Tag 2559 – 50% Legoland.

Mit tatsächlich nicht viel Verspätung brachen wir heute allesamt in Richtung Legoland auf (brutal früh, dafür dass schließlich Urlaub ist). Leider ging die Reise für Familie Wunnibar nur bis zum Supercharger, die drehten dort schweren Herzens um, nachdem einem Kind im Auto sehr sehr schlecht geworden war (ja, mit Konsequenz, ein Hoch auf (Kunst-)Ledersitze) und das andere Kind Auto fahren generell unzumutbar fand. Wir entschlossen uns, den Plan durchzuziehen, auch, weil Michel mindestens so unflexibel ist wie ich und Planänderungen, ähm, mit gewissem Unmut begegnet (lies: Ausraster vorprogrammiert).

Und das war einfach richtig cool. Alle Daumen nach oben, da ist für alle von Kleinkind bis Uropa was tolles zu finden und zu machen. Man muss nicht mal hardcore Legofan sein, um das cool zu finden.

Der Kern des Legolandes ist das „Miniland“, wo alle möglichen Miniaturen aufgebaut sind, vom Kopenhagener Hafen bis zum Kennedy Space Center.

Im Miniland.
Der älteste Teil vom ältesten Teil.
Selbst in Lego riesig.
Offshore.
Mit Flugzeug!
Die Uhr geht sogar richtig!
Ich konnte nicht widerstehen, das Bild aus diesem Blickwinkel zu machen, das Original sieht nämlich so aus:

Rund um das Miniland sind verschiedene Themenwelten, wie das Ninjago-Land, das Piratenland oder das Märchenland. In allen gibt es abgefahrene Lego-Figuren…

Monster-Spinne.

… Fressbuden, Bau-Möglichkeiten und Fahrgeschäfte für groß und klein.

Vom Essen war ich tatsächlich positiv überrascht. Wir hatten Burger und Pommes zum Mittagessen und zwischendurch Popcorn und Eis. Einziges Manko: für die Burger habe ich ca. eine halbe Stunde angestanden, allein fürs Bestellen. Bis die dann fertig waren, vergingen noch mal 15 Minuten. Aber was dann kam, war durchaus sehr lecker.

Es war auch gar nicht so schlimm, aufs Essen warten zu müssen, weil wir Reserve&Ride-Pässe gekauft hatten, mit denen man sich virtuell in die Schlange zu Attraktionen stellen kann. Wenn die Wartezeit (berechnet an der tatsächlichen Schlange und anderen Reservierenden) um ist, kann man durch eine extra Schleuse direkt durch gehen. Dadurch kann man halt was anderes machen, während man in der Schlange steht, zum Beispiel essen, was im Miniland angucken, oder ein kleineres Fahrgeschäft mit kurzer Schlange einschieben. Das war sein Geld wert, zumal ich auch echt nicht gern stundenlang Schlange stehe, eingeklemmt zwischen massenweise Fremden. Man kann auch nur an einer Attraktion anstehen, insofern besteht moralisch nicht wirklich ein Unterschied zum sonst so beliebten Modell „Papa geht sich schon mal anstellen, Mama holt derweil mit den Kindern ein Eis“.

Essen mit Lego.
Bauen.
Devotionalien.

An Fahrgeschäften gibt es auch alles mögliche. Zuerst nahm ich mit Michel den Flying Eagle, was er gut fand. Dann das Kanu, das fand er langweilig. Dann überredete ich ihm zum X-treme Racer, was echt Banane von mir war, weil er danach ziemlich fertig war. Es war zu hoch. Ich hatte nach der erfolgreichen Adler-Fahrt halt angenommen, dass er jetzt Achterbahnen doch gut findet. Tut er auch, aber nicht SO. Ok. Den Dragon (naja) und den Polar X-plorer (whoah! Das hätte Michel NICHT gefallen. Hoch, schnell und mit einem, wenn auch nur kleinen, Drop, bei dem ich doch ordentlich quietschen musste) nahm ich dann ganz am Schluss mit Herrn Rabe alleine. Pippi fuhr „Riesen“-Rad, Monorail, Kinderkarussell mit Pferden und Feuerwehrauto und fand das alles super. Dann fuhren wir zusammen auch noch „Viking River Splash“ (mit Vikingermäusen!) und ich bin ja zum Glück keine Mimose, was nass werden angeht, weil…

Da kam ein großer Schwapp direkt in meinen Nacken.

Man muss fairer Weise dazu sagen, dass alle anderen in dem „Boot“ wesentlich weniger nass wurden, die meisten bekamen nur Spritzer ab. Ich hatte echt Pech. Die Kinder fanden das immens lustig. Und es gibt Familienföhns. Also, da kann man sich reinstellen und dann wird man, wenn nicht trocken, doch immerhin warm geföhnt.

Im Föhn.

Zuguterletzt haben wir noch den Lego-Shop leer gekauft. Tschö, Urlaubsgeld, du bist jetzt Hartplastik. Tatsächlich waren auch der Shop und die Burger-Schlange die einzigen Anlässe, wo ich kurz vor Overload durch zu viele Menschen auf zu engem Raum war*. Michel im Shop auch, der dann hektisch an mir herumfummelt, was es für ihn vielleicht besser, für mich aber nur noch anstrengender macht. Aber auch den Einkauf haben wir geschafft, ich habe jetzt eine Orchidee, die garantiert nicht eingeht und Michel hat eine Lego Architecture Freiheitsstatue. Wir alle haben diverses anderes Zeug und müssen daraus vielleicht für die Heimfahrt einen Anhänger für‘s Auto bauen oder so.

Jetzt sind wir jedenfalls in einer halben Stunde zu Hause, alle rechtschaffen platt. Meine Hose und mein Rücken wurden von der Sitzheizung getrocknet. Wir freuen uns alle aufs Bett und morgen auf das Basteln an neuen Lego-Sets. ich freue mich auf eine Dusche, ich glaube, dieses Wasser war nicht so sonderlich sauber.

Edit: die Bilder laden nicht hoch, also werde ich wohl hoffentlich erst veröffentlichen, wenn wir im Ferienhaus angekommen sind und alle mit geputzten Zähnen (und ich geduscht) im Bett liegen.

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* Legoland ist diesbezüglich deutlich erträglicher als das Aquarium.

Tag 2380 – Wunderwerk.

Wie gut meine Laune auch sein kann, wurde mir heute klar. Ich hätte den ganzen Tag singen* können, selbst als zwischendurch mal was echt jeden Grund gab, in tiefe, schwarze Löcher zu fallen, mit dem triumphierenden Impostor auf der Schulter. Insgesamt gute Laune trägt auf jeden Fall dazu bei, den Impostor auf Abstand zu halten und das Loch als Stolperfalle, die es umsichtig zu umgehen gilt.

Es ist schon spannend, was es macht, mal rauszukommen aus dem eingepupsten Homeoffice, und Menschen, die man mag, in 3D zu treffen und auch mal von hinten oder brustabwärts zu sehen. Die Euphorie nutzt sich sicher schnell ab, aber jetzt grad ist sie sehr hoch und das genieße ich einfach.

Fast noch besser als alles andere: ich habe ENDLICH ein Maishäutchen von Popcorn zwischen zwei Backenzähnen entfernen können. Ich habe seit geraumer Zeit kein Popcorn gegessen, das Häutchen aber auch „erst“ vor einer knappen Woche entdeckt. Es guckte gerade so viel hervor, dass ich mit der Zunge MANCHMAL ein Fitzelchen erfühlen konnte. Ich kam aber einfach nicht genug ran und musste heute mit Geduld und den extra spitzen Zahnpiekern mit viel Gefüüüüüühl prokeln, bis ich das Fitzelchen endlich in der Hand hatte.

Sie können sich vorstellen, dass ich sehr erleichtert und insgesamt beschwingt bin.

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*geht im Schneckentempo immer besser, aber die volle Range ist noch lange nicht wieder da. Ich übe auch nicht konsequent, und für Behandlung (die ich ja erst anleiern muss und so weiter) fällt das Löffel-Leidensdruck-Verhältnis grad nicht ausreichend aus.

Tag 2358 – Liebe Menschen.

Wir haben heute meine Tante und meinen Onkel besucht und auch meine „kleine“ Cousine kurz gesehen, die inzwischen eine richtige junge Frau ist (erschreckend, das heißt, wir sind vermutlich alt). Bei denen ist es immer schön und entspannt und zwanglos. Selbst Michel entspannt dort, und das will was heißen. Hinterher finde ich immer schade, dass wir es nur alle Jubeljahre schaffen, uns zu sehen.

Michel möchte jetzt E-Gitarre lernen, oder vielleicht auch Bass (wie Papa und der Großonkel). Pippi schlief im Auto auf der Rückfahrt ein. Herr Rabe baute spontan ein 500-Teile-3D-Sternenkarten-Puzzle zusammen. Zweieinhalb Gläser Wein mit meinem Onkel (oder das ganztägig getragene Wärmepflaster) kurierten mich vorerst von meinen Rückenschmerzen. Mit Hängen und Würgen gab die Ladesäule im Dorf Caronas Ladekabel wieder frei.

Alles gut, perfekter Tag.

Hachz.

Tag 2276 – Smirk + grin.

Hurra, die Familie ist wieder da. Ein Familienmitglied ist um einen Milchzahn ärmer:

Der allererste Milchzahn ist raus!

Der Zahn war schon seit Ewigkeiten lose und dann immer loser und heute war er dann plötzlich ganz ab von seinem seidenen Faden. Warum sagt man eigentlich seidener Faden? Seide ist doch sehr reißfest? Seltsam. Jedenfalls ist das natürlich eine große Sache für Pippi und war auch schon länger Thema, inklusive „aber ich mag den Zahn doch, der soll nicht ausfallen!“. Jetzt freut sie sich sehr, ihre Zahnlücke schnellstmöglich allen zu zeigen. Montag wird sie vermutlich einfach deshalb dauergrinsen, damit aaaaaalle das sehen.

Wie man an der Farbe sieht, ist der benachbarte Schneidezahn auch schon lose. Hach, große Kinder sind toll.

Heute Nacht kommt die Zahnfee und bringt ein kleines Geschenk. Danach kommt aber keine Zahnfee mehr, weil die arme für uns zuständige Zahnfee ja so einen weiten Weg aus Deutschland zu uns hat. Das hat sich bei Michel bewährt, daran halten wir fest.

Ich musste heute eine Pause von der Arbeit haben und habe meine schiefe Narbe mit meinen herausragenden Bildbearbeitungsskills zu Quatsch gemacht:

Smirk-emoji am Hals.

Ja, ich bin sehr erwachsen.

Mit dem Narbenstatus an sich bin ich sehr zufrieden, das wird schon werden, aber warum man ein mittig sitzendes Organ nicht durch einen mittigen Schnitt entfernen konnte, erschließt sich mir nicht. Vorläufig klebe ich weiter einen Tapestreifen so drauf, dass wenigstens der mittig sitzt und hoffe einfach, dass man, wenn die Narbe heller geworden ist, da wirklich nichts mehr von sieht.

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P.S. ich habe den gestrigen Beitrag wirklich gestern geschrieben, ehrlich ganz in echt, ich hab nur (offenbar) nicht auf „publizieren“ gedrückt. Hoppla.

Tag 2245 – Zurück im Homeoffice.

Es fühlt sich an, als hätte ich zwei Jobs. Inspektion – so wie letzte Woche – und „der ganze Rest“. Heute zum Beispiel: 1 Dialog um kommende Inspektion, 2 Dialoge um vergangene Inspektionen, 1 Inspektion formell abgeschlossen, diverse Archiviererei, 1 Rechnung approved (die Flüge letzte Woche), Einarbeitungspläne für mich und zwei Kolleg*Innen an den richten Stellen in SharePoint speichern, IT-Projekt, GMDP-Meeting, Meeting wegen Inspektion letzter Woche, 1 langes Draft Document zum Kommentieren gelesen (und nichts zum Kommentieren gefunden, alle meine Kommentare aus der letzten Runde waren bereits aufgenommen worden), diverse (so… 20, ich hatte länger nicht mehr reingeschaut, ähäm. Ich geb mir selbst ein Finding dafür) interne SOPs gelesen bzw. die Änderungen zur vorherigen Version angeschaut. Nebenher noch Bankkram, den ich gerne in der Öffnungszeit der Bank erledigt haben wollte. Uff, Ja. Weiß auch nicht, wie das in sieben Stunden Arbeitszeit im Sommer passen soll.

Ach ja, um ein neues Handy hab ich auch gebeten, nachdem meines unglücklich beim Aussteigen aus dem Auto aus der Hosentasche fiel und der Bildschirm trotz Bumper drum und extra Glas drauf seither von einem (neuen) Extraglas festgehalten werden muss. Man muss aber auch dazu sagen, dass ich bereits vor neun Monaten und die meisten anderen Angestellten vor knapp einem Jahr neue Handys hätten kriegen müssen, aber CovidhomeofficekeinGeldhomeofficeCovid das verhindert hat. Ich fühle mich deshalb also nicht unverschämt.

Ansonsten hab ich mal wieder festgestellt, dass Michel mit seinen fast neun Jahren im Schlaf immer noch fast aussieht, wie er als Baby ausgesehen hat. Mein Baby, hach.

Mein Baby hat sich mit dem Fahrrad langgelegt und sich das Kinn fies aufgeschürft, sodass es sowohl mit als auch ohne Pflaster gemein brennt. Armes Baby. Das andere Baby hat sich die Knie auf der Kunstrasenbahn aufgeschürft. Beides arme Babies. Herr Rabe hat heute seine zweite Imfdosis bekommen. Armer Gatte. Ich muss demnächst ne kleinere Bank ausrauben, um die ganzen Pflaster finanzieren zu können. Arme Frau Rabe.

Tag 2225 – Tabula rasa.

Hier werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Da ist ein leerer Plan (nicht mal Essen steht drauf, das sollte eigentlich anders sein, ist über die Ferien aber so eingerissen), der mit allerlei Hobbies und Verpflichtungen gefüllt werden will. Vor einem Jahr haben wir auch Bürotage eingetragen, haha, wie lustig wir waren. Das machen wir wohl erst mal nicht.

Im Spiegelbild der Wasserkanister, weil wir mal wieder unser (Trink-)Wasser abkochen sollen. Hach ja, gut, dass wir die Hamstervorratskanister haben.

Morgen ist hier großer Tag.

Schultüte und kleine Schultüte, wie auch Pippi sie bekommen hat, als Michel eingeschult wurde.

Ich musste da selbst basteln, Schultüten gibt es hier ja nicht, also auch keine Bastelsets. Der „Pippi darf ihn nicht in die Finger kriegen“-Flüssigkleber ist jetzt leer (Nachschub schon besorgt), ich habe den gefühlt 35. Anspitzer für Michel gekauft, beschriftet und in seine kleine Tüte gepackt, sowie Radiergummis und keinen neuen Bleistift, weil seiner zwar zerkaut ist, aber die Mine noch intakt und ein neuer sofort ebenfalls zerkaut wäre. Herr Rabe sagt, das habe er auch als Kind gemacht. Ürgs. Pippi kriegt viel Mal- und Bastelkram und beide ein kleines bisschen Süßigkeiten. Schultüten haben hier ja gar keine Tradition, da fände ich es falsch, drei Welpen und eine Diamantkette da rein zu tun. Es ist so schon besonders genug und ich glaube, Pippi wird ausrasten vor Freude.

Hach, schon Schulkind. Die kleine Zwergmaus, die hat doch eben erst laufen gelernt.

Tag 2146 – Hach! (Pizza.)

Erstmal: Michel geht es gut, der konnte heute sowohl Trampolin springen als auch im Wald rumklettern.

Unsere Freunde oben auf dem Berg (formerly known as Nähmutter und Familie, aber das erscheint mir nicht mehr richtig) hatten uns heute spontan zu Pizza eingeladen. Die haben nämlich einen holzbefeuerten Pizzaofen aus Italien auf der Terrasse, und reichlich Teig aus Sauerteig im Keller. Außerdem ist es ja endlich warm genug, dass man sich dauerhaft draußen aufhalten kann (in unmittelbarer Nähe des Pizzaofens war es dann ein bisschen sehr warm). Die Kinder sind ebenfalls in den gleichen Kohorten und verstehen sich gut, und so kam es, dass wir die Kinder eigentlich kaum zu Gesicht bekamen, außer, als das Essen fertig war. Michel und A. nähten zusammen kleine Täschchen und schnitzten dann auf dem Baumhaus sitzend irgendwelche Dinge, Pippi und I. bauten einen Parcours aus Wäscheständern und statteten den mit allem möglichen aus, und fuhren sehr viel Spielzeugtraktor und Kettcar. Wir Erwachsenen unterhielten uns einfach. Das war sehr schön. Die Pizza war auch sehr lecker, und ich möchte jetzt einen Holzfeuer-Pizzaofen draußen. Alternativ müssen wir uns da öfter zu Pizza einladen.

Meine Freundin M. zeigte mir ein Buch über Sandalen machen, scheinbar macht das halbe DIY-Internet nun Sandalen selbst und wenn man das Buch so liest, kommt einer das auch verblüffend leicht vor. Ist es bestimmt nicht, aber das wird sich zeigen, ich bin erst mal fasziniert und wäre ja grundsätzlich immer für gute Sandalen (vor allem mit einem wirklich guten Fußbett für meine Spreizsenkknickfüße, die eigentlich gerne in allem orthopädische Einlagen hätten) zu haben. Ich lasse M. da mal ein bisschen experimentieren mit Kork und Leder und partizipiere dann von ihrem Können. Wer weiß, vielleicht zeige ich dann hier demnächst stolz meine selbstgemachtem Sandalen rum.

Tag 2126 – SO GROSS!

Huiuiui. Aufregende Tage für die Kinder. Michel hat heute seine TranspirantAspirantkorpsuniform bekommen, nämlich Pulli, Mützenkäppchenhaubendings, weiße Handschuhe und eine weiße Umhängetasche. Er ist jetzt etwa einen Meter größer und wird wahrscheinlich bis Montag durchgehend hibbeln wie ein Flipperball. Uniformen muss man ja mögen, mich rühren die immer irgendwie und Michel ist so stolz und sieht so groß aus, ich kann nicht anders als sogar diese Kopfbedeckung schick finden.

Pippi hat heute ihren „Russedress“ bekommen. Wir sind hier ja in der Nationalfeiertags-Hochburg und laut hier aufgewachsenen Menschen gehört dazu auch Russefest und auch „Rosaruss“ dazu. „Russ“ sind hier ja die Schulabgänger und dazu gehört (wie beim Abi nur schlimmer) hirnloses Besäufnis mit Scheiße bauen ordentlich feiern und über die Stränge schlagen. Aus mir völlig unerfindlichen Gründen saufen sich feiern die Jugendlichen *vor* den Prüfungen das Hirn weg mit Höhepunkt am 17. Mai. Die Uniform der Russer sind Latzhosen, farbcodiert nach Ausrichtung der Schullaufbahn. Irgendwie kommen auch Busse ins Spiel und ich möchte nicht, dass meine Kinder so alt werden, dass sie sich besaufen und dann Sex in Bäumen haben, weil das so eine Russ-Aufgabe ist (coronafreundlich bitte nur mit festem*r Partner*In). Meine Kinder sollen immer klein bleiben, bitte. Aber egal, das ist jedenfalls Russ und in Eidsvoll macht man auch Rosaruss für die Kinder, die dieses Jahr in die Schule kommen. Letztes Jahr wollte ich mich dem dieses Jahr noch entschieden widersetzen. So ein Schwachsinn, mit 5-Jährigen diese beknackte Besäufnis-Tradition nachzuahmen! Geht’s noch??? Das war ich letztes Jahr, als ich davon erfuhr. Heute hat Pippi ihre Russelue (eine Schirmmütze mit Bommel mit allem möglichen Quatsch dran gebunden) bekommen, vom Kindergarten, wir hatten ihr eine knallpinke Latzhose besorgt, im Kindergarten gab es Russefest (wegen Corona muss die Kindergartenübernachtung, die sie sonst gemacht haben, ausfallen) nach der normalen Kindergartenzeit und um sieben holten wir unsere völlig zerfeirten*, aufgekratzten Kinder ab, die mit Trillerpfeifen ihre letzten Kindergartenwochen einläuten und Kindergartenparolen grölen und die sind so süß dabei, dass all mein Widerstand einfach dahin schmilzt. Die beiden Erzieherinnen, die auch schon älter sind und jedes Jahr die Vorschulkinder begleiten, sind nicht umsonst die beliebtesten im ganzen Kindergarten und wenn dann Pippi und die anderen Kinder in ihren pinken Uniformen noch mal umdrehen um „Tante E.“** und H. noch mal zu drücken, dann müssen nicht nur die ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen.

Hachz. Sie werden wirklich sehr schnell groß.

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*Wenn alle 5 Kinder durcheinander wuseln und keines mehr auf Anhieb schafft, sich fehlerfrei zu bekleiden, aber auch keines merkt, dass es beispielsweise auf Socken rausläuft, muss es wohl ne gute Feier gewesen sein.

**Man muss nicht Tante E. sagen, man darf. E. war auch schon Tante E. für einige der Eltern, die jetzt ihre Kinder in dem Kindergarten haben. E. ist streng, gerecht, liebevoll und direkt und alle Kinder lieben sie (und fürchten sie gleichermaßen, da gibt’s nämlich auch mal ne deutliche Ansage. Ich glaube aber ja eh, dass die meisten Kinder viel besser mit Menschen mit deutlich lesbaren Reaktionen zurecht kommen als mit achtsamem, reflektierten Begleiten absolut jeder Gefühlsregung).

Tag 2048 – Wochenende Hurra.

Nachdem wir ja gestern eine sehr ausführliche Pokémon-Runde gemacht haben, haben wir heute einfach mal gar nichts gemacht. Gar nichts stimmt nicht ganz, aber zum Beispiel fiel Kochen abends aus, aus Unlust. Herr Rabe hat die nicht mehr benötigten Farbeimer zum Entsorgen verräumt und die Farbcodes katalogisiert. Ich habe Wäsche gewaschen, Wäsche zusammengelegt, Wäsche verräumt und Wäsche aufgehängt.

Und das war’s.

Das war ein schöner Tag. Jetzt höre ich weiter dem Tropfen des schmelzenden Schnees auf dem Dach zu. Der Frequenz nach zu urteilen, ist es jetzt noch wärmer als heute morgen und da war es schon wärmer als gestern Abend. Es ist so nebelig, dass man Horrorfilmassoziationen bekommt. Von den Frühlingsbildern in Social Media kriege ich schlimmen Krokusneid. Und grünes-Gras-Neid. (Faszinierend, dass Sie alle vor einer Woche noch gefühlt Meterhoch Schnee hatten und dann taut der weg und darunter ist gar nicht alles braun und tot. Ich hoffe, Sie wissen das zu wertschätzen.)

Aber heute kann mir das alles gar nichts anhaben. Ich bin immer noch auf meiner rosa Wolke. Nächste Woche sind Winterferien, wir fahren nirgends hin, aber lassen es vielleicht ein bisschen ruhiger angehen als normalerweise. Da freue ich mich drauf, und dann überlege ich mir auch, was ich mir zu meinem Pandemiegeburtstag Nummer 2 wünsche. Letztes Jahr lag ich ja mit „das wird mein Jahr“ mal sowas von daneben, dass es fast lustig ist, aber immerhin klingt es gut aus. (So gut wie’s eben geht, in einer Pandemie.)