Tag 2760 – Vorlagen über Vorlagen.

Bin heute ins Büro gefahren, da waren zwei Meetings, die sinnvoll waren, nicht remote wahrzunehmen. Das ist recht anstrengend, ins Büro fahren. Vorsichtshalber habe ich auch heute morgen noch mal getestet, da war aber nur eine Linie auf dem ansonsten blütenweißen Test, somit kam ich um meinen selbst gemachten Plan nicht drum rum.

Nach den zwei Meetings und Mittagspause (Gersten-risotto mit Pilzen und Focaccia, „ungezwungen“ vegetarisch und lecker und sogar das Focaccia ohne Oliven, hach!) habe ich dann im Akkord Dokumentvorlagen erstellt. Ich habe heute mal durchgezählt, ich habe bereits 23 Stück erstellt, 7 fehlen noch. Inzwischen habe ich aber so Übung, dass ich die quasi im Schlaf zusammenklicke. Heute 4 Stück in einer Stunde. Warum muss ich das machen, und warum muss ICH das machen? Die müssen alle in das IT-Projekt getöckelt werden. Vorher waren sie nicht ins Sachbearbeitungssystem integriert, jetzt soll man halt einfach eine Vorlage öffnen können, zum Beispiel einen Report, und dann sind da gleich so grundlegende Daten wie die Adresse der Firma, der Name des zuständigen Sachbearbeiters, die Zulassungsnummer und so weiter ausgefüllt und man muss quasi nur noch die Kür machen, nämlich den Report auch mit fachlichem Inhalt füllen. Aber dafür muss man erst mal die Vorlagen entsprechend erstellen, mit einem speziellen Word-Plugin, das NICHT selbsterklärend ist. Und unstabil läuft, aber das ist ein anderes Thema. Die einzige, die das zur Zeit kann, bin ich (ich übertreibe da überhaupt nicht. Wirklich nicht. Man hat es niemand anderem beigebracht. Genau genommen habe ich es mir auch zu 90% selbst beigebracht). Bisher hatte ich keine Zeit, weil ich mehr als Vollzeit mit anderen Dingen beschäftigt war, aber diese Woche war mal nicht so viel anderes zu tun (und eine Aufgabe, die ich hätte machen KÖNNEN, habe ich halt nicht gemacht) und wie gesagt, mit ein bisschen Übung geht das recht schnell. Ich bin echt ein bisschen stolz auf mich, weil ich, wenn ich die 7 noch fehlenden Vorlagen erstellt hab, meinen Kolleginnen und Kollegen, die Ende nächste Woche in dieses Programm eingewiesen werden, schon mal was geben kann, was sie dann nur noch maintainen müssen. Ich weiß jetzt schon, dass mir einige dafür ewig dankbar sein werden.

Außerdem kann ich, wenn ich mit den Vorlagen fertig bin, das Plug-In deaktivieren und dann stürzt Word auch nicht mehr alle Nase lang ab, das wird das allerschönste.

Tag 2751 und 2752 – War schon fitter.

Gestern bin ich bei Michel im Bett eingeschlafen. Mal wieder. Allerdings ging es mir auch nicht so super, ich wachte morgens schon mit Kopfschmerzen auf, die sich anfühlten, als wäre mein kompletter Kopf in einer Schraubzwinge eingespannt. Das gab sich über den Tag nicht wirklich und dass ich irgendwie noch den Tag durchgezogen habe (z.B. Michel zu einem weiteren, allerdings wohl vorläufig letzten, Diagnostiktermin fahren) war sicher nicht unbedingt hilfreich. Aber Herr Rabe war außer Haus, also musste ich ja irgendwie. Nachmittags bekam ich noch Halsschmerzen dazu und abends zwei Kinder, die Hausaufgaben machen mussten, Hurra. Pippi lernt jetzt mit größeren Zahlen rechnen, Michel musste etwas über Claude Monet lesen und dann zu jedem Absatz des Textes ein Wort schreiben. Ich durfte also auch noch erklären, wo in unserem Garten Mohn wächst und wie der aussieht, damit sich Michel etwas darunter vorstellen kann. Tipp: „große, rote Blume“ ist nicht ausreichend spezifisch. Irgendwann waren aber alle Hausaufgaben gemacht und alle Kinder satt, ich brachte Pippi ins Bett und dann Michel und dann konnte ich meine Augen nicht mehr offen halten. Mein Körper fühlte sich eh an wie durch die Mangel gedreht, weil ich auch schlimmen Muskelkater hatte (und habe), beim Ballett wohl übertrieben. Und ich hab noch gedacht, toll, wie tiefe grand plié in der zweiten du machst, super! Und das ohne „Hinsetzen“ oder Hintern hängen lassen oder Turnout vergessen. Hmmhmm. Die Quittung kam sehr schnell. Au.

Heute war alles nur minimal besser, aber weil ich mir das so vorgenommen hatte, fuhr ich ins Büro. Da schmiss ich nicht den Computer aus dem Fenster und fing auch nicht aus Frust über Word an zu heulen, das war mein größter Erfolg des Vormittags. Den Tag über trank ich sehr viel Pfefferminztee, was die Halsschmerzen (kein Covid laut Test, sonst wäre ich nirgendwo hin gegangen) in Schach hielt. Am Nachmittag arbeitete ich stoisch diverse Unannehmlichkeiten weg und kam da gut voran, was ja auch mal schön ist.

Jetzt Bett, schon wieder sehr spät, aber ich wollte noch auf die Waschmaschine warten. Da drin war nämlich (nebst einigen Kinderklamotten) meine Mütze, mit der ich aus Mangel an Alternativen die Frontscheibe von Cardos trocken gewischt habe, nachdem die Klimaanlage sie endlich aufgetaut hatte. Also von innen. Außen kann ich ja kratzen, aber Cardos friert auch gern von innen zu. Danach war die Mütze nass, aber die Scheibe frei, aber gleichzeitig ist das meine eine warme Mütze und meine Lieblingsmütze ebenfalls und morgen keine Mütze haben ist keine Option. Das ist die heutige Ausrede für spätes Schlafen.

Tag 2708 – Man kann auch…

… zu Hause frieren. Ich wollte echt ins Werk fahren, aber dann führte eine Verkettung unglücklicher Umstände (Kinder.) dazu, dass mir der Zug vor der Nase wegfuhr. Ganz buchstäblich, der Schaffner sah mich noch laufen und ich drückte auch noch auf den Knopf. Tja. Und weil mir dann auch eingefallen war, dass Weihnachtsfeier im Werk war, mit allen 380 Angestellten (naja, denen, die halt Lust und Zeit hatten), und weil es auch minus tausend Grad waren und eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten keine wirkliche Option, fuhr ich einfach wieder nach Hause. Und da war es auch schön und ich hab mit viel Willenskraft auch nicht allzu hart prokrastiniert. (Langsam kommt der Zeitdruck und hilft auch.)

Zu Hause ist es auch kalt. Zumindest im Arbeitszimmer. Das ist alles blöd, ich möchte das nicht.

Abends war ich dann nicht sooooo fit, nicht wirklich krank, aber auch nicht richtig gesund und deshalb tauschte ich Ballett gegen Geige spielen ein. Herr Rabe und die Kinder waren derweil beim Weihnachts-bowlen mit dem Korps, da hätte ich auch mitgekonnt, aber ich hab’s ja nicht übermäßig mit solchen Dingen (siehe oben).

Jetzt Bett. Wird Zeit.

Tag 2707 – Schlottern im Werk.

Das Werk spart jetzt Strom und deshalb ist es da kalt. Da war es vorher schon kalt, jetzt ist es Wollpullover- und Wollsockenkalt. Meine Kollegin sitzt mit Pulswärmern am Schreibtisch, eine andere hat sich zwei Schreibtischleuchten organisiert, um damit punktuelle Wärme zu erzeugen (nein, ich verscheißere Sie nicht). Ich habe schon vor ein paar Wochen so eine Art Teppich zum Anziehen besorgt, trotzdem ist es wirklich keine sonderlich große Freude, da in Meetings oder am Schreibtisch über längere Zeiträume still zu sitzen. Am Ende des Tages waren meine Finger ziemlich blau (ok, ich hab halt auch quasi kein Melanin zur Zeit). Jedenfalls ist Büroarbeit da echt nur so mittel attraktiv, muss ich sagen.

Andererseits war ich heute echt produktiv in den 3 Stunden, in denen keine Meetings waren. Und die großen Bildschirme sind auch ganz nett.

Heute Morgen gab es auch noch Zugchaos und ich saß eine Stunde länger als geplant im Zug, weil im Tunnel vor Oslo eine Hochspannungsleitung gerissen und auf einen Zug gefallen war. Die Leute in besagtem Zug (bzw. sogar zwei Zügen) hatten es jedoch noch deutlich schlimmer, die saßen nämlich vier Stunden mit Notstrom (also kein Licht, keine Heizung, kein Klo) im Zug im Tunnel fest. Wir konnten immerhin im Schneckentempo über die Dörfer statt durch den Tunnel fahren.

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Mein Immunsystem wehrt weiter tapfer Herrn Rabes und Michels Infekt ab, ich bin gesund, dafür habe ich aber die halbe Nacht mit Pippi im Bett geschlafen, weil die schlimme Ohrenschmerzen hatte. Heute gönnten wir ihr dann auch einen Tag mit Nasenspray und Schmerztabletten auf dem Sofa, statt das wehe Ohr draußen 10 Minusgraden auszusetzen. Morgen möchte sie aber sehr gerne zur Schule, weil dann ja St. Lucia ist. Wir werden sehen. Herr Rabe bügelt jedenfalls soeben das Luciakleid.

Tag 2702 – Müde.

Todmüde zum Fachtag gefahren. Pippi hat nämlich nachts gebrochen, immerhin nichtig unser Bett (Meilenstein!!!) und dann hat niemand vernünftig geschlafen. Herr Rabe vielleicht, der hat zumindest geschnauft. Ich weiß übrigens schon lange vorher, dass Pippi bald brechen wird, keine Ahnung woher.

Der Fachtag war exakt wie befürchtet schlimm. Nicht durchgängig, aber besonders zu Anfang, wo eine externe Vortragende eingeladen war um mit uns über „Arbeitsfreude in stressigen Zeiten“ zu sprechen. Es war dann aber viel, hmm, wie beschreibe ich es? Nicht sonderlich relevant für uns. Weil wir als Gruppe in einer großen, schlecht geführten Organisation, halt nur zu einem gewissen Grad in der Hand haben, welche Ressourcen wir haben und wie wir sie nutzen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir bitte uns fixen sollen, aber ohne, dass wir dafür einen Rahmen oder Unterstützung von oben bekommen. Bitte macht mehr und ohne zu meckern, wir tun dafür exakt gar nichts und wenn es aussieht, als hättet ihr den Kopf gerade so über Wasser, kommen wir direkt mit der nächsten Sache an. Teile des Vortrages möchte ich der Direktion ans Herz legen, aber die sind ja damit beschäftigt, alles an uns runter zu delegieren.

Und das wo ich daran arbeite, mich als Einzelperson nicht mehr fixen zu wollen, nur damit ich weiter für Arbeitgeber und co. funktioniere und insgesamt nicht unangenehm auffalle. Da kommt das selbe in Grün auf Gruppenebene um die Ecke.

Abends waren wir dann noch Essen, das war nett, aber ich bin jetzt gerädert und möchte nicht mit Menschen reden, wenn sich das vermeiden lässt.

(Auftritt IT-Projekt, wo ich heute [bin im Kalender als abwesend markiert] angerufen wurde, weil drei meiner Kolleginnen ein Meeting morgen abgelehnt haben. Ob ich einen anderen Terminvorschlag machen könnte und den Kolleginnen sagen könnte, sie sollen das bitte priorisieren. Als würden die Meetings einfach aus Jux und Dollerei oder um das IT-Projekt maximal zu ärgern, ablehnen. Orrrrrrr ey.)

Tag 2701 – Homeoffice.

Selbst gewähltes Homeoffice finde ich ja nach wie vor ganz gut. Auch wenn ich manchmal im Büro tatsächlich produktiver bin – aber nur, wenn ich dann nicht den ganzen Tag in Meetings rumhänge. Wenn man da so im Großraumbüro hockt, ist prokrastinieren halt schwieriger. Heute war aber auch so ein guter Homeofficetag, und was im Büro halt nicht geht, ist im Onesie rumhängen. Hier geht das, deshalb ein Hoch auf Homeoffice.

Michel geht es langsam besser, aber die Nacht war wohl wieder furchtbar, berichtete Herr Rabe. Ich habe geschlafen wie ein Stein, aber unsere Matratze, mit der ich übrigens nach wie vor überaus zufrieden bin, ist schon wesentlich bequemer. Jetzt grade höre ich aber auch kein Husten, vielleicht dürfen wir ja einfach zu zweit im Erwachsenenbett schlafen.

Morgen habe ich fachlich-soziales Tralala, den ganzen Tag, das wird… naja. Das wird schon, würd ich sagen, optimistische Frohnatur die ich bin. Immerhin sind es nur die Inspekteur*Innen und die Narkotika-Gang, also nicht so viele Leute auf einem Haufen und die meisten mag ich ja auch echt gern. Dann wird das schon. Bestimmt.

(Die Agenda verrät, dass wir „reflektieren“ sollen, ich kann mir wenig ätzenderes vorstellen, als in einer größeren Runde über das vergangene Jahr zu reflektieren. Aber das wird schon, das wird schon, das wird schon, tralalalala. Im Zweifel irgendeine Musik im Kopf auf Dauerschleife abspielen, funktioniert gut zum Bullshit und Menschen generell ausblenden.)

Tag 2693 – Rotz.

Die Reisenden sind allesamt total verrotzt. Herr Rabe hat letzte Nacht sogar geschnarcht, was er sonst eigentlich nicht tut und ich hab ab etwa halb drei deshalb mit Ohrenstöpseln geschlafen. Heute waren dann beide Kinder zu Hause statt in der Schule, während ich irgendwie sowas wie Arbeit simuliert habe (wie sehr ich Documents Core Pack hasse. Falls Sie das mal in der Hand haben, ob sie das einführen wollen oder nicht: rennen Sie schnell und weit, es ist der Teufel. Vielleicht haben Sie aber auch Geduld wie Buddha oder einen Fetisch für ständig abstürzendes Word, dann ist das genau das Richtige für Sie). Jetzt ist ein hustendes Kind in unserem Bett, aber ich habe ja Ohrenstöpsel und muss ja nur noch morgen überleben, danach ist den Rest der Woche alles egal. Eigentlich ist es mir das schon jetzt, auf gewisse Weise, zumindest das IT-Projekt kann mich mal kreuzweise.

Bevor Sie fragen: ich benutze die Lufthansa-Ohrenstöpsel aus dem Flugzeug, die sind mega. Nur kommt man da echt schlecht dran.

Tag 2672 – Gedanken.

Anstrengend hier. Muss viel Englisch sprechen, ständig switchen, Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Hirn glüht. Eine Frau hat Bärchenohrringe, die aussehen wie Deutschland. Ein, sagen wir mal, hochrangiger Typ in der Firma könnte rein von der Kleidung her auch Burger bei Mäcces verkaufen (und wär noch underdressed), es ist verwirrend. Der Lieblingskollege sagt, er spielt eine Rolle bei Inspektionen, die Rolle ist nicht so stark introvertiert wie er eigentlich und deshalb geht das gut. Ich finde mich in dieser Beschreibung sehr gut wieder. Ist ja auch kein Zufall dass ich den mag, den Lieblingskollegen. Habe außerdem heute wirklich ehrliche Komplimente für mein Norwegisch bekommen, das passiert hin und wieder, manchmal werde ich auch gefragt, woher in Norwegen ich käme, weil Leute meinen „Dialekt“ nicht platzieren können. Das ist immer schön, und ich versuche dann gerne zum Ausdruck zu geben, dass ich das Kompliment gerne annehme, mir das auch klar ist und mir ebenfalls klar ist, dass ich kein Maßstab bin. Mein Schwedischlehrer sagte mal, ich sei sehr gut darin, zu imitieren, dadurch wirke mein Schwedisch gut (es kommt da sehr auf den Tonfall und die Sprachmelodie an) und sei für Schweden verständlich. Ich hätte auch total Lust, mehr Sprachen zu lernen, aber haha wann. Weil eigentlich mag ich diesen Sprachmix sehr und Sprachen generell und warum hab ich so lange und in entscheidenden Lebensphasen gedacht, Sprache sei nichts für mich? Nur wegen Latein (6 Lehrpersonen in 5 Jahren) und Spanisch (1 richtig blöde Lehrperson und deshalb nach 1 Jahr abgebrochen)? Hrmpf.

Hirn glüht, aber nicht im schlechten Sinne. Hurra für Input.

Tag 2661 – Applaus!

Heute habe ich die Inspekteure und Inspekteurinnen im IT-Projekt eingewiesen. Es war ein wilder Ritt und am Ende haben alle geklatscht (außer mir) und geweint (ok nur ich und nur fast). Jetzt liegt das also hinter mir. Ich bin angeblich streng, so als Lehrerin, merke das selbst aber nicht. Andererseits habe ich angeblich auch eine Engelsgeduld. Auch das merke ich nicht. Spannend. Aber ja, ich habe heute ca. eine Schrillion mal das selbe gesagt, immer wieder die gleichen Abläufe erklärt, weil niemand zuhört, wenn man was für alle sagt, und jede*r dann in die selben Löcher tappst. Ich mache sieben Kreuze, dass ich nicht Lehrerin geworden bin, da würde ich über kurz oder lang bekloppt werden. So viel kann man gar nicht klatschen, auch wenn es natürlich echt lieb ist, wenn sie das am Ende tun.

Jetzt bin ich allerdings auch echt gar. Könnte aber auch am Prosecco liegen, mit dem ich den heutigen Meilenstein begossen habe, liegen. (Unter der Woche! Schockschwerenot.)