Tag 1746 – Ein Beitrag mit theoretisch vielen Fotos.

Denn Herr Rabe hat heute viel mehr Fotos gemacht als ich, aber Herr Rabe trinkt jetzt Whisky mit dem Nachbarn und irgendwie kommen die geteilten Fotos nicht bei mir an. Ich kann sie ja später noch hochladen.

Wir haben nämlich heute einen Ausflug zu unserem Anteilsbauernhof gemacht und das war frühlingshaft schön. Hachzihachzihachz. Ganz viele Lämmer gibt es zur Zeit, Babypflanzen überall und die zwei glücklichen Schweine. Alles so grün, so schön, ich kriege richtig Frühlingsgefühle.

Babyschaf!

Drei Lämmer werden mit der Flasche zugefüttert, weil die Mamas sich nicht so für sie interessieren. Michel und Pippi durften dabei sein und waren sehr angetan.

Studentische Hilfskräfte bei der coronabedingt etwas anderen Praxisarbeit.

Ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht ein Lamm oder zwei mitgehen zu lassen, die sind so niiieeeeedlich!

Eier gab es aber leider nicht, alle ausverkauft. Jetzt bekommen wir sie morgen oder übermorgen nach Hause geliefert, je nachdem wie fleißig die Hühner sind und wann die Bäuerin bei uns vorbei fährt. Ist auch ok, so dringend brauchen wir keine Eier.

Jetzt sitze ich neben der Meerschweinkiste und höre meinem eigenen kleinen Lamm Meerschwein dabei zu, wie es sich wie die Raupe Nimmersatt durch einen riesigen Heuhaufen frisst und mag das alles grad sehr.

Tag 635 – Katzen! Pinguine! Schafe!

Ich habe Binge-genäht. 

Dieses Bild ist hier nur, damit es in der Beitragsvorschau erscheint.


Das kam so: Michel und Herr Rabe wachten beide relativ krank auf und ein Sofatag wurde schnell beschlossen. Ich hatte gestern abend noch mein Shirt vom Freitag zerschnitten und den „Schnitt“ abgenommen (die Gänsefüßchen sind da, weil das wirklich so simpel ist, dass die Hälfte von Ihnen vermutlich gleich lacht). Naja, die Familie hing also eh rum, Brot hatte ich keins zu backen, also: Nähmaschine raus. 

Das „Schnittmuster“. Einzige Schwierigkeit: die asymmetrischen Ärmel. Wobei ich mich ja auch oft frage, was schwieriger ist: ein ganzes Teil rundum sauber ausschneiden oder den Stoff exakt glatt im Bruch auslegen und dann zuschneiden. Letzteres dauert bei mir jedenfalls immer sehr lange und – siehe Muster – es geht auch oft etwas schief.


Das Shirt ist wirklich ganz schnell gemacht. Ganz ganz schnell. Und irgendwann lerne ich auch noch, die Muster grade hinzubekommen. Bis dahin muss meine Umwelt mit leicht schiefen Mustern leben. 

Cat-content!


Jupp, mein Kreuz *ist* so breit. Das, liebe Kinder, passiert, wenn man in früher Adoleszenz unter entsprechendem körpereigenen Hormoneinfluss sehr viel schwimmt.

 

Der dunkelgraue Jersey ist so dünn und weich, dass er sich etwas zickig nähte. Aber nix Wildes. Man sieht es ein bisschen an den Ärmeln, was ich meine: obwohl ich (ich schwöre!) nicht am Stoff gezogen habe, sieht die Naht etwas gestaucht aus. Auf meiner Wunschliste ist für irgendwann später, wenn wir mal voll viel Geld haben und auch entsprechend viel Platz: eine Overlocknähmaschine und für deutlich zeitnaher: eine Zwillingsnadel. 

Michel hat übrigens beim Nähen geholfen. Er hat den Fadenvernähknopf am Anfang und Ende jeder Naht gedrückt, Unterfaden aufgespult und Stecknadeln gereicht und wieder angenommen. Der Preis für seine Hilfe war, dass er auch etwas genäht haben wollte. Also habe ich ein Kinder-T-Shirt genäht, für das er sich (mit leichter Unterstützung) den Stoff selbst ausgesucht hat. Den „Schnitt“ habe ich fix von einem gut passenden T-Shirt in Größe 110 abgepaust. Polarn o‘ Pyret fällt immer recht groß aus… 


Jetzt können Michel und ich im Partnerlook gehen! Zweimal! (Und der lila Stoff ist immer noch nicht ganz alle, herrje.)

Michel machte dann noch einen späten Mittagsschlaf, er ist also wirklich krank, der arme Zwerg. Ich nutzte die Zeit für noch ein Shirt für mich, diesmal mit Schafen und blau. 


Im Vergleich zum grauen Oberteil habe ich den Rücken oben ca. drei cm schmaler gemacht. So ist der Halsausschnitt nicht so groß und es steht auch hinten nichts mehr ab.


Doch, ich bin zufrieden mit mir. Das hat mir wieder richtig Spaß gemacht. Als nächstes dann vermutlich ein Kleid. 

Tag 55

Heute war Backtag, und das Beste daran: ich durfte fast die ganze Zeit alleine backen. Es macht nämlich nicht ganz so viel Spaß in der Küche wenn man dauernd über drölfzig Duplosteine nebst Kind fällt oder alles im Wippschritt erledigen muss, weil man ein Baby umgebunden hat. Aber Herr Rabe hat das Kind und das trinkunwillige Baby auf den Spielplatz geschleppt und ist da laaange geblieben. <3

Ich habe wieder Berliner Knüppel gebacken, in der Geister-Version, damit sie beim Aufbacken noch schön braun werden können. Ich halte mich inzwischen nicht mehr sklavisch an Rezepte, erstens nehme ich grundsätzlich weniger Salz, zweitens ist das Mehl hier anders und ich brauche dadurch weniger Wasser, drittens gibts auch kein Typenmehl, deshalb ergänze ich manchmal das Weizenmehl mit reinem Weizengluten um auf die Klebekraft zu kommen und viertens weiß ich halt was mir/uns schmeckt. Zu den Brötchen tue ich z.B. noch einen zweiten Vorteig für die leicht herzhafte Note: 60 g Weizenmehl, 30 g Wasser, 1 Teelöffel Weizen-Anstellgut (= Sauerteig), 2-4 h bei Raumtemperatur anspringen lassen, dann 12-14 h in den Kühlschrank. Und aus dem Ganzen (doppeltes Rezept) mache ich dann 20 Brötchen.

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Außerdem hab ich ein Abend-Brot gemacht. Weil es superlecker ist, hauptsächlich. Und auch weil es zwei Sauerteige benötigt, ich also meine beiden Sauerteige gleichzeitig pflegen kann (Sauerteig muss regelmäßig geführt werden, sonst verliert er seine Triebkraft oder wird irgendwann sogar schlecht). Und als weiteren Pluspunkt kommt Altbrot (aka. Semmelbrösel) mit rein, sodass ich langsam unseren Semmelbröselberg abtragen kann (und mir gefällt der Gedanke, dass das Altbrot immer älter wird, wenn ich aus dem Brot dann wieder Semmelbrösel mache und dann wieder Brot damit backe und dann wieder…). Abwandlungen: irgendwie waren nur noch 120 g Grieß da, also ergänzt mit 30 g Weizenmehl. Nüsse in Brot find ich doof, also weggelassen. Weniger Wasser. Plus ein Teelöffel Gluten (unser Mehl hier ist Kuchenmehl, also ca. Type 550).

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Ich muss auch sagen, dass sich die Anschaffung eines teuren Lavaton-Backsteins echt gelohnt hat. Der Stein muss nur mit aufgeheizt werden, das dauert nicht viel länger als ohne Stein (!), dann backe ich eine viertel Stunde bei voller Temperatur, also hier 250°C und dann mache ich den Ofen aus und lasse das Brot noch 45 min im Ofen. Und dann ist es fertig. Das spart ungemein Energie, nach ca. einem halben Jahr mit einmal pro Woche backen hab ich den Preis von dem Backstein wieder raus.

Zum Abendbrot gabs dann auch noch Quiche, nicht dass der Ofen auskühlt zwischendurch :)

Und kaum waren Brot und Brötchen im Gefrierschrank, ruft unser Schaf-Freund an. Dienstag kommt unser Lamm. Mjammijammi und Möp gleichzeitig, denn der Großteil des Lamms muss ja auch in den Gefrierschrank *summt Tetris-Melodie*.

Tag 5 – Schafe

Wir haben einen Freund, und der hat Schafe. Er wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern auf der anderen Seite vom Fjord und hat grob geschätzt 80 Schafe, plus zur Zeit 100 Lämmer. Norwegisches Wildschaf, eine Rasse, die mit den Witterungsbedingungen und dem Nahrungsangebot hier gut zurecht kommt. In Glennkill-Sprech ist es weder eine Fleisch- noch eine Wollrasse, obwohl sehr schmackhaft und auch sehr schöne Wolle. Unser Freund lässt jedes Jahr einen (Groß-)Teil der Lämmer und einen (kleinen) Teil der Schafe schlachten, vertreibt das Fleisch und die besonders schönen Felle und finanziert sich so sein Hobby, also die Schafe. Die Schafe sind eigentlich immer draußen, außer die drei Böcke, die muss er einsperren wenn die Schafe brünstig sind, sonst bekommt er viel zu viele Lämmer. Trotzdem sind die Schafe ziemlich zahm, manche haben auch Namen, und sie werden neben dem Gras auf den riesigen Weiden oft mit Hafer oder trockenem Brot aus der Hand unseres Freundes und seiner Familie verwöhnt. Die vierjährige Tochter hat dieses Jahr ein verstoßenes Lämmchen mit der Flasche aufgezogen. Alles in allem für uns Stadtpflanzen die reinste Bauernhofidylle.

Anfang der Woche hat das Kind uns davon reden hören, dass sich schon wieder so viel trockenes Brot hier angesammelt hat, wir aber ja noch tonnenweise Semmelbrösel vorrätig haben und gar nicht wissen wohin damit und was also tun mit dem Brot? Ich schlug vor, mal wieder die Schafe zu besuchen IRGENDWANN und das Brot zu verfüttern. Quasi als kleine Investition in ein leckeres niedliches Lamm. Unvorsichtiger Weise sagte ich das im Beisein des Kindes, das fortan täglich schon beim Aufstehen der Meinung war, heute wäre der ideale Tag um die Schafe zu füttern. Unser Einwand, das ginge erst am Wochenende, weil unser Freund ja auch arbeiten müsse und er ginge ja auch in den Kindergarten wurde lediglich mit einem empört-verzweifelten „Schafe guckääääään!!! Wääähähäää! Nicht Kindergarten, Schafe guckäääähähääään!!!“ in Endlosschleife quittiert. Täglich. Hurra.

Heute war es dann endlich soweit. Mit Sack und Pack und Nudelsalat auf zum Schafe gucken, die Familie des Freundes ist zwar grad in Kroatien, also keine Spielpartner da, aber 100 Lämmer sollten ja wohl reichen als Entertainment. Unser Freund fuhr gerade als wir kamen Mist mit dem Traktor durch die Gegend, beim Anblick des Traktors vergaß das Kind sogar kurzzeitig die Schafe, bis unser Freund abstieg und das Kind fragte, ob er denn die Schafe besuchen wolle, da gabs dann kein Halten mehr. Fix das Baby ins Tagebuch geschnürt, das Brot gepackt und dem Kind hinterhergerannt, das schon auf dem Weg mitten in die Schafherde war. Die Schafe waren aufgrund der sommerlichen Temperaturen ziemlich faul und ließen sich etwas Bitten, aber wir haben ja ein ausgesprochen höfliches Kind, deshalb war das mit dem Bitten nicht das Problem. „Hier, Bitteschön!“ wurden die Schafe brotwedelnd angebrüllt angelockt. Nachdem sich die mutigeren Leitschafe dann auch mal ranbequemt hatten und das Kind völlig aus dem Häuschen herumhüpfte und „Hier, Bitteschön!!!“ das Brot gönnerhaft unter den Schafen verteilte, passierte, was immer passierte: Es kamen ca. 25 Schafe gleichzeitig angerannt und wollten auch was vom Kuchen. Ich muss sagen, ich fühl mich dann auch nicht mehr allzu wohl, wenn ich mich in der wolligen Masse nicht mehr bewegen kann, insbesondere die Böcke machen mir etwas Angst, aber für das noch nicht mal einen Meter große Kind ist das sehr furchteinflößend. Aber man wird ja zur Löwenmama in solchen Situationen, pflügt mühelos die gierigen Schafe beiseite und hievt das Kind auf die hintere Hüfte (vorne hängt ja noch das Baby!). Immer darauf bedacht, die Bremsen zu verscheuchen, die mit den Schafen gratis mitgeliefert werden. Ich war sehr froh, als kurz drauf das Brot alle war. Sonst wäre ich wohl durchgebrochen.

Später haben wir dann noch gegrillt (Gemüse, kein Lamm ;) ) und den Nudelsalat gegessen und Herr Rabe hat selbstgebrautes Bier mit unserem Freund getrunken und unser Freund war ein bisschen neidisch, weil unsere Babys so lieb sind und die ganze Zeit schlafen und unsere Kinder deshalb auch gar nicht eifersüchtig sind, weil die Babys ja keine Bedrohung darstellen.

Nach all dieser Idylle musste das Baby dann natürlich die halbe Rückfahrt schreien und das Kind musste nörgeln, weil es wegen des Babygeschreies nicht gut schlafen konnte.

Aber es war ein sehr schöner Tag.