Tag 1141 – Was schön war.

Also. Wie zu erwarten war, war mein Tag im großen und ganzen einer zum Abgewöhnen. Ich war auf einer missglückten Geheimmission unterwegs, traf dabei zufällig wen, über den ich mich tatsächlich freute, aber nicht heute, heute war ich zu… kaputt, keine Filter, und ich wollte wirklich eigentlich nicht genau dieser Person von dem Mist erzählen, der hier grade abgeht. Aber ich hab halt mein Herz auf der Zunge und dann kam das alles raus, aber, hey, ich hab immerhin nicht zu flennen angefangen. Meine missglückte Mission mündete dann auch noch in einem Migräneanfall, der sich gewaschen hatte und zudem untypisch war, nämlich beidseitig. Ich dachte, meine Augen explodieren einfach, das hätte ich möglicherweise nicht mal schlimm gefunden, dann hätte wenigstens der Druck aus dem Kopf gekonnt. Möglicherweise (jaja, ganz sicher, aber es ging nicht, echt!) wäre es gut gewesen, mehr zu essen als zwei Bananen und mehr zu trinken als drei Kaffee und einen Liter Wasser, aber das kam halt so. Und dann saß ich im Zug und mein Kopf tat so weh und ich war so, so, so müde von dem allen, aber ich musste doch Pippi abholen und dann Michel und meine Auto-Lobhudelei heute würde wohl so aussehen: ich hab Herrn Rabe gebeten, nicht zum Sport zu gehen sondern nach Hause zu kommen, weil ich mich schon kaum in der Lage sah, die Kinder abzuholen, geschweige denn mit Essen zu versorgen und Hausaufgaben zu machen.

Aber. Diese Negativität hilft ja keinem weiter. Deshalb: was heute gut war:

  • Nach drei Stunden Schlaf ist mir nicht mehr schlecht und bis auf den Triptankater ist auch mein Kopf wieder ok
  • Ich habe ein hoffentlich zielführendes Telefonat geführt. Ich werde darüber aber erst offiziell berichten, wenn es fest ist. Es handelt sich nicht um einen neuen Job, leider, das kann ich ja schon mal verraten.
  • Wir haben den Kindergartenplatz für Pippi angenommen. (Hab ich das überhaupt geschrieben? Wir haben einen KiTa-Platz in Eidsvoll angeboten bekommen, gestern, ganz überraschend nachdem ich nach einer Anrufrunde durch die Eidsvoller Kindergärten schon alle Hoffnung hatte fahren lassen.) Leider hat sich der Kindergarten nicht gemeldet, ob wir heute oder morgen vorbei kommen können, aber: wir haben einen Kindergartenplatz in Eidsvoll. Auf der anderen Seite vom Bahnhof, also auch immer noch nicht ums Eck, aber kein Vergleich zum 25 km entfernten und nur mit Bummelzug erreichbarem Kindergarten jetzt. Der Kindergarten sieht hübsch aus und hat nur 37 Kinder in 3 Gruppen, deshalb hoffe ich, dass er auch zwischenmenschlich mehr so ist wie unser alter Trondheimer Kindergarten. Die beiden ums Eck gelegenen Kindergärten haben über 20 respektive 31 Kinder auf der Warteliste, davon einige, die bevorzugt behandelt werden, statistisch gesehen besteht da also kaum eine Chance, im laufenden KiTa-Jahr einen Platz zu bekommen und nächstes Jahr im Sommer könnten wir dann lotteriemäßig auch irgendeinen Platz irgendwo in der Kommune bekommen, vielleicht wieder 25 km in eine noch viel falschere Richtung.
  • Alle ihre Nachrichten. Ich war ja auf viele Mails eingestellt, aber dass ich so viele nette, persönliche Nachrichten mit unzähligen guten Wünschen kriege, hätte ich nicht gedacht und das hat mich heute sehr berührt. Irgendwann war ich zwar an dem Punkt, wo ich bei jedem netten Wort direkt in Tränen hätte ausbrechen können, aber nur vor Dankbarkeit, ehrlich. Dass Sie alle so Anteil nehmen bedeutet mir sehr viel. Ich hab da keine Worte für. Danke. Und schön, etwas mehr über einige von Ihnen zu erfahren!
  • Michel hat mir, als wir zu Hause ankamen, etwas gebastelt. „Weil dir nicht so gut geht.“ Weil es mir sogar richtig, richtig beschissen ging, hab ich nicht so ganz adäquat drauf reagiert, aber morgen muss ich ihn dafür noch mal ganz doll knutschen. Ich bin sicher, der verträgt sich als Glücksbinger ganz prima mit dem Bügelperlenherz, das mir Michel für die Reise „nach Amerika“ gemacht hat.

Tag 1133 – Der Ausschlag.

Heute morgen wollte Michel nicht aufstehen. Das ist so weit erstmal nicht ungewöhnlich. Allerdings fühlte sich sein Rücken beim drüber kraulen schon irgendwie… rau an. Aber auch dabei dachte ich mir erstmal nichts. Irgendwann bekam ich ihn dann aus dem Bett, aber nach den ersten drei Sätzen war klar, dass er auch heute nicht zur Schule gehen würde und nach weiteren anderthalb und einem Hustenanfall bis zum Würgen (ok. Er hat gebrüllt und getobt und dabei gehustet und noch mehr gebrüllt und er weiß jetzt, dass man dann irgendwann auch würgen muss.) war auch klar, dass er nicht mitfahren würde, Pippi zum Kindergarten zu bringen. Ich sollte sie fahren, Herr Rabe sollte solange noch zu Hause sitzen.

Dann hoppste Pippi im Kindersitz in einem überaus ungünstigen Anschnallmoment auf, traf mit ihrem Kopf meinen Kopf, der daraufhin die Autodecke traf und ich kam nicht mal auf dem Fahrersitz an, da hatte sich aus „hmmm, ach, das bisschen Restkopfschmerz von dem verspannten Nacken, das geht im Laufe des Vormittags schon weg“ ein Schmerz der Kategorie „kann jetzt ganz sicher nicht eine Stunde lang Auto fahren“ entwickelt. Ich wankte wieder rein, den Kopf schief haltend, mit hämmerndem Schmerz, bat Herrn Rabe halb heulend um ein Glas Wasser und spülte die letzten 600 mg Ibuprofen* hinunter, die noch im Haus waren.

Dann fuhr Herr Rabe Pippi zum Kindergarten und ich plumpste zu Michel aufs Sofa. Dort saß er und versuchte den iPod anzubekommen, denn darauf ist das erste Doktor Proktor Hörbuch. Ich machte ihm den iPod an und er hörte zufrieden und ich dödelte im Internet herum und wartete auf die Wirkung der Schmerztabletten. Herr Rabe kam zurück und es war zu spät für seinen Zug, also ging er ins Arbeitszimmer um von da zu arbeiten. Michel wollte seinen Rücken gekrault bekommen und legte sich auf meinen Schoß, ich schob den Schlafanzug hoch und…

jede Menge kleine rote Pickelchen. Über den ganzen Rücken, den Bauch, die Leisten, Oberschenkel, Oberarme, Hintern, unter den Achseln… überall. Eieiei. Es sah aus wie Hitzepickel, aber es ist nicht heiß hier und so hoch war das Fieber nun auch wieder nicht gewesen. Komisch. Seufzend wählte ich die Nummer der Hausarztpraxis.

45! Minuten! Später! Nahm endlich jemand ab. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon auf 180, weil, ernsthaft: 45 Minuten?!? What the fuck? Trotzdem erklärte ich der Sprechstundenhilfe, was los sei. „Windpocken oder Impetigo.“ sagte sie. Das Kind sei gegen Windpocken geimpft. Es sähe auch nicht aus wie Windpocken. Oder Impetigo. „Windpocken kann man auch kriegen, wenn man geimpft ist.“ Ja, das weiß ich, aber das hier sieht nicht aus wie Windpocken, es sind keine Bläschen, es sind Pickelchen und das viele. „Wir haben heute keine Termine mehr. Da müssen Sie um vier bei der Legevakt anrufen.“ Und dann verabschiedete sich die Sekretärin und legte auf.

Ich kübelte ein bisschen wtf in Twitter hinein und putzte dann wütend und mit pulsierendem Kopf das Bad. Irgendwann kam Herr Rabe, hatte auch einiges ergoogelt und bat mich, schon mal bei der Legevakt anzurufen.

Wie hoch denn das Fieber genau gewesen sei, wurde ich nach erfreulich kurzer Warteschleifenwarterei gefragt. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich das so ganz genau nicht sagen könnte, weil wir unser Fieberthermometer nicht fänden, aber es sei nicht furchtbar hoch gewesen, aber halt Fieber, deutlich. „Aha, sie GLAUBEN also, das Kind hätte Fieber gehabt. Kaufen Sie ein Fieberthermometer. Sonst wissen Sie ja auch gar nicht ob Fiebersenker helfen.“ Dschieses. Ich kenne mein Kind jetzt schon ne Weile, es war auch schon ab und an krank, auch schon richtig ordentlich, ob es nun 38,9 oder 39,2 Grad warm ist ist ja wohl wurst egal, er fühlt(e) sich kacke, er kriegt(e) Fiebersenker. Außerdem: das Kind hatte seit Sonntag Fieber, da fiel auch das Thermometer unangenehm durch Abwesenheit auf, gestern war ich mit ihm zu Hause, wann soll man denn deren Meinung nach da ein Fieberthermometer gekauft haben? Selbst liefern lassen ginge nicht in einem Tag. Nicht in Norwegen. Aber egal, ich schweife ab. „Das ist sicher die vierte Kinderkrankheit. Oder die fünfte. Aber wir vergeben jetzt eh noch keine Termine für nach 16 Uhr. Da müssen Sie sich später noch mal melden.“ Herrschaftszeiten, was ist das denn heute mit den Telefondiagnosen durch Sekretärinnen? Die vierte Kinderkrankheit (3-Tage-Fieber) hatte Michel, wie fast alle Kinder, als grade-so-Kleinkind. Die fünfte Kinderkrankheit (Ringelröteln) wäre da schon plausibler, wenn auch bei ihm ganz untypisch, weil kein Ausschlag im Gesicht und gar keine symptomfreie Zeit zwischen Fieber und Ausschlag. ABER EGAL. Es sollte doch nur jemand auf den Ausschlag schauen und sagen, ob ich mir da irgendwas bei denken sollte oder nicht.

Nachmittags schlief Michel auf dem Sofa ein und war für drei Stunden unweckbar. Ja, das Kind ist sehr müde grad. Als er aufwachte, rief ich wieder bei der Legevakt an. Der Ausschlag jucke jetzt auch, sagte ich. „Das ist irgendeine Kinderkrankheit, die sind alle hochansteckend, da wollen wir Sie hier nicht haben!“ Äußerte die Sprechstundenhilfe aufgeregt. Ein Arzt würde mich anrufen und das mit mir besprechen, aber Sie wollten ihn da nun auch nicht haben.

WTF die 3.

Zwei Stunden später und während ich grad versuchte, Pippi zum Schlafen zu bekommen, klingelte mein Handy und ein Mensch erklärte mir, dass das „irgendeine Virusinfektion“ sei. Nach nochmaliger, ausgiebiger Schilderung der Symptome (was haben die die Male davor eigentlich aufgeschrieben? Oder haben die das auf Klopapier notiert?) diagnostitierte der Arzt ganz spektakulär: „Irgendein Virusinfekt. Geht wieder weg, wenn nicht oder das Kind starke Kopschmerzen bekommt, nochmal anrufen. Ja, kann wahrscheinlich (sic!) in die Schule gehen, wenn er sich soweit fit fühlt.“

Fazit: etwa 1 Stunde Warteschleife, 30 Minuten persönlicher Kontakt übers Telefon für mindestens 4, eigentlich eher 7-8 mehr oder weniger exakte und aussagekräftige Telefon-Ferndiagnosen.

What the Fuck. Echt mal.

___

P.S. Viel zu Müde, Links folgen morgen. Update: Links eingefügt!

___

*Sie denken jetzt bestimmt „Ha! Frau Rabe teilt Ibuprofen! Das darf man nicht!„. Sie haben recht. Ich teile manchmal Ibuprofen. Allerdings nur noch alle Jubeljahre, seit wir in Norwegen wohnen. Hier gibt es nämlich 200 mg Ibuprofentabletten in jedem Supermarkt und 200 mg sind bei mir eine gute Regelschmerzendosis. Bei Kopfschmerzen muss aber mehr her, bei Kopfschmerzen dieser Kategorie hätte ich lieber 2 x 400 mg genommen aber ich hatte nur noch je eine 200 mg und eine 400 mg Tablette. Aber ich schweife ab.

Tag 1129 – Eines schläft…

Das andre wacht.

Michel sagte um halb zehn (ja, spät, aber immerhin sagte er es dann selbst), er wolle ins Bett.

Pippi leider nicht.

Pippi schlief nämlich auf dem Sofa von der Kindergartenheimkehr bis mir der Milchreis auf den letzten Metern doch noch angebrannt war. Das war ziemlich lang. So lang, dass sie dann vom Harndrang auch nicht wach wurde. Aber genau deshalb haben wir ja ein IKEA-Sofa gekauft, bei dem man alle Bezüge problemlos abnehmen und waschen kann. Heute habe ich mir für diese Entscheidung nachträglich noch mal sehr fest auf die Schulter geklopft. Nachdem ich die Waschmaschine mit drei Bezügen (dem vom Sitzkissen, dem vom Rückenkissen und dem vom Armlehnenkissen) gefüllt hatte.

Naja, jedenfalls ist Pippi seither halt wach. Wir haben zusammen eine Folge „The Marvellous Mrs Maisel“ geschaut, aber sie war immernoch wach. Ich habe ihre Lightning McQueen-Easy-to-build-Legofigur drülfzig mal zusammen- und wieder auseinandergebaut. Hab gekuschelt und gespielt und dann hab ich mich irgendwann durchgesetzt, dass sie wenigstens einen Schlafanzug anzieht. Jetzt ist sie weiterhin sehr wach und ich bin zum Umfallen müde. Wie macht sie das denn bloß? Vielleicht sollte ich auch mal nachmittags noch ne Stunde schlafen.

Schlaf doch liebes Kind. Und bitte morgen nicht wieder um halb sieben auf der Matte stehen, ja?

Tag 1123 – Arbeit, Arbeit.

Heute haben wir alle viel gearbeitet, außer Pippi, die war die meiste Zeit wütend und unausstehlich. Ich habe die Badezimmer geputzt, vier Maschinen Wäsche gewaschen, zwei Wäscheständer voll gehängt, eine Trocknerladung angestellt und dann war für die Badezimmerteppiche leider kein Platz mehr und die hängen jetzt überm Treppengeländer. Ich habe außerdem einen großen Topf Apfelmus gekocht, das leider im Nachgang bitter ist. Ich muss morgen, wenn es ganz ausgekühlt ist, nochmal probieren und entscheiden, ob es wirklich so schlimm ist. Bei Apfelmus bin ich ja pingelig, wenn das nicht so schmeckt wie bei Oma, find ich’s blöd. Und das hier sieht nicht mal so aus, nachdem ich versucht habe, es mit Karamell zu retten. Jetzt ist es halt Karamellfarben. Hmm.

Herr Rabe hat Pappe weggebracht, mit Michel ein Buch über Meerschweinchenhaltung aus der Bibliothek ausgeliehen, war einkaufen, hat das Auto innerlich gereinigt und war viel sehr genervt von der dauerheulenden Pippi. Da bin ich ja immer ein bisschen froh, dass ich nicht die einzige bin, die das auf die Palme bringt.

Michel hat auch gearbeitet. Gestern kam er nämlich an und meinte, ob er Geld verdienen könne, wenn er für uns was arbeitet. Nun ist unser Rasen komplett tot (da wächst sozusagen kein Gras mehr, muhahaha), die traditionelle Aufgabe für Kinderarbeit ist also raus. Ich habe ihm auch gleich gesagt, dass ich alltägliche Dinge von ihm einfach langsam erwarte, so wie Spülmaschine einräumen, Klamotten selbst in den Wäschesammler und den Schrank bringen, Tisch abwischen, etc. Aber ich fand, er könne mal das Auto saugen, das wäre eine gute Sache, da könne er auch ein bisschen sein Taschengeld mit aufstocken. Also hat Michel heute das Auto gesaugt, bis in die kleinsten Ecken und weil ich mit Herrn Rabe keinen Preis abgemacht hatte, hat er wie ich finde ziemlich gut dran verdient. Aber es ist schon ok, ich hoffe ja auch, dass er gesehen hat, wie viel Krümel und Zeug* da immer drin liegen und dann vielleicht nicht so rumkrümelt. Wäre zu hoffen. Vielleicht krümelt er jetzt auch extra, damit er öfter saugen kann.

Schön war heute, mit meiner Tante und vorher auch mit meiner Mutter zu telefonieren und mich über die Situation auf der Arbeit auszuheulen. Da ist ja alles so absurd, allein heute hat mein Chef einen abgesprochenen Telefontermin mit einem Professor, mit dem er eigentlich gern kooperieren würde** einfach nicht eingehalten. Professionalität ist nicht so seins. Mal sehen, wer daran nun wieder schuld war.

Morgen werde ich weiter an meinem Mini-Gewächshaus bauen, das hat mich heute einiges an Nerven gekostet. Ich hab es auch nur deshalb nicht „Verf*cktes Scheißdrecksding“ genannt, weil Michel ganz eifrig zu helfen daneben stand. Es war auch gut, dass er da stand, weil mir sonst das ganze Alu-Glas-Konstrukt vermutlich auseinandergefallen wäre. Und nein, das ist nicht von Ikea, ich glaube, bei Ikea hätte ich mich lange nicht so aufgeregt, die machen wenigstens verständliche, komplette und sinnvolle Anleitungen.

___

*Unser Auto ist, für eine Familie mit zwei noch recht kleinen Kindern, eigentlich immer erstaunlich sauber. Weil mich und auch Herrn Rabe auch leichtes Chaos im Auto schon sehr schnell stört. Zum Beispiel liegt im Kofferraum nur, was wir wirklich auf der Fahrt brauchen, sowie eine Not-Einkaufstüte. Ich bin da echt pingelig, bei meinem Auto.

**was schon allein deshalb einigermaßen lächerlich ist, weil wir einfach nichts, aber auch wirklich gar nichts, zu bieten haben.

Tag 1116 – GÄNSEFÜSSCHEN Vereinbarkeit GÄNSEFÜSSCHEN.

Heute mal kein Gemecker über meinen aktuellen oder generell Arbeitgeber. Sondern Gemecker über Kraftgrenzen und Elternakkus und Geduldsfäden.

Ich bin hundemüde. Ich weiß, vier Wochen sind noch nicht genug, um darüber eine definitive Aussage zu treffen, aber das Pendeln und die Vollzeit und die dadurch langen Tage, das ist für mich tierisch anstrengend. Ich bin kein Morgenmensch, das ist ja nun auch kein Geheimnis, aber wenn ich um acht bei der Arbeit sein will, müssen Pippi und ich eigentlich um zehn nach sieben das Haus verlassen. 3 Minuten um alles im Auto und angeschnallt zu haben, 25 Minuten zum Kindergarten, 10 Minuten um Pippi abzuliefern, 12 Minuten zur Arbeit. Um das zu schaffen, weil ich morgens die lahmste Ente der Welt bin, muss ich eigentlich um viertel vor sechs aufstehen. Sechs würde auch nich reichen, wenn ich dann denn auch echt sofort aufstehen würde. Was ich nie tue. Was scheiße ist, aber der Geist und das Fleisch und überhaupt alles ist morgens sehr schwach. Ich mache mich dann fertig, Herr Rabe macht die Kinder fertig, einer von uns macht Kaffee und zum ersten Mal seit wir sie haben, finde ich, die Kaffeemaschine frisst morgens zu viel Zeit. Jedenfalls reichen die anderthalb Stunden nie. Irgendwas fällt immer hinten rüber. Ich muss mein Make-up mitnehmen, weil ich es nicht mehr schaffe, mich zu schminken. Ich kriege kein Frühstück. Der zweite Kaffee wird halt nicht im Auto getrunken, weil ich nicht mehr schaffe, einen weiteren Kaffee zu machen. Oder ich komme halt zu spät. Und muss dann eben länger bleiben, was ja kein großes Problem ist, der Kindergarten hat ja bis viertel nach fünf auf. ABER. Pippi schläft immer auf dem Rückweg ein. Je später das ist, je schwieriger wird es, sie noch mal aufzuwecken, wenn wir dann irgendwann zwischen viertel vor fünf (gut!) und viertel vor sechs (richtig schlecht) wieder zu Hause sind. Dann ist irgendwie kochen und Essen und dann müssen die Kinder eigentlich auch schon wieder ins Bett, weil sie sonst nämlich morgens nicht aus den Federn kommen, weshalb wir dann morgens wieder alle extra gestresst sind und… arrrrgh. Jedenfalls sehen die Kinder das meist gar nicht ein und es wird immer zu spät. Wir Erwachsenen sind nach dem Tag auch so platt, dass außer vielleicht noch ne Maschine Wäsche anstellen und die Spülmaschine versorgen nicht mehr viel geht. Meist ist es sogar zu spät für Netflix. Oder wäre es, wenn wir vernünftig wären. Und ach ja, bald kommt ja abends noch das Bewerbungen schreiben dazu. Wie schön.

Und dann ist Wochenende. Und so viel Haushalt ist liegen geblieben. Ab und an muss man auch Einkaufen. Vier Menschen leben auch hier und die brauchen irgendwie dauernd irgendwas, von Unterhosen bis Blumenerde, für das man halt dank neuem Dorfleben irgendwo hingurken muss. Die Kinder finden aber (zurecht), dass sie uns unter der Woche kaum gesehen haben und drehen frei. Alle drehen dann frei. Am Ende heulen die Kinder weil wir gesagt haben, sie dürfen zum Einkaufen nicht mehr mitkommen, wenn sie so UNGLAUBLICH RUMNERVEN. Die Kinder finden das und generell uns dann natürlich gemein. Aber herrje. Morgen stehen schon wieder 2 Brote und der Haushalt* an, wir wollen zum Bauernhof und eventuell nochmal zum Gartencenter, weil das so hübsche Gartenmöbel zu gar nicht mal so absurden Preisen (und morgen auf) hat, wir alle wollen schlafen und ich würd auch gern in Frieden einen Podcast hören, ohne dass neben mir lautstark bis 366 gezählt wird. Ich mag nicht die Kinder noch mehr abschieben, aber es geht echt nicht, die zum Einkaufen mitzunehmen, dann zerfleischen wir uns alle am Ende.

Ohne Witz: die Aussicht darauf, vielleicht bald wieder sehr viel Zeit zu Hause zu verbringen, finde ich grad ganz verlockend. Dann kann ich wenigstens schon unter der Woche Backen, oder auch putzen, oder den Wocheneinkauf machen. Alternativ wäre ein ausreichend gut bezahlter Job auch eine Hilfe, denn dann könnten wir immerhin eine Putzhilfe engagieren und müssten nicht beim Einkaufen drauf achten, im günstigen Supermarkt die günstigen Sachen zu kaufen, sondern könnten halt mal was vom Weg mitbringen, auch wenn da halt nur ein Meny ist und da die Milch 22 Kronen kostet.

Aber eigentlich kann’s das doch auch nicht sein, dass man halt entweder Vollzeit arbeitet, um genug Geld zu verdienen, damit man sich dann Personal und Dienstleistungen kaufen kann, damit man neben der Vollzeit-Erwerbsarbeit noch irgendwas anderes als Essenputzenschlafen schafft, oder es kann halt nur einer pro Paar arbeiten, pendeln, müde sein usw.

Ich jedenfalls finde das kacke. Aber vielleicht** ist es ja einfach nur die blöde Situation bei der Arbeit, die mich grad alles kacke finden lässt. Hoffen wir’s.

___

Auto-Lobhudelei: weder Gartensitzgruppe, noch Gewächshaus spontan gekauft. Und auch nur die zwei Paar Schuhe***, die die zwei Paar Schuhe ersetzen werden, die nach diesem Sommer leider aber eindeutig ein Fall für die Mülltonne sind.

___

*wenigstens nicht so schlimm wie letzte Woche, weil es recht aufgeräumt ist und wir letzte Woche wirklich gründlich waren. Außerdem habe ich Rexto Plexto heute endlich ausgepackt und werde sie jetzt gleich noch durchs Wohnzimmer rödeln lassen.

**gaaaaaanz bestimmt. Nicht.

***im „50% noch mal auf den Sale-Preis, echt, wir schmeißen die sonst weg, komm, du kriegst noch Schuhcreme und nen Lolli dazu, ich Schenk dir sogar die Tüte, Hauptsache du nimmst diese Schuhe mit!“-Sale. Sonst ist der Geiz grad sehr stark in mir.

Tag 1111 – Schnaps! Schnaaahaps!

(Und bis zur nächsten Schnapszahl dauert es wieder über drei Jahre! Kinder, wie die Zeit vergeht!)

Bei der Arbeit läuft alles seinen gewohnt absurden Gang, außer dass der Kollege ob seiner nächste Woche anstehenden Prüfung immer nervöser und dadurch reizbarer wird. Das überträgt sich auch auf mich und ich bin eh vielleicht grad etwas reizbar, das ist keine so gute Kombi. Aber so ist es eben jetzt, wir haben uns bis zum Hals in Artikeln eingegraben, damit wir besser einschätzen können, ob es das wert wäre, den einen oder anderen Prozess eingehender zu untersuchen und morgen früh sollen wir das dem Chipsmann dann präsentieren. Ähäm. Okay. Der Chipsmann selbst versucht Loyalitäten auszuloten und wenn ich was nicht leiden kann, dann wenn man versucht, mich zu manipulieren, ich bin dagegen, wie Michel sagen würde, allergisch, denn ich kriege Kopfschmerzen von diesem vielen Gedenke und nicht-Aussprechen und Geheimnisse haben. Urgs. Schreckliche Situation.

Apropos Michel: der meint auch, er sei allergisch gegen Licht, weil er morgens schlechte Laune und manchmal Kopfschmerzen hat. Ich denke ja, das liegt am Schlafmangel, genau wie Dauergeheul am Nachmittag/Abend. Leider hab ich heute auch wieder unter Beweis gestellt, das meine Mutter-Skills nicht so auf der Höhe sind, weil ich das mit dem Schlafmangel und „es ist eigentlich auch schon wieder Bettzeit“ ausgesprochen habe (–> mehr Geheul) und mir dann bei Michels Aufzählung, wie lange er sparen muss um sich irgendein Objekt der Begierde zu kaufen, nämlich „UND WIE LANGE SOLL DAS DAUERN, HÄH? SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN MAL? UND SIEBEN UND SIEBEN…“ ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte –> „MAMA LACHT ÜBER MICH!!! WÄÄÄHÄHÄHÄHÄHÄ!“.

Tjanun. Muss alles, wird alles werden, irgendwie. (Heute für mich keinen Schnaps, morgen klingelt der Wecker auch wieder früh.)

___

Auto-Lobhudelei: Ich werd durch den Job noch sowas wie diplomatisch.

Tag 1109 – Immerhin.

Immerhin haben wir heute: Michel neue Unterhosen gekauft, den Schnecken neue Erde, uns allen etwas zu Essen, keine Mikrowelle* aber dafür Herrn Rabe eine neue Speicherkarte. Immerhin habe ich heute die Kinder** nur mehrmals angeschrien und nichts schlimmeres. Immerhin habe ich beide Toiletten geputzt und tausend Teige angesetzt.

Mehr positives gibt’s über den Tag nicht zu sagen.

___

*In einem anderen Land hätte ich längst einfach eine bestellt. Ich möchte einfach gerne eine Mikrowelle haben, und zwar keine zum Einbauen, weil die einfach das drei- bis fünffache von den normalen kosten. So, wie schwer kann das sein? Sehr schwer. Die einen können zu viel und sind deshalb zu teuer. Die anderen sind zu klein. Wieder andere zu groß. Hat jemand eine Empfehlung für eine Mikrowelle? Sie sollte auftauen können (und zwar ohne dass Teile schon gar sind, andere aber noch gefroren) und ansonsten warm machen. Ich werd da keine Kartoffeln oder ganze Hähnchen drin zubereiten, es ist eine Mikrowelle und wie haben auch einen Ofen.

** Pippi ist jetzt volle Möhre in der A-Phase. Und es ist schlimm. Sie hat heute allein drei mal mehr schreiend in Einkaufsladengängen gelegen, als Michel überhaupt bisher.

Tag 1108 – Feierabend.

Herr Rabe weilt auf dem Sommerfest seiner Firma, deshalb habe ich heute beide Kinder von ihren Einrichtungen abgeholt, mit Michel Hausaufgaben gemacht (weil er wollte, nicht weil er musste, er wollte wirklich unbedingt und naja, Bögen malen und Worte die mit S anfangen markieren, das kann man auch von den Hausaufgaben der nächsten Woche vorziehen. Überhaupt meckert Michel ein bisschen über den langsamen Lern- und Lehrfortschritt, das gibt sich hoffentlich noch.), habe gekocht und wir haben zusammen gegessen, dann habe ich beide Kinder ins Bett gebracht, die Küche aufgeräumt und dann stand ich vor der Entscheidung, direkt ins Bett zu gehen oder halt nicht. Nach der Woche wäre ersteres vermutlich klug, aber herrje, es ist Freitag und ich gucke jetzt einen Film, den Herr Rabe wohl eh eher nicht sehen wollen würde (The Hunger Games, ganz was erbauliches) und dabei esse ich Trauben-Nuss-Schoko, die Herr Rabe wegen der Trauben auch nicht mag und genieße, dass ich morgen nicht früh aufstehen muss. Ich hab auch echt genug von Tabellen und Artikeln und für jemanden, der nicht gern telefoniert, habe ich in den letzten Tagen sehr viele Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, wegen echt wichtiger Dinge angerufen. Ja, ich bin echt gar. Aber ich brauch auch noch ein bisschen zum runterkommen.

___

Auto-Lobhudelei: den Nachmittag mit den Kindern wirklich entspannt verbracht, sogar Michels Hausaufgaben-Übermut in konzentrierte Bahnen gelenkt.

Tag 1100 – Eingeschult!

Michel ist jetzt ein richtiges Schulkind.

Wir haben auch direkt einen Haufen Zettel zum Ausfüllen bekommen (zum Beispiel wird das Kind furchtbar schädliche 9 Stunden am Tag in der Schule verbringen, man stelle sich das vor, das arme Kind, hätten wir uns das mal eher überlegt, dann hätten wir den eben nicht bekommen, weil wir uns nicht leisten können, beide Teilzeit zu arbeiten*) und Michels Name wurde, da bin ich sehr sicher, beim Vorlesen vergessen. Aber das ist alles nicht so wichtig, wichtig ist das Ausflippen vor Freude über den Spidermanpulli und das „Danke, Mama!“.

Ein richtiges Schulkind. Hachseufz.

___

Mein Meeting war leider ziemlich furchtbar, sie haben mich nach meiner Meinung zu Sachen gefragt, was soll ich da machen, lügen? Hab also meine Meinung gesagt, alles an der Tafel vorgerechnet und befürchte jetzt, dass es eher eine Frage von Wochen als Monaten ist, bis Konkurs angemeldet wird. Vielleicht sind’s auch nur Tage. Es ist alles nicht so sehr erfreulich.