Tag 2313 – Auf zum Atem!

Ich habe Pippi beigebracht, mit großem Enthusiasmus „Auf zum Atem!“ zu sagen, wenn wir irgendwohin aufbrechen, und das ist schon sehr putzig, muss ich sagen. Hihi. Ja, ich bin total erwachsen.

Apropos Pippi, die hat ja sehr ihren eigenen Kopf und einen immensen Basteloutput und hier hat sie ihren Puppen kleine Toilettenmäppchen und Zahnbürsten gebastelt. Sowas macht sie bevorzugt, wenn irgendwas anders ansteht, wie Schule oder Bett.

Alle Puppen müssen auch erst Zähne putzen, bevor Pippi ins Bett kann. (Aus der beliebten Reihe „Ich muss nur noch grad…! – 1000 Wege die Bettzeit herauszuzögern“ von Pippi Rübennase)

Heute wollte sie „einen Elsa-Zopf“. Nun ja, ich gab mein Bestes.

Zappelkind, dünne, weiche Fusselhaare, kurze Haare, keine Übung. Aber Hauptsache das Kind gefällt sich selbst.

Tag 2310 und 2311 – Zwooosh! (Und Quietschschschrebbel)

Gestern bin ich abends auf dem Sofa eingeschlafen. War aber auch nicht viel los gewesen ansonsten, nur viel Arbeit.

Heute ist auch nicht so viel los gewesen. Wochenende eben. Essensplan, Einkaufen, Blumen gießen, Schweine saubermachen, Kinder baden. Ein bisschen Rumhängen und ein bisschen mehr Geige spielen. Ich mache weiter mit der Selbstfolter und übe Dinge, die ich nicht kann – Spiccato und Doppelgriffe. Nicht gleichzeitig, das ist beides schon einzeln schwer genug. Besonders Doppelgriffe sind ein einziger Schmerz im Po, weil mein kleiner Finger im Verhältnis zu den anderen Fingern ziemlich kurz ist. Das führt dazu, dass es wirklich schwierig ist, den zu greifen, ohne die höhere Nachbarsaite mit zu berühren, insbesondere wenn ich auf der Nachbarsaite den 2. Finger greifen muss. Das sind leider die Terzen, also recht gebräuchliche Intervalle. Auf der G-Saite in der 1. Lage geht’s quasi gar nicht, aber eine andere, bequemere Lage nehmen erscheint mir wie Schummeln. Manchmal mache ich es aber doch, 1-3 auf 2-4 auf D und G im schnellen Fluss klingt nämlich einfach grausam im Vergleich zu 1-3 auf 1-3. aber wie gesagt, ich übe, es wird ganz ganz langsam besser. (Ich habe zu viel „Hilary Hahn plays Bach“ gehört, selbst mit 40 Stunden Üben am Tag komme ich da nicht mehr hin. Aber die Doppelgriffe häufen sich auch in dem, was ich spielen möchte zunehmend, also muss ich da wohl durch.)

Abends haben Herr Rabe und ich Matrix – Resurrection geguckt. Matrix habe ich damals sicher mehr als 10 mal geguckt, weil der mich so beeindruckt hat. Ich war aber ja auch grad erst 14. Den 2. und 3. fand ich dann ziemlich scheiße, aber der Trailer vom neuen Film war verhältnismäßig vielversprechend und wir haben eh ein HBO-Abo. Und ich muss sagen – das war ein guter Film. Keine Spoiler, aber mir hat die Selbstironie und die Nostalgie sehr gut gefallen. Man sollte die früheren Filme aber schon kennen, sonst bleibt einem beides verborgen und dann bleibt eine komplizierte Geschichte voller Referenzen auf ein diffuses „früher“. Ein extra Herzchen kriegen die Filmemacher*Innen für die Wiederverwendung von (Teilen von) Kampfchoreografien und Drehorten aus dem 1. Teil. Da bin ich gleich wieder 14.

Tag 2309 – Wirklich ganz ehrlich!

Nichts zu erzählen. Traurige Wahrheit. Hier passiert absolut gar nichts. Das Spannendste, was heute passiert ist, ist, dass ich mit einem Schwein (Pølse) bei der Tierärztin war, weil ihr ein Gnubbel am Po wächst, und dass man in der Praxis immer wieder überrascht ist, dass ich sowas wegoperiert haben will. Ich frage mich ernsthaft, ob andere ihre Tiere entweder passiv oder aktiv sterben lassen, sobald irgendwas ist. Wahrscheinlich ja und das finde ich entsetzlich. Wir reden hier von einem mittelalten, ansonsten topfitten (etwas moppeligen) Meerschwein, das noch ein paar Jahre vor sich hat, wenn man solche Gnubbel nicht bis ultimo wachsen lässt. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln. Aber für nen Rassehundewelpen Zehntausende Kronen hinblättern.

Immerhin wurde ich für gute Pflege gelobt. Topp Fell, Zähne und Krallen. Dabei habe ich an den Krallen seit Monaten gar nichts gemacht, außer zwei Rampen zu basteln (besser: durch Herrn Rabe basteln zu lassen), die mit Skateboard-Gripfolie beklebt sind, und das Futter immer auf die oberen Etagen zu legen. Ich gucke wöchentlich nach, aber bei Pølse muss man gar nichts machen und bei Marshmallow nur die hinteren Krallen ab und zu minimal kürzen (was immer toll für alle Beteiligten ist, weil sie komplett schwarze Krallen hat).

Die Schnecken schlafen noch. Ich muss mal nachgucken, wann sie letztes Jahr aufgewacht sind, nicht, dass sie schon längst wach sein sollten. Es wird zwar jetzt wieder deutlich heller, aber bis das Licht in die Schneckenecke kommt, dauert es noch ein bisschen, deshalb bin ich nicht sonderlich beunruhigt.

Tag 2307 – Die hochgezogene Augenbraue.

Michel sprang heute herum wie ein Flummi, es geht ihm definitiv besser und die mangelnde Auslastung wird überdeutlich spürbar. Er macht dann auch alle möglichen Geräusche, immer. Danken wir einfach den Noise cancelling Kopfhörern dafür, dass wir ihn heute nicht an die Wand getackert haben.

Am Freitag sollen wir uns eineinhalb Stunden lang unser neues free seating präsentieren lassen. Ich glaube, die haben Lack gesoffen, anderthalb Stunden? Aber was mir dabei einfällt: ich habe heute aus dem Intranet ein Bild heruntergeladen, das uns Angestellten das Konzept „Feste Basis und empty desk“ schmackhaft machen soll. Schauen Sie einfach selbst.

Hygge, koselig, nordisches Design!

Ich bin irritiert davon, dass die Bildschirme fehlen. Wir haben eigentlich Bildschirme. Sie haben sich außerdem offenbar Mühe gegeben, wenigstens zwei gleiche Stühle zu finden. Die Ausziehtürme bleiben stehen, auch wenn wir sie nicht benutzen, weil zwar zusammen arbeiten und Kommunikation fördern sollen, aber bitte ohne direkten Blickkontakt. Außerdem fehlen im Bild die Spuckschütze zwischen den sich gegenüberliegenden Tischen. Die dienen dazu, den Abstand zwischen diesen Tischen von ca. 80 cm auf einen Meter zu erhöhen. Plexiglas krümmt bekanntermaßen im Arbeitskontext das Raum-Zeit-Kontinuum.

Ich glaube, so Architekturpsychologen (das ist ein Ding, habe ich neulich gelernt) würden instantan in Tränen ausbrechen. Ich hab aber beschlossen, keine Energie darauf zu verwenden, mich drüber aufzuregen.

P.S. Wir haben ne Stelle offen, aber bitte überrennt uns jetzt nicht alle wegen unseren attraktiven Büroräumen.

Tag 2306 – Erholungstag.

Euphemismus für „hab bei der Arbeit nicht viel auf die Reihe bekommen“. War einfach viel letzte Woche und heute wäre frei nehmen vermutlich sinnvoll gewesen.

Michel geht es den Umständen entsprechend gut. Bisher hat er Husten und Kopfschmerzen. Gestern glaubte er, Fieber zu haben, aber zwei verschiedene Thermometer waren anderer Meinung. Er kann seine kleine Schwester und sein Lego mit unverminderter Kraft anschreien, insofern geht es ihm wohl nicht allzu schlecht. Wenn Sie ihn allerdings fragen, ist er mindestens dem Tode nah.

Pippi und ich haben weiterhin nichts und Herr Rabe hat Schrödingers Corona offenbar auch niedergerungen.

Mehr gibt es von heute eigentlich nicht zu erzählen. Die übermäßige Olympia-Berichterstattung in den norwegischen Medien nervt mich kolossal und ich hoffe, es ist bald vorbei. Schlittschuhlaufen können wir (leider) auf dem eigenen Parkplatz, wo sich eine zentimeterdicke Eisschicht gebildet hat, die durch immer wieder antauen, drauf regnen und dann wieder überfrieren wirklich spiegelglatt ist. Gestern habe ich Müll rausgebracht und – mein lieber Scholli. Wenn man wirklich gar keinen Halt mehr hat und aus dem Stand wegen ganz leichter Abschüssigkeit anfängt zu rutschen, ist das nicht mehr lustig. Jedenfalls nicht, wenn man mehr als 6 Jahre alt ist und fürchtet, sich Steißbein oder ähnliches zu brechen. Jetzt schneeregnet es erst mal auf die Eisbahn, mal sehen, was sich dann morgen für ein Bild ergibt.

Tag 2304 – Deschawüh.

Norwegen hat mal wieder alle Maßnahmen abgeschafft. Also nahezu alle, denn Erwachsenen mit Symptomen wird weiterhin empfohlen, sich zu testen, und sich gegebenenfalls für vier Tage zu isolieren. Empfohlen. Erwachsenen. Alles andere ist weg.

Derweil kam Michel von seinem Übernachtungsbesuch zurück und war happy aber hustend und da sich das auch nach baden und umziehen und waschen der Bettwäsche und den Kuscheltieren, die er mithatte, nicht gab, machten wir dann doch lieber noch mal einen Test, und der war positiv. Seit heute um zehn war das völlig unnötig, Michel ist ja nicht erwachsen, und es hat auch keine Konsequenzen. Solange er 24 Stunden fieberfrei ist, kann er alles machen. Ja, das haben Sie richtig gelesen. (Machen wir nicht.)

Nächste Woche hätte er geimpft werden können, da ist die letzte Infektion drei Monate her.

Ich bin SEHR gespannt, was das jetzt für die weitere Entwicklung bei der und rund um die Arbeit heißen wird. Inzwischen kann ich das gar nicht mehr einschätzen und ich will auch keine Energie drauf verschwenden, mich vorsorglich aufzuregen.

Es ist alles schon wieder wie in einem Film, der viel zu schnell geschnitten ist und bei dem vergessen wurde, den Nebendarstellern und Komparsen das Drehbuch zu geben.

Tag 2403 – Babies.

First things first: Herr Rabe geht es schon wieder viel besser und der Rest hat weiter negative Tests. Passend dazu wird morgen vermutlich bekanntgegeben, dass Mundbinde und Meter wegfallen, und vielleicht fällt auch die Isolationspflicht. Es soll dann nur noch eine Empfehlung zur Isolation geben. Tests sollen nur noch Risikogruppen und Leute, die mit Risikogruppen arbeiten, bekommen. Langsam gewöhne ich mich an den Gedanken, dass wir alle Omicron kriegen werden/schon haben/schon hatten und dass das mit großer Wahrscheinlichkeit für uns nicht schlimm sein wird. Aus Gründen würde ich trotzdem hoffen, dass ich noch den Booster und die Kinder noch die 1. Impfdosis schaffen, bevor es uns erwischt.

Michel übernachtet heute bei einem Freund. Das ist ein mittleres Wunder, aber für ihn natürlich toll. Es kam sehr spontan dazu, was vielleicht gar nicht so schlecht war, weil er dann keine Zeit hatte, haufenweise Ängste aufzubauen. Er hat seine Bettdecke, sein überdimensionales Kuscheltier, Harry Potter-Schlafi und Zahnbürste und wenn was ist, kann er anrufen. Ich vermute, dass er inzwischen schläft. Ob ich allerdings schlafen kann, wird sich noch zeigen.

Pippi hingegen hat heute Scheiß in der Schule gemacht, woraufhin Herr Rabe einen Anruf und ich eine pissige Mail zu Pippis Missetaten bekam. Ich habe brav mit Pippi geschimpft und sie war sehr zerknirscht aber ehrlich gesagt fand ich die Geschichte ein bisschen lustig, weil sie sehr zu Pippi passt. Die Rübennase halt. Es kam niemand und nichts zu Schaden, so gesehen ist alles gut, aber sie hat halt noch nicht so ein ausgeprägtes Konsequenzdenken. Zwei Kinder, die sich vor allem möglichen und unmöglichen ängstigen, würde ich wohl auch kaum ertragen.

Jaja, sie werden so schnell groß, aber sie bleiben immer meine Babies. Eins eigensinnig, stur und rübennasig, aber unglaublich süß dabei, eins mit viel im Kopf, zurückhaltend und immer irgendwie müde aussehend, aber ebenfalls unglaublich süß.