Tag 2911 – Normal.

Ich glaube, ich bin wieder in dieser Zeitzone angekommen. Denn ich bin noch wach und das auch recht problemlos. Hurra!

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Heute Morgen lieferte ich Michel beim Korps-Sommerkurs ab. Ich glaube, das wird gut. Ich hab ihm noch mal gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, dass er das durchzieht. Er meinte daraufhin, ob er ne andere Möglichkeit gehabt hätte, worauf ich sagte, naja, heulen und schreien wie letztes Jahr? Da musste er ein bisschen grinsen.

Die Wartezeit bei der Anmeldung überbrückte Michel, indem er mir Löcher zu Energiegewinnung in den Bauch fragte. Warum man nicht einfach mit Strom Strom erzeugen könne und dann immer mehr Strom hätte. Ich war kurz davor, die Hauptsätze der Thermodynamik zu erläutern, beschränkte mich dann aber darauf, die Unmöglichkeit von Perpetuum Mobiles zu nennen, aber die Möglichkeit von Energiespeichern zum Beispiel durch Befüllen von Wasserreservoirs in Zeiten von Energieüberschuss zu erklären. Und Zack, waren wir auch schon dran.

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Nachdem ich wieder zu Hause war, habe ich einen Arzttermin gehabt und meine Abhandlung über meine Seltsamkeiten abgeliefert. Ich bin wohl definitiv nicht so ganz normal, allein dass ich diese Erklärung verfasst habe, spricht, wenn nicht Bände, dann doch mindestens sechs Seiten. Immerhin sind seit nach dem Termin meine nervigen Kopfschmerzen wie weggeblasen. So ein Zufall!

Tag 2910 – Nicht einfaches Wochenende.

Gestern hatte ich übrigens Besuch, bevor ich abends sehr müde wurde. Das wird jetzt ein bisschen kryptisch, sorry, aber raus muss es trotzdem. Das war nämlich jemand von „früher“, also wirklich ganz früher, wir haben uns seit, wenn ich richtig gerechnet habe, 24 Jahren nicht gesehen. Das hatte auch Gründe, vor 24 Jahren waren Dinge nicht so einfach und danach auch nicht und überhaupt. Das machte dann auch, dass ich vor dem Besuch ein bisschen aufgeregt war, die ganze Situation war anfangs sehr seltsam und hölzern, aber dann war es ausgesprochen nett. Es war überraschend gut, mal mit jemandem zu reden, der dieses „früher“ aus einer anderen Perspektive mit erlebt hat. Jetzt habe ich hier außerdem einen USB-Stick mit alten Fotos, in den ich noch nicht rein geguckt habe, weil ich so ganz unbegleitet dann doch nicht unmittelbar in dieses „früher“ zurückgeworfen werden will. Herr Rabe kam aber eben erst von seinem Wochenendtrip zurück, deshalb war die Gelegenheit noch nicht da.

Wie gewohnt nach sozial nicht easy peasy Situationen war ich danach ziemlich alle und wohl auch deshalb gestern Abend extrem müde.

Ich bin trotzdem froh, dass wir das gemacht haben.

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Heute habe ich den Tag dann erst mal damit zugebracht, eine Bestandsaufnahme meiner Awkwardness zu betreiben, schriftlich, für meinen Hausarzt. Es wurde viel Text und war nicht einfach und teilweise schmerzhaft, das so geballt aufzulisten. Irgendwann war es dann auch körperlich schmerzhaft, weil ich Migräne bekam. Oh the joys. Während einer Pause packte ich Michels Tasche für den Korps Sommerkurs, woran teilnehmen zu müssen Michel als Zumutung betrachtet. Noch mehr joys. Ich war da aber dieses Jahr einfach sehr klar und habe mich gar nicht erst auf irgendwelche Diskussionen und Verhandlungen eingelassen und Michel scheint tatsächlich auch den Protest aufgegeben zu haben. Ich hoffe, er lässt sich dann auch darauf ein und hat Spaß – das Argument „ich hab letztes Jahr nur GESAGT, ich hätte Spaß gehabt, damit ihr zufrieden seid!“ kaufe ich ihm nämlich einfach nicht ab. Und zusätzlich weiß ich, dass er, wenn wir ihm das komplett frei überlassen, niemals an sowas teilnehmen würde, also gar keine Chance auf positive soziale Erlebnisse hätte. Ich verstehe ihn da voll – und zwinge ihn trotzdem, gerade weil ich ihn verstehe. Ich Monster.

Tag 2907 – Wieder allein.

Herr Rabe ist heute zu einem guten Freund aufgebrochen, der am Wochenende 40 wird. Damit haben wir seit dem 16. Juni exakt 2 Nächte im selben Bett geschlafen. Seit dem 2. Juni 15, seit dem 19. Mai 23. Sonntag Abend kommt er wieder und dann ist auch echt erst mal gut mit einzeln in der Weltgeschichte herumreisen.

Ich kämpfe weiter tapfer gegen den jet lag. Ich habe mich vorsichtshalber bettfertig gemacht, bevor ich die Kinder ins Bett gebracht habe, ich muss nämlich schon wieder ganz viel blinzeln irgendwie…

Ansonsten war ich heute im Büro und habe die Makulierungstonne gefüttert, das war sehr befriedigend. Jetzt fliegt hier nicht mehr so viel vertrauliches alles mögliche zu Hause rum, während (bald) wochenlang niemand zu Hause ist. Potentielle Bösewichte können jetzt nur ein paar handgeschriebene Notizen finden, aber das will ich sehen, wie die meine Inspektions-Handschrift entziffern wollen. Ich kann manchmal selbst schon nach kurzer Zeit nur noch einen educated guess machen.

Tag 2906 (glaube ich) – Wieder zu Hause.

Ich schreibe mal besser jetzt schon, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ich einschlafe, sobald ich mich irgendwo hinsetze oder gar lege, ca. 1 ist.

Die Reise verlief wundersamer Weise komplett reibungslos. Wir waren sogar eine halbe Stunde früher als geplant in Oslo. Das Gepäck kam an, ich bekam ohne Stress einen Zug und am Bahnhof holten mich Herr Rabe und Michel ab.

Die Kinder freuten sich sehr über die mitgebrachten Kleinigkeiten. Im Kakao-Land ist ja alles bunt und niedlich, das finden beide gut, also hatte ich kleine Anhänger mit niedlichen Figuren mitgebracht. Dazu ein paar Ohrringe für Pippi und eine Kette für Michel, beides aus dem Künstlerviertel in Seoul, handgemacht von einer kleinen, alten Frau in einem sehr sehr kleinen Laden. Eigentlich nicht so ganz im Preisrange für Souvenirs, aber dafür halt auch kein Ramsch.

Heute Morgen (im Flugzeug) und am frühen Nachmittag arbeitete ich ein bisschen, damit wir hoffentlich einen vorläufigen Report noch diese Woche (weil ich nächste Woche Urlaub habe) nach Korea schicken können. Seitdem kämpfe ich eigentlich nur mit diversen Maßnahmen gegen die zunehmende Müdigkeit an. Wäsche waschen und draußen aufhängen, alles auspacken und verräumen, Einkaufen, Spaziergang… trotzdem ist es echt lange her, dass ich um neun Uhr norwegischer Zeit so müde war, dass ich schon vom Zähneputzen phantasiere. Follow-Up von gestern übrigens: ich putzte am Platz die Zähne und schluckte die Zahnpasta. Besser als nicht Zähneputzen. Danach ließ ich mich von den Turbulenzen in den Schlaf schaukeln.

Konzentration ist jedenfalls auch aus. Aber ich bin halt auch seit über 20 Stunden wach und hab davor mit viel Wohlwollen 6 Stunden ineffizient geschlafen.

Tag 2905 – Rückweg.

Ein letzter Inspektionstag, ein Gruppenfoto, ich durfte die Adiletten behalten (als Andenken) und jetzt sitze ich schon wieder im Flugzeug. Das Internet ist so lala, es bleibt irgendwie immer zwischen Mitternacht und ein Uhr, ich würde gerne Zähne putzen und dann schlafen, aber das Anschnallzeichen leuchtet. Vielleicht putze ich einfach hier am Platz? Es schaukelt sehr, wer weiß, wann sich das beruhigt.

Und wer weiß, ob ich das jetzt hochgeladen bekomme. Naja. Gute Nacht jedenfalls.

Tag 2904 – Schon wieder fast um.

Ich sitze auf gepackten Koffern. Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, andererseits freue ich mich auch echt wie Bolle auf zu Hause.

Die Essensreise wurde heute mit einer Schalentiersuppe beendet, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, die aber sehr sehr lecker war. Auch wenn es echt nicht leicht ist, mit Stäbchen die Muschel aus ihrer Schale zu rupfen.

So, Licht aus. Gute Nacht!

Tag 2903 – Tourist.

Heute war ich in Seoul. Alleine. Und ohne Bargeld, weil hey, das hier ist ja Korea, hier ist überall Werbung für 8K OLED und ähnlich avancierten Technikschnickschnack, man kann sicher überall mit Karte zahlen und wenn nicht, gibt’s Geldautomaten. Haha.

Man kann für die Metro keine Tickets mit der Karte kaufen. Zwei Geldautomaten weigerten sich, mir auf zwei probierte Karten Geld auszuhändigen.

Tja.

Also lief ich. Das brachte meinen Plan etwas durcheinander, aber auch nur etwas, statt extra hinzugehen, nahm ich einige Sights einfach auf dem Weg mit.

Dafür lief ich heute auch gute 18 km bei 30 und aufwärts Grad im Schatten (gut, dass ich jetzt portablen Schatten habe!).

Und soll ich Ihnen was sagen? Es war großartig. Auch sehr absurd, stellenweise, stellenweise teuer (handgemachte hübsche Dinge kriegen mich echt gut) und stellenweise echt voll so für mein halbnorwegisches Gemüt.

Jetzt habe ich Blasen, irgendwie trotz fünf Litern (!!!) Wasser heute immer noch Durst, ein komplett nass geschwitztes und mit Sonnencreme verschmiertes Kleid, das hoffentlich trocknet, bis ich es in den Koffer stecken muss, keinen (!!!1elf!) Sonnenbrand* und mit den Schuhen, die ich heute anhatte, kann man kleinere Länder erobern, wenn man sie als chemisch-biologische Waffe einsetzt.

Außerdem bin ich voller Eindrücke. Und müde, müde bin ich auch. Sehr. Das hängt vielleicht auch miteinander zusammen.

Ich und Sunbrella
Hihi.
Da habe ich auch eine Weile meine Füße reingehalten, das war großartig!

Tag 2902 – Wo isses denn nu?

Wir, der Support und ich, haben heute gelernt, dass „fortress“ gar nicht zwingend so ist, dass man eine Mauer hat und alles innerhalb der Mauer ist automatisch dass das Fortress. Weit gefehlt. Sehr weit. Hier ist ein fortress eher ne Stadt in der Stadt. Zumindest in Suwon ist das so.

Weil wir hin- und zurück- und da noch rumliefen, weil wir ja dachten, wir müssten irgendwas fortressmäßiges finden, war danach nicht mehr soooo viel mit mir los. Einen Sonnenschirm habe ich mir gekauft (ich nenne ihn sunbrella, weil ich lustig bin), mein Buch fast ausgelesen und auf Abendessenzeit gewartet. Das erste Restaurant, das ich gestern auf meinem Spaziergang gesehen hatte, war leider bis auf den letzten Platz besetzt, mit mehreren Leuten, die davor schon Schlange standen. Am Ende fanden wir aber doch noch eine Alternative und so kam ich zu Gyozas in Käse-Mais-Soße. Mega lecker war das!

So, jetzt mache ich die Augen zu und freue mich auf morgen. Da fahre ich nach Seoul. Hurra!