Tag 1749 – Prokrastinations-Folgen.

Hättehätte Fahrradkette aber es wäre echt gut gewesen, hätte ich mir meine Arbeit in den letzten Wochen sinnvoller eingeteilt. So war irgendwie Murks, ich hab nämlich nicht alles geschafft, weil dann, wie immer, noch dringende Dinge rein kamen, die sofort bearbeitet werden wollten und die alten (und langweiligen) Leichen wurden noch weiter rausgeschoben und, ach, ach. Heute habe ich dann einen Mammut-Arbeitstag gehabt, unschön, aber jetzt bin ich immerhin zu 80% fertig, eine Aufgabe ist hinten runter gefallen, eine ist halt jetzt eher noch so Dreiviertel fertig und ein viertel schön, aber immerhin.

Jetzt aber fix ins Bett, in 9 Stunden ist schon wieder ein Meeting (das ich leiten muss, seufzi).

Tag 1748 – Für die Tonne.

Da heute keine Müllabfuhr kam, kommt sie wohl morgen.

Morgen kommt auch eine Warmkompost-Tonne.

Ansonsten war der Tag reichlich bescheiden, bis abends Twitterkneipe war, das war sehr schön (wie immer). Das klingt albern, aber das ist schon ein Teil meiner neuen Normalität geworden und ich hoffe, dass sich etwas davon wirklich nach der Pandemie bewahren lässt. Ich mag die alle da sehr gern.

Jetzt Familienbett, Pippi ist seit einer Dreiviertel Stunde wach, kann nicht wieder einschlafen und liegt jetzt bei uns im Bett. Pippi ist ja gar kein Baby mehr, fällt mir dabei auf, die ist ja gar nicht mehr winzig klein. Na sowas aber auch.

Tag 1747 – Wutschwein.

Muffin musste heute zwei schlimme Dinge erdulden. Zuerst waren wir bei der Tierärztin. Die hat versucht, per Klebestreifen und Schabe-Probe zu sehen, weshalb sich das arme Schwein blutig kratzt, sah aber nichts. Es gab trotzdem eine Dosis Spot-On gegen Milben (und sonstige Parasiten, wenn ich das richtig verstanden hab) und jetzt schauen wir mal, ob es besser wird. Armer Muffin. Gefühlt hat er sich gleich viel weniger gekratzt, aber das kann auch der Stress sein, eingefangen werden, dann Auto fahren, dann drei mal aus de Transportbox gefischt werden… puh. Armer Muffin.

Und weil das alles noch nicht reichte, sagte die Tierärztin, wir sollen den Käfig reinigen, damit eventuell da rumkriechende Milben entfernt werden. Weil ich zwischen Pest und Cholera (nochmal aus dem Käfig fischen und raussetzen, um ihn dann wieder einzufangen und zurück zu setzen vs in der Box lassen und um ihn rum putzen) wählen musste, konnte ich nur verlieren und so war es dann auch. Muffin war absolut nicht amused über meine Putzaktion (um ihn rum) und kam danach erstmal eine Weile gar nicht mehr unter seinem Strohhaufen hervor. Als er dann kam, holte er sich ein Stück Möhre und zerrte es sofort wieder unter seinen Strohhaufen. Ich schwöre aber, vorher sagte er noch ganz leise „ihr könnt mich alle mal“.

Wir werden schon wieder Freunde werden, Muffin und ich. Wenn mir wer so nen beschissenen Tag bescheren würde, wäre ich auch angepisst. All die schönen Köttel. Einfach weg. Buhuhu.

Tag 1746 – Ein Beitrag mit theoretisch vielen Fotos.

Denn Herr Rabe hat heute viel mehr Fotos gemacht als ich, aber Herr Rabe trinkt jetzt Whisky mit dem Nachbarn und irgendwie kommen die geteilten Fotos nicht bei mir an. Ich kann sie ja später noch hochladen.

Wir haben nämlich heute einen Ausflug zu unserem Anteilsbauernhof gemacht und das war frühlingshaft schön. Hachzihachzihachz. Ganz viele Lämmer gibt es zur Zeit, Babypflanzen überall und die zwei glücklichen Schweine. Alles so grün, so schön, ich kriege richtig Frühlingsgefühle.

Babyschaf!

Drei Lämmer werden mit der Flasche zugefüttert, weil die Mamas sich nicht so für sie interessieren. Michel und Pippi durften dabei sein und waren sehr angetan.

Studentische Hilfskräfte bei der coronabedingt etwas anderen Praxisarbeit.

Ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht ein Lamm oder zwei mitgehen zu lassen, die sind so niiieeeeedlich!

Eier gab es aber leider nicht, alle ausverkauft. Jetzt bekommen wir sie morgen oder übermorgen nach Hause geliefert, je nachdem wie fleißig die Hühner sind und wann die Bäuerin bei uns vorbei fährt. Ist auch ok, so dringend brauchen wir keine Eier.

Jetzt sitze ich neben der Meerschweinkiste und höre meinem eigenen kleinen Lamm Meerschwein dabei zu, wie es sich wie die Raupe Nimmersatt durch einen riesigen Heuhaufen frisst und mag das alles grad sehr.

Tag 1745 – Schlonz.

Fühle mich wie ein extrem fauler Mensch heute, eigentlich schon gar kein Mensch mehr sondern eher ein Schlonz. Ich war einkaufen und das war’s auch schon. Ich habe mich sehr über das Internet (Twitter. Nur Twitter) gewundert, oder eher nicht gewundert weil das ist ja alles nichts Neues ist, dass man Kritik an bestimmten Leuten nicht anbringen kann, ohne als HateSiffMob abgestempelt zu werden.

Ansonsten habe ich mich ein bisschen weiter mit Muffin angefreundet. Er wird immer mutiger und frisst jetzt auch woanders als gut versteckt unter seiner Brücke. Er erschreckt sich auch nicht mehr vor meiner Stimme.

Es hat geregnet (das war mit ein Grund für die Faulheit) und jetzt ist draußen alles ganz wunderbar grün und die Regentonne ist fast voll. Endlich richtig ergiebiger Regen, davon gab es in den letzten Wochen wirklich deutlich zu wenig. Drei mal hat es sogar gedonnert. Hach! Ich mag Gewitter.

Sonst war halt wirklich nichts.

Tag 1744 – Schöntag.

Bis auf eine sehr (!) vermackelte Felge war es ein ganz wunderbarer Tag bei A. und A. und M.M. in der Hauptstadt. Mit Kaffee, Eis und zwei kleinen Mädchen, die gleich ein Herz und ein Dickkopf waren. Erwachsenengesprächen. Lauter Musik auf dem Rückweg (und eingeschlafenem Kind). Hach, hach.

Abends Twitterkneipe, ein einzelner Quietscher von Muffin und viel zu spät ins Bett.

Dann nicht schlafen können und dem Regen zuhören.

Hach, hach.

Tag 1743 – Thementag Haustiere.

Michel und ich haben heute Carona ein wenig ausgeführt (mit zum ersten Mal Superchargen und das war ein bisschen aufregend und wie krass schnell das geht! Falls Sie sich das immer schon mal gefragt haben: man bezahlt das über die Tesla-Homepage. 16 kWh dauern etwa 15 Minuten, man kommt damit mit Carona etwa 75 km weit und das kostet 1,70 kr/kWh) um unseren neuen Mitbewohner abzuholen. Gestatten: Muffin.

Muffin mumpft.

Etwas chaotisches Bild, aber ich wollte ihn nicht so stören, der Arme hatte heute genug Stress.

Muffin ist sehr niedlich und Michel sehr glücklich. Ich bin auch sehr glücklich. Muffin hatte bisher kein so schönes Meerschweinleben, aber ich hoffe, er gewöhnt sich schnell an den vielen Platz und das viele frische Futter. Morgen werde ich mal die Tierarztpraxis kontaktieren, weil ich glaube, dass Muffin Milben oder sowas hat und wenn er Mitbewohnerinnen bekommt (in 8 Wochen frühestens, wegen der Kastration) fängt er bestimmt auch an zu reden. Bestimmt. Jedenfalls ist Muffin relativ zutraulich und friedlich und scheint, bis auf die Hautprobleme und die Verhaltensauffälligkeiten, gesund zu sein.

(Bitte halten Sie Meerschweinchen nicht alleine.)

Nachdem ich mit Pippi Muffin Löwenzahnblätter gefüttert habe, damit er merkt, dass wir ganz okaye Menschen sind, hat Pippi Muffin Bilder gemalt, die er bestimmt wunderschön findet, oder zum Fressen gern hat, je nachdem.

Deko á la Pippi.

Ja, der Käfig ist noch nicht 100%ig eingerichtet, aber Muffin nutzt ja eh erstmal nur einen sehr kleinen Teil davon. Und ja, ich hab dieses Cocktail-Palmen-Dings wieder entfernt.

Dann hab ich noch die Schnecken gesäubert, weil das altbekannte Erdfliegenproblem wieder da ist. Deshalb gab’s auch nur spartanische Einrichtung, es ist wohl jetzt wieder eine Weile zweiwöchentlicher Erdwechsel angesagt. Leider habe ich beim Erde einweichen mit selbiger einen Eimer zerstört (diese gepressten Kokosfasern gehen ganz schön auf und sprengen dann im Zweifel auch (altes) Plastik), die Erdsuppe lief überall über den Herd und in den Backofen und ich fluchte sehr und hasste die blöden Erdfliegen noch mehr als eh schon. Aber jetzt ist die Erde frisch und auch für die Schnecken war noch genug Löwenzahn da.

Aufgeregte Schnecken stapeln sich gerne.

So, jetzt werde ich noch ein bis dreiundzwanzig YouTube-Videos schauen, wie man Meerschweinchen die Krallen schneidet und dann ist hier Feierabend, ich bin total platt heute.

Tag 1741 – Schnipsel.

Michel klagt seit Wochen über Übelkeit nach dem Essen und ich bin langsam nicht mehr sicher, ob das echt „nur“ zu schnell zu viel gegessen ist oder mehr dahinter steckt also gingen wir heute zur Hausärztin. Die hat wieder eine Vertretung und auch diese Vertretung ist sehr nett, auch zum sehr aufgeregten und deshalb etwas quatschigen Michel. Als sie dann aber ankündigte, dass wir Blut abnehmen müssten war das Quatschige komplett weg und zehn Minuten später hatte ich einen sehr kleinen, weinenden und dann schreienden Michel auf dem Schoß, mit Nadel im Arm. Mein armes, armes Baby. Gut fand ich, dass niemand ankam mit „das tut doch gar nicht weh“ oder ähnlichem Stuss. Michel wurde von allen Seiten gelobt, dass er das gemacht hat, obwohl er so Angst hatte und es ihm so weh getan hat. Uff. Aber – mein armes Baby. Hinterher gab es ein Eis, für seine und meine Nerven. Bis zur Schule waren auch die Tränen getrocknet, aber ich war dann froh, zu Fuß nach Hause zu müssen um ein bisschen runter kommen zu können.

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Die norwegische Bezeichnung „Kartoffel“ für Menschen ist ein Kompliment. Kartoffeln gehen nämlich zu allem, sind vielseitig und nahrhaft. Ha.

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Wir kriegen einen neuen Inspektør, er ist 29 und Biomediziner. Da er ein Mann ist, ist er vermutlich nicht so stark vom Impostorsyndrom betroffen, aber ich werd ihn trotzdem ein bisschen extra herzlich willkommen heißen. Wir molekulare-Irgendwas-Menschen müssen zusammenhalten.

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Pippi kam heute aus dem Kindergarten wieder so dreckig nach Hause, dass ein Bad kein Diskussionsgegenstand mehr war. Irgendwann sagte ich zu ihr, dass wir dann jetzt mal ihre Haare waschen müssen und sie dann raus kommen soll, da sagte sie „Moment, Mama, ich rieche kurz an meinem Fuß… nein, der stinkt noch, ich muss noch drin bleiben.“ Diese kleine Rübennase, ey. Quatschkind. Aber jetzt mit sauberen Füßen (und Ohren und Hals und überhaupt allem).

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Herr Rabe hat sich heute einen Rasenmäher gekauft und ich habe zwei mal sagen müssen, dass der nicht im Haus benutzt wird. Corona macht seltsame Sachen mit uns.

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Donnerstag zieht hier ein Meerschwein namens Muffin ein. Erstmal eins, weil es ein alleinstehender Herr ist. Sobald der kastriert ist und die Karenzzeit danach rum ist, dürfen dann noch Damen dazu kommen. Ich freu mich – und Michel sich auch. Dem hatten wir das ja versprochen für „nach dem Umzug“. Wir sind vor fast zwei Jahren umgezogen.

Tag 1740 – Anfängerin.

Manchmal könnte man meinen, ich kenne mich erst seit vorgestern. Heute wachte ich nämlich nach 7,5 Stunden laut Schlaftracking-App durchschnittlich schlechtem Schlaf auf und fühlte mich wie verkatert. Ich bin gestern aber gefahren und hatte dementsprechend ein halbes Glas Champagner um zwei Uhr nachmittags. Diagnose Sozialkater. Nach so vielen Wochen mit nur wenigem und kurzen Kontakten, den einzigen längeren immer nur mit der einen Familie, war das gestern wohl einfach zu viel, so schön es war. Die Freuden des introvertiert-Seins. Den ganzen Tag war ich heute hundemüde und konnte mich kaum auf meine Arbeit konzentrieren. Gegen fünf konnte ich die Augen gar nicht mehr offen halten und legte mich „kurz“ hin um eineinhalb Stunden zu schlafen. Eieieiei.

Immerhin ging es danach etwas besser und ich konnte noch etwas arbeiten.

Ich wünsche mir sehr ein kleines Abstands-Sommergrillen mit den Kolleginnen und Kollegen, aber ich muss wohl dafür sorgen, dass wir das an einem Freitag machen oder mir den nächsten Tag frei nehmen. Wir erinnern uns ja alle noch an letztes Jahr, als ich es kaum nach Hause schaffte, so ausgepumpt war ich plötzlich. Nach all dem Corontäne-Tralala und dem gestrigen Tag schwant mir da übles.

(Jaja, erstmal muss ich es eh anleiern und dann wird es vielleicht auch heißen uiuiui können wir das nicht lieber online machen. Aber ich, Ähm, hust hust, vermisse die alle so. Wir könnten uns auf der Dachterrasse vom Werk treffen, da ist viel Platz und man ist draußen. Falls unsere Chefin nicht 15 Mann bei sich zu Besuch haben will (was ich sehr gut verstehen könnte, auch wenn man jetzt theoretisch wieder darf).)