Tag 236 – Hübsche Bilder und schreiendes Baby. Korfu Tag 6

Das blöde Internet ist blöd. Deshalb gibt’s jetzt bloß die drei Bilder, die ich erfolgreich in Instagram hochgeladen habe. Wir waren nämlich heute in Paleoperitheia (Alt Perithia) und da war es zum Ausrasten schön. Man muss sich das so vorstellen: damals, als es noch Piraten gab, die Küstendörfer überfielen, wohnten die Leute lieber in den Bergen. Irgendwann gab es keine Piraten mehr und die Bergdörfer wurden verlassen und verfielen. Und wieder später wurden diese hübschen Ruinen wiederentdeckt, teilweise gekauft und restauriert und jetzt ist da ein Dorf, das zu 90% aus hübschen Ruinen besteht und die restlichen Häuser sind sehr schön restauriert und beinhalten Tavernen und ein Minihotel. Und das ganze im Frühling: alles blüht, ist grün, summt und LEBT! Es. Ist. So. Schön. 


So, und damit jetzt zu dem unschönen Teil des Tages (bevor mich hier noch alle hassen wegen dieses Urlaubs und meines dauernden Generves damit). Pippi hasst Auto fahren. Da oben auf den Berg hoch ist von uns aus nicht weit. Vielleicht 20 Minuten. Aber mit hysterisch brüllendem Baby auf der Rückbank kommt einem das vor wie ne Weltreise. Und oben angekommen graut einem schon vor der Rückfahrt. Die tatsächlich auch genauso schlimm wurde. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass es hier so extrem ist. Aber jede einzelne Autofahrt hier ist furchtbar. Zu Hause gehen immerhin so 30-50% der Autofahrten. Es ist auch egal, ob ich hinten sitze, ob wir mit ihr reden, sie was zum Spielen hat, satt ist, müde ist, wach und fröhlich ist, alles Wurscht. Michel bemüht sich redlich, Quatsch für sie zu machen, dann geht es ein Minibisschen besser. Aber irgendwann meinte er heute auch (sich die Ohren zuhaltend): „Warum Pippi so brüllt? Pippi soll nich so laut weinen!“. Tja. Finde ich auch. Kann ich aber nicht ändern und bricht mir auch das Herz. 

Was mir auch das Herz bricht: im Moment (bittebittebitte lass es nur im Moment sein!!!) brüllt Pippi untröstlich los, sobald ich kurz weg bin. Also zum Beispiel, wenn ich laufen gehe. Oder Michel ins Bett bringe. Oder aufs Klo gehe und die Tür hinter mir schließe. Und mit untröstlich meine ich untröstlich. Herr Rabe hat alles probiert, es hilft eigentlich nur mit ihr Duschen zu gehen. Aber das kann der ja nicht stundenlang oder dreimal am Tag machen. Und in vier Wochen muss ich wieder arbeiten. Das wird ja sicher ganz toll für uns alle. Nicht. Und das wo ich eh schon so keinen Bock auf Arbeiten habe. Hrmpf. 

Was gut war (Herr Paul hat recht: man sollte nicht so negativ abschließen mit dem Tag): Michels Erzählungen aus seinem früheren Leben als Ameise und wie er den Ameisen aus Kieselsteinchen ein Haus gebaut hat. Und dass ich meine Steuererklärung innerhalb von fünf Minuten inklusive Einloggen heute am Handy erledigt hab. 

 
    

Tag 232 – <3 Korfu Tag 2

Es. Ist. So. Schön. Hier.

Also erstmal: das Wetter. Es ist warm und sonnig. Hurra! Ich persönlich finde auch das Meer nicht kalt, die Griechen natürlich schon, aber naja, da sind wir halt anderes gewohnt. Man merkte es als wir heute am Strand waren: alle anderen waren da in Jacke und langen Hosen. Wir so: T-Shirt, kurze Hose, barfuß. Wheeeee! Im Wasser waren wir erstmal nur bis zu den Füßen, es war aber auch schon fünf Uhr.

Da sind wir auch schon beim zweiten Punkt gewesen: da ist richtiges Meer und ein richtiger Strand in 400 m Entfernung!!! Ich raste aus.

Es gibt einen Garten, der zu der Ferienwohnung gehört. In dem Garten wachsen Zitronen und Orangen. Reife Orangen hängen grad nicht am Baum, Zitronen aber schon. Und sie sind lecker und kaum sauer und ich will auch Zitronenbäume überall wachsen haben!

Die Kinder fühlen sich pudelwohl. Pippi will immerzu nach draußen, sobald die Tür auf ist, ist sie schon unterwegs. Leider sind hier Steintreppen und so gefährliche Dinge, deshalb müssen wir immer mindestens ein Auge auf sie haben. Michel ist im siebten Himmel, weil die ohnehin sehr Kinderfreundlichen Griechen ihm am laufenden Band Süßigkeiten zustecken. Hier ein Bonbon, da ein Keks… Außerdem gibt’s hier Tiere, dies bei uns nicht gibt. Wir haben schon ein paar Geckos gesehen und einen kleinen Tausendfüßler. Und tausend Ameisen, Fliegen, Bienen, Spinnen und zwei Wanzen. Und am Strand kann man buddeln.

Alles ist grün! Grüüühühüüüün! Frühling, blühende Blumen! Ich hätte fast vergessen, wie das aussieht.

Blümel flückchen! <3

Die Vermieter sind wirklich total nett. D. hat uns heute erstmal zum Einkaufen gefahren (die Tomaten! DIE TOMATEN!!! Und griechischer Joghurt, den ich sofort heiraten möchte!), hat uns dortselbst mit Rat und Tat zur Seite gestanden und dann noch in der Gegend rumkutschiert und uns Tavernen und Eisdielen und Strände empfohlen. Ok, die Tavernen am Strand machen erst in zwei bis vier Wochen auf, aber es gibt auch welche, die schon geöffnet sind. Die sind dann eben etwas landestypischer und nicht so auf Touristen ausgelegt. Und auch N. ist super nett, hat uns Extrapreise für ALLES gemacht und sagt dauernd „und wenn ihr noch was braucht, wir sind direkt da, kein Problem, meldet euch einfach, das geht ganz einfach, machen wir sofort…“.

Und ab morgen (oder so) ist dann auch der Pool sauber und benutzbar („Aber noch kalt, da geht ihr sicher nicht rein…“ wenn die wüssten!).

Was nicht so ganz so cool ist: man sieht, dass die griechische Wirtschaft echt runter ist. Straßen sind kaputt, in den Orten sind die Fassaden extrem dreckig und kaputt, super viel Leerstand. Alle Autos hier sind verbeult und rostig. Überall stehen Bauruinen. Angefangene Rohbauten, an denen nicht weitergearbeitet wird, weil entweder der Bauherr pleite gegangen ist oder es keine Baugenehmigung für den (vorsorglich schon mal angefangenen) Bau gibt. Und nachdem die gute alte Korruption ja international irgendwie in Verruf geraten ist, kann man auch keinen Baubehördler mehr schmieren. Tja, dann steht das Ding da und keiner macht dran weiter. Schade für die Landschaft.

So, jetzt ruft der Reiseführer, ich muss mir mal ein wenig basic Vokabular aneignen. Ist ja peinlich, wenn man nicht mal Danke auf Griechisch sagen kann. Wo die doch hier alle so nett sind!

Hachz.

Tag 224 – 8 Monate

Mein liebes kleines Mausemädchen,

Jetzt bist du schon acht Monate alt. Acht Monate die vergingen wie im Zeitraffer. Vor fünf Minuten bist du das erste Mal gekrabbelt. Gestern warst du noch ein kleines Minibaby, das mich zum ersten Mal angelächelt hat und damit mein Herz zum platzen brachte. Vorgestern hielt ich dich zum ersten Mal im Arm, zeternd und nass und blau und wunderschön. Vor einer Woche streichelte ich meine runde Babymurmel – nur um sofort von dir in die Rippen oder die Blase oder gegen die Beckenknochen geknufft zu werden. Und vor drei Wochen hielt ich das Stäbchen in der Hand, mit den sehr deutlichen zwei Strichen drauf und dachte gleichzeitig „Hupsi“ und „Wie schön“.

Jetzt liegst du hier auf meinem Bauch und verpennst den Tag. Du bist krank, Fieber und Rotznase und Gesabber. Dein Papa meint, du kriegst Zähne. Ich glaube nicht daran. Obwohl es zu dir passen würde, alles ganz anders zu machen als dein großer Bruder und die ersten Zähne unter größtmöglichem Trara zu bekommen. Manchmal macht es mich wahnsinnig, wie starrsinnig du bist, und wie sehr du mich und NUR mich brauchst. Papa scheinst du ganz ok zu finden – solange du ihn von meinem Schoß aus beobachten kannst. Bei jedem neuen Menschen ziehst du das vorwurfsvollste Gesicht, das ich je gesehen hab und weinst, bis ich dir ausreichend glaubhaft versichert habe, dass ich in deiner Nähe bleibe. Und egal bei wem du bist, wenn dir auffällt, dass ich nicht in deinem Wohlfühlradius von 5 Metern bin, brüllst du bis ich angelaufen komme. Wenn du dann auf meinem Arm bist, lachst du und siehst den anderen Menschen mit diesem „Siehste? Das ist meine Mama, die hab ich lieb, die ist toll!“-Blick an. Das muss für die anderen ganz schön verletzend sein. Aber du weißt halt, was du willst. 

Überhaupt deine Blicke. Als wir neulich Geburtstag feierten, hattest du alles voll im Blick und wundertest dich ganz offensichtlich sehr über unser Treiben. Dein Gesichtsausdruck in Richtung der Bestrn Freundin sagte wirklich eindeutig „Die sind ja ganz nett, aber eben leider alle irre…“. Sogar das „Ganz ruhig, gleich kommt jemand der Sie an einen ganz schönen Ort bringt!“-Lächeln hast du schon voll drauf. Dein großer Bruder fand (und findet) es gut, wenn man sich für ihn zum Affen machte. Du scheinst das alles zu durchschauen und würdigst es höchstens mit einem „Gaaaanz toll, Mama!“-Blick. Würdest du klatschen können, würdest du wohl noch ein Slow-Clap dazu machen. Dafür lachst du über ganz andere Sachen. Dein Spiegelbild. Bauchpupse. Deine eigenen Pupse. Wenn ich pfeife. Wenn ich schnalze. Wenn Michel Quatsch macht. Essen. Trinken. Wenn du das Babypixibuch gefunden hast und dessen behauptete Unkaputtbarkeit testest. Michels Autos. 

Du kannst schon so viel und bist doch unersättlich darin, Neues zu lernen. Grade Rollen gelernt? Du willst krabbeln. Du kannst krabbeln? Du willst stehen. Du ziehst dich selbst an Sachen hoch und stehst? Du lässt los, frei stehen ist jetzt das Einzige was zählt. Dabei nimmst du Rückschläge (meistens in Form von Umfallen, Hinfallen, Wegrutschen) nicht gerade gelassen hin, es scheint auch nicht in erster Linie der Schmerz, die Beule oder die Schramme zu sein, die dich schreien lässt. Du bist wütend. Auf den weggerutschten Hocker, auf den Schrank, der da steht und der dir einfach gegen den Kopf gesprungen ist, auf deine eigenen Beine, die eben doch noch nicht so ganz sicher stehen. Kurzes Zorngeheul und getröstet werden und du bist bereit für den nächsten Versuch. Unermüdlich. Mein starkes kleines Mädchen. 

Heute rieche ich an deinem Kopf. Den ganzen Tag. Ein bisschen erinnert es mich an den Neugeborenenduft von vor ein paar Monaten. Aber es ist so viel dazu gekommen. So viel Zuhause und Liebe und Familie. Ein Duft, der genauso gewachsen ist wie du. Und der mich unbeschreiblich glücklich macht. Wie du. 

Murch!

Deine Mama

Tag 208 – Hyttetur

Heute haben wir einen wunderwunderwunderbaren Ausflug zur Hütte gemacht, wie die Norweger das halt so machen am Sonntag. Es war sonnig, kalt, Schnee und frische Luft. Ja, der Satz „Es war Schnee.“ ist sehr falsch, das ist mir gerade aber sowas von egal! 

Am Freitag hat Herr Rabe einem Kollegen eine Kraxe abgekauft, er hatte bei der Arbeit erwähnt, dass wir für den Urlaub eine gebrauchte suchen und dann sagte jemand „Ach, ich hab eine, die krieg ich nicht verkauft.“. Tja, und heute wurde sie ausprobiert. Weil ich paranoid bin, dass sie frieren könnte, habe ich Pippi folgendes angezogen:

  • Body
  • Wollstrumpfhose
  • Dünnen Wollanzug
  • Dicke Wollhose
  • Wollsocken
  • Nikijacke
  • Wolljacke
  • Mütze
  • Handschuhe
  • Fellschuhe

Und dann in die Trage. Sie konnte sich zwar kaum bewegen, fand das aber nicht weiter schlimm und guckte den Hinweg über in der Gegend herum. Michel, der tapfere Schneezwerg, lief mit nur wenig Genörgel den Berg hoch. Das dauerte natürlich ein bisschen, auch wenn es nur etwas mehr als ein Kilometer war, mit so kurzen Beinen und stetig bergauf ist das schon auch anstrengend. Wir motivierten ihn mit Eis, das es auf der Hütte sicherlich gäbe. 

Nach einer knappen Stunde waren wir oben auf dem Berg angekommen und suchten uns einen freien Platz in der Hütte. Es gab genau einen freien Tisch. Und kein Eis. Um Katastrophen (also einen Wutanfall ähnlich dem gestrigen) abzuwenden, gestanden wir Michel freie Wahl beim Gebäck zu, in logischer Folge aß er einen kompletten Riesen-Schokomuffin. Pippi aß zwei Maispinns, stillte dann ausgiebig und zog sich als Nachtisch eine komplette Banane rein. Wir tranken Kaffee und aßen Bulle und Käsebrötchen. Dann nochmal alle schnell Pipi (aufm Plumpsklo: ahhhhhh, ist das kalt von unten!!!) und wieder zurück, diesmal den längeren Weg (2,5 km). 

Michel rannte den größten Teil des Weges befeuert durch den Schokomuffin und zwei Gläser Saft den Berg runter, dass mir schon vom Zugucken ganz anders wurde. Ich trabte so gut es ging hinterher, rief ab und an, worauf er auch immer stehen blieb und mit rot leuchtenden Wangen auf mich wartete. Pippi schlief nach wenigen Metern wahrscheinlich wegen des Bananenvollen Magens ein und sah sehr niedlich aus, wie sie so das (extra dafür vorgesehene) Kissen vollsabberte:

  
Noch ein Selfie mit allen am See und dann weiter dem Kind nach den Berg runtergerannt. Im Endeffekt dauerte der Rückweg genauso lange wie der Hinweg und alle kamen rotwangig und aufgeräumt wieder am Auto an.

Zu Hause holten wir uns eine Pizza von dem Restaurant, wo wir am Mittwoch gewesen waren (wieder sehr lecker und nicht sooo teuer!), ich brachte Michel ins Bett, kochte sehr fix Gelee aus dem von der besten Freundin mitgebrachten Holundersaft und schaute dann mit der besten Freundin Tatort. 

Hachz. So könnte es öfter sein. <3

Tag 206 – Wie besoffen

Von Freundschaft betrunken, geht das? Mein Kopf ist ganz leicht gerade, ich bin quatschig und lache über meine vergeblichen Versuche, Pistazien zu essen und bin allgemein unbeschwert. Dies ist, was ich heute trank:

  • 2 Kaffee
  • 1 L Stilltee
  • 2 große Gläser Wasser
  • 1 kleines Bier, „Clausthaler Juleøl“, alkoholfrei 

Hach ja, die beste Freundin könnte ruhig öfter zu Besuch kommen. 

(Hier übrigens die Taschenhose, die ich Michel gestern genäht habe und die heute stolz zum Kindergarten ausgeführt wurde: 
   
 Ist mir ganz gut gelungen, wie ich finde. Nur etwas zu lang ist sie (absichtlich) und die Kordel ist zu kurz, weil ich nicht bedacht habe, dass da ja noch Knoten reinkommen, damit sie nicht in den Knopflöchern verschwindet. Aber es geht schon noch, ne Schleife zu machen. Halt ne sehr kleine.)

Tag 164 – Ein halbes Jahr

Ein halbes Jahr bist du jetzt alt, kleines Mäuschen. Das ist für mich ganz unfassbar, denn einerseits warst du gestern noch ganz miniklein, hattest keinen Hals*, dünne Beinchen und nen dicken, schwarzen Haarschopf, andererseits weiß ich fast gar nicht mehr, wie das war, als du noch nicht da warst. Ich weiß noch, dass ich mir große Sorgen gemacht hab, ob ich wirklich noch ein Kind so lieb haben kann wie deinen großen Bruder. Und ja, doch, das kann ich. Ich kann euch beide unendlich doll liebhaben und ich kann auch von euch beiden genervt sein. Wenn dein Bruder weinerlich ist, weil er Hunger hat und es nicht schnell genug geht mit dem Essen. Wenn du nachts brüllst und durch absolut nichts zu beruhigen bist. Wenn du meckerst, sobald ich dich irgendwo kurz ablege, um irgendwas zu tun, was eben nicht so gut mit Baby auf dem Arm geht. Wenn dein Bruder zum drölfzigsten Mal brüllt: „Æ hab Käääääse esacht, WEISST DU???“. Aber weißt du was mich sofort wieder runterholt und es mir ganz warm ums Herz werden lässt? Wenn dein Bruder nachts im Halbschlaf fragt „Baby is?“ und nur wieder einschläft, nachdem ich ihm versichert hab, dass du auch schläfst. Wenn du morgens aufwachst und erst mich angrinst und dann anfängst, dich nach deinem Bruder umzusehen. Wenn ihr zusammen spielt. Wenn dein Bruder dir die Welt erklärt („Ikke wegnehmen hier Puschen, Baby, Tür zufällt dann, weißt du?“) oder dich unter dem Badezimmerschrank hervorzieht. Wenn du ihn beim Essen ansiehst und man quasi sehen kann, wie Millionen Synapsen in deinem Kopf entstehen. Wenn du wieder irgendwas neues tolles machst und dein Bruder ganz aufgeregt rumhopst „Baby klarte det!“. Neulich morgens habe ich dich aus dem Bett geholt, du warst noch ganz verschlafen. Und das Kind sagte: „Baby drücken will!“, drückte dich ganz fest und murmelte in deine Schulter „Baby lieb hab.“ Da platzte mein Herz in tausend kleine Herzsplitterchen und diese verwandelten sich in Schmetterlinge die in den Regenbogen… Nein, jetzt geht’s mit mir durch, aber ich war wirklich zu Tränen gerührt. Das hat das Kind nämlich noch nie zu irgendwem gesagt. Nur zu dir. 

Kann man Liebe lieben? Ich glaube jedenfalls, die Geschwisterliebe zwischen euch, die kann ich lieben. 

Murch :* –

Deine Mama
* Die wohl lustigste Aussage, die ich je von jemandem über ein neugeborenes Baby gehört habe. „Oh! Kein Hals!“

Tag 154 – #12von12 Januar ’16

Heute ist wieder der 12., das erste Mal in diesem Jahr und das heißt, es ist #12von12! Hurra! (Für die, die hier neu sind und nicht schon anderswoher wissen, was das ist: Man macht am 12. des Monats 12 Bilder, schreibt eventuell noch was dazu und verlinkt den ganzen Spaß dann beim Kännchen-Blog.)

Hier ging der Tag los wie immer, die Kinder schliefen noch und ich schlich mich aus dem Bett. Erstmal Kaffee.

Nach dem Anziehen und dem ersten Schluck Kaffee dann die Kinder wecken.

Plan scheiterte zunächst an deren Niedlichkeit.

Irgendwann war ich dann aber doch fertig mit die beiden Anhimmeln und weckte das Kind. Das Kind himmelte dann ein bisschen das schlafende Baby an, streichelte ihm über den Kopf und weckte es mit einem Küsschen (!!!) und freute sich dann darüber, dass das Baby so niedlich rumblinzelte und ihn dann fett angrinste. Da kriegte das Baby noch eine dicke Umarmung und ich schmolz vor Rührung über so viel Geschwisterliebe. Hachz.

Dann Kindergartenabliefern und so, unspektakulär das Ganze. Das Baby schlief auf dem Rückweg ein und so konnte ich noch schnell die Betten abziehen, bevor es wieder wach wurde. Denn von beiden Betten mussten die Laken gewaschen werden. Das Kind sollte wirklich abends nichts mehr trinken. Oder wir müssen es nochmal wecken, um aufs Klo zu gehen.

Zum Duschen noch nen Käffchen. Das Baby spielt auf dem Fußboden vor der Dusche rum und freut sich über seine nackte Mama das lustige Plätschern. 

Sie nehmen doch auch ne Kanne Kaffee mit zum Duschen, oder?


Auf zum Gesundheitszentrum, Kontrolle steht heute an. Etwas spät dran, eigentlich sollte die zum 5. Monat sein, aber da waren wir ja in Deutschland. Baby pennt natürlich genau passend vor der Tür ein.

Das Baby ist (Überraschung!!!) für sein Alter auf allen Gebieten (also motorisch und „sprachlich“) sehr weit. Was ich wirklich nicht wusste, ist dass die meisten Babys erst später mit „Bwwwww“ und „Wewewewewewewe“ und „Mamamamamamama“ anfangen. Größe, Gewicht, BMI, Kopfumfang sind alles totaler Durchschnitt, kein Gerede mehr von „hat zu wenig zugenommen“. Dafür war Impfen wieder fies (und später wurde mir dann klar, wieso in den Nebenwirkungslisten „vermehrtes Schreien“ steht. Eieiei. Aber besser als Keuchhusten allemal.).

Erst mal Nickerchen/Netflixen.


Netflixen war nicht wegen technischem Problem, also döste ich auch mit dem Baby herum bis die anderen Familienmitglieder wieder da waren.

12von12-ing. Das Baby ist in der Mundwinkelgrabschphase.


Das Baby wollte auch mal auf Papa schlafen und sorgte für einen weiteren Awwwww-Moment.

Auch im Schlaf noch den Fuß festhalten.


Jaha, I’m a weirdo.

Mein meditativer Moment des Tages: Kinderzahnbürste ausspülen. Die Zahnpasta schält sich in so lustigen Würstchen zwischen den Borsten her.


Nach dem Essen und dem Kind-ins-Bett-bringen (Kind war total übermüdet und rastete komplett aus, weil ich ihm die Zähne putzen wollte und dann nochmal, weil ich ihm nicht die Zähne geputzt hatte…) dann Aufgabenverteilung: einer Baby, einer Küche. Naja. Ich hab das Baby ja schon den ganzen Tag an der Backe um mich rum.

Und dann: Jetzt.

Zum Bloggen was härteres sls Stilltee: alkoholfreies Bier. Ich bin so Punk.

Tag 134 – Bielefeld Tag 10 – Die Ente

Es ist ganz verrückt, was hier und auf Twitter abgeht wegen des Textes von gestern. Und das meine ich im überaus positiven Sinne. Ich war gewappnet für ein Shitstörmchen und bekomme viel Flausch, sachliche und konstruktive Kritik und erfahre, dass nicht nur wir uns eben so durchwurschteln. Das tut sehr gut, gerade vor Weihnachten. Hachz.


 

Was ganz anderes: Ich habe heute online eine Brille bestellt und bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Es wurde das Modell, das von allen favorisiert wurde (auch wenn es gegenüber den anderen dreien etwas langweilig rüberkam zunächst, die anderen waren viel bunter und fancyer…), obwohl Herr Rabe zu Recht bemerkte, dass es einen Schatten auf meiner Nase macht. Da ich gehört habe, dass bei Astigmatismus die Positionierung der Gläser im Rahmen total wichtig ist, habe ich den Optiker gezwungen darum gebeten, meine Pupillenposition in dem Gestell auszumessen und hoffe, dass das klappt. Dann noch fix die Gestelle zurückgeschickt und dann sollte Anfang des Jahres die neue Brille zum Spottpreis da sein. Keine Ahnung, wie deren Geschäftsmodell funktioniert, ich hoffe, es ist keine krasse Ausbeutung.


 

Das Kind hat heute auf dem Spielplatz eine imaginäre Ente vor einem imaginären Hai gerettet und passt seitdem darauf auf. Wenn die Ente schläft, werden wir alle angeschnauzt, dass wir leise sein sollen. Fällt die Ente herunter, legt sich das Kind auf den Boden und wartet, bis die Ente wieder auf die Hand gekrochen ist (ja, es ist eine sehr kleine Ente, gerade erst aus dem Ei geschlüpft). Ist die Ente wach, kann man ihr Hallo sagen, „Aber vorsichtig, Mama! Ente Angst sonst!“. Das alles beeindruckt mich ziemlich, das erfordert schließlich einiges an Phantasie und außerdem IST DAS SO UNGLAUBLICH SÜß, DASS MEIN HERZ DIE GANZE ZEIT PLATZT!!1!

Hust. Geht schon wieder. Aber ES HATTE DIE ENTE NOCH NACH DEM EINSCHLAFEN IN DER HAND <3 <3 <3

Tag 105 – 4 Monate und 1 Tag

Mein liebes kleines Mausemädchen,
heute bist du vier Monate und einen Tag alt.
Vor vier Monaten und einem Tag um diese Zeit saß ich auf dem Sofa, las* und veratmete sehr regelmäßige und einigermaßen schmerzhafte Wehen. Und hoffte sehr darauf, dass dein Bruder schnell in den Schlaf finden würde und meine Taktik „Ich setz mich jetzt hier auf den Poppes, es heißt ja Bewegung treibt die Geburt voran, dann tut Stillsitzen bestimmt das Gegenteil“ aufgehen würde.
Und jetzt sitze ich auf dem gleichen Sofa, du liegst auf meinem Schoß und schläfst, um mich rum das Chaos. Dein Papa ist beim Fußball und dein Bruder schläft schon, bei uns im Bett, denn er ist krank. Genauso wie vor vier Monaten und 2 Tagen, Fieber und Schlappsein und Husten.
Wenn ich an deine Geburt und die Tage drumherum denke, kommt mir das schon alles ganz verrückt vor. Aber so war es halt, dein Bruder war einen Tag vorher noch ziemlich krank, die Großeltern grade einen Tag vorher abgereist, ich war am Tag deiner Geburt noch einkaufen (mit Wehen) und habe Marmelade gekocht (mit Wehen) und hatte Besuch von einer lieben Freundin, die mir eröffnete, sie sei auch schwanger (mit Wehen, also ich). Diese Freundin hat jetzt einen sehr hübschen kleinen Babybauch, aber ich schweife ab.
Das passiert mir immer öfter, das Abschweifen. Es muss die Stilldemenz sein. Ich habe das Gefühl, im gleichen Tempo wie du Sachen lernst, werde ich vergesslicher und mein Gehirn siebiger. Und du lernst schnell. Seit ein paar Tagen befühlst du deine Spielzeuge und dein Spieltrapez. Neulich noch konntest du höchstens mal ungezielt dagegen hauen, jetzt steckst du deine Arme aus und die Hände untersuchen alles, was sie zu fassen bekommen. Am interessantesten findest du mein Gesicht, meine Nase, Augen, Lippen. Alles wird befühlt und manchmal auch übermütig gekniffen oder gerissen (Au.). Überhaupt bist du unheimlich aufmerksam und wissbegierig. Ich kann nichts mehr essen oder trinken, ohne dass du mir alles in den Mund guckst. Dein Bruder ist dein größter Held, wenn er da ist, bist du fast immer fröhlich und verfolgst alles was er tut. Bloß wenn er weint, dann weinst du sofort mit, denn dann muss ja mindestens der Weltuntergang bevorstehen. Dein erster Blick morgens ist zu mir: breites Grinsen. Der zweite ist zum Kind: breites Grinsen und dann: Fokus. Was macht es? Turnt es? Spricht es? Vom Kind lässt du dir auch alles gefallen, alles ist ja irgendwie trotzdem interessant. Oh, so fühlt sich das also an, wenn sich jemand im Bett auf meine Hand kniet. Faszinierend. Hand im Gesicht. Aha. Auto auf dem Kopf. Hihi, das kitzelt.
Seit ein paar Tagen kannst du richtig herzlich lachen, wenn ich dich mit viel Geräusch auf die Wangen küsse. Ein meckerndes Babylachen, bei dem mein Herz platzt.
Nur wenige Sachen findest du richtig scheiße. Baden zum Beispiel. Das macht dir irgendwie Angst und ich finde das sehr schade, weil wir anderen eigentlich alle Baden ganz toll finden. Aber du brüllst wie am Spieß und siehst mich mit diesem „Rette Mich!!!“-Blick an, dass mir fast die Tränen kommen. Manchmal findest du Auto fahren doof. Manchmal deinen Kinderwagen. Manchmal die Trage. Und immer: angezogen werden.
Du bist unheimlich stark, du willst nicht babymäßig auf dem Arm liegen, mindestens sitzen und eigentlich stehen. Du kannst dich schon prima aufsetzen, wenn man dir die Hände hinhält und eine Hand reicht dir zum Festhalten, um ein, zwei Minuten stabil zu sitzen. Du rollst dich dauernd auf den Bauch und kullerst mir so im Bett hinterher, wenn ich mal zwei Zentimeter von dir wegrutsche. Überhaupt weißt du sehr genau, was du willst: Ständig in meiner unmittelbaren Nähe sein, möglichst herumgetragen werden. Schlafen nur auf der Seite oder auf dem Bauch oder auf dem Bauch auf meinem Bauch. Wenn du Hunger hast, ziehst du mich quasi mit Blicken aus. Du magst wenn ich singe, egal was und egal wie falsch. Du liebst Massagen. Und wenn wir mal nicht machen, was du möchtest, wird gnadenlos gebrüllt. Da ist keine Geduld, kein anfängliches Gemecker, du schöpfst sofort dein ganzes stimmliches Repertoire aus.

Und dabei bist du so unfassbar niedlich**, dass man dich einfach lieb haben muss.

Murch und :* –

Deine Mama

 

*Allerdings weiß ich nicht mehr, was. Gab spannenderes.
**Dieses Lachgrübchen! Dieses Haarwirbelchen! Diese Speckfüßchen! Diese perfekten kleinen Hände!

Tag 84 – Weiter wachsen

Mein liebes großes Kind,

drei Jahre. Sogar schon drei Jahre und drei Wochen bist du jetzt alt. Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen. An deinem zweiten Geburtstag waren wir am Meer, das Wetter war grau aber wir hatten uns und mitgebrachte Muffins und Spaß. Du hast deine ersten ernsthaften Versuche mit richtigen Klos gemacht zu dieser Zeit. Gestern bist du das erste mal ohne eine Schlüpferwindel ins Bett gegangen – weil du das so wolltest. Ich habe dich gefragt, zum ersten mal, ob du überhaupt eine Windel anziehen willst, und du sagtest nein. Ohne zu überlegen. Und ich sagte ok, dachte aber ehrlich gesagt „Ach du scheiße!“. Aber ich hab dir vertraut, noch nicht aus tiefer Überzeugung heraus aber ich habe mir gedacht, wenn du das entscheidest, wird es wohl klappen. Und das tat es auch. Heute bist du wieder ohne Windel ins Bett gegangen. Du hast gesagt, du bist schon ein großer Junge. Und das stimmt. Du machst so vieles schon alleine. Heute bist du auf den Klositz geklettert, weil du an die Klobürste wolltest. Mein erster Impuls war „Waaahhhhh“, aber du wolltest unbedingt und ich hab dich gelassen. Du hast super gut das Klo saubergemacht, genau wie ich das machen würde. Als du danach den Bürstenteil angefasst hast und ich gesagt habe, du musst dann jetzt Hände waschen, hast du das sofort gemacht. Wir sind ein gutes Team.
Meistens. Manchmal weigerst du dich auch standhaft, Dinge zu tun, die du eigentlich schon kannst. Du sagst dann, du musst noch weiter wachsen, du bist noch nicht groß. Und auch das stimmt. Bei vielen Sachen brauchst du einfach noch Hilfe oder möchtest Hilfe haben. Reißverschlüsse sind zum Beispiel oft noch schwierig zusammenzufummeln, hoch und runter ziehen geht aber schon alleine. Du kannst auch deine Schuhe selbst anziehen, aber wenn der Klettverschluss wirklich fest geschlossen sein soll, damit der Schuh nicht vom Fuß rutscht, brauchst du Hilfe. Morgens willst du am liebsten behandelt werden wie ein kleines Baby, und das ist auch meistens ok. Dann sitzt du auf meinem Schoß und ich puste jeden Löffel von deinem Frühstück kalt. Ich muss dich aus- und anziehen, obwohl das zu jeder anderen Tageszeit prima alleine klappt. Und irgendwie genieße ich das sogar ein bisschen. Denn dass du schon so groß bist ist auch für mich oft toll und manchmal ein bisschen doof.

<3 –
Deine Mama