Tag 1846 – Tatsächlich.

Das dritte Schwein schluckt das Licht, wie so ein schwarzes Loch.

Habe die Meerschweinchen sauber gemacht, dafür keinen Sport.

Ich würd so gern von der Inspektion erzählen aber sowas darf ich ja nicht. Es ist jedenfalls sehr cool alles. Und wieder was ganz neues.

Da ich aber auch nicht viel anderes gemacht habe außer arbeiten, hab ich auch nichts zu erzählen.

Tag 1845 – Superwoman.

Ich komme mir grad vor wie so ne Bilderbuch-Karrieremutter aus irgendeiner amerikanischen Serie. So eine, die auch morgens mit perfektem Make-up und kunstvoll zerwühlten Haaren aus makellos weißer Bettwäsche aufsteht. Denn ich bin heute aufgestanden, habe mich fertig gemacht, dann die Kinder geweckt, denen Frühstück kredenzt, mir dabei zwei Kaffee gekocht, einen getrunken, die Kinder angezogen, Zähne geputzt, habe uns alle rechtzeitig und ohne irgendwelche Ausrüstung zu vergessen (Bonuslevel Schwimmunterricht!) aus dem Haus bekommen ohne dass irgendwer geweint hat, habe Michel, dann Pippi, dann Michels Sportzeug abgeliefert, bin 30 Minuten zur Arbeit gefahren, habe 9,5 Stunden lang gearbeitet, bin 30 Minuten zurückgefahren, habe auf dem Weg das Auto geladen, habe zu Hause Michel Harry Potter vorgelesen und ihn zu 90% ins Bett gebracht, habe dann noch mal 45 Minuten gearbeitet (interne Nachbesprechung, die wir Coronabedingt im Teams und nicht beim Hersteller in irgendeinem Raum machen), während ich das Abendessen fertig gekocht habe, und dann haben Herr Rabe und ich sogar noch Sport gemacht.

Morgen reiße ich ein paar Bäume aus oder mache noch die Meerschweinkiste sauber oder so.

Tag 1834 – Platt und missmutig.

Diese monatlichen Stimmungsschwankungen sind etwas anstrengend, auch heute wieder. Je normaler der Zyklus*, desto schlimmer das PMDS, desto früher will ich also Leute anlasslos langsam zu Tode foltern. Was, das vermute ich allerdings nur, eigentlich eine Projektion meines – genauso anlasslosen – Selbsthasses ist. Hormone. Geile Sache.

Jetzt liege ich also auf dem Sofa und hoffe, dass ich noch mal hoch komme, sehe da aber die ein oder andere Herausforderung drin. Ich muss aber noch so viel, Pizzateig machen zum Beispiel, und Sport machen. Ich möchte aber ein weiteres Schokoladeneis (eins hatte ich schon beim Arbeiten) und schlafen, schlafen, schlafen, auf dass die Laune morgen besser ist. Als würde ich nie dazu lernen, weil die Laune einfach nicht von sich aus besser werden wird, weil die Hormone erst kurz vor der Periode fertig sind damit, mir die Laune zu verhageln. Biologie. SO SCHÖN.

(Ach würd ich nur hormonelle Verhütung besser vertragen. Aber das ist es nicht wert.)

Dabei war heute gar kein schlechter Tag, so insgesamt. Wir inspizieren wieder, und zwar zum Ausprobieren Teil-Remote. Wir gehen schon vor der eigentlichen Inspektion einen ordentlichen Batzen Dokumentation durch, treffen mit dem Hersteller auch schon mal detaillierte Absprachen, was wir alles noch anschauen wollen, damit die entsprechend vorausplanen können, wer wann erreichbar oder vor Ort sein muss und eventuell Leute instruieren können, Verfahren xyz zusätzlich zu ihrem eigentlichen Spezialgebiet abc zu präsentieren. Wir versuchen dadurch, Zeit On-Site zu sparen und auch Kontakte On-Site zu minimieren. Das macht für uns unterm Strich leider mehr Arbeit, aber so ist das eben 2020. Ich finde es allerdings tatsächlich spannend, neue Wege auszuprobieren und es war auch offen gestanden eine wahre Wohltat, wieder ganz stinknormale Inspektionsaufgaben zu erledigen. Insofern war der Arbeitstag gut.

Jetzt muss ich nur noch, aus Gründen, wie so eine Löwenmutter drum kämpfen, dass unser neuer Kollege, der in eineinhalb Wochen anfängt, nicht ganz allein in eine andere Etage gesetzt wird. Herrje. Wer denkt sich sowas aus???**

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*Ich habe jetzt ab und an anovulatorische Zyklen. Das ist in meinem fortgeschrittenen (hahaha) Alter wohl normal, finde das trotzdem nicht unbedingt amüsant.

**HR.

Tag 1672 – Zwischen whoa und whoa.

Inspektion: läuft. Und sie ist so unfassbar spannend! Ahhhhh! Ich würd so gern mehr erzählen, aber daaaaarf nicht ahhhhhhh!

Ab morgen hat das ganze Werk Homeoffice. Die Aktion wirkt unkoordiniert und panisch. Man weiß weder genaues über die Gründe noch hat man an uns gedacht, die einfach mal mitten in einer Inspektion stecken, die wichtig ist, auch, hüstelhüstel gesamtgesellschaftlich für die Versorgung norwegischer Patienten. Jedenfalls wussten wir etwa 2 Stunden lang weder, ob wir Freitag wieder nach Hause dürfen, noch ob wir eventuell alles abbrechen und sofort nach Hause kommen müssen. Müssen wir nicht, wir dürfen hier erst mal weiter machen. Trotzdem haben wir heute ein bisschen Risikobewertet und ziehen jetzt alle kritischen Themen vor. Wer weiß was morgen Nachmittag ist.

489.

Tag 1671 – Hotelzimmeraussichten Teil 4. und 35.

Iiiiiiiich hab Geburtstag.

Bester Geburtstag. Habe den ganzen Tag inspiziert und damit das gemacht, was mir viel Freude bereitet. Hach! Hach. Wer hätte das gedacht, nach 2017 und 2018? Ich jedenfalls nicht.

Das 35. wird mein Lebensjahr, das hab ich so beschlossen.

Jedenfalls, die Aussicht:

(Falls Sie’s erkennen: behalten Sie’s bitte für sich.)

Restlichen Tag mit Amüsement über Reiserichtlinien verbracht. Ob jemand dran gedacht hat, dass drei Inspekteure grade schon auf Reisen sind? Wohl kaum. Jedenfalls sollen wir jetzt nicht mehr reisen. Mal sehen, ob wir Freitag wirklich nach Hause kommen oder laufen müssen. (Im Hotel ließe es sich zur Not noch etwas aushalten.)

Tag 1658 – Bumms.

Ich platze gleich. Ich habe einen riesigen Teller (wirklich gute) Fischsuppe gegessen. Zum Mittagessen gab es Spinat-Schafskäse-Quiche und Salat und danach Pavlova weil jemand beim Hersteller 50 wurde und das ein netter Hersteller ist. Zum Frühstück Müsli. So schlimm kann die Schilddrüse also momentan nicht eskalieren, wenn ich mich so fix überfresse.

Der Hersteller kriegt ein kleines Extra-Herzchen weil ich mir auf Nachfrage vegetarisches Essen gewünscht habe und jetzt alle mit mir vegetarisch essen. Herzchen-Herzchen!

Tag 1644 – Mit den Ohren schlackern.

Hui, 2 Inspektionen an drei Tagen, morgens abschließendes Meeting mit der einen, dann direkt zur anderen Firma… das ist schon echt anstrengend.

Leider durfte ich heute kein Foto machen. In rotem Overall, gelber Weste und orangem Helm sehe ich aus wie Bob der Baumeister.

Meine Kollegin kennt Byggmester Bob nicht. Fühle mich sehr Muttimäßig. Dabei haben meine Kinder das nie geguckt.

Arbeit quasi ohne Unterbrechung (außer Taxi fahren) von acht bis einundzwanzig Uhr ist mörderisch. Kann man mal machen, aber als Lebensentwurf taugt das für mich höchstens wenn ich unbedingt in 5 Jahren nen Herzinfarkt haben will.

(Ich definiere ~40 Tage im Jahr mal großzügig als „mal“. Hust.)