Tag 2637 – Urlaub?

Hmm naja naja, der Arbeitstag lief eher so semi-erfolgreich und das heißt leider, dass ich mir nicht drei Tage frei nehmen kann. Also könnte schon, natürlich, ich könnte ja auch morgen vom Bus überfahren werden und dann würde ja auch die Welt nicht untergehen. Aber da ich gleichzeitig auch möchte, dass „die da draußen“ Antworten auf ihre brennenden Fragen zeitnah halbwegs fristgerecht bekommen, tja. Tjaja.

Aber ein bisschen frei mache ich schon. Vermutlich werde ich einen Arbeitstag auf drei Tage aufteilen und allgemein eine ruhige Kugel schieben. Laut Auto-Reply kann man von mir vor Montag keine Mail erwarten und der Wecker ist auch aus, alles was ich tue ist also Bonus.

Was ich aber auf jeden Fall machen muss, und zwar noch diese Woche: meine Gehaltsforderung fertig machen. Frustrierender Weise mit den selben Argumenten wie letztes Jahr, ich hinke da also (obwohl ich letztes Jahr echt nicht so wenig mehr bekommen hab) irgendwie hinterher und das macht, dass ich mir dezent verarscht vorkomme.

Ach was war das schön, als man noch nicht jedes Jahr aufs neue drum kämpfen musste, ein der Arbeitsleistung, Arbeitsbelastung und Qualifikation angemessenes Gehalt zu bekommen. Ich hasse sowas ja sehr.

Ansonsten war heute hier ein wenig Kinderdrama. Michel ist auf dem Trampolin blöd auf den Nacken gefallen und hat sich aufgrund eines Knackens der Wirbel furchtbar erschreckt und meint jetzt, sein Hals ist gebrochen. Zur einen Seite könne er gar nicht gucken und nach unten auch nicht. Also außer auf der einen Seite ist der Fernseher oder unten der Laptop und man hat grad vergessen, dass man ja einen mindestens gebrochenen Hals hat, dann kann man den Kopf ganz normal bewegen. Pippi packte jedoch die große Eifersucht, weil ich Michel tröstete. Ich hätte Michel lieber als sie, überhaupt hat niemand sie lieb und dieses und jenes Kind war im Hort doof zu ihr und apropos Hort ist es auch brutal ungerecht, dass sie da hin muss und Michel nicht. Wie immer bei Pippi war das Drama aber wesentlich kurzlebiger als bei Michel und bei „morgen geht ihr mit dem Hort in die Bibliothek und da ist eine Veranstaltung mit Reptilien“ plötzlich vergessen. Fünf Minuten später stand sie schon wieder singend vorm Spiegel. Da war Michel noch motzig und rieb sich den Nacken. Es ist wirklich faszinierend, wie unterschiedlich die zwei sind.

Tag 2633 – Go.

Against all odds haben wir heute den IT-Projekt das Go gegeben. Wir haben es getestet und es ist so halb ok, brauchbar und in zwei Wochen wird es dann in Betrieb genommen. (Da bin ich nicht da, deshalb nehmen die Inspekteur*Innen es später in Betrieb.)

Es war holprig und heute waren überall sehr viele Arme und Beine, wie man auf Norwegisch sagt. Meine eine Kollegin hätte im Meeting glaube ich fast geheult, weil insbesondere für sie der Endspurt extrem stressig war, aber jetzt ist es erstmal vorbei. „Vorbei“, haha, es wird ja „kontinuierlich daran weiter entwickelt“. Jajablabla, aber wenigstens muss ich nicht mehr täglich in drei Stand-Ups meine Lebensentscheidungen infrage stellen meine Nase in die Kamera halten. Des Weiteren muss ich nicht mehr mit echt unangenehmen Personen zusammenarbeiten. Hurra.

Außerdem heute: den Schlussreport der Inspektion in den USA unterschrieben, das ist also jetzt sozusagen abgeschlossen. Wow. So geschmeidig sollte das mal immer laufen.

Michel „muss“ jetzt Japanisch lernen. Er hat innerhalb von zwei Tagen fünf Kirby-Mangas (in Buchform) eingeatmet und die weiteren sind nicht übersetzt, es ist eine Katastrophe, sage ich Ihnen, und es gibt keine andere Lösung, als Japanisch zu lernen. Soll er machen, schadet sicher nicht. Persönlich bin ich grad eher auf Koreanisch gepolt, aber jede*r hier im Haus darf ja seine eigenen Seltsamkeiten haben.

Tag 2631 – Platt.

Heute gutes Sushi und einen Haufen Edamame gegessen, ansonsten nicht wirklich viel positives zu berichten.

Anekdote: mitten in der Inspektion, während ich grad im Labor stand und meine Kollegin sich was zeigen ließ, klingelte mein Handy. Das stand auf nicht stören und das heißt, man muss mindestens zwei mal direkt nacheinander anrufen um überhaupt durchzukommen. Und es war Michel, also ging ich ran, vermutend, dass mindestens das Haus brennt oder Herr Rabe mit gebrochenem Genick am Fuß der Treppe liegt. „MAMA?“ brüllte er ins Telefon. „Ich kann grad wirklich nicht, du musst bitte Papa anrufen!“ „Aber Papa kann auch nicht und ich muss was ganz wichtiges sagen!“ [also brennt das Haus, dachte ich] „Hm ok, was ist denn?“ „Ich sehe den Kronprinzen!“ „Was?“ „Den Kronprinzen! Ich sehe den Kronprinzen!“ „Äh, ok?“ sagte ich, aber da hatte Michel schon aufgelegt.

Tag 2628 – Filtrationsprobleme und anderes.

Tagesaufgabe Gelee kochen ist erledigt! Genau genommen ist bis auf Apfelmus machen alles erledigt, was ich mir für heute grob vorgenommen hatte, auf der anderen Seite bin ich jetzt auch ganz schön alle und hatte bis auf eine Stunde Geige null Zeit nur für mich. Das ist anstrengend. Ich bin sehr froh, dass das hier nur ab und zu so ist.

Für den Gelee musste ich erst mal Saft haben, mein Ausgangspunkt heute Morgen war allerdings ausgekochte Beeren in Saft, abgekühlt immerhin. Erst fischte ich den Großteil der Beeren mit einem Schöpflöffel raus, dann goss ich den Rest durch ein Sieb. Dann hatte ich immerhin schon mal beerenfreien, aber immer noch ziemlich trüben Saft. Kaffeefilter haben wir hier nicht und ich wollte nicht unbedingt ein Holunderbeerfarbenes Geschirrtuch haben, also filtrierte ich den Saft durch eine doppelte Lage Zewa. Die Idee war nur so mittelgut, muss ich sagen, weil nach dem ersten halben Liter der Filter dicht war, wie wir in meinem Job sagen. Man kann da schon noch was machen, zum Beispiel Unterdruck anlegen (nutschen), Überdruck anlegen (pumpen), die Verteilung über die Filterfläche optimieren bei gleichzeitiger Auflockerung des Filterkuchens (rühren) oder halt den Filter wechseln. Filter wechseln fand ich doof und ich habe leider weder eine Pumpe noch eine Nutsche zu Hause (beides birgt außerdem die Gefahr, den Filter kaputt zu machen und so widerstandsfähig ist Zewa ja nun nicht), also rührte ich den ersten Liter geduldig durch, wechselte dann den Filter und rührte den zweiten Liter etwas weniger geduldig durch. Scheißarbeit. Nächstes Mal Kaffeefilter besorgen. Generell für das Projekt Holundergelee reichlich Zeit einplanen.

Ansonsten war ich heute mit Pippi im Schwimmbad und was gäbe es schöneres, als im Badeanzug und ungeschminkt Pippis Freund samt Vater gegenüberzuschwimmen? Den habe ich ja schon ein ganzes Mal gesehen, wir sind ja alte Bekannte von gestern. Pippi hat sich jedenfalls gefreut und die beiden haben dann voreinander angegeben, als wäre das ein Balztanz. Guck mal hier was ich kann und wer kann den größten Bauchplatscher und ich kann schon bis dahin schwimmen fast ohne abzusaufen! Mit Pippi im Schwimmbad ist auch kein Spaaufenthalt, weil die Kamikazemaus gern mal überschätzt, was sie kann und dann urplötzlich untergeht, voll darauf vertrauend, dass Mama schon da ist und sie rausfischt, auch wenn man grad in Windeseile vor Mama weggeschwommen ist. Aber mit meinen untrüglichen Mutterinstinkten konnte ich immer gerade rechtzeitig eine Hand unter den Bauch oder einen Arm um den Körper zaubern. Uff.

Michel vergnügte sich derweil allein zuhause. Das klappte gut, allerdings fand ich eben, als ich nur noch kurz zum Kompost wollte, nicht nur seine Schuhe sondern auch zwei unserer Sofakissen draußen nass auf dem Rasen. Muss ich also morgen doch noch mal meckern.

Der Rest des Abends bestand aus Care-Arbeit. Wäsche waschen, Stundenpläne ausdrucken, Rucksäcke durchgucken, Schwimmsachen für Michel zusammensuchen, Kochen, Spülen, Kinder ins Bett bringen. Aufräumen, Brotdosen machen und dann war es irgendwie auch schon wieder elf.

Tag 2624 – 3/3 abgeschlossen.

Es ist vollbracht. Auf allen Seiten waren alle am Ende zufrieden, das ist ja auch immer schön. (Auch immer wieder verwunderlich für mich, dass sich Leute bedanken, dass wir tagelang deren Schlechtigkeiten ausgebuddelt haben und denen am Ende diese vor den Kopf knallen. Andererseits würde eine Consultant für die selbe Arbeit echt viel Geld nehmen, und da hätte man außer nem Knacks in der Krone noch nicht mal irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.)

Danach fuhr ich ins Büro, wo im IT-Projekt alles brennt, wie ich erfuhr. Auch… schön. So unerwartet! Mir egal, wir sind durch, wir warten nur noch auf die gefixten Defects zum Re-Test.

Da ich Pippi zum Tanzen fahren wollte, ging ich früh und stand dann sehr lange am Bahnhof rum, weil schon wieder irgendwas war. Irgendwie ist da grad sehr der Wurm drin, in diesen Zügen. Pippi war trotzdem pünktlich beim Tanzen, allerdings ohne Schläppchen (weil sie die nicht dabei hatte), mit nur einer Socke (weil die andere „in der Schule einfach so abgefallen“ ist) und mit einem sehr dreckigen Fuß (war halt keine Socke mehr dran). Naja. Gut, dass die mich in dem Ballettsenter gar nicht kennen oder wissen, dass ich Pippis Mutter bin. Ach so, oh.

Danach Kopfschmerzen und null, was sage ich, minus 200 Lust, noch weiter zu arbeiten. Das deshalb auch gelassen.

Tag 2620 und 2621 – Party!

Gestern hab ich irgendwie nicht geschrieben. Ich fiel irgendwann ziemlich platt ins Bett, denn tagsüber hatten wir Kindergeburtstag vorbereitet. Wir hatten Pippi ja noch eine Nachfeier versprochen und das war also heute. Und weil Herr Rabe und Michel gestern bei einem „Military Tattoo“ waren, war ich mit Pippi alleine. Wir kauften gemeinsam ein, Ich backte und befüllte die obligatorische Piñata, abends dekorierten wir und Herr Rabe räumte die Bank und den Esstisch im Wohnzimmer frei. Das ist jetzt alles in einer Klappkiste, aber immerhin auf der richtigen Etage.

Heute war also die Feier, mit nahezu allen Mädchen aus der Klasse, weil das hier halt so ist, dass man alle einladen muss, das waren also neun eingeladene, davon kamen sieben. Ein lauter Haufen, aber ein netter, bei dem es bisher keine festen und/oder rivalisierenden Cliquen zu geben scheint. Drei Mütter blieben noch eine Weile hier, weil deren Kinder nicht so gern alleine hier bleiben wollten, das ist ja auch ok und ein Kaffee ist schnell gekocht. Es klappte alles, aber anstrengend war es für mich trotzdem. Pippi hat es aber in vollen Zügen genossen und das ist ja das wichtigste. Zum Geburtstag hat sie eine „Beauty-Maske“ und Nagellack bekommen, weshalb wir danach noch „Spa“ gemacht haben.

Blogfreundliches Kinderfoto.

Zum Stressabbau habe ich mich gestern und heute unnötig ausgiebig mit dem Strompreis beschäftigt und habe strategisch günstig die Autos geladen, Waschmaschine und Trockner getimet und gebadet. Und gestern zwei und heute etwas über eine Stunde lang Geige gespielt, was allerdings heute nach hinten los ging, weil eine neue Etüde, die ich probieren wollte, ein derart unbefriedigendes Ende hat, dass ich mich seither darüber aufrege. Ey, es muss ja nicht alles mit ner vollständigen Kadenz enden, aber man endet doch nicht ein Stück in C-Dur auf e. Das macht man einfach nicht. Das ist wie nen Marathon laufen und 100 Meter vorm Ziel einfach aufhören. Falls das so ein musikalischer Witz sein soll, verstehe ich ihn nicht und finde ihn auch nicht lustig. Diese Etüde hätte mich bestimmt ganz wichtige Dinge gelehrt, aber muss von mir ungespielt bleiben. Aus Protest und zum Schutz meiner Nerven.

Tag 2611 – Frau Rabe redet laut am Telefon.

Herr Rabe sagt das und jetzt sagt es auch noch der Lieblingskollege. Ich merke das nur leider gar nicht.

Ansonsten war Arbeit so lala, ehrlich gesagt graut mir vor nächster Woche schon sehr gründlich. Auf der Rückfahrt rief auch noch meine Teamchefin an und überbrachte Hiobsbotschaften zum IT-Projekt. Und das wo ich grade Hoffnung geschöpft hatte, dass es tatsächlich was wird bis Montag. Darüber hinaus wurde eine Reise nach Indien gebucht und wir sind damit spät dran und deshalb werden wir jetzt auf beiden Wegen total gerädert ankommen. Und wir schaffen es noch nicht mal, alle drei im gleichen Flieger zurück zu fliegen, weil die Kollegin und ich einen Tag länger bleiben als der Lieblingskollege, der zufällig zeitgleich eine andere Site im selben Land inspiziert. Zitat Lieblingskollege: meh. Die Teamchefin fragte auch, ob ich wirklich echt Herbstferien haben will, weil wir da ja ne neue Kollegin bekommen und „alle“ anderen in Dublin auf einem Seminar sind (nicht alle, aber mehrere). Aber ich habe frei, weil ich nicht auf dieses Seminar fahre. Ich wäre gern auf dieses Seminar gefahren! Aber es sind so viele Hardcore-Inspektionen bis Weihnachten, dass ich ein bisschen Realismus walten lassen muss, was meinen Akku angeht. Arbeiten statt Beine hochlegen ist deshalb in dieser Woche keine Option, auch nicht, wenn das heißt, dass ich die neue Kollegin erst so richtig nach der Indien-Reise kennenlerne. Manchmal haben die da bei meiner Arbeit lustige Ideen, alle miteinander.

Michel hatte nach der Schule einen Platten am Rad, wogegen ich von Oslo aus herzlich wenig tun konnte. Aber Herr Rabe konnte ihn, von Oslo aus, überreden, sein Rad zum Fahrradladen zu bringen, mit dem er vorher besprochen hatte, dass er das morgen oder Freitag bezahlt. Aber ich glaube wirklich, Michel dachte, ich schwänge mich mal eben in den Zug, um dann meine heilenden Hände auf den Reifen zu legen und ihn zu reparieren. Ich hab das letzte mal so vor 25 Jahren einen Reifen geflickt, ich weiß noch nicht mal, ob, und wenn, wo, wir Flickzeug haben. Aber Herr Rabe hat es ja nun fern-gefixt.

Auch heute war wieder ein lustiges Vereinbarkeitsgehampel, was durch einen vergessenen Schlüssel und einen Schlüssel, der statt in der Schlüsselbox auf dem Terrarium im abgeschlossenen Haus lag, auf die Spitze getrieben wurde. Auch da wieder die Erwartung, dass ich sofort komme, wen juckt es, dass die kleine Schwester zum Tanzen muss. Es löste sich übrigens auch das Thema recht einfach, Michel fuhr mit seinem Kumpel zum Schlagzeugunterricht und hing danach noch etwas bei ihm ab bis Pippi und ich wieder da waren. Aber ich bin jetzt mal bereit für einen entspannten Tag im Homeoffice, an dem ich zumindest theoretisch irgendwelche Fahrräder irgendwo abholen könnte und sich die Frage nach dem Haustürschlüssel gar nicht stellt. Wie haben wir das 2019 eigentlich noch alles gemacht? (Der Notfallschlüssel ist aber auch wieder in der Schlüsselbox.)

Tag 2610 – Tennis.

Hier fühlt sich alles oft so an, wie Tennis mit so einer Ballschießanlage spielen, die einfach unaufhörlich Bälle rauspumpt. An guten Tagen komme ich in so eine Art Flow dabei, die ständig wechselnden Aufgaben möglichst schnell wegzuschlagen. Weg, weg, weg, weg, Check. An schlechten Tagen hingegen kommt mir das alles wie Sisyphusarbeit vor (ist es ja auch, es hört ja nie auf) und ich möchte am liebsten von vornherein kapitulieren und auf dem Boden liegen und die Bälle Bälle sein lassen.

Heute war ein guter Tag. Außer Arbeit (eine Tennisballschießanlage für sich) habe ich noch, wie so eine Superperson, Michel von der Schule abgeholt und zum Augenarzt begleitet, dann Pippi vom Hort abgeholt und zum Schlagzeugunterricht gefahren, dann beiden Kindern Eis gekauft, später beide Kinder zum Korps gebracht und wieder abgeholt, warmes Essen serviert und war beim Ballett. Danach beide Kinder ins Bett gebracht, davor Pippi noch zum Duschen genötigt, Brotdosen vorbereitet, die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Pfannen gespült und die Gaspatrone an der Blubbermaschine gewechselt. Die Meerschweinchen habe ich auch gefüttert und den Müll rausgebracht und Brot aufgetaut.

Das ist alles viel und nächste Woche gibt’s hier sicher wieder Genöl, weil ich antriebslos nichts gebacken bekomme (Spaß. Nächste Woche gibt es Kurzmeldungen wegen Arbeitswoche straight outta hell). Aber für solche Zeiten muss ich das ab und an mal aufschreiben. Es ist nicht immer schlecht, ich bin nicht immer faul, und wenn es gut ist, ist es oft sogar richtig gut.

Ach ja: die Kinder waren, während ich beim Ballett war, allein zu Hause. Sie hatten eine Reihe Aufträge bekommen, wie zum Beispiel die Kühlschranksachen vom Essen wieder wegräumen und Zähne putzen, bevor ich wieder komme. Die Regeln für alleine zu Hause sein (sie bleiben hier und andere Kinder können nicht zu Besuch kommen und wenn was ist, anrufen und wenn wer blutet oder es brennt oder sonstige Notfälle sind, zu den Nachbarn gehen) kennen sie ja auch, nur haben wir die zwei zusammen bisher höchstens mal 20 Minuten für kurz was einkaufen alleine gelassen. Die zwei haben das heute aber prima gemacht. Große Kinder sind toll.

Tag 2608 – Entspannt.

Herr Rabe hatte heute Java-Kinder-Konferenz und nahm Michel mit. Die beiden hatten es gut und Michel findet jetzt wohl, dass sein Papa der allergrößte ist. Hat er ja auch recht.

Pippi ging gegen Mittag (auf leichten Druck meinerseits) rüber zum Nachbarsmädchen.

Ich war vier Stunden lang alleine. Das war besser als Schlafen. Die Hälfte der Zeit habe ich Geige gespielt, bis mir die Fingerspitzen weh taten. Dann habe ich ein kleines Nickerchen gemacht, gelesen, die Meerschweinchen sauber gemacht, Wäsche gewaschen und dann war immer noch Zeit übrig. Jetzt habe ich auch noch meine eine Leinenhose repariert und die Taschen weiter nach oben gesetzt.

Es ist ganz schön, ab und zu seine eigenen Gedanken hören zu können.

(Leider kam Pippi wieder und klagte über Bauchschmerzen und Kopfschmerzen und das Fieberthermometer erklärte zumindest letzteres. Meh.)

Tag 2606 und 2607 – Tröt in krass.

Die Geschichte von gestern ist schnell erzählt: ich hab insgesamt 10 Stunden gearbeitet und bin dann auf dem Sofa eingepennt.

Heute mussten wir auch alle halbwegs früh aufstehen, was so mittel gut geklappt hat, denn mein Wecker hat nicht geklingelt und weil ich in Michels Bett geschlafen habe, weil Michel, als ich vom Sofa ins Bett kroch, in unserem Bett lag und Herr Rabe unter Michels Bettdecke nicht schlafen kann, bin ich auch nicht von Herrn Rabes Wecker aufgewacht. Gab dann einen Kaltstart und ich war den ganzen Tag ungeschminkt mit fettiger Haut und einem Schlafstrubbel am Hinterkopf unterwegs – zwischen tausend Leuten und man kennt sich hier ja auch. Uff, naja. Egal.

Jedenfalls war heute „Musikfest im Park“, was vom Titel her vielleicht ein falsches Bild vermittelt, denn es war Korpsmusik am Eidsvollbygningen. Das ist ja ein sehr ehrenwürdiges Gebäude, in dem 1814 die norwegische Verfassung unterschrieben wurde und da ist es schon auch schön, man kann da unter anderem überaus gut spazieren gehen und/oder Pokémon fangen. Wir allerdings MUSSTEN da hin, weil der Schulkorps da hin musste. Unsere Kinder sind ja „nur“ Aspirant und Rekrut, spielen also noch nicht mit, marschieren aber und stehen, während der Hauptkorps spielt, dekorativ rum (Pippi tanzend und ihre Troddel an der Mütze propellern lassend, Michel mit dem Gesichtsausdruck eines routinierten Begräbnisunternehmers). Trotzdem mussten sie hin. Außerdem hatte mein Lieblingskollege gesagt, wenn ich mal nen richtig guten Korps sehen Wolle, solle ich auf jeden Fall die Garde anschauen. Nach den ganzen Eidsvoller Schulkorpsen und Erwachsenenkorpsen spielte nämlich die 3. Kompanie der Königlichen Garde, was, wie Wikipedia verrät, eine der weltweit besten Marsch-, Drill- und Konzertkapellen ist. Jaha. Wie, Drill sagt ihnen nichts? Mir auch nicht, bis vorhin.

Also erstmal war natürlich Marschieren mit den Kindern angesagt und das haben die prima gemacht. Michel wird langsam nölig, weil er in den Hauptkorps will, und wenn ich den Hauptkorps so höre, denke ich, da passt er von der Leistung her auch rein. Ähäm. Ansonsten habe ich heute gelernt, dass es einen Eidsvoller „Bonuskorps“ gibt, der nur einmal im Monat probt und ich bereue jetzt, kein Trötinstrument zu spielen, die hatten nämlich offenbar eine Menge Spaß und waren musikalisch ein echtes Highlight.

Was dann aber echt krass war, war die Garde. Die sehen zum Großteil aus wir halbe Kinder, was kein Wunder ist, denn das sind Wehrpflichtige. Das, was wir jetzt sehen, sind die letzten Aufführungen der Truppe, jetzt im September tritt der nächste Jahrgang seinen Dienst an. Hence the Pickel. Ich habe auch messerscharf aus den Anwesenden geschlossen, dass zwei Frisuren ok sind (geschlechtsunabhängig): ganz kurz oder langes Haar stramm im Nacken zusammengebunden, im geflochtenen Knoten.

Janitsjar- und Signalkorps.

Es ist natürlich alles ein einziges Pimmelgewedel. Ich teile durchaus Michels Verwunderung, dass man Soldat*In und Musiker*In gleichzeitig sein kann und dass das Militär ganz eigene Musiker*Innen hat, aber ich hake das unter Seltsamkeiten des Patriarchats ab. Und aus künstlerischer Perspektive ist das halt schon sehr beeindruckend, sowohl musikalisch als auch choreographisch und vor allem in Kombination.

Erst mal gab es eine Drillvorführung, und zwar einen kompletten „Oladrill“, das ist wohl was besonderes. Die Kompanie besteht aus drei Divisionen: Korps, Drilltruppe und Kampaniestab (Zeugwarte etc.). Das Korps (der?) spielt, die Drilltruppe wirbelt und wirft mit ihren Gewehren mitsamt Bajonetten rum und schießt auch (zu Pippis Schock) und alle marschieren, aber schon sehr fortgeschritten, wenn ich so dran denke, wie viele wenige Schritte es brauchte, bis Vilberg Skolekorps nicht mehr so ganz im Gleichschritt war, und die mussten nur geradeaus laufen.

Sehen Sie hier:

Danach spielten die Korpse (das sind eigentlich 2, ein Janitsjar-[Jah-nitt-schah]Korps und ein Signalkorps, der aus Trommeln und Fanfaren [oder zu Konzertzwecken Kornetten, im Drill aber tatsächlich Fanfaren] besteht) noch ein Konzert, fast eineinhalb Stunden lang. Da zeigten sie auch, dass sie durchaus nicht nur Marschmusik können (eins der Videos ist leider zu groß, da spielen sie ein arabisch-amerikanisches Stück und als Gimmick läuft Pippi mehrmals durchs Bild, erst marschierend und dann „arabisch“ tanzend).

Alles in allem ein leicht absurder, aber interessanter und schöner Tag. Und nicht nur ich habe hinterher 2 Stunden lang geübt, sondern auch Michel und sein Kumpel haben Kornett und (Pippis) Trommel gespielt. Yeah.

Jetzt nur noch verhindern, dass eins meiner Kinder deshalb zum Militär gehen möchte.

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Edit: ich hatte ein bisschen technische Probleme beim Hochladen, aber jetzt sollte es eigentlich gehen. Sorry.