Ist platt zum Quadrat ein Viereck oder ein Würfel? Es ist schwierig.
Jedenfalls bin ich sehr fertig. Der Tag war anstrengend, wir haben aber ausgesprochen gut gegessen (ich werde immer mutiger und habe einfach durch zeigen auf die Karte irgendwas nach Optik bestellt – und es war super. In einem Restaurant im Einkaufszentrum nebenan) und auch gut inspiziert. Zum Tagesabschluss habe ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Straßen hier ums Hotel gemacht und dabei tatsächlich Ecken gefunden, die nicht bis zur scheinbaren Sterilität sauber waren.
Ach, und wussten Sie, dass Menschen in Korea ständig ihre Zähne putzen? Nach dem Mittagessen gehen alle zusammen Zähne putzen, die Firma hier hat Mundwasserspender auf dem Klo und die Mitarbeiterinnen haben Zahnbürsten und Zahnpasta auf dem Klo geparkt – da gibt es dafür extra einen Schrank. Ich muss sagen, das finde ich nicht das schlechteste.
Der erste Inspektionstag ist überstanden. Offen gestanden bin ich ziemlich fertig, kämpfe immer noch gegen den Jet lag an (teils eher mäßig erfolgreich, so wie heute morgen um zwei, als ich hellwach war, und auf dem Rückweg im Taxi, als ich einschlief) aaaaaber ich glaube, es ist ganz ok gelaufen bisher. Mein Mit-Inspektor, den ich ja gestern das erste mal überhaupt in 3D gesehen habe, ist sehr nett und überaus professionell. Die in der Firma sind auch nett und nicht so yes-mam-unterwürfig wie in Indien, sondern halt Profis, die ein Nischenprodukt herstellen. Ich glaube allerdings, dass sie uns vorgaukeln, geschlossen kein Englisch zu können. Ich habe zwar eine sehr professionelle Dolmetscherin, aber das hier ist ja nicht tiefste mongolische Provinz. Vom Rest der Kultur her bekommt man eher den Eindruck, ein bisschen mehr westlich wäre ca. New York. Die Leute sind auch überwiegend sehr jung, maximal mein Alter und drunter. Dass die kein Wort Englisch sprechen können die ihrer Oma erzählen, vielleicht dolmetscht die das ja dann. Es ist außerdem ein bisschen offensichtlich, schon zu antworten, sobald ich ausgesprochen habe statt auf die Dolmetscherin zu warten. Whatever, so kann ich üben, mit Dolmetscherin zu arbeiten. Auch ok.
Noch seltsamer als das angebliche nicht-Englisch-können war aber, dass wir gebeten wurden, im Meetingraum unsere Schuhe auszuziehen und Badelatschen anzuziehen. Ich hatte Ballerinas ohne Socken an und war mir für den Rest des Tages meiner Zehen übermäßig bewusst. Für morgen habe ich schon Socken in den Rucksack getan.
Und dann war da noch das Schild auf dem Damenklo, auf dem etwas mit knapp 10 Ausrufezeichen auf Koreanisch stand. Bis ich das aber mit Google translate-Bildersuche raushatte, was vor den vielen Ausrufezeicheb kam, war es aber schon zu spät. Auf dem Schild stand:
Um sieben aufstehen war überhaupt kein Problem. Bis sieben schlafen hingegen schon. Mein Körper fand irgendwie noch nicht, dass Nachtschlafzeit sei und war dauernd wach. Heute war ich deshalb einigermaßen groggy und hatte ein großes Bedürfnis nach sehr sehr viel Kaffee.
Mittags, als mir vorm Computer fast die Augen zufielen, holte ich mir deshalb einen im Shoppingcenter nebenan und machte dann einen Spaziergang, in den Park, der laut Google Maps etwa 1 km vom Hotel entfernt ist. Dabei lernte ich folgendes:
Meine Kreditkarte war für „Asien 1“ gesperrt. Jetzt ist sie entsperrt.
In Korea gibt es nirgendwo draußen Mülleimer. Interessanterweise fliegt aber auch kein Müll rum.
Bei gefühlten 95% Luftfeuchtigkeit und 25 Grad lächelt mein Deo einmal resigniert und macht dann einfach Feierabend.
Koreanischer Park ist mit Mauer drumrum und es gibt nur einen Eingang. Der ist nicht einen, sondern ca. 1,5 km vom Hotel entfernt, und man muss die ganze Zeit an der Hauptstraße lang. So romantisch!
Koreanischer Park ist ebenfalls für mich Hilfsnorwegerin viel zu steril.
Naja, es erfüllte seinen Zweck, danach war ich wacher. Und nass und hatte meinen Kaffeebecher immer noch in der Hand.
Im Laufe des Nachmittages kam auch mein Supporting Inspector an und wir gingen abends zusammen ins Hotelrestaurant essen. Der Inspector ist sehr nett, genau wie in Teams, auch in live. Scheinbar hat der Lieblingskollege in internationalen Fora von mir erzählt und die Erwartungen sind jetzt nicht niedrig. Ähäm.
Heute war ich etwas mutiger und bestellte Bibimbap. Da es mein erstes Mal Bibimbap war, zeigte mir der Kellner auf seinem Handy ein YouTube-Video, wie man das isst. Dem leistete ich Folge und es war wirklich sehr sehr lecker. Besonders lecker war etwas, das ich erst für frittierte Zesten von irgendwas hielt, bis ich entdeckte, dass jede der kleinen Zesten an einem Ende Augen hatte. Es waren winzige Fische, frittiert und sehr gut gewürzt. Und das Kimchi, das war auch sehr lecker. Und überhaupt – ich denke, das wird wieder so eine Essensreise wie nach Indien. Mjammi.
Zum Frühstück war ich auch schon mutig gewesen und habe etwas gegessen, von dem ich nur annahm, zu wissen, was es ist. Ich hatte aber recht.
Die Reise, nachdem der Flug nach Seoul eine Dreiviertel Stunde nach dem Schedule endlich abflog (lokale Zeit in Istanbul dann 02:30, bis ich die Augen zumachen konnte, war es nach 03:00 und ich dann doch auch mal echt platt), verlief sehr smooth. Es wurde zwar ab und an etwas ruppig in der Luft, aber ich kann ja im Normalfall besonders gut schlafen, wenn’s brummt und ruckelt, so auch da. Ich schlief ca. 5,5 Stunden, das ist recht wenig, aber da ich ja jetzt gleich auch schon wieder schlafen sollte, ist das schon ok.
In Korea angekommen, ging es stressfrei weiter. Ich füllte einen Ich-habe-keine-Covid-Symptome-Zettel aus, füllte einen Registration-Zettel aus (es ist Visit Korea-Jahr, viele Länder, unter anderem Norwegen, sind von der Visumspflicht befreit), ging mit 20 Sekunden Wartezeit durch die Passkontrolle und gab die Zettel wieder ab, holte mein Gepäck, das sich schon auf dem Band befand und ging aus dem Flughafen. Da wartete der Taxifahrer mit einem Schild auf mich. Eine halbe Stunde von Landung bis Taxi, das ist rekordverdächtig!
Der Taxifahrer hielt außerdem einen Kaffe Americano für mich bereit, schwarz und heiß, nicht zu stark, und in meinem Kopf war ja auch erst Vormittag, ähäm. Der Fahrer fuhr mich dann zum Hotel und erzählte mir zwischendurch mit Google Translate ein bisschen was, zum Beispiel hat die Stadt, in der ich grad bin, 1,3 Millionen Einwohner*innen. Also… so viele wie Viken. Nur auf 120 Quadratkilometern statt knapp 25.000 Quadratkilometern, also… ca. 200 fache Bevölkerungsdichte. Bin noch ein wenig kulturgeschockt allein davon.
Im Hotel an der Rezeption wurde ich kurz ein bisschen panisch, weil ich meinen Pass nicht fand. Der war in meiner Hosentasche gewesen… vielleicht war er mir im Taxi aus der Tasche gefallen? Mit der Rezeptionistin zusammen rannte ich aus der Lobby, um den Fahrer aufzuhalten, was gut war, denn der Pass lag nicht im, sondern unterm Taxi. Wäre der Fahrer losgefahren, hätte er meinen Pass glatt überfahren, ich weiß nicht, ob der das so mitgemacht hätte.
Im Hotelzimmer diese Aussicht:
…und endlich eine Dusche und frische Kleidung. Aber ganz fix, weil das Restaurant nur bis 9 aufhat und ich musste ja noch Mittag, ähhh, Abendessen essen. Ich hielt mich erst mal an „safes“ Essen, weil ich nur so wenig Zeit hatte und die Auswahl so groß war, dass ich schon Entscheidungsparalyse bekam. Es gab für mich also gebratene Pilze, scharfe Nudeln und Suppe. War schon mal sehr lecker. Zum Nachtisch nahm ich mir ein Häppchen Zitronenmousse, das war gefährlich lecker (ich bin ja jetzt ne Woche hier). Dann wieder ins Hotelzimmer und erst mal auspacken.
Jetzt liege ich hier schon ne Weile auf dem (riesigen! Ich könnte locker noch 2 weitere Erwachsene beherbergen) Bett und warte auf Müdigkeit. Morgen um sieben (bei Ihnen: Mitternacht) muss ich mich auf jeden Fall aus dem Bett peitschen. Das wird interessant.
Mein Weiterflug nach Seoul ist leider ein bisschen verspätet. Davon abgesehen war die Reise bisher allerdings überaus geschmeidig, die größte Katastrophe war, dass ich mir noch in der Lounge in Oslo an meinem Gepäckzettel fies in den Finger geschnitten habe. Eine Mitarbeiterin hat mir dann aber sehr schnell ein Pflaster besorgt.
Ich kann ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz fassen, dass ich hier ganz alleine um die Welt fliege, das ist doch ein Fehler, wer hat denn da nicht aufgepasst, ich kann doch sowas gar nicht! Das ist nur für Erwachsene!
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Pippi ist sehr happy bei ihrem Tanz-Ferienspiel-Gedön. Ich konnte sie heute noch mit abholen, bevor mich Herr Rabe und sie am Bahnhof abgesetzt haben. Das war sehr schön, da konnte ich mich versichern, dass sie es da ausgesprochen gut hat. Hach.
So. Als nächstes melde ich mich von einem anderen Kontinent und in einer komplett anderen Zeitzone.
Es sind nur noch knapp über 20 Grad und es hat sogar geregnet, in einer angenehmen Form, nämlich leichtes, aber stetiges Getröpfel über Stunden. Es ist, als würde die Natur einmal richtig aufatmen. Außer die Fluginsekten, die vielleicht nicht.
Die 3. Kompanie der Königlichen Garde
Die Kinder und ich fuhren heute nach Oslo, zum Tag der offenen Tür der Königlichen Garde (also der Soldaten mit den lustigen Hüten, die besonders gut im Paradieren sind). Die 3. Kompanie ist deren Drill- und Musiktruppe, die haben wir ja letzten Sommer schon mal gesehen, und mit zwei etwas nerdigen Korpskindern fand ich das eine gute Idee. Musik begeistert mich ja generell und auch wenn Marschmusik im Allgemeinen nicht soooo mein Favorit ist (generell dieses ganze militärische daran nicht) ist das, was die Garde spielt, auf einem Niveau, das es wert macht, dafür nach Oslo zu fahren. Außerdem sind das ja Wehrdienstleistende, das heißt, die diesjährige Garde ist eine komplett andere, als die letztjährige. Der Ausflug war auch echt gut, die Musik und der Drill einfach faszinierend, aber sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg passierten Dinge mit den Zügen, auf die ich flexibel reagieren musste, dazu kam, dass Pippi ein stetiger Quell von Geräusch und Bewegung ist, was mich auch stresst, und schon im Zug auf dem Weg zurück war mein Akku dann bedrohlich leer*. Wie Stöpsel gezogen. Das ist blöd, weil es im Nachhinein irgendwie das Erlebnis runterzieht. Anyway, auf dem Rückweg trafen wir dann noch Herrn Rabe, der in unseren Zug zustieg. Da war nicht mehr ganz so schlimm, dass ich mich zu Hause erst mal kurz etwas abschotten musste.
… denn die Verpflichtungen des Tages waren ja noch nicht vorbei, ich musste ja noch packen. Am liebsten hätte ich mich auch einfach heulend geweigert, überhaupt anzufangen, weil ich ja was vergessen könnte, aber ich bin ja nicht mehr 10 und habe mir das mit viel Mühe und ein paar Umarmungen von Herr Rabe verkniffen. Es ist jetzt fertig gepackt, zumindest soweit möglich, morgen kann ich mich noch bis ca. 16 Uhr verrückt machen und Last Minute Dinge in den Koffer werfen und dann geht’s auf nach Korea. Ohgottogott.
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*immerhin merke ich das inzwischen manchmal und mache dann auch, obwohl mit Kindern unterwegs, Kopfhörer rein und Musik an, weil mich das beruhigt und von weiteren Eindrücken (wie redenden Menschen überall) abschottet. Die Kinder haben ja von ner Mutter, die buchstäblich zu nichts mehr in der Lage ist, auch nichts.
Es ist jammern auf hohem Niveau, das ist mir auch klar, aber es ist so warm hier. Norwegische Hitzewelle sind 30 Grad, darüber lachen Sie wahrscheinlich, aber ich gehe langsam ein. Heute hatte Pippi mit ihrer Tanzgruppe einen Auftritt beim Dorffest und wir waren spät dran, deshalb hatte ich mich noch nicht eingecremt. Nachdem ich Pippi abgeliefert hatte, suchte ich mir also ein schattiges Plätzchen unter einer Brücke und schmierte mich mit Lichtschutzfaktor 50 ein. Dazu setzte ich noch einen Sonnenhut auf. Und dann stellte ich mich, wie so eine gute Mutter, auf den Betonplatz vor der Bühne in die pralle Sonne, mittags, und versuchte, nicht darauf zu fokussieren, wo mir überall Schweißtropfen lang liefen. Die Kinder haben super gut getanzt und ich habe auch keinen Sonnenbrand bekommen, wollte danach aber am liebsten den Fluss aussaufen (oder einfach gleich reinspringen, scheiß auf Strömung und schlechtes Vorbild und alles, WAAAAARM!!!). Zu viel mehr als vegetieren war ich danach auch eigentlich gar nicht mehr in der Lage, ich hab aber trotzdem die Wäsche von gefühlten 30 Kindern in zwei Schränke geräumt, weitere Wäsche gewaschen (trocknet immerhin auf der Terrasse super schnell), eingekauft und Essen gemacht. Letzteres war bei dem Wetter auch irgendwie sinnlos, niemand hatte Hunger – das könnte auch mit einigen Eisen den Tag über zusammen hängen. Die Kinder hingen auch nur rum bis zur Bettzeit, wo beide auf ihren Decken liegend, alle Viere von sich gestreckt für maximale Belüftung, einschliefen.
Ich versuche echt nicht zu meckern über Wärme in Norwegen, aber das grad ist mir 2-5 Grad zu warm. Dank Klimawandel ist das wohl aber erst der Anfang vom neuen Normal. So schön, echt, feini den Planeten aufgeheizt bis man in Norwegen Wein anbauen kann, in Italien aber nicht mehr. Kotzi.
Ich fürchte, der Apfelbaum ist hinüber. Das finde ich sehr traurig.
Ich muss höchstwahrscheinlich im nächsten halben Jahr NICHT nach China, das finde ich beruhigend.
Nach zu viel Arbeit und zu viel anderem Kram muss ich jetzt aber erst mal schlafen. Ich bin vorhin schon bei Michel im Bett eingeschlafen, habe dann aber, nachdem ich wieder aufgewacht war, noch draußen gegossen (mit der Kanne dürfen wir!) und Wäsche aufgehängt und mich dabei von Mücken fressen lassen. Die sind hier dieses Jahr zum ersten Mal so richtig schlimm, keine Ahnung wieso, es ist ja total trocken. Ein Hoch auf den Mückenstichbritzler, das ist kurz schlimm aber dann meistens direkt weg.
War heute das vermutlich letzte mal vor meinem Urlaub im Büro. Seltsam. Habe die Lieblingskollegin gezwungen, mit mir Eis zu essen. Das war schön. (Drehe ansonsten weiter am Rad wegen Korea, aber was soll man machen, es wird ja so oder so passieren und dann irgendwie laufen.)
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Michel ging es heute schon viel besser, er hatte sich ja gestern auch sehr gründlich entladen. Auch das sehr ähnlich wie bei mir.
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Pippi hat am Samstag noch einen Tanzauftritt. Heute war Generalprobe dafür und – die sind ja schon sehr niedlich, diese Kleinen. Der Trainerin gebührt allerdings aller Respekt der Welt, so eine Horde kleiner Mädchen im Blick haben, ist echt nicht ohne und wäre absolut nichts für mich. Pippi freut sich sehr auf die Aufführung und hat mir vor und nach der Probe diverse Knöpfe an die Backe gelabert und dazwischen gesungen.
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Herr Rabe fährt (naja, fliegt) morgen mit seiner Arbeit auf die Färöer-Inseln. Der freut sich darauf auch. Außerdem hat er gestern den zweiten Platz beim Mario Cart-Tournier gewonnen, während ich bei der Arbeit so Sachen bespreche wie „Anträge richtig ablehnen“ und „Was ist eine sinnvolle Bußgeldhöhe“. Mir scheint, einer von uns hat den lustigeren Job.
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Es ist so warm. Ich meckere nicht darüber, aber ich meckere darüber, dass es auch so furchtbar trocken ist und ein paar Pflanzen und der Rasen schon leichte Ermüdungserscheinungen zeigen. Klimawandel, so schön.
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Der Geigenlehrer hat mir ein neues Stück gegeben. Jetzt übe ich das Presto aus der 1. Violinsonate von Bach, das ist gleichzeitig überraschend leicht (man bricht sich dabei gar nicht die Finger, faszinierend) und erwartet schwer (2 Seiten in gleichmäßigen, schnellen Sechzehnteln rauf und runter dudeln und es wie Musik klingen lassen ist nichts für Feiglinge). Es geht einfach immer noch ein bisschen weiter, noch mal 8 Takte, nochmal 4, und nochmal acht und dann, etwas überraschend in dem ganzen Fluss, zwei Schlussakkorde. Ta-Taaaa!
Michel ist Ferienreif. Man erkennt es an ständigem Brodeln und häufigen Ausbrüchen. Allerdings bricht Michel auch nicht einfach einmal aus wie eine Explosion. Das geht dann schon mal über Stunden, wie ein Vulkanausbruch, bei dem sich ewig lang Lava über das komplette Umland ergießt. Alle Emotionen der letzten Zeit kommen da auf einmal raus und das Ganze wird sehr tränenreich. Das ist auch sowas, auf das einen keiner vorbereitet. Herr Rabe kennt solche Ausbrüche nicht und ist deshalb sehr besorgt. Ich kenne solche Ausbrüche leider allzu gut und bin hilflos, weil ich ja selbst gar nicht weiß, wie man damit sinnvoll umgeht. Mein Vorgehen wäre „das ist halt so, da muss man durch“, aber ob das so gut ist, keine Ahnung. Hätte es für mich Alternativen gegeben? Keine Ahnung! Gibt es welche für Michel? Keine Ahnung! Ich kann aber auch ganz gut abschätzen, wie sich Michel fühlt und das ist scheiße. Am liebsten würd ich ihn davor irgendwie beschützen, alle doofen, lauten, nervigen Leute für ihn entfernen, und machen, dass er vergessen kann, was irgendwer mal irgendwann gesagt hat und das ihm seither den Schlaf raubt.
Das ist doch scheiße, kann der nicht irgendwas anderes von mir geerbt haben? Irgendwas sinnvolles? Wenn ich könnte, würd ich ihm das alles sofort abnehmen.