Tag 1639 – Winterfest 2020.

Es war… naja. Durchwachsen.

Erst fand ich meine Kolleginnen, also die, von denen ich wusste, dass sie kommen wollten, nach dem Schminken nicht wieder. Geschminkt hatte ich mich nach einer schnellen Dusche in der Umkleide im Keller, genauso wie gefühlte 437 andere Frauen aus dem Werk.

Jedenfalls fand ich sie dann doch irgendwann, auf einer anderen Etage, und jetzt kenne ich immerhin ein paar der Regulatory Leute bei uns vom Sehen.

Ein Drink zum Essen ist lächerlich, wenn man während des Essens immer wieder singen und sich schlimm (SCHLIMM! Richtig schrecklich cringy) sexistische Witze anhören muss. So viel Alkohol kann ich gar nicht trinken, um das „Erlebnis“ aus meinem Gehirn zu eliminieren. Und sowas von meinen eigenen Kollegen!

Ich habe schlimme Dinge gesehen. Auch die hab ich nicht vergessen (dafür hab ich jetzt Kompromat gegen die Kollegin in der Hand, muhahahaha).

Am Ende wurde es doch noch nett mit Tanzen und so und auf dem Heimweg wurde ich spontan Mitglied im Radiopharmakateam. Hell, Yeah.

Strahlende Aussichten.

Bester Moment des Tages.

Die Schuhe sind schick, aber au. Vor allem, wenn eine sich zu fein ist, die einfach zum Tanzen auszuziehen.

Hab ich erwähnt, dass meine Brautschuhe nicht mehr passen? Meine Brautschuhe passen nicht mehr.

Nachhausewegselfie.

Endlich anständige Musik.

Tag 1638 – Vorbereitet.

Morgen ist Winterfest. Yeah, socializing mit den Kollegen. Werde als Eiskönigin gehen, damit niemand mit mir redet. Habe einen halben Schönheitssalon eingepackt und damit ich nicht erfriere und weil ich wieder in das Kleid passe (Schilddrüse? Spirale raus? Sport? Ist ja eigentlich egal.) das Outfit von meiner Doktorfeier endlich vervollständigt.

Dann kann’s morgen ja losgehen.

(Besonders stolz bin ich darauf, dass die Jacke, bis ich den Reißverschluss angenäht hab, komplett wendest war, mit überall unsichtbaren Nähten. Hat ein paar Anläufe gebraucht, war im Muster auch nicht vorgesehen [überhaupt war kein Futter vorgesehen, das finde ich ja immer etwas seltsam] aber hat dann doch noch echt gut geklappt.)

Tag 1636 – Hrm.

Also, Herr Rabe hat ganz easy Minecraft installiert, ich habe meinen aufkeimenden Hass deshalb heruntergeschluckt und bin jetzt überzeugt, dass er Voodoo gemacht hat oder Mojang bestochen.

Huh, neuer WordPress-Editor ist seltsam.

Jedenfalls hat Michel heute schon wegen Minecraft geweint (sein Pokémon war k.o.) und Herr Rabe… naja, sehen Sie selbst.

Ja, da stehen noch die Adventskalenderkerzen (ich schmeiße doch nicht zu 1/10 abgebrannte Kerzen weg!) und ja, dem Ficus geht’s nicht gut.

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Vielen vielen Dank für ihre netten und tröstenden Worte. Heute ging es mir schon viel besser. Aber jetzt muss ich dringend ins Bett, gestern Abend war nicht so viel mit Schlaf.

Tag 1634 – Scheiße.

Hallo, Thyreostatika, ich hab euch echt überhaupt nicht vermisst.

Das ist mein 2. Rezidiv, das wird nicht mehr nur mit Medikamenten behandelt. Da muss die Schilddrüse jetzt raus oder sonstwie kaputt gemacht werden. Ich werde den Rest meines Lebens künstliche Schilddrüsenhormone nehmen müssen.

Dabei geht es mir gut. Ich habe keine Symptome. Was ja gut ist, weil das auch heißt, dass ich relativ gelassen ein paar Monate auf der Warteliste zur OP stehen kann.

Aber echt mal. Was für eine Scheiße.

Ich bin sehr traurig und möchte bitte keine Kommentare, ich solle Selen nehmen und Radioiod sei viel besser als OP. Ich weiß das auch alles und die Ärzte hier auch und ich vertraue denen so weit, dass sie mich nicht wissentlich falsch behandeln.

So viel zum Thema „Mehr Routine, weniger Chaos“.

Tag 1633 – Erfolglos die 2.

Ich habe weitere viereinhalb Stunden meines Lebens an Minecraft verschwendet und möchte einfach nur noch Minecraft in Schutt und Asche legen. Was für eine unfassbare Rotze. Alles war besser, damals, als man einen Datenträger oder von mir aus auch vier bis zwanzig Floppy Disks kaufen konnte und dann saß man halt einen halben Tag davor und tauschte Floppy Disks aber am Ende lief alles. Heute lädt man das Spiel und dann lädt man noch ein extra Dings mit dem man die Extensions abspielen kann und dann lädt man die Extension und es läuft einfach mal gar nichts, weil irgendwelche Versionen nicht zusammen passen. Am Ende schickt man wütende Mails mit wüsten Beschimpfungen („schlimmer als Word“) an die Spielevertreibenden und will sein Geld zurück und es dauert weitere viereinhalb Stunden, bis einer nicht mehr kochend heißer Dampf aus den Ohren schießt.

Ich hasse Minecraft und es hat nichts mit dem Spiel an sich zu tun. Yeah.

Abends wütete dann verständlicherweise Michel herum, weil „einfach gar nichts geht, wie es soll“ und zur allgemeinen Gemütsberuhigung habe ich ihm dann eine Hülle für sein Schul-Tablet genäht. Eine zu kaufen gestaltete sich nämlich schwierig, weil da schon so ein dicker Bumper drum ist. Innen ist wasserdichter Stoff, aus Gründen, und gefüttert ist es, damit es etwas stoßfester ist. Den Stoff hat er sich aus meinem Fundus ausgesucht und der ist von der lieben Tanja <3.

Tag 1632 – Erfolglos.

Michel wünscht sich seit Monaten Minecraft. Ich will jetzt hier keine Diskussion lostreten über Computerspiele für Grundschüler, mir ist das komplett egal ob er nun Pokémon im Fernsehen guckt oder Minecraft spielt, sein Gehirn wird sich schon nicht sofort auflösen. Jedenfalls hat Michel da jetzt schon eine Weile drauf gespart, damit er sich Minecraft kaufen kann. Für Mac, weil man nur auf dem Computer die Pokémon-Extension laden kann. Für Mac gibt es das aber nur zum Laden, ein Datenträger ist da gar nicht mehr vorgesehen und im Grunde genommen begrüße ich das auch, aber.

Michel ist sieben. Er hat physisches Geld gespart und will sich davon etwas kaufen. Ich finde (und das ist ganz allein Bauchgefühl, ich kann das nicht belegen oder untermauern), es ist zu früh, um ihm das Taschengeld elektronisch zu bezahlen, damit er sich dafür im Internet Dinge kaufen kann. Ich glaube (s.o.), dass es erst mal verankert sein muss, dass man Geld auf einen Tresen legt und dann etwas (plus Restgeld) über den Tresen gereicht bekommt, bevor man das dann auf das virtuelle Level übertragen kann.

Jedenfalls habe ich das heute mit Herrn Rabe per SMS geklärt und die Devise war: Michel kann sich für die PlayStation den Datenträger kaufen, wir laden die Version für den Mac. Also bestellte ich das per Click and Collect bei Elkjøp, natürlich nicht zentral in Oslo, weil es da nicht vorrätig war, sondern in Storo (im, hihi, Vitaminveien). Und dann fuhr ich mit den Kindern mit dem Zug nach Oslo. Mit zwei aufgekratzten Kindern allein in der Großstadt. Erst Zug, dann laufen, dann T-Bane, dann wieder laufen, im Einkaufszentrum den Elkjøp suchen. Da war ich eigentlich schon gar, ehrlich gesagt, es stresst mich enorm, mit den Kindern, die herumwuseln und weglaufen und ihre Finger in den Spalt bei Fahrstuhltüren stecken unter vielen Leuten zu sein.

Dann sah Pippi Lollies und wollte einen haben. Gleichzeitig verschwand Michel zwischen den DVDs (deren Cover ja schon allein nicht durchgehend FSK 7 sind) und ich stand an der Click und Collect-Kasse an. Ein junger Typ kam, fragte nach meiner Telefonnummer und sagte dann „das muss ich kurz holen“ und verschwand. Er brauchte ewig. Pippi heulte wegen Lolli, Michel trippelte herum, mir war schrecklich warm und drei weitere Kunden durften „mal kurz“ bezahlen, während der Typ Minecraft holte.

Oder auch nicht holte, denn nach ungelogen etwa 10 Minuten kam er mit leeren Händen zurück und meinte „Sorry, haben wir doch nicht.“

„Das können Sie dann ja dem Siebenjährigen erklären!“ meinte ich und meinte das auch überhaupt gar nicht witzig. „Du kannst das im PlayStation-Shop runterladen.“ sagte der Typ zu Michel und wandte sich dem nächsten Kunden zu.

Einigermaßen fassungslos und mit schreulender Pippi (die Lollies!) und großäugigem Michel an der Hand musste ich mich vor dem Laden erst mal auf den Boden setzen. Was für ein Reinfall. Über eine Stunde dahin gegurkt, für nix.

Michel schien das alles gut wegzustecken, aber kaum zu Hause brach er heulend zusammen. Er hatte sich so darauf gefreut, heute Minecraft zu kaufen und wie sollen wir denn nur das Geld in den Fernseher tun und wääähähähä. Ich saß also mit dem Siebenjährigen auf dem Schoß da und tröstete und streichelte seinen Kopf und erklärte und verfluchte innerlich den blöden Typen und den ganzen Laden. Danke für nichts, Elkjøp.

Morgen laden wir dann wie geplant die Computer-Version runter. Ab acht dürfen mich die Kinder dafür wecken. Wie acht Uhr aussieht, musste ich erklären (und dabei kam heraus, dass Michels Armbanduhr wohl kaputt ist, aber das Fass hab ich dann lieber zugelassen).

Und jetzt gehe ich dann gleich ins Bett, weil garantiert um Punkt acht Michel mit meinem Rechner im Zimmer steht.

Tag 16:30 – Genug.

Um 16:30 Uhr wollte ich heute in den Trainingsraum gehen.

In echt ging ich um 16:45 meine Kollegin suchen, um ihr zu sagen, dass ich jetzt trainieren und dann nach Hause gehe und dann das offizielle Dokument, was sie noch durchschauen wollte, eben morgen von zu Hause aus schicke.

Die Kollegin war mit dem Kollegen in einer informellen Besprechung, der Kollege wollte dann auch noch was von mir, die Chefin kam dazu, plötzlich ging es um China und das Corona-Virus und was das für uns als Behörde heißt (jedenfalls keine Aussicht auf Däumchen drehen) und dann war es 17:30 und ich echt nicht mehr motiviert, dann noch zu trainieren.

Das Überstundenkonto schreit freut sich auf großzügige Sommerferien. Das andere, echte Überstundenkonto wird ja dieses Jahr nicht mehr gefüllt, wenn es sich vermeiden lässt, sondern eben alles ausbezahlt. Es sind so schon genug Stunden und dieses Jahr habe ich ja echten, bezahlten Urlaub, wie so eine Erwachsene.

Um das zu feiern, nehme ich morgen direkt mal einen dieser Urlaubstage und gucke mal, wie sich das anfühlt. Der Kindergarten hat nämlich zu. Pippi und ich werden meine neue Brille abholen und dann zu Herrn Rabe in die Hauptstadt fahren und mit ihm Mittag essen. Und dann machen wir noch ein bisschen Gurkenmaske und lackieren die Fußnägel und was Mädels(TM) noch so machen, wenn sie unter sich sind. Hochoffizielle Briefe verschicken. Sowas halt.