU-Agentur arbeitet und die fragte mich viele Dinge, die sie in dem Test vermuten würde, vieles konnte ich beantworten, einiges aber auch nicht. Überraschung, bei der EU arbeiten Menschen und die leiten Ausschüsse und sind aus Ländern und so. Menschen, mit Namen. Sollte man vielleicht wissen, wer so wo für „public health“ zuständig ist und was dieses „public health“ eigentlich umfasst. *hüstel*. Nunja, ansonsten war das aber wirklich nett, ich bin einigermaßen beruhigt und weiß, wo ich nochmal was nachlesen sollte und hoffe jetzt für die nette Gesprächspartnerin, dass die Stimmzettel ganz schnell fertig werden.

(Stillleben Lernchaos.)

Jetzt aber Bett. Vielleicht nehme ich mir noch so ne kleine Guideline mit, als Nachtlektüre. Öhöm.

8 Gedanken zu “Tag 986 – Alltag einer Arbeitssuchenden.

  1. Brusselscalling schreibt:

    4 fundamental FREEDOMS (not rights) ruft mein innerer Honk zu dir. Die 4 Grundfreiheiten.

    Stimmlisten. ;-) Wofür die genau nötig sind erläutere ich ein andermal (bei den Agenturen werden die nämlich nicht gebraucht)

    Danke gerne geschehen.

    Und: Du wusstest so gut wie alles. Und hast super cool auf „Überraschungsangriffsfragen“ reagiert. Nämlich sehr konzentriert. So gut erleb ich das nur selten. Die meisten gucken dann sehr erschrocken und wissen nicht weiter.

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  2. Brusselscalling schreibt:

    Das Foto übrigens verweist auf eine Gemeinsamkeit zweier spät arbeitender Deutscher im Ausland.

    Hierso: Bier (Lammsbräu) und Maoam.
    Daso: Becks und Haribo.

    (Heimwehfutter für viele die nicht da sind)

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  3. Sunni schreibt:

    Das wird alles gut, weil…Daumen hier und mehr! Und das weinende Kind – hach. Ja, das kommt noch oft im Leben, aber gut fühlt man sich nicht. Trotz allem: Man muss durch, alle!

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  4. Georg schreibt:

    Vielleicht hat es auch eher den gegenteiligen Effekt, und die Osloer sehen, dass sie besser schneller zusagen sollten, sonst sind Sie weg. Ihre Offenheit hat ja such etwas positives, man sieht, dass Sie nicht einfach nur das erzählen, was die Gesprächspartnerin hören will.
    Ich drücke jedenfalls weiter die Daumen.

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  5. Ich habe schon öfter gehört, dass Hinweise auf ein parallel laufendes Bewerbungsverfahren sogar als Verhandlungstaktik gegenüber einem potenziellen Arbeitgeber genutzt worden sind. Von Männern, wohlgemerkt – Frauen, mich eingeschlossen, sind da oft weniger abgebrüht! Und das hat meist eher genutzt als geschadet, vor allem, als es in die Gehaltsverhandlung gegangen ist. Es ist ja immer so, wir wollen noch doller etwas haben, was andere auch haben wollen. Das betrifft die Liebe, und warum sollte das nicht auf Angestellte zu treffen…

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  6. allegra schreibt:

    Die Tränen des kleinen Michel tun mir richtig weh. Wir sind auch eine life science Familie und mussten während der frühen Kinderphase infolge kurzer Befristungen oft umziehen, gerne auch über Sprachgrenzen hinweg. Und rückblickend kann ich nicht mal sagen, dass es bei den Kindern keine Spuren hinterlassen hat. Aber dennoch muss man halt, wenn man nicht sehenden Auges in die Arbeitslosigkeit schlitten will. Ich wünsche Ihnen, dass die Menschen bei ihrer Traumstelle wissen, was sie an Ihnen haben können und sich zügig positiv entscheiden.

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  7. Annie schreibt:

    Uns brachte der Umzug wenige vor der Einschulung ganz unerwartet ein gleichaltriges Nachbarsmädel – die perfekte allerbeste Freundin. Seitdem unzertrennlich. Und ne tollere Schule, super Nachbarn an allen Seiten und mir eine bessere Stelle, als ich je noch erwartet hätte.

    Ich drücke die Daumen, dass sich alles fügt!

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