Tag 613 – Drei mal vier Stunden. 

So lange Zusammensein mit meiner Mutter und meinen Großeltern braucht es, bis ich mich mit Selbstvorwürfen from hell* und Kopfschmerzen von ebenda für immer im Bett zusammenrollen will. 

Ich will nach Hause. 

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*Auszug: wieso kann ich mich nicht einfach freuen, dass sie noch leben (Großeltern), körperlich relativ fit sind (Omi) und sich um eine gute Beziehung zu den Enkeln bemühen (meine Mutter)? 

Tag 609 – Komme ich hier in mein Zimmer?

Wir haben heute die Oma im Pflegeheim besucht. Es gibt da sieben Demenz-WGs, alle mit jeweils ca. 12 Bewohnerinnen (und hier kann man ruhig mal das generische Femininum bemühen, die paar Männer in der Einrichtung sind natürlich mitgemeint). Die Einrichtung wirkte zumindest auf mich offen und freundlich und sauber und die Bewohnerinnen gut gepflegt, da hört man ja so einiges und das traf schon mal (augenscheinlich) hier nicht zu. Je mehr Zeit wir da verbrachten, desto mehr fielen mir starke Parallelen zur Betreuung von Menschen am anderen Ende ihrer Lebenszeit auf.

  • Alles war hübsch dekoriert mit von den Bewohnerinnen selbst gebastelten Herzen und Blumen aus Tonpapier.
  • An der Wand ein Kalender, der in sehr großen Buchstaben und Lettern nicht nur Datum, Wochentag, Monat und Jahr anzeigte, sondern auch noch „Frühling“ mit einem bunten Frühlingsbild dazu.
  • Als wir kamen waren die Bewohnerinnen gerade in der Kaffeepause versunken und wir wurden gar nicht bemerkt.
  • An den Zimmern der Bewohnerinnen steht in sehr großer Schrift der jeweilige Name und manche haben auch noch ein Bild von sich da hängen, um sich besser zurechtzufinden. 
  • Als die Bewohnerinnen uns dann bemerkten, hatten einige noch Kaffepausenkrümel und -flecken überall, störte sie aber nicht im Geringsten, weil „OH MEIN GOTT IST DIE* NIEDLICH!!!“ (*Pippi).
  • Die Pflegerinnen wurden von den Bewohnerinnen „große Kinder“ genannt.
  • Die Pflegerinnen müssen alles drei- bis hundertmal sagen. 
  • Manche Bewohnerinnen hatten sehr gute, andere ausgesprochen schlechte Laune. Allen sah man die Stimmung sofort an. 
  • Was weg (=verlegt) ist, wurde ganz sicher von irgend jemandem fies weggenommen. Oder ist noch „in Werther“ (da ist meine Schwiegermutter aufgewachsen).
  • Als wir gehen wollten, saß eine Gruppe im Flur und spielte mit einer Pflegerin ein Quiz. Für 6-7 Jährige.
  • Wenn ein Baby (=Pippi) da ist, wird alles stehen und liegen gelassen, da ist dann auch das Quiz egal.
  • Offenbar kann man den Bewohnerinnen relativ einfach weismachen, der Türöffner sei ein Lichtschalter. Mein Schwiegervater meinte, die hauen nicht ab, weil sie nicht wissen, wie. Es ist aber keine Tür abgeschlossen, die Türöffner reichen als „Barriere“.
  • Wenn es doch mal eine Bewohnerin in den Hausflur schafft, verstehen sie anscheinend nicht, wie der Fahrstuhl funktioniert. Und an der Feuertreppe ist auf die Tür ein Bücherregal aufgedruckt. (Unser Kindergarten hat an der Tür zum Keller, wo die Kinder nicht hinsollen, ein Schuhregal angebracht.)
  • Wenn Bewohnerinnen an einen Rollschrank nicht dran gehen sollen, reicht es, ihn umzudrehen.
  • Obwohl die Flure im Kreis führen, man sich also innerhalb einer Wohngruppe nicht verlaufen kann, ist die größte Sorge der Bewohnerinnen wohl, sich zu verlaufen. 

Tja. Ich glaube, meiner Schwiegermutter geht es da so gut es einer in der Situation gehen kann. Aber die Situation ist und bleibt echt beschissen.

Tag 606 – Erste Etappe geschafft. 

Hurra, wir sind in Oslo! Natürlich kamen wir nicht ganz so früh von zu Hause los wie geplant, aber immer noch früh genug. Auch das Fahren war weitgehend problemlos, aber auch unendlich öde. 600 km durch den Wald. Mit 80 km/h. Schnaaaaaaaaaaaarch. Die Kinder verhielten sich altersentsprechend, Michel guckte auf dem iPad heruntergeladene Maus/Elefant/Dinotrux-Folgen bis er viereckige Augen hatte, Pippi schlief erst lange, sah sich dann lange und niedlich laut kommentierend ihre Bücher an und verkrümelte Unmengen Kekse in ihrem Sitz. Dann wurde sie zunehmend ungehalten. Die letzte Dreiviertel Stunde war dann deswegen nicht mehr ganz so schön. 

Was aber sehr schön war, war dann in Oslo direkt bei Freunden anzukommen und mit warmem Essen empfangen zu werden. Noch dazu mit unfassbar niedlichem fast Einjährigem, den wir das letzte Mal als neu geborenes Minibaby gesehen haben. Heute lernte er während wir da waren (!!!) Laufen. Pippi und Michel waren wohl Ansporn genug um mal damit loszulegen. Unsere Kinder hatten auch noch genug Möglichkeit sich nach dem Sitz-Tag noch richtig auszutoben und waren entgegen meiner Befürchtungen nicht überreizt-nervig sondern aktiv und putzig. Und auf dem Weg in die Wohnung, in der wir übernachten (die unserer Freunde, die aber noch im Urlaub sind) schliefen beide sang- und klanglos im Auto ein und ließen sich auch problemlos schlafend ins Bett verfrachten. 

Langsam kommt sogar bei mir Urlaubsstimmung auf! Der Stress lässt nach, das Hachz setzt ein. Hachz. 

(Ach ja: morgen auf dem Boot gibt’s wohl kein oder nur sehr teures W-LAN. Und vielleicht sehr schlechten Mobil-Empfang. Wenn Sie also nichts hören sind wir vielleicht abgesoffen, vermutlich aber nicht.)

Tag 604 – Wiesu denn bluß?

Warum denn nur muss immer kurz vor Urlaub alles so stressig sein? Heute so

  • Kinder wegbringen
  • Blutprobe nehmen lassen 
  • Dafür erst lange mit der Gesundheitssekretärin herumdiskutieren und dann noch länger im Wartezimmer herumwarten 
  • Dann noch mit der Schwester diskutieren. Grund der Diskutiererei: die Gesundheitsbehörden haben die Bezeichnung eines Antikörpers auf ihren Formularen geändert, aus TRAS ist jetzt anti-TSH-r geworden. Das herauszufinden hat mich 10 Sekunden Google gekostet, die Schwester sah sich offenbar zu diesem Schritt nicht in der Lage.
  • Viel zu spät bei der Arbeit aufschlagen und leicht hektisch herumarbeiten
  • Nach Hause den Bus nehmen, weil keine Zeit keine Zeit, dann braucht der Bus enervierend lange
  • Auto holen, Kinder abholen (ahhhh, keine Zeit, los, zack, Pulli an, Mütze auf, komm jetzt, Pulli anziehen, Michel, hallo, den Pulli…)
  • Michel in Windeseile Geburtstagsfertig machen (saubere Klamotten, Hände waschen, Haare kämmen) und direkt wieder los
  • Michel beim Geburtstag abliefern, wieder nach Hause gurken
  • HUNGER!!! 
  • Essen
  • Löcher in den Schneckenboxdeckel prokeln, dabei ein Messer verbiegen
  • Herr Rabe holt schon mal Erde aus dem Keller
  • Herr Rabe geht zum Treffen mit den Nachbarn wegen des Umbaus
  • Ich prokele weiter und versuche auf Pippi aufzupassen
  • Schnecken umsetzen, füttern, einsprühen, Deckel drauf, los gehts
  • Oh, Pippi braucht erst noch eine frische Windel
  • Pippi braucht außerdem noch Creme auf den Po und Zuspruch und Trost
  • Ahhh, schon so spät
  • Pippi ruppig bei Herrn Rabe abliefern, Schnecken anschnallen, Michel abholen
  • Michel will, obwohl ich wegen der Wickelaktion fast 15 Minuten zu spät bin, nicht nach Hause
  • Schnecken dem Geburtstagskind zeigen, das Geburtstagskind schwer beeindrucken
  • Michel und Schnecken ins Auto und anschnallen, zur Kollegin L. Fahren
  • „Mama, ich freue mich nur ein bisschen auf Urlaub, weil in Bielefeld keiner meine Sprache spricht.“ (Sowas sagt er auf norwegisch, denn „seine“ Sprache ist: Norwegisch.)
  • Schnecken abliefern, nach Hause fahren, Michel schläft ein
  • Michel die Treppe hochschleppen und ins Bett verfrachten, umziehen, zudecken
  • Uffz
  • Rödeln in der Küche 
  • Wäsche aufhängen
  • Mit Herrn Rabe halb scherzhaft KW19-Dinge besprechen, dann rödelt Herr Rabe auf dem Dachboden und im Keller wegen des *mieeep* Umbaus (ich sagte heute schon zu Herrn Rabe, dass ich Strichliste führen sollte, wie oft mich dieser Umbau abnervt)
  • Unseren Samstag Abend in Oslo abklären
  •  Wäsche anwerfen
  • Müde, ach nee, Brotdosen machen
  • Ab ins Bett

Meh. Gefühlt nix geschafft von der tatsächlichen urlaubsvorbereitung.

Tag der 602 – Gemischtes, aber viel davon

Begegnung beim Kaffee holen auf dem Weg zur Arbeit (zu Fuß, weil ich’s kann).

Ich: *betrete den Laden und stelle auf dem Weg schon die Kaffeemaschine an, ich routiniert coole Sau* „Einen großen Kaffee Latte bitte. Ich bezahle mit dem Handy.“

Kassenmensch: „Rrrrååååkul! [Endcool!] Yeah! Mobilepay! Endlich passiert hier mal was. Wissen Sie, es ist hier vormittags so langweilig…!“

Ich: „Hehehe, ja, haha, das, äh, verstehe ich. Danke und äh, tschüss.“ *kriegt Augenbrauenkrampf*

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Der Thermoblock bei der Arbeit ist kaputt. Ohne Deckel heizt er, wenn man aber den Deckel draufmacht, heizt plötzlich nur noch der Deckel. Wenn man das dann aber bei 95 °C macht, fliegt die Sicherung raus, weil der Deckel viel zu heiß wird. Yeah.

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Von meinen einstmals 40 Mikrogramm mRNA sind nach diversen Aufreinigungsschritten nur noch 7,7 Mikrogramm übrig und das frustriert mich ungemein. Orr. So sehr, dass ich möglicherweise mit dem Knie ein bisschen gegen den Schrank getreten habe, der unter dem NanoDrop (Konzentrationsmessdingsi, Anm. d. Red.) steht. Ich habe vielleicht sogar laut geflucht. Und eventuell ging währenddessen ein Professor an mir vorbei und sagte sowas wie „Nanana, so schlimm wirds schon nicht sein.“

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Pippi musste heute schon wieder wegen Phantomfieber aus dem Kindergarten abgeholt werden. Zu Hause hatte sie dann 37,4 °C und spielte fröhlich, so berichtet Herr Rabe. Ich bin von der Fiebermesserei wegen „sie war etwas schlapp“ inzwischen mehr als abgeneigt und freue mich deshalb schon auf das Elterngespräch nach Ostern.

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Weil ich Herrn Rabe mit der Kinderwache ablösen musste, weil der einen wichtigen Arbeitstermin hatte, musste ich unbedingt den einen Bus um 12:41 bekommen. Um 12:32 dachte ich, es wäre ja gar kein Problem, noch schnell einen Kaffee zu holen. Um 12:37 stand ich mit dem fertig getankten Kaffee in der Schlange. Vor mir 6 (!) Leute. So viele sind da sonst nie! Um 12:39 waren gerade mal 2 Leute abgefertigt und ich wurde zunehmend nervös. Um 12:40 sah ich den Bus. In Nanosekundenschnelle spielte mein Kopf die Optionen durch: Kaffee stehen lassen und losrennen (der gute Kaffee!); einfach so losrennen (DIEBIN!!!); den Bus ziehen lassen und ein Magengeschwür kriegen, weil ich nie für mich einstehe (ach nee); Bescheid sagen. Die letzte Option schien mir praktikabel, ich kaufe da jeden Tag ein bis zwei Kaffee, die kennen mich da alle. Ich scherte also aus der Schlange aus und rief der Kassiererin über den Tresen zu: „Du, sorry, ich bezahle den Kaffee hier morgen, ich muss den Bus kriegen, der da gerade kommt!“ Und rannte los, Kaffee in der Hand, im Rennen ein Busticket auf dem Handy kaufend, im Umdrehen hörte ich noch die Kassiererin „Oh, äh, okey…?“ Sagen. Der Busfahrer hatte mich rennen gesehen und netterweise gewartet, er war ja auch ne ganze Minute zu früh. Und so konnte ich dann an Herrn Rabes Arbeit Pippi im Kinderwagen in Empfang nehmen, drei Minuten vor Herr Rabes Meeting. Vereinbarkeit. So schön.

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Michel hatte heute ein Play date nach dem Kindergarten. Ich holte ihn von da ab, und war auch nur ganz kurz lost in norwegische Wohnsiedlung:


Der erste Bonus: Ich konnte alleine Auto fahren und obwohl ich beim schlimmsten Laden der Welt (Spielzeug’sim’ma) war um glitzernde Bügelperlen* zu kaufen, war das richtig schön. Ich liebe alleine Auto fahren. Der zweite Bonus: ich durfte die Katze bei Michels Kumpel streicheln. Eine ultra flauschige und tiefenentspannte (4 Kinder) Maine-Coon. Hachja. Ich hätte so gerne wieder ne Katze. Vielleicht in der nächsten Wohnung.

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Michel ist im Moment total geschlechterfixiert. Alles muss unterteilt sein in Junge/Mädchen. Farben, klar, Haarschnitte, Kleidung, klar, Tiere, selbst die dämliche geschlechtslose Babypuppe, die zwischen den Beinen mit nichts als einem glatten Plastikhügel glänzt, „ist ein Mädchen, weil die hat lange Wimpern“. SPRACH DAS KIND MIT DEN LANGEN, DUNKLEN WIMPERN! Mich bringt das total auf die Palme, da redet man sich viereinhalb Jahre den Mund fusselig und dann besteht das Kind doch drauf, dass das Badezeug mit dem rosa Tintenfisch drauf eben für Mädchen ist, weil rosa. Ahhhhhhhh.

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Noch was, was mich auf die Palme bringt: Michel hat im Kindergarten einen Kameraden, der genauso alt ist wie er. Die Eltern sind noch recht jung (also deutlich jünger als wir, würde ich sagen) und seit ca. Nem Jahr getrennt. Und scheinbar läuft es bei den Eltern nicht so rund nach der Trennung, die Kinder sind unruhig und klammern extrem und werden im Gegenzug von beiden Seiten mit Kram überhäuft. Und Michel möchte dann natürlich (wie alle anderen Kindergartenkinder auch) den gleichen Kram haben. Sowas wie „Wir kaufen keine Obst-Quetschies“ kann ich ja noch sachlich erklären und dabei ruhig bleiben, aber heute ist mir wirklich alles aus dem Gesicht gefallen, weil Michel meinte, zum Geburtstag bekäme er ein Handy. Weil der M.** ja auch eins hat. Sind denn alle verrückt geworden?

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Sehr viel schöner: die Schlaf-Gut-App. Ich bin Fan. Es ist im Grunde eine einfache Geschichte, wie ein Bilderbuch, nur zum klicken. Ganz ruhig vorgetragen von einer sonoren Männerstimme. Eine kleine Eule findet einen Zirkus, da wohnen viele Tiere und alle sind müde. Die Tiere können alle ein bis zwei kleine Kunststücke und dann muss man das Licht ausmachen, der Erzähler sagt Gute Nacht und die Tiere schlafen ein. Wenn alle schlafen, kann auch die kleine Eule schlafen gehen. Ich kann dabei auch herrlich wegdösen***, oder ich höre Pippi dabei zu, wie sie professionell mitkommentiert, oder ich entdecke mit Michel neue Sprachen****. Aber als mir Herr Rabe heute erzählte, dass Michel immer wenn er das Licht selbst ausmacht bei den Tieren sagt „Ich hab gewonnen“, musste ich herzlich lachen. So gesehen, gewinnen wir hier öfter mal alle beim Einschlafbegleiten gegeneinander…

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*weil „Mama, ich hab dir was geperlt, aber ohne Glitzer, weil die M., die hat alle Glitzerperlen aufgebraucht“.

**In diesem Kindergarten heißen alle Kinder M. Heute der Besuch war auch bei M. Und am Donnerstag geht Michel zu M. Auf den Geburtstag. Sind aber alles unterschiedliche Kinder.

***im „Autospiel“, wie sich Michel das Autoplay selbst übersetzt hat.

****Michel sucht sich eine aus, ich glaube, er geht da nach Fahnen-Optik. Gestern haben wir Türkisch gehört. 

Tag 601 – Hachseufz. 

Es ist ja so: egal wie blöd der Tag war, egal wie unproduktiv ich bei der Arbeit rumgehangen habe, egal wie absurd manche Internetdiskussion sich entwickelt, egal wie zickig Vierjährige und wie dickköpfig Einjährige sein können, am Ende zählen kleine warme Körper in meinem Arm, wuschelige Haare, die meine Nase kitzeln, ein geflüstertes „Mama, du sollst mich immer ins Bett bringen, weil du bist am coooooolsten!“ und vor allem die völlig entspannten Schlafgesichter, das leise Seufzen und Schnaufen und all das Vertrauen, das da mitschwingt. Da werd ich dann auch mal ganz sentimental. 

Tag 599 – Niemand versteht mich.

Hallo, Sie da! 

Jaaa, ich hab lange nichts mehr von mir hören lassen, aber ich war beschäftigt. Sehr. Ich bin sehr gewachsen. Meine Elefantenpuschen passen schon lange nicht mehr. Ich hab auch ein bisschen reden gelernt, aber ich muss immer alles dreimal sagen, bis mich wer versteht. Das geht mir total auf den Geist, ich sage irgendwas und die lächeln nur und sagen „Ja, genau, hmmhmm!“ und machen aber nicht das, worum ich doch gerade erst ausdrücklich gebeten habe. Am Ende muss ich immer erst wieder schreien, damit was passiert. Echt jetzt mal! Das muss doch anders gehen. Nachts zum Beispiel mache ich mir die Mühe mit dem Reden gar nicht mehr sondern brülle einfach drauflos, sollen die doch zusehen, wie sie mir Banane besorgen! Manchmal will ich auch einfach nur auf der anderen Seite liegen oder meine Füße sind zu warm oder ich will lieber mit Papa kuscheln (Spoiler: ich will immer lieber mit Papa kuscheln, Mama war neulich mal ganz lange weg, das ist mir nicht geheuer, hinterher verschwindet die wieder einfach so), aber ist das mein Job, das zu kommunizieren oder ist es deren Job, das herauszufinden? ICH hab mir NICHT ausgesucht, mit so einer schlecht funktionierenden Sprechmechanik auf die Welt zu kommen! Aber auch sonst, am Tag, raffen die ganz oft nicht, was Sache ist. Ein paar Beispiele gefällig? ICH HASSE DEN KINDERWAGEN. Und den Fahrradanhänger auch. Ich will laufen, aber die lassen mich einfach nicht, es hilft nur ganz selten mal, wenn ich mich einfach ganz steif wie ein Brett mache, dann können die mich nämlich nicht anschnallen. Dann seufzen sie und ich darf gehen. Oder neulich – da war ich krank. Mir gings echt bescheiden, mir war schlecht und ich war so tierisch schlapp, aber das haben die auch erst richtig verstanden, nachdem ich Papa voll angekotzt hab. Oder jetzt seit ein paar Tagen tut mir der Mund weh, es ist wirklich die Hölle, es juckt und drückt und tut weh, alles gleichzeitig, und da hilft kein Essen (im Gegenteil, das macht es noch schlimmer) und geht mit bitte ein für alle mal weg mit der vermaledeiten Zahnbürste! Heute musste ich wirklich erst sehr sehr nachdrücklich werden (ich kann das gut, volles Programm bis zum hysterischen Kreischen, das sitzt keine*r einfach aus!) bis die mir dieses Zeugs in den Mund gemacht haben, von dem alles taub wird. Das schmeckt zwar kacke, aber egal – es hilft. Danach konnte ich dann auch mit Michel und H. spielen, das war super. Michel hat mir ein Bett gebaut und ich hab mich reingelegt. Hinterher hat er behauptet, das wäre sein Bett, aber es war so gemütlich und so lustig, wie sich Michel aufgeregt hat! Michel versteht mich etwas öfter als Mama und Papa, aber der will mich dafür oft gar nicht verstehen.

Mir scheint, ich komme um das Sprechen nicht ganz herum, wenn das hier in Zukunft besser laufen soll.

In diesen Sinne bis bald – 

Ihre Pippi

Das Beste am Spielbesuch ist das Chaos!

Tag 598 – Nix zu erzählen…

Nee, echt nicht. Relativ ereignisloser Tag eigentlich. Kinder in den Kindergarten gebracht, Fahrrad zu Hause abgestellt, Maschine Wäsche angestellt, zu Fuß zur Arbeit. Arbeit, Meeting, Arbeit, Reisekostenabrechnungsrumgeärgere, god helg (Sprich: Guu hell(j), Schönes Wochenende, wichtige norwegische Floskel, fast so wichtig wie Takk for sist (tack for schisst), mit dem man sich für das letzte Treffen bedankt). Bus verpasst, nächsten Bus genommen, zu Hause Kinder drücken (Pippi kann jetzt „Aaam!“ sagen <3) und dann gegen die abrutschende Stimmung ankochen. Käsespätzle, das mögen wenigstens alle gerne. Michel will jetzt nächsten Donnerstag (!) auch „solche Nudeln mit Käse, derfordi de er godtest“ (das kann man nicht wirklich übersetzen, derfor heißt deshalb, fordi heißt weil, derfordi… tjanun. Und godtest wäre der Superlativ (der Neutrum-Form Singular von) von god = gut, aber ganz ähnlich wie im Deutschen ist der Superlativ davon best… Es ist verwirrend.). Überhaupt redet Michel im Moment sehr lustig und ich möchte einfach, dass er nie aufhört „verschiedlich“ zu sagen. Nach dem Essen Kinder ins Bett komplimentiert, mich selbst vorher gewaschen* und Zähne geputzt, falls ich dabei einschlafe, aber nein, ich bin immer noch wach. Ach ja: Termine für alle bei der Lieblingsfriseurin in Bielefeld ausgemacht, Michel hat es sehr nötig, ich auch, Herr Rabe geht so und Pippi hat ihre Flusen, da könnte man vielleicht mal die splissigen Spitzen am Hinterkopf abschneiden und sowas wie ne Form reinzaubern. Falls sie wen an sich ranlässt. 

Sonst war nix.

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* Lidschattentest: gestern hatte ich mir was alltagstaugliches mit einem Tacken Extra-Glitzer von ColourPop auf die Augen gemalt. Ich bin restlos begeistert. Die Lidschatten sind erstmal etwas ungewohnt, weil kaum pudrig, sondern eher etwas cremig beim Auftragen. Dadurch aber deckend wie sonstwas und viel präziser aufzutragen. Und vor allem halten die ewig, nix verläuft oder verschmiert oder entglitzert sich. Ich habe sonst schnell so eine dunkle Rille in der Lidfalte, weil meine Haut eben auch auf den Lidern schnell nachfettet, das machte dem ColourPop aber gar nix. Heute dagegen wollte ich mal die eine Palette von Covergirl (hab ich in den USA gekauft, weil unschlagbar günstig) ausprobieren. Der verläuft zwar auch nicht und hielt auch insgesamt recht gut, aber die Glitzerpartikel hatte ich heute Abend dann überall: auf den Lidern, aber auch auf den Wangen, in den Augenbrauen, in den Wimpern und ein besonders hartnäckiges Teilchen hatte sich quasi-kovalent mit meiner Unterlippe verbunden. Ich bleib bei ColourPop.

Tag 594 – Kann weg. 

Ich hab mich heute über so viele Sachen geärgert, es ist echt kaum zu fassen. Um der Negativität keinen Vorschob zu leisten werde ich jetzt hier aber nicht weiter darauf eingehen, sondern nur das aufschreiben, was gut war. 

  • Ich habe bei der Arbeit kurz dringliche Sachen gemacht und das mit schlafendem Kleinkind im Kinderwagen und vom Weg komplett durchgeschwitzt. 
  • Ich hab spontan eine neue Babyfüße-Packung gekauft, weil die im Angebot war. 
  • Pippi hat einen kompletten Becher Joghurt gegessen und war auch nach einem fast komplett verschlafenen Vormittag nachmittags echt gut drauf. 
  • Pippi macht echt Fortschritte beim Sprechen. (Neu im Repertoire: unter anderem „Di-go“, wobei wir noch unsicher sind, ob es eher „Stego“(-saurus) oder „Dino“ generell heißen soll. 
  • Liv war da und in so eine blitzende Bude kommen ist ja echt mal was schönes. 
  • Ich bin jetzt um halb zwölf schon fast müde. 

Tja das war’s dann auch schon. Aber ein bisschen was ist ja zusammengekommen. 

Tag 592 – Kotzimausi. 

Pippis Fressphase wurde unschön beendet. Gestern Abend noch erwischten wir sie, wie sie aus dem Topf die (heißen) Kirschen, die es zum Milchreis geben sollte, mit einem Esslöffel herauslöffelte und in sich hineinfutterte, klammheimlich, während ich noch in der Küche rödelte und Herr Rabe Michel und Besuchskind zum Händewaschen überredete. Danach aß sie Milchreis und Kirschen und das freitägliche Eis zum Nachtisch. Um ca. halb elf aß ich mit ihr Banane. Um ca. zwei war mir ihr Gerödel im Bett genug und ich wollte sie Herrn Rabe aufs Auge drücken, der aber in ihr Gemecker Durst interpretierte und mit ihr in die Küche wollte. Kaum aus der Tür des Schlafzimmers musste Pippi Husten (ist mal wieder etwas erkältet) und dann brechen. Volle Lotte, über Herrn Rabe, sich selbst und den Esszimmerfußboden. Kirschkotze, ich weiß das jetzt weil ich heute im Hellen die Spritzer entfernt habe, die Herr Rabe gestern Nacht nicht gesehen hat, sieht beängstigend nach blutendem Magengeschwür aus. 

Zum Frühstück sah ich Pippi wieder, Herr Rabe hatte mit ihr in Michels Bett geschlafen und sie hatte wohl noch ein paar mal gewürgt, aber so richtig war nichts mehr herausgekommen. Abgesehen davon, dass sie den ganzen Tag über vorsichtig mit Essen im Allgemeinen war, war sie schon morgens wieder gut drauf. Heute Nachmittag war Michels Kumpel M. da, der genauso heiß verliebt in Pippi ist, wie sie in ihn (das ist der, der zu seinen Eltern gesagt hat, er wünsche sich zu Weihnachten auch so eine kleine Schwester wie Pippi) und auch da war sie ein Sonnenschein. 

Wir halten also die Daumen für entweder hoffnungslos überfressen* oder Magen mit irgendwas verdorben (Kirschintoleranz?), auf jeden Fall bitte nicht Magen(-Darm*)-Virus. 

* oder vielleicht ist das doch nicht so ne tolle Idee, noch mitten in der Nacht komplette Bananen zu verspeisen und sich dann direkt wieder hinzulegen?

** minus Darm, das war wie immer. „Aua!“