Tag 1315 – Arbeiten im Schlafanzug.

Heute also das erste mal mit richtig richtigem Umziehen inspiziert. Das geht so:

  • bis auf die Unterwäsche ausziehen
  • Einen Schlafanzug* anziehen
  • Saubere Socken anziehen und über den Schlafanzug ziehen
  • Darüber eine Jogginghose** und einen Kittel anziehen
  • Haarnetz
  • Saubere Schuhe
  • Und natürlich Schmuck ab, Schminke ab, Hände waschen

Dann ist man fertig um in die Vorräume (!) der Produktion zu gehen. Je näher man dann an kritische Arbeiten kommt, muss man dann wieder Jogginghose und Kittel ausziehen und so eine Art Onesie über den Schlafanzug ziehen, mit oder ohne komplett geschlossene Kapuze, Mundschutz, Handschuhe, Gesichtsschirm, you name it. Und Hände waschen, waschen, waschen, die ganze Zeit. (Dafür schafft es dieser Hersteller mit beeindruckend wenig Händedesinfektion auszukommen.)

Blöd halt, wenn man dann in die Umkleide zurückkommt und die Dame, die die eigenen Anziehsachen im Spind eingeschlossen hat, ist mitsamt Code unauffindbar. Dann muss man nämlich in diesem schicken Dress – Schlafanzug, Jogginghose, Kittel – Mittag essen. In der Kantine. Hurra.

Ansonsten: ziemlich platt. Herr Rabe scheint auch bei den Kindern eingeschlafen zu sein, I might just call it a day.

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* nicht wirklich, aber es sieht so aus.

** auch nicht wirklich, aber es sieht auch so aus.

Tag 1314 – Nackte, dicke…

… Ohren. Herr Rabe hat mir die Piercings aus den Ohren entfernt und bei dem einen ziemlich rumprökeln müssen, weil mein Ohr „zu dick“ sei. Mein Ohr! Am Knorpel! Zu dick! Also bitte.

Jedenfalls sind die Ohren nun nackt. Morgen (und vielleicht auch Donnerstag? Das muss ich noch nachfragen) bleibt auch das Gesicht wieder nackt, ich werde end-sterilisierte Produktion anschauen, es ist ein bisschen aufregend, sowas* machen wir Bio-Menschen ja nicht.

Jedenfalls heute Inspektion, ich habe noch nicht mal Kopfschmerzen, es wird also besser mit der Routine! Leider gemerkt, dass ich noch vieeeel zu langsam bin, ich muss am besten ne halbe Stunde bevor ich was anschauen will, schon drum gebeten haben, sonst warte ich ewig auf die Unterlagen und Leute, die mir dazu was sagen können. Auch neu: der Hersteller schreibt selbst ganz genau auf, was wer von uns angeschaut hat und mit wem wir gesprochen haben. Ich mag das, die lassen das nicht einfach passiv über sich ergehen.

Früh genug zu Hause zu sein, um die Kinder ins Bett zu bringen hatte ich mir total schön vorgestellt, leider war’s dann ziemlich doof, weil Pippi grad wieder so ne Phase hat. Die Phase ist gekennzeichnet durch zwei überaus unangenehme Verhaltensweisen:

  • Ich kann alles alleine entscheiden, aber bei der Umsetzung MUSST DU MIR HELFEN, ELTER!!!
  • Wenn mir nicht sofort jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, heule ich los, dann sind noch 20 Sekunden bis zum Kreischen und Schlagen.

Ich weiß, es ist ne Phase, jaja, es wird alles besser, aber in dem Moment ist es trotzdem schwer auszuhalten.

So, genug genörgelt, jetzt gehe ich duschen und dann ins Bett. Meine dicken Ohren brauchen ihren Schönheitsschlaf.

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*also irgendwas zum Beispiel autoklavieren**, das können Proteine nicht ab, danach hat man höchstens sehr hart gekochtes Ei.

**unter Druck auf 121 Grad erhitzt

Tag 1309 – Diesdas.

Bis grade gearbeitet und weil ich dachte, Abweichungen schrieben sich vielleicht einfacher mit etwas Muse, hatte ich dazu ein Bier. Hahaha. Das nächste Mal verzichte ich auf die Muse aus der Dose, die Abweichungen sind eh alle etwa so: „Die Routinen für XYZ des Betriebs sind mangelhaft (Beobachtung abc, Gesetzname Paragraph Dings, GMP Teil 1/2 Punkte Bums, Annex Tralala Punkte bla).“ Dann folgt noch eine Einstufung der Abweichung, dafür haben wir strikte Kriterien und der Hersteller hat dann je nachdem kürzer oder länger Zeit, die Abweichungen zu korrigieren. Jedenfalls – das klingt alles ziemlich trocken, aber immerhin werde ich schneller im Suchen nach den entsprechenden Vorschriften und Gesetzen und Richtlinien. Und mir macht es ja auch Spaß, ich geb’s ja zu, es ist schon spannend, aus einer Beobachtung, die, (frei erfunden jetzt, ne?) lauten könnte „Im Schrank im Produktionsbereich befand sich eine Tonne mit Wirkstoff. Dieser war seit 2015 abgelaufen, Retestdaten konnten nicht vorgelegt werden.“ den Kern der Sache rauszukitzeln und dann entsprechend mit Vorgaben zu untermauern. Geht’s mir um’s Abgelaufen, ums „stand im Produktionsbereich“, ums fehlende Retesting? Kann ich das mit anderen Beobachtungen verbinden, hat die Firma vielleicht insgesamt Schwächen beim Aussortieren abgelaufener Produkte? Sie sehen, alles spannend.

Davon abgesehen: Abendschichten bis halb elf muss ich jetzt nicht dauernd haben. Ich schieb es auf den IT-Support, mit dem ich heute eine Stunde lang telefonierte, was aber mehr oder weniger erfolglos blieb. Heute morgen war die Computersituation wieder so schlimm, dass ich gar nicht arbeiten konnte und dann eben direkt anrief statt einen halben Tag Däumchen drehend auf eine Rückmeldung per Mail zu warten. Nach der Stunde konnte ich immerhin irgendwie und langsam arbeiten, in einem hakeligen System, das sich sehr nach Notlösung anfühlte. Aber arbeiten. Sonst wäre der Rechner wohl heute ernsthaft aus dem Fenster geflogen.

Nachmittags die Kinder abgeholt. Ist auch mal ganz schön. Ich hab die nämlich sehr gern, alle beide. Michel hat Pippi heute, als sie ausrutschte und aufs Ohr fiel, ein Kühlpack geholt, das war schon sehr niedlich – und Pippi so überrumpelt, dass sie sofort zu Weinen aufhörte. Sehr praktisch. Michel hingegen kam mit eher unschönen Geschichten aus der Schule, da werde ich mal lose dranbleiben, wenn sich da was festfährt, kann ich die Löwenmutter nicht lange bändigen, das kann ich jetzt schon sagen. Es ist zumindest gefühlt ein schmaler Grat zwischen dem Kind das Gefühl geben, dass es gut und richtig war das zu erzählen, dass man es versteht und mit ihm traurig und sauer ist, dass ALLE ein paar der Kinder IMMER TOTAL DOOF SIND heute bei der einen Sache was doofes gemacht haben, dabei aber nicht kopflos werden und wütend die anderen Eltern anrufen oder gar die anderen Kinder beleidigen. Dabei finde ich die Aktion, wenn sie so lief wie Michel es erzählte (daran zweifle ich nicht, möglich ist, dass die anderen Kinder eine andere Wahrnehmung der selben Geschichte hatten), echt richtig kacke und gemein und rücksichtslos und es macht mich wütend, dass Kinder manchmal so kacke sind zueinander, aber ändern kann ich es auch nicht, deshalb bin ich ganz Zen. Wooozaaaa.

Jetzt Schlafen. Morgen stehe ich, weil unter 6 Stunden Schlaf Folter für mich ist, ganz großzügig erst um sechs auf. Wow.

Tag 1303 – Oink, oink.

Manchmal hab ich so Tage, da muss ich erst den Eintrag vom Vortag aufrufen, um nachzugucken, welcher Tag dran ist. Tag 1303 ist so einer.

Nach Inspektion ziemlich gar. Es ist anstrengend, zumal ich den ganzen Tag auf Schläuchen stand.

Zwei Geschichten:

Im Meetingraum (der dieses Mal wirklich gar keine Fenster hat, wer denkt sich denn sowas bitte aus?) hängt ein Schild mit „Meeting-Regeln“. Alle Regeln sind in Großbuchstaben formuliert. Eine der Regeln lautet NULL HIERARKI (also keine Hierarchie). Ich las zwei Tage lang NULL HARAKIRI und wunderte mich nicht mal drüber.

Es gibt in diesem Betrieb natürlich viele Geräte mit beweglichen Teilen und die müssen geschmiert werden. Auf die Frage, womit sie die denn schmieren würden, antwortete der Mechaniker: mit Lebensmittel-grade Öl. Sie hätten grade umgestellt, weil sie „halal godkjent gris“ gebraucht hätten.

Ich war rechtschaffen verwirrt und fragte: „Ah, ihr habt jetzt also eine andere Sorte gris und das ist halal godkjent?“ „Jaja, das war gar nicht so leicht zu finden!“ war die Antwort. „Kann ich mir vorstellen, ich wusste gar nicht dass es halal godkjent gris gibt!“ Da dämmerte es meiner Kollegin, sie fing an zu lachen und sagte „Moment, ich glaube ihr redet von unterschiedlichen gris. Er redet von grease!“

(Irgendwas mit „bringt euren Kindern und Schülern doch bitte anständige Aussprache englischer Begriffe bei“. Es sei denn ihr wollt mal richtig lachen.)

Tag 1302 – Der traurige Platz.

Also so traurig ist es gar nicht. Halt klein, felsig, windig und schneefrei, aber dafür immerhin grün. Die Inspektion ist wieder so ganz anders als alles bisherige, nach der Begehung der Produktionsanlage wollte ich heute gerne erst mal eine halbe Stunde in einer schalldichten Kabine meditieren, nachdem wir uns zwei Stunden lang über diversen Mühlen und Mischern und Abscheidern gegenseitig in die Ohrenstöpsel gebrüllt hatten. Habe auch wieder das Gefühl, ich stelle die falschen und zu wenige Fragen in zu langer Zeit und überhaupt meh. Trotzdem hier fröhliches Bild in voller Osterkükenmontur:

Was wirklich traurig ist, ist mein Hotelzimmer, denn es hat keine Badewanne. Ebenfalls traurig war mein Sushi, beziehungsweise machte es mich traurig, denn es war da zu viel Wasabi eingebaut, ich hasse Wasabi (generell alles Senf-scharfe) und schmecke dann auch außer dem Wasabi einfach mal gar nichts anderes mehr. Wasabi soll hinfallen und der Sushi-Mensch auch.

Und weil ich die Augen kaum noch aufhalten kann: ab ins Bett. King Size. Aber keine Badewanne…

Tag 1295 – Nix zu erzählen.

Leider, leider. Inspektionstage sind Schweigepflichttage. Leider sind Inspektionstage aber auch so lang, dass nix anderes mehr in den Tag passt. Grad so ein beim Warten auf den Zug reingeschobenes Hot Dog. Auf dem Hinweg eine Mail und auf dem Rückweg bloggen. Die Liste ist auf Seite 3 angekommen und ich habe das Gefühl, das meiste davon hätte ich auch ohne große Hilfe gefunden. Eins hab ich sogar ganz selbst gefunden, juhuuu! Und ich unterlasse jetzt auch, Sachen zu googeln, von denen ich eigentlich ganz sicher bin, dass sie so eben nicht sein dürfen, bei denen mir der Impostor aber schon wieder weismachen will, dass ich das auf jeden Fall noch drei mal überprüfen muss. Etwas beruhigend: meine Kollegin musste heute, nachdem wir eine Stunde lang den Ausführungen eines Consultants über die Validierung eines neuen Computer-Dingses gelauscht hatten, zugeben, dass sie auch nichts verstanden hatte. Und am schlechten Englisch auf irgendeiner Seite lag das nicht, im Gegensatz zu gestern als wholes in Flaschen waren und die phrequensy von irgendwas reduziert wurde. Grusel.

Morgen wieder schminken. Ich fühle mich seltsam so ganz ohne alles, ich war seit nicht nur gefühlten Ewigkeiten nicht mehr komplett ungeschminkt arbeiten. Also auch ohne Wimperntusche und ohne Concealer. Ich habe das Gefühl, ich sehe aus wie eine Mischung aus ultramüder Mutti und 12 Jahre alt. Nein, kein Foto, und ja, ich weiß, dass sich das seltsam anhört und auch dass ich mich daran wohl gewöhnen müssen werde. (Eine ehemalige Inspekteurin ließ der Legende nach die Schminke grundsätzlich drauf, um zu gucken, ob sie gebeten wird, sich abzuschminken oder die Hersteller sie auch so in die Produktionslokale lassen. Da sich weder mein Kollege noch meine Kollegin schminken, könnte das meine neue Aufgabe sein, das wär doch mal was.)

Tag 1294 – Gnah.

Tag war echt ok, wir haben noch nicht mal übermäßig lang beim Hersteller gehockt. Die Liste ist nach dem 1. Inspektionstag auf der 2. Seite angelangt, Vortrag war kein Problem, es gibt kein Problem, warum habe ich Kopfschmerzen aus der Hölle? Wegen der Kopfschmerzen rannte ich auch nicht zum Zug und verpasste ihn dann um eine Minute. Für den Weg vom Bahnhof nach Hause (es fährt wieder kein Bus) habe ich mir ein Taxi bestellt, zu Hause werde ich einfach wieder ins Bett plumpsen. Ich muss mich nicht mal mehr abschminken, das musste ich nämlich vor der Begehung der Produktionslokale. Morgen kann ich einen Tacken länger schlafen, weil wir direkt wieder in die Produktionslokale gehen und ich dementsprechend mit nacktem Gesicht beim Hersteller auflaufen werde. Es gibt kein Problem, die Kopfschmerztabletten können dann jetzt bitte endlich wirken.

Tag 1293 – Gar nüscht.

Nix mache ich mehr. Nix. Ich Plumpse jetzt nur noch ins Bett, unlackierte Fingernägel hin oder her, ungefüllter Blog egal, ich hab ab morgen eine Inspektion die mööööööglicherweise ein ziemlicher Ritt wird und bis grade hab ich noch an der Präsentation gefeilt, die ich halten soll* und jetzt schlafe ich gleich einfach mal mehr als 5 Stunden.

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*im Grunde war die vorgefertigt, Folien vorlesen würde reichen aber ich kenne mich ja, wenn ich da kurz vorm Herzinfarkt sitze vergesse ich alles, was ich sagen soll muss und da ist es dann gut, wenn ich komplett ausformulierte Sätze in den Notizen hab. Diesen Vortrag werde ich auch nicht nur einmal halten, mit der Zeit kommt dann die Routine. Bestimmt.

Tag 1272 – #WmDedgT im Februar ‘19.

Ja, es ist schon wieder der 5. und da will Frau Brüllen wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Also will ich das mal aufschreiben.

Ganz kurze Zusammenfassung: inspizieren.

Etwas länger: Der Wecker klingelt um viertel nach fünf, wie immer. Ich quäle mich mit viel Mühe aus dem Bett, ich habe beschissen geschlafen. Wie immer mache ich zuerst die Kaffeemaschine an, seit gestern hat sie eine eigene Steckdose und funktioniert deshalb endlich unabhängig von der Arbeitsplattenbeleuchtung, was natürlich um die Zeit völlig egal ist, weil das Licht eh an ist. Ich mache den Haferbrei für die Kinder fertig und dann gehe ich duschen. Nach dem Duschen, Eincremen, Föhnen und anziehen und schwupps ist es sechs, ohne Witz, ich habe keine Ahnung wo morgens diese Zeit hingeht, sie verfliegt einfach ohne dass ich gefühlt irgendwas sinnvolles tue.

Ich mache Kaffee und will grade etwas angesäuert den Mann mit Kaffee aus dem Bett werfen locken, da kommt er mir mit Pippi auf dem Arm entgegen. Gut, dann gehe ich mich schminken. Als ich damit fertig bin, sind beide Kinder immerhin wach und ich schicke sie zum Anziehen nach oben, wo Herr Rabe duscht. Ich mache so lange Brotdosen (schlechte Absprache gestern, daher ist das nicht gestern schon passiert) und packe den Kinderkram und meinen Kram zusammen. Um fünf vor sieben (die Zeit! Wo geht sie hin???) stehen Nörgel-Pippi und Laber-Michel im Flur und machen mäßig mit, Herr Rabe rödelt noch. Wir labern Klamotten an die Kinder und sind tatsächlich um kurz nach sieben alle im Auto. Pippi hat Kacklaune, weil sie ihre Thermoskanne nicht mit Kakao füllen durfte, aber das kann ich nicht wirklich ändern.

Wir setzen Michel an der Schule ab und er geht allein in den Hort-Raum, wir schrecklichen Rabeneltern.

Ich setze Herrn Rabe und Pippi am Kindergarten ab, drehe, warte kurz, sammle Herrn Rabe wieder ein und wir fahren zum Bahnhof. Wir bekommen beide den Zug um 07:30 und ich schreibe meiner Kollegin, dass ich von der Zugstation zum Hersteller laufe, weil ich früh genug bin.

Ich sitze also erstmal eine knappe Stunde im Zug und dann gehe ich eine viertel Stunde durch einen verschneiten Osloer Vorort. Tatsächlich bin ich um zwanzig vor neun zeitgleich mit der SMS meiner Kollegin beim Hersteller: der Kollege nimmt den Zug, der in Eidsvoll um 07:51 gefahren wäre, der hat aber 10 Minuten Verspätung. Ich feiere, dass ich der Igel bin und ziehe schon mal meine besseren Schuhe an. Meine Kollegin und der Kollege kommen um 08:56 mit dem Taxi.

Dann Inspektion. Geheim halt. Ich schlage mich wacker, denke ich. Dieser Hersteller ist ganz anders als der letzte, in ganz vieler Hinsicht. Unpassender Weise muss ich bei einer Geschichte wirklich lachen. Tjanun.

  • Wir inspizieren nach dem Mittagessen direkt die Produktionsanlage und das Labor und ich bereue meine Schuhwahl. Ewig lang neben einem Dings stehen und sich alles in allen Feinheiten zeigen und erklären zu lassen, macht mit mittelhohen Absätzen schon nur noch mittel viel Spaß.
  • Heute inspizieren wir bis kurz nach fünf und sitzen dann zusammen bis halb acht. Ich überrede meine Kollegin und den Kollegen zum Laufen statt Taxi und so kriegen wir einen Zug um viertel vor acht. Ich steige noch um und sitze bis zehn vor neun im Zug, wo ich erst recherchiere, ob ein Bus nach Hause kommt, wenn ich in Eidsvoll bin (nein), ob ich einfach ein Taxi nehmen kann (nur mit gutem Grund) und dann, ob ein guter Grund sein könnte, dass ein Taxi für den Staat günstiger sein könnte, als mich für eine halbe Reisestunde zu bezahlen (knapp, so knapp, dass ich das nicht ohne vorher das ok von meiner Chefin eingeholt zu haben machen will). Ich seufze herum und beschwere mich bei Herrn Rabe und der sagt, er holt mich ab. Ich hadere damit, dass er dann ja die Kinder allein zu Hause lassen muss. Michel gibt sein ok, der ist nämlich noch halb wach, damit ist das geklärt.
  • Ich fange schon mal an zu bloggen und dann bin ich auch schon am Bahnhof und werde schon abgeholt. Um neun sind wir zu Hause. 14 Stunden unterwegs.
  • Die Reihenfolge zu Hause ist Klo–Essen/mit Herrn Rabe unterhalten–Sofa/Bloggen–Bett. Ich bin sehr fertig und morgen klingelt der Wecker wieder um viertel nach fünf. Mal sehen, ob wieder ein paar Eichhörnchen gegrillt werden.
  • Tag 1264 – Das ging fix.

    Heute mit meiner Kollegin die Arbeitszeitabrechnung für die letzte Woche gemacht. Einmal 3 Tage Inspektion = 10,5 Überstunden. Und das war ja noch eine einigermaßen entspannte Inspektion. Ich kann übrigens jedes Mal aussuchen, ob ich die Überstunden ausbezahlt haben will, oder ob ich die „Abspaziere“, wie man hier so schön sagt. Ich werde vermutlich mehr abspazieren, Zeit sticht Geld eigentlich immer. Direkt heute hab ich zwei Abspaziertage eingetragen, einmal hat die KiTa zu, einmal werd ich’s aus anderen Gründen brauchen.

    Ansonsten war heute ein mittelmäßiger Tag. Ich höre das Gras nach der Chipsmanngeschichte sogar wachsen, wenn ich auf einer durchgängig betonierten Fläche stehe. Das ist anstrengend und nicht hilfreich. Wird hoffentlich bald besser.

    Immerhin heute geschafft, endlich Zugang zu diversen Jobdingen zu kriegen, die mir noch fehlten. Im Ernst, ich glaub langsam, ich bin verflucht. Nicht nur fehlte mir zu Anfang einfach mal der Zugang zu allem, was im Vorfeld hätte der IT mitgeteilt werden müssen (wurde wohl in Gänze vergessen), nein, auch alles was ich nachträglich noch klären musste wie Reiseportal und Betriebs-Telefonapptralala, ging irgendwie schief. Falsche Rechte zugeteilt, irgendwas schief gelaufen in der Registrierung, Benutzerprofil doppelt angelegt, was da schiefgehen kann, ging bei mir auch schief. Jetzt scheint alles zu gehen. Mal gucken, wie lange.

    Sie entnehmen dem Obigen vielleicht, dass Pippi heute im Kindergarten war. Das stimmt, da war sie. Sie schniefte da mit ein paar anderen Kindern um die Wette, aber nachdem sie heute um halb sechs wach war und direkt sang und Mundharmonika spielte entschied ich, dass sie auch in den Kindergarten kann. Fieber hatte sie ja schon gestern keins gehabt und eine völlig unabsehbare Zeitspanne abwarten, bis die Nase nicht mehr läuft, hmm, ja, nee. Schön für die Eltern, die das können, sag ich mal.

    Jetzt schnieft Michel.

    Es ist zum Mäuse melken.

    P.S. Ich hab schon über zum Beispiel ein Au-pair nachgedacht*. Aber da gibt es so gewisse Standards, die wir nicht bieten können, bei einem eigenen Zimmer, möglichst auch Bad angefangen, über Taschengeld und Sprachkurs bezahlen können bis hin zu „da wohnt eine weitere Person mit uns im Haus für echt lange“. Und wir haben ja unseren Wikinger. Und 10 Überstunden pro Inspektion, die Möglichkeit für Homeoffice** und 10 Kindkranktage pro Jahr pro Elter. Es geht schon. Kranke Kinder sind für alle echt blöd, aber die meisten haben ja Kinder zumindest mal gehabt von weitem gesehen und heucheln haben entsprechend Verständnis.

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    *genauso wie jede andere Möglichkeit, den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familienleben irgendwie kleiner zu machen.

    **halt in der Anlernphase mit drülfzig Meetings pro Tag noch eher schlecht