Tag 696 – WmDedgT Juli ’17

Huch, es ist schon der 5. im JULI! Wo ist denn das letzte halbe Jahr hin, bitte? 

Aber egal, wie an jedem 5. will Frau Brüllen wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen. Dann wollen wir mal, nicht wahr?

Erstmal: irgendwie halb verschlafen, aber doch nicht so richtig und, ach, es gibt irgendwie bessere Starts in den Tag. Ist gibt auch bestimmt bald wieder Nächte, in denen ich nicht davon träume, dass ich in Proteinseen ertrinke während all die Leute, deren Arbeiten ich zitiert habe, lachend am Rand stehen und mich mit Stöckern immer weiter reinschubsen. Für manche Träume braucht man auch einfach keinen Deuter. 

Nach dem Aufstehen Haare waschen, Gesicht waschen, anziehen. Jeans, es ist kalt. Michel zieht sich eine lange Wollunterhose an. Den Gürtel schließe ich auf dem letzten Loch und, naja, ich überlege kurz, ob ich nicht doch noch ein neues Loch reinstanzen soll. Aber nein. Ich mache Brotdosen für die Kinder fertig, Herr Rabe macht die Kinder selbst fertig, muss dann aber los. Ich putze Michel die Zähne und überrede ihn zu einer Windhose und -Jacke, quatsche Pippi in die Schuhe und eine Jacke, versuche ihr mehrmals den Kamm abzuluchsen, den sie aber nicht hergibt und dann wird es aber echt mal Zeit, dass wir loskommen. 

Pippi will auch gar keinen Fall im Anhänger sitzen und macht Mordstheater, obwohl wir ihr „Fahrrad“ sogar dabei haben. Im Kindergarten angekommen, will sie dann erst den Helm nicht absetzen und dann den Kamm nicht hergeben. Ich nehme ihn ihr weg und ernte Geschrei. Halte Geschrei aus, bekomme irgendwann ein schnoddrigen Kuss und kann gehen. Sage noch Bescheid, dass die Kinder nicht mit Sonnencreme eingecremt sind und sie aber zumindest Michel bitte eincremen sollen, wenn sie rausgehen und es so sonnig bleibt. 

Dann fahre ich mit dem Rad zur Arbeit, obwohl ich viel lieber zu Fuß gehen würde. Aber ich hab ja keine Zeit. Nachdem das Fahrrad abgeschlossen ist, schreibe ich der Lieblingskollegin, ob sie einen Kaffee möchte, ja, möchte sie. Ich warte auf sie und beantworte dabei Urlaubsplanungs-Nachrichten. Nachdem mir heute morgen schon die Wettervorhersage zugespielt wurde, freue ich mich noch mehr als eh schon auf den Urlaub. Wir holen Kaffee und trinken ihn auf dem (gemütlichen) Weg zurück ins Büro. Da lade ich meinen Kram ab und …

… gehe ins Labor. „Das letzte“ Experiment. Das bestimmt genauso wenig das letzte sein wird, wie das letzte letzte das letzte war. Ich suche Kram zusammen und hole meine Proben, überlege und inkubiere und dann erzeuge ich (hoffentlich) kovalente Verbindungen zwischen RNA und Proteinen mit UV-Licht. Ich wasche meine Proben und bereite sie für den Proteinverdau vor. Dabei habe ich zwei mal eine halbe Stunde Inkubationszeit, eine nutze ich dazu, für die Masterstudentin haarklein aufzuschreiben, was ich mache und wo sie die Reagenzien findet, die andere für eine frühe Mittagspause. Nach der Mittagspause noch schnell den Enzymcocktail zur Verdauung von RNA und Proteinen dazu und ab dafür in den Thermoblock bis morgen. Noch ein schneller Kaffee und dann: 

Schreibschreibschreib. Die Zeit rennt. Zwei Stunden später habe ich etwas über eine Seite geschrieben und es ist irgendwie schon halb vier. Aber so rein vom Schreibfluss auch ein guter Zeitpunkt für eine Unterbrechung, mir fehlt nämlich nur noch ein Unterkapitel. Außerdem kriege ich Hunger, das Mittagessen war eher spärlich. Ich füge noch ein paar Referenzen ein und…

… frage Mr. I-Trust-you wies denn mit meinen Zellen so gelaufen ist. Schlecht, sagt er, der Mikroskopmann ist nicht aufgetaucht. Ob ich denn nach den Zellen geschaut hätte, wenn die zu dicht werden, müsste er eben den Mikroskopmann anrufen. Nee, bisher nicht, ich gehe also ins Labor und sehe nach den Zellen, die sind aber noch nicht zu dicht. Dann verquatsche ich mich noch kurz mit unserem Computerinder (Selbstbezeichnung von ihm!), der mir dieses lustige und dieses nützliche tool zeigt und dann gehts endlich ab nach Hause.

Obwohl, nein, ich muss noch einkaufen. Wir haben kein Brot mehr und zum Abendessen soll es Fisch geben, den wir auch noch nicht haben. Es gibt frische, norwegische Erdbeeren (dass ich mal von norwegischen Erdbeeren schwärmen würde, hätte ich auch nie gedacht, aber: norwegische Erdbeeren sind die Besten!), Ørret von der Frischetheke und leckeres Brot, aber keine, äh, Dinge nach denen ich auch noch gucken wollte.

Zu Hause angekommen bin ich unterzuckert und bekomme Kopfschmerzen. Dieses dauernde Wettergewechsle, gepaart mit dem nicht so ganz unerheblichen Stresslevel, das bekommt meinem Kopf gar nicht. Herr Rabe ist auch gestresst. Die Kinder gucken DinoTrux und ich setze mich für die letzten zehn Minuten dazu. Herr Rabe auch – und schläft direkt ein. Als DinoTrux vorbei ist, ist Michel sauer, weil es nur eine Folge gibt. Herr Rabe ist sauer, weil ich ihn wecke. Pippi leert Puzzles aus. Ich frage Herrn Rabe, ob ich einkaufen gehen soll. Ja, bitte. Ok. Michel will mit. Ich seufze. Ok. Ich erkläre, dass wir für ihn nichts kaufen. Er will trotzdem mit und wir fahren los. Auf dem Weg raus nehme ich mir noch einen Brotknust mit, um den Unterzucker zu bekämpfen. (Wundert dann auch keinen mehr, dass ich abnehme.)

Erst kaufen wir einen Trunki für Pippi. Michel sucht ein Kuh-Muster aus. Mir ist alles recht, ich bin von den Preisen paralysiert und nur froh, dass die Kinder so großzügige Großeltern haben. Wir gucken in dem Laden auch noch nach Dingen, die gibt es auch, aber Michel ist dagegen. Also ab in den Nachbarladen, für Pippi Kopfhörer kaufen. Und hier finden wir dann auch endlich Dinge und andere Dinge und dann will Michel Crocs haben (sind im Angebot) und die sind zwar noch zu groß, aber er will unbedingt und setzt den Dackelblick auf und naja. Wir kaufen also Dinge, Dinge, Kopfhörer und Crocs. Dann hat Michel Hunger. Ich habe auch schon wieder Hunger. Noch schnell in den Supermarkt, denke ich, fahre ins Parkhaus, es ist voll, Michel labert mich voll, jemand hat einen Einkaufswagen so blöd stehen gelassen, dass ich beim Einparken Probleme habe, ich hätte rückwärts einparken sollen, denke ich noch, das kann ich besser, jemand wedelt hektisch und es macht „Popp“ während mein linker Außenspiegel den linken Außenspiegel den nebenstehenden Autos umklappt. 

Der hektische Wedler war der Fahrer des anderen Wagens gewesen. Maximal 20 Jahre alt und garantiert mit Papis (oder Mamis) recht neuem, schicken, sauberen Auto unterwegs. Während ich noch das Auto gerade hinstelle, rubbelt er schon an der feinen roten Linie herum, die mein Auto an dem weißen Außenspiegel hinterlassen hat. Nichts passiert, die Linie ist hartnäckig. Ich steige aus und entschuldige mich und kratze Dreiviertel der Linie mit meinem Fingernagel weg, Michel klopft von innen an die Autotür, der junge Typ rubbelt, ich lasse Michel raus und fluche und rubble und fluche noch mehr, weil ich keine Feuchttücher dabei habe, mit Feuchttüchern geht bekanntermaßen alles weg. Michel labert, der Typ leuchtet mit dem gnadenlosen Handylicht die Linie aus, da ist kein Kratzer, aber ich krieg es so auch nicht weg. Mir fällt das Mikrofasertuch ein, das zur Kondenswasserentfernung im Auto liegt und damit (und Spucke, jaja, so eine bin ich, wenn ich keine Feuchttücher hab) kriege ich nochmal ein bisschen Linie entfernt. Michel hampelt rum und stresst mich und den Typen, der meint, er könne das sicher wegpolieren (bloß weg von der hektischen Mutti). Ich gebe ihm meine Telefonnummer, falls das nicht hinhauen sollte, er fährt. Ich besehe mir meinen eigenen Außenspiegel, der hat auch drölfzig Macken, die sind aber nicht von ihm, einer sieht eher aus wie… Wand? Naja. Vorm Auto verkaufen linken Außenspiegel polieren und Lack ausbessern. Gut, dass die Dinger nicht mehr aus Metall sind, wie früher.

Michel und ich gehen in den Supermarkt und kaufen ein bisschen Lebensmittel ein, ich kaufe Michel ein Brötchen und irgendwann sind wir wieder im Auto und Michel nervt mit Forderungen im Sekundentakt und, als ich dem nicht nachkomme, Genöle. „HmmmmmmHmmmmmmHmmmmm“ macht er und ich werde langsam wahnsinnig. Der Supermarkt ist mit dem Auto fünf Minuten von zu Hause weg und er treibt mich auf die Palme. Zu Hause ist Michel dann zu müde um die Treppe hochzugehen und zu schwach, um seine Jacke zu tragen. Ich ertrage alles stoisch mit der Aussicht auf Essen. Das ist fertig, aber die Stimmung ist… also. Äh. Ich weiß nicht, was Pippi gemacht hat, aber Herr Rabe ist total abgenervt und ranzt Michel an, der müde ist und fordertfordertfordert und dann heult Michel weil er angeranzt wird und Herr Rabe knallt ihm das gewünschte Schälchen auf den Tisch und Michel heult noch mehr und an der Stelle bin ich alleine im Schlafzimmer essen gegangen, weil *das* ertrage ich heute nicht auch noch. Die Kopfschmerzen werden auch immer fieser.

Ich höre die Kinder ins Bad gehen und Herrn Rabe Orren und mache die Kinder mit Bettfertig. Ich bringe Michel ins Bett, dann blogge ich schon mal ein bisschen, döse aber dabei dauernd ein. Pippi will nicht schlafen und Herr Rabe lässt sie herumölen. Dann kommen Pippi und Herr Rabe und Herr Rabe versucht, Pippi zum Schlafen zu überreden, aber irgendwann sitzt sie oben im Bett und ich liege eingepfercht zwischen zwei Kindern, von denen eins schläft und eins herumhampelt und mich kneift und an meinem Fingernagel schnippt in einem 90 cm Bett. Irgendwann schläft Pippi doch tatsächlich ein und ich flüchte aus dem Kinderzimmer. Herr Rabe versucht, Pippi in ihr eigenes Bett zu verfrachten, sie wird wach und schreit aber das ist jetzt nicht mehr mein Problem, einmal EInschlafbegleitung reicht dann auch pro Tag.

Bloggen im Bett, ich müsste eigentlich noch schreiben, das eine Unterkapitel, aber, ach, die Kopfschmerzen, die Müdigkeit, morgen ist auch noch ein Tag.

Aber ne Maschine Wäsche, die muss ich noch anwerfen, sonst habe ich zu wenig saubere Unterwäsche für knapp zwei Wochen Urlaub.

Urlaub. Das wird schön.

Tag 695.2 – Was ich eigentlich sagen wollte. 

Es wird alles. Bestimmt wird es das. Ich kann das Ende schon sehen, zwar noch nicht greifen, aber immerhin. 

Nebenher mache ich übrigens noch ein Experiment. Es muss ja noch ein drittes Paper her, ne? Alternativ müsste ich ein Review schreiben, aber, hui, das ist viel Arbeit und muss zumindest eingereicht sein, um als Bestandteil der Diss anerkannt zu werden. Also da nur irgendwas hinklatschen geht auch nicht. Lieber Minipaper aus jetzt hastig zusammengekochten Versuchen bauen. Mithilfe der nicht mehr traurigen Masterstudentin, die aber auch „nur“ nachmittags und am Wochenende kann. 

Und dann kommt der Mann um die Ecke und plötzlich macht man halbe Zukunftspläne. Aber wenn ich da jetzt auch noch zu viel drüber nachdenke, platzt demnächst mein Kopf* und die ganze Gedankensuppe klebt dann an den Wänden. Unschön stelle ich mir das vor. 

Also denke ich da einfach *nicht* weiter drüber nach, stecke meine Finger in die Ohren und singe schubidu. Und schreibe Zeug über N1-methyladenine in mRNA, das geht schnell, da gibt es nämlich bisher nur eine Veröffentlichung zu. Und dann Schlaf. 

*zusätzlich dazu, dass ich mir vermutlich grad mein halbes Genom wegen Stress kaputtmethyliere. R. Rabe, 32, Epigenetophobikerin

Tag 694 – Meine (total objektiven) Top Fünf der schrecklichsten Paper.

Nachdem jetzt über 200 wissenschaftliche Artikel (cooler Wissenschaftlerinnenslang: Paper) in meiner App sind, und ich davon auch die Hälfte ca. tatsächlich gelesen und die andere Hälfte zumindest angelesen habe, muss ich es doch mal langsam loswerden:

Es gibt echt furchtbare Paper.

Platz 5: So kompliziert, dass ich es auch beim dritten mal lesen nicht begreife. Meistens ist sowas im Journal „Cell Science and Nature“ und nach drölfzig Review-Runden dermaßen experimentell ausgeufert und gleichzeitig platzmäßig eingedampft, dass man ohne abgeschlossene Habilitation in *genau dem* Fachuntersubnischengebiet nichts mehr kapiert. Wird aber zitiert wie verrückt, weil ja quasi auch die Lösung auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest drin steht. Bestimmt. Irgendwo.

Platz 4: Arschlangweilig. Autor*In fängt bei Adam und Eva (oder dem Urknall, nach Gusto) an. Nach einer halben Seite fallen mir die Augen zu. Nach einer Seite lege ich es weg. Wenn der Schluss gut war, werde ich es nie erfahren.

Platz 3: „Wir haben leider keine Frau(TM) gefunden, die was zum Thema sagen wollte.“ Ohne Witz. Deutsche Forschergruppe. Zwanzig Namen. Eine Frau. EINE?!? (Und da geht’s nicht um Kernphysik oder so, sondern um *Trommelwirbel* Ernährung. Das Paper ist auch nicht von 1965, sondern von 2015. Und die Männer heißen zum Großteil sowas wie „Hermann“, „Erwin“ oder „Hans-Georg“.)

Platz 2: „Ich stelle nur Chines*Innen/Japaner*Innen/Inder*Innen ein.“ Zwanzig Namen auf dem Paper, einheitlich klingende Nationalität. Alle einer Universität irgendwo in den… wait, what?… USA! zugehörig. Leiter*In der Gruppe lebt, so ergibt kurzes stalken googeln, seit 25 Jahren dort. Genau wie Platz 3 macht das natürlich das Paper nicht inhaltlich schlechter (oder besser), aber mit bis zum Anschlag hochgezogener Augenbraue liest es sich so schlecht.

Platz 1: Der/Die emeritierte Professor*In schreibt über sein/ihr Lebenswerk. Das ganze Ding trieft vor Selbstverliebtheit. Andere Gruppen, deren Irrtümer, Irrwege und Irrelevanz werden gnadenlos durch den Kakao gezogen. Eigene Verfehlungen werden unter den Tisch gekehrt. Selbstbeweihräucherung bis mir nach ca. einer Seite davon schlecht ist und ich das Ding angewidert in den Papierkorb pfeffere aus meiner App lösche.
Es gibt natürlich auch gute Paper. Es gibt auch sehr gute Paper und dann gibt es noch die Kategorie, an die ich in meiner App kleine Herzchen male.

Tag 686 – I will survive.

Vermutlich ist diese auf-und-ab der Gefühlslage auch völlig normal. So wie alles. Heute jedenfalls war ein guter Tag, ich habe den Abschnitt über Alkylierungen durch Medikamente, Umweltgifte (Tabak!) und so weiter fertig, auch die hundertundeinen Reperaturmechanismen sind beschrieben, ab morgen geht es richtig los mit Epigenetik und dem ganzen Zeug und, ja, ich freu mich schon drauf. Epitranscriptomics, was ich dann danach schreiben werde, ist ein wirklich total spannendes Thema und ich gestehe ja auch gerne, Epigenetik ist schon auch cool. Auch wenn man auch da wieder eigentlich nicht ganz so genau wissen will, wie leicht (oder schwer) man sich mal eben epigenetisch irgendwo ein Gen stillgelegt hat. Aber so aus einem reich biochemischen Blickwinkel ist das alles ziemlich cool und in jedem Fall interessanter, als welche base wo warum von N-nitrosaminen alkyliert wird. Oder von Chemotherapeutika. Und wie und warum die Zellen dann gegen die Chemotherapeutika resistent werden*.

Jetzt werde ich jedenfalls noch mal ein oder zwei Reviews überfliegen und dann hoffentlich mal eine Nacht etwas mehr Schlaf bekommen als in den letzten. Und hoffentlich, hoffentlich bleiben die Kinder auch mal in ihren Betten, das wäre sehr wünschenswert. 

(P.S. Wer war das mit dem Tipp mit den Augentropfen? Der Tipp und die Tropfen sind echt Gold wert! Gut, in Anbetracht des Preises könnte man letzteres echt meinen** und beim Bezahlen kamen mir – einer Wunderheilung der trockenen Augen gleichkommend – fast die Tränen, aber wenigstens kann ich abends noch ein bisschen was sehen und ich sehe auch nicht ganz so Zombiemäßig aus, wie ich mich fühle. Also vielen Dank für den Tipp!)

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*Das passiert bei manchen Krebsarten häufiger, bei anderen seltener, aber insgesamt ist’s schon so, dass die meisten schwerwiegenden Krebserkrankungen gegen die Behandlung irgendwann immun werden und das gehört zum Beispiel zu den Sachen, die ich lieber nicht wüsste.

**Medikamente sind hier einfach unfassbar teuer. Und Süßigkeiten hat auch: heute kaufte ich zwei 0,5 L-Becher Eis und bezahlte dafür 120 NOK. Seufz. Aber dafür habe ich jetzt einen Liter Eis!

Tag 685 – Knappe zehn Seiten.

Fast zehn Seiten habe ich jetzt. Nur Text und Anmerkungen „hier muss ein Bild hin“ und „hier eine Tabelle“. Ca. 100 Referenzen. Das größte Kapitel ist fast abgeschlossen, nur noch ein bisschen die bypass-Mechanismen aufschreiben (4 Mechanismen, maximal 8 Sätze) und an einer Stelle muss ich nochmal ran, das gefällt mir so noch nicht, da muss ein Teilaspekt rausgearbeitet werden und dafür andere Teile glaube ich raus. Aber das ist ja kein Problem in LaTeX, wird halt einfach auskommentiert und gut ist, ist ja trotzdem noch da, wenn der Chef dann meckern sollte.

Apropos Chef: der hat sich heute endlich aus seinem Urlaub gemeldet. Ich soll den Antrag für die „Aufstockung“ der Forschungsgelder selbst schreiben und dann „signiert“ er das (will ich sehen, wie er ein online-Dings signiert, aber egal). 

In den letzten Tagen viel Meta-Zeug über wissenschaftliche Veröffentlichungen gelernt, aber das ist ein Thema für einen eigenen Post, wenn es mal noch nicht ganz so spät ist.

Tag 678 – Zwei Herzen…

Ich war heute, obwohl ich kaum was echt geschrieben habe, halbwegs produktiv bei der Arbeit. Ich vergesse ja immer wieder die kleinen Tücken von LaTeX, aber am Ende des Arbeitstages hatte ich ein funktionierendes Dokument mit alles und scharf, also einer ansprechenden Bibliographie und einem Abkürzungsverzeichnis, das als umnummeriertes Kapitel im Inhaltsverzeichnis auftaucht. Ich glaube, ich mache für das Abkürzungsverzeichnis noch römische Seitenzahlen, weil ichs kann (und es cool ist, wenn die Einleitung dann auch mit arabisch 1 auf Seite arabisch 1 anfängt). Eine klitzekleine Herausforderung wird dann noch am Ende das Einfügen mehrseitiger PDFs (also der Artikel), Tipps dazu nehme ich gerne an. Etwaige Manuskripte werden ja in Word erstellt (ja, ich weiß, ich möchte das ehrlich gesagt auch nicht, aber Chef ist da uneinsichtig), da weiß ich noch nicht, wie ich die dann einfüge, vielleicht auch einfach als PDF vom .doc. Weil alles „nachtexen“ ist unspaßig, been there, done that. Neben der Arbeit her habe ich dann noch mit der Masterstudentin besprochen, was sie nächste Woche nach ihrem Ferienjob für spaßige Sachen für mich tun soll, unser Sequenzier-Experiment ist nämlich wieder in die Hose gegangen und liegt jetzt bis auf Weiteres auf Eis wegen akuter Unlust, noch mehr Geld zum Fenster rauszuwerfen. Dann musste ich leider ziemlich überstürzt abhauen, mein Biorhythmus ist ja eher auf nachmittägliches Arbeiten ausgelegt, deshalb werde ich in den nächsten Wochen die Kinder wohl vermehrt morgens bringen, dann kann ich nachmittags entspannter noch weiterarbeiten und muss nicht mitten im Flow aufspringen. So war ich heute dann wirklich kurz vor knapp im Kindergarten und fühlte mich sowohl wegen der Kinder, als auch wegen der abgewürgten Arbeit schlecht.

Aber: die Kinder. Wie putzig die manchmal sind. Und wie sehr die mich manchmal auf die Palme bringen*. Heute Nachmittag waren Michel und ich ein Geburtstagsgeschenk für seinen KiTa-Kumpel kaufen, der morgen sechs wird. Ich dachte , das sei eine gute Idee, wenn Michel das aussucht. Dann lernte ich etwas über mein Kind, nämlich, dass der noch entscheidungsschwacher bei sowas ist, als ich. Wir waren im großen Supermarkt, der auch eine relativ große Spielzeugabteilung hat. Erst wollte Michel die Autos angucken. Jedes. Einzeln. Ich zeigte ihm schon extra nur die, die im Preisrahmen waren, trotzdem fragte er links und rechts natürlich, ob wir nicht das nehmen könnten. Ich erklärte einigermaßen geduldig an die 150 mal, dass alles mit Fernsteuerung und alles aus Disney-Filmen (Cars) zu teuer ist, dass ich keine echt aussehenden Schießdinger kaufen werde und dass ich Star Wars noch nicht so gut finde für Kinder, die noch nicht mal zur Schule gehen. Michel war auch einig darin, dass Star Wars sehr gruselig sei (jetzt, wo ich The Force Awakens gesehen habe, frage ich mich ja schon sehr, wieso die ganzen Figuren und trallala die man so kriegt Klonkrieger sind. Nix Rae (Rea? Ray?), nix Finn. Ballum???). Aber für die verbleibenden fünf AUtos konnte er sich auch nicht so recht erwärmen. Er wollte doch noch mal beim Lego gucken. Auch da war es schwer, Sets im Kindergeburtstag-nicht allerbester Freund-Rahmen zu finden. Genau genommen gab es sieben: zwei Lego Creator (Zug und Rennauto, das hätte ich ja gut gefunden, aber was weiß ich schon), ein Lego City und vier von diesen Basic-Kits in verschiedenen Farben. Und dann gab es ganz viel Lego Friends, aber, Sie ahnen es schon, das kam Michel nicht in die Tüte wegen des ganzen Rosas, der Katzen mit den riesigen Augen, der Muffins und „weil da nur Mädchen drin sind“. Geilomat, mein Kind ist total stereotyp drauf (hier mütterliches Haareraufen vorstellen). Michel betrachtete also die sieben Sets ausgiebigst. Wog das Rennauto-Set  in der Hand. Machte HmmmmHmmmm. Und sagte dann:

„Ich glaube ein Auto ist doch besser.“

Und ging zurück zu den Spielzeugautos. Wo wir uns dann gemeinsam für ein Motorrad entschieden. 

(Dann suchten wir noch eine Karte mit Mickey Mouse drauf aus und ich sage es mal so: Vierjährigen eine Karte mitsamt Umschlag in die Hand drücken „zum Festhalten bis zur Kasse“ und denen dann den Rücken zudrehen kann bestimmt auch gut gehen. Mein Kind hat dann aber bis zum Milchregal das Kärtchen in den Umschlag gesteckt und diesen fein säuberlich zugeklebt.)

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*gestern zum Beispiel, als das eine Kind, das nach Absprache nur dann keine Schlüpferwindel nachts anziehen muss, wenn die vorherige Nacht trocken war, seine rausgelegte Schlüpferwindel klammheimlich liegen ließ und ich erst nach dem Ins-Bett-bringen dachte „hmm? So ein knackiger, kleiner Windelpo…?“. Rübennase.

Tag 671 – #12von12 im Juni ’17

Es ist der 12. des Monats, wie ich schon um elf oder so bemerkte. Das heißt, wer mag, macht 12 Fotos von seinem Tag und verlinkt sie beim Kännchen-Blog

Heute etwas arbeitslastig, ich entschuldige mich schon mal dafür, aber so ist es nun mal eben. Noch vier Wochen, dann ist Urlaub. Jetzt ist schreiben. 

Der Tag ging denkbar bescheiden los, mit einem Vortrag nach dem ich mir unsäglich dumm vorkam. Auf Twitter wurde ich daraufhin dazu aufgefordert, einen Schreibehashtag einzuführen, der auch mein Impostor-Syndrom gut unterstreicht. Spoiler: am Ende des (Arbeits-)Tages habe ich einen. 

Menschen, die auf Inhaltsverzeichnisse starren. Mensch nicht abgebildet. #1von12 von #12von12 #PhDFreuden #mimimi #ichkanndasnicht #hashtagvorschlägewerdengerneangenommen


Tja. Mit Labor war ich ja dann am Freitag doch nicht mehr ganz fertig geworden. 

Noch 178.713 Proben trocknen. #2von12 von #12von12


Korridorromantik an Mittagessenbox. #3von12 von #12von12


Nach dem Essen hat mein Chef endlich Zeit. Hier das Ergebnis. (Schön, ne, wie meine durch und durch positive Art auch da dazu führt, lieber modification als damage zu verwenden.)

Ich war beim Chef. Es hat jetzt einen Titel (oben links). #4von12 von #12von12


Das feile ich dann noch mehr aus, strukturiere grob und, ähh, denke viel. Zwischendurch räume ich prokrastinatorisch meinen Schreibtisch auf. Und mir fällt auch ein Hashtag ein. 

So. Das war so ca. was ich heute schaffen wollte. #5von12 von #12von12 #ImpostDoc #Feierabend


Um zwei Minuten vor Briefkastenleerung bin ich bei der Post um endlich den Wahlregisterantrag und den Versicherungsbrief zu verschicken. 

Noch schnell zur Post. #6von12 von #12von12 #btw2017


#Nachhausewegselfie aus dem Trøndersommer #7von12 von #12von12 Diese große Straße direkt vor unserer Haustür wird Ende des Monats testweise für Durchgangsverkehr gesperrt. Dann muss auch keiner mehr auf dem Bürgersteig Fahrrad fahren.


Zu Hause liegt ein Zettel im Briefkasten, dass wir ein Paket abholen sollen. Ich gehe also nochmal zu (einer anderen) Post. 

… und Post Nummer 2. Die Kinder erwartet ein Paket von der Tante. #8von12 von #12von12


Das Paket enthält Geschenke für Pippis 2. Geburtstag, das lassen wir also schnell verschwinden. Herr Rabe kommt mit Pippi nach Hause, Michel ist mal wieder mit zu seinem Kumpel gegangen. Herr Rabe düst direkt wieder los zum Friseur, Ich koche, Pippi macht… scheiß. Unter anderem isst sie das erste Kaugummi ihres Lebens, weil ich ihr die Packung nicht schnell genug wieder entreißen kann. Und Herr Rabes Manschettenknöpfe muss ich auch unter der Bank wieder hervorholen, wo sie irgendwie gelandet waren. Dafür werde ich dann auch noch vorwurfsvoll angesehen. 

Die Manschettenknöpfe vom @fr4be sind sehr traurig. #9von12 von #12von12 😭 #Pareidolie #pareidolia


Herr Rabe ist wieder da und wir essen. Es gibt Tomatensuppe. Pippi kürt mich zur besten Mama der Welt. 

Die dritte Portion Tomatensuppe kann man auch gut als Haargel verwenden. #10von12 von #12von12


Tjanun. Während ich Pippi umziehe und reinige holt Herr Rabe Michel ab. Dann bringe ich erst eine Dreiviertel Stunde lang Pippi und weitere 15 Minuten Michel ins Bett. Herr Rabe fährt zum Sport. Ich suche auf meinem Computer meine Masterarbeit und finde sie nicht, was logisch ist, weil ich damals den Computer noch nicht hatte. Aber die externe Festplatte aus Masterarbeitszeiten, die habe ich noch. Irgendwo. Ich suche ca. 10 Minuten nach der Festplatte, dann 2 nach dem Stromkabel der Festplatte und dann 5 Minuten auf der Festplatte nach den richtigen Dateien. Und dann – Heureka – kopiere ich alles nach ShareLaTeX und jetzt ist es in der Wolke und kann nicht mehr verloren gehen. (Und ich kann von überall dran arbeiten und überhaupt. Ich liebe ShareLaTeX.)

Auf uralter externer Festplatte tatsächlich meine Masterarbeit gefunden. Hurra! #11von12 von #12von12 #LaTeX #shareLaTeXlove #ImpostDoc (Warum Hurra? Weil mir das eine Menge Formatierungsarbeit erspart. Und eine Möglichkeit der Prokrastination eliminiert.)


Ich ändere dann nur noch grad den Zeilenabstand, freue mich an meinem hübschen Layout und der schönen Schrift und überhaupt waren das damals wohl investierte Prokrastinationsanfälle, in denen ich mir das alles hübsch machte. (Und dann denke ich kurz an einen Freund von uns, der sehr interessiert an Calligraphie ist und der für seinen PhD-Thesis-Font knapp 1000 US- $ ausgab. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Und dann ist es auch schon Zeit fürs Bett. 

ZähneputzenabinsBett. #12von12 von #12von12

Nein, ich putze meine Zähne normalerweise nicht in der Küche, aber Herr Rabe duscht gerade und in unserem Bad gibt es keinen Foto-Winkel, aus dem man ihn nicht selbst oder im Spiegel sieht. 

Und jetzt werde ich mich mal fix selbst Einschlafbegleiten. Das kann ich ja so langsam.