Tag 272 – Wartepflanzen-Update und so

Gucken Sie mal!

Stockrosen unbekannter Farbe


Wenn alles gut geht, werden bald auf Lademoen in Trondheim Stockrosen aus dem Bielefelder Westen (Siggi mei lohf!) wachsen und ich freue mich so so doll. Heimat. 

Und da kommen auch zwei (man sieht sie kaum, etwa auf 2 und halb drei). Die Samen habe ich von meiner Oma, die weiß auch nicht so ganz genau, wie die heißen. (Ich nehme mal an, ‚Judentaler‘ ist allerhöchstens ein Trivialname.)

Pflanze unbekannten Namens. Nennen wir sie Silbertaler.


Bei der Arbeit beim Lesen für das RNA-Projekt über Dinge zu meinem eigentlichen Projekt gestolpert. Dinge wie „Frau Rabe hat vermutlich recht, Proteine wie das, was Frau Rabe untersuchen soll, sind oft fiese kleine Arschgeigen ohne Struktur.“. Nun ja. Vielleicht trage ich all diese Artikel mal zusammen und gestalte meinen nächsten Vortrag für die Projektmeetings etwas anders. Das wird den NMR-Leuten nicht gefallen. 

Meine Zellen leben alle noch. Aber wenn man so Sachen ausknockt, die für das Überleben der Zellen nicht so ganz unerheblich sind, dann wachsen Zellen nicht so gut. Will heißen, sie sind immer noch sehr dünn und weit entfernt von den ca 6 Teilungen, die ich für die Experimente bräuchte. Schnarch. 

Wir müssen Wünsche konkreter formulieren. „Pippi braucht Schuhe, Größe 18 oder 19, von Bama myfirst, mit der weichen Sohle.“ Das war, was wir sagten. Ich sagte noch „Am Besten wären Sandalen, Halbschuhe haben wir ja noch von Michel und die hatte er nie an.“, aber ich glaube, das wurde nicht an die Schwiegereltern weitergegeben. Heute packten sie jedenfalls die Schuhe aus:

Rosa. Mit Glitzer.


Also ähh, Hmm. 

Überhaupt sind meine Schwiegereltern ziemlich anstrengend. Und meine Schwiegermutter macht mir Sorgen. Heute aß sie vom Abendessen fast gar nichts, wirklich, sie zerfledderte einen Grillspieß, fütterte die Kinder damit, ließ den Rest liegen. Sie selber aß vielleicht zwei Gabeln Salat ohne Soße. Getrunken hat sie auch nichts. Dafür im Laufe von 5 Minuten dreimal ihre Brille gesucht (sie war jedes Mal in ihrer Handtasche). Puhh. Mein Schwiegervater macht einen etwas resignierten Eindruck. Herr Rabe guckt schon den ganzen Abend die wirklich sehr lustigen Videos von Simone Giertz, der „Queen of shitty robots“. Das ist wohl seine Art, das zu verdauen. 

Weitere Trivia von der Arbeit: C. Ist auch schwanger. A. Bekam heute ihr Baby (wooohoooo, morgen wieder Baby angucken!). M. färbt wegen schwanger ihre Haare nicht mehr und hat in ihrem langen, schwarzen Haar eine silberne Strähne. Das sieht so unfassbar toll aus, dass ich es ernsthaft schade finde, vermutlich nie sichtbar graue Haare zu bekommen. Dafür saß ich dann im Bus neben einer Frau mit wallendem, weißen Haar. Vielleicht sehe ich ja mal so aus. 

Tag 271 – Schwiegereltern zu Besuch

Puh. Meine Schwiegereltern sind da. Das ist für uns alle sehr aufregend, vor allem wohl für meine (leider demente) Schwiegermutter. Ich versuche positiv an die ganze Sache heranzugehen, habe aber bei Sätzen wie „… und wenn du in der Schule auch immer gut aufpasst, dann kannst du auch mal Onkel Doktor werden.“ Schwierigkeiten, meine Hutschnur am Platzen zu hindern. Mein Mantra für die nächsten eineinhalb Wochen wird also sein: sie meinen es ja nur gut. 

Nun ja, die Kinder sind begeistert und den Berufswunsch Arzt kriegen wir dem armen Michel auch sicher schnell wieder ausgetrieben. Eigentlich reicht es ja, ihm alternativ „Pirat“ als Beruf vorzuschlagen, oder „Katze“. Noch. 

Pippi beißt mich gerne mit ihrem einen halben Minizähnchen und ich finde das nicht gut. Das tut nämlich scheiße weh, um genau zu sein. Leider lacht sie, wenn ich schimpfe. Es hilft nur, sofort alles einzupacken und sie runter zu setzen, und auch das hat sie beim nächsten Stillen dann vergessen. Hrmpf.

Meine Mutter hat so ne Paketsache total verkackt und das regt mich kolossal auf, denn 1. habe ich den vor über zwei Wochen bestellten Still-BH immer noch nicht in meinen Händen und 2. ist dadurch auch die Rückgabefrist schon vorbei und der muss jetzt passen und gefallen, sonst sind 50€ zum Teufel. Da hilft auch kein Meditieren mehr, das ist einfach sehr ärgerlich und arrrrg. 

Habe mir jetzt auch Babyfüße bestellt. Ich bin sehr gespannt und auch etwas besorgt, denn Hornhaut an den Füßen hat ja durchaus einen Sinn. Also vielleicht nicht in der Masse, wie ich sie habe, und das trockene, rissige Zeug an der Ferse hat sicher keinen Sinn, aber ich habe schon etwas Angst, mir nachher an meinen Babyzarten Wie-Neu-Füßen Blasen zu laufen. Wir werden sehen. 

Tag 206 – Wie besoffen

Von Freundschaft betrunken, geht das? Mein Kopf ist ganz leicht gerade, ich bin quatschig und lache über meine vergeblichen Versuche, Pistazien zu essen und bin allgemein unbeschwert. Dies ist, was ich heute trank:

  • 2 Kaffee
  • 1 L Stilltee
  • 2 große Gläser Wasser
  • 1 kleines Bier, „Clausthaler Juleøl“, alkoholfrei 

Hach ja, die beste Freundin könnte ruhig öfter zu Besuch kommen. 

(Hier übrigens die Taschenhose, die ich Michel gestern genäht habe und die heute stolz zum Kindergarten ausgeführt wurde: 
   
 Ist mir ganz gut gelungen, wie ich finde. Nur etwas zu lang ist sie (absichtlich) und die Kordel ist zu kurz, weil ich nicht bedacht habe, dass da ja noch Knoten reinkommen, damit sie nicht in den Knopflöchern verschwindet. Aber es geht schon noch, ne Schleife zu machen. Halt ne sehr kleine.)

Tag 145 – Bielefeld Tag 22 – Beikost, ick hör dir trapsen

Wir waren heute nochmal bei Flavius und Brutus. Das war soooo schön, obwohl alle Kinder irgendwie etwas drüber waren, dabei und auch danach. Aber neue nette Leute hier kennenlernen macht es nicht einfacher, bald wieder ins trübe und kontaktarme Trondheim zu fahren. Seufz. (Btw: Monstro hat noch einen neuen Fan: Herr Rabe war ziemlich arg begeistert und jetzt hab ich ein bisschen Angst, dass er demnächst einen Hundewelpen anschleppt…)


Das Baby geht so ab dieser Tage. Nicht nur, dass es während der letzten drei Wochen einfach mal aus fast allen mitgeschleppten Klamotten rausgewachsen ist. Es rollt jetzt auch richtig rum, manchmal jedenfalls, wenn ihm der Untergrundhärtegrad zusagt. Dann aber exzessiv: Rücken-Bauch-Rücken-Bauch-Rücken-Seite… Außerdem hat es heute, wahrscheinlich angespornt durch Kind, Flavius und Brutus, die fröhlich auf die Regale kraxelten, angefangen sich in den Vierfüßlerstand zu drücken und dann mit dem Po nach vorne und hinten zu rocken. Das Rückwärts-rutschen hat es nebenbei perfektioniert, auch das Propellern auf der Stelle beherrscht es seit ca. einer Woche. Alle Hunde des Yoga klappen ja eh. Fast will ich dem Baby zurufen: Ey, lass das, du bist erst fünfeinhalb Monate! Da krabbelt man noch nicht! Was für mich aber noch etwas schwerer zu verdauen ist, als dass das Baby vielleicht demnächst noch mobiler sein wird: Es will definitiv langsam was anderes essen als immer nur Muttermilch. Man kann mit Baby auf dem Schoß kaum noch essen, weil es ständig die Hände im Essen hat. Es greift nach allem, was wir uns in den Mund schieben. Jeder Happen wird genau verfolgt. Krümel, die auf dem Boden gefunden werden, werden glücklich schmatzend verzehrt. Das Größte für das Baby ist es, wenn wir ihm während unseres Essens ein Stück Maiswaffel in die Hand drücken, die ist in Nanosekundenschnelle im Mund und wird frenetisch belutscht. Alternativ kann man sich einen Babyhändefreien Teller auch dadurch erkaufen, dass man dem Baby einen Teelöffel gibt, den es in den Mund schieben kann. Tja. In Norwegen werden wir wohl mal die Broschüre über Babyessen im ersten Lebensjahr herauskramen, lesen, lachen, verbrennen und dann doch machen, was wir wollen und wie wir das für richtig halten. Trotzdem bin ich etwas wehmütig, wenn ich so deutlich sehe, wie rasant das Baby sich entwickelt. Seufz. Und dass, wo ich das Stillen grade so gut und praktisch und kuschelig finde. Andererseits sind es ja auch nur noch vier Monate bis das Baby tagsüber mit Herrn Rabe allein sein wird. Und da es Flaschen bisher komplett ablehnt, wäre es schon gut, wenn es bis dahin innerhalb dieser acht, neun Stunden ernährungsmäßig von mir unabhängig wäre. Ach ja. Sie werden so schnell groß…


Apropos schnell groß: Das Kind hat seine Zeit bei Oma in vollen Zügen genossen und hat auch gut geschlafen, wenn auch erst um elf.

 

 

 

Tag 127 – Bielefeld Tag 3 – Reisebericht Teil 2

Wie versprochen geht es weiter mit der Beschreibung unserer Reise ins schöne Bielefeld.
Wir waren ja von Herrn Paul am Flughafen abgeholt worden, dieser schnappte sich auch gleich gentlemanlike die zwei wirklich großen Koffer, und wir gingen zum Bus. Der Bus stand auch schon bereit und sollte in 2 Minuten abfahren. Ich musste noch den Trolley loswerden bevor ich in den Bus steigen konnte, während Herr Paul mit den beiden Riesenkoffern bereits einstieg. Dies veranlasste das Kind zu kurzer Panik, dass der komische Mann mit Bart unsere Koffer klauen wolle. Als es danach aber die Plätze im Bus aussuchen durfte (ganz hinten natürlich wo die coolen Kinder sitzen) war alles wieder gut. So fuhren wir mit dem Bus zu Herr Paul, wo Herr Pauls bezaubernde Frau Jott schon das Frühstück bereitet hatte. Das Kind forderte im Bus das Schicksal und sein Immunsystem heraus indem es die Fensterscheibe ableckte. 

Bei Herrn Paul angekommen freundete sich das Baby direkt mit Herrn Schnuffke, der bunten Spielmatte und dem einen Ende eines langen Babyspielzeugs an. So besabberten die Babys fröhlich den Fußboden, und ich hatte Zeit mit dem Kind aufs Klo zu gehen. Das Kind zeigte große Begeisterung für den Seifenschaumspender, zur Abwechslung musste ich es deshalb mal nicht zum Hände waschen zwingen. Dann gab es sehr leckeres Frühstück für alle mit leckerem Kaffee für die Großen. Das Kind wollte erst mal nur ein halbes Brötchen mit Schokocreme essen, dann war es sehr viel spannender, mit Jott ein Bild für Opa zu malen und zu kleben. Jott zeigte dabei ungeahntes Talent beim Zeichnen eines Elches, Respekt! Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, und ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe Herrn Paul um dieses Treffen zu bitten. Dieses Internet ist eben doch gar nicht so unpersönlich wie man meinen könnte ;) Das Baby bekam dann noch eine frische Windel und einen sauberen Body angezogen, ich packte einen weiteren sauberen Body als Ersatzbody in meinen Rucksack und die versifften Klamotten in den Koffer. Dann war es schon wieder Zeit zum Bahnhof aufzubrechen, wir zogen uns umständlich an, das Kind schaffte es irgendwie noch Jott eine kleine Elsafigur abzuluchsen, der kleine Charmeur, und dann machten wir uns auf den Weg. 

Dank Schienenersatzverkehr mussten wir erst mal den Bus nehmen, wo es uns zunehmend schwer fiel, das Kind vom einschlafen abzuhalten. Als das Kind dann jedoch hörte, dass wir gleich mit der S-Bahn weiterfahren würden, waren seine Lebensgeister wieder geweckt. Dafür stellte es dann auf dem Bahnsteig fest, dass es dringend aufs Klo müsse. Netterweise durften wir im Kontrollhäuschen schnell pullern gehen. Dann fuhren wir mit der S-Bahn zum Ostkreuz, wo wir umsteigen mussten. Das Kind war ziemlich aufgekratzt, und rannte mehr als das es ging. Als wir aus dem Fahrstuhl ausstiegen konnte ich ihm gerade noch hinterherbrüllen, dass es nicht so schnell rennen solle, als es die wartende S-Bahn entdeckte. Das Kind rannte aber weiter auf die Bahn zu und schaffte es exakt in dem Moment, als die Türen der S-Bahn sich zu schließen begannen, in den Schuhgröße 25 großen Spalt zwischen Bahn und Bahnsteigkante zu treten. Das Resultat war: Oberkörper in der Bahn, Bein bis zur Hüfte im Spalt, die Türen im Schließen begriffen. Ich Beamte mich die drei Meter vorwärts, packte das Kind im Nacken an seiner Weste und riss es nach oben und hinten. Irgendwie glückte mir das Wunder, alle Körperteile aus dem Spalt und der Tür heile herauszubekommen, bevor die Bahn abfuhr. Danach musste das Kind vor Schreck ziemlich doll weinen, und auch mir stand die Pippi sehr weit oben in den Augen. Ich darf mir immer noch nicht ausmalen, was da alles hätte passieren können. Verkehrserziehung ÖPNV steht auf jeden Fall auf meiner inneren To-Do-Liste! 

Wir fuhren dann mit der S-Bahn ziemlich käsebleich zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg freute sich das Kind: „Ein Leuchtturm!“. Den meisten ist dieser Leuchtturm besser bekannt als der Fernsehturm am Alex. 

Am Hauptbahnhof waren wir dann früh genug, um dem riesigen Weihnachtsbaum noch einen Besuch abzustatten. Das Kind war sichtlich beeindruckt und wir machten ein paar Fotos von uns und dem Baum und uns vor dem Baum. Dann gingen wir zum Gleis, immer noch sehr zeitig, und entdeckten eine Anzeige, die Wagenreihung sei aufgehoben und die Platzreservierung werde nicht angezeigt. Meine schöne mitten in der Nacht getätigte Reservierung im Kleinkindabteil war damit zum Teufel. Wegen des vielen Gepäcks blieb uns allerdings nicht viel anderes übrig, als uns rücksichtslos und mithilfe von Herrn Paul einen Weg in das erste Abteil zu bahnen, um uns dort augenblicklich mit unserem Gepäck sehr breit zu machen. Dann musste Herr Paul leider aussteigen (das Kind fand das sehr schade und wollte gerne dass Herr Paul mit nach Bielefeld fährt) und los ging die Fahrt. 

  
Morgen geht die Geschichte unserer Reise dann mit der Bahnfahrt und der Ankunft im schönen Bielefeld weiter. Freuen Sie sich auf meine aufgeregten Schwiegereltern, meine noch aufgeregtere Mutter, sowie drei komplett übermüdete Raben.

Tag 66

Mannmannmann, schon wieder so spät. Wo ist denn nur der Tag hin? Ich bin auch zum Umfallen müde, gut, dass ich schon im Bett liege.

Das Baby hat gerade mal wieder irgend so einen Entwicklungsschub. Seit Montag, wo es ja überraschend versucht hat sich herumzudrehen und das auch mehrmals fast ganz alleine schaffte, will es spätestens alle zwei Stunden stillen und braucht dann ewig lang. Manchmal sogar beide Seiten, was sehr ungewöhnlich ist. Jedenfalls schläft es sich da nicht so gut, wenn man alle zwei Stunden ne halbe benuckelt wird. Mein Geisteszustand leidet extrem ein bisschen darunter. Außerdem nöckelt das Baby auch viel rum, es kaut auf meinem Finger (Kauleisten-Jucken?) und die Hand-Augen-Koordination ist sehr viel besser geworden. Eigentlich will es glaub ich am liebsten morgen loslaufen. Mir hinterher. Wenn man es auf die Beine „stellt“, freut es sich nen Ast und fängt sofort zu erzählen an. Das ist sehr niedlich, aber scheinbar sehr sehr anstrengend grad für das Baby selbst und das muss es den Eltern natürlich mitteilen. Naja. Die ersten Schübe sind ja noch kurz.


Heute früh sind die Großeltern abgereist. Das Hotel in dem sie waren liegt auf dem Weg zum Kindergarten. Um 08:30 waren wir verabredet, ich sollte erst das Kind wegbringen und dann die Großeltern vom Hotel zum Bus bringen. Um 08:02 passierte ich mit Kind das Hotel und meine Schwiegereltern lauerten mir schon auf. Hätten die Koffer schon runter gebracht und ausgecheckt. Ob ich zehn Minuten später wieder da sein könne, wegen des Busses (der Bus fährt alle 10 Minuten, braucht 30 zum Flughafen, der Flug ging um 11:30 Uhr. Denken Sie sich den Rest). Ich hab also das Kind beim Kindergarten nur über den Zaun geworfen nur sehr kurz verabschiedet und war 9 Minuten später wieder am Hotel. Also um 08:13 Uhr, immer noch 17 Minuten bevor wir ursprünglich verabredet waren. Ich sagte nichts. Dann gingen wir zum Bus, zu einer anderen Haltestelle, als ich dachte oder Sinn machte, aber ich sagte nichts. Es kam sofort ein Bus, was gut war weil viel länger hätte ich nicht nichts sagen können. Und so saßen meine Schwiegereltern dann zwei Minuten vor der Zeit, zu der wir verabredet waren, schon im Bus.


Heute mittag war auf mein Anregen hin ein Treffen der Barselgruppe, also die Muttis mit den Babys. Einige sind vielleicht doch interessanter, als bisher gedacht. Eine zum Beispiel, sie kann nicht älter sein als ich, eher jünger denke ich, hat eine 22-Jährige Stieftochter. Dafür ist die mit den Zwillingen viel älter als ich dachte (und sie aussieht, ehrlich, so will ich mit 39 bitte auch aussehen. Aber genug der Oberflächlichkeiten). Eine hat ein Familienbett und testet glaube ich auch ihre Bullshittoleranz, jedenfalls kamen von ihr so Konfliktvermeidungsallgeimeinplätze wie „Jaja, da muss jede Familie den Weg finden, der für sie passt…“. Hätte auch von mir sein können, der Satz.


Dem Baby ne neue Wollstrumpfhose gekauft. Die eingelaufene ist nicht zu retten. Die hat jetzt die Puppe an.


Heute Nachmittag war dann noch Elternabend im Kindergarten. Wir sollen den Kindern die Haare täglich prophylaktisch Läusekämmen. Jaja. Klar, mache ich*. Des Weiteren wird es weiterhin kein warmes Essen geben, sondern an den Brotdosen festgehalten. Ok für mich. Und wir mussten einen dämlichen Tanz lernen, ich wollte mir dabei gerne was in die Nase rammen, aber das ging nicht, also tanzte ich fröhlich lächelnd den doofen Kindertanz (Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung!).


Danach wars es zu spät für Ballett. Und fürs Kind auch, es machte ein Theater beim ins Bett bringen, als würde Herr Rabe ihm die Haut bei lebendigem Leib abziehen. Morgen bin ich wieder dran. Ich freu mich schon*.


Morgenn ist Muttisport, dann evtl Mittagessen, und dann ein berufliches Meeting zu meinem Projekt (an dem andere auch mitarbeiten, also zumindest indirekt, ist kompliziert, unser nicht vorhandenes Organigramm). Ich bin ein bisschen nervös, weil nicht ganz sicher, ob mein Hirn noch gut genug funktioniert oder vielleicht auch mit eingelaufen ist.

*ganz sicher nicht.

Tag 65

Morgen reisen meine Schwiegereltern ab.

Was ich dann nicht vermissen werde:

  • Jeden Tag überhören zu müssen, dass die Essensportionen für sie ja viel zu groß sind (sind sie nicht).
  • Jeden Tag Schokolade mitgebracht zu bekommen (läuft leider komplett konträr zu allen „Wir müssen uns gesünder ernähren“-Plänen).
  • Jeden Tag Geschenke fürs Kind.
  • Jeden Tag Schoki/Kekse/Süßes fürs Kind (aber immer betonen, dass man ja als Kind dick gewesen sei und das sei ganz schlimm gewesen).
  • Dass immer komplett alle Spielsachen im Wohnzimmer ausgeleert werden, sodass man während des Spielens kaum freien Boden für seine Füße findet.
  • Sätze (ans Kind gerichtet) wie „Wenn du schön aufisst, scheint morgen wieder die Sonne!“, „Wenn du so Theater machst, nimmt der Busfahrer dich nicht mit, dann musst du alleine nach Hause laufen!“ und „Geh jetzt mal nicht zur Mama hin, die ruht sich aus.“
  • Sätze (an uns gerichtet) wie „Wart ihr wegen xyz mal beim Arzt?“, „Mag das Kind denn Leberwurst?“ oder „Nimmt das Baby schon Tee aus der Flasche?“
  • Dass mir hektisch an den Kinderwagen gegriffen wird, weil ich ja nicht gesehen hab, dass ich da schon ganz weit links rüber…
  • Dass das Kind dauernd wegen allem behelikoptert wird („Bleib schön hier, nicht so schnell, nicht so hoch, nicht allein die Treppe runter…“)

Was ich vermissen werde:

  • Dass das Kind beim Türklingeln losrennt und aufgeregt „Opa kjem! Oma kjem*!“ ruft.
  • Dass das Kind mal jemand anderem hundert mal am Tag zuruft: „Guck maaaaal!“
  • Dass jemand sich gar nicht davon irritieren lässt, dass das Baby auf dem Arm auch mal rummeckert**.
  • Dass sie sich so sehr an ihren Enkelkindern freuen und einfach alles total süß und toll finden, was sie machen.
  • Dass sie unermüdlich mit dem Kind spielen. Und sich unermüdlich mit dem Baby unterhalten und ihm vorsingen und Musik vorspielen undundund…

* Dialekt (Wäähähä, das Kind spricht Dialekt!) für „Opa/Oma kommer“ = Opa/Oma kommt.
** Was meine Chancen, mal alleine aufs Klo zu können, erheblich steigert.

Tag 48

Wheee! Wir haben soeben unseren Weihnachts-Heimaturlaub gebucht! Ich werde mit den Kindern am 13. Dezember total mutig alleine losfliegen, Herr Rabe kommt dann am 20. nach (der arme Mann muss ja arbeiten, kann ja nicht jeder Geld fürs Nichtstun 24/7 Kinderbetreuung bekommen) und dann fliegen wir am 7. Januar zusammen wieder zurück. Wo wir in der Zeit wohnen ist so halb klar, aber es wird schon irgendwie gehen, sonst halt doch die schicke Wohnung im Westen von AirBnB. Nächster Schritt werden die Bahntickets (Hurra Direktverbindung im ICE! Und ich werde im Zweifel Stillend durch den ICE wandern, wenn mir eine/r doof kommt, hetze ich das Kind auf sie/ihn!) und mir irgendwen an den Flughafen organisieren, der mir hilft, die zwei Blagen und tausend Koffer von Schönefeld zum Hbf zu bekommen. Oder zumindest von Schönefeld zur S-Bahn. Leider ist das Kind ja wie zehn Sack Flöhe momentan. Oh, und wir brauchen ein PramPack für den Kinderwagen! Eieiei, das wird ne Aktion.

Außerdem haben wir heute geputzt und das war sehr nötig aber jetzt findet man schon mal nicht mehr überall Haare der Freundin C., die ja auch schon vor zweieinhalb Wochen abgereist ist. Wir haben ja alle kurze Haare, Herr Rabe hat schon angefragt, ob C. wohl im Stress gewesen wäre, wegen des Haarausfalls, aber ich denke der hielt sich durchaus im Rahmen, nur kennt er das halt nicht, dass lange, dunkle Haare überall rumfliegen. Nächste Woche kommt die Babysitterin direkt wieder, dann noch mal drei Stunden putzen und dann kann ich (denke ich) meine Schwiegereltern hier reinlassen. Meine Schwiegermutter ist ja so eine Person, die einem als erstes nach der Begrüßung erzählt, was sie heute schon alles geputzt hat. Und mir ständig anbietet, was im Haushalt zu machen was zwar nett ist aber leider für mich nicht möglich, das anzunehmen, sobald es über Spülmaschine ein/ausräumen hinausgeht.

Außer der Haare hatte der Besuch von C. und Familie, vor allem Kind M., noch weitere Auswirkungen: Das Kind will jetzt wieder dauernd ein Lätzchen umhaben. Das ist höchstens so mittel. Dafür sagt das Kind jetzt öfter, wenn es abends müde und weinerlich ist, dass es ins Bett will. Das ist gut. Ins große (also unser) Bett. Das ist wieder nur so mittel.

Und das Kind hat ne Sollbruchstelle, ich bin mir inzwischen fast sicher: die Innenseite der Lippen. Jedes mal, wenn sich das Kind auch nur ein bisschen mehr als nur ein bisschen auf die Fresse legt, zum Beispiel weil es, wie heute, mit dem Laufwagen Roller fährt und dann vornüber kippt, schlägt es sich die Lippe auf. Jedes verdammte mal. Jedes mal ganz viel Blut und Tränen und versaute Klamotten. Und jedes mal hab ich Angst, dass es sich doch nen Zahn ausgeschlagen hat. Tut es aber nicht. Man sieht auch nie von außen was, es hat nur den Mund voller Blut und die Zunge ists nicht. Ob das an dem Überbiss liegt, der sich da (Schnullerbedingt?) gebildet hat? Es schlägt sich aber auch manchmal die Unterlippe auf, das würde ja dagegen sprechen.

Huch, so spät schon. Ich muss ins Bett, mein Rücken tut wieder ganz furchtbar weh nachdem ich gestern das Kind wegen im Auto eingeschlafen und heute wegen Aua herumgetragen hab. Also, das große Kind. 15 kg. Uff. Morgen Sport.

Tag 30 – Besuch

Wir hatten jetzt seit Freitagnacht Besuch. Meine Freundin C. war da, die ich seit dem Studium kenne (also schon 11 Jahre!!!Einself!), ihr Mann A. und Besuchskind M., im ca. gleichen Alter wie das Kind. Das letzte Mal gesehen hatten wir uns im Sommer 2013, da waren die Kinder noch Babies. Trotzdem war es ein ganz toller Besuch, stressig zwar auch aber insgesamt richtig toll. Toll. Hach.

Erstmal: Das Kind und das Besuchskind. Liebe auf den ersten Blick. Im Highspeed-modus wurde unsere Wohnung auf den Kopf und wieder zurück gestellt, alle Spielsachen mussten vorgezeigt und bewundert werden, das schuhschachtelgroße Kinderzimmer inspiziert und der Klositz probiert werden. (Im Übrigen: zwei Stoffwindelkinder und beide keinen Deut früher dran mit trocken werden als der gefühlte Durchschnitt.) Nur zusammen in einem Zimmer schlafen klappte nicht. Weil: das Besuchskind braucht ABSOLUTE RUHE und alleine sein zum einschlafen. Es singt sich dann selbst in den Schlaf. (*Insert extremes Staunen here*) Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht durch die Zimmertür gehört hätte. Ein Teil von mir glaubt es auch immer noch nicht. Ein anderer Teil sitzt in einer Ecke und wiegt sich hin und her bei dem Gedanken, dass sich das Kind wahrscheinlich eines Tages aus der warmen Umarmung eines_r Partners_in befreien und in unser Bett kriechen wird. Dann wird es seinen bärtigen Kopf auf meinen legen und Herrn Rabe seine Füße Größe 45 in den Rücken schieben. Und nach Pitsch-Patsch-Pinguin zum Einschlafen verlangen. Egal, jedenfalls wegen dieser Diskrepanz an Einschlafritualen konnten die Kinder nicht in einem Raum schlafen. Aber geschenkt, dafür spielten sich die Kinder so dermaßen in Grund und Boden, dass wir schon glaubten, sie würden nie mehr schlafen. Oder irgendwann einfach umfallen und dann drei Tage durchpennen. Und das Ganze relativ streitarm, jedenfalls für Kinder diesen Alters. Und weil die Kinder sich so prima selbst beschäftigten (bzw. mit maximal einem Erwachsenen als Reittier/Streitschlichter/Zugbaumeister/Buchvorleser dabei), hatten auch wir Großen Zeit für Austausch von Informationen aller Art. War ja auch trotz Facebook und co. nötig, nach der langen Zeit.

Sonntag sind wir dann alle aufgebrochen in den Norden, zum Namsskogan Familienpark. Mit dem Zug hin, eine Übernachtung im nicht so ganz empfehlenswerten Hotel, am nächsten Tag in den Park, der auch wegen Nebensaison nur von 10-15 Uhr aufhat. Dann zurück wieder mit dem Zug. Der Plan ging auf, wir waren in dem Park. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf, weil das mit dem Familienzimmer („Doppelbett im Loft, geräumige Schlafcouch im Wohnzimmer“) sich irgendwie als sehr viel enger und einräumiger herausstellte als gedacht. Und die Schlafcouch war auch kaputt und hing an einer Ecke herunter. In Verbindung mit undichten Pull-ups und übermüdeten Wutzwergen nicht grad ein Spaß. Aber der Park war sehr schön und quasi leer außer uns. Man kann auch fast glücklich sein, dass alle Attraktionen außer der Tiere geschlossen waren denn für Klettergarten und so sind die Kinder ja eh noch zu klein aber im perfekten Alter für uneingeschränkte Uneinsichtigkeit. So konnten wir immer ehrlich sagen: Das geht leider nicht, das hat heute zu. Und uns denken: Schlau von uns, genau diesen Zeitpunkt auszuwählen, nicht wahr? Im Tierpark gibt es heimische Tierarten (Bären, Luchse, Elche, Rentiere, Wölfe…) und nicht ganz so einheimische (Strauße, Alpacas, Kanadische Minischweine…). Allen gemein ist dass sie riesig viel Platz und sehr schöne Gehege haben, mit Rückzugsmöglichkeiten und so. Fast schon artgerecht. Trotzdem erkennt man als erfahrener Sendung mit der Maus-gucker, dass z.B. die Wölfe sehr an Menschen gewöhnt sind. Oder vielleicht haben sie auch nur überlegt, welchen von den Mini-Menschen wir wohl als erstes über den Zaun werfen würden. Jedenfalls waren das Kind und das Besuchskind hellauf begeistert. Und wir hatten alle unseren Spaß an Erkenntnissen der Kategorie „Alle Tiere kacken!“.

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Willkommen im norwegischen Nichts.

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Suchbild mit Hase.

Nachdem es nach ausgiebigem Tiere gucken und Picknick auch irgendwie schon halb drei war, haben wir noch kurz den Spielplatz besichtigt und Minibagger gefunden. MINIBAGGER SIND TOTAL GEIL. Äh, sagen die Kinder. *Hüstel* Ein Bällebad gab es auch. Und keinen, der kontrolliert hätte, ob wirklich nur die Kinder ins Bällebad hüpfen. I <3 Nebensaison!

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Hell yeah, Minibagger.

Nach dem Park und einer klitzekleinen Warterei ging es zurück in einem Zug mit drehbaren Sitzen und einem Spielplatz innendrin. Die Kinder waren aus dem Häuschen. Verständlich. Trotzdem waren bei den beiden inzwischen die Akkus so leer, dass sie irgendwann einschliefen, eins kuschelnd, das andere im Buggy alleine. Problem nur: wie zwei schlafende Kleinkinder und ein Baby mit einem Kinderwagen und einem Buggy vom Zug nach Hause bekommen? Gut dass das Besuchskind kleiner und schlanker ist als das Kind, ich hatte schon „schweres Kleinkind Tragetuch“ gegoogelt und mich wegen der drohenden Rückenschmerzen bemitleidet, aber das Besuchskind passte mit heraushängenden Gummistiefelfüßen tatsächlich noch in den Kinderwagen. Und das Baby hatte ja schon den halben Tag im Kinderwagen geschlafen (Norwegen halt: Wollschlafi an, Kinderwagen mit Lammfell drin, Daunendecke drauf und dann draußen sein –> Baby schläft zwei mal drei Stunden wie ein Stein), da konnte es den Wagen entbehren. Zu Hause haben wir sie dann tatsächlich alle schlafend in Betten verfrachten können. So schön :)

Gestern waren wir dann shoppen. Das Besuchskind zeigte erste Erschöpfungssymptome und wollte ohne Abendessen ins Bett. Heute haben alle Schnupfen und Herr Rabe musste nach einer sehr kurzen Nacht nach Oslo auf eine Konferenz, aber der verbleibende Rest hat noch einmal den Fjord besichtigt und dann einen Spielplatz. Da badete das Kind sehr effizient in einer Pfütze und musste dann mit meiner Jacke als Rock um die nackten Beine gewickelt nach Hause transportiert werden. Dann war es auch schon an der Zeit, unsere Freunde zum Bus zu bringen. Das Kind hatte leider wenig Verständnis dafür, dass sein neuer Lieblingsmensch M. jetzt nach Hause fliegt, es selbst aber nicht Flugzeug fliegen darf. Ich erklärte dem Kind, dass wir sicher auch bald wieder mit einem Flugzeug fliegen. Ergebnis: beim Abendessen erklärte mir das Kind „Morgen Flugzeug fliegen Deutschland! Morgen nicht Kindergarten.“. Das wird noch ein Spaß.