Tag 629 – Waffelfest.

Meine Kollegin K. ist eigentlich gar nicht richtig meine Kollegin. Sie arbeitet auf dem selben Flur am selben Institut, aber sie ist Bioinformatikerin und macht Bioinformatikerinnensachen. Und wir machen meistens zusammen Mittagspause, in einer Gruppe aus lauter Bioinformatikerinnen und mir. Das ist eine nette Runde und wir schnacken über dies und das, manchmal Kinder, meistens aber nicht (auch wenn diese Neuerung immer noch nicht im Weihnachtslied angekommen ist, aber Schwamm drüber). Jedenfalls lud Kollegin K. uns letzte Woche alle zum Waffelfest bei sich zu Hause ein. Es gäbe Waffeln für lau, man könne an den Sportverein was spenden und vielleicht auch auf ihren Pferden eine Runde drehen, das käme darauf an, ob die zwei Teeniemädchen, die die Pferde manchmal gegen Reiten dürfen versorgen, da sind. Ich fand, das klänge schon alles sehr nach großem Spaß für die Kinder und so fuhren wir heute Nachmittag da hin.

Erstmal verfuhren wir uns, am südlichen Stadtrand von Trondheim wird nämlich wie verrückt gebaut und Google maps kannte all die neuen Straßen noch nicht und wurde etwas hektisch mit seinem „Richtung Nordosten. Danach – links abbiegen. Richtung Nordosten. Danach – im Kreisverkehr dritte Ausfahrt nehmen.“ Währenddessen kurvten wir auf der Karte im Nichts herum und es dauerte etwas, sich aus dem Baustellenlabyrinth wieder herauszuwurschteln. Irgendwann hatten wir es dann aber geschafft und Zack – waren auf dem platten Land. Nur mit Hügeln. Byneset halt, die Bauern-Halbinsel. Aber naja, K. hat ja auch Pferde, dachte ich, da ist ländlich gar nicht mal schlecht.

Als wir ankamen, staunte ich wirklich nicht schlecht: K. hat nicht nur Pferde, sondern einen richtigen Hof. Freilaufende, äh, Flauschhühner begrüßten uns, Pippi geriet total aus dem Häuschen und rief erst „Gagagei!“ und dann nach Aufklärung „Kikiki!“ und „Pook, pook, poooook!“. Michel freundete sich mit Sara, dem Minischwein an und fütterte es mit Waffeln (das durfte er, wir haben gefragt). K. zeigte alles den Kindern, Michel durfte sogar auf dem einen Pferd sitzen (die Teeniemädchen waren nicht da) und das totale Highlight war, als es aus dem Hühnerhaus plötzlich laut und ausdauernd zu gackern anfing und K. zu Michel sagte „Weißt du, was jetzt passiert ist? Jetzt hat ein Huhn ein Ei gelegt!“ und ihn mitnahm, das Ei zu holen. Michel war unglaublich beeindruckt, es waren sogar zwei Eier und er bekam die Eier geschenkt, weil er so toll mitgeholfen hatte. Stolz wie Oskar trug er seine Trophäe herum und passte wirklich gut drauf auf, dass den Eiern bloß nichts passiert. Pippi lernte ein paar neue Worte, nämlich „jaukeln“ (schaukeln), „Hahn“, „Huhn“, Fääät“ (Pferd) und „hest“ (norwegisch für Pferd), „grisen“ (norwegisch für Das Schwein) und natürlich „Waffen“ (Waffeln). Und das ganze bei strahlendem Sonnenschein und 17 Grad. Ehrlich, es war so schön, dass mir vor lauter Harmonie lauter Schimpfwörter im Kopf herumirrten, als Kompensation sozusagen. „Scheiß die Wand an, ist das schön hier.“ Vielleicht war ich zu lange in Westfalen. 

Gagagei?


Jaukeln.


Kleinpferd. Island-Pony.





Auch sehr beeindruckend für Michel: des Teenies Reich. Der baut ganz offensichtlich sehr gerne Lego. Es standen sicher 4 bis 6 große (riesige!!!) Lego-Expert-Sets aufgebaut herum, in der Mitte des Raums (der Teenie bewohnt quasi den ganzen „Heuboden“, der aber als Wohnraum ausgebaut ist) steht ein sehr großer Tisch mit dem aktuellen Projekt: dem Simpsons Quick-e-Mart. Aber: alles nicht zum Anfassen gedacht.


Die Chefin. Also, eine davon.


Michel und seine Eier. (Da ist er noch wach. Später schlief er im Auto ein, hielt aber nach wie vor die Eier fest.)


Was für ein wunderbarer Tag. 

(Ach so, ja, die Waffeln waren auch lecker.)

Tag 628 – Geschafft.

Mit dickem Kopf einschlafen heißt meistens, mit dickem Kopf aufwachen. Das weiß ich, gehört aber zu den Dingen, die ich offenbar einfach nicht wahrhaben will, sonst würde ich mich ja dementsprechend verhalten. Naja, es sieht also so aus, als hätte ich einfach ne fette Erkältung – die Nase ist verstopft und/oder läuft, der Kopf tut ohne Schmerzmittel ordentlich weh und der Hals kratzt. Unangenehm, aber nix wildes.

Entsprechend heute (langsam und vorsichtig) die ToDo-Liste abgearbeitet:

  • Maus gucken
  • Ausführliche Körperpflege (Fingernägel!)
  • Schminkpinsel waschen („man“ sollte das wohl so ca. Einmal die Woche tun. Wegen der Hygiene. Leuchtet ein, aber ob ich wöchentlich dazu komme, wird die Zukunft zeigen)
  • Fahrradreifen aufpumpen
  • 2 Stunden arbeiten (ja, und morgen auch. Gestern auch schon. Nein, das macht mir nicht besonders Spaß, muss aber trotzdem sein)
  • Der Familie hinterherfahren zum „Valborgsmässoafton“, der schwedischen Walpurgisnacht. Exilschweden in Norwegen sind auch nicht kontaktfreudiger als die Norweger. Auch ansonsten ein völlig normales Norwegisches Fest: es gab ein Lagerfeuer, aber erst, als die meisten Familien schon weg waren, weil Feuer ja so wahsninnig gefährlich ist und sich kleine Kinder ja bekanntermaßen gerne mal direkt in die Flammen stürzen. Während die Familien da waren, gab es Würstchen und Schokoladenkuchen. Ein paar schwedische Flaggen dazu und hier und da sprachen Menschen schwedisch. Aber was hatte ich an einem Nachmittag auch erwartet? Vielleicht sollte ich jetzt nochmal in die Bucht fahren…
  • Den Rest des Tages in der Küche verbracht. Quiche gemacht, Brötchen gebacken, Brot gebacken. Sauerteige geführt und mit Michel zusammen neue Teige für ein zweites Brot morgen angesetzt. Michel meinte „Ich will immer mit dir backen, Mama. Und dann sage ich allen meinen Freunden, dass das mein Brot ist. Und du kannst das dann deiner Familie sagen.“

Jetzt Bett*. Verdient. 

Hier noch ein Bild, das Herr Rabe heute gemacht hat:

* Ach ja, Update Schlafsituation: Gestern bzw. heute früh schliefen die Kinder friedlich in Michels Bett bis um sechs. Und ich war auch nur zwei Mal panisch gucken, ob sie noch leben. Das ist ganz wunderbar gelaufen, auch wenn Herr Rabe und ich uns noch dran gewöhnen müssen: wir schliefen nämlich beide regungslos jeweils ganz außen im Bett, mit ca. einem Meter freiem Platz zwischen uns. Heute früh kamen dann erst Pippi (ok, die kam nicht, sondern weckte uns mit rufen und fröhlichem brabbeln) und dann Michel an, zum kuscheln. Ich kuschle viel lieber, wenn ich nicht die ganze Nacht zwangsbekuschelt werde. Heute Abend brachte Herr Rabe dann zuerst Pippi und dann Michel in Michels Bett. Das klappte ganz gut, wird im Alltag aber vermutlich zeitlich etwas eng.

Tag 627 – Dicker Kopf. 

Heute Abend brachte Herr Rabe beide Kinder in Michels Bett. Michel motzte zwar zuerst ein wenig, weil er Angst hatte, dass Pippi wieder Theater machen würde. Pippi wollte auch in der Tat wieder nicht schlafen, sondern hampelte noch eine Weile herum und erzählte was. Ich weiß das, weil ich, quasi auf Abruf, unten in ihrem Bett lag. Falls sie doch runter will oder Michel wachhält. Ich hörte also Pippi hampeln und Michel sehr bald schnaufen. Ich hörte, wie Pippi langsam zur Ruhe kam. Dann kam ich auch ein bisschen sehr doll zur Ruhe, mir fiel jedenfalls das Handy aufs Gesicht und ich gönnte mir ein paar Minuten Schlaf. Als ich wach wurde, hatten sich meine latenten Halsschmerzen, die ich schon den ganzen Tag mit mir rumschleppe, manifestiert und es hatten sich Kopfschmerzen und eine maximal luftundurchlässige Nase hinzugesellt. Krank innerhalb von 5 30 Minuten. Danach war nicht mehr viel zu machen, außer ins Bett plumpsen und jetzt hoffentlich alles wegschlafen. 

Tag 626 – So funktioniert es also schon mal nicht. 

Projekt Pippi aus dem (Eltern-)Bett bekommen, 1. Versuch. Komplette Katastrophe. 

Wir dachten so, dass es für Pippi vielleicht einfacher wäre, wenn sie gleich ganz aus unserem Zimmer auszöge und bei Michel mit ein. Eventuell sogar einfach in Michels Bett, aber der hat ja ein Hochbett und so wurde das schnell wieder verworfen. Also bauten wir heute das (nie als solches genutzte) Beistellbett in ein normales, flaches Kleinkindbett um und bastelten es origamimäßig unter Michels Bett. Pippi war total begeistert, setzte sich rein, sagte „Bett“, legte sich hin, tat so als würde sie schnarchen. Wir werteten das als gutes Zeichen und machten die Kinder hoffnungsfroh bettfertig. 

Zuerst wollte Michel unbedingt mit in Pippis Bett liegen, während wir die „Eule anguckten“. Ich dachte kurz: auch gut, dann schlafen sie halt unten zusammen. Aber dann war Pippi aufgekratzt und Michel wollte doch nach oben. Kaum hatte der sich hingelegt, wollte aber Pippi auch nicht mehr unten liegen bleiben, sondern hoch. Mit ihrem „Bärchen“, einem Teddy, der fast so groß ist wie sie selbst. Oben legte sie erst den Bären hin, sagte „Alle gut, Bärsen. Ginken? Njamjamjam. So, Bett, Chrrrrr pschsch!“ und legte sich dann daneben. Und setzte sich wieder hin. Und erzählte wieder was. Michel fing schon an, genervt zu seufzen. Ich machte die Spieluhr an. Pippi hampelte. Michel seufzte. Pippi nörgelte. Michel bat darum, dass sie sich endlich hinlegen solle oder eben weggehen. Pippi entschied sich für weggehen, schnappte sich das Bärchen und wollte heruntergehoben werden. Ich wollte, dass sie sich dann unten ins Bett legt. Aber sie fing direkt an zu schreien. So arg, dass Herr Rabe sie nach einer hilflosen SMS abholen wollte. Allerdings hatte sie da Michel schon wieder richtig wachgebrüllt, sodass beide Kinder mit Herrn Rabe ins Wohnzimmer loszockelten. Ich lag beleidigt in Pippis Bett, bis Herr Rabe Michel ins Bett brachte und ich auf die fröhlich spielende Pippi aufpassen musste. Als Herr Rabe Michel ins Bett gebracht hatte, wollte er sein Glück nochmal mit Pippi versuchen.

Pustekuchen. Pippi wollte nicht ins Bett. Gar nicht. Sie fing hysterisch zu brüllen an. Kreischte, was das Zeug hielt. Irgendwann hielt Herr Rabe es nicht mehr aus und ging. Ich setzte mich zu ihr. Und hörte mir das Wut- und Frustgebrüll an. Lange. Anfassen durfte ich sie wieder nicht. Trösten auch nicht. Sie schrie einfach. Sie kann das wirklich sehr, sehr lange. Irgendwann kam Herr Rabe zurück und löste mich ab. Pippi brüllte. 

Irgendwann, nach über einer Stunde Gekreische, hörte ich aus dem Kinderzimmer das Geschrei abebben. Dann hörte es ganz auf. Pippi war auf Herrn Rabes Arm eingeschlafen. Natürlich auch Mist, weil sie so nicht mitbekommt, dass sie in ihr Bett gelegt wird und dann nachts orientierungslos alleine im Dunkeln aufwacht, obwohl sie doch eben noch bei Papa auf dem Arm war. 

Update: Wurde sie schon. Ich liege jetzt bei ihr im Bett. Genau so hatte ich mir das gedacht…

Tag 624 – Das muss doch alles irgendwie besser gehen. 

Ach Mann, jetzt ist es schon so spät geworden. Ich hatte doch so vor, mal ein paar meiner Leser*Innen nachhaltig zu vergraulen. Aber das wird mit jetzt für heute zu viel, morgen dann, ja? 

Weshalb ist es so spät? Weil Herr Rabe und ich uns noch über Erziehungsdinge angezickt unterhalten haben. Es ist nämlich so, dass im Moment hier dauernd meine Grenzen überschritten werden, einmal so ganz generelle (ich möchte mein Bett zurück) und dann auch ganz spezielle, Michel ist nämlich in einer krassen Knutschphase und ich kann das überhaupt nicht ab. Vor allem (!!!) nicht, wenn er irgendeinen Mist gemacht hat und dann als Übersprungshandlung mich anspringt und mich abknutscht oder ableckt (!!!!!!!). Ich sage ihm dann auch recht deutlich, dass ich das nicht will, weil ich das nicht mag und dass er aufhören soll. Er hört aber nicht auf. Herr Rabe sagt, ich muss das deutlicher machen, mich auch körperlich entfernen oder ihn wegschieben. Ich finde ‚Nein heißt Nein‘ muss reichen. Er findet, das kann Michel noch nicht verstehen, weil er ja erst 4,5 Jahre alt ist. Und da sind wir dann auch am Ende der Diskussion, weil ich es einfach nicht weiß, wann Kinder dazu in der Lage sind. Oder vielleicht ist Michel auch ein empathieloser Klotz. Gnäh. Nächstes Thema: Fernsehen Slash Bildschirmzeit. Wir sind zu inkonsequent und werden da jetzt mal andere Saiten aufziehen. Michel ist nämlich ein richtiger kleiner Bildschirmjunkie und hört einfach *nie* von selbst auf, wenn er genug hat (haben wir probiert, ja). Wir werden das auf eine halbe Stunde pro Tag begrenzen (nicht so wie es jetzt klingt, eher so: eine Sendung. Wenn die 20 Minuten dauert, ist danach Schluss. Wenn er gerade was spielt, was noch 5 Minuten dauert, machen wir auch nicht nach Punkt 30 Minuten das iPad aus, sodass er seinen Spielstand verliert oder was weiß ich. Wobei er so komplexe Dinge auch noch gar nicht spielt) und wenn es wegen der Begrenzung Theater gibt, ist am nächsten Tag komplett Pause. Wir rechnen mit Theater. 

Morgen ist dann passender Weise auch Elterngespräch im Kindergarten, da können wir dann so wunderbare Themen ansprechen wie „Warum messt ihr bei Pippi eigentlich dauernd Fieber?“, „Wie kommt Michel auf die Idee, dass alle Frauen lange Wimpern haben?“ und „Woher hat Michel die ganzen Schimpfwörter*?“.

Wunderbar. Ich freue mich schon totaaaaaal drauf. 

*wenns jetzt „Arsch“ oder „Wurst“ oder „verdammte Kacke“ wäre, würde es mich ja gar nicht wundern. Aber er sagt „dumming“ [Dummer], „luring“ [schwierig, å lure ist jemanden hereinlegen, ein luring müsste also ein Betrüger oder sowas sein?] und so weiter und vielleicht ist das auf Norwegisch ja alles gar nicht so schlimm**.

**vermutlich zumindest „dumming“ schon. 

Tag 621 – Ich will ja nicht nörgeln, aber…

… nach der anfänglich so guten Fahrt gestern war der Rest leider zum Kotzen, das fand jedenfalls Pippi, bzw. beschissen, das fand ich. Dazu kam dann noch ein saftiger Schneesturm quasi mit Überfahren der Grenze zu Sør-Trøndelag, so richtig mit großer Aufregung und Schlittern und vielem Fluchen und kaum noch was sehen, sodass wir dann um halb vier endlich und komplett gerädert und mit einem ziemlich nach anverdauter Banane riechendem Auto zu Hause ankamen. 

Heute war der Rest des Tages entsprechend geprägt von massivem Durchhängen wegen Magen-Darm (Pippi und ich), Auspacken und Wäsche waschen (Herr Rabe), Unausgelastetheit (Michel) und einem furchtbar schlechten Gewissen gegenüber sämtlichen Menschen, die wir gestern eventuell angesteckt haben könnten. Einziger Lichtblick: Herr Rabe und Michel geht’s gut. 

(Langsam reicht’s dann auch mal mit dem Kranksein, finde ich.)

Tag 618 nachgereicht – Tschüssi, Deutschland!

Wir sind wieder in Norwegen. Die Fährüberfahrt war wieder ereignislos bis super. Wir waren dieses Mal Schwimmen, Michel ist drölfzig mal gerutscht, Pippi hat bis zur Aufweichung im Babybecken gesessen und ist dann auch einmal gerutscht, Herr Rabe und ich waren (getrennt, weil jeweils in der Umkleidekabine) in der Sauna. Sehr schön, nicht nur weil danach die Kinder so platt waren, dass wir ein entspanntes Abendessen hatten. Während wir da saßen, fuhren wir unter der Storebeltbrücke her, das war schon sehr spannend für manche von uns*.

Nach dem Kinder ins Bett bringen ging Herr Rabe noch kurz in den Duty-Free-Shop, während ich Thimbleweed Park spielte. Als Herr Rabe wieder da war und ich gerade eh feststeckte, übernahm er, ich putzte mir die Zähne und irgendwie bin ich dann wie ein Stein eingeschlafen, deshalb gab es gestern nicht mal einen ‚Piep‘-Beitrag hier. 

Am Boot gibt es übrigens eine Art Waschanlage, so eine Bürste, die immer mal am Fenster vorbeifährt. Das führt dann dazu, dass eben noch entspannte Kleinkinder panisch aus dem Bullauge hüpfen.


Heute morgen dann strahlender Sonnenschein, Frühstück mit Aussicht auf den Fjord (wenn Sie mal die Kiel-Oslo-Strecke fahren, seien Sie früh beim Frühstück, damit Sie noch nen Fensterplatz bekommen. Es ist schon echt schön, rein landschaftlich, dieses Norwegen) und jetzt sind wir bei den Osloer Freunden angekommen. Mein Körper findet, er hat jetzt lange genug den ganzen Quatsch mitgemacht und fühlt sich an wie vermöbelt, weshalb ich jetzt im Bett liege während der Rest auf den Spielplatz losgezogen ist. Hrmpf. 

*Ich und Herr Rabe. Als wir Michel drauf hinweisen, dass wir jetzt unter einer riesigen Brücke herfahren (hier leuchtende Elternaugen vorstellen), meinte der nur arschcool und ohne eine Miene zu verziehen „Wow.“ Ich meinte sogar, da leichten Sarkasmus rausgehört zu haben. 

Tag 616 – Das Ende des Zettels.

Mehrere Dinge waren heute dringend nötig und wurden umgehend erledigt.

1. War Herr Rabe heute Morgen beim Bäcker (mein Schwiegervater kann auch passiv aggressiv und aß dann halt Pumpernickel zum Frühstück, obwohl ihm Herr Rabe auch Körnerbrötchen gekauft hatte). Ich liebe den Herrn Rabe wirklich sehr, nicht nur weil er mir Kartoffelbrötchen kauft.

2. Habe ich dem direkt kaputt gegangenen Shaun das Schaf-Kuscheltier, das Michel gestern von meiner Mutter bekam, leicht wutschnaubend das Loch am Rücken geflickt. Heute Nachmittag riss ihm Michel dann versehentlich einen Arm aus, die Beine sind auch schon ganz lose. Das regt mich so dermaßen auf, nicht, dass Michel wild mit Kuscheltieren spielt, sondern dass bei meiner Mutter das Schenken so eindeutig über Masse statt Klasse definiert wird.

3. Haben wir heute nur Freunde besucht und ein bisschen Gedöns gekauft (UNSER LIEBLINGSLADEN HAT ZUHUHUUUU, WÄÄÄÄHHHHHH!!!). Freunde besuchen ist so toll. Danach drehen die Kinder auch gar nicht so am Rad wie nach Familienbesuchen (wo sie ja auch die einzigen kleinen Kinder sind). Genau genommen schlief Pippi wie ausgeknockt auf der fünfminütigen Autofahrt zum Opa ein und Michel war auch schon recht langsam, musste aber sein neues Spielzeug natürlich noch ausprobieren (s.u.). Mit den einen Freunden saßen wir einfach herum und tranken Kaffee und unterhielten uns und spielten mit dem Spielzeug der in der KiTa befindlichen Tochter, mit den anderen Freunden saßen wir auch und tranken Kaffee und aßen Kuchen und schnackten und deren Kinder und unsere Kinder spielten zum Teil ganz alleine (!!!) und meist sehr niedlich. Michel und M. (So alt wie Michel, meine Freundin A. Und ich bemitleideten bestärkten uns damals ausdauernd gegenseitig wegen unserer anstrengenden dauerstillenden fordernden Babys) spielten ziemlich wild und als wären sie nie getrennt gewesen, M. Bekam sogar noch die Fingernägel in der gleichen Farbe wie Michel lackiert (Watermelon. Mag ich auch sehr. A. Auch). Pippi und T. (Etwas jünger als Pippi) schoben eine Puppe im Puppenbuggy herum, nannten sie ‚Baby‘ und schlugen sich nur selten übten sich in gegenseitiger Rücksichtnahme. Und dann waren wir noch alle auf dem Spielplatz bis wir nass waren.

4. Haben wir Michels Geldzettel in ein TipToi-Starterkit investiert. Das wäre bei Amazon billiger gewesen, aber, ach. So wars einfacher. (Und bei der Gelegenheit haben wir noch Ohraufkleber für Michel gekauft, er will nämlich gerne Ohrringe haben, aber Löcher gibts hier definitiv nicht bevor sie 18 10 sind. Es gab Soy Luna, Trolls und Frozen. Michel trug sehr stolz den Rest des Tages Elsa und Anna an seinen Ohrläppchen herum. Passend zum Nagellack – rechts Essie’s Watermelon, links hellblau-perlmutt-schimmernd von Orly. Und vielleicht ärgere ich mich jetzt ein bisschen, dass ich neulich eine halbe Tube Wimpernkleber weggeworfen habe, weil meine Turniertanztage ja doch schon länger her sind und ich in meinem Alltag keine Verwendung für künstliche Wimpern sehe. Aber so Ohraufkleber hätte man damit sicher gut wieder aufkleben können.)

Wasserspielplatz. Die Kinder stehen total drauf, sowas gibt’s in Trondheim nicht (dafür haben wir Fjord, Seen und einen Fluss, hat Bielefeld ja alles nicht).

Natürlich habe ich, als liebende Mutter, vorher überprüft, ob man da einen Kopfhörer dran anschließen kann.

Tag 615 – Atmen, atmen. 

Ach ja. Erstmal: es geht uns allen gut, niemand wurde in die Babyklappe gestopft und wider Erwarten ist auch niemand vom nächtlichen Gebrüll taub geworden. So ist das Leben eben, es geht auf und ab. 

Langsam bin ich aber einfach fertig mit Urlaub. Nicht weil ich Urlaub an sich blöd finde, sondern weil Heimaturlaub das Gegenteil von erholsam ist. Vor allem, wenn man eine Besitz ergreifende Familie hat. Die dann so Dinge tut, wie einem (anprobierte, sonst ungebrauchte) Unterhosen zu schenken. Dafür musste man unbedingt vorbei kommen. Oder JE DREI Dinosauriereier pro Kind. Ganz anders aber auch einfach komplett drüber. Selbe Familie übrigens. 

Und ich freue mich auch wirklich doll auf frische Brötchen, dann muss ich die halt selber backen, was solls, wenigstens ist das dann kein Dinkelvollkorn mit Mohn überall, vorgestern gekauft und im Kühlschrank gelagert. Und dass das vegetarische Essen, das wir so kochen, halt auch echt vegetarisch ist und nicht mit Würstchen und co. versetzt wurde. 

Und auch so schnöde Sachen, wie sich nicht komplett bekleiden zu müssen, um noch ne Flasche Wasser zu holen, doch, das wird sehr fein. 

Ach ja ach ja. Aber jetzt erstmal noch zwei Tage mit mehr Freunden als Pflichtbesuchen zum Unterhosen geschenkt bekommen bei der Familie. Einkaufen und uns mit so schönen Dingen wie Gemüsebrühe und Haarfarbe bevorraten müssen wir auch noch. Ich möchte auch noch ein bisschen den Aprilwetterigen Frühling genießen, in Trondheim ist der zwar nicht groß anders, aber eben 10 Grad kälter. Heute in Olladissen (der hiesige Tierpark voller neu geborener Tierbabys, die die Kinder kaum interessierten, die Eltern dafür umso mehr) haben Michel, mein Bruder* und ich uns ein wenig rosige Wangen geholt. Wenn es nicht grad hagelte. Das war echt schön. 

Überhaupt Bielefeld: Michel sagt „Pömpel“ und „vertöddert“, ich könnte den dann immer knutschen. Sonst ist alles wie immer. Obwohl, nein! Wer hat sich denn diese furchtbaren Tarnfarben für Citec und FH-Neubau ausgedacht? Ich dachte, Bielefeld hätte vielleicht aus knapp 50 Jahren mit der hässlichsten Uni der Welt gelernt, aber nein. 

___

*Wir nähern uns gerade nach ein paar Jahren der Funkstille wieder an, es ist noch holprig aber das wird schon wieder. Langsam halt.