Tag 2891 – Langsam…

… drehe ich am Rad. In einer Woche um diese Zeit bin in Korea und zwar noch nicht wichtig, aber dafür wahrscheinlich furchtbar gejetlagt. Dann ist auch morgens und ich müsste jetzt so ca. beim Frühstück sitzen. Ohgottogottogott.

Einziger Trost ist, dass alle glauben, dass ich das schon hinkriegen werde. Also irgendwie wird das schon laufen, da bin ich auch ganz sicher. Die Qualität und die erforderliche Souveränität wird sich zeigen, ob ich die aufbringen kann.

(Ohgottogott.)

___

Was anderes: hier ist es echt warm. Wär voll gut, wenn man das auch genießen könnte und nicht viel zu viel Zeit vorm Rechner zu kleben, damit alles(TM) noch fertig(TM) wird. Haha.

___

Noch was anderes: den Kindern geht es schon wieder so gut, dass sie den ganzen Tag ausdauernd streiten können. Morgen gehen sie wieder in die Schule.

Tag 2884 – Der übliche Wahnsinn.

Warum sind diese letzten Wochen vorm Sommerurlaub nur immer so ein Marathon? Alles muss irgendwie noch fertig werden, am besten bis gestern, und jemand(TM) reist ja auch noch nach Korea (so langsam fange ich deshalb an zu hyperventilieren, was habe ich da getan, ahhhhh!), Urlaub will geplant werden, Sommerfeste überall und ich möchte eigentlich nur schlafen bis Juli, dann habe ich nämlich Urlaub und da kann ich weiter schlafen.

Stattdessen schlafe ich zu wenig und arbeite viel zu viel, um alles fertig zu kriegen. Tjanun. Noch anderthalb Wochen Schule, noch dreieinhalb Wochen Arbeit. Ächz.

Einziger Bonus heute: die Ausschusssitzung der Kommune ging nur halb so lang wie veranschlagt. Und da ich mit dem Auto da war (weil ich bis 15 Minuten vor der Sitzung noch gearbeitet habe), war ich um kurz nach halb acht deshalb schon wieder zu Hause. Hurra!

Tag 2862 – Wahhh!

Zu viel Arbeit für zu wenig Zeit, morgen noch und dann ist erst mal ne Woche Urlaub, das ist auch echt sehr nötig, die saufen alle Lack da und können das gerne mal ne Weile ohne mich tun.

Außerdem heute alles vergessen, Sportzeug, Mittagessen, Thermotasse im Rucksack (seit Donnerstag, bah!). Wer’s nicht im Kopp hat, der muss es auf dem Konto haben und Mittagessen kaufen. Immerhin gab es heute Fisch und nicht wie sonst die Wahl zwischen irgendwas mit Fleisch und Salat. Meine Kollegin aus dem hohen Norden meinte aber nur „ist das Fisch? Normalerweise sieht der nicht… so aus“. Mit „so“ meinte sie „so kompakt“, der war halt nicht sonderlich kunstvoll zubereitet und dann trocken und gummiartig geworden.

Unsere Kantine ist echt nicht so der Knüller.

Tag 2859 – Nach hinten raus ok.

Sozialkater am Tagesanfang. Wollte eigentlich nur aus dem Fenster gucken und den Blumen beim Wachsen zusehen.

Habe trotzdem gearbeitet, auch mehr oder weniger produktiv, nur nicht zwingend an den Sachen, an denen ich produktiv sein sollte. Tjanun. Eben vieles anderes gemacht.

Nach der Arbeit endlich die Weide beschnitten und die der Nachbarn gleich mit. Die hatte es noch nötiger als unsere, da waren schon viele Zweige tot. Man muss dazu sagen, dass sie auf der anderen Seite von unserem Hochbeet steht, noch nahezu auf unserem Grundstück, und unsere Weide ist 2 Meter weiter. Die Sonne schien und es war nun echt kein großer Akt. Ich hoffe nur, dass die Nachbarn nicht böse sind, die waren nämlich nicht da, als ich drauf los schnippelte.

Damit lose zusammenhängend werden wir am Wochenende dringend Unkraut jäten und die Himbeere am Einnehmen des Hochbeets hindern müssen.

Abends habe ich Geige geübt und es wird echt. Ich bin recht zufrieden.

Michel schläft heute bei seinem Schulfreund, das ist immer noch sehr ungewohnt, wenn er nicht da ist. Aber auch irgendwie schön, vor allem, dass er einen Freund gefunden hat, bei dem er sich so wohl fühlt, dass er da von sich aus übernachten möchte.

Der Tag hatte einen deutlichen Aufwärtstrend. Ich hab trotzdem einen Arzttermin ausgemacht, vielleicht möchte ja doch noch mal wer rausfinden, warum ich so seltsam bin.

Tag 2858 – Overpeopled.

Nun ja, ich dachte, es wäre inzwischen besser, aber ein ganzer Tag unter vielen Leuten, zu denen ich kollegiale Beziehungen habe, ist zu viel, auch wenn es nett ist. Am Ende möchte ich nur noch heulen. Könnte es jetzt wieder auf das Restaurant schieben, auf die Menschen, die Sitzplatzanordnung, dass alle durcheinander reden und die Musik zu laut war (war sie vermutlich nur in meinen Ohren), aber machen wir uns nichts vor: die meisten Menschen kommen damit klar. Die meisten Menschen zucken nicht zusammen, wenn eine Kollegin lacht. Die meisten, zumindest am Tisch, wollten sich gerne mit mehreren anderen gleichzeitig unterhalten. Ich möchte das nicht. Ich möchte mich eigentlich gar nicht so gerne zu mehr als einer Person gleichzeitig verhalten müssen, jedenfalls nicht, wenn von mir erwartet wird (was ich ja von mir selbst auch erwarte), dass ich genau passend viel rede, genau passend lebendig und unterhaltsam bin und die richtigen Dinge sage, mit denen ich nicht overshare und nicht zu abweisend und unpersönlich bin. Manchmal gelingt mir das besser als heute. Heute war ich darin echt mies, was sich darin äußert, dass ich all das nur wenige Minuten am Stück kann und dann minutenlang Löcher in die Luft starre, bis der Akku wieder minimale Ladung hat. Heute konnte ich eigentlich nur Vier-Augen-Unterhaltungen führen, alles andere war zu viel.

Ich möchte so nicht sein, eigentlich. Ich mag die ja alle. Nur halt am liebsten einzeln.

(Mir ist übrigens sehr klar, dass das höchstwahrscheinlich niemandem aufgefallen ist. Aber mir ist es sehr stark an mir aufgefallen.)

Eine mögliche Lösung, die ich bei Gelegenheit ausprobieren muss, ist, eine Pause zwischen Arbeit und Sozialtralala zu haben, 30 Minuten allein irgendwo rumliegen oder Spazieren gehen oder so.

Was ganz anderes: Das Werk wird umbenannt. Es ist tragisch. Es gibt eine von der Regierung beschlossene Umorganisation der „Zentralen Gesundheitsverwaltung“, was 5 Etats umfasst und jetzt wird da ein wenig umsortiert. Wir kriegen Funktionen dazu, damit hat niemand so richtig gerechnet, und wir kriegen einen neuen Namen, der nach staubiger Bürokratie in grauen Anzügen klingt. Wir werden ein Direktorat (wir waren immer schon einem Direktorat gleichgestellt, hießen nur nicht so) und der Rest des Namens erinnert mich an Stützstrümpfe und Kompressen. Mach’s gut, Werk, es war schön mit dir, ab 2024 dann Direktorat. Seufz.

Tag 2856 – Ambitioniert.

Ich hab mir bei der Arbeit zu viel vorgenommen und musste heute zu Kreuze kriechen und fragen, was davon wichtiger ist als das andere, weil mein Arbeitstag ja nun mal nur 7,75 Stunden hat. Ich bin außerdem hundemüde und genervt von der einen Aufgabe, die einfach doof ist und vielleicht auch sinnlos, das wird sich noch zeigen. Morgen muss ich jedenfalls richtig ranklotzen, wenn ich bis Donnerstag die Dinge fertig haben will, die ich fertig haben sollte. Weil sich auf meine Frage, was ich priorisieren soll, auch niemand äußern mochte. Das können wir selbst entscheiden, sagt die Direktion, Priorisierung ist an das niedrigste mögliche Niveau delegiert, was ein schöner Ausdruck ist dafür, dass man für die falsche Entscheidung den Kopf hinhält, ohne dass einem wer sagt, was die richtige Entscheidung gewesen wäre.

Es ist echt ganz super (nicht!) und Hormone tun ihr Übriges dazu, dass mir jetzt schon vor der Arbeit morgen graut.

Tag 2855 – Nix.

Herr Rabe hat einen Großteil des Tages damit verbracht, Michel zu Gesundheitsmenschen zu fahren, damit sein Fuß angeschaut werden konnte. Die Diagnose ist: da ist nichts passiert, umgeknickt eben aber alles noch dran und ganz. Puh.

Ich habe einen Großteil meines Tages damit verbracht, einen Report zu schreiben, den ich eigentlich heute (ganz eigentlich Freitag) fertig haben wollte, aber trotz großzügiger und spätabendlicher „Flexizeitarbeit“ (andere nennen es Überstunden, aber die sind ja nicht mehr erlaubt) ist er immer noch nicht fertig. Ich werde die nächsten zwei Tage extrem effektiv sein müssen, um alles noch vor dem 17. Mai einzutüten. Es wäre echt schön, wenn nicht noch ein Report massiv über die Frist ginge.

Heute Morgen habe ich mich aus Gründen gefragt, was die adäquate Reaktion darauf ist, wenn man nach dem Sport bei der Arbeit unter der Dusche eine Kollegin trifft, die man nicht gut kennt und wegen mangelnder Brille und Bekleidung auch nicht wirklich gut erkennt. Ich glaube weder meine Reaktion (betretenes Inspizieren der eigenen Füße, aus Ermangelung der Möglichkeit, einfach durch den Ausguss zu verschwinden) noch ihre (drauf los erzählen und fachliche Dinge besprechen wollen) waren ganz richtig.

Montags Sport machen ist vielleicht nicht so schlau. Da machen alle(TM) Sport, erst können also alle(TM) meine beeindruckend pinke Glomse bewundern und danach läuft man sich auch noch in der Gemeinschaftsdusche wie Gott, Zeit und Oreokekse eine schufen, über den Weg. Dann kriegen sie auch gleich noch meinen beeindruckend pinken Storchenbiss an der Rückseite zu sehen. Super. Nicht.

Tag 2842 – Matsche im Kopf.

Ok, es war heute alles ein bisschen viel, ich kann das nicht gut sortieren grad. Es war sehr viel gutes dabei, eigentlich war es ein ausgesprochen guter Tag, es geht jetzt nur so viel im Kopf rum, dass ich schlecht runter komme. Teile davon möchte ich hier auch gar nicht so unbedingt öffentlich breit treten, was andererseits irgendwie den Sinn eines Tagebuchs nicht ganz erfüllt. Nun ja. Vielleicht mache ich mal wieder einen Artikel mit Passwort, irgendwo muss es ja hin, das alles. Und so alle viereinhalb Jahre kann man das ja mal machen (krass, wie lange die Chipsfabriksache schon her ist). In meinem Kopf spielen die Gedanken grad jedenfalls alle Pingpong. Zum Einschlafen gehe ich ja gerne Choreografien im Kopf durch, unsere für Sonntag ist allerdings ein bisschen zu kurz. Alternativ gehen auch Musikstücke, aber was ich für den Geigenlehrer üben soll, ist auch zu kurz.

Die Gefahr ist groß, dass ich morgen nicht sehr ausgeschlafen sein werde, das wäre nicht so gut, aus Gründen.

Einen fun fact von heute kann ich ja erzählen: ein Nicht-ITler aus einer themenverwandten Gruppe im Werk hat, ohne programmieren zu können, auf der selben Basis die das IT-Projekt hat, etwas in hobbymäßigem Einsatz zusammengeklöppelt, das ganz ganz stark an das IT-Projekt, in das so viele Ressourcen geflossen sind, erinnert. Und zwar ohne, dass er das IT-Projekt überhaupt mal gesehen hätte. Er erklärte das mit „Naja, das ist ein no Code-low Code-System, echt kein Hexenwerk“. Ich lasse das mal so stehen, Sie können sich sicher denken, was das für den Rest meines Respekts gegenüber dem IT-Projekt bedeutet.

Kein Wunder, dass denen ständig die Leute wegrennen.

Tag 2834 – Alles viel zu früh.

Heute Morgen bin ich um viertel vor sechs aufgestanden, morgen werde ich wohl dasselbe tun. Heute fuhr ich nur zur Arbeit (erst mal zum Sport machen, dann zum arbeiten), morgen geht es auf eine Inspektion. Das sind echt nicht meine Uhrzeiten, aber was soll eine machen. Wenigstens muss ich nicht, wie der Lieblingskollege, um kurz nach sechs schon im Bus sitzen. Ein Hoch auf Wohnen in Flugplatznähe.

Ansonsten ein Tag wie jeder andere.

Tag 2829 – Arbeit, Arbeit…

Alltagstrott ist wieder da. Bin dementsprechend auch wieder müde, obwohl ich, als Pippi beim Tanzen war, im Auto ein kleines Nickerchen gemacht habe. Immerhin habe ich einen Spaziergang eingeschoben und Geige gespielt. Beim Spaziergang konnte ich mich daran erfreuen, dass die graubraunen Schneeberge wegschmelzen und hier und da schon (totes) Gras und (lebendes) Moos hervorguckt. Außerdem hatte ich so Sonnenlicht und frische Luft. Aber so richtig Spaß macht das nicht, in dieser dreckigen, steinigen Vorfrühlingswelt draußen herumzustapfen.

Naja, andererseits könnte alles schlimmer sein, vor drei Jahren war obendrein noch Pandemie. Schlimmer geht immer.