Tag 3601 und 3602 – Tatsächlich wahr.

Das Haus ist jetzt zu verkaufen. Ab jetzt kann man das kaufen. Ich würde die Anzeige hier auch posten, aber dann denkt die Maklerin, dass uns die Leute die Bude einrennen werden, wenn es so viele Klicks auf die Anzeige gibt.

Das war gestern und auch heute noch mal aufregend. Gestern war ein Gutachter da und hat alles mögliche vermessen und nachgeschaut und überprüft. Wir wissen jetzt exakt, wie viele Millimeter die Böden schief sind und dass wir keine Feuchtigkeit an Stellen haben, wo sie nicht sein soll. Wir haben auch gelernt, dass wir ein Mäuseband haben, nur auf dem Balkon nicht, und dass man die Ventilationsanlage, also die Rohre und so, ab und zu sauber machen lassen sollte (hupsi). All sowas haben wir gestern von dem sehr netten Gutachter gelernt. Aber unser Haus ist in okayem Zustand und kann so verkauft werden.

Heute ging dann die Anzeige raus. Davor war noch einiges Korrekturlesen angesagt, die Maklerin hat das gestern noch in Windeseile zusammengekloppt, und das merkte man auch. Gut, dass ich beruflich Fehler in Dokumenten finde.

Jetzt schauen wir mal was passiert. Aber es wird wohl, so oder so, irgendwas passieren.

Tag 3600 – Schön, schön.

Die Fotos von unserem Haus sind da und sie sind richtig schön geworden. Also wirklich, ich würde unser Haus sofort kaufen.

Das war übrigens so: ich hatte Meetings bis 14:30. Da habe ich meinen Computer zugeklappt und umgehend das Rödeln angefangen. Der Fotograf war für 18 Uhr angemeldet und naja. Das war ambitioniert. Sehr. Während der Meetings habe ich schon für meine Reise gepackt, sonst hätte das alles im Leben nicht geklappt.

Die beste Mutter war ich Montag auch nicht, im Gegenteil, ich war so unter Strom, dass ich Pippi am liebsten draußen am Trampolin festgebunden hätte. Sie ignorierte unter anderem unser NEIN!!! zu „kann ich eine Klassenkameradin mit nach Hause bringen?“ und als besagte Klassenkameradin abgeholt wurde, war ich auch sehr kurz angebunden der Mutter gegenüber. Die denkt jetzt sicher, ich hab sie nicht alle und bin voll unhöflich. Tjanun.

Michel wurde ein bisschen eingespannt, unter anderem schickte ich ihn mit dem Rad und einer Einkaufliste zum Supermarkt. Dann hatte ich ihn auch von den Füßen, win-win.

Während ich noch im Wohnzimmer am Dekorieren war, klingelte es. Der Fotograf kam einfach mal 15 Minuten zu früh. Das waren dringend benötigte 15 Minuten. Und so kam es, dass ich, während der Fotograf mit einer Drohne ums Haus herum flog, drinnen noch hektisch dekorierte und im Wohnzimmer Teile des Fußbodens (wo nicht, nach wie vor, Kram stand) wischte. Als der Fotograf und Herr Rabe dann nach drinnen kamen und erst mal oben Fotos machten, weil da alles fertig war, schleppte ich alles mögliche (unter anderem drei Stühle, mehrere Kisten, alle möglichen Schuhe, Putzmittel, …) vom Wohnzimmer und Flur nach draußen und stapelte es unter dem Carport. Dann wischte ich den Rest vom Wohnzimmer und den Flur, wobei ich mich ins untere Bad wischte, wo ich dann auch das erste Mal seit Stunden ausatmete aufs Klo ging. Das war so schön.

Aber, huiuiui, keine Zeit. Ich fragte kurz, ob die Herren im Schlafzimmer schon fertig waren und als das mit Ja beantwortet wurde, wechselte ich mein total verschwitztes T-Shirt. Und dann fuhr ich ziemlich unzeremoniell zum Bahnhof. Als das Foto oben entstand, war ich schon am Bahnhof und zehn Minuten später am Flughafen. Oh the joys.

Der Fotograf und Herr Rabe machten noch eine halbe Stunde weiter, aber dann war alles vorbei. Und wir, Herr Rabe und ich, komplett durch.

Tag 3596 – Räum, räum, räum.

Es wird, es wird. Mit der Hilfe von einem Freund, allen Kindern und leichter Panik wird es langsam hier. Es muss ja auch nur gut aussehen, es muss ja nicht gut sein. Noch nicht.

Ich werde auch nie mehr so Hausanzeigen normal lesen können. Ich werde in Zukunft immer denken, ja, auch da wohnen Leute, die kein Klopapier besitzen. Keine Zahnbürsten. Keine Haarbürsten. Keinerlei persönliche Gegenstände wie Fotos. Keine Telefonliste am Kühlschrank, im für 20 Paar Schuhe dimensionierten Regal stehen 2 paar Schuhe, an der Garderobe hängt eine (1) Jacke. Dafür stehen überall Blumen rum. Blumen im Bad, auf dem Couchtisch, im Flur, in Kinderzimmern. Kinderzimmer generell: hier ein hübscher Teddy, da ein Puppenhaus, vielleicht ein paar Bücher. Diese Kinder haben keine sichtbaren Hobbys mit dazugehörendem Kram. Der Tisch ist gedeckt, alle Tische sind gedeckt, als würde man eine Kompanie zum Essen erwarten, all die Freunde, die man dann ständig zum Essen einlädt, und die essen dann an drei verschiedenen Tischen? Aber in der Küche kann man gar nicht kochen, weil wesentliche Utensilien fehlen. Ok, vielleicht liegt irgendwo hübsches, buntes Gemüse auf einem Brettchen, mit einem einzigen Messer. In einer Schale liegen unmotiviert Äpfel oder Erdbeeren oder Zimtschnecken, daneben noch mehr Blumen und vielleicht ein Weinglas? Warum nicht. Handtücher liegen ordentlich gefaltet… auf der Waschmaschine. Wo sonst. Leben wie im Katalog, nur schlimmer.

Ich habe Lust, den Prozess zu trollen, und zum Beispiel dafür zu sorgen, dass auf jedem Bild die selbe Blume zu sehen ist. So richtig Katalog wird das hier eh nicht, es ist ja zum Beispiel überall Lego und die Bücher, die zum dekorieren bleiben durften, sind auch zu 90% irgendwelche Nerd-Literatur.

Vielleicht kauft ja eine nerdy Familie das Haus. Das wäre schön.

Tag 3594 – Alles.

Meine Güte, hier ist was los.

Aufgestanden, nach Hamar gegurkt, Schranktüren (gebraucht) gekauft. Mehrere in der Küche sind ziemlich hin.

Dann geräumt und geräumt und geräumt, Sachen weggefahren, weiter geräumt. Wir sind jetzt so… 1/3 weiter gekommen. Nicht weit genug.

In einem Anfall von Panik doch noch das Outfit für den Curtain Call fertig genäht. Das werde ich festkleben müssen und ich kann es auch literally nirgendwo anders anziehen, aber es ist ein komplett rückenfreier Traum, der auch vornerum extrem freizügig ist, in blauen Pailletten. Fotos eventuell morgen, wenn dafür Zeit ist.

Tag 3592 und 3593 – Wahhhh!

Erst mal, gute Nachricht: das Kostüm ist fertig und nun auch erprobt funktional. Ich muss nur noch Troddeln an Pasties befestigen, das dürfte maximal 2 Minuten dauern.

Das andere ist sicher auch eine gute Nachricht. Gestern war hier eine Maklerin und jetzt geht alles ganz schnell. Ganz ganz schnell. Montag werden Fotos vom Haus gemacht, Donnerstag kommt wer und begutachtet das Haus von oben bis unten (das ist Pflicht, wenn man verkaufen will). Dann wird die Annonse publiziert und dann hoffentlich schnell verkauft. Aber OH GOTT es ist so viel zu tun bis Montag. Und ich hab doch keine Zeit, ich hab doch diese Show am Freitag! Ahhhhhhh!

Heute hatte ich immerhin wieder mal sehr großes Glück und bekam einen kompletten Ballsaal beim Übehotel, statt meinem gebuchten Kabuff mit Klavier. Und, naja, was macht eine mit einem unerwarteten großen Raum zwei Tage vor nem Auftritt? Genau. Üben. Die Bühne wird anders sein und das heißt, ich muss die Choreo anpassen und dazu hatte ich bisher ÜBERHAUPT KEINE Zeit. Wirklich gar nicht. Minus 500 Zeit. Also habe ich heute halt eine halbe Stunde von meiner Übezeit abgezwackt und bin das ein paar mal durchgegangen. Wird schon werden. Eigentlich wollte ich morgen alles mögliche üben, von Make-Up bis Choreo, das wird wohl nicht passieren WEIL AM MONTAG HIER EIN FOTOGRAF KOMMT. Zum Anziehen nach der Show habe ich auch nichts. Tjanun.

Lieber Gott, lass mich einfach die nächsten Wochen irgendwie überleben.

Tag 3583 – Auf geht’s.

Heute Früh habe ich eine kurze Tour nach Oslo gemacht.

Eigentlich wollte ich dann noch bei einer anderen Adresse weitere Kartons holen, das habe ich dann aber abgesagt, weil das Auto voll war. Ich hatte unterschätzt, wie viel Platz leere Umzugskartons dann doch brauchen.

Dann habe ich noch ein paar Kisten gepackt und wir haben auch die erste Ladung ins „Lager“ gefahren. Ein Freund von uns leiht uns einen Teil seiner Garage aus. Da kommt alles hin, das verhindert, dass unser Haus aussieht wie aus dem Katalog.

Außerdem haben wir Michel mit Gartenarbeit beauftragt, gegen aufgebessertes Taschengeld jätet der jetzt fleißig Unkraut und wir haben auch Pläne für das Kärchern der Terrasse etc. Da kann er dann an der frischen Luft nützliche Dinge tun, für die wir keine Zeit haben, das ist für alle ein Gewinn.

Zu allem Überfluss fahre ich morgen in die Schweiz zu einem Kurs. Mir rennt auch Kostümtechnisch leider die Zeit davon und ich verfluche Paillettenstoff inbrünstig, überall sind Pailletten und das Korsett sah vorher schöner aus. Hrmpf.

Tag 3581 – JA.

Wir haben heute Aussicht gekauft. Tatsächlich haben wir das „einfach mal so“ gemacht. Am 15.07. kriegen wir die Schlüssel. Es ist sehr verrückt.

Wir haben nicht mal den kompletten, aufgerufenen Preis bezahlt. Dank der Bankfrau, muss man sagen, und der Maklerin, weil ich wahrscheinlich direkt den aufgerufenen Preis angeboten hätte und dann hätte es keine Verhandlung gegeben. So haben wir uns mit den Verkäufern halt auf was in der Mitte zwischen dem, was wir zuerst angeboten hatten, und dem aufgerufenen Preis geeinigt. (Als würde man irgendwie ein besonders schönes Huhn auf dem Markt kaufen.)

Und wie das dann in Norwegen so ist, am Ende akzeptiert man Gebote per SMS.

Man muss dazu sagen, dass wir uns natürlich ganz am Anfang ein mal ausgewiesen haben (per BankID, also elektronisch) und auch den Namen und die Telefonnummer unserer Bankberaterin angeben mussten, damit die Maklerin verifizieren kann, dass wir uns das auch leisten können. Aber ja, ganz am Ende kauft man ein Haus dadurch, dass man eine SMS mit Ja beantwortet.

Ich schätze mal, man verkauft Häuser auch so. Wir werden das dann demnächst verifizieren. Aus einer reinen Übersprungshandlung heraus habe ich auch direkt ein paar zu-verschenken-Kartons bei Finn besorgt und rituell die erste Kiste gepackt. Ich habe auch ein Foto davon gemacht, aber war wohl zu fahrig, das ist etwa so scharf, als hätte ich das aus einer fahrenden Achterbahn geschossen.

Meine Güte, was für ein Tag.

Aber: wir haben demnächst ein richtiges Gästezimmer. Ein reines Gästezimmer, in dem niemand zusätzlich noch arbeiten muss, und es wird auch eine Tür haben. Zusätzlich zu dem Gästezimmer werden wir ein Homeoffice haben, das ebenfalls eine Tür hat, zwei Wohnzimmer und ein zusätzliches Nerd-Zimmer, wo alles von drülf Musikinstrumenten bis Sportzeug drin sein kann. Wir werden jede Menge Lagerräume haben, jede Menge Schränke und eine Küche, die ich nicht ständig renovieren will. Ok, Omafliesen an der Rückwand in der Küche. Aber die kann man ja zum Beispiel lackieren. Und es sind immerhin Fliesen, keine Strukturtapete. Haben Sie schon mal versucht, Tomatensauße von Strukturtapete zu waschen, ohne auch gleich die Farbe abzuwaschen? Ich schon. Wir werden außerdem eine Garage haben UND eine Werkstatt (im Keller) UND einen Schuppen, UND so ein lustiges Gartenhäuschen, in dem ich nicht war, das über dem Haus thront.

Und direkt hinterm Haus fängt der Wald an. Der, in dem ich im Herbst immer Pilze sammele.

Nur den Holunder werde ich sehr vermissen. Und den Rhabarber. Vielleicht auch andere Teile des Gartens. Aber Holunder und Rhabarber kann man ja auch neu einpflanzen, das wächst ja schnell.

Tag 3579 und 3580 – Wie soll man denn so schlafen?

Gestern war Inspektion, Inspektion und Inspektion. Nichts spannendes.

Heute war auch Inspektion und am Ende saß ich da sehr auf heißen Kohlen, weil ich nach Hause wollte. Der Lieblingskollege hatte aber jede Menge Zeit und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich hatte ihm gesagt, dass wir zu einer „Visning“ wollten, aber das hatte er wohl vergessen. Eine visning ist eine Hausbesichtigung. Man macht das ja hier völlig anders als in Deutschland und guckt das Haus nur ein Mal für maximal eine Stunde an. Am nächsten Tag kann man dann darauf bieten. Heute musste Herr Rabe dann eben schon mal vor fahren und ich kam dann kurz vor knapp noch dazu. Der Lieblingskollege hatte mich dort hin gefahren (das ist nicht weit von hier, keine fünf Minuten mit dem Auto) und den letzten Weg den Berg hoch habe ich dann zu Fuß zurückgelegt. Der Berg ist auch das einzige, was mich etwas abschreckt. Weil das da ECHT steil ist. So, dass ich Angst habe, dass zwei von zwei Autos da im Winter nicht hoch kommen. Dagegen ist der Weg, auf dem ich mich im Januar fest gefahren habe, ein kleiner Hügel. Aber wenn man auf einem Berg ist, hat man Aussicht.

Ich sage es mal so: ich habe das jetzt alles sehr genau ausgerechnet, was wir uns leisten können. Sehr, sehr genau. Auch mit der Bank abgeklärt. (Im Dezember hier auf diesem Kanal dann die große Überraschung, dass man im Winter den Weg nicht hoch kommt, bleiben Sie dran!)