Tag 2913 – Blitz und Blink.

Ich hatte heute jede Menge Pläne – und habe kaum was davon umgesetzt, weil ich vier Stunden lang in Pippis Chaoshöhle, ähhhh, Zimmer, aufgeräumt habe. Ja, ich mache das ohne sie, weil ich auf gar keinen Fall will, dass sie es selbst lernt. Nein, ich mache das ohne sie, weil

  • Ich früher immer selbst/alleine aufräumen musste und es trotzdem erst so richtig gelernt habe, als ich ausgezogen bin
  • Ich keine Lust habe, über jede nur noch zu 1/3 vorhandene drei Jahre alte Ü-Ei-Figur zu verhandeln, die ich wegwerfen möchte
  • Sie meistens erst mal eine halbe Stunde heult, bevor sie sehr kurz was aufräumt, was mich wahnsinnig macht, weil ich ohnehin schon aufräumen maximal scheiße finde, auch ohne heulende Kinder
  • Ich alleine wenigstens nebenher Podcasts oder Videos hören kann

Jetzt ist da aber wieder Grund drin. Hallelujah. Was für ein Akt. Dieses Kind legt gerne Haufen an und Aufräumen besteht offenbar meistens nur aus alles in irgendwelche Kisten schmeißen. Ich habe also diverse Haufen und Kramkisten aufgelöst und unter einem besonders großen Haufen sogar ihren Schreibtisch wieder gefunden. Man kann da jetzt noch nicht wieder vom Boden essen, aber man kann viel mehr Fußboden sehen als vorher und morgen kann die Putzhilfe da rein, ohne dass ich in Grund und Boden versinken möchte. Und danach, also wenn die Putzhilfe fertig ist, kann man vom Boden essen. Wenn man das will.

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Abends waren Herr Rabe und ich recht spontan indisch essen und haben ein kleines Paneer-Fest gefeiert. Das war super gut. Hach!

Tag 2912 – Wie früher.

Wir haben kinderfrei! Pippi ist jetzt auch beim Korps-Sommerkurs untergebracht, für ganze zwei Tage, aber immerhin! Yeaaaahhhh!

Nachdem ich Pippi abgeliefert hatte war ich beim Friseur, das war echt nötig. Leider muss ich wohl morgen noch mal hin, an der rechten Schläfe was korrigieren lassen.

Danach hatte ich jede Menge Pläne, die allesamt daran starben, dass mein Körper beschloss, dass ich auf dem Sofa am besten aufgehoben sei. Ich döste und guckte Blödsinn auf YouTube.

Als Herr Rabe kam, kochte er und dann aßen wir auf dem Sofa, was ja sonst strengstens verboten ist, aber es sind ja keine Kinder da, yeaaaahhhh!

Zum Tagesabschluss machten wir zusammen einen Spaziergang zur Tankstelle und kauften uns Eis. So romantisch!

Tag 2911 – Normal.

Ich glaube, ich bin wieder in dieser Zeitzone angekommen. Denn ich bin noch wach und das auch recht problemlos. Hurra!

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Heute Morgen lieferte ich Michel beim Korps-Sommerkurs ab. Ich glaube, das wird gut. Ich hab ihm noch mal gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, dass er das durchzieht. Er meinte daraufhin, ob er ne andere Möglichkeit gehabt hätte, worauf ich sagte, naja, heulen und schreien wie letztes Jahr? Da musste er ein bisschen grinsen.

Die Wartezeit bei der Anmeldung überbrückte Michel, indem er mir Löcher zu Energiegewinnung in den Bauch fragte. Warum man nicht einfach mit Strom Strom erzeugen könne und dann immer mehr Strom hätte. Ich war kurz davor, die Hauptsätze der Thermodynamik zu erläutern, beschränkte mich dann aber darauf, die Unmöglichkeit von Perpetuum Mobiles zu nennen, aber die Möglichkeit von Energiespeichern zum Beispiel durch Befüllen von Wasserreservoirs in Zeiten von Energieüberschuss zu erklären. Und Zack, waren wir auch schon dran.

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Nachdem ich wieder zu Hause war, habe ich einen Arzttermin gehabt und meine Abhandlung über meine Seltsamkeiten abgeliefert. Ich bin wohl definitiv nicht so ganz normal, allein dass ich diese Erklärung verfasst habe, spricht, wenn nicht Bände, dann doch mindestens sechs Seiten. Immerhin sind seit nach dem Termin meine nervigen Kopfschmerzen wie weggeblasen. So ein Zufall!

Tag 2910 – Nicht einfaches Wochenende.

Gestern hatte ich übrigens Besuch, bevor ich abends sehr müde wurde. Das wird jetzt ein bisschen kryptisch, sorry, aber raus muss es trotzdem. Das war nämlich jemand von „früher“, also wirklich ganz früher, wir haben uns seit, wenn ich richtig gerechnet habe, 24 Jahren nicht gesehen. Das hatte auch Gründe, vor 24 Jahren waren Dinge nicht so einfach und danach auch nicht und überhaupt. Das machte dann auch, dass ich vor dem Besuch ein bisschen aufgeregt war, die ganze Situation war anfangs sehr seltsam und hölzern, aber dann war es ausgesprochen nett. Es war überraschend gut, mal mit jemandem zu reden, der dieses „früher“ aus einer anderen Perspektive mit erlebt hat. Jetzt habe ich hier außerdem einen USB-Stick mit alten Fotos, in den ich noch nicht rein geguckt habe, weil ich so ganz unbegleitet dann doch nicht unmittelbar in dieses „früher“ zurückgeworfen werden will. Herr Rabe kam aber eben erst von seinem Wochenendtrip zurück, deshalb war die Gelegenheit noch nicht da.

Wie gewohnt nach sozial nicht easy peasy Situationen war ich danach ziemlich alle und wohl auch deshalb gestern Abend extrem müde.

Ich bin trotzdem froh, dass wir das gemacht haben.

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Heute habe ich den Tag dann erst mal damit zugebracht, eine Bestandsaufnahme meiner Awkwardness zu betreiben, schriftlich, für meinen Hausarzt. Es wurde viel Text und war nicht einfach und teilweise schmerzhaft, das so geballt aufzulisten. Irgendwann war es dann auch körperlich schmerzhaft, weil ich Migräne bekam. Oh the joys. Während einer Pause packte ich Michels Tasche für den Korps Sommerkurs, woran teilnehmen zu müssen Michel als Zumutung betrachtet. Noch mehr joys. Ich war da aber dieses Jahr einfach sehr klar und habe mich gar nicht erst auf irgendwelche Diskussionen und Verhandlungen eingelassen und Michel scheint tatsächlich auch den Protest aufgegeben zu haben. Ich hoffe, er lässt sich dann auch darauf ein und hat Spaß – das Argument „ich hab letztes Jahr nur GESAGT, ich hätte Spaß gehabt, damit ihr zufrieden seid!“ kaufe ich ihm nämlich einfach nicht ab. Und zusätzlich weiß ich, dass er, wenn wir ihm das komplett frei überlassen, niemals an sowas teilnehmen würde, also gar keine Chance auf positive soziale Erlebnisse hätte. Ich verstehe ihn da voll – und zwinge ihn trotzdem, gerade weil ich ihn verstehe. Ich Monster.

Tag 2907 – Wieder allein.

Herr Rabe ist heute zu einem guten Freund aufgebrochen, der am Wochenende 40 wird. Damit haben wir seit dem 16. Juni exakt 2 Nächte im selben Bett geschlafen. Seit dem 2. Juni 15, seit dem 19. Mai 23. Sonntag Abend kommt er wieder und dann ist auch echt erst mal gut mit einzeln in der Weltgeschichte herumreisen.

Ich kämpfe weiter tapfer gegen den jet lag. Ich habe mich vorsichtshalber bettfertig gemacht, bevor ich die Kinder ins Bett gebracht habe, ich muss nämlich schon wieder ganz viel blinzeln irgendwie…

Ansonsten war ich heute im Büro und habe die Makulierungstonne gefüttert, das war sehr befriedigend. Jetzt fliegt hier nicht mehr so viel vertrauliches alles mögliche zu Hause rum, während (bald) wochenlang niemand zu Hause ist. Potentielle Bösewichte können jetzt nur ein paar handgeschriebene Notizen finden, aber das will ich sehen, wie die meine Inspektions-Handschrift entziffern wollen. Ich kann manchmal selbst schon nach kurzer Zeit nur noch einen educated guess machen.

Tag 2906 (glaube ich) – Wieder zu Hause.

Ich schreibe mal besser jetzt schon, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ich einschlafe, sobald ich mich irgendwo hinsetze oder gar lege, ca. 1 ist.

Die Reise verlief wundersamer Weise komplett reibungslos. Wir waren sogar eine halbe Stunde früher als geplant in Oslo. Das Gepäck kam an, ich bekam ohne Stress einen Zug und am Bahnhof holten mich Herr Rabe und Michel ab.

Die Kinder freuten sich sehr über die mitgebrachten Kleinigkeiten. Im Kakao-Land ist ja alles bunt und niedlich, das finden beide gut, also hatte ich kleine Anhänger mit niedlichen Figuren mitgebracht. Dazu ein paar Ohrringe für Pippi und eine Kette für Michel, beides aus dem Künstlerviertel in Seoul, handgemacht von einer kleinen, alten Frau in einem sehr sehr kleinen Laden. Eigentlich nicht so ganz im Preisrange für Souvenirs, aber dafür halt auch kein Ramsch.

Heute Morgen (im Flugzeug) und am frühen Nachmittag arbeitete ich ein bisschen, damit wir hoffentlich einen vorläufigen Report noch diese Woche (weil ich nächste Woche Urlaub habe) nach Korea schicken können. Seitdem kämpfe ich eigentlich nur mit diversen Maßnahmen gegen die zunehmende Müdigkeit an. Wäsche waschen und draußen aufhängen, alles auspacken und verräumen, Einkaufen, Spaziergang… trotzdem ist es echt lange her, dass ich um neun Uhr norwegischer Zeit so müde war, dass ich schon vom Zähneputzen phantasiere. Follow-Up von gestern übrigens: ich putzte am Platz die Zähne und schluckte die Zahnpasta. Besser als nicht Zähneputzen. Danach ließ ich mich von den Turbulenzen in den Schlaf schaukeln.

Konzentration ist jedenfalls auch aus. Aber ich bin halt auch seit über 20 Stunden wach und hab davor mit viel Wohlwollen 6 Stunden ineffizient geschlafen.

Tag 2905 – Rückweg.

Ein letzter Inspektionstag, ein Gruppenfoto, ich durfte die Adiletten behalten (als Andenken) und jetzt sitze ich schon wieder im Flugzeug. Das Internet ist so lala, es bleibt irgendwie immer zwischen Mitternacht und ein Uhr, ich würde gerne Zähne putzen und dann schlafen, aber das Anschnallzeichen leuchtet. Vielleicht putze ich einfach hier am Platz? Es schaukelt sehr, wer weiß, wann sich das beruhigt.

Und wer weiß, ob ich das jetzt hochgeladen bekomme. Naja. Gute Nacht jedenfalls.

Tag 2904 – Schon wieder fast um.

Ich sitze auf gepackten Koffern. Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, andererseits freue ich mich auch echt wie Bolle auf zu Hause.

Die Essensreise wurde heute mit einer Schalentiersuppe beendet, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, die aber sehr sehr lecker war. Auch wenn es echt nicht leicht ist, mit Stäbchen die Muschel aus ihrer Schale zu rupfen.

So, Licht aus. Gute Nacht!