Tag 486 – Von Zellen, vom Schwimmkurs und von Mandeln. 

Das Wichtigste vorweg: der Versuch ist bisher ganz gut gelaufen. Mit zwei Personen und zwei Zelllinien geht das viiiiieeeeeel entspannter als alleine mit drei Zelllinien. Es war fast schon zu einfach, es entstand nämlich eine etwa zweistündige Pause ohne was zu tun. Da dachte ich, ach komm, nächste mal eben die Abbildung, die der Chef haben will, fertig. Bisher sieht die so aus: 

Das hab ich in Excel gemacht, weil ich sowas in Excel in drei Minuten mit nem achtel Gehirn zusammenklicke. Übung und so. Was Excel aber nicht kann: für jeden Datenpunkt individuelle Fehlerbalken anzeigen. Also sollte ich Sigma Plot nehmen. Kein Problem, dachte ich, Sigma Plot habe ich damals auch für ein paar Abbildungen in meiner Masterarbeit benutzt, weil Excel nämlich auch nicht mehrere Y-Achsen pro Diagramm darstellen kann. Für Chromatogramme braucht man aber manchmal mehr. So… fünf oder so. Ist ja auch egal, ich machte mich also and Werk, installierte das Programm von unserer Uni-Programmbibliothek und… scheiterte kläglich. Nach den zwei Stunden war ich bereit, meinen ganzen Schreibtisch anzuzünden, als ich nämlich endlich geschafft hatte, ein halbwegs ansehnliches und vor allem nicht total falsche Daten enthaltendes Diagramm zu erzeugen stürzte das Programm ab, ich musste es kalt abwürgen, und danach hatte es alles vergessen, was ich mühselig erarbeitet hatte. Drecksprogramm. Alternativvorschläge werden gerne angenommen. 

Ich durfte heute mit Michel zum Schwimmkurs. Mein Großer. Er macht das echt super, am Anfang musste ich ihn zwar noch ein bisschen an die Hand nehmen, aber dann machte er anstandslos und mit großem Spaß alle Plantsch-Übungen mit. Nach Geplantsche im Wellenbecken (in einem extra abgesperrten, für Vierjährige Stehbaren Bereich und ohne Wellen) mit Sich-Gegenseitig-mit-Wasser-begießen und „Alle rennen so schnell sie können ans andere Ende und dann nochmal mit den Händen wie einen Pfeil vor uns geformt“ hopsten sie vom Rand ins tiefere Rutschenbecken. Da können die Zwerge nicht stehen, es geht darum Ihnen die Angst eben davor zu nehmen. Also hopste immer ein Kind in die Arme einer der Schwimmtrainerinnen, vorwärts, rückwärts, hoch, mit Quietschen und ohne. So niedlich. Und hab ich erwähnt, das Michel das unheimlich toll findet und ganz toll mitgemacht hat?

Ich saß übrigens die 45 Minuten einfach rum und strickte. Das war schön. Ab und an sah ich auf und lächelte Michel zu, zweimal hab ich sogar gewinkt. Die ruhigsten 45 Minuten der Woche: in einem Spaßbad. (Eine andere Mutter helikopterte brav ihrem Kind zum Rutschenbecken hinterher. Und zurück. In der Zwischenzeit hatten sich aber andere Leute an ihren Platz in der Eltern-Area gesetzt. Und kein Platz mehr frei. Fast gab es einen Eklat, ich packte schon vorsorglich die Stricknadeln fester um mich gegen eventuelle Angriffe verteidigen zu können, aber dann war der Kurs zu Ende und die Mama und ihr Kind zogen scharf ausatmend gen Dusche ab.)

Morgen ist im Kindergarten Weihnachtsfeier und jeder soll was zu Essen mitbringen. Mein Internet sagte im Vorfeld an verschiedensten, mir vertrauenswürdig erscheinenden Stellen, Gebrannte Mandeln selber machen sei total einfach. Ich mag sehr gerne gebrannte Mandeln und dachte deshalb schon am letzten Wochenende, dass ich das mal ausprobieren könnte. Der erste Versuch ging wegen Zaghaftigkeit in die Hose und ich fand auch einfach mal ca. tausend ziemlich ähnliche Rezepte, hier also das tausendunderste, mit Bildern, und sozusagen die Quintessenz aus allem was ich dazu las. 

Als erstes nimmt man Wasser und Zucker und Zimt, tut es in eine Pfanne und stellt den Herd auf Kernschmelze. Die Mengenverhältnisse sind so etwa 1:2-1:1 Zucker zu Mandeln, ca. 1:2 Wasser zu Zucker und Zimt nach Geschmack. Wir mögen Zimt: ich nahm für 500 g Mandeln einen Teelöffel. Und 400 g Zucker und 200 mL Wasser. Man kann wohl auch Vanille(-schote/-zucker) mit rein machen. Ich brauch das aber nicht. 

Naja, also das steht dann auf dem Herd, man kann das mal durchrühren, damit sich der Zimt etwas besser verteilt. Wenn es kocht, kommen die Mandeln mit rein. Man kann da aus dem Mandeln wohl auch ne Wissenschaft machen. Hier gibt es nur eine Sorte, die nahm ich. Das kocht dann eben so rum, ziemlich lange dauert das, bis das Wasser verkocht ist. Man kann das ab und an umrühren. 

Phase 1: noch Wasser da.


Wenn das Wasser dann endlich weg ist, wird das ganz schön trocken. Ab jetzt muss man rühren (und fotografieren wird schwierig). Beim 1. Versuch hab ich da abgebrochen, weil ich eins der tausend Rezepte so interpretiert hatte. Man kann, wenn einem sowas passiert, einfach alles nochmal in die Pfanne kippen, nen Schluck Wasser dazu und quasi von vorne anfangen. Hab ich ausprobiert. 

Phase 2: kein Wasser mehr da.


So, und jetzt rührt man so lange, bis man eine ansprechende Menge karamellisierten Zucker außen an den Mandeln kleben hat. 

Phase 3: der Zucker karamellisiert (n bisschen noch…)


Wenn man sich dann nicht mehr traut, weiter drauf rumzubraten, kippt man alles auf ein Backpapier. Abkühlen* lassen, fertig. 


* warm schmecken sie natürlich am Besten. Aber mit ein bisschen zu warm kann man sich echt fies die Zunge verbrennen. Machen Sie das nicht. 

Tag 484 – Langsam irre. 

Wahnsinnig anstrengender Arbeitstag. Erfolgreich auch, aber leider auch erst der Auftakt zum schlimmen morgen und dem Eigentlich-möchte-ich-lieber-Parkplatzwächter-bei-4-Grad-und-Nieselregen-sein-Donnerstag. 

Passend dazu wahnsinnig anstrengender Nachmittag mit Pippi, während dem ich versuchte, Eintopf zu kochen, der dann am Ende nicht mal schmeckte. 

Dann mit Pippi im Bett (sie wollte nicht in die Trage, sondern stiefelte zielsicher aufs Bett zu) eingeschlafen und als Pippi wegen Zähnen (?) schreiend aufwachte wieder aufgewacht. Sie ließ sich absolut nicht beruhigen, also sagen wir uns vier Mausclips an und dann konnte sie wieder einschlafen. Arme Maus. Blöde Zähne. 

Es gibt echt schönere Tage. 

Morgen gibts kein Einschlafen, morgen gibt’s Essen gehen mit der Arbeitsgruppe. Um acht. (Ja, so hab ich auch geguckt. Da sind Norweger eigentlich schon im Bett.) Hoffentlich kippe ich nicht nach einem halben Glas Wein mit dem Gesicht in den Teller. Mehr als ein Glas geht ja auch nicht wegen des verrückten Donnerstags. (144 Zellkulturplatten. 144! Wer hat sich das denn ausgedacht? Oh. Ich war das.)

Tag 482 – Wochenende.

Hier mal wieder viele Bilder von unserem Wochenende. Kommen Sie, sehen Sie! Wilde Kinder in ihrer natürlichen Umgebung!

Frühstück. Pippi hat sich durch Gemecker auf meinen Schoß gemogelt und prökelt jetzt den Frischkäse von meinem Brötchen.

So sieht sie danach aus, die alte Rübennase. Außerdem hat sie Brötchen in den Haaren. Also gehen wir alle ausgiebige Körperpflege machen.

Frisch geduscht und gebadet machen wir einen Ausflug. Herr Rabe muss noch was von seiner Arbeit abholen und er zeigt uns das leere Großraumbüro. Michel ist beeindruckt von den hoch- und runterfahrbaren Schreibtischen und dem Wasserhahn, aus dem Sprudelwasser kommt. Ich bin beeindruckt davon, dass Menschen es schaffen, in so einem Großraumbüro irgendwas zustande zu kriegen. Für mich wär das nix.

Pippi schläft und hat sich dafür in alter Tradition das Licht ausgemacht. Michels Hund schläft auch.

In der Stadt wurde die Weihnachtsbeleuchtung angebracht.

Herr Rabe: „Guck mal, Michel, hast du schon die Sterne gesehen?“
Michel: „Hä?“

Herr Rabe: „Ja, da, die leuchtenden Sterne! Die Weihnachtsbeleuchtung!“

Michel: „Papa, das sind ja keine Sterne. Das sind Schneeflocken!“

Herr Rabe ist schwer begeistert von so viel Klugscheißertum. Siehe Bild. 

Zu Hause: kochen, essen, Quatschnasen bespaßen, Quatschnasen ins Bett bringen, Aufräumen, Schnecken füttern, Pilze ansprühen, Wäsche abhängen, Wäsche aufhängen, einen Haufen Teige ansetzen. So viele, dass ich sie beschriften muss. (Nicht im Bild: Vorteig für Pizzateig.)

Sonntag. Michel pellt sich sein Ei selbst und ist dabei dem Anlass entsprechend hoch konzentriert. Herr Rabe hat Pancakes gemacht und ja, wir haben einen Adventskranz.

Das war heute in meinem Adventskalender. Ich hoffe, ich schaffe es, mir bis Freitag die Fingernägel zu lackieren. Da haben wir nämlich Weihnachtsfeier und das Blau würde total gut zu meinem Kleid passen, dazu noch das Glitzerzeug vom 1., das wird fein!


Sonntag ist Maus-Zeit.


Das Wetter ist total mies und wir stubenhockern in Schlafanzügen herum. Ich bin mit meinen Teigen beschäftigt, versuche zwischendurch ein bisschen zu putzen und fahre zu allem Überfluss zwischendurch zur Arbeit. Hier der Ausblick aus dem Zelllabor. Es ist halb drei. Heute wurde es nicht richtig hell.


Wieder zu Hause, hilft mir Pippi tatkräftig beim Backen, indem sie sich die Topfhandschuhe anzieht und davonflitzt.

Eins der Resultate: ein Kassler. Sieht so hübsch aus, war aber dank totaler Übergare (Danke, blöde Zellkulturen, die ihr viel mehr gewachsen wart, als ich angenommen hatte) leider recht flach geblieben. Egal. Schmeckt trotzdem.


Beim Abendessen. Erst macht Pippi bei jedem Bissen „Hmmmmmmm, njomnjomnjomnjom!“, dann checkt Michel kurzerhand Pippis Zahnstatus und will danach Baby-Zahnarzt werden. Diese Kinder, ey. So niedlich. Hachz.


(Und außerdem hab ich gebrannte Mandeln gemacht, aber das ist eine andere Geschichte.)

Tag 477 – Matratzenmeeting. 

Heute langes Meeting mit Leuten aus Dänemark zu meinem eigentlichen Projekt gehabt. Noch nicht fertig verdaut. 

Nach ewigem Gebrüll von Pippi (Backenzähne, ey. Ist zum Kotzen.) aus dem sie sich nicht helfen ließ, aus Verzweiflung Mausclips auf dem Handy angemacht. Nach fünf Mausclips und einem Ritter Rost-Lied drehte sie sich weg. Ich machte es aus und sie schlief langsam ein. Ich auch. 

So müde. Gute Nacht.

Tag 475 – Grummeltag. 

Eigentlich guter Tag, einiges geschafft, aber dank PMS ne Laune zum alles anzünden bei jeder Kleinigkeit. Ich spare mir die Worte jetzt auch und notiere nur kurz was gut war:

  • Super aussehendes Paderborner gebacken. 
  • Mein Roggensauer hat sich erholt. 
  • Die Austernpilze sind zum Teil sehr bald erntereif. 
  • Der Rotwein den ich gestern aufgemacht hab schmeckt echt saulecker und macht keine Kopfschmerzen. 
  • Pippi hat total niedlich gesungen heute. Sie singt die Lieder, die sie aus dem Kindergarten kennt, man erkennt es bloß nicht sofort. Heute: „Aaahhhhh hödeldödeldödel Aaaahhhh hödelblödelblödel aaaaaahhhhh blödelblödelblödel… Daaaaaa!!!“ *klatschen*. Übersetzt heißt das „Ooohhhh boogieboogieboogie, Ooohhhh boogieboogieboogie, Ooohhhh boogieboogieboogie, og så er vi klar igjen!“. Es. Ist. So. Niedlich. Vor allem, wie sie beim Singen schräg nach oben schaut. Man weiß direkt, wie die Kinder im Kindergarten beim Singen gucken. 
  • Michel hält oben genanntes Lied für ein Weihnachtslied, weil sie das auf der Weihnachtsfeier singen werden. 
  • Michel zieht sich jetzt alleine um, wenn er ins Bett will. Scheinbar geht die Taktik „wenns irgendwie einrichtbar ist, helfe ich ihm bei Sachen, die er eigentlich schon kann, weil er sich dann besonders lieb gehabt fühlt“ endlich auf und er will endlich mal Dinge selbst machen. 
  • Ich hab das Bad geputzt und Haare gefärbt. (Gleichzeitig. Ammoniak, Chlor, Essigsäure. Vielleicht fällt mir jetzt ein paar Tage lang mal nicht auf, wie schlecht manche Menschen riechen.)
  • Punkt. 

Gute Nacht. Morgen dann: Post vom Schwimmkurs. Denken Sie, Deutsche hätten einen Hang zum Orgawahn? Dann waren Sie noch nicht in Norwegen.

Tag 474 – Fertig!

Ich und Pippi haben heute Abend die 7. Staffel Gilmore Girls zu Ende geguckt. Pippi wurde nämlich beim Ablegen wach und ließ sich nicht wieder zum Einschlafen bewegen. Auch nicht nach den zwei Folgen, eineinhalb Bananen, einem halben Becher Milch und einem halben Becher Wasser, mehrmaligen Rumtrageversuchen, Singversuchen und Kuschelversuchen. Irgendwann legte ich mich mit ihr einfach ins Bett ins dunkle Schlafzimmer und wartete (ohne Handy, bloß keine Licht- oder Ablenkungsquelle!) bis sie schlief. Dabei versuchte ich selbst nicht einzuschlafen, weil ich ja noch bloggen wollte. Es dauerte fast ne Stunde. Wissen Sie, wie müde man nach einer Stunde im Dunkeln ist? Sehr, sehr müde. Und viel Lust auf bloggen hat man dann auch nicht mehr. 

In diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 473 – Schön, schön. 

Ein Tag, der sehr viel Potential hatte, richtig bescheiden zu werden, das aber nie tat. Angefangen hat es mit Kindern, die sich beim Abliefern im Kindergarten kaum noch verabschieden, weil sie es so eilig haben, mit Peers und Betreuer*Innen zu spielen und Weihnachtslieder zu singen und Raritäten für die Weihnachtszeit anzufertigen. Bei der Arbeit setzte ich mich dann direkt an die Präsentation, die ich um zwölf halten sollte, was ich seit, hmmm, drei Monaten weiß. Gestern hatte ich schon meine Daten eine Stunde lang mit meinem german stare sauer angestarrt, leider wurden sie davon auch nicht besser. Das war allerdings auch schon alles, was ich für die Präsentation bisher getan hatte. Also bastelte ich gute drei Stunden an der Präsentation, verzichtete auf so gut wie allen Text (keine Zeit!) und ein paar unwichtige Ergebnisse (keine Zeit!!!), machte aber ein paar hübsche Bildchen und Modelle in Power Point, weil ich das auch selber mag, hübsche Bildchen und Modelle gezeigt zu bekommen. Um zwanzig vor zwölf war ich fertig, wog kurz zwischen Kaffee und richtigem Mittagessen ab, schmierte mir dann ein Brot und aß es auf dem Weg zum Kaffee holen. 

Exkurs: ich hasse es, vor Leuten zu reden. Selbst, wenn es nur zwanzig sind und die alle meine Kollegen sind und ich wirklich, wirklich weiß, dass die mir nix böses wollen, ich mag es einfach nicht. Gar nicht. 

Der Vortrag war auf zwanzig Minuten ausgelegt, aber quasi dreigeteilt, weil das Projekt momentan drei lose Enden hat. Nach jedem Teil der Präsentation hatte ich sozusagen eine Diskussionsrunde eingeplant, weil wir teilweise echt festhängen und nicht weiter wissen und ich bat also um Input. Und Input und Diskussion bekam ich, niemand hielt mich für blöd, weil ich festhänge oder die Daten zu schlecht oder zu unaussagekräftig zum Publizieren sind. Voll supi, echt. Jetzt habe ich ein paar neue Ideen, was ich noch machen kann, um die losen Enden festzuzurren und etwas neue Motivation. Allerdings zog sich die Präsentiererei durch die viele Diskussion auf, tadadaaa, fast eineinhalb Stunden. Was mich am meisten überraschte, war dass ich hinterher von zwei Seiten spontanes Feedback zum Vortrag bekam, nämlich, dass das sehr gut gewesen sei, so viel Raum für Austausch zu schaffen und ich hätte eine unterhaltsame Art* zu präsentieren, schöne Modelle seien das gewesen. Sehr klar und übersichtlich**. Ich schaffte es sogar, das Kompliment einfach anzunehmen und nicht irgendsowas wie „ach, das hab ich heute morgen schnell zusammengeklöppelt, das war echt nicht der Rede wert“ rauszuhauen, wie sonst meistens. Ich muss mir dafür selbst mal auf die Schulter klopfen. Ich werde besser. (Also nicht beim Prokrastinieren, da werde ich schlimmer.)

Danach hatte ich mörderische Kopfschmerzen, aber noch Laborarbeit zu machen, das lief so lala. Zwischendurch trank ich noch einen (widerlichen Brüh-)Kaffee mit einem meiner Lieblingskollegen, der heute morgen schon angefragt hatte, was ich aber wegen des Vortrags ablehnen musste. Wir schnackten ein bisschen über sein neues Haus und Arbeit und mit wem von unseren Kollegen man lieber nicht zusammenarbeiten möchte, dann ging ich zurück ins Labor um weitere verrückte Ergebnisse zu erzeugen und dann war endlich, endlich Feierabend. Der gemeldete Starkregen passierte gerade, im Bus saßen viele nasse Menschen, meine Kopfschmerzen wurden nicht besser, dafür meldete sich mein Magen ziemlich deutlich. Insgesamt eine eher unschöne Heimfahrt. 

Auch eine eher unschöne Ankunft, denn nachdem Herr Rabe mit Blick auf seinen Kontostand*** meinte, wir könnten doch mal wieder auswärts Pizza essen, rastete Michel aus und wollte zu Hause bleiben. Tja, ich (mühsam unterdrückt) hangry, Michel (ohne es zu wissen) hangry, ungute Kombi. Wir kamen trotzdem ohne Mord im Restaurant an und nachdem die Kinderpizza auf dem Tisch stand war auch Michel wieder mehr als verträglich. Er aß sogar ein Stück von Herr Rabes und meiner**** Pizza und bat um extra viel Ruccola. Salat, so erklärte er mir beim ins Bett gehen, ist nämlich sein Lieblingsessen*****. Überhaupt war das Essen total lecker, die Kinder friedlich und niedlich und auch halbwegs sauber und insgesamt gesellschaftsfähig. Das kann man ja von einem 4- und einer 1-Jährigen auch weder erwarten noch immer behaupten. 

Dank Espresso nach und Cola zum und Ibuprofen vorm Essen waren wieder zu Hause sogar die Kopfschmerzen weg, Ich gönnte mir ein Mini Glas Rotwein (jaja, die Leber schreit, ich weiß) zu Gilmore Girls****** und Stricken und ja, doch, das war ein richtig feiner Tag. Meist. 

* Galgenhumor

** gezwungenermaßen, ain’t nobody got time for mehr als ein Ribosom pro RNA

*** im Dezember zahlen wir nur die Hälfte der Einkommenssteuer*******

**** wir hatten jeder eine, aber tauschten nach der Hälfte

***** und Zebra, sagte er. In echt ist sein Lieblingsessen nach wie vor Nudeln ohne alles. 

****** noch nicht die neuen Folgen, ich bin jetzt bei S07E20

******* Dafür zahlen wir sonst halt mehr. Die Jahressteuer teilt sich auf 10,5 Beitragsmonate auf. Im Juni zahlen wir keine, im Dezember nur die halbe Einkommenssteuer. So hat man, unabhängig von irgendwelchen Betriebs- oder Gewerkschafts-Vereinbarungen quasi Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das man übers Jahr selbst anspart. Ist ne nette Sache, aber nicht(!) ein Geschenk vom Staat, wie es gerne mal auf Facebook behauptet wird. 

Tag 466 – Alter. 

Michel sitzt ja gerne auf dem Schoß, eh und im Moment noch mehr, weil hier leider A-Phasen-bedingt dauernd die Fetzen fliegen. Zum Vertragen ist er dann sehr kuschelig, trifft sich gut, ich nämlich auch. Jedenfalls saßen wir so gestapelt da und ich scrollte durch meine Twitter-Timeline. 

„Mama? Bist das du?“ Michel zeigt auf das Bild von Frau, Ähh, Mutti. Ich lache ein bisschen, Frau Mutti sieht mir einfach Null ähnlich. „Nein, das ist Frau Mutti. Die hat auch Kinder, die sind aber schon groß.“ „Hmm, so… fünf, oder?“ Fünf ist bei Michel der Maßstab für ‚Großes Kind‘.  „Nein, die sind schon ganz groß. Erwachsene sind das schon.“ „Ah. So wie du? … Ist das dann deine Mama?!?“

Manchmal ist er ja schon putzig, der Zwerg. Nur das mit Altersangaben und Verwandschaftsverhältnissen, das üben wir noch. 

Ich soll übrigens weiter ausrichten, das das eine lustige Geburtstagskrone ist. 

Tag 462 – Meh. 

Ich sachs mal so: krank sein ist scheiße. Und auch wenn man nebenbei die halb kranke Pippi (Vormittag gut, Nachmittag leichtes Fieber) betreut, kommt man nicht dazu, sich selbst zu erholen. Immerhin macht Pippi Mittagsschlaf, so konnte ich mich nochmal zwei Stunden mit ihr hinlegen. Erstaunlich gut hat da auch geklappt, das Kindergarten-Programm durchzuziehen: wir haben Mittag gegessen, dann gab es eine frische Windel, sie bekam ihr Bärchen in die Hand und wir legten uns hin (gut, im Kindergarten legt sich keiner zu ihr ins Bett, obwohl sie am Anfang auch auf den Betreuerinnen schlafen durfte, was ich denen wiederum hoch anrechne!). Nach drei Minuten schlief sie. Mit ihrem Bärchen im Arm. Und schnarchte. So niedlich. Nicht ganz so niedlich: Dauergekreisch in den fiesesten Tonlagen, wenn ihr was nicht passt. Können Kinder mit 16 Monaten schon in die Autonomiephase kommen? Und wenn ja: ist das nicht extra gemein den Eltern gegenüber, wenn sie da noch nicht sprechen können? Im Moment verbringen wir nämlich viel Zeit damit, zu raten, was das Kind will. Um es uns dann um die Ohren hauen zu lassen, weils das falsche war. Das macht keinen Spaß. 

In diesem Sinne: gute Nacht (ja, echt, das muss ja irgendwie mal besser werden mit mir)!

Tag 458 – Krank, haha. 

Heute morgen wachte ich in Michels Bett auf, in dem ich die Nacht mit ihm verbracht hatte (fragen Sie nicht…). Ich wusste gleich: Arbeiten wird heut nichts. Also machte ich den Wecker aus und schlief direkt wieder ein. 

Irgendwann stand Herr Rabe im Zimmer. Ich krächzte hustend irgendwas, er verstand mich auch ohne stimmvolle Vokale und wollte dann Michel mitnehmen. Der protestierte. Und protestierte. Und protestierte. Im Dämmerzustand hörte ich ihn brüllen. Er hörte einfach nicht auf. 

Irgendwann stand Herr Rabe wieder im Zimmer, mit fröhlicher, kindergartenfertiger Pippi und schluchzendem Michel im Schlafanzug. Michel wolle nicht in den Kindergarten. Er sage, er habe Kopfschmerzen. Ich rang Michel mit Müh und Not das Versprechen ab, dass er morgen wieder in den Kindergarten geht und zwar ohne Nöckeln. Außerdem stellte ich klar, dass heute kein Fernsehen geguckt wird. 

Und so verbrachte ich, krank, den Tag mit Michel, gesund. Wir räumten die Waschmaschine aus („Ich mach schon, Mama! … *Waschmaschinenausräumgeräusche* … „Ich tue das alles in den Trockner!“) und hängten die nicht trocknergeeignete Wäsche auf, verräumten trockene Wäsche, Ich krächzte Michel ein paar Bücher vor, wir diskutierten ein paar Male das mit dem Fernsehen aus, wir duschten, ich schaffte es, Michel zum Arzt zu quatschen (Ja, der Husten ist irgendein Virus, ja, wenn er kein Fieber hat, kann er in den Kindergarten), dann wollte er gerne seinen besten Freund besuchen, ich holte mit ihm Pippi vom Kindergarten ab, dann fuhren wir ihn zu seinem Kumpel. Mehr als ein Kind hätte ich wohl nicht auf einmal geschafft und Herr Rabe musste nach dem chaotischen Morgen länger arbeiten. 

Erholung ist anders. Morgen gehe ich wieder arbeiten, da kann ich wenigstens in Ruhe vor mich hin leiden. 

Nachtrag: das mit dem Puzzle hab ich noch vergessen. Ich bin vermutlich die schlechteste Mutter der Welt, weil: Puzzeln mit Michel macht mich komplett wahnsinnig. Unstrukturiert und chaotisch und rundum unlogisch geht er da dran. Ich kann so nicht arbeiten. Genau genommen kann ich dabei knapp ruhig bleiben. Orrrr.