Tag 2624 – 3/3 abgeschlossen.

Es ist vollbracht. Auf allen Seiten waren alle am Ende zufrieden, das ist ja auch immer schön. (Auch immer wieder verwunderlich für mich, dass sich Leute bedanken, dass wir tagelang deren Schlechtigkeiten ausgebuddelt haben und denen am Ende diese vor den Kopf knallen. Andererseits würde eine Consultant für die selbe Arbeit echt viel Geld nehmen, und da hätte man außer nem Knacks in der Krone noch nicht mal irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.)

Danach fuhr ich ins Büro, wo im IT-Projekt alles brennt, wie ich erfuhr. Auch… schön. So unerwartet! Mir egal, wir sind durch, wir warten nur noch auf die gefixten Defects zum Re-Test.

Da ich Pippi zum Tanzen fahren wollte, ging ich früh und stand dann sehr lange am Bahnhof rum, weil schon wieder irgendwas war. Irgendwie ist da grad sehr der Wurm drin, in diesen Zügen. Pippi war trotzdem pünktlich beim Tanzen, allerdings ohne Schläppchen (weil sie die nicht dabei hatte), mit nur einer Socke (weil die andere „in der Schule einfach so abgefallen“ ist) und mit einem sehr dreckigen Fuß (war halt keine Socke mehr dran). Naja. Gut, dass die mich in dem Ballettsenter gar nicht kennen oder wissen, dass ich Pippis Mutter bin. Ach so, oh.

Danach Kopfschmerzen und null, was sage ich, minus 200 Lust, noch weiter zu arbeiten. Das deshalb auch gelassen.

Tag 2622 – Lieber nix.

Müde, Migräne, Maul-Laune (für die Alliteration). Aus irgendwelchen Gründen war ich heute im Büro, im Nachhinein lässt sich das nicht mehr so genau sagen und es fühlt sich auch sinnlos an. Um zehn nach drei habe ich das Werk fluchtartig verlassen, weil ich dafür zuständig war, Pippi vom Hort zu holen und Michel zum Kornettunterricht zu fahren und da es seit über einer Woche in Oslo einen immer wieder auftauchenden Erdungs-Fehler gibt, der dann die Züge lahmlegt, war die Heimfahrt heute risky business. Hat aber alles geklappt.

Jetzt Licht aus, morgen ist auch noch ein (Inspektions-)Tag.

Tag 2619 – 3/3 Tag 3.

Die Woche ist um. Hurra! Das war eine heftige Woche, aber, halten Sie sich fest: es war auch schon schlimmer.

Krass ist allerdings der Unterschied zwischen „Lead sein mit erfahrenen Inspekteuren“ und „Lead sein mit frisch zugelassenem Inspekteur“. Das KANN echt viel Verantwortung und Zeitmanagement für zwei Personen mit sich bringen. Das habe ich mit meinen anderen KollegInnen so nicht, die kommen alleine gut klar. Es hat also Gründe, dass ich so geschlaucht bin. Ächz. Und vorbei ist es noch nicht, aber diese Woche ist immerhin rum, ja.

Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen. Morgen ist der Strompreis zwei Stunden lang unter 100 Øre/kWh, da war er glaube ich seit Mai oder so nicht mehr. Ich weiß noch gar nicht, was ich alles gleichzeitig mache. Vielleicht erlaube ich den Kindern sogar, die Heizung anzuschalten*.

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*Das war: Sarkasmus.

Tag 2617 – 2/3.

Ganztagsseminar mit der Arbeit überstanden. War zum Teil sogar recht interessant, es gab einen unterhaltsamen und interessanten Vortrag über Digitalisierung und „künstliche Intelligenz“. Die Anführungszeichen sind da, weil das eigentlich ein nichtssagender Sammelbegriff für alles mögliche von Regressionsanalyse bis VR ist. Der Vortragende konzentrierte sich im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz auf machine learning und deep learning und was man da seiner Meinung nach (die Meinung ist schon recht fundiert, der ist Professor für Soziologie und forscht seit vielen Jahren an Digitalisierung) innerhalb von Medizin und Pharmazie schon recht bald sehen wird – unter anderem, weil es andernorts schon gemacht wird. Sehr interessant und ein bisschen gruselig.

Abends war ich in der ersten Ausschusssitzung meines Lebens. Ich bin aus Gründen jetzt im kommunalen Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Prävention. War ja noch nicht genug zu tun, ne? Jedenfalls wundert mich jetzt gar nicht mehr, warum die heutige Politik für alte Leute gemacht zu sein scheint, denn sie ist VON alten Leuten gemacht. Ich war die jüngste, zumindest nehme ich das an, eine andere, die aber nur Stellvertreterin ist, hatte auch grad vorher ihr Kind zum Korps gebracht, dürfte also grob in meinem Alter sein. Zwei weitere Mitglieder in dem Ausschuss sind so Anfang bis Mitte 50 und der Rest (so 10 Menschen) sind Rentner*Innen. Ich war wirklich geschockt. Dabei ist es ja klar, denn wann im Leben hat man schon Zeit für sowas? Sitzung mitten in der Woche von 18:00 bis 21:30, also nach einem kompletten Arbeitstag und zu der Zeit, in der Menschen in meinem Alter Kinder herumfahren, abfüttern, Hausaufgaben machen und ins Bett bringen. Natürlich sollte man vorher noch die Dokumente gelesen haben, haha. Immerhin kann ich dank meines Jobs sehr schnell lesen und on the fly Inhalte erfassen und mitdiskutieren, sowie kompetent auftreten ohne dafür eine Basis zu haben. Jedenfalls haben normale Leute in meinem Alter unter diesen Bedingungen keine Möglichkeit, sich in derlei Aktivitäten einzubringen. Eigentlich hab ich die ja auch nicht. Also erst das System ändern – Sitzungen zu normalen Tageszeiten und man wird von der Arbeit dafür freigestellt und von der Kommune für den Verdienstausfall entschädigt wäre ein Vorschlag von mir – dann eine U40-Quote einführen. Wir haben eine Frauenquote, warum also nicht begrenzen, wieviele Rentner*Innen man problemlos in Ausschüssen und Räten platzieren kann.

Tag 2616 – 1/3.

Heute Arbeits-Aktion 1 erledigt. Es war ein langer Tag, aber lange nicht so lang wie befürchtet. Alle Testcases sind ein Mal durchgeorgelt und 11 Defects erstellt. Ich durfte mir anhören, dass das ja komisch sei, dass wir so viel finden und meine größte Leistung heute war, daraufhin demjenigen nicht ins Gesicht zu springen. Ich würd ja auch lieber nichts finden, schon allein weil ich dann weniger Arbeit hab. Defects dokumentieren ist nämlich echt nervig und viel Arbeit. Deshalb hab ich das auch heute gemacht, während meine KollegInnen die Tests gemacht haben. Jetzt habe ich aber ein bisschen Pause vom Projekt, weil ich ja noch 2/3 und 3/3 habe. Meine Kollegin übernimmt die Defects.

Außerdem hab ich heute ein Visum für Indien beantragt. Meine Güte, was die alles wissen wollen. Und das Foto bitte quadratisch. Naja, da müssen sie jetzt auf einen Teil meines Haupthaares verzichten, das musste ich vom Foto abschneiden, um das Foto quadratisch zu machen. Wer braucht schon Haare oder Hals.

Abends tatsächlich gebügelt.

Jetzt Bett, morgen ist 2/3.

(P.S. Mein rechter Fuß tut weh. Ich bin ernsthaft in dem Alter, in dem mir nach einem einzigen Tag in normal schmalen Schuhen der Fuß wehtut, weil mein großer Zeh so nach innen gebogen wird und mein Hallux das gar nicht gut findet. Noch ein bisschen und ich kaufe mir entweder Barfußschuhe [ahhhhhh so viel Kohle für so ein Öko-Achtsamkeits-Statussymbol, ahhhhhhh!] oder diese hässlichen extra breiten Gesundheitslatschen, von denen mein Schwiegervater mehrere Paare hat. Ich kann ja nicht immer in Turnschuhen [da rede ich jetzt nicht von „guten“ Turnschuhen, sondern von sehr sportlichen, Laufschuh-anmutenden Schuhen, die aber halt vorne breit und überall recht elastisch sind] rumlaufen. Aber Mann ey, so ein Rotz. Stilvoll altern und Gesundheitslatschen kriege ich noch nicht gut überein.)

Tag 2611 – Frau Rabe redet laut am Telefon.

Herr Rabe sagt das und jetzt sagt es auch noch der Lieblingskollege. Ich merke das nur leider gar nicht.

Ansonsten war Arbeit so lala, ehrlich gesagt graut mir vor nächster Woche schon sehr gründlich. Auf der Rückfahrt rief auch noch meine Teamchefin an und überbrachte Hiobsbotschaften zum IT-Projekt. Und das wo ich grade Hoffnung geschöpft hatte, dass es tatsächlich was wird bis Montag. Darüber hinaus wurde eine Reise nach Indien gebucht und wir sind damit spät dran und deshalb werden wir jetzt auf beiden Wegen total gerädert ankommen. Und wir schaffen es noch nicht mal, alle drei im gleichen Flieger zurück zu fliegen, weil die Kollegin und ich einen Tag länger bleiben als der Lieblingskollege, der zufällig zeitgleich eine andere Site im selben Land inspiziert. Zitat Lieblingskollege: meh. Die Teamchefin fragte auch, ob ich wirklich echt Herbstferien haben will, weil wir da ja ne neue Kollegin bekommen und „alle“ anderen in Dublin auf einem Seminar sind (nicht alle, aber mehrere). Aber ich habe frei, weil ich nicht auf dieses Seminar fahre. Ich wäre gern auf dieses Seminar gefahren! Aber es sind so viele Hardcore-Inspektionen bis Weihnachten, dass ich ein bisschen Realismus walten lassen muss, was meinen Akku angeht. Arbeiten statt Beine hochlegen ist deshalb in dieser Woche keine Option, auch nicht, wenn das heißt, dass ich die neue Kollegin erst so richtig nach der Indien-Reise kennenlerne. Manchmal haben die da bei meiner Arbeit lustige Ideen, alle miteinander.

Michel hatte nach der Schule einen Platten am Rad, wogegen ich von Oslo aus herzlich wenig tun konnte. Aber Herr Rabe konnte ihn, von Oslo aus, überreden, sein Rad zum Fahrradladen zu bringen, mit dem er vorher besprochen hatte, dass er das morgen oder Freitag bezahlt. Aber ich glaube wirklich, Michel dachte, ich schwänge mich mal eben in den Zug, um dann meine heilenden Hände auf den Reifen zu legen und ihn zu reparieren. Ich hab das letzte mal so vor 25 Jahren einen Reifen geflickt, ich weiß noch nicht mal, ob, und wenn, wo, wir Flickzeug haben. Aber Herr Rabe hat es ja nun fern-gefixt.

Auch heute war wieder ein lustiges Vereinbarkeitsgehampel, was durch einen vergessenen Schlüssel und einen Schlüssel, der statt in der Schlüsselbox auf dem Terrarium im abgeschlossenen Haus lag, auf die Spitze getrieben wurde. Auch da wieder die Erwartung, dass ich sofort komme, wen juckt es, dass die kleine Schwester zum Tanzen muss. Es löste sich übrigens auch das Thema recht einfach, Michel fuhr mit seinem Kumpel zum Schlagzeugunterricht und hing danach noch etwas bei ihm ab bis Pippi und ich wieder da waren. Aber ich bin jetzt mal bereit für einen entspannten Tag im Homeoffice, an dem ich zumindest theoretisch irgendwelche Fahrräder irgendwo abholen könnte und sich die Frage nach dem Haustürschlüssel gar nicht stellt. Wie haben wir das 2019 eigentlich noch alles gemacht? (Der Notfallschlüssel ist aber auch wieder in der Schlüsselbox.)

Tag 2605 – Alltagsgeraffel.

Arbeit war heute so, dass ich am Ende einfach den Rechner ausgeschaltet habe und wenn mir morgen noch danach ist, sehr bissige Mails zu schreiben, ist ja auch morgen noch ein ausgesprochen guter Tag dafür.

Nach der Arbeit war ich beim Entsorgungshof und habe unsere alte Matratze plus was so rumflog an Spezialabfall (alte Bratpfannen, diverse alte Trinkflaschen aus Metall und Hartplastik, große Pappkartons usw.) weggebracht. Danach war ich einkaufen und habe festgestellt, dass es jetzt norwegische Äpfel gibt, weshalb es zum Abendessen Apfelpfannkuchen gab. Die Kinder wurden enterbt, weil sie die nicht mögen, wenn Äpfel drin sind.

Der Abend ging für Aufräumen für die Putzhilfe (jetzt neu auch in Steuern abführend) drauf.

Jetzt Bett und schlechte Laune vom Aufräumen. Sisyphus hatte eigentlich Kinder, denen er 24/7 hinterherräumen musste.

Tag 2592 – Fleißig, fleißig.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: das PMDS* ist wieder ausgeartet. Es ist nicht schön, das kann ich versprechen. Aus Verzweiflung nahm ich heute also zwei der SSRI**-Tabletten, die ich, in niedriger Dosis und nur in der zweiten Zyklushälfte, dagegen einnehme. Viel hilft viel, oder so.

Und siehe da: es half tatsächlich. Gegen Mittag war mein Energielevel halbwegs ok und ich erledigte gleich mal ein paar „schlechtes Gewissen“-Dinge, statt mich wegen deren nicht-Erledigung selbst runterzumachen. Dann arbeitete ich halbwegs konzentriert einen Haufen Arbeit weg und kann jetzt in die nächste Woche mit halbwegs überschaubarer To-Do-Liste starten. Abends fuhr ich sogar noch mit Pippi nach Jessheim, wir ließen uns beiden die Haare schneiden und ich holte eine Bestellung aus einem Buchhandel ab.

Nur Geige spielen hab ich nicht geschafft, aber auch das werfe ich mir nicht vor wie in den letzten Tagen.

Es ist wirklich magic, und für mich die Bestätigung, dass es nur das vermaledeite PMDS ist. Ich bin nicht depressiv, und ich muss auch nicht noch x Tage*** warten, um das bestätigt zu bekommen, weil mit der Blutung der ganze Spuk schlagartig vorbei ist. Uff.

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*premenstruelle dysphorische Störung, die bei mir große Gereiztheit abwechselnd mit großer Traurigkeit, Heißhunger auf Süßes, Wassereinlagerungen, Migräne und vollständige Antriebslosigkeit mit sich bringt. Das Konglomerat an Symptomen macht mich niedergeschlagen, depressiv und aggressiv und das jeden Monat bis zu 10 Tage lang. Deshalb nehme ich

**Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren, auch bekannt als Antidepressiva. Bei echten Depressionen wirken die erst nach mehreren Wochen. Bei PMDS wirken sie bei vielen Betroffenen aber sofort, das ist inzwischen klinisch bestätigt, aber warum das so ist, weiß man trotzdem noch nicht.

***leider scheint mein wunderbar regelmäßiger 28-Tage-Bilderbuchzyklus kaputt zu sein. Wenigstens weiß ich jetzt, dass das nicht an der Schilddrüse liegen kann.

Tag 2590 – Weich gekocht.

Heute musste ich doch noch mal ins Büro. Eigentlich habe ich mit meiner Chefin besprochen, dass ich im August nur selten komme, wegen des vermaledeiten „buss for tog“, also Bus statt Bahn auf der Strecke von uns bis zum Flughafen. Tatsächlich ist es für mich am praktischsten und schnellsten, dann am Flughafen statt in den Zug in den Flugbus zu steigen, aber das ist auch die Option, bei der ich pro Weg eineinviertel bis anderthalb* Stunden im Bus sitze. Im Bus kann ich nicht arbeiten, da kann ich nicht mal lesen oder auf dem Handy daddeln, weil mir dann schlecht wird. Ich setze mich schon immer nach ganz vorne, quasi beim Busfahrer auf den Schoß, aber es hilft nicht. Also gucke ich achtsam zweieinhalb bis drei Stunden aus dem Fenster, wenn ich ins Büro fahre. Das finde ich nicht akzeptabel, deshalb halt mehr Homeoffice. Eigentlich.

Für heute hatte ich aber ein Meeting arrangiert, zu dem Leute aus Bergen anreisten. Da kam es mir dann doch, ähm, uncool vor, zu sagen, dass ich keine Lust habe, aus Eidsvoll nach Oslo zu fahren. Und das Meeting war auch wirklich gut und sinnvoll, ich mag das ja, wenn Leute sich Gedanken machen und lieber drei mal nachfragen, BEVOR sie anfangen, irgendeinen Sch…ß zu machen. Grüße, die Behörde Ihres Vertrauens.

Allerdings haben wir das Meeting auch grob überzogen. Statt zwei Stunden waren es drei. Drei Stunden professionell sein, freundlich, sachlich und klar. Und dabei das Kunststück vollbringen, zu beraten ohne zu beraten. Wir dürfen ja nur zur Auslegung des Regelwerkes informieren, aber nicht sagen „macht es so und dann werden wir es schon durchgehen lassen“. Meine Kollegin meinte hinterher, ich hätte das sehr gut gemacht und sei total souverän und seriös. Das mag sein, dass das nach außen hin so wirkt, das ist ja auch mein Ziel. Aber nach dem Meeting war ich total matsche und ging auch recht schnell danach einfach nach Hause.

Uffz ey, nach den Ferien ist immer schlimm.

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*heute extra bescheiden, weil morgens kein Bus kam, der direkt zum Flughafen fährt, sondern nur der, der die dazwischen liegende Haltestelle auch anfährt. Also Gejuckel über die Dörfer. Und dann ist auch noch eine Brücke in Norwegen zusammengekracht und solange man nicht weiß, weshalb genau das passiert ist, sind alle Brücken der gleichen Bauart gesperrt. Von den 14 gesperrten Brücken liegen 5 in Eidsvoll (was sind wir für Glückspilze!) und die eine davon ist sozusagen der Autobahnzubringer. Was für den Bus hieß: noch mehr Gejuckel über die Dörfer, um die nächste Auffahrt auf die Europastraße zu nehmen. Mein armer Magen. Der ist ansonsten ja sehr robust aber motion sickness ist ein echtes Problem.