Tag 630 – Starke Mädchen. 

Neulich:

„Mama, H. sagt, dass Mädchen stärker sind, dabei stimmt das gar nicht!“

„Hmm, aber wenn H. das findet, kann er das doch sagen?“

„Aber das STIMMT ja nicht!“

„Vielleicht sieht das ja für H. so aus?“

„?“

„Guck mal, H.s Mama, M., und sein Papa wohnen ja nicht zusammen. Und meistens ist H. ja bei M.. Und die muss dann alles machen, alles, was Papa und ich uns immer teilen. M. muss immer einkaufen und kochen und H. zum Kindergarten bringen UND abholen. Jeden Tag. Das ist anstrengend, dafür muss man stark sein.“

Heute:

„Duhu, M.? Weißt du, warum Mädchen stärker sind? Weil du und H.s Papa nicht zusammen wohnt.“

Tag 628 – Geschafft.

Mit dickem Kopf einschlafen heißt meistens, mit dickem Kopf aufwachen. Das weiß ich, gehört aber zu den Dingen, die ich offenbar einfach nicht wahrhaben will, sonst würde ich mich ja dementsprechend verhalten. Naja, es sieht also so aus, als hätte ich einfach ne fette Erkältung – die Nase ist verstopft und/oder läuft, der Kopf tut ohne Schmerzmittel ordentlich weh und der Hals kratzt. Unangenehm, aber nix wildes.

Entsprechend heute (langsam und vorsichtig) die ToDo-Liste abgearbeitet:

  • Maus gucken
  • Ausführliche Körperpflege (Fingernägel!)
  • Schminkpinsel waschen („man“ sollte das wohl so ca. Einmal die Woche tun. Wegen der Hygiene. Leuchtet ein, aber ob ich wöchentlich dazu komme, wird die Zukunft zeigen)
  • Fahrradreifen aufpumpen
  • 2 Stunden arbeiten (ja, und morgen auch. Gestern auch schon. Nein, das macht mir nicht besonders Spaß, muss aber trotzdem sein)
  • Der Familie hinterherfahren zum „Valborgsmässoafton“, der schwedischen Walpurgisnacht. Exilschweden in Norwegen sind auch nicht kontaktfreudiger als die Norweger. Auch ansonsten ein völlig normales Norwegisches Fest: es gab ein Lagerfeuer, aber erst, als die meisten Familien schon weg waren, weil Feuer ja so wahsninnig gefährlich ist und sich kleine Kinder ja bekanntermaßen gerne mal direkt in die Flammen stürzen. Während die Familien da waren, gab es Würstchen und Schokoladenkuchen. Ein paar schwedische Flaggen dazu und hier und da sprachen Menschen schwedisch. Aber was hatte ich an einem Nachmittag auch erwartet? Vielleicht sollte ich jetzt nochmal in die Bucht fahren…
  • Den Rest des Tages in der Küche verbracht. Quiche gemacht, Brötchen gebacken, Brot gebacken. Sauerteige geführt und mit Michel zusammen neue Teige für ein zweites Brot morgen angesetzt. Michel meinte „Ich will immer mit dir backen, Mama. Und dann sage ich allen meinen Freunden, dass das mein Brot ist. Und du kannst das dann deiner Familie sagen.“

Jetzt Bett*. Verdient. 

Hier noch ein Bild, das Herr Rabe heute gemacht hat:

* Ach ja, Update Schlafsituation: Gestern bzw. heute früh schliefen die Kinder friedlich in Michels Bett bis um sechs. Und ich war auch nur zwei Mal panisch gucken, ob sie noch leben. Das ist ganz wunderbar gelaufen, auch wenn Herr Rabe und ich uns noch dran gewöhnen müssen: wir schliefen nämlich beide regungslos jeweils ganz außen im Bett, mit ca. einem Meter freiem Platz zwischen uns. Heute früh kamen dann erst Pippi (ok, die kam nicht, sondern weckte uns mit rufen und fröhlichem brabbeln) und dann Michel an, zum kuscheln. Ich kuschle viel lieber, wenn ich nicht die ganze Nacht zwangsbekuschelt werde. Heute Abend brachte Herr Rabe dann zuerst Pippi und dann Michel in Michels Bett. Das klappte ganz gut, wird im Alltag aber vermutlich zeitlich etwas eng.

Tag 572 – WmDedgT im März ’17

Es ist spät, aber ich will noch schnell aufschreiben, was ich heute den ganzen Tag gemacht habe, schließlich möchte Frau Brüllen das heute wissen. Wegen der Uhrzeit und der anderen Uhrzeit auf dem Wecker gibt es aber nur Stichpunkte.

  • Ich war dran mit „Ausschlafen“, das heißt, als Herr Rabe um halb acht mit der greinenden Pippi aufstand, durfte ich noch eine Stunde dösen. In dieser Stunde hatte ich merkwürdige Stress-Träume, in denen ich in einem Kloster versuchte, ein WG-Zimmer zu finden und dafür allerlei Prüfungen machen musste.
  • Frühstück war lecker, ich habe am Freitag Abend endlich mal wieder Brötchen gebacken, die gab es.
  • Nach dem Frühstück versuchten wir, Maus zu gucken, das ging aber nicht. Michel war immer noch sehr fordernd-nörgelig und wir Erwachsenen davon abgenervt ohne Ende, also durfte er zwei Folgen Dinotrux gucken. Ich wünsche mir die Dinozug-Phase zurück. Während Dinotrux lief las ich meinen Feedreader leer und rekapitulierte dann aus Gründen etwas Wissen über die enzymatische Spaltung verschiedener Mehrfachzucker in ihre Einfachzuckerbestandteile. Dazu gibt es hier zeitnah was.
  • Herr Rabe ging von da nahtlos zum Räumen über, ich kam nicht so recht aus dem Quark und dödelte mit den Kindern und Twitter herum. Pippi schlief ein und ich legte sie ins Bett, dann malte ich ein bisschen mit Michel. Herr Rabe war schon auf dem Dachboden. Michel überraschte mich sehr (sehr sehr sehr und außerdem wäre ich fast vor Stolz geplatzt) als er seinen Namen auf das Blatt Papier schrieb. Krakelig, die Buchstaben unterschiedlich groß, das M hat einen Zacken zu viel, aber es ist alles erkennbar und er hat das einfach so gelernt, im Kindergarten, nehme ich an. Mit Vormalen durch mich schrieb er dann auch noch den Namen der Babysitterin und Pippis (richtigen) Namen. Wir zeigten das Ergebnis stolz dem ebenfalls sehr stolzen Herrn Rabe und dann kam auch schon die Babysitterin.
  • Pippi wollte partout nicht bei der Babysitterin bleiben, also schnallte ich mir sie auf den Rücken in die Manduca (wo sie wieder einschlief) und gesellte mich zu Herrn Rabe auf den Dachboden. Es musste heute nämlich wegen der anstehenden Bauarbeiten alles aus unserem Kabuff in ein etwas größeres Kabuff, das wir aber vorerst mit der Nachbarin von oben teilen. Außerdem mussten da auch die Möbel hin, mit denen die Wohnung hier vermietet wurde, die wir aber nicht nutzen (das Bett zum Beispiel). Im Zusammenhang mit der Räumerei wurde ein Beschluss gefasst, allen sperrigen Babykram (Klamotten erstmal nicht, weil zu viel Arbeit und lohnt sich weder finanziell noch platzmäßig) zu verschenken oder zu verkaufen, je nachdem. Das führte bei mir zu heftigem Schlucken, aber Vernunft und Gefühl sagen, dass mindestens ein paar Jahre ins Land gehen werden, bis ich mir überhaupt vorstellen kann, noch ein Baby zu bekommen und vielleicht wird das auch nie passieren. Was aber passieren wird, sind Umzüge und so und da Zeug mitschleppen, das man dann am nächsten Ort nur in das nächste Kabuff stellt „für den Fall der Fälle“, wäre totaler Quatsch. Ich fotografierte also weiterhin heftig schluckend und wehmütig seufzend und aber auch irgendwie befreit diverse Babydinge und werde sie in den nächsten Tagen ins Internet stellen. Schluck.
  • Ich rief meine Omi an. Nachdem ich ihren 85. Geburtstag total verdrabbelt habe (das war, als ich krank geschrieben war) wollten wir jetzt wenigstens unsere Urlaubspläne mitteilen. Wenig überraschend ist meine Cousine (die mit der Hochzeit in Portugal) schwanger, mein Opi verwirrt, meine Mutter meldet sich nie und es ist warm in Bielefeld. Überraschend ist auch meine Omi zunehmend verwirrt und außerdem hat sie ein Buch von Walter Moers gelesen (wir mögen Walter Moers beide sehr, haben ihr aber mehrfach gesagt, dass wir nicht glauben, dass ihr das gefallen würde), was ihr, wieder wenig überraschend, überhaupt nicht gefiel.
  • Dann machten wir einen Spaziergang. Erst diskutierten wir mit Michel erfolglos die Wahl der Draußenbekleidung. Er weigerte sich standhaft, seinen Winteranzug anzuziehen. Also ließen wir ihn mit Fleecejacke und Jogginghose raus. Ca. 25 Meter vor der Haustür sagte er „Mir ist kalt.“, was aber auf Nachfragen zu „Mir ist Wald.“ erklärt wurde. Schon klar. Naja, wir wollten ja nur bis zum Bakklandet, tranken dann da halt drinnen einen Kaffee und auf dem Rückweg rannte er dann den Großteil des Weges um nicht zu frieren. Ich fror auf dem Rückweg auch nicht, weil ich Pippi nach Hause trug, die nicht im Wagen sitzen wollte, aber beim Laufen wegen dem kalten Wind im Gesicht auch sehr fror. Dazu sang ich ihr „Der lustige Astronaut“ vor, beim „Laaaaalalalalaaaalaaaalaaaala“ machte sie nach dem dritten mal auch mit, das ist schon sehr niedlich, wenn sie singt. Alles in allem war es ein schöner Ausflug und vor allem eine willkommene Abwechslung vom Aufräumen. Und das beste: Rexto Plexto hat derweil die Bude gesaugt.
  • Sendung mit der Maus und paralleles Brokkoli-schnippeln. Wir mögen alle gerne rohen Brokkoli, deshalb kam nicht ganz die anvisierte Menge in der Suppe an.
  • Brokkolisuppe zum Abendbrot, dazu Brot und einen Klecks saurer Sahne. Michel brachte uns alle zum Lachen mit dem Spruch „Ich will auch Rømme, aber erst muss ich aufs Klo. Bis später dann!“ Dann servierte uns Michel noch Nachtisch: Weintrauben für Pippi (die sehr dankbar war) und Minipaprika und „Gurke“ für sich. Die Gurke war aber eine Zucchini, was er auf Nachfrage mit „Ja. Für Papa.“ erklärte. Dann holte er aber noch richtige Gurke, steckte Gurkenstücke und Paprika auf einen Spieß und aß es wie Schaschlik. Manchmal könnte ich den einfach auffressen, weil der so toll ist.
  • Rund ums Essenzubereiten haben wir schon mal angefangen, aufzuräumen. Morgen kommt ja Liv.
  • Nach dem Essen satt die satten Kinder ins Bett gebracht. Beide Erwachsenen schliefen kurz bei den jeweiligen Kindern ein. Nachdem Karen das in einem Kommentar hier vorschlug, habe ich beschlossen, nicht mehr dagegen anzukämpfen, sondern mich darauf einzulassen und zu hoffen, dass ich recht schnell wieder aufwache. Und es hat, zumindest heute, funktioniert. Erstens schläft Pippi schneller ein, wenn ich mich auch entspanne (sie will nicht mehr in die Manduca zum Einschlafen, sondern einfach im Bett liegen und kuscheln, es muss aber dunkel sein und Handy ist nicht) und ich döse eben eine halbe Stunde. Danach stehe ich wieder auf (so der Plan, und wie gesagt, heute hat’s geklappt) und mache mit dem Abendprogramm weiter.
  • Abendprogramm: Wohnung Liv-fertig machen, Pizzateig ansetzen, Gemüse für Pizza grillen, Brotdosen machen, eine Maschine Wäsche waschen, aufhängen, eine weitere Maschine Wäsche anwerfen, Spülmaschine laufen lassen, Schnecken füttern und sprühen, Müll runterbringen, eine email schreiben. Zähneputzenabinsbett.
  • Den Tag am Computer aufschreiben, damit’s schneller geht.

Und jetzt: ganz schnell schlafen!

 

Tag 544 – Michels Tierkunde. 

Mannfreien Tag souverän gemeistert. Wir waren sogar draußen und haben Muffins gebacken. Also als wir wieder zu Hause waren, wir haben natürlich nicht draußen Muffins gebacken. Vor allem haben wir nur wenig gestritten, das ist ja schon mal was nach dem Dauerzoff der letzten Wochen. 

Vor dem Einschlafen haben wir Michels Tieratlas angesehen und das muss ich doch mit Ihnen teilen, das ist so niedlich. Michel hat nämlich wegen Zweisprachigkeit, eigener Kreativität und nicht zuletzt Eltern mit schrägem Humor ein paar eigenwillige Namen für und Assoziationen zu Tieren. 

„Brannfrosk“, übersetzt Brandfrosch.


Dachsbiber.


„Ein Hai! Dömdömdömdömdömdöm!“


Das mit dem Dömdömdömdöm macht er wirklich jedes Mal, wenn er einen Hai sieht oder mit einem Hai spielt oder ein Hai ist (Vierjährige sind ja dauernd irgendwas. Michel war heute auch schon ein Gürteltier.). Vor dem Einschlafen heute fragte er mich dann wirklich: „Mama? Warum macht der Hai so Dömdömdömdömdömdöm wenn er angeschwommen kommt mit der Flosse so raus?“. Da bleiben Sie mal ernst! 

(Ja, ich hab’s natürlich erklärt. Die langweilige aber ehrliche Erklärung. Ich hoffe bloß, er will jetzt nicht ‚Der weiße Hai‘ gucken.)

Tag 534 – Mindestens hochbegabt. 

Der Michel, der überrascht mich manchmal. Also natürlich ist er das tollstebesteklügsteliebevollste Kind aller Zeiten, genauso wie alle anderen. Aber trotzdem bin ich manchmal ehrlich überrascht, wenn sich wieder ein paar Synapsen verknüpft haben und Protein Netzwerke die neuen Verbindungen stabilisiert haben und neue Dinge passieren. So wie heute morgen. 

„Mamaaaaa? Haben wir wirklich kleine Menschen im Körper?“

„Häh bitte was?“

„Ich hab das im Bakterienfilm gesehen. Als ich krank war. Da waren kleine Menschen im Körper.“

‚Bakterienfilm‘ ist ‚Es war einmal das Leben‘. Das durfte er gucken als er krank war. Das war im November. 

„Ach so, das meinst du. Nein, wir haben in echt keine kleinen Menschen im Körper. Das haben die sich nur ausgedacht, damit man sich das besser vorstellen kann.“

„Ja. Mamaaa, weißt du was?“

„Nein?“

„Im Weltraum gibt’s auch Monster mit vier Augen!“

Etwas später im Kindergarten. 

„Mamaaa? Wenn wir tot werden, werden dann die Bakterien in uns auch tot?“

Das ist eine ausnehmend gute Frage, die ich auch leider so spontan nicht beantworten kann. 

„Äh, ja, einige bestimmt. Aber bestimmt auch nicht alle…“

„Ich höre gar keine Kinder. Sind noch gar keine Kinder da?“

(Aha, das Kind kann also hören. Wer hätte das gedacht, so wie es immer schreit, statt zu reden.)

„Doch, es sind bestimmt schon Kinder da. Frag doch mal J.“

„Jooooohooooott? Sind noch gar keine Kinder da? Ich hab gar keinen Krach gehört.“ (Er sagte wörtlich: „Æ ha itj hørt noko brååak.“ Im breitesten Trondheimer Dialekt.)

„Doch, es sind schon fünf Kinder da. Drei Kleine und zwei Große.“

„Ja. Und jetzt bin ich auch da, dann sind es sechs Kinder. [Gerumpel und Stimmen von unten] Ah! Ich glaube ich höre M. und E.! Dann sind wir schon acht Kinder gleich!“

Ich hab den so lieb! Und ich bin so stolz! Hachja. 

(Anmerkung: Wie vermutlich alle Eltern wissen auch wir, dass der Preis für neue Entwicklungen mitunter hoch sein kann. So war es auch diesmal. Wenn Sie hier sind weil Sie sich fragen, ob andere 4-Jährige auch manchmal tagelang unausstehlich sind: ja. Sind sie. Manchmal sind sie aber auch sehr niedlich.)

Tag 522 – Forscher. 

„Mama? Wenn ich groß bin will ich Dinosaurierforscher sein.“

Michel beschäftigt seit einiger Zeit dieses „Wenn ich groß bin“-Ding. Ich sage dann meistens, so wie auch heute:

„Wenn du möchtest, kannst du Dinosaurierforscher werden.“

„Ja, und du und Papa und Pippi, ihr müsst dann auch Dinosaurierforscher werden.“

„Hmm, aber ich mag ja meinen Beruf, ich möchte gar nichts anderes werden.“

„Was ist dein Beruf?“

„Ich bin ja schon Forscherin. Für Proteine.“

„Was ist Proteine?“

„Hmm, Proteine sind so ganz kleine Dinger, die sind so klein, man kann die meisten davon gar nicht sehen, nur das was daraus gemacht ist.“

„Was ist daraus gemacht?“

„Fast alles. Alles was lebt. Du und ich und das Essen hier und ähhhh Milch und so.“

„Und Bakterien.“

„Ja, in Bakterien sind auch Proteine drin.“

„Ja. … Mama? Warum du wenn du Geburststag hast nach Amerika fliegt?“

„Weil ich da mit anderen Forschern rede. Forscher treffen sich manchmal und dann erzählen die sich, was sie so erforscht haben.“

„Wenn du dann fertig geredet hast musst du wieder zurück kommen!“

„Na klar komme ich wieder zurück!“

„Wenn du dann drei Tage geredet hast. Und du musst ja auch schlafen! Wo ist denn dein Bett in Amerika?“

„In einem Hotel.“

„Kommt Pippi dann mit?“

„Nein, ich hab doch gesagt, dass da keine Kinder mitkommen können.“

„Pippi ist ja auch ein Forscher!“

„Ja?“

„Ja. Baby-Forscher.“