Tag 2898 – Angekommen (durchatmen).

Die Reise, nachdem der Flug nach Seoul eine Dreiviertel Stunde nach dem Schedule endlich abflog (lokale Zeit in Istanbul dann 02:30, bis ich die Augen zumachen konnte, war es nach 03:00 und ich dann doch auch mal echt platt), verlief sehr smooth. Es wurde zwar ab und an etwas ruppig in der Luft, aber ich kann ja im Normalfall besonders gut schlafen, wenn’s brummt und ruckelt, so auch da. Ich schlief ca. 5,5 Stunden, das ist recht wenig, aber da ich ja jetzt gleich auch schon wieder schlafen sollte, ist das schon ok.

In Korea angekommen, ging es stressfrei weiter. Ich füllte einen Ich-habe-keine-Covid-Symptome-Zettel aus, füllte einen Registration-Zettel aus (es ist Visit Korea-Jahr, viele Länder, unter anderem Norwegen, sind von der Visumspflicht befreit), ging mit 20 Sekunden Wartezeit durch die Passkontrolle und gab die Zettel wieder ab, holte mein Gepäck, das sich schon auf dem Band befand und ging aus dem Flughafen. Da wartete der Taxifahrer mit einem Schild auf mich. Eine halbe Stunde von Landung bis Taxi, das ist rekordverdächtig!

Der Taxifahrer hielt außerdem einen Kaffe Americano für mich bereit, schwarz und heiß, nicht zu stark, und in meinem Kopf war ja auch erst Vormittag, ähäm. Der Fahrer fuhr mich dann zum Hotel und erzählte mir zwischendurch mit Google Translate ein bisschen was, zum Beispiel hat die Stadt, in der ich grad bin, 1,3 Millionen Einwohner*innen. Also… so viele wie Viken. Nur auf 120 Quadratkilometern statt knapp 25.000 Quadratkilometern, also… ca. 200 fache Bevölkerungsdichte. Bin noch ein wenig kulturgeschockt allein davon.

Im Hotel an der Rezeption wurde ich kurz ein bisschen panisch, weil ich meinen Pass nicht fand. Der war in meiner Hosentasche gewesen… vielleicht war er mir im Taxi aus der Tasche gefallen? Mit der Rezeptionistin zusammen rannte ich aus der Lobby, um den Fahrer aufzuhalten, was gut war, denn der Pass lag nicht im, sondern unterm Taxi. Wäre der Fahrer losgefahren, hätte er meinen Pass glatt überfahren, ich weiß nicht, ob der das so mitgemacht hätte.

Im Hotelzimmer diese Aussicht:

…und endlich eine Dusche und frische Kleidung. Aber ganz fix, weil das Restaurant nur bis 9 aufhat und ich musste ja noch Mittag, ähhh, Abendessen essen. Ich hielt mich erst mal an „safes“ Essen, weil ich nur so wenig Zeit hatte und die Auswahl so groß war, dass ich schon Entscheidungsparalyse bekam. Es gab für mich also gebratene Pilze, scharfe Nudeln und Suppe. War schon mal sehr lecker. Zum Nachtisch nahm ich mir ein Häppchen Zitronenmousse, das war gefährlich lecker (ich bin ja jetzt ne Woche hier). Dann wieder ins Hotelzimmer und erst mal auspacken.

Jetzt liege ich hier schon ne Weile auf dem (riesigen! Ich könnte locker noch 2 weitere Erwachsene beherbergen) Bett und warte auf Müdigkeit. Morgen um sieben (bei Ihnen: Mitternacht) muss ich mich auf jeden Fall aus dem Bett peitschen. Das wird interessant.

Tag 2897 – Grüße aus Istanbul.

Die Reise nach Korea hat begonnen. Dazu passend:

Mein Weiterflug nach Seoul ist leider ein bisschen verspätet. Davon abgesehen war die Reise bisher allerdings überaus geschmeidig, die größte Katastrophe war, dass ich mir noch in der Lounge in Oslo an meinem Gepäckzettel fies in den Finger geschnitten habe. Eine Mitarbeiterin hat mir dann aber sehr schnell ein Pflaster besorgt.

Ich kann ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz fassen, dass ich hier ganz alleine um die Welt fliege, das ist doch ein Fehler, wer hat denn da nicht aufgepasst, ich kann doch sowas gar nicht! Das ist nur für Erwachsene!

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Pippi ist sehr happy bei ihrem Tanz-Ferienspiel-Gedön. Ich konnte sie heute noch mit abholen, bevor mich Herr Rabe und sie am Bahnhof abgesetzt haben. Das war sehr schön, da konnte ich mich versichern, dass sie es da ausgesprochen gut hat. Hach.

So. Als nächstes melde ich mich von einem anderen Kontinent und in einer komplett anderen Zeitzone.

Tag 2896 – Besser, Tröt und uiuiui.

Es sind nur noch knapp über 20 Grad und es hat sogar geregnet, in einer angenehmen Form, nämlich leichtes, aber stetiges Getröpfel über Stunden. Es ist, als würde die Natur einmal richtig aufatmen. Außer die Fluginsekten, die vielleicht nicht.

Die 3. Kompanie der Königlichen Garde

Die Kinder und ich fuhren heute nach Oslo, zum Tag der offenen Tür der Königlichen Garde (also der Soldaten mit den lustigen Hüten, die besonders gut im Paradieren sind). Die 3. Kompanie ist deren Drill- und Musiktruppe, die haben wir ja letzten Sommer schon mal gesehen, und mit zwei etwas nerdigen Korpskindern fand ich das eine gute Idee. Musik begeistert mich ja generell und auch wenn Marschmusik im Allgemeinen nicht soooo mein Favorit ist (generell dieses ganze militärische daran nicht) ist das, was die Garde spielt, auf einem Niveau, das es wert macht, dafür nach Oslo zu fahren. Außerdem sind das ja Wehrdienstleistende, das heißt, die diesjährige Garde ist eine komplett andere, als die letztjährige. Der Ausflug war auch echt gut, die Musik und der Drill einfach faszinierend, aber sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg passierten Dinge mit den Zügen, auf die ich flexibel reagieren musste, dazu kam, dass Pippi ein stetiger Quell von Geräusch und Bewegung ist, was mich auch stresst, und schon im Zug auf dem Weg zurück war mein Akku dann bedrohlich leer*. Wie Stöpsel gezogen. Das ist blöd, weil es im Nachhinein irgendwie das Erlebnis runterzieht. Anyway, auf dem Rückweg trafen wir dann noch Herrn Rabe, der in unseren Zug zustieg. Da war nicht mehr ganz so schlimm, dass ich mich zu Hause erst mal kurz etwas abschotten musste.

… denn die Verpflichtungen des Tages waren ja noch nicht vorbei, ich musste ja noch packen. Am liebsten hätte ich mich auch einfach heulend geweigert, überhaupt anzufangen, weil ich ja was vergessen könnte, aber ich bin ja nicht mehr 10 und habe mir das mit viel Mühe und ein paar Umarmungen von Herr Rabe verkniffen. Es ist jetzt fertig gepackt, zumindest soweit möglich, morgen kann ich mich noch bis ca. 16 Uhr verrückt machen und Last Minute Dinge in den Koffer werfen und dann geht’s auf nach Korea. Ohgottogott.

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*immerhin merke ich das inzwischen manchmal und mache dann auch, obwohl mit Kindern unterwegs, Kopfhörer rein und Musik an, weil mich das beruhigt und von weiteren Eindrücken (wie redenden Menschen überall) abschottet. Die Kinder haben ja von ner Mutter, die buchstäblich zu nichts mehr in der Lage ist, auch nichts.

Tag 2891 – Langsam…

… drehe ich am Rad. In einer Woche um diese Zeit bin in Korea und zwar noch nicht wichtig, aber dafür wahrscheinlich furchtbar gejetlagt. Dann ist auch morgens und ich müsste jetzt so ca. beim Frühstück sitzen. Ohgottogottogott.

Einziger Trost ist, dass alle glauben, dass ich das schon hinkriegen werde. Also irgendwie wird das schon laufen, da bin ich auch ganz sicher. Die Qualität und die erforderliche Souveränität wird sich zeigen, ob ich die aufbringen kann.

(Ohgottogott.)

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Was anderes: hier ist es echt warm. Wär voll gut, wenn man das auch genießen könnte und nicht viel zu viel Zeit vorm Rechner zu kleben, damit alles(TM) noch fertig(TM) wird. Haha.

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Noch was anderes: den Kindern geht es schon wieder so gut, dass sie den ganzen Tag ausdauernd streiten können. Morgen gehen sie wieder in die Schule.

Tag 2855 – Nix.

Herr Rabe hat einen Großteil des Tages damit verbracht, Michel zu Gesundheitsmenschen zu fahren, damit sein Fuß angeschaut werden konnte. Die Diagnose ist: da ist nichts passiert, umgeknickt eben aber alles noch dran und ganz. Puh.

Ich habe einen Großteil meines Tages damit verbracht, einen Report zu schreiben, den ich eigentlich heute (ganz eigentlich Freitag) fertig haben wollte, aber trotz großzügiger und spätabendlicher „Flexizeitarbeit“ (andere nennen es Überstunden, aber die sind ja nicht mehr erlaubt) ist er immer noch nicht fertig. Ich werde die nächsten zwei Tage extrem effektiv sein müssen, um alles noch vor dem 17. Mai einzutüten. Es wäre echt schön, wenn nicht noch ein Report massiv über die Frist ginge.

Heute Morgen habe ich mich aus Gründen gefragt, was die adäquate Reaktion darauf ist, wenn man nach dem Sport bei der Arbeit unter der Dusche eine Kollegin trifft, die man nicht gut kennt und wegen mangelnder Brille und Bekleidung auch nicht wirklich gut erkennt. Ich glaube weder meine Reaktion (betretenes Inspizieren der eigenen Füße, aus Ermangelung der Möglichkeit, einfach durch den Ausguss zu verschwinden) noch ihre (drauf los erzählen und fachliche Dinge besprechen wollen) waren ganz richtig.

Montags Sport machen ist vielleicht nicht so schlau. Da machen alle(TM) Sport, erst können also alle(TM) meine beeindruckend pinke Glomse bewundern und danach läuft man sich auch noch in der Gemeinschaftsdusche wie Gott, Zeit und Oreokekse eine schufen, über den Weg. Dann kriegen sie auch gleich noch meinen beeindruckend pinken Storchenbiss an der Rückseite zu sehen. Super. Nicht.

Tag 2837 – Müde zu Hause.

Wenn man im Taxi zum Flughafen (8 Minuten Fahrtzeit) schon nahezu einschläft, war die Inspektion anstrengend. Es ist ein wenig faszinierend, wie ich und der Lieblingskollege gut gelaunt und sachlich sind, solange wir mit der Firma zusammen sitzen, und danach sind wir (gemeinsam) missmutig und/oder albern und/oder lästern und/oder ich bringe ihm was über Neurodiversität bei. In der Mittagspause gehen wir nahtlos zu Diskussionen über Himbeeren und Wintergärten über, sobald alle den Raum verlassen haben, diskutieren wir das fachliche oder gehen schnell den weiteren Plan durch. Aber all das schlaucht auch ziemlich und eisige (schockierte) Stimmung beim Closing Meeting ist auch nicht grad was, mit dem ich gut umgehen kann. Und nach drei so Tagen bin ich dann halt platt – der Lieblingskollege allerdings auch, und der hat ca. 5 mal so viel Erfahrung wie ich. Beruhigend irgendwie.

Trotz Flugverspätung konnte ich abends noch Michel ins Bett bringen, das war sehr schön.

Tag 2836 – Weiter müde.

Huff, das hier ist irgendwie unerwartet total eskaliert, keine Ahnung wie das passiert ist. Aber jetzt hab ich den Salat. Nach knapp 13 Stunden Arbeit und einem kleinen Durchgang der Tanzchoreografie zum Runterkommen (mit einem grauenvollen Muskelkater von Montag) falle ich jetzt aber auch einfach halb tot ins Bett. Hoffentlich kann ich schlafen und träume nicht wirres Zeug von der Inspektion, das passiert ja durchaus ab und an. Gestern zum Beispiel.

Tag 2810 – Auch sowas wie Routine.

Zwei Tage Kurzinspektion (eigentlich nur anderthalb), einmal nach Bergen jetten und zurück bitte. Aus Gründen viel darüber nachgedacht, ob das auch remote gegangen wäre und zu dem Schluss gekommen, dass das nicht gegangen wäre, nein.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und gar nicht so erschossen wie sonst auch schon öfter. Vielleicht werde ich ja langsam doch eine von den erfahrenen Inspekteurinnen, die „sowas“ mal grad aus dem Ärmel schütteln. Abends habe ich sogar noch ein bisschen Geige geübt und befürchte jetzt leider, dass dieses Vivaldi-Concerto etwas langweilig werden könnte. Es wird sich noch zeigen, denke ich, aber ich bin eher gewohnt, bei den ersten Malen nicht sonderlich weit zu kommen und mit vielen Fragezeichen die Noten anzustarren (looking at you, Bach). Das heute (den 1. Satz) hab ich nahezu einfach runtergespielt. Ohne Murmel allerdings, vielleicht sollte ich es mit einer Murmel zu Schwierigkeitsgrad „unmöglich“ befördern. Oder doppelt so schnell spielen. Oder so.

Jetzt freue ich mich auf Schlafen im eigenen Bett und ohne Regenprasseln. Das ist nämlich erst schön, wird dann aber nervig und irgendwann ist man kurz davor, sich IRGENDWAS ins Ohr zu stopfen, nur damit es aufhört, das habe ich letzte Nacht zur Genüge getestet. Heute, während wir in einem innen liegenden Meetingraum saßen, war draußen dagegen die ganze Zeit schönster Sonnenschein. Ich glaube, das Wetter hasst mich oder will mich zumindest verarschen.

Tag 2809 – The Bergen Experience.

Heute Morgen dachten wir noch, wir hätten irgendwas falsch gemacht. Wir stiegen aus dem Flugzeug aus (reichlich seltsam übrigens, das ist so eine Verbindung, die nehmen manche hier wie nen Bus zur Arbeit und so fühlte es sich auch für mich heute an) und es war trocken, klar und überall grün. Dabei regnet es in Bergen doch immer. Immer immer. Vor allem im Frühling.

Nun, wie soll ich sagen. Seit dem Mittag regnet es, seit dem Nachmittag schüttet es wie aus Eimern. Dabei kommt Wind aus allen Richtungen gleichzeitig, mir ist schon drei mal der Schirm umgeklappt und meine Schuhe sind von den 100 Metern Weg vom Hotel zum Restaurant durchgeweicht. Genau hier, genau jetzt sind Dürren in Europa sehr weit weg.