Tag 2708 – Man kann auch…

… zu Hause frieren. Ich wollte echt ins Werk fahren, aber dann führte eine Verkettung unglücklicher Umstände (Kinder.) dazu, dass mir der Zug vor der Nase wegfuhr. Ganz buchstäblich, der Schaffner sah mich noch laufen und ich drückte auch noch auf den Knopf. Tja. Und weil mir dann auch eingefallen war, dass Weihnachtsfeier im Werk war, mit allen 380 Angestellten (naja, denen, die halt Lust und Zeit hatten), und weil es auch minus tausend Grad waren und eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten keine wirkliche Option, fuhr ich einfach wieder nach Hause. Und da war es auch schön und ich hab mit viel Willenskraft auch nicht allzu hart prokrastiniert. (Langsam kommt der Zeitdruck und hilft auch.)

Zu Hause ist es auch kalt. Zumindest im Arbeitszimmer. Das ist alles blöd, ich möchte das nicht.

Abends war ich dann nicht sooooo fit, nicht wirklich krank, aber auch nicht richtig gesund und deshalb tauschte ich Ballett gegen Geige spielen ein. Herr Rabe und die Kinder waren derweil beim Weihnachts-bowlen mit dem Korps, da hätte ich auch mitgekonnt, aber ich hab’s ja nicht übermäßig mit solchen Dingen (siehe oben).

Jetzt Bett. Wird Zeit.

Tag 2707 – Schlottern im Werk.

Das Werk spart jetzt Strom und deshalb ist es da kalt. Da war es vorher schon kalt, jetzt ist es Wollpullover- und Wollsockenkalt. Meine Kollegin sitzt mit Pulswärmern am Schreibtisch, eine andere hat sich zwei Schreibtischleuchten organisiert, um damit punktuelle Wärme zu erzeugen (nein, ich verscheißere Sie nicht). Ich habe schon vor ein paar Wochen so eine Art Teppich zum Anziehen besorgt, trotzdem ist es wirklich keine sonderlich große Freude, da in Meetings oder am Schreibtisch über längere Zeiträume still zu sitzen. Am Ende des Tages waren meine Finger ziemlich blau (ok, ich hab halt auch quasi kein Melanin zur Zeit). Jedenfalls ist Büroarbeit da echt nur so mittel attraktiv, muss ich sagen.

Andererseits war ich heute echt produktiv in den 3 Stunden, in denen keine Meetings waren. Und die großen Bildschirme sind auch ganz nett.

Heute Morgen gab es auch noch Zugchaos und ich saß eine Stunde länger als geplant im Zug, weil im Tunnel vor Oslo eine Hochspannungsleitung gerissen und auf einen Zug gefallen war. Die Leute in besagtem Zug (bzw. sogar zwei Zügen) hatten es jedoch noch deutlich schlimmer, die saßen nämlich vier Stunden mit Notstrom (also kein Licht, keine Heizung, kein Klo) im Zug im Tunnel fest. Wir konnten immerhin im Schneckentempo über die Dörfer statt durch den Tunnel fahren.

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Mein Immunsystem wehrt weiter tapfer Herrn Rabes und Michels Infekt ab, ich bin gesund, dafür habe ich aber die halbe Nacht mit Pippi im Bett geschlafen, weil die schlimme Ohrenschmerzen hatte. Heute gönnten wir ihr dann auch einen Tag mit Nasenspray und Schmerztabletten auf dem Sofa, statt das wehe Ohr draußen 10 Minusgraden auszusetzen. Morgen möchte sie aber sehr gerne zur Schule, weil dann ja St. Lucia ist. Wir werden sehen. Herr Rabe bügelt jedenfalls soeben das Luciakleid.

Tag 2702 – Müde.

Todmüde zum Fachtag gefahren. Pippi hat nämlich nachts gebrochen, immerhin nichtig unser Bett (Meilenstein!!!) und dann hat niemand vernünftig geschlafen. Herr Rabe vielleicht, der hat zumindest geschnauft. Ich weiß übrigens schon lange vorher, dass Pippi bald brechen wird, keine Ahnung woher.

Der Fachtag war exakt wie befürchtet schlimm. Nicht durchgängig, aber besonders zu Anfang, wo eine externe Vortragende eingeladen war um mit uns über „Arbeitsfreude in stressigen Zeiten“ zu sprechen. Es war dann aber viel, hmm, wie beschreibe ich es? Nicht sonderlich relevant für uns. Weil wir als Gruppe in einer großen, schlecht geführten Organisation, halt nur zu einem gewissen Grad in der Hand haben, welche Ressourcen wir haben und wie wir sie nutzen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir bitte uns fixen sollen, aber ohne, dass wir dafür einen Rahmen oder Unterstützung von oben bekommen. Bitte macht mehr und ohne zu meckern, wir tun dafür exakt gar nichts und wenn es aussieht, als hättet ihr den Kopf gerade so über Wasser, kommen wir direkt mit der nächsten Sache an. Teile des Vortrages möchte ich der Direktion ans Herz legen, aber die sind ja damit beschäftigt, alles an uns runter zu delegieren.

Und das wo ich daran arbeite, mich als Einzelperson nicht mehr fixen zu wollen, nur damit ich weiter für Arbeitgeber und co. funktioniere und insgesamt nicht unangenehm auffalle. Da kommt das selbe in Grün auf Gruppenebene um die Ecke.

Abends waren wir dann noch Essen, das war nett, aber ich bin jetzt gerädert und möchte nicht mit Menschen reden, wenn sich das vermeiden lässt.

(Auftritt IT-Projekt, wo ich heute [bin im Kalender als abwesend markiert] angerufen wurde, weil drei meiner Kolleginnen ein Meeting morgen abgelehnt haben. Ob ich einen anderen Terminvorschlag machen könnte und den Kolleginnen sagen könnte, sie sollen das bitte priorisieren. Als würden die Meetings einfach aus Jux und Dollerei oder um das IT-Projekt maximal zu ärgern, ablehnen. Orrrrrrr ey.)

Tag 2701 – Homeoffice.

Selbst gewähltes Homeoffice finde ich ja nach wie vor ganz gut. Auch wenn ich manchmal im Büro tatsächlich produktiver bin – aber nur, wenn ich dann nicht den ganzen Tag in Meetings rumhänge. Wenn man da so im Großraumbüro hockt, ist prokrastinieren halt schwieriger. Heute war aber auch so ein guter Homeofficetag, und was im Büro halt nicht geht, ist im Onesie rumhängen. Hier geht das, deshalb ein Hoch auf Homeoffice.

Michel geht es langsam besser, aber die Nacht war wohl wieder furchtbar, berichtete Herr Rabe. Ich habe geschlafen wie ein Stein, aber unsere Matratze, mit der ich übrigens nach wie vor überaus zufrieden bin, ist schon wesentlich bequemer. Jetzt grade höre ich aber auch kein Husten, vielleicht dürfen wir ja einfach zu zweit im Erwachsenenbett schlafen.

Morgen habe ich fachlich-soziales Tralala, den ganzen Tag, das wird… naja. Das wird schon, würd ich sagen, optimistische Frohnatur die ich bin. Immerhin sind es nur die Inspekteur*Innen und die Narkotika-Gang, also nicht so viele Leute auf einem Haufen und die meisten mag ich ja auch echt gern. Dann wird das schon. Bestimmt.

(Die Agenda verrät, dass wir „reflektieren“ sollen, ich kann mir wenig ätzenderes vorstellen, als in einer größeren Runde über das vergangene Jahr zu reflektieren. Aber das wird schon, das wird schon, das wird schon, tralalalala. Im Zweifel irgendeine Musik im Kopf auf Dauerschleife abspielen, funktioniert gut zum Bullshit und Menschen generell ausblenden.)

Tag 2693 – Rotz.

Die Reisenden sind allesamt total verrotzt. Herr Rabe hat letzte Nacht sogar geschnarcht, was er sonst eigentlich nicht tut und ich hab ab etwa halb drei deshalb mit Ohrenstöpseln geschlafen. Heute waren dann beide Kinder zu Hause statt in der Schule, während ich irgendwie sowas wie Arbeit simuliert habe (wie sehr ich Documents Core Pack hasse. Falls Sie das mal in der Hand haben, ob sie das einführen wollen oder nicht: rennen Sie schnell und weit, es ist der Teufel. Vielleicht haben Sie aber auch Geduld wie Buddha oder einen Fetisch für ständig abstürzendes Word, dann ist das genau das Richtige für Sie). Jetzt ist ein hustendes Kind in unserem Bett, aber ich habe ja Ohrenstöpsel und muss ja nur noch morgen überleben, danach ist den Rest der Woche alles egal. Eigentlich ist es mir das schon jetzt, auf gewisse Weise, zumindest das IT-Projekt kann mich mal kreuzweise.

Bevor Sie fragen: ich benutze die Lufthansa-Ohrenstöpsel aus dem Flugzeug, die sind mega. Nur kommt man da echt schlecht dran.

Tag 2672 – Gedanken.

Anstrengend hier. Muss viel Englisch sprechen, ständig switchen, Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Hirn glüht. Eine Frau hat Bärchenohrringe, die aussehen wie Deutschland. Ein, sagen wir mal, hochrangiger Typ in der Firma könnte rein von der Kleidung her auch Burger bei Mäcces verkaufen (und wär noch underdressed), es ist verwirrend. Der Lieblingskollege sagt, er spielt eine Rolle bei Inspektionen, die Rolle ist nicht so stark introvertiert wie er eigentlich und deshalb geht das gut. Ich finde mich in dieser Beschreibung sehr gut wieder. Ist ja auch kein Zufall dass ich den mag, den Lieblingskollegen. Habe außerdem heute wirklich ehrliche Komplimente für mein Norwegisch bekommen, das passiert hin und wieder, manchmal werde ich auch gefragt, woher in Norwegen ich käme, weil Leute meinen „Dialekt“ nicht platzieren können. Das ist immer schön, und ich versuche dann gerne zum Ausdruck zu geben, dass ich das Kompliment gerne annehme, mir das auch klar ist und mir ebenfalls klar ist, dass ich kein Maßstab bin. Mein Schwedischlehrer sagte mal, ich sei sehr gut darin, zu imitieren, dadurch wirke mein Schwedisch gut (es kommt da sehr auf den Tonfall und die Sprachmelodie an) und sei für Schweden verständlich. Ich hätte auch total Lust, mehr Sprachen zu lernen, aber haha wann. Weil eigentlich mag ich diesen Sprachmix sehr und Sprachen generell und warum hab ich so lange und in entscheidenden Lebensphasen gedacht, Sprache sei nichts für mich? Nur wegen Latein (6 Lehrpersonen in 5 Jahren) und Spanisch (1 richtig blöde Lehrperson und deshalb nach 1 Jahr abgebrochen)? Hrmpf.

Hirn glüht, aber nicht im schlechten Sinne. Hurra für Input.

Tag 2661 – Applaus!

Heute habe ich die Inspekteure und Inspekteurinnen im IT-Projekt eingewiesen. Es war ein wilder Ritt und am Ende haben alle geklatscht (außer mir) und geweint (ok nur ich und nur fast). Jetzt liegt das also hinter mir. Ich bin angeblich streng, so als Lehrerin, merke das selbst aber nicht. Andererseits habe ich angeblich auch eine Engelsgeduld. Auch das merke ich nicht. Spannend. Aber ja, ich habe heute ca. eine Schrillion mal das selbe gesagt, immer wieder die gleichen Abläufe erklärt, weil niemand zuhört, wenn man was für alle sagt, und jede*r dann in die selben Löcher tappst. Ich mache sieben Kreuze, dass ich nicht Lehrerin geworden bin, da würde ich über kurz oder lang bekloppt werden. So viel kann man gar nicht klatschen, auch wenn es natürlich echt lieb ist, wenn sie das am Ende tun.

Jetzt bin ich allerdings auch echt gar. Könnte aber auch am Prosecco liegen, mit dem ich den heutigen Meilenstein begossen habe, liegen. (Unter der Woche! Schockschwerenot.)

Tag 2647 – Blumen und Motorräder.

Erste Male: von einem Willkommensschild und mit einem Strauß Rosen auf der Inspektion begrüßt worden. Das macht man hier wohl so. Ok. Ebenfalls zum ersten Mal großflächig Visitenkarten an den Mann (kein gendern nötig) gebracht.

Was hier auch so ist: Zeit ist relativ. Alles dauert. Von „könnte ich bitte die Rechnung haben“ bis Rechnung gut und gerne 10 Minuten, und das nicht, weil das Hotel understaffed ist oder so. Ich wäre bestimmt geduldiger, wenn ich im Urlaub wäre, klar, aber speziell wenn beim Abendessen ein Livemusiker die ganze Zeit die selben drei Akkorde spielt, darauf aber ganz unterschiedliche Lieder singt, und das auch noch echt laut, sodass man sich nicht mehr unterhalten kann – dann finde ich das sehr anstrengend auch noch ewig auf die Rechnung warten zu müssen.

Inspektion an sich war völlig in Ordnung. Wir sitzen in einem fensterlosen Raum, das ist etwas blöd. man fährt auch über eine Stunde durch den hiesigen Verkehr zur Site, das ist… interessant. Zwar führt eine zweispurige Autobahn da hin, aber es sind eigentlich eher so 5 Spuren, es scheint keinerlei Überholregeln zu geben, man hupt auch einfach um zu sagen, dass man da ist und man fährt so schnell wie man Lust hat. Es ist wild. 5 Menschen auf einem Motorrad und ca. 12 (wirklich nicht übertrieben) in einem Subaru MiniVan. Nirgendwo Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Wah!

Tag 2637 – Urlaub?

Hmm naja naja, der Arbeitstag lief eher so semi-erfolgreich und das heißt leider, dass ich mir nicht drei Tage frei nehmen kann. Also könnte schon, natürlich, ich könnte ja auch morgen vom Bus überfahren werden und dann würde ja auch die Welt nicht untergehen. Aber da ich gleichzeitig auch möchte, dass „die da draußen“ Antworten auf ihre brennenden Fragen zeitnah halbwegs fristgerecht bekommen, tja. Tjaja.

Aber ein bisschen frei mache ich schon. Vermutlich werde ich einen Arbeitstag auf drei Tage aufteilen und allgemein eine ruhige Kugel schieben. Laut Auto-Reply kann man von mir vor Montag keine Mail erwarten und der Wecker ist auch aus, alles was ich tue ist also Bonus.

Was ich aber auf jeden Fall machen muss, und zwar noch diese Woche: meine Gehaltsforderung fertig machen. Frustrierender Weise mit den selben Argumenten wie letztes Jahr, ich hinke da also (obwohl ich letztes Jahr echt nicht so wenig mehr bekommen hab) irgendwie hinterher und das macht, dass ich mir dezent verarscht vorkomme.

Ach was war das schön, als man noch nicht jedes Jahr aufs neue drum kämpfen musste, ein der Arbeitsleistung, Arbeitsbelastung und Qualifikation angemessenes Gehalt zu bekommen. Ich hasse sowas ja sehr.

Ansonsten war heute hier ein wenig Kinderdrama. Michel ist auf dem Trampolin blöd auf den Nacken gefallen und hat sich aufgrund eines Knackens der Wirbel furchtbar erschreckt und meint jetzt, sein Hals ist gebrochen. Zur einen Seite könne er gar nicht gucken und nach unten auch nicht. Also außer auf der einen Seite ist der Fernseher oder unten der Laptop und man hat grad vergessen, dass man ja einen mindestens gebrochenen Hals hat, dann kann man den Kopf ganz normal bewegen. Pippi packte jedoch die große Eifersucht, weil ich Michel tröstete. Ich hätte Michel lieber als sie, überhaupt hat niemand sie lieb und dieses und jenes Kind war im Hort doof zu ihr und apropos Hort ist es auch brutal ungerecht, dass sie da hin muss und Michel nicht. Wie immer bei Pippi war das Drama aber wesentlich kurzlebiger als bei Michel und bei „morgen geht ihr mit dem Hort in die Bibliothek und da ist eine Veranstaltung mit Reptilien“ plötzlich vergessen. Fünf Minuten später stand sie schon wieder singend vorm Spiegel. Da war Michel noch motzig und rieb sich den Nacken. Es ist wirklich faszinierend, wie unterschiedlich die zwei sind.