Tag 2855 – Nix.

Herr Rabe hat einen Großteil des Tages damit verbracht, Michel zu Gesundheitsmenschen zu fahren, damit sein Fuß angeschaut werden konnte. Die Diagnose ist: da ist nichts passiert, umgeknickt eben aber alles noch dran und ganz. Puh.

Ich habe einen Großteil meines Tages damit verbracht, einen Report zu schreiben, den ich eigentlich heute (ganz eigentlich Freitag) fertig haben wollte, aber trotz großzügiger und spätabendlicher „Flexizeitarbeit“ (andere nennen es Überstunden, aber die sind ja nicht mehr erlaubt) ist er immer noch nicht fertig. Ich werde die nächsten zwei Tage extrem effektiv sein müssen, um alles noch vor dem 17. Mai einzutüten. Es wäre echt schön, wenn nicht noch ein Report massiv über die Frist ginge.

Heute Morgen habe ich mich aus Gründen gefragt, was die adäquate Reaktion darauf ist, wenn man nach dem Sport bei der Arbeit unter der Dusche eine Kollegin trifft, die man nicht gut kennt und wegen mangelnder Brille und Bekleidung auch nicht wirklich gut erkennt. Ich glaube weder meine Reaktion (betretenes Inspizieren der eigenen Füße, aus Ermangelung der Möglichkeit, einfach durch den Ausguss zu verschwinden) noch ihre (drauf los erzählen und fachliche Dinge besprechen wollen) waren ganz richtig.

Montags Sport machen ist vielleicht nicht so schlau. Da machen alle(TM) Sport, erst können also alle(TM) meine beeindruckend pinke Glomse bewundern und danach läuft man sich auch noch in der Gemeinschaftsdusche wie Gott, Zeit und Oreokekse eine schufen, über den Weg. Dann kriegen sie auch gleich noch meinen beeindruckend pinken Storchenbiss an der Rückseite zu sehen. Super. Nicht.

Tag 2854 – Wochenendende.

Ein Sonntag Anfang Mai. Herr Rabe hat das Trampolin aufgebaut, Pippi ist achthundert mal ums Haus Fahrrad gefahren, ich war in der Sonne spazieren und habe ein paar neue Sommersprossen bekommen, Michel hat mit dem Korps auf der Konfirmation eines anderen Korpsmitgliedes gespielt und zum Ende des Tages hat sich Michel den Fuß noch blöd umgeknickt und wenn das morgen nicht besser ist, fährt Herr Rabe mit ihm zum Arzt. Er ist ja manchmal eine kleine Dramaqueen, was Aua aller Art angeht, allerdings war der Fuß schon ein bisschen geschwollen. Ich nehme trotzdem an, es ist nur umgeknickt ohne schwerere Folgen.

Zwischendrin haben wir noch die Schwägerin verabschiedet und verspäteten Kuchen gegessen.

An Anfang-Mai-Dingen stehen jetzt noch Weide beschneiden und Sommerreifen aufziehen an. Und diverse Gartenarbeiten, aber die kann man ja bis auf im Winter immer machen, die Weide ist jetzt verblüht und muss dann jetzt geschnitten werden. Die der Nachbarn auch, das wissen die aber bestimmt nicht, die haben das Haus mit Weide gekauft und die Weide war das einzige, was der Vorbesitzer nicht vorm Auszug noch mit RoundUp tot gemacht hat (seltsame Leute gibt es). Die neuen Nachbarn wurden noch nicht im/um den Garten gesichtet. Vielleicht schneide ich deren Weide einfach mit und erkläre den neuen Nachbarn dann, dass man das halt machen muss, wenn man möchte, dass sie blüht.

Tag 2846 – Kultur und andere Qualitätszeit.

Pippi hat sich schon länger einen „Vater-Tochter-Abend“ gewünscht. Das beinhaltet in ihrer Vorstellung, dass Michel und ich uns irgendwie verflüchtigen. Letzte Woche hatte ich dann den nahezu spontanen* Einfall, das Konzert des Korpes der Janitsjar des Lieblingskollegen anzuschauen, weil ich eh Geigenunterricht in Oslo hatte und da könnte man ja danach da vorbei. So dachte ich. Herr Rabe schlug vor, dann doch Michel mitzunehmen, dann könne er mit Pippi Vater-Tochter-Dinge tun. Michel war erst so semibegeistert, fand die Idee nach einiger Bedenkzeit dann aber doch gut und so traf ich heute die ganze Familie nach dem Geigenunterricht** in Oslo. Wir kauften Michel ein neues weißes Hemd (17. Mai is coming und die Kinder wachsen ja wie Unkraut, sein altes Hemd kann Pippi nahtlos erben…) und Pippi für ihre Tanzshow am Montag eine neue schwarze Leggins ohne Löcher und Hochwasser. Danach war ich eigentlich gar, weil ein Einkaufzentrum in Oslo an einem Samstag die totale Hölle ist, aber ich hatte diesen Konzertbesuch angekündigt und brauchte außerdem für morgen noch eine richtige (schweinchenrosa) Ballettstrumpfhose. Der Weg zum Ballettladen war dann ganz gut zum Runterkommen, ich wählte auch den wenig besuchten Weg, statt mitten durch die Innenstadt zu stiefeln. Die Strumpfhose war schnell gekauft und dann fuhren Herr Rabe und Pippi nach Hause, während Michel und ich in den Stadtteil fuhren, wo der Lieblingskollege wohnt. Schon auf dem Weg taute Michel auf und fing an, einen Vortrag über Schlangen zu halten, weil er immer noch gern eine Schlange hätte und sich da mit den verschiedenen Arten, die man so halten könnte, wirklich viel auseinandergesetzt hat. Wenn Michel Vorträge hält, ist er einigermaßen ausgeglichen, das ist schön und ich höre die Vorträge gerne, einfach weil ich ihn gerne über irgendwas abnerden höre.

Das Konzert war in einer Kirche, einer dieser architektonisch ungewöhnlichen, modernen Kirchen, mit sehr viel Holz innen und sehr viel Licht und Raum, so vom Gebäude her wirklich schön. Ansonsten bin ich ja keine Kirchgängerin, das ist nicht meine Welt und ich bin froh, keinem der verfügbaren Vereine je angehört zu haben. Komm ich halt in die Hölle, ist ja gut, das vorher zu wissen, ich bin gern vorbereitet. Michel stellte jedenfalls zu der Kirche (an der außen deutlich Kirche dransteht) fest: es ist eine Kirche, aber es sieht nicht aus wie eine Kirche.

Innen musste Michel erst mal die Räumlichkeiten erkunden (auch das Kind ist gern vorbereitet) und dann begrüßte uns schon der Lieblingskollege, ungewohnt ganz in schwarz, leicht nervös, aber sichtlich erfreut, uns zu sehen. Michel war nicht gesprächig, was sich vielleicht auch dadurch erklären lässt, dass ihm das mit dem Lieblingskollegen irgendwie entgangen war. Die haben sich ja schon oft im Teams gesehen, insofern kennt er ihn so ein bisschen. Heute war Michel aber erschrocken, ihn plötzlich in 3D zu sehen (und den ganzen Körper, in Teams sieht man ja meist nur bis zur Brust). Ehrlich gesagt war es auch für mich ein bisschen seltsam, den Lieblingskollegen komplett außerhalb jeglicher Arbeit am Wochenende zu treffen. Der Lieblingskollege setzte sich dann auch zu Anfang des Konzerts zu uns, denn zuerst sang ein Chor einige Stücke und die Janitsjar hatte „frei“. Der Chor sang sehr schön aus einem vielfältigen Repertoire***. Dann war Zeit für die Janitsjar (zu diesem Zeitpunkt war Michels Fähigkeit, auf dem Po zu sitzen bereits aufgebraucht und ich gab ihm meine Glitzerflasche zum Spielen) und auch die Stücke waren wirklich richtig gut. Kein Vergleich zum (sorry) popeligen Schulkorps. Auch die Janitsjar spielte sehr diverse Stücke, von Marsch bis Bossa Nova. Ein Stück war ein Solostück für 2 Marimbas, das hätte bestimmt auch Pippi gefallen. Ich hoffe, es ist für sie bald Zeit für melodisches Schlagwerk. Jedenfalls war das ein sehr schönes Gesamterlebnis und Michel gefiel die Musik der Janitsjar auch. Wir verabschiedeten uns vom Lieblingskollegen**** und Michel plapperte mich sofort weiter voll mit allem möglichen, wanderte an der Haltestelle hin und her und wünschte sich dann Sushi, Running Sushi genau genommen, das gibt es in Oslo am Bahnhof. Das sollte mir recht sein, Sushi ist immer gut, und so konnten Michel und ich noch ein bisschen Zeit miteinander verbringen. Auch das Sushi essen war dann echt schön, Michel wartet da geduldig auf Lachs-Nigiris, während ich mich durch alles mögliche andere schlemme. Ich hatte sogar, weil ich so gute Laune hatte und überaus entspannt war, Lust auf ein kleines Bier. Das erste seit… wir in England waren und die Alkoholeinheiten der letzten 6 Monate kann ich immer noch an 1 Hand abzählen. Das war eine gute Entscheidung, übrigens, mir geht es sehr viel besser, seit ich kaum noch Alkohol trinke*****.

Gut vollgefuttert fuhren wir mit dem Zug nach Hause, während wir Unterhaltungen über Phasenunterschiede verschiedener, nicht ineinander löslicher Flüssigkeiten diskutierten, ein bisschen Strömungsdynamik war auch dabei, Dichte von Kleber, Wasser und Glitzer und so weiter. Sag noch jemand, Glitzerflaschen seien reine Beschäftigungstherapie für schnell überreizte Gehirne!

Ein paar Seiten in Eragon und dann schnorchelte Michel auch ziemlich schnell ein, angekuschelt an mich, wie immer (wenn ich ihn ins Bett bringe). Hach. So entspannt könnte es von mir aus immer sein.

Herr Rabe hat übrigens mit Pippi Frozen 2 geguckt und die beiden hatten ebenfalls einen schönen Nachmittag und Abend.

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* der Einfall an sich war, wie jeder Einfall, tatsächlich spontan, aber es kostete mich albern viel Überwindung und Überlegung, den Lieblingskollegen um entsprechende Veranstaltungsdetails zu bitten, damit ich das auch in die Tat umsetzen konnte.

**Geigenunterricht war diesmal richtig gut. Ich soll mehr Raum nehmen und präsenter sein, die Technik ist eigentlich (bis auf Kleinigkeiten) recht gut, ich zeige es nur nicht. Wir haben über recht fortgeschrittene Konzepte gesprochen wie Grounding und Phrasierung, und ich wurde entlassen mit der Aufgabe, selbst mit ein paar Techniken zur Ausmerzung der Kleinigkeiten zu spielen, mir den 2. Satz vom Vivaldi-Concerto zu erarbeiten und mich zu melden, wenn ich eine Stunde haben möchte – ich sei fortgeschritten und selbständig genug um das selbst gut einschätzen zu können. Außerdem sehe er, dass ich sehr gut umsetze, was er mir sagt, und mit den Stücken tatsächlich arbeite. Yeah.

*** ich hab mit Kirche nichts am Hut, aber Kirchenmusik finde ich mit zunehmendem Alter immer besser.

**** das klingt jetzt als hätten wir einfach Tschüss gesagt, haha. Wir standen noch bestimmt 20 Minuten im Foyer rum, bis Michel ungeduldig neben mir herumtrippelte und „Hunger!!!“ sagte.

***** das wiederum klingt, als hätte ich vorher krass viel getrunken, so war es nun auch nicht. Aber jedes Mal, wenn ich was getrunken hab, selbst wenn es nur 1 kleines Bier war, war ich danach krank und da beschloss ich, das mal ne Weile sehr stark zu reduzieren. Das war, wie gesagt, bisher eine sehr gute Idee.

Tag 2824 – Sonnenschein.

Laune war heute etwas besser. Dafür verantwortlich waren sicherlich einerseits das Wetter (strahlender Sonnenschein, 12 Grad, nicht mal am Meer nennenswert Wind) und andererseits Pippi, die, da der große Bruder mit Papa und Onkel im Kino war, mit dem Rest von uns rumhängen musste.

Wir waren in einem Buch- und Bastelkramsladen, wo wir aber nichts gefunden haben außer Squishy-Toys, jetzt haben Pippi und ich je einen. Es sind welche von der Art, wie sie das BUP hat, die finde ich toll. Pippi auch. Ist auch mit Glitzer. Ich kann es schlecht beschreiben, es sind diese Gelbälle, bei denen man Teile durch ein Netz drückt und dann entstehen große und kleine „Blasen“, die man auch wieder rein drücken oder einfach zurück flupschen lassen kann.

Dann waren wir Kaffee trinken, Pippi hat sich da ein riesiges Croissant mit Käse und Tomaten ausgesucht, aus Erfahrung ging ich davon aus, dass ich mindestens die Hälfte davon essen würde, aber Pippi hat sich das ganze Ding reingezogen. Ich glaube, da wächst bald eine schon wieder. Dann hat sie auf dem Kunstrasen neben dem Café eine Schrillion Räder geschlagen, sehr zur Begeisterung aller anwesenden Ü-60-Menschen. Es war aber auch zuckersüß, wie sie übte und übte, bis sie vier Räder hintereinander schlagen konnte, und sich zwischendurch immer mal wieder theatralisch auf den Rücken plumpsen ließ, aber sofort wieder lachend aufsprang, um von vorne anzufangen. Hachz!

Dann waren wir im Asda und haben Badezusätze für zu Hause und Strumpfhosen für Pippi gekauft. Die kleine Rübennase mit der Rabenkinderüblichen Strichmännchenfigur braucht Strumpfhosengröße 9-10 Jahre, sonst hängt ihr der Schritt irgendwo auf Halbmast am Oberschenkel. Es musste dann auch noch ein Kleid mit Schmetterlingen und ein Haar-… Dings mit, ein buntes 90er-Haarband, das um den Kopf gewickelt und an der Stirn geknotet wird. Wie ein Stirnband, aber es geht im Nacken lang und unter den Haaren her, nicht zwingend über die Ohren… Ähh, keine Ahnung wie das heißt.

Auf dem Rückweg ließ die Schwägerin uns zwei dann am Strand raus, wo Pippi wieder mal „nur mit den Füßen“ ins Wasser ging, weshalb sie sich danach umziehen musste. Natürlich in das neue Kleid, die neue Strumpfhose und das Stirnband. Dazu hatte sie noch ein bisschen rosa Lippenpflege aufgetragen und SEIT WANN IST DENN DIESES KIND SO GROẞ??? Die war neulich noch so! (Sehr klein halt.) Ich bin schockiert.

Danach waren wir mit der gesamten Familie lecker essen, in einem türkischen Restaurant. Pippi war kurz vorm Verhungern (ich sag doch, die wächst bald) und schob sich schon mal jede Menge Fladenbrot als Vorspeise rein. Michel aß Sucuk und Pommes und hat mit Sucuk jetzt sein Speisenrepertoire erweitert. Hurra. Obwohl, nein, weil die kriegen wir zu Hause ja nur in der Großstadt, ohje. Als sich das Restaurant mit lauteren Gästen füllte, wurde Pippi (nur Korrelation, keine Kausalität) sehr müde und kuschelig und musste sehr dringend auf meinem Schoß sein (eigentlich ist sie ja doch noch nicht so groß), was mir ganz recht war, da konnte ich den Trubel und Geräuschpegel besser ausblenden.

Als Tagesabschluss brachte ich sie noch ins Bett, wo sie erst ein Giggelmäuschen sondergleichen war, aber nach ein bisschen Erzählen dann doch wie üblich einfach umkippte und schlagartig einschlief. Schnarchend. Hach.

Tag 2821 – Frühlingsgefühle.

Bin grad voller Hachz, weil hier alles so schön grün ist. Die Bäume zwar noch nicht, aber Rasen und Ähnliches ist grün, Blumen (vor allem Narzissen) blühen, die Sonne scheint und es ist warm (für uns). Ich habe das Gefühl, meine Augen saugen die Farben auf, wie ein Schwamm Wasser. Endlich nicht mehr nur grau- und brauntöne, wie wir sie in Norwegen noch ca. einen Monat lang haben. Das hat sogar einen gewissen Entspannungseffekt, heute bin ich sogar ohne Sonnenbrille draußen rumgelaufen und habe es erst nach einer Stunde bemerkt. Wir waren in einem der hier überall verstreuten National Trust-Gärten, die einfach wunderschön sind. Pippi hat eine Ostereisuche mit allerlei Aktivitäten mit großer Hingabe mitgemacht, Michel hatte die ganze Zeit seine Nase in seinem Naruto-Manga. Wir Erwachsenen haben Blumen und alte Häuser angeguckt. Zwischendurch überkam mich der Wunsch, eine Fotoserie „Menschen machen Fotos von Narzissen und Magnolien“ zu machen, aber dem habe ich widerstanden. Die Narzissenmeere und riesigen, voll blühenden Magnolien waren aber auch wirklich fotogen. Das war schon alles wirklich schön.

Morgen passen Schwägerin, Schwager und Schwiegervater (ok, letzterer vielleicht nicht so sehr, der hat die Batterien an seinem Hörgerät ausgetauscht und seither geht irgendwas nicht mehr und so ein Hörgerät hat man ja nicht aus Spaß…) auf die Kinder auf und Herr Rabe und ich gehen ins Kino und vielleicht noch was Essen oder so. Wir gehen in einen Film, der nichts für Kinder ist und ich möchte in ein Restaurant, in dem keine Pommes auf der Karte sind und man komisch angeguckt wird, wenn man Nudeln ohne Soße bestellt. Müssen nur noch eins finden, aber das wird schön. Hach!

Tag 2820 – Auf der Jagd nach dem Schatz.

Michel liest ja gerne Mangas. Aber nicht alle Mangas! Oh nein. One Piece (South? East? Ich weiß es grad nicht. Aber es gibt da einen Unterschied und die falsche Serie lesen kommt gar nicht in die Tüte). Zu Hause hat er Band 1 und 2, in London bekam er Band 3 und 5, weil Band 4 ausverkauft war. Band 3 und 5 waren allerdings innerhalb einer Stunde verschlungen und es musste Nachschub her, aber NUR! Band 4 und 6 waren akzeptabel. Wir waren also heute in allen möglichen Japan-/Anime-/Manga-Läden in Brighton, vier an der Zahl. Und keiner hatte Band 4 und 6 von der richtigen One Piece-Reihe. Band 76 oder 99 oder so, die waren da, aber nicht 4 und 6. Das war sehr schwer zu verdauen für Michel und es kostete uns sehr viel Mühe, ihn zu überreden, eine andere Serie zu lesen. Das Drama wäre nämlich garantiert noch größer, wenn wir mit leeren Händen zurück gekehrt wären. Schlussendlich wurden es die ersten drei Bände von Naruto. Wir klopfen also heute Michel auf die Schulter, weil er sich auf was neues eingelassen hat, Herrn Rabe, weil er nichts in dem tollen Graphic Novel-Laden gekauft hat und mir, weil ich hungrig Michels Frust und Herr Rabes (und Pippis) Stielaugen aufgefangen habe.

Jetzt Bett. Das war schon wieder sehr viel Rumgelaufe heute, das bin ich ja gar nicht mehr gewohnt, mir tun sogar schon die Beine weh.

Tag 2816 – Mitten in London.

Wir sind angekommen. Alle haben die Reise überstanden. Mit den Kindern reisen ist wie mit zwei tauben Säcken Flöhen, die seit Tagen nur Red Bull saufen, reisen. Ich bin jetzt fix und alle, ehrlich gesagt. Die zwei haben ein super Gespür dafür, immer gleichzeitig und immer, wenn der Lärmpegel von außen eh schon auf Anschlag ist, irgendwas ganz dringendes von mir zu wollen. Wenn ich allein heute für jedes „Mama“ 10 Kronen bekommen hätte, könnten Herr Rabe und ich davon vermutlich recht nett essen gehen.

Andererseits – die sind schon so groß, dass sie selbständig aufs Klo gehen, sich nicht mehr mit halbverdauter Milch vollkotzen und die allerschlimmste Pupshumorphase (die, wo es einfach schon irre lustig ist, wenn man Pups sagt) ist auch vorbei. Das bekommt man in so einem Flugzeug ja auch gern mal wieder vor Augen gehalten. Was sie aber immer noch machen, ist, mit großer Begeisterung Maiswaffeln (!) essen. Ich war davon ausgegangen, dass die mein Snack sein würden, aber stattdessen mampften die zwei innerhalb kürzester Zeit die ganze Packung weg und verschmähten Schokoriegel und Cracker.

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Ich habe keine Ahnung, wie unser Gepäck bei der Schwägerin ins Auto passen soll. Not gonna happen, würde ich sagen. Also das Gepäck würde schon gehen, aber nicht mit 5 Personen dabei.

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Aus Fehlern lernend habe ich dieses Mal, auch wenn wir nur anderthalb Wochen weg sind, die Spülmaschine nicht auf dem Weg aus der Haustür noch schnell angestellt. Stattdessen habe ich gestern schon das Sieb sauber gemacht, sie heute noch mal laufen lassen und danach noch mal mit so einer Reinigungstablette laufen lassen. Die über den Tag angefallen Gläser und Co. habe ich mit der Hand gespült. Jetzt können wir uns auf die Rückkehr zu einer blitzsauberen Waschmaschine (gestern noch mal mit einem Spülmaschinentab laufen lassen) und Spülmaschine freuen.

Tag 2807 und 2808 – Entwicklungen.

Gestern und heute waren etwas anstrengend, ehrlich gesagt. Erst nahm Korea noch mehr Form an. Dann hat Michel seine Zahnspange bekommen und ist sehr groß damit. Er muss jetzt langsam die Tragedauer steigern bis zu 16 Stunden am Tag und wenn das erreicht ist, wird auch langsam das Schräubchen immer weiter gedreht. Neulich war der noch ganz klein und wir rannten uns die Hacken nach der richtigen Schnullerform ab. Jetzt hat er eine Zahnspange und schlürft schon wie ein Großer. Außerdem wissen wir seit heute sicher, dass er ADHS hat. Vielleicht nur das, vielleicht auch nicht, aber sicher das. Das hat nach den letzten Monaten mit all den Fragebögen keinen mehr so richtig überrascht, außer vielleicht die Schule, mit der haben wir aber noch nicht gesprochen. Aber ich freue mich schon sehr auf das Gespräch mit der Psychologin und der Schule, wo so Dinge angesprochen werden, wie „ein Kind das schon Hausaufgaben, die über eine Woche aufgegeben werden, nicht organisiert bekommt, kann dies erst recht nicht über zwei Wochen“. Und nein, man kann nicht von allen Kindern erwarten, dass sie das „dann halt lernen“, und in manchen Familien führt sowas auch zu inakzeptablen Ausrastern und Streits, was in der Konsequenz eher zu nicht zwingend gesunden Coping-Strategien als zu echtem Lernen führt. Am Ende wird das Kind zwanghaft wie seine Mutter…

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Kleines Update: eine Murmel zwischen Daumen und Geige halten ist wirklich hardcore. Also geht, aber dann spielt eine halt nur Tonleitern im Schneckentempo. Aaaaber: tatsächlich minimiert das sehr effektiv jede Bewegung in der linken Hand, weil einfach sofort die Murmel runterfällt, sobald man zu doll zuckt. Der Daumen ist auch ganz locker, aber bei mir immer noch eher da, wo ich ihn hinlege und nicht da, wo der Lehrer ihn haben will. Aaaandererseits: vielleicht ist es einfach Wumpe, wo der linke Daumen ist, solange es funktioniert? Ich muss das noch ein bisschen probieren. Damit ich auch noch andere Dinge als Tonleitern üben kann, nehme ich Würfel, die Rollenspielwürfel sind sehr gut geeignet, den Schwierigkeitsgrad langsam zu steigern. Ein Nachteil an allem: das sind alles harte Dinge, die schnarren, wenn man sie an die Geige hält. Macht keinen Spaß, so rein akustisch.

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Morgen fliege ich nach Bergen, um 7 Uhr muss ich im Zug sitzen. Deshalb jetzt Licht aus.

Tag 2801 – Popo.

Also vom Tag gibt es wenig zu berichten, mein Webinar war ersticht Bügelfreundlich und endete in einem Workshop, in dem leider alle außer mir und der Moderatorin komplett still und unsichtbar waren. Das kann ich wirklich nicht verstehen, wir sind alle Inspekteur*Innen und sollen unser Fachfeld diskutieren und dann kommt da buchstäblich gar nichts???

Danach schrieb ich ein bisschen an einem Report, flippte kurz wegen des IT-Projekts ein bisschen aus, fuhr Pippi zum Tanzen, lernte, dass Kuss auf Koreanisch Popo heißt, lachte darüber unangemessen viel, spielte Geige und brachte Michel ins Bett. Eragon metzelt sich durch die Gegend, Michel findet das gut, besteht aber auf Kuscheln zum Einschlafen. Ist ok, solange wir nicht wieder in eine Situation kommen, wo er zum Einschlafen zwei Stunden braucht. Und solange er nicht auf meinem Bauch herumdrückt, bloß weil er den „so schön bouncy“ findet.

Tag 2790 – Knete.

Pippi hat heute Übernachtungsbesuch. Ihre Freundin M., mit der sie auch schon zusammen im Kindergarten war und jetzt in einer Klasse ist (meine erste Begegnung mit M. war, dass ein anderes Kind bei der Eingewöhnung von Pippi krähte „M. HAT IN DIE SPIELKÜCHE GEPULLERT!“ und mit Spielküche tatsächlich das Möbelstück meinte, aber das ist ein anderes Thema) ist heute schon seit mittags hier gewesen und wir waren unter anderem mit den beiden und dem Nachbarsmädchen N. Schlittschuhlaufen. Dieses Mal in strahlendem Sonnenschein statt im dichten Nebel, was wirklich sehr schön war. Ich hoffe, dass sich das Eis noch ein bisschen hält, für die Kinder ist das echt super und manche Erwachsene (also… wir) fahren ja auch sehr gern ein bisschen im Kreis herum. Aber ich schweife schon wieder ab. Auf der Rückfahrt unterhielten sich die Mädchen darüber wie lange sie sich schon kennen (naja, das halbe Leben ist schon auch nicht wenig) und was sie alles schon miteinander erlebt haben. Und so durften wir folgendes Gespräch belauschen:

„Weißt du noch, wie I. [Sohn der Nähmutter, Anm. d. Red.] im Kindergarten einen Wettkampf hatte, wer am meisten Knete essen kann?“ „Ja, hehe, du hast voll viel Knete gegessen.“ „Ja, ich hab gewonnen!“

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Related dazu wissen wir jetzt auch, dass Pippi nicht gern mit Knete spielt, weil sie das an den Händen eklig findet. Interessant. Und nein, Pippi war nicht das Kind, das den Kneteesswettbewerb gewonnen hat.