Tag 2237 – Hotelzimmer(-aussichten) postpandemisch neu gezählt 1.

Hahahaha wie lustig ich bin, postpandemisch. As if, 1. ist Norwegen nicht der Nabel der Welt, 2. rollt auch hier die Kinderwelle ja grad erst an und auch hier versucht man nicht mal, sie zu bremsen, und ich darf da gar nicht so viel drüber nachdenken, sonst will ich einfach nur noch alles kurz und klein hacken.

Jedenfalls bin ich seit Ewigkeiten mal wieder in einem Hotel und hab ein super Zimmer.

Da ist sogar ein Sofa hinter meinem Bett!

Allerdings ist dieses Ding „Jobbreise“ so aufregend nach so langer Zeit, dass ich direkt erst mal eine ordentliche Migräne bekommen habe und dann sind drei Stunden im Auto gar nicht mal so schön. Langsam wirken aber die Medikamente, außerdem bin ich frisch geduscht in einem Bett ohne weitere Menschen und ich glaub, ich werd jetzt einfach schlafen wie ein Stein, es liegt eine arbeitsreiche Woche vor uns.

Tag 2144 – Feste feiern wie sie fallen.

Norwegen hat Hitzewelle jahreszeitangemessene Temperaturen, Hurra, Hurra, Hurra! Da kommen ja wie immer alle Nachbarn aus ihren Häusern, auf der Straße spielen plötzlich Kinder und alle haben Frühlingsgefühle (= Lust auf Grillen und Rosé). Und so habe ich den Abend auf der Terrasse der Nachbarin verbracht, mit einem Glas Rosé in der Hand. Hach!

(Vorher war ich voll die super Mutter und hab alleine die Kinder versorgt, man huldige mir, ach nee, ich bin ja kein Vater. Noch vorher habe ich mit meinen KollegInnen den Inspektionsplan fürs nächste halbe Jahr gemacht, wo wir versuchen werden, den durch Corona aufgestauten Haufen abzuarbeiten, mit den selben Kapazitäten, die auch schon vor Corona nur ganz knapp reichten. Das wird toll.)

Jetzt Bett, ich hab ganz schön einen im Tee, merke ich.

Tag 2101 – Große Trauer.

(Drei Tage Inspektion via Teams und ich bin völlig gar in der Birne. Auf eine ganz und gar seltsame Art war es aber auch wieder richtig schön und ich hab sogar am Ende aus ganz unerwarteter Richtung ein ganz tolles Kompliment bekommen. Hach!)

Pippi und Michel waren heute traurig. Michel war schon die ganze Zeit echt… nicht so nett zu Pippi und dann hat er auch noch einen Stock von ihr kaputt gemacht, mit Absicht, und das war der schönste Stock aller Zeiten und sie hat diesen Stock doch so lieb gehabt und so weiter und so fort. Großes Drama. Am Ende bin ich mit ihr noch mal zum Kindergarten gefahren, einen neuen Stock suchen. Denn da und nur da gibt es die *wirklich* schönen Stöcke. Aber der ist natürlich trotzdem nicht so schön wie der von Michel zerstörte und so weiter und Neustart selbes Drama.

Kurz vor und beim ins Bett bringen fand ich dann heraus, weshalb Michel schon die ganze Zeit so kotzig drauf war. Er hat erkannt – und die Erkenntnis war bitter – dass es nur sieben Harry Potter Bücher gibt und die Geschichte dann endet. Das kann die Welt eines Achtjährigen schon mal schwer erschüttern, und wenn man ein Achtjähriger ist, der sich problemlos alles Schlimme in den schillerndsten Farben ausmalen kann, während Alternativen eher als Schatten am Bildrand in Erscheinung treten, dann ist die Aussicht, danach vor einem buchmäßigen Vakuum zu stehen, zum Verzweifeln. Auch wenn das noch mehrere Jahre dauern wird, weil er sich (zweiter Verzweiflungspunkt) in den Kopf gesetzt hat, die illustrierte Ausgabe zu sammeln und keine nicht-illustrierte zu lesen. Mit den verfügbaren illustrierten Bänden sind wir jetzt durch* und nun muss der Illustrator erst mal weiter illustrieren. Drama. Riesiges Drama mit Schluchzen und Einschlafen ohne Vorlesen, weil eh nichts Harry Potter ersetzen kann, jemals.

Ach, armer Zwerg. Ach, arme Maus. Ich fühle das so mit, und gleichzeitig denke ich, man kann ja eh nichts dran ändern, Stock kaputt ist Stock kaputt und Buch zu Ende ist Buch zu Ende, aber vielleicht musste ich auch erst ne ganze Menge kaputter Stöcker betrauern und jahrelang auf Harry Potter Bücher warten und weinen, als der siebte Band ausgelesen war, um zu diesem Langmut** zu gelangen.

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* Cedric Digorrys Tod wurde mit sehr viel Unglauben und vielen Nachfragen, ob der jetzt wirklich tot sei, aufgenommen. Voldemorts wieder-Körper-Gewinnung wurde unter der Decke versteckt angehört. Aber bisher keine vermehrten Albträume, soweit ich das sagen kann***.

** ahahaha. Ich.

*** Michel schläft ja eh eher schlecht und kommt gerne nachts angetapst, wegen schlecht geträumt/was gehört/von Mücke angehustet worden.

Tag 2043 – Öfter mal was Neues.

Die heutige Inspektion war… mal was anderes. Es war sehr seltsam, nach so langer Zeit einen ganzen Tag mit einer anderen Person zusammen in einem Raum zu sitzen. Zu zweit und bei geschlossener Tür, weil ja nicht alle mithören müssen, was wir da so zu hören bekommen, verbraucht man auch in Windeseile jeglichen Sauerstoff in diesen Räumen und hat am Ende des Tages dann Kopfschmerzen.

Noch seltsamer war, dass ja große Teile des Labors (logischerweise) auch im Haus sind und wir in einer kurzen Kaffee-hol-Pause auf sicher 15 Menschen trafen – und beide kurz erschrocken und leicht gegruselt waren.

Oder wie mein Kollege als anderthalbten Satz zu mir sagte: „es ist so komisch, jemanden in 3D zu sehen“.

Die Inspektion selbst war auch seltsam, aber lief, aus meiner sehr engstirnigen Perspektive einer wegen Remote leicht nervösen Lead Inspector, ok. Es kommen ja nur ganz wenige Firmen überhaupt in Frage für Remote Inspektionen und dafür lief es gut. Trotzdem mache ich drei Kreuze, wenn wir endlich wieder richtig „raus“ dürfen.

Was für ein seltsamer Tag. Jetzt gehe ich ganz aufgeräumt ins Bett. Nachdem morgen zwei größere Meetings abgesagt wurden, komme ich vielleicht ja sogar mal zu was. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

(Vielleicht rufe ich auch mal meine Kollegin an. Aus Gründen und eigentlich einfach so.)

Tag 2037 – Aua +2 -1.

Heute Morgen dachte ich so, hmm, hmm, vielleicht sollte ich lieber ne extra Slipeinlage mitnehmen und einen Damenhygieneartikel. Dachte ich so. Ganz ohne irgendeinen echten Grund dafür zu haben, einfach, haha, Bauchgefühl.

Mittags musste ich mit meinem Damenhygieneartikel ganz fix aufs Klo.

Damit war mein letzter Zyklus völlig kaputte 24 Tage lang, was aber erklärt, wieso ich schon nach 1 Zykluswoche das Gefühl hatte, Eisprung zu haben und danach meine Brüste den Dolly Buster Gedächtnistanz aufführten. Verkürzte erste Zyklushälfte, was ist das für ein Scheiß, niemand braucht das.

Wie auch immer, jedenfalls hatte ich dann Bauchweh. Und als ich in meinem Rucksack nach Ibuprofen wühlte, fand ich einen Triptanblister und mir fiel auf, dass die Zyklusendmigräne dieses Mal ersatzlos ausgefallen ist. Was ist da los? Sind es die Betablocker, die ich seit ein paar Wochen wieder nehme? Immerhin hab ich jahrelang welche als Migräneprophylaxe genommen, habe mir aber eingebildet, das hätte nur mäßigen Erfolg gehabt und nach den Schwangerschaften hab ich die halt einfach weiter weggelassen, ohne direkt einen Unterschied zu merken. Es ist alles sehr merkwürdig. Ich werde das beobachten.

Das zweite +1 Aua sind meine Ohrläppchen, nachdem ich nach längerer Zeit ohne heute mal wieder Ohrringe trage. Ist keine reine Freude, muss ich sagen.

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Aufregendes Abenteuer Arbeiten im Büro: Kampf mit oder an Technik, so wenig Leute da, dass dauernd das Licht ausgeht, Inspektion war… naja interessant, ich kann Dän*Innen irglllggll schlilllgg vestehlllggll.

Irgendwie schön war’s. Aufregend. Jetzt bin ich aber total fertig und ich gehe auch einfach schlafen.

Tag 2036 – Eingerostet.

Morgen ist Inspektion. Voraussichtlich nur morgen, vielleicht aber auch Donnerstag. Wir werden sehen. Jedenfalls fühle ich mich schlecht vorbereitet und weiß auch gar nicht so recht, wie das alles noch mal ging. Und zu allem Überfluss ist es noch nicht mal wie immer, sondern mit meiner Chefin zusammen wegen großem Großhandelsanteil und über Teams wegen Pandemie. Aber immerhin im Büro, ich sehe schon kommen, dass mein Rechner dann erst mal eine Million Updates installiert, wenn er „zu Hause“ ist.

Ich muss jetzt aber auch dringend meine Äuglein schließen, sonst bin ich morgen nicht nur eingerostet, sondern auch noch total unausgeschlafen.

Tag 1940 – Im Eimer.

Jöss, ich bin so müde. Inspektion ist anstrengend. Auch interessant. Wieder was anderes. Aber – uff.

Ich vermisse die Kinder, eins ist krank (natürlich, denn es ist immer ein Kind krank, wenn ich auf Inspektion bin) und schreibt mir süße Nachrichten, es ist zum Knutschen.

Hotelbett ist schon auch nice, aber wohl für ne Weile wieder das letzte Mal. Maaaaann. Scheiß Corona.

Tag 1939 – Die Illusion von gerade.

Das Hotel, in dem ich grade bin, heißt Zollhaus. Ich nehme mal ganz stark an, es ist in einem alten Zollhaus. Jedenfalls ist das Haus sehr alt, auch wenn das Hotel darin sehr modern ist. Und da muss man sich eben was einfallen lassen, damit die Gäste nicht nachts aus dem Bett plumpsen.

Das mit der Spiegelleiste ist halt schon klug gemacht.

Morgen Corona-Pressekonferenz. März wiederholt sich tatsächlich.

Tag 1938 – Hotelzimmeraussichten Teil 5.

Pittoresk.

Es ist wirklich richtig hübsch hier. Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch gefärbt davon, dass es das erste mal seit März ist, dass ich in einem Hotelbett liege und nach Hotelshampoo rieche. (Habe ich eigentlich mal erwähnt, wie toll ich es finde, dass ich kurze Haare habe? Es ist super gut, einfach färben, bleichen, schneiden und weirde Shampoos ausprobieren zu können, weil alles maximal ein paar Monate hält. Ich ruiniere nicht durch Haarfarbe meine Spitzen und damit die durch jahrelange, mühselige Pflege erreichte Länge, und wenn die Spülung die Haare schwer macht, so what, sie sind ja kurz und kleben nicht am Kopf. Kurze Haare for life!)

Im März, beim letzten Hotelaufenthalt, waren wir am Anfang der 1. Welle und die Inspektion wurde wegen sehr spontanem Lockdown hauruckmäßig in drei statt vier Tagen durchgezogen. Jetzt sind wir am Anfang mittendrin in der 2. Welle, es wird endlich auch so benannt Hallelujah und der Gesundheitsminister kündigt neue Maßnahmen noch diese Woche an. Mal sehen, ob wir diese Inspektion wie geplant fertig machen dürfen.

Ich wollte echt nie in spannenden Zeiten leben. März fühlt sich an wie hundert Jahre her und was ich an meinem Geburtstag schrieb wie die total weltfremde Einstellung einer 15-Jährigen. 2020 könnte meinetwegen jetzt vorbei sein. 2021 auch, wenn wir schon dabei sind, ich sage nämlich schon mal gewohnt positiv voraus, dass die spannenden Zeiten noch so ein Jährchen dauern dürften.

Tag 1933 – (sehr) müde.

Also die Inspektion, die ganz anders geplant war, haben der Kollege und ich heute gut hinter uns gebracht. Die Firma natürlich auch. Zur Abwechslung war es auch mal ganz ok, in einer sehr sehr kleinen Firma, in einem Tag durch und um viertel vor fünf dort raus zu sein.

Trotzdem bin ich sehr urlaubsreif. Vielleicht nehme ich mir übernächste Woche einen Tag frei (dann wird bestimmt ein Kind krank, lieber nicht zu laut drüber nachdenken).

Müde bin ich auch, sehr sogar. Zeit für Licht aus. Morgen Report schreiben. Zwei Reports schreiben. Und tausend andere Dinge. Eieiei.