Tag 1492 – Das hat er von Mama.

Mein Homeoffice war leider nicht so produktiv, wie ich gehofft hatte, das muss ich noch üben. Erst kam eine Mail rein, die ich schon halb erwartet hatte und die heißt, das eventuell ein paar kleinere, aber nicht gänzlich bedeutungslose, Karten bei der Arbeit neu gemischt werden. Das wird sich in den nächsten paar Wochen zeigen. Dann versuchte ich meine Checkliste weiter zu bearbeiten, aber die nervt mich sehr und ich prokrastiniere das hart, aber es war auch wirklich NICHTS anderes zu tun und so kämpfte ich damit und es ging zäh und war doof und halt nicht mal Leute um einen rum, die Fragen, ob man Mittagessen will oder vielleicht noch mal gucken kann ob Hersteller X aus Indien vielleicht ein Zertifikat hat (ich bin anscheinend die am hilfsbereitesten aussehende Person im Inspektorat, altersmäßig am nächsten an den Leuten aus der Mangelgruppe dran und aus irgendwelchen lustigen Gründen haben die oft Schwierigkeiten, die, zugegeben nicht ganz moderne, Datenbank zu bedienen, in der die EU-Zertifikate liegen). Jedenfalls war das ein bisschen wie durch Sirup waten.

Gut, dass ich ein Elterngespräch in der Schule hatte. Ganz routinemäßig, wie etwa jedes halbe Jahr. Michel ist natürlich ein super Kind, lebhaft, wissbegierig, klug, freundlich. Manchmal etwas hibbelig (ach) und „neuen“ Leuten gegenüber ein Clown (hmm, aber auch nicht so überraschend. Ist halt auch eine Strategie, zu vertuschen, dass man sich unwohl und unbequem fühlt). Im Erzählen ist er ganz groß, und wenn er das Wort hat, hört er nicht mehr auf. Er weiß sehr viel (ACH!) und erzählt das halt gern, manchmal ist er da auch schwer zu bremsen und fängt schon mal an, bevor er drangenommen wurde. Diese Situation wird ein wenig befeuert davon, dass sie jetzt ein Sachkundebuch haben, in dem er schon sehr weit gelesen hat, weil halt Fakten und Bilder und AUF DER FÜNFTEN SEITE IST EINE SCHAFSGEBURT UND GRAD BAUMELT DEM SCHAF NOCH DIE PLAZENTA… aber lassen wir das. Michel ist jedenfalls Feuer und Flamme für dieses Buch. Halten wir fest: Michel ist ein kleiner Nerd mit Erzähldrang. Dann kamen wir aber zu dem Punkt „Wobei brauche ich Hilfe“ in dem Fragebogen, den die Lehrerin vor dem Gespräch mit Michel durchgegangen war. Und da stand auf ihrem Zettel „Sachen aus hohen Regalen holen und Freunde finden. Es ist schwierig, Freunde zu finden, vor allem wenn viele in der Klasse sind.“ tja und da brach mein Mamaherz ein bisschen. Hab ich das also auch weitergegeben. Ein kleiner Nerd mit Erzähldrang und Social Awkwardness, der nun wohl auch merkt, dass das bei ihm ein bisschen anders funktioniert als bei vielen seiner Klassenkameraden. Bzw., der, wenn er wirklich ist wie ich, einfach gar nicht so genau weiß, wie das gehen soll, wie freundet man sich mit anderen Kindern an, mit welchen Kindern muss man wie sein um akzeptiert zu werden? Ach, ach. Ich hoffe, wenigstens das kann ich ihm leichter machen, weil ich ja weiß, wie das ist. Im Moment tendiert er mal wieder sehr hin zu sehr raufigen Jungs und legt sich das entsprechende Gehabe zu, das finde ich jetzt nicht soooo erstrebenswert, ein Kind zu haben, das herumläuft und behauptet, es würde halt den und den, wenn der nicht macht, was er sagt, einfach verhauen. Michel. Knappe 20 kg auf 1,25 (ca.) Körpergröße. Der weint, wenn er bei Kirby Game Over geht. Will irgendwen verprügeln. Na sicher. Das ist halt einfach Blödsinn, aber er meint scheinbar grad, dass er so sein muss, damit er cool ist und die coolen Gangsta-Zweitklässler ihn auch cool finden. Ach, ach, uff. Hoffentlich geht auch das schnell vorbei.

Tag 1488 – Schläfriger Samstag.

Heute ausgeschlafen, sehr gründlich, das war schön. Dann den Tag irgendwie zum Großteil mit im Nachhinein nicht mehr nachzuvollziehenden Tätigkeiten verdödelt, Ernten, Einkaufen und nach 30 Minuten Autofahrt solche Schmerzen in der Schulter, dass auf dem Rückweg Herr Rabe fahren musste, ich motzend das Auto ausgeräumt habe (während der Rest der Familie herumstand), wütend Salbe auf die Schulter geschmiert habe und wütend ins Bett gegangen bin. Bei Michel entschuldigt, der irgendwann kam, weil ich ihn so angeranzt hatte (beide Kinder waren heute wieder im „ICH WILL JETZT SOFORT, MAMA, WIESO SPRINGST DU NICHT SOFORT???“-Modus und das kombiniert mit Schmerzen geht bei mir nicht so gut. Michel ist ein sehr empathischer kleiner Zwerg und lieg mir seine Eule, die Herr Rabe in der Mikrowelle warm machte. Michel kam dann mit der Eule, streichelte meine Schulter („tut das weh, wenn ich das anfasse?“) und sagte, er hoffe, dass es mir bald wieder gut ginge. Hach, hach, ich hab schon tolle Kinder.

Dann bin ich halt auf dem Wärmekissen eingeschlafen.

Hoffentlich hilft’s, gegen was auch immer.

Tag 1487 – Krieg der DNA.

Michel hatte heute einen äußerst gesprächigen Abend. Unter (sehr vielem) anderen erzählte er, dass die DNA ja üüüüberall ist. Und wenn wir nämlich von einer Schlange gebissen werden, dann ist in der Spucke auch DNA und dann werden wir krank. Und wenn ein Hund an einen Baum pinkelt, warum wird der Baum dann nicht krank von der DNA in der Pipi? Und die DNA, die geht dann in die Augen rein und sagt denen, die sollen blau sein! Und die DNA, die hat Buchstaben, A und B und wenn man die mischt, dann gibt es Krieg!!! Und was passiert, wenn die Bakterien im Hirn sterben, kann man dann nicht mehr denken? Werden die Gehirnzellen mehr? Ich hab mindestens 1000 Gehirnzellen, weil ich so schlau bin.

Und so weiter und so fort. Es war sehr niedlich. Herr Rabe und ich haben einiges richtig gestellt, zum Beispiel das mit den Blutgruppen und ich erklärte viel über DNA und Schlangengift und Viren und Hundepipi und das Gehirn. Aber vielleicht, ganz vielleicht, wollte Michel auch nur mal ganz viel Quatsch erzählen.

Ach, der Zwerg. 1000 Gehirnzellen. Wisster Bescheid.

(Für die Chronik: die neueste Erfindung ist ein Raumanzug, der niemals brennt, mit dem er dann in die Sonne fliegt und da tut er dann Lava in die Sonne rein und guckt mal, was passiert.)

Tag 1450 – Erpressung.

Wir haben ein Video von Michel, das haben wir geloopt und jetzt können wir ihn damit erpressen, wenn er nicht gehorcht, machen wir ein gif aus ihm. So.

Es ist sehr schön, wenn man Kinder hat, die gern albern tanzen. Zum Beispiel Michel in der Küche oder auch Pippi nackt im Schwimmbad vorm bodentiefen Spiegel in der Umkleide – sehr zur Belustigung aller anwesenden Damen.

Schwimmbadtest Nes Svømmehall – ok. Klein, aber ein nettes Plansch- und Spielbecken, ein Kleinkindbecken und eine Rutsche und erfreulich wenig Chlor. Keine roten Augen! Und ordentlich Salz auf den Pommes, wie es sich gehört.

Pippi wollte im Schwimmbad unbedingt noch ein Eis. Wir vertrösteten sie auf zu Hause, weil Herr Rabe dringend nach Hause musste um einen Call anzunehmen („Urlaub“). Großes Geheul: „Aber ich schlafe ja im Auto ein!“ Es ging erst, als wir versprachen, sie zu Hause aufzuwecken, damit sie das Eis nicht verpasst. Dieses Kind, ey. Zu Hause wollte ich sie aufs Sofa legen, da klappte sie die Augen auf: „Kann ich Eis?“ Dieses Kind, ey!

(Kurz über die Umweltbilanz von so Blödsinn wie Hallenbädern nachgedacht. Gedanken ganz schnell ganz weit weggeschoben. Twitter deshalb auch kaum benutzbar für mich zur Zeit. Alles zu viel, zu bedrohlich, zu ausweglos, zu lähmend. Ich weiß, lalala wird uns nicht weiterbringen, aber, lähmend, usw. Kann nicht mal drüber nachdenken, dann möchte ich die Zeit zurückdrehen, niemals Kinder bekommen haben, das alles nicht sehen müssen, nicht sein. Hilft keinem, also lalala.)

Tag 1424 – Etwas bissig.

Ich weiß nicht, ob es der Koller ist, den ich gestern verspürte, ob es überhaupt ein Koller ist, aber ich bin im Moment grad ungnädig. Hätte ich nicht so eine ausgeprägte Impulskontrolle*, würde ich wohl noch viel öfter rumranzen, vor allem in den „Sozialen“ Medien. Gefühlt nur Idioten da. Seize the day, während die Arktis brennt, immerhin hat man keinen Krebs. Noch nicht. (Wie gesagt. Bissig, ungnädig, negativ, schlecht gelaunt, jedenfalls kann ich mich grad selbst kaum ernst nehmen, tun Sie das besser auch nicht.)

Michel hat eine neue Uhr, nachdem bei der alten das Armband kaputt und das Uhrglas zerkratzt war. Die Uhr hat er sich selbst ausgesucht, im Internet. Es gab ein paar Vorgaben, vor allem den Preis betreffend, aber im Grunde hab ich ihn machen lassen und am Ende haben wir die ausgesuchte zur Ansicht in den örtlichen Juwelier bestellt. Heute abgeholt, nach Check ob die um seine dünnen Handgelenkchen denn überhaupt passt. Tut sie und sie ist richtig cool und bestimmt gewöhne ich mich schnell an die begeisterten Ausrufe von der Autorückbank: „MAMA! Es ist zwei Uhr!!!“.

Auch Michel: kennen Sie noch Kirby, das kleine Bubble-Viech auf dem Game-Boy? Kirby kann Luft einsaugen und dann fliegen, aber auch Gegner einsaugen und runterschlucken um Special Features zu bekommen oder ausspucken um andere Gegner abzuschießen. Jedenfalls macht Michel beim Spielen das Saugen jedesmal mit, es ist zum Knutschen. Huiiib. Huiiiiib! Und dann bläst er die Backen auf, wie Kirby, wenn er fliegt. Unbewusst das alles. Ich platze vor Hachzigkeit noch irgendwann.

Am Nachmittag die Schneckenerde getauscht, das war nötig. Mein Bruder denkt jetzt, Schnecken wären sehr aufwändige Tiere, dabei hatte ich das nur schon eine Weile nicht gemacht und dementsprechend mit der Reinigung des Terrariums (festgetrockneter Schneckenschleim…) gut zu tun. Jedenfalls haben die Schnecken nun wieder zwei Farne, die auch lebendig aussehen und feiern das sehr indem sie sie anfressen. Anstatt des Radieschengrüns, das ihr Futter sein sollte. Tjanun.

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*Nicht, dass Sie denken, das sei was tolles. Wie immer wär ein Mittelding gut.

Tag 1409 – Versöhnlich.

Heute ging schief, was schief gehen konnte, von morgens bis abends, Sachen vergessen, falsche Sachen mitgenommen, Rechner will nicht, dann will Datenbank nicht, alles irgendwie Mist im Homeoffice, aber den Großteil meiner Aufgaben kriege ich doch irgendwie fertig, Rest muss ich am Wochenende machen.

Abends fahren wir zum Vikinger-Babysitter, denn die Kinder übernachten da morgen, es ist sehr aufregend für alle. Der Vikinger-Babysitter hatte letztens Geburtstag, ich versuche also erst online einen Gutschein bei einem Laden zu kriegen, der Sachen anbietet, die Teenie-Jungs cool finden, gebe aber nach dem dritten auf. Ich versuche Geld zu holen, bin schon wieder zu Hause, da fällt mir auf, dass ich kein Geld habe, hab das wohl im Automaten stecken lassen. Fahre zurück, treffe den Geldautomatentechniker, der mir erklärt, der Automat sei leer, es käme gar kein Geld raus, er fülle den nun auf, ich solle in einer halben Stunde wieder kommen. Also wieder nach Hause, zu spät zu spät, die Kinder nölig und aufgeregt, ich finde noch zwei 50-Kronen-Scheine und schaue anschließend ein Video, in dem jemand ENERVIEREND LANGSAM Geldscheine zu kleinen Hemden faltet. Wir packen den Kram für die Kinder und fahren dann los, 25 Minuten zu spät, nochmal zum Geldautomaten, 100 Kronen erscheinen mir etwas lächerlich für einen Teenie, treffe den Geldautomaten-Techniker, der mir erklärt, der Automat sei gar nicht leer gewesen sondern kaputt, aber jetzt ginge er wieder, er hätte den nämlich repariert. Im Auto also noch mal Geld falten und 30 Minuten zu spät beim Babysitter aufschlagen. Die Kinder sind jetzt jedenfalls auf Übernachten eingestellt, Pippi ist indifferent, Michel freut sich. Das hat eine Woche gedauert von Totalverweigerung mit Tränen bis zu Vorfreude. Uff. (Was hat den Dreh ausgemacht? Naja, erklären von uns aus natürlich. Augenhöhe! Außerdem haben die ein Trampolin und Minecraft und es gibt Pølse zum Abendessen.)

Als Herr Rabe die Kinder ins Bett brachte, räumte ich die Rucksäcke aus. Heute war nämlich letzter Schultag und auch Pippi macht morgen Ausflug (zum Flughafen. Fragen Sie nicht.) und hat nächste Woche Umgewöhnung in die neue KiTa-Gruppe, die Schränke leeren wir also jetzt schon nach und nach. Da fand ich Michels Schreibbuch im Rucksack und herrje, das ist so niedlich, ich musste ein bisschen vor Rührung weinen.

Ja, mein Kind malt wie ein Vierjähriger, aber das ängstliche Männchen, ich geh tot! (Aufgabe war: Gefühle malen. Froh, Traurig, Ängstlich, Wütend.)

Das ist Ostern. Das sind die zwei Bäumchen, die wir Ostern gepflanzt haben! Auf der da noch ganz braunen Wüste! *heuli*

Und hier: Jahresabschluss. Er sagt seiner Lehrerin Tschüss. Und er trägt den blauen Raketenrucksack vom Midimonsieur, an den er ein kleines Werbe-Bärchen gehängt hat, das jetzt immer mit muss. *heulipopeuli*

Dass man über sowas mal flennt denkt man ja auch nicht als junge Frau ohne Kinder.

Tag 1384 – Ein bisschen von allem.

Gestern. Wir waren babysitten, alle zusammen, bei MM in Oslo, denn A. (w) wollte gerne 21 km rennen und A. (m) wandert momentan auf dem Machu Pichu. MM und Pippi sind ja bestevenner und deshalb war das ganze wirklich tiefenentspannt. Die Mädels bespaßten sich gegenseitig, ich redete und alberte viel mit Michel. Der braucht das grad, er klebt dauernd an mir und ich musste irgendwann wirklich sehr deutlich werden, dass ich nicht! Angeleckt! Werden! Will! Ich verstehe es ja, es ist alles viel, erst Mama ne Woche weg, dann Papa ne Woche weg, zwischendurch Feiertage und dann kommt noch das Hort-Ding dazu…

… ich habe heute den normalen Hort zu nach den Sommerferien gekündigt und den Sport-Hort für 5 Tage/Woche gebucht. Michel findet das blöd, weil er dann seine Freunde nicht mehr im Hort sieht. Ich verstehe das sehr gut und habe versprochen, öfter Nachmittagsbesuche und am Wochenende mit den beiden Freunden auszumachen. Ich habe Michel das gestern noch mal erklärt, dass ich den normalen Hort einfach nicht gut finde, dass er auch im Sport-Hort Freunde finden wird und dass es leider ein bisschen zu teuer ist, dauerhaft beide Horte zu haben. Er war wenig begeistert, hat sich aber darauf eingelassen, es zu probieren. Puh. PUH! Die Diskussion dann heute mit Herrn Rabe fortgesetzt, der gern hätte, dass sämtliche Transport-Optionen schon durchgesprochen und festgelegt wären, Michel soll ja dann ab Sommer mit den beiden Nachbarmädels eine zur-Schule-gebracht-werden-Gemeinschaft bilden und wir haben dann in 2 von 6 Wochen vermutlich 4 Kinder zu verteilen, das wird kuschelig im Auto und der 2. Erwachsene passt da definitiv nicht mit rein, aber es wird irgendwie gehen, es geht immer alles wenn’s muss. Außerdem ziehen die Nachbarn ja eh vermutlich im Winter um. Dann sind es 2/4 Wochen, aber auch nur 3 Kinder.

Im Garten wächst und gedeiht alles, das macht sehr viel Freude. Ich habe heute ein noch recht kleines Radieschen gegessen und Kräuter geerntet und ich hab so viel Pfefferminze, dass es für ein paar Monate täglichen Tee reichen müsste. Immer wieder faszinierend. Nur Gurki ist eine Sorgenpflanze.

Europa hat gewählt, viel grün, viel braun aber auch. Ach, ach. Wer wählt denn solche ekelhaften Figuren, frage ich mich immer, naja, Sachsen zum Beispiel, aber auch Frankreich. Ach, ach, ach. Darf ich nicht so viel drüber nachdenken, das lähmt mich und dann will ich wieder in einen Bunker im Wald ziehen und da meine Kinder vorm Klimawandel und Nazis beschützen.

Ich wäre echt gern mal wieder abends früher müde und dafür morgens nicht wie erschlagen. Die nächste Woche hat nur 3 Arbeitstage und dann 4 freie Tage ohne große Pläne, das wird bestimmt schön. Vielleicht kann ich etwas Schlaf nachholen. Jetzt aber erst mal dringend Licht aus.

Tag 1371 – Großes Herz.

Ach, ach, ach. Ich hab schon tolle Kinder. Zwei Stück. Zwei super Kinder. Pippi zum Beispiel, diese kleine Dreckspätzin mit Nagellack und Kleid, die grad alles alleine kann, außer sie will grad nicht, dann kann sie gaaaaar nichts, es ist alles schlimm und überhaupt sind ihre Knie müde. Alleine den Rucksack aus dem Kindergarten holen, auf Michels Sitz sitzen, alleine Blumen pflücken, aber bitte die Treppen rauf getragen werden. Sie versucht grad oft, ihren Willen mit Geschrei durchzusetzen, was gestern dazu führte, dass Michel heimlich tat, was Pippi hätte tun sollen (ihre Schuhe wegräumen), weil Michel das nicht mehr ertrug, dass sie so brüllte. Aber Michel wär ja nicht Michel, wenn er nicht ne schlaue Antwort auf mein „das war sehr lieb von dir, aber so lernt Pippi leider nicht, dass sie manche Sachen selbst machen muss“ parat hätte: „Ich wollte ihr nur zeigen, wie das geht, dann kann sie es beim nächsten mal selber.“ Das sind meine Kinder grad: die sture Kleine und der gewitzte Große. Michel hat weiterhin den Kopf voller wilder Ideen. Langsam kann man manchmal mit ihm ernsthaftere Gespräche führen. Ihm wirklich Dinge erklären. Weil hier am Freitag ja Nationalfeiertag ist, lesen die Kinder viel Zeug über die „Eidsvollsmennene“, die damals das Grundgesetz verfasst haben und ich konnte es nicht lassen, anzumerken, dass Frauen da nicht gefragt wurden. „Wer hat den Frauen denn eigentlich erlaubt, das [also mitentscheiden] heute zu machen?“ „Da haben viele Frauen lange für gekämpft, dass wir das heute dürfen, mitentscheiden.“ „Mit Pistolen?“ (da hab ich den Teil mit den Bomben legenden Suffragetten dann einfach mal ausgelassen, an „Krieg ist NICHT COOL“ arbeiten wir weiterhin) „Vor allem mit Worten. Die haben so lange gesagt, dass Frauen genauso kluge und gute Entscheidungen treffen können, wie Männer, bis sie die Politik mitbestimmen durften.“ „Was ist Politik?“ (und so weiter). Gut, zwanzig Minuten später sagt er, er will bei seinem nächsten Geburtstag nur Jungen einladen und Mädchen sind doof, aber mühsam ernährt sich das feministische Muttereichhorn. Und wieder zwanzig Minuten später, beim Prä-Bettzeit-Laberflash, der ihn fast täglich überkommt, erzählt er, wenn man schlafwandelt, kann man auch Computer spielen, mit geschlossenen Augen, nämlich, und im Comic, da malen die nämlich ZZZzzz an die schlafenden Leute, so wie bei Donald Duck und 100 + 105, was ist das, Mama, 501? Nein, 150. Und so weiter und so fort und mit Zahnbürste im Mund noch „Isch musch dir wasch schagen, Mama!“, das kann dann keine zwei Minuten warten, auf gar keinen Fall denn das ist ganz wichtig, dass ich weiß, dass es ja viele, viele McDonalds gibt. Jetzt sofort muss ich das wissen.

In solchen Momenten bläst sich mein Herz auf wie ein Luftballon und platzt fast. Ich hab die zwei so schrecklich lieb, ich würd jedem eine Niere spenden, wenn sie eine bräuchten. Meine großen, kleinen, wilden, kuschligen, klugen, albernen und einfach wunderbaren Rübennasen.

Tag 1358 – Zackizacki.

Heute Dinge erledigt. Zeitdruck macht das, weiß ich ja, kenne ich schon. Die SOP ist an die Kolleg*Innen zur Durchsicht verschickt. Der Report, der Freitag raus soll, enthält nun auch alle meine Notizen. Die Checkliste für nächste Woche ist… naja zu 50% fertig, aber ganz fertig muss sie ja auch nicht sein, ich gehe da ja nicht alleine durch alles. Zu Hause dann endlich die meine Bügelwäsche weggebügelt und einen groben Plan gefasst, was ich nächste Woche anziehen könnte und entsprechend einpacken muss. Jetzt kann morgen die Frau Halbesachen kommen und wenn ich heute Abend noch durch ein bis drei Dokumente durchkomme, muss ich morgen nicht mehr ran und kann Spargel essen Wein trinken. Ach ja, Blumen gegossen habe ich auch, den Rasen gesprengt und die Einkaufslieferung verräumt. Die Brotdosen aus den Kinderrucksäcken geholt. Wenn ich’s nicht besser wüsste, würd ich mich für Superfrau halten, aber ich bin nur ich und ohne den Zeitdruck wäre das meiste davon nicht passiert (bzw. sind ja große Teile davon schon seit Wochen nicht passiert).

Was schön war, war Michel beim Erfinden zuhören weil Pippi beim Fernsehen eingeschlafen ist. Ich hab ein ganz wunderbar kreatives großes Kind. Und ein sehr gesprächiges auch. Und niedliches. Und kluges. Und überhaupt. Auch wenn ich mich ein biiiiisschen drauf freue, vier Nächte am Stück allein in einem Bett zu schlafen, ich werd die alle vermissen.

Tag 1353 – Rechner.

Michels Lehrerin rief heute Mittag auf meinem Handy an. Ich denke dann ja immer direkt an BeinbruchGehirnerschütterungPlatzwunde, aber das war es nicht, auch kein Magen-Darm oder ähnliches Grauen, nein, sie wollte nur sagen, dass Michel bei der Lernstandserhebung sehr gut gewesen wäre, Lesen und Schreiben sei top, hören, welcher Buchstabe wo ist und so weiter, alles prima, auch Leseverständnis sei sehr gut und er mache auch im Unterricht sehr gut und eifrig mit. Auch Rechnen klappt gut, manchmal ist er übermütig und macht dann schnellschnell leider manchmal knapp daneben, aber die Konzepte könne er alle und das ist eigentlich alles, was sie von den Kindern zum jetzigen Zeitpunkt erwarten. Also sie sei sehr zufrieden und da könnten wir ja heute gut zu Burger K*ng gehen. Wie auch immer sie darauf kommt, wir waren noch nie mit den Kindern beim Restaurant Zum Goldenen Bogen oder der Konkurrenz. Doch! Letzte Woche als ich mit Pippi beim Baumarkt war, da hab ich mir im Mc Drive einen Kaffee geholt und wär Eis nicht ausverkauft gewesen, hätte ich auch jeder von uns eins gekauft. Aber Eis war aus oder wie Pippi sagt „Wir haben kein Eis gegessen, nur Mama Kaffee.“ Jedenfalls Michels schulische Leistung ist super, das hab ich ihm auch heute Abend gesagt, dass ich das super gut finde, dass er in der Schule gut mitmacht und ihm das Spaß macht und dass er schon ganz viel ganz gut könne, habe die Lehrerin gesagt. Darüber hinaus wird das mit den Kindern von der Lehrerin nicht besprochen, was ich gut finde, ich glaube fest daran, dass man mit Druck (und nichts anderes ist ja öffentliches Leistungs-Vergleichen) in dem Alter mehr kaputt macht als erreicht.

Michel also top Rechner, im Gegensatz zu meinem Arbeits-Rechner (wow, was für eine Überleitung und auch so gar nicht konstruiert oder so…). Mein Account ist seit dem Passwort-Wechsel vor fast einem Monat kaum benutzbar, ständig werde ich rausgeworfen und der Account gesperrt. Meine kleine Morgenroutine sieht deshalb so aus, dass ich bei der Arbeit ankomme, mir einen Kaffee hole, mich an den Rechner setze, 10 Minuten arbeiten kann und dann den Support anrufe, sie mögen doch bitte meinen Account entsperren. Dann kann ich wieder 1-3 Stunden arbeiten und dann beginnt das lustige Spiel von vorn. Es ist zum Haare ausraufen. Der Kollege hinter mir, der im Sommer in Rente geht, bekam heute meine doch deutliche Irritation mit und sorgte kurzerhand dafür, dass ich einen mistneuen Rechner bekam. Hmm, sagte ich noch, ich glaube eigentlich nicht, dass der Rechner schuld ist, es ist irgendwie der Account in dem der Wurm drin ist, aber Widerstand war zwecklos, ich bekam einen neuen. Immerhin durfte ich meinen alten behalten, „falls es doch nix hilft“ zwinkerte mir die IT-Frau zu. Jetzt habe ich also zwei Rechner – meinen ömmeligen alten und einen super schicken neuen. Und die Account-Probleme habe ich selbstredend auch weiter.