Tag 2906 (glaube ich) – Wieder zu Hause.

Ich schreibe mal besser jetzt schon, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ich einschlafe, sobald ich mich irgendwo hinsetze oder gar lege, ca. 1 ist.

Die Reise verlief wundersamer Weise komplett reibungslos. Wir waren sogar eine halbe Stunde früher als geplant in Oslo. Das Gepäck kam an, ich bekam ohne Stress einen Zug und am Bahnhof holten mich Herr Rabe und Michel ab.

Die Kinder freuten sich sehr über die mitgebrachten Kleinigkeiten. Im Kakao-Land ist ja alles bunt und niedlich, das finden beide gut, also hatte ich kleine Anhänger mit niedlichen Figuren mitgebracht. Dazu ein paar Ohrringe für Pippi und eine Kette für Michel, beides aus dem Künstlerviertel in Seoul, handgemacht von einer kleinen, alten Frau in einem sehr sehr kleinen Laden. Eigentlich nicht so ganz im Preisrange für Souvenirs, aber dafür halt auch kein Ramsch.

Heute Morgen (im Flugzeug) und am frühen Nachmittag arbeitete ich ein bisschen, damit wir hoffentlich einen vorläufigen Report noch diese Woche (weil ich nächste Woche Urlaub habe) nach Korea schicken können. Seitdem kämpfe ich eigentlich nur mit diversen Maßnahmen gegen die zunehmende Müdigkeit an. Wäsche waschen und draußen aufhängen, alles auspacken und verräumen, Einkaufen, Spaziergang… trotzdem ist es echt lange her, dass ich um neun Uhr norwegischer Zeit so müde war, dass ich schon vom Zähneputzen phantasiere. Follow-Up von gestern übrigens: ich putzte am Platz die Zähne und schluckte die Zahnpasta. Besser als nicht Zähneputzen. Danach ließ ich mich von den Turbulenzen in den Schlaf schaukeln.

Konzentration ist jedenfalls auch aus. Aber ich bin halt auch seit über 20 Stunden wach und hab davor mit viel Wohlwollen 6 Stunden ineffizient geschlafen.

Tag 2905 – Rückweg.

Ein letzter Inspektionstag, ein Gruppenfoto, ich durfte die Adiletten behalten (als Andenken) und jetzt sitze ich schon wieder im Flugzeug. Das Internet ist so lala, es bleibt irgendwie immer zwischen Mitternacht und ein Uhr, ich würde gerne Zähne putzen und dann schlafen, aber das Anschnallzeichen leuchtet. Vielleicht putze ich einfach hier am Platz? Es schaukelt sehr, wer weiß, wann sich das beruhigt.

Und wer weiß, ob ich das jetzt hochgeladen bekomme. Naja. Gute Nacht jedenfalls.

Tag 2904 – Schon wieder fast um.

Ich sitze auf gepackten Koffern. Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, andererseits freue ich mich auch echt wie Bolle auf zu Hause.

Die Essensreise wurde heute mit einer Schalentiersuppe beendet, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, die aber sehr sehr lecker war. Auch wenn es echt nicht leicht ist, mit Stäbchen die Muschel aus ihrer Schale zu rupfen.

So, Licht aus. Gute Nacht!

Tag 2903 – Tourist.

Heute war ich in Seoul. Alleine. Und ohne Bargeld, weil hey, das hier ist ja Korea, hier ist überall Werbung für 8K OLED und ähnlich avancierten Technikschnickschnack, man kann sicher überall mit Karte zahlen und wenn nicht, gibt’s Geldautomaten. Haha.

Man kann für die Metro keine Tickets mit der Karte kaufen. Zwei Geldautomaten weigerten sich, mir auf zwei probierte Karten Geld auszuhändigen.

Tja.

Also lief ich. Das brachte meinen Plan etwas durcheinander, aber auch nur etwas, statt extra hinzugehen, nahm ich einige Sights einfach auf dem Weg mit.

Dafür lief ich heute auch gute 18 km bei 30 und aufwärts Grad im Schatten (gut, dass ich jetzt portablen Schatten habe!).

Und soll ich Ihnen was sagen? Es war großartig. Auch sehr absurd, stellenweise, stellenweise teuer (handgemachte hübsche Dinge kriegen mich echt gut) und stellenweise echt voll so für mein halbnorwegisches Gemüt.

Jetzt habe ich Blasen, irgendwie trotz fünf Litern (!!!) Wasser heute immer noch Durst, ein komplett nass geschwitztes und mit Sonnencreme verschmiertes Kleid, das hoffentlich trocknet, bis ich es in den Koffer stecken muss, keinen (!!!1elf!) Sonnenbrand* und mit den Schuhen, die ich heute anhatte, kann man kleinere Länder erobern, wenn man sie als chemisch-biologische Waffe einsetzt.

Außerdem bin ich voller Eindrücke. Und müde, müde bin ich auch. Sehr. Das hängt vielleicht auch miteinander zusammen.

Ich und Sunbrella
Hihi.
Da habe ich auch eine Weile meine Füße reingehalten, das war großartig!

Tag 2902 – Wo isses denn nu?

Wir, der Support und ich, haben heute gelernt, dass „fortress“ gar nicht zwingend so ist, dass man eine Mauer hat und alles innerhalb der Mauer ist automatisch dass das Fortress. Weit gefehlt. Sehr weit. Hier ist ein fortress eher ne Stadt in der Stadt. Zumindest in Suwon ist das so.

Weil wir hin- und zurück- und da noch rumliefen, weil wir ja dachten, wir müssten irgendwas fortressmäßiges finden, war danach nicht mehr soooo viel mit mir los. Einen Sonnenschirm habe ich mir gekauft (ich nenne ihn sunbrella, weil ich lustig bin), mein Buch fast ausgelesen und auf Abendessenzeit gewartet. Das erste Restaurant, das ich gestern auf meinem Spaziergang gesehen hatte, war leider bis auf den letzten Platz besetzt, mit mehreren Leuten, die davor schon Schlange standen. Am Ende fanden wir aber doch noch eine Alternative und so kam ich zu Gyozas in Käse-Mais-Soße. Mega lecker war das!

So, jetzt mache ich die Augen zu und freue mich auf morgen. Da fahre ich nach Seoul. Hurra!

Tag 2901 – Platt^2.

Ist platt zum Quadrat ein Viereck oder ein Würfel? Es ist schwierig.

Jedenfalls bin ich sehr fertig. Der Tag war anstrengend, wir haben aber ausgesprochen gut gegessen (ich werde immer mutiger und habe einfach durch zeigen auf die Karte irgendwas nach Optik bestellt – und es war super. In einem Restaurant im Einkaufszentrum nebenan) und auch gut inspiziert. Zum Tagesabschluss habe ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Straßen hier ums Hotel gemacht und dabei tatsächlich Ecken gefunden, die nicht bis zur scheinbaren Sterilität sauber waren.

Ach, und wussten Sie, dass Menschen in Korea ständig ihre Zähne putzen? Nach dem Mittagessen gehen alle zusammen Zähne putzen, die Firma hier hat Mundwasserspender auf dem Klo und die Mitarbeiterinnen haben Zahnbürsten und Zahnpasta auf dem Klo geparkt – da gibt es dafür extra einen Schrank. Ich muss sagen, das finde ich nicht das schlechteste.

Tag 2900 – Öfter mal was neues.

Der erste Inspektionstag ist überstanden. Offen gestanden bin ich ziemlich fertig, kämpfe immer noch gegen den Jet lag an (teils eher mäßig erfolgreich, so wie heute morgen um zwei, als ich hellwach war, und auf dem Rückweg im Taxi, als ich einschlief) aaaaaber ich glaube, es ist ganz ok gelaufen bisher. Mein Mit-Inspektor, den ich ja gestern das erste mal überhaupt in 3D gesehen habe, ist sehr nett und überaus professionell. Die in der Firma sind auch nett und nicht so yes-mam-unterwürfig wie in Indien, sondern halt Profis, die ein Nischenprodukt herstellen. Ich glaube allerdings, dass sie uns vorgaukeln, geschlossen kein Englisch zu können. Ich habe zwar eine sehr professionelle Dolmetscherin, aber das hier ist ja nicht tiefste mongolische Provinz. Vom Rest der Kultur her bekommt man eher den Eindruck, ein bisschen mehr westlich wäre ca. New York. Die Leute sind auch überwiegend sehr jung, maximal mein Alter und drunter. Dass die kein Wort Englisch sprechen können die ihrer Oma erzählen, vielleicht dolmetscht die das ja dann. Es ist außerdem ein bisschen offensichtlich, schon zu antworten, sobald ich ausgesprochen habe statt auf die Dolmetscherin zu warten. Whatever, so kann ich üben, mit Dolmetscherin zu arbeiten. Auch ok.

Noch seltsamer als das angebliche nicht-Englisch-können war aber, dass wir gebeten wurden, im Meetingraum unsere Schuhe auszuziehen und Badelatschen anzuziehen. Ich hatte Ballerinas ohne Socken an und war mir für den Rest des Tages meiner Zehen übermäßig bewusst. Für morgen habe ich schon Socken in den Rucksack getan.

Und dann war da noch das Schild auf dem Damenklo, auf dem etwas mit knapp 10 Ausrufezeichen auf Koreanisch stand. Bis ich das aber mit Google translate-Bildersuche raushatte, was vor den vielen Ausrufezeicheb kam, war es aber schon zu spät. Auf dem Schild stand:

Tag 2899 – Essensvideos und Dunst.

Um sieben aufstehen war überhaupt kein Problem. Bis sieben schlafen hingegen schon. Mein Körper fand irgendwie noch nicht, dass Nachtschlafzeit sei und war dauernd wach. Heute war ich deshalb einigermaßen groggy und hatte ein großes Bedürfnis nach sehr sehr viel Kaffee.

Mittags, als mir vorm Computer fast die Augen zufielen, holte ich mir deshalb einen im Shoppingcenter nebenan und machte dann einen Spaziergang, in den Park, der laut Google Maps etwa 1 km vom Hotel entfernt ist. Dabei lernte ich folgendes:

  • Meine Kreditkarte war für „Asien 1“ gesperrt. Jetzt ist sie entsperrt.
  • In Korea gibt es nirgendwo draußen Mülleimer. Interessanterweise fliegt aber auch kein Müll rum.
  • Bei gefühlten 95% Luftfeuchtigkeit und 25 Grad lächelt mein Deo einmal resigniert und macht dann einfach Feierabend.
  • Koreanischer Park ist mit Mauer drumrum und es gibt nur einen Eingang. Der ist nicht einen, sondern ca. 1,5 km vom Hotel entfernt, und man muss die ganze Zeit an der Hauptstraße lang. So romantisch!
  • Koreanischer Park ist ebenfalls für mich Hilfsnorwegerin viel zu steril.

Naja, es erfüllte seinen Zweck, danach war ich wacher. Und nass und hatte meinen Kaffeebecher immer noch in der Hand.

Im Laufe des Nachmittages kam auch mein Supporting Inspector an und wir gingen abends zusammen ins Hotelrestaurant essen. Der Inspector ist sehr nett, genau wie in Teams, auch in live. Scheinbar hat der Lieblingskollege in internationalen Fora von mir erzählt und die Erwartungen sind jetzt nicht niedrig. Ähäm.

Heute war ich etwas mutiger und bestellte Bibimbap. Da es mein erstes Mal Bibimbap war, zeigte mir der Kellner auf seinem Handy ein YouTube-Video, wie man das isst. Dem leistete ich Folge und es war wirklich sehr sehr lecker. Besonders lecker war etwas, das ich erst für frittierte Zesten von irgendwas hielt, bis ich entdeckte, dass jede der kleinen Zesten an einem Ende Augen hatte. Es waren winzige Fische, frittiert und sehr gut gewürzt. Und das Kimchi, das war auch sehr lecker. Und überhaupt – ich denke, das wird wieder so eine Essensreise wie nach Indien. Mjammi.

Zum Frühstück war ich auch schon mutig gewesen und habe etwas gegessen, von dem ich nur annahm, zu wissen, was es ist. Ich hatte aber recht.

Eine frische Litchi.

Tag 2898 – Angekommen (durchatmen).

Die Reise, nachdem der Flug nach Seoul eine Dreiviertel Stunde nach dem Schedule endlich abflog (lokale Zeit in Istanbul dann 02:30, bis ich die Augen zumachen konnte, war es nach 03:00 und ich dann doch auch mal echt platt), verlief sehr smooth. Es wurde zwar ab und an etwas ruppig in der Luft, aber ich kann ja im Normalfall besonders gut schlafen, wenn’s brummt und ruckelt, so auch da. Ich schlief ca. 5,5 Stunden, das ist recht wenig, aber da ich ja jetzt gleich auch schon wieder schlafen sollte, ist das schon ok.

In Korea angekommen, ging es stressfrei weiter. Ich füllte einen Ich-habe-keine-Covid-Symptome-Zettel aus, füllte einen Registration-Zettel aus (es ist Visit Korea-Jahr, viele Länder, unter anderem Norwegen, sind von der Visumspflicht befreit), ging mit 20 Sekunden Wartezeit durch die Passkontrolle und gab die Zettel wieder ab, holte mein Gepäck, das sich schon auf dem Band befand und ging aus dem Flughafen. Da wartete der Taxifahrer mit einem Schild auf mich. Eine halbe Stunde von Landung bis Taxi, das ist rekordverdächtig!

Der Taxifahrer hielt außerdem einen Kaffe Americano für mich bereit, schwarz und heiß, nicht zu stark, und in meinem Kopf war ja auch erst Vormittag, ähäm. Der Fahrer fuhr mich dann zum Hotel und erzählte mir zwischendurch mit Google Translate ein bisschen was, zum Beispiel hat die Stadt, in der ich grad bin, 1,3 Millionen Einwohner*innen. Also… so viele wie Viken. Nur auf 120 Quadratkilometern statt knapp 25.000 Quadratkilometern, also… ca. 200 fache Bevölkerungsdichte. Bin noch ein wenig kulturgeschockt allein davon.

Im Hotel an der Rezeption wurde ich kurz ein bisschen panisch, weil ich meinen Pass nicht fand. Der war in meiner Hosentasche gewesen… vielleicht war er mir im Taxi aus der Tasche gefallen? Mit der Rezeptionistin zusammen rannte ich aus der Lobby, um den Fahrer aufzuhalten, was gut war, denn der Pass lag nicht im, sondern unterm Taxi. Wäre der Fahrer losgefahren, hätte er meinen Pass glatt überfahren, ich weiß nicht, ob der das so mitgemacht hätte.

Im Hotelzimmer diese Aussicht:

…und endlich eine Dusche und frische Kleidung. Aber ganz fix, weil das Restaurant nur bis 9 aufhat und ich musste ja noch Mittag, ähhh, Abendessen essen. Ich hielt mich erst mal an „safes“ Essen, weil ich nur so wenig Zeit hatte und die Auswahl so groß war, dass ich schon Entscheidungsparalyse bekam. Es gab für mich also gebratene Pilze, scharfe Nudeln und Suppe. War schon mal sehr lecker. Zum Nachtisch nahm ich mir ein Häppchen Zitronenmousse, das war gefährlich lecker (ich bin ja jetzt ne Woche hier). Dann wieder ins Hotelzimmer und erst mal auspacken.

Jetzt liege ich hier schon ne Weile auf dem (riesigen! Ich könnte locker noch 2 weitere Erwachsene beherbergen) Bett und warte auf Müdigkeit. Morgen um sieben (bei Ihnen: Mitternacht) muss ich mich auf jeden Fall aus dem Bett peitschen. Das wird interessant.

Tag 2897 – Grüße aus Istanbul.

Die Reise nach Korea hat begonnen. Dazu passend:

Mein Weiterflug nach Seoul ist leider ein bisschen verspätet. Davon abgesehen war die Reise bisher allerdings überaus geschmeidig, die größte Katastrophe war, dass ich mir noch in der Lounge in Oslo an meinem Gepäckzettel fies in den Finger geschnitten habe. Eine Mitarbeiterin hat mir dann aber sehr schnell ein Pflaster besorgt.

Ich kann ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz fassen, dass ich hier ganz alleine um die Welt fliege, das ist doch ein Fehler, wer hat denn da nicht aufgepasst, ich kann doch sowas gar nicht! Das ist nur für Erwachsene!

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Pippi ist sehr happy bei ihrem Tanz-Ferienspiel-Gedön. Ich konnte sie heute noch mit abholen, bevor mich Herr Rabe und sie am Bahnhof abgesetzt haben. Das war sehr schön, da konnte ich mich versichern, dass sie es da ausgesprochen gut hat. Hach.

So. Als nächstes melde ich mich von einem anderen Kontinent und in einer komplett anderen Zeitzone.