Tag 3284 – Neun Jahre!

Heute ist Pippi, die kleine Mini-Maus, schon neun Jahre alt. Eben war sie noch so klein, winzig quasi, und saß bei jeder Gelegenheit (also immer wenn ich mich mal kurz umgedreht habe) auf dem Tisch oder der Fensterbank oder sonst irgendwo, wo sie nicht sein sollte. Wie eine Katze. Wie eine Katze weiß sie auch nach wie vor sehr genau was sie will und was sie nicht will. Außerdem ist sie schlau, sportlich, begeisterungsfähig, kreativ, hübsch, eine Rampensau und lustig. Sie will ja gerne Tierpflegerin werden, aber könnte echt auch irgendwelche darstellende Kunst machen, das würde eigentlich sehr gut passen.

Hach ja. Sie ist schon sehr wohlgeraten bisher und wir haben sie alle sehr lieb.

Zur Feier des Tages haben wir erst in der Ferienwohnung gefrühstückt, mit Pippis Oma, Pippis Opa und Pippis Onkel D. Es war ein spätes und gemütliches Frühstück mit Kuchen Muffins und tonnenweise Geschenken für Pippi (und ein paar für Michel). Nachmittags waren wir in der Blocbuster Boulderhalle in Bielefeld und da bekam Pippi von Oma ein paar Kletterschuhe, die jetzt ihre ganz eigenen sind. Herr Rabe kaufte sich ebenfalls welche (nach ausführlicher Beratung und Testung in der Halle, wirklich ein ausgesprochen guter Service) und wir boulderten dann auch alle (nicht die Oma), bis die Arme nichts mehr hergaben, was leider recht fix passierte. Aber, wirklich, wenn sie Bouldern mögen, das ist eine sehr schöne Halle, mit wirklich viel Platz und wirklich vielfältigen Bouldern für jede Könnensstufe. Auch das Publikum war nett und nicht judgy. Ich habe, mit Hängen (haha) und Würgen, einen Boulder auf der allerleichtesten Stufe, aber an einer stark überhängenden Wand geschafft und war und bin darüber sehr stolz. Übergänge sind nicht so mein Ding, mein Schwerpunkt ist halt da, wo der bei knapp 40 Jahre alten Frauen so ist. Ich habe aber auch noch mehrere 2er und 3er Boulder an halbwegs geraden Wänden geschafft und bin insgesamt, bis auf die überhaupt nicht vorhandene Ausdauer in den Unterarmen, zufrieden. Herr Rabe fand es auch sehr gut und möchte noch mal hin, Pippi war sehr begeistert und sogar Michel ließ sich zu 2-3 Bouldern hinreißen.

Abends gab es auf Pippis Wunsch hin Käsespätzle. Das ist ihr absolutes Lieblingsessen: selbst gemachte Käsespätzle. Deshalb fahren wir auch mit einer Spätzlepresse in den Urlaub. Alles total normal. Aber Pippi war sehr zufrieden mit den Spätzle und dem Tag generell und ist dann auch zufrieden das erste mal mit neun Jahren ins Bett gegangen. Bald kann ich nicht mehr von „kleiner Maus“ sprechen, aber ein bisschen geht noch.

Tag 3281-3283 – Freizeitstress.

Wir hatten drei wunderbare Tage und es war warm.

Freitag war es so warm, dass wir ins Freibad gegangen sind. So richtige Freibäder gibt es in Norwegen kaum, ich weiß nur von einem und da war ich noch nie, war bisher nicht so verlockend. Bielefeld allein hat, keine Ahnung, 8 Freibäder mindestens. Wir waren im zweit-nächstgelegenen, das ich – im Gegensatz zum nächstgelegenen – auch sehr mag, dem Freibad Gadderbaum. Pippi fand das von Anfang an super, Michel musste sich erst damit abfinden, dass wir nun mal da waren, und wurde dann aber auch eineinhalb Stunden nicht mehr gesehen, er flippte zwischen Rutsche, Spaßbecken und Sprungbecken hin und her. Es gab eine Runde Freibadpommes für alle, Pippi konnte ihre Meerjungfrauenflosse und ihren neuen Bikini ausführen und ich ersetzte das Fitnessprogramm durch 1 km Schwimmen. Das war herrlich.

Im Anschluss halfen Michel und Pippi tatkräftig dem Opa im Garten, ich war eine Runde in der Stadt, Dinge für Pippis Geburtstag besorgen.

Samstag wurde es noch wärmer, weshalb ich mein Sportprogramm auf morgens verlegte. Vor dem Frühstück. Ächz. Aber wir hatten auch geplant, zu meiner Freundin nach Hürth zu fahren und das sollte nicht so spät werden. Zwei Stunden im warmen Auto festkleben war dann auch gar nicht mal so schön, aber als wir dann da waren, war es super. Pippi freundete sich binnen Nanosekunden mit der älteren Tochter an und sie wurden unzertrennlich. Wir Erwachsenen konnten sehr entspannt herumschwitzen, während drei Mädchen im Garten mit Ghostbuster-Wasserpistolen herumsprangen und Michel irgendwo alleine, später mit uns Erwachsenen, ebenfalls herumschwitzte. Abends gingen wir Pizza essen, entgingen ganz knapp dem Gewitter, machten Sightseeing in Hürth (Die Monstertrasse(TM)) und hatten es allgemein sehr gut. Wieder bei den Freunden angekommen musste ich ganz spontan einen Nagelsalon eröffnen, weil die Mädels mitbekommen hatten, dass Michel die Fingernägel neu lackiert haben wollte und dann wollten die natürlich auch alle. Ich habe seit sehr langer Zeit nicht mehr so winzige Fußnägelchen lackiert, meine Kinder haben irgendwie riesige Füße und auch Hände. Pippi überragte auch die zwei Jahre ältere große Tochter ganz generell. Pippi ist echt sehr groß geworden. Gestern schliefen dann alle sehr spät, aber auch der Tag war rundum gut.

Und heute auch. Nach einem gemütlichen Frühstück und einer Dusche (nach gestern klebte irgendwie alles an allen) fuhren wir nach Bochum, um dort im Tierpark Familie Wunnibar zu treffen. Urlaub im Kurzdurchlauf, aber es war einfach ganz toll, die vier wenigstens für einen halben Tag zu sehen. Abends gingen wir dann noch zusammen zu einem türkischen Restaurant, wo es unglaublich gute Köfte gab. Nachdem wir mittags ja schon Pippi von der großen Tochter der Freundin aus Hürth losschweißen mussten, mussten wir das noch mal von Frau Wunnibars K1 wiederholen, aber ich glaube, Pippi hat jetzt erstmal wieder ein wenig Sozialkontakte getankt. Im Tierpark haben wir außerdem viele spannende Tiere gesehen, ich bin Fan von den Nachtaktiven-Gehegen, da konnte ich einen Igel sehen, Igel sind so niedlich. Hach. Ich finde wirklich schade, dass es dieses Jahr nicht mit einem gemeinsamen Urlaub geklappt hat.

Hach Hach Hach.

Jetzt sind wir wieder in der Ferienwohnung, es regnet (und kühlt ab, Hurra!), Herr Rabe hat Geburtstagsmuffins für Pippi gebacken und morgen ist dann Feierei angesagt.

Tag 3280 – Touristen.

Wir haben die Kinder heute auf die Burg geschleppt. Ich habe nicht umsonst in der Grundschule gelernt, wie diese ganzen Rondelle heißen und wie tief der Brunnen da ist! Meine Kinder müssen das auch alles weitergegeben bekommen.

Aber es war wirklich schön. Herrliches Wetter, Erinnerungen an diverse Hochzeiten (inklusive unserer) und dabei haben wir noch rausgefunden, dass nächstes (also nicht das jetzt direkt kommende) Wochenende Sparrenburgfest ist. Hach.

Wir sind sogar auf den Turm (Bergfried) hoch, das habe ich auch seit sicher 25 Jahren nicht mehr gemacht. Michel hat es sich nach der zweiten Treppe anders überlegt und ist wieder runter gegangen, ich fühlte das sehr, aber habe ja auch eine gewisse Verantwortung, ein gutes Vorbild zu sein. Also habe ich meine irrationalen Ängste vor der knarzenden Holztreppe runtergeschluckt und bin stur weiter nach oben gegangen. Ich kraxele schließlich beruflich in diversen Fabriken herum, auf Metallgittertreppen, da wird ja ein 800 Jahre alter Turm mich nicht klein kriegen.

Abends waren wir dann türkisch essen. Das gibt es in Norwegen nämlich nicht.

Tag 3207 und 3208 – Mädchenkram.

Gestern war ich mit Pippi alleine, weil Herr Rabe auf einer Beerdigung war und Michel bei seinem Kumpel übernachtet. Wir hatten also „Mädchenabend“ und was macht man da?

1. Shoppen – wir waren beim Optiker, einen Termin ausmachen, damit ich getönte Gläser ausprobieren kann und dann bei Lindex, wo ich ein Paket mit diverser Business-tauglicher Kleidung hinbestellt habe.

2. Beauty – danach waren wir Haare schneiden. Spontan beim Flughafen beim Drop-In-Friseur – es muss ja auch Vorteile haben, wenn man 10 Zugminuten vom Flughafen entfernt wohnt. Ich hatte einen Haarschnitt dringend nötig, Pippi aber eigentlich noch viel mehr, die hat das letzte mal irgendwann in der Pandemie die Haare geschnitten bekommen und da sie meine Haarstruktur geerbt hat, waren die Spitzen wirklich sehr fransig und splissig. Der Friseur spricht nur Englisch, aber das ist für eine Weltgewandte Achtjährige, die ständig YouTube Kids guckt, ja gar kein Problem. Sie hat total problemlos mit dem Friseur gesprochen und seine Aussprache korrigiert, so lieb, dieses Kind. Sie hat allerdings auch nicht aufgehört, zu labern. Während ihres Haarschnittes und während meines auch nicht. Während meines rollte sie aber noch auf einem Sattelstuhl kreuz und quer durch den Salon. Wie viel Energie kann ein Kind haben?

Da sitzt Pippi auf einem Kissen, aber sie ist tatsächlich auch einfach sehr groß geworden.

3. Schick essen gehen – Der Flughafen hat ja auch eine Reihe Restaurants, Pippi wählte das, wo es Sushi gibt. Für mich gab es Ramen mit Pilzen und Tofu (und Gemüse und so weiter). Das war sehr lecker, aber Pippi laberte mir dabei konstant ein Schnitzel an die Backe (außer wenn sie sang. Dann nicht, aber dann sang sie halt). Dieses Kind ist ja sehr süß, aber auch ein nie endender Quell von Geräusch und Bewegung. Jetzt ist so ein Flughafen ja auch nicht der ruhigste Ort, in Kombination war das alles etwas anstrengend für mich. Ich kam auch viel zu spät darauf, dass ich ja meine anti-nerv-Ohrstöpsel dabei hatte. Pippi war jedenfalls höchst zufrieden mit ihrem Haarschnitt und ihrem Sushi und generell dem Tag und so fuhren wir nach Hause. Es gab noch einen Zwischenfall, weil Madame so lange auf dem Klo brauchte, dass wir den Zug verpassten, aber Schwamm drüber.

4. Noch mehr Beauty – Wegen heutigem Tanzauftritt hatte ich Pippi versprochen, dass ich ihr die Fingernägel rosa lackiere. Sie hatte das selbst versucht, aber nicht gut hinbekommen, keinen Überlack genommen und dann zu früh draufgetatscht. Als ich ihr die Fingernägel lackierte hielt sie tatsächlich durch zwei Schichten Lack plus Überlack still! Das Ergebnis war auch wirklich hübsch, ein hellrosa Ballettmädchen-Traum. Der Nagellack muss mal in einem Adventskalender gewesen sein, so eine Farbe würde ich mir nicht selbst kaufen. Ich habe ihn jetzt offiziell an Pippi abgetreten.

___

Heute dann großer Auftritt für zwei Raben, grob geschätzt ca. 200 weitere Mädchen und Frauen und exakt einen Jungen. Es ist traurig, wie wenig anziehend Tanz auf Jungs wirkt. Normalerweise sind wenigstens noch ein paar HipHop-Jungs dabei, aber die sind wohl auf irgendeinem Wettbewerb grad. Trotzdem eine Schande, selbst wenn es sonst 3 Jungs auf 200 Mädchen sind.

Der Auftritt lief ganz ok für mich, ich habe leider nur ein Foto wo sonst niemand erkennbar drauf ist, und das ist von der Generalprobe.

Frau Rabe friemelt an ihren Fingern herum, die 100.000ste. Die Jacke war nur zum warm bleiben. Und es war vor dem Haare schneiden.

Pippi hat den Auftritt auch sehr gut gemeistert, sie hat sogar beide Shows heute getanzt. Mit Rad schlagen und Spagat am Ende! Zwischen den Shows waren wir Eis essen und frische Luft schnappen. Ich hatte mich für beide Shows als Freiwillige gemeldet und musste aufpassen, dass mir von einer Horde 10-12-Jähriger keine abhanden kommt. In der Praxis hieß das, dass ich etwa 8492 mal mit verschiedenen Mädchentrupps aufs Klo gegangen bin, Dutts gefixt habe, Pflaster und Tape verteilt habe und mittendrin feststellen musste, dass ich die falsche Liste in der Hand habe. Es löste sich trotzdem irgendwie und am Ende hatte ich alle zwei mal ein- und wieder ausgetragen und konnte sie nach Hause schicken. Hurra!

Das war alles relativ anstrengend. Das merkte ich daran, dass mich maßlos aufregt(e), dass der „Döner“-Foodtruck keinen sich drehenden Spieß hat und auch kein Der Gerät(TM), sondern das Fleisch in der Pfanne brät. Das ist FALSCH, ich weiß das, weil ich aus dem Land des Döners komme. Ähäm.

Jetzt Bett ist dringend nötig.

Tag 3088 und 3089 – Tschüss für dieses Mal!

Gestern haben wir in Bielefeld unseren Kram zusammen gepackt, waren noch mal einkaufen, Herr Rabe hat als letzte Aktion eine Deckenlampe montiert und dann sind wir auch schon aufgebrochen Richtung Hannover. „Schon“, das Packen hat irgendwie ziemlich lange gedauert. Wenigstens war das Wetter ok und vor allem trocken. Der Dauerregen in Bielefeld in den ersten Tagen war wirklich zum Abgewöhnen.

Nach Hannover und nicht nach Kiel fuhren wir, weil da mein Onkel und meine Tante wohnen. Inzwischen wohnt da auch eine meiner Cousinen samt Mann und Baby (ist kein Baby mehr, ist schon ein Jahr alt!). Wir besuchten primär Onkel und Tante, trafen aber auch besagte Cousinenfamilie, das war sehr schön und entspannt. Pippi stürzte sich begeistert auf das nicht-mehr-Baby und unterhielt dieses vorbildlich, sogar mit Sabber wegwischen („der hat da ein kleines Sauerei“). Das nicht-mehr-Baby war ebenfalls vorbildlich und sabberte friedlich herum, zog sich an allem hoch und war allgemein neugierig und fröhlich. Ich bin trotzdem froh, dass wir keine Kinder in dem Alter mehr ins Bett bringen und ähnliches müssen. Abends gab es Pizza, Rote-Grütze-Schichtnachtisch und Familien-Updates, jedenfalls wenn wir dazwischen kamen, wenn Michel erzählte. Michel war ungemein gesprächig, aber mein Onkel hörte auch sehr geduldig zu. Ich finde schön, dass Michel bei der meisten Familie doch sehr schnell auftaut und dann sehr ungehemmt seine gesprächige Seite zeigt. Im Alltag geht es oft ein bisschen unter, ihn mal erzählen zu lassen.

Natürlich waren dann abends wieder alle viel zu spät im Bett.

Heute Morgen gab es noch ein sehr ausgiebiges Frühstück (mit Mett! Mein Pseudovegetarierkryptonit. Gut, dass es das in Norwegen nicht gibt.) und dann machten wir uns auf den Weg zur Fähre. Da sind wir jetzt und fahren soeben aus der Kieler Bucht heraus. Dieses Mal ganz ohne Zeitstress und bisher auch ohne irgendwelchen Seegang. Herr Rabe hat schon eine Stunde im Schwimmbad gebucht, bis dahin werden wir wohl einfach herumgammeln.

Letzteres, finde ich, haben wir uns verdient. So schön es ist, die Familie zu besuchen, ist es doch auch anstrengend, weil es eben so geballt ist. Wir haben dieses Mal gar keine Freunde besucht, dazu war auch einfach keine Zeit. Das sind dann viele Bedürfnisse von Familie (die man ja anders gern hat und auch viel Gepäck von vielen Jahren Beziehung hat, als bei Freunden), denen man* mehr oder weniger gerecht wird, und speziell meine Kapazitäten dafür sind nach einer knappen Woche wirklich erschöpft. Das soll kein Gemecker sein, oder Klagen, ich hab nicht mal wirklich eine Idee, wie es besser gehen könnte. Es ist einfach eine Feststellung.

Ich freue mich jedenfalls auf Norwegen und zu Hause** und ein paar Tage nur uns vier.

Michel macht es sich übrigens überall schön, indem er Pflanzen kauft und diese dann mit sich herumschleppt. Hier ein Stillleben mit dem Weihnachtsgeschenk, was er von Pippi bekommen hat.

Wir hatten gesagt, wenn er einen Kaktus kauft, muss er drauf sitzen.

___

*ich. Erkenntnis eines Gesprächs mit Herrn Rabe über all das war nämlich auch: ich bin die einzige, die diese unausgesprochenen Bedürfnisse wahrnimmt/sich einbildet und dann auch noch meint, dafür zuständig zu sein, die zu erfüllen. Ich hätte gern diesen Filter, den Herr Rabe da scheinbar hat.

**die Erkenntnis wird auch immer deutlicher, Norwegen ist zu Hause. Zwar vermisse ich da Grünkohl und Mett, aber ansonsten bin ich da weniger fremd als in Deutschland (inzwischen). Auch das nur eine Feststellung.

Tag 3084 – Weshalb wir eigentlich kamen.

Grünkohl.

Echter, richtiger Grünkohl, mit Kartoffeln, die nach was schmecken, und Rauchenden und Kasseler (von Tieren, die ein gutes Leben gehabt haben). Dafür sind wir zu meinem Bielefelder Lieblingsrestaurant gegangen, und das ist es nicht nur, weil ich da in grauer Vorzeit mal gearbeitet habe und von der Wirtin immer noch gedrückt werde, wenn ich alle zwei Jahre mal vorbei komme, oder weil man da gerne auch mal unsere ehemaligen Nachbarn trifft, oder generell den halben Sigi. Aber wenn man mal wirklich guten Grünkohl (nur in der Saison) essen will, oder aber auch Schnitzel (mit Bratkartoffeln! BRATKARTOFFELN!) oder eine sehr anständige Pizza essen will, und dabei in einer sehr gemütlichen und freundschaftlichen Atmosphäre sitzen will, kann man sehr gut zum Koch gehen. Zum Nachtisch gibt es hausgemachtes Eis, falls das noch reinpasst (bei mir, nach dem Grünkohl, nicht).

Mit Essen wie bei Oma, in den Lokalen, die noch aussehen und riechen wie vor 15 Jahren, mit den selben Stammgästen, die auch damals schon da waren, aus typischem Bielefelder Dreckswetter reingepurzelt und nachdem wir kurz meine Tante besucht hatten, hatte ich viele Gefühle auf einmal und wären die Kinder nicht permanent mit Streiten und wir mit Schlichten beschäftigt gewesen, hätte ich vielleicht tatsächlich ein Tränchen verdrückt. Es war schon ne gute Zeit da, warum sind wir noch mal weggezogen? Hmm.

Irgendwann mache ich auch so was auf. Einen Ort mit ehrlichem Essen, guten Getränken und netten Leuten (mir, erstmal), wo man nur sich selbst mitbringen muss. Vielleicht nicht in unserem Kaff, selbst mit den treuesten Stammkunden braucht man für sowas wohl Laufkundschaft. Und vielleicht erst mal reich werden/Zeit haben/Nerven haben/sich trauen. Aber dann!

Tag 2935 bis 2937 – Dänemark Tag 20 bis Abreise.

Kopf zu voll zum Schreiben. Manchmal passiert das. Meistens, wenn ich zu beschäftigt damit bin, alles aufzusaugen und zu speichern für schlechte Zeiten. Oder für alle Zeiten.

Donnerstag und gestern haben wir ausgiebig vom Strand Abschied genommen. Das Wetter war noch mal wie am Anfang – warm, sonnig und mit mäßigem Wind. Sogar die Kinder waren zufrieden. Es wurden riesige Gebilde aus Sand geschaffen und ich buddelte Michel einmal auf eigenen Wunsch bis zum Hals ein. Es ist wohl unnötig zu sagen, wo hinterher überall Sand war und wie viel Sand anschließend, trotz gründlichem Ausschütteln vorher, noch aus der gewaschenen Wäsche rieselte.

Der Rest von gestern bestand leider aus Packen. Lustlos und widerstrebend (die Erwachsenen) bis protestierend und alles verweigernd (die Kinder) taten wir das. Niemand möchte nach Hause, bzw. wollen einige von uns einfach zu Hause sein, magisch, ohne Packen und Reisen. Ich verstehe das, Übergänge sind doof, aber ich habe die leise Befürchtung, dass keinen Übergang zu haben und einfach in eine neue Situation geworfen zu werden, noch viel doofer wäre. Hmm.

Was mich persönlich glücklich ich macht: wir haben am Donnerstag Abend die letzte Grundregel von Magic Maze gespielt und können jetzt im nächsten Urlaub vielleicht direkt loslegen mit dem richtigen Spielen. Das klingt jetzt, als sei das ein extrem kompliziertes Spiel, das ist es eigentlich nicht, aber die Spielmechanik ist ungewohnt (alle bewegen alle Spielfiguren gleichzeitig) und deshalb macht es schon Sinn, sich die verschiedenen Regeln langsam zu erschließen.

Was mich auch glücklich macht: ich habe gestern meinen ganzen Körper in die Nordsee getaucht, endlich. Man kann zwar dort am Strand wahrscheinlich bis nach England rüberwaten und (als exakt durchnittlich große Erwachsene) immer noch stehen, aber man kann sich ja trotzdem ins Wasser werfen. Es war erstaunlich unkalt, sehr klar, sehr salzig und die einzigen Quallen, die ich gesehen habe, waren golfballgroß und tot am Strand. Hachz. (Nicht die toten Quallen. Aber der Rest.)

Heute zur Abfahrt machte das Wetter es uns aber sehr sehr leicht. Es goss wie aus Eimern. Tschüss sagen zu Familie Wunnibar-Igelbert (Wunnibert? Igelbar?) war trotzdem ziemlich hart.

Jetzt Boot und gleich kein Internet mehr. Seufz. Tschüssi, Dänemark, schön war’s!

Tag 2933 und 2934 – Dänemark Tag 18 und 19.

Hier ist gestern und heute nicht so viel passiert. Wir haben alle diverse Bo Bendixen-Devotionalien gekauft, weil das so schön ist. Wie Michel sagte: die Farben sind gut und das sind dicke Linien, das ist auch gut. Klare Bildsprache sagt uns allen sehr zu.

Heute waren wir dann noch ein letztes Mal im Schwimmbad. Wir hätten ja echt gerne das im Ort mal ausprobiert, aber da hieß es plötzlich „nur für Campinggäste“, also fuhren wir wieder nach Varde. Da kennen wir uns immerhin bereits aus. Follow-Up von Montag: ja, ich habe Muskelkater. Aber heute ging es sowohl schneller als auch besser und ich machte den Kilometer immerhin voll statt kurz vorher aufzugeben.

Außerdem habe ich wohl endgültig keine Nichtschwimmerkinder mehr. Hurra! Was für ein unterschätzter Meilenstein! Nachdem ich Michel gesagt hatte, dass ich 40 Bahnen geschwommen sei, schwamm er 41. Ich bin schwer geknickt überaus stolz auf ihn. Und auch Pippi kann mit und ohne Flosse gut genug schwimmen, dass man auch mal kurz den Turmspringern beim Bauchplatschern zugucken kann, ohne sofort das schlimmste befürchten zu müssen. Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem immer das schlimmste befürchten *kann*. (Gehirn zu verschenken, leichte Gebrauchsspuren, zu erstaunlicher Leistung fähig, neigt aber zu Prokrastination und Katastrophendenken.)

Tag 2931 und 2932 – Dänemark Tag 16 und 17.

Gestern waren wir mit fast allen – manche von uns brauchen ab und an mal Pause vom Rest und wir waren bisher im Urlaub nicht so ganz flink darin, darauf Rücksicht zu nehmen – in einem Fischerei- und Seefahrtsmuseum im Nachbarort (Esbjerg). Das war zwar recht klein, aber sehr fein. Man konnte sehr viele lokale Fische und anderes Getier aus dem Meer angucken, auch mal versuchen, eine Scholle zu streicheln, seine Größe mit der verschiedener großer Meeresbewohner vergleichen (ich bin so groß wie ein ausgewachsener Katzenhai) und wenn es nicht geregnet hätte wie aus Kübeln, hätten wir sicher auch noch die Robben angeschaut. Außer lebendem Getier gab es noch eine Ausstellung über mystische Meerbewohner wie Meerjungfrauen, Riesenkraken und Seeschlangen und auf welchen Grundlagen vermutlich diese Mythen fußen. In einem anderen Raum war eine Ausstellung über die letzte Generation der lokalen Fischer, die noch tatsächlich mit Kuttern zum Lebensunterhalt aufs Meer fuhren. Knittrige Gesichter, die viele Geschichten zu erzählen hatten. Außerdem war eine weitere große historische Ausstellung draußen, zum Beispiel eine Werft aus den 50ern und mehrere Boote, sowie (etwas gruselig und ich war auch aus Gründen nicht drin) ein originaler Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Der Draußenausstellung war ein Spielplatz vorgelagert, wo wir leider mit K2 und Pippi hängen blieben. Naja, hoppla. Der Spielplatz war aber echt schön, als es dann endlich etwas trockener wurde.

Tumore, äh, Hüpfbälle aus alten Bojen.

Also falls Sie mal einen halben Regentag in Esbjerg überbrücken müssen: das Fischerei- und Seefahrtsmuseum ist wirklich schön und liebevoll gemacht.

Heute waren wir dann, ebenfalls mit fast allen (aber in anderer Konstellation) noch mal im Schwimmbad schwimmen. Dieses Mal nutzte ich auch die Bahn so richtig und schwamm eine halbe Stunde lang Bahnen. Dabei stellte ich fest, dass ich gar nicht mal mehr sonderlich fit bin, was schwimmen angeht, und werde, falls er eintritt, schlimmen Muskelkater verdient haben, weil ich es mir natürlich nicht durchgehen lassen konnte, mich nicht total auszupowern als wäre ich noch beim DLRG. Nur die Technik sitzt noch so halbwegs zufriedenstellend. Hrmpf. Aber die Kinder hatten wieder sehr viel Spaß und wollten gar nicht gehen. Verständlich.

Jetzt ruft aber wieder das Bett sehr sehr laut. Schwimmen macht müde.

Tag 2930 – Dänemark Tag 15.

Pippi ist jetzt 8, also ein ganzes Jahr älter als gestern (Mathematiker*Innen weinen leise). Zur Feier des Tages war sie mitnichten um sieben wach, sondern um halb sechs und weckte dann ALLE anderen Kinder. Das hatte zur Folge, dass beide Kinder bei uns bis sieben Uhr wühlend im Bett lagen, eines (Michel) schlafend, eines (Pippi) größtenteils wach. Die Erwachsenen waren durchaus in diesem Urlaub schon mal fitter.

Pippi hatte aber wohl einen guten Tag, und das ist ja an so einem Tag auch das wichtigste. Wir fuhren ins Schwimmbad, denn sie hat eine echte Meerjungfrauenflosse von uns bekommen und die musste natürlich eingeweiht werden. Ich bin von der Qualität dieser „Fin Fun“-Flosse sehr angetan und Pippi machte das auch recht schnell erstaunlich gut. Trotzdem kann ich mich nicht soooo gut entspannen, wenn ich Kinder, insbesondere meine Kamikazekinder, semi-sicher aber mit vollem Körpereinsatz (inklusive Stimmbändern) schwimmen sehe. Objektiv betrachtet können die bestimmt besser schwimmen als ich denke, aber ich bin nicht objektiv. Können die nicht einfach wie so ne Oma Bahnen ziehen, statt sich quietschend ins Wellenbad zu stürzen?

Anyway, alle hatten Spaß. Alle aßen hinterher den gepimpten Ramen restlos (nicht ganz, es sind noch drei, vier Brokkoliröschen übrig) auf und dann gingen die Mädchen und nicht so lange danach auch Michel zum Umfallen müde ins Bett. Auch wir Erwachsenen waren etwas saftlos heute Abend und wir schnackten einfach nur, ohne Gesellschaftsspiel.

Pippi-Artikel folgt, wenn ich ausgeschlafener bin. Lieb hab ich sie auch heute, auch müde.