Tag 1807 – Revival of allein daheim Tag 2.

Immer noch ist es hier sauber und aufgeräumt und immer noch bin ich im Freudentaumel darüber. Ich wasche gleich mal die Sitzauflagen der Gartenstühle, und ganz oben auf dem Flurregal saugt die Putzhilfe nie, das mache ich auch, und man könnte auch schon wieder das Spülmaschinensieb reinigen (Örgs) und die Tür vom Backofen auch!

Gut, dass ich nur noch drei Tage alleine hier habe, sonst würde ich vermutlich am Ende mit ner Zahnbürste die Badezimmerkachelfugen putzen, einfach so, weil ich’s kann.

Heute habe ich einen Tagesausflug in die Hauptstadt unternommen, das war auch schön, jetzt habe ich Seide für eine Bluse zu dem Rock (an dem Stand jetzt nur noch der Reißverschluss fehlt), tonnenweise Gemüse für die Meerschweinchen und Austernpilze für mich zum Essen morgen. Ich muss eh aufpassen, dass ich nicht das Essen vergesse vor lauter Begeisterung über alles andere.

Auf dem Rückweg vom Bahnhof sah ich vor dem Tinghuset mehrere Kirschbäume, die reife Kirschen zu tragen schienen, ich parkte also das Fahrrad kurz und stieg ab um eine Kirsche zu probieren – Ja! Reife, fast schwarze Süßkirschen! Ein Traum! Morgen werde ich einen neuen Tagesausflug machen und entweder am Kindergarten oder eben am Tinghuset Kirschen pflücken. Eh sie von den Vögeln gefressen werden, wie die ca. 5 Kirschen an unserem kleinen Kirschbaum im Garten.

Eigentlich muss ich auch schon wieder im Ringelblumenbeet verblühte Blüten abschneiden. Es ist eine Sisyphusarbeit. Dafür habe ich, glaube ich jedenfalls, geschafft, eine Avocado zu ziehen. Aus einem Kern. Ganz ohne Gehampel mit Zahnstochern und Schnapsgläsern, einfach zu drei Viertel in die Erde gesteckt und täglich gegossen. Ich werde das die nächsten Tage beobachten. Ich fände das ja recht lustig. Der Schneckenmango geht es übrigens auch weiter prima, sie bekommt schon wieder neue Blätter oben. Frau Rabe, grüner Daumen aus Faulheit.

Hier noch ein Beweisbild für Herrn Rabe, dass die Stockrosen tatsächlich irgendwann blühen.

Blühen halt nur zum Nachbarn hin, nicht zu uns.

Das ist übrigens die Stockrose, die letztes Jahr übel vom Malvenrost befallen war und fast krepiert wäre. Ist doch noch ganz ok geworden.

Tag 1806 – Revival of allein daheim Tag 1.

Die Muse war immer noch nicht da. Das liegt nicht dran, dass ich Pippi nicht lieb hab, es fällt mir nur schwer, zu formulieren, warum und was an ihr besonders (eben weil! Und alles!).

Herr Rabe und die (unfassbar aufgekratzten) Kinder sind heute sehr pünktlich um elf Uhr zur Fähre aufgebrochen. Mit einem halb leeren Auto.

Äh Ja, Carona hat sehr sehr viel Laderaum.

Man muss dazu sagen, dass noch was im Frunk ist, und ein bisschen was ist auch in dem Fach, was unter der Klappe ist, die man vorne im Bild sieht. Im Frunk sind zum Beispiel die Ladekabel und Adapter für alle Eventualitäten. Herr Rabe hat extra letzte Woche Carona noch für CCS-Laden updaten lassen. Ich hoffe, Herr Rabe besiegt seine Reichweitenangst dadurch.

Jedenfalls bin ich seit elf Uhr alleine. Zum ersten Mal seit März so richtig alleine. Und das tut so gut. Die Stille, die Ordnung, die Sauberkeit. Es ist ein Traum. Ich kann meine Brille im Bad liegen lassen, ohne Angst zu haben, dass ein Kind sie morgens mal ausprobiert und verbiegt oder runterwirft. Ich kann vorm Fernseher essen. Ich kann mich an den leeren Tischen und leeren und sauberen Fußböden erfreuen. Ich kann Sachen sauber machen, und die bleiben so. Heute war zwar auch unsere Putzhilfe da, aber das gründliche Aufräumen damit sie putzen kann ist ja trotzdem mein Job und macht mir tatsächlich auch Spaß, wenn es dann auch so bleibt und nicht noch während ich räume am anderen Ende wieder Chaos entsteht. Außerdem putzt die Putzhilfe zum Beispiel keine Fenster. Das macht bei uns Herr Rabe, hat er auch grad erst vor zwei Wochen oder so gemacht, aber an das eine Fenster hat direkt nach dem Putzen irgendein Vogel sehr großflächig gekackt, das habe ich also heute noch mal geputzt. Und tausend andere Kleinigkeiten.

Ansonsten habe ich heute absurd viel Sport gemacht, jedenfalls laut meiner Uhr, die spricht von über zwei Stunden und insgesamt fast 1000 verbrannten Kilokalorien. Quasi eine Megakalorie. Muhahaha. Es kam dazu, weil ich eben aufräumte, dann, weil ich ja kein Auto habe, zu Fuß in den Ort ging, um Geld zu holen und dann noch mal mit dem Fahrrad in den Ort fuhr, um im örtlichen Näh- und Strickladen leider kein passendes Nähgarn zu bekommen, und dann noch mein normales Sportprogramm von 35 Minuten durchzog. Das alles machte die Hüfte sehr gut mit, die drei Tage Pause haben gut getan.

Jetzt liege ich erschöpft aber glücklich im Bett und freue mich auf durch- und ausschlafen ohne externe Störungen. Hach! Und morgen liegt alles noch da wo es jetzt auch liegt, abgesehen vielleicht von den Meerschweinchen, hach, hach!

Tag 1754 – Übervolles Leben.

So ein wundervoller Tag. Sogar die Sonnencreme hat ihren Job getan. Hachz.

Eigener Garten.
Nicht der eigene Garten.
Herr Rabe hat gebacken, ich habe Hipsterkaffee gemacht.
Kleiner Ausflug zum Fluss.
… in den Fluss. Fünf Kinder und ein Hund hatten riesigen Spaß.
Matschküche Deluxe.
Esstisch (bevor alle da waren).

[Das mit den Kohorten muss ich vermutlich nicht noch mal erklären, alle Kinder sind über die Kohorten miteinander verbunden.]

Tag 1753 – Weiter volles Leben.

Wir haben heute den Zaun fertig geplant und werden nun endgültig die furchtbaren, halbtoten Aronia-Büsche rauswerfen. Ganz bald. Vielleicht fangen wir gleich noch an.

Dann haben wir mit den Nachbarn gegrillt (auf deren Terrasse, die ist nämlich noch größer als unsere), ich hab mir das ok für meinen (sehr groben) Zaun-Kostenvoranschlag geholt und wir haben über Erwachsenendinge geredet. Das war sehr nett. Und auch deren Kinder haben gestern Ärger für die Slime-Aktion bekommen, das ist immerhin gut zu wissen.

Hier sehen Sie, wie Pippi Muffin ein Schlaflied vorsingt. Muffin sitzt in seinem Hamsterknast, in dem er vorher sein ganzes Leben zugebracht hat, weil ich gleich seine Box sauber mache. Der „Außenkäfig“ ist nicht nur viel zu klein, sondern auch so gammelig, dass ich Muffin da nicht reinsetzen mochte. Jetzt haben wir also noch die Entsorgung dieses Dingses am Hals. Aber Pippi ist schon sehr niedlich. Meistens. Wenn sie nicht mit Slime spielt.

Hach ja. Meistens ist sie ja doch sehr niedlich.

Michel hat sich heute ziemlich schlimm in den Finger geschnitten, weil er versehentlich ein Glasröhrchen von einer Vanillestange zerdrückt hat. Er rannte dann ungünstigerweise schreiend und panisch mit den Händeln wedelnd durchs halbe Haus, weshalb Herr Rabe und ich anschließend auf dem Boden rumrobbten und mit Feuchttüchern die gefühlt tausenden kleinen Blutspritzer vom Boden, Möbeln, Wänden und Türen zu entfernen. Mal gucken, wie lange wir noch Blutspritzer finden. Michel geht es aber wieder gut, es hat aufgehört zu bluten und er wollte über Nacht auch kein Pflaster haben, sondern lieber Luft dran lassen. Es tut auch nicht mehr weh, sagt er. Nur noch ein bisschen. Puh!

Tag 1751 – Festlich.

„Pippi, jetzt hör mal auf zu hampeln und Versuch, einzuschlafen!“

„Aber ich bin nicht müde und es ist hell und guck, wenn ich meine Augen zumache, die gehen ganz von selbst wieder auf.“

„Versuch es wenigstens. Sonst gehe ich gleich raus, ich möchte nämlich auch mal Feierabend haben.“

„Gehst du auf ein Fest?“

„Was? Nein. Ich gehe auf kein Fest.“

„Doooooch du gehst auf ein Fest. Du und Papa, ihr geht Tanzen, wenn wir schlafen. In einer Dis-ku-thek!“

„Nein, das machen wir nicht. Leider. Wir gehen nirgendwo hin, wenn ihr schlaft. Nur ins Wohnzimmer.“

„Warum geht ihr nicht auf ein Fest?“

„Es gibt grad keine Feste. Auch keine Dis-kO-theken. Wegen Coronavirus.“

„Ok. Aber ihr geht auf ein Fest.“

*hampelt* *schnarcht*

Tag 1746 – Ein Beitrag mit theoretisch vielen Fotos.

Denn Herr Rabe hat heute viel mehr Fotos gemacht als ich, aber Herr Rabe trinkt jetzt Whisky mit dem Nachbarn und irgendwie kommen die geteilten Fotos nicht bei mir an. Ich kann sie ja später noch hochladen.

Wir haben nämlich heute einen Ausflug zu unserem Anteilsbauernhof gemacht und das war frühlingshaft schön. Hachzihachzihachz. Ganz viele Lämmer gibt es zur Zeit, Babypflanzen überall und die zwei glücklichen Schweine. Alles so grün, so schön, ich kriege richtig Frühlingsgefühle.

Babyschaf!

Drei Lämmer werden mit der Flasche zugefüttert, weil die Mamas sich nicht so für sie interessieren. Michel und Pippi durften dabei sein und waren sehr angetan.

Studentische Hilfskräfte bei der coronabedingt etwas anderen Praxisarbeit.

Ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht ein Lamm oder zwei mitgehen zu lassen, die sind so niiieeeeedlich!

Eier gab es aber leider nicht, alle ausverkauft. Jetzt bekommen wir sie morgen oder übermorgen nach Hause geliefert, je nachdem wie fleißig die Hühner sind und wann die Bäuerin bei uns vorbei fährt. Ist auch ok, so dringend brauchen wir keine Eier.

Jetzt sitze ich neben der Meerschweinkiste und höre meinem eigenen kleinen Lamm Meerschwein dabei zu, wie es sich wie die Raupe Nimmersatt durch einen riesigen Heuhaufen frisst und mag das alles grad sehr.

Tag 1744 – Schöntag.

Bis auf eine sehr (!) vermackelte Felge war es ein ganz wunderbarer Tag bei A. und A. und M.M. in der Hauptstadt. Mit Kaffee, Eis und zwei kleinen Mädchen, die gleich ein Herz und ein Dickkopf waren. Erwachsenengesprächen. Lauter Musik auf dem Rückweg (und eingeschlafenem Kind). Hach, hach.

Abends Twitterkneipe, ein einzelner Quietscher von Muffin und viel zu spät ins Bett.

Dann nicht schlafen können und dem Regen zuhören.

Hach, hach.

Tag 1599 – Kleine Pause.

War ein bisschen viel alles in den letzten Tagen. Die Kinder drehten langsam schon am Rad und meine rechte Kieferhöhle sitzt wohl voll Rotz, jedenfalls habe ich diffuse Zahnschmerzen ohne erkennbare Quelle und immer wenn ich mich bücke buckert es wie wild und ich habe das Gefühl, die Zähne fallen alle aus. Das ist unschön (keine Gesundheitstipps, danke).

Jedenfalls haben wir heute recht wenig gemacht und das hat trotzdem dicke gereicht: ein kleiner Ausflug in die Stadt, wo Herr Rabe diverses Bekleidungszeug erstand und dann ein Nachmittag bei M. und A., samt I. und M., im Babychaos und mit richtig gutem Kaffee und einem sehr heilsamen Baby auf dem Schoß und einfach wir sein ohne Erwartungen. Das war schön. Richtig schön.

Foto vergessen vor lauter schön.

Tag 1517 – Örgs.

Hässliche Zahl. Dachte, vielleicht wird’s mit der Quersumme besser, aber die ist 2×7, die 7 ist einfach immer da, Irgs.

Aber so fühle ich mich generell heute. Machste nix. Depri-PMS-Tag, kein Antrieb, keine Wut mehr dafür grundlos traurig, alles Käse. Es wurde erst besser, als ich zweieinhalb Stunden gearbeitet hatte, der Batzen „Muss unbedingt noch!“ schabte fies im Unterbewusstsein herum. Jetzt ist es erledigt.

Ich hab die Kinder so lieb. An so Tagen wie heute, wo ich gleichzeitig alleine irgendwo rumliegen und mich genüsslich bedauern will und mir eine Bullerbü-Welt wünsche, in der die Kinder der (ja schon irgendwie) kranken Mutter Tee und Zuckergebäck ans Bett bringen, fällt mir das immer noch mal extra auf.

Michel kann jetzt langsam flüssig lesen. Man merkt, dass er nicht mehr jeden Buchstaben einzeln erfasst sondern langsam ganze Silben oder kurze Worte auf einmal. Das macht mich sehr glücklich, weil das ja eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass ich nicht noch fünf mal Jungelens Dronning vorlesen muss er selbst auch Bücher lesen kann. Bisher liest er am liebsten Comics und die sauteuren Kinder-Quengel-Hefte mit Spielzeug von der Supermarktkasse. Gestern hat er sich selbst eine Lego-Ninjago-Masters-of-Spinjitzu-JETZT NEU MIT FEUER UND EIS!!!-Zeitschrift gekauft und ist sehr glücklich damit. Hach, hach. Ich sehe da eine große Karriere als Leseratte voraus.

Apropos (weiter oben) Zuckergebäck: ich fühle mich stark zurückversetzt in die beiden Schwangerschaften, als mich fieses Sodbrennen plagte, weil die Rübennasen gerne ihren Kopf gegen meinen Magen drückten. Nur ist dieses Mal kein extra Mensch in mir, sondern nur nach wie vor die Schulter kaputt und die Ärztin hat die Dosis des Schmerzmittels erhöht. Sie hat mir sogar extra Protonenpumpenhemmer dazu verschrieben, die ich auch brav nehme, nur scheinen die nicht so mega viel zu bringen. Und anders als in den Schwangerschaften helfen auch weder Mandeln noch kalte Milch in kleinen Schlucken. Muss mich also wohl entscheiden zwischen zwei Auas. Super.

Hatte mir das mit dem älter werden anders vorgestellt. Weniger Au und weniger wäh und dafür mehr graue Haare.

Tag 1503 – Bullerbü-Tag.

Wir hatten heute Besuch aus der Großstadt, von A. und MM und das war einfach ganz großartig toll. Bei wunderschönem Spätsommerwetter gab es Kaffee, Kuchen, quatschen* und einen Ausflug zum persönlichen Bullerbü, Tiere gucken und Kürbisse! <3

Das war einfach ein toller Tag.

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* ich bin nicht allein mit meinem Haareraufen, was die Schnarchnasigkeit der Norweger*Innen beim Umwelt- und Klimaschutz angeht. Man hat hier manchmal das Gefühl, die Norweger*Innen glauben, weil sie alle Tesla fahren, haben sie ihren Teil getan und können hemmungslos unfassbare Mengen Plastikmüll erzeugen, zweimal im Jahr ins Warme fliegen und jeden Tag Fleisch essen. Meh.