Tag 1261 – Nicht viel Neues.

Die Inspektion wurde heute abgeschlossen. Es lief wie ich erwartet hatte. Der Hersteller hatte heute früh noch ein paar Knochen von gestern poliert und heute vormittag ging es so weiter. Mir wurde sehr geduldig der nicht ganz unkomplizierte Batch Release Prozess erklärt, ganz ohne dass ich das Gefühl hatte, die halten mich für doof. Natürlich bin ich noch nicht so weit, wie meine Kollegin mit der dienstältesten QP über „Ne, haha, DAS muss ja nicht von einer QP gemacht werden, DAS kann ja auch QC!“ zu witzeln, aber ich lerne ja noch. Das wird schon noch. Dann muss ich nur noch drauf bauen, dass mich die zu 95% deutlich älteren Menschen allein wegen meiner Funktion ernst nehmen, das wird spannend, wenn ich dann nicht mehr nur „Observatør“ bin. Aber das dann zu seiner Zeit. Ich fand es lief so fürs erste Mal überraschend gut, mal schauen, was die nächsten so bringen.

Weil die aber da immer so fleißig ihre Knochen poliert haben, fiel das Abschlussgespräch sehr kurz und friedlich aus, wir haben unsere wenigen Fleischfitzel präsentiert, über die gab es auch keine Diskussion. Ausdrucken, unterschreiben, bis in drei Jahren das Labor erweitert ist dann, hyggelig å hilse. Alle fuhren zufrieden auf ihre Hütten, ich fuhr in die Hauptstadt, kaufte Tofu, gepresste Kokosfaser fürs Terrarium und Wein für morgen abend*, traf Herrn Rabe und Pippi, die kleine Rotznase und dann fuhren wir zurück aufs Dorf und lösten den Babysitter, der Michel abgeholt hatte, ab.

Fernsehabend mit Star Trek: Discovery, ach, die erste Folge der 2. Staffel fand ich noch sehr gut, die 2. jetzt… eher Mittel. Sehr oldschool Star Trek, eine (wie es scheint) abgeschlossene Geschichte in einer Folge bin ich gar nicht mehr gewohnt. Mhmhmh.

Jetzt platt. Ich gehe mal lieber ins Bett. Und träume von Validierungsdokumentation, erklärt auf norwegisch, in Dialekt.

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*Ich hab die Nachbarinnen eingeladen. Und dann panikartig Weingläser gekauft. Wünschen Sie mir Glück und ein paar Social Skills.

Tag 1260 – Mini Winni.

Bloggen aus dem Zug, ich werde wohl so gegen halb neun zu Hause sein. Das ist jetzt auch mein Leben, mein Arbeitsleben zumindest. Aber ich mag’s. (Wir haben einen Plan, morgen vor der angekündigten Zeit fertig zu sein, das wird wohl auch klappen und zwar nicht nur, weil mein Kollege danach auf die Hütte fährt. Insofern wird wenigstens morgen nicht auch noch so lang.)

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Es folgt: eine zusammenhanglose Erzählung. Aus Gründen.

Meine Kollegen haben mir erklärt, dass es bei den meisten Inspektionen „Pølse“ gibt, woraufhin ich verwirrt war und dachte es gehe ums Mittagessen. Aber nein, der Ausdruck stammt noch aus Zeiten, da man nur ein paar mal im Jahr schlachtete. Zur Schlachtzeit gab es natürlich viel Fleisch, da waren die Würstchen aus den Schlachtabfällen unattraktiv und wurden liegen gelassen. Übersetzt heißt das: bei vielen Inspektionen findet man so viele Fleischbrocken, dass einem die Würstchen entweder durchgehen, weil man keine Zeit mehr hat, wirklich jeden Knochen abzuschaben oder man lässt sie liegen weil es erstmal drum geht, dem Hersteller der Familie beim Essen des Festtagsbratens zu helfen.

Ich hab jetzt schon ein bisschen Hunger.

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Horrorgeschichte erzählt bekommen, dass meine Kollegen mal bis halb zwölf zusammensaßen, weil beim Hersteller so viel schief lief. Immerhin auswärts, also im Hotell. Trotzdem: /o\

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Fühle mich Rabenmutterig und Rabenfrau-ig, weil Pippi krank ist, heute morgen mega schlechte Laune hatte und Herr Rabe sie heute den ganzen Tag an der Backe hatte betreuen musste durfte. Geht bestimmt auch noch weg und dann überwiegt die Freude am Job. Bestimmt. Bald.

Er ist schon cool, der neue Job. Mehr völlig verschiedene Betriebe von ganz ganz nah sieht man woanders wohl eher nicht. Ich bin auch nicht zu doof dafür, auch wenn ich es mehrmals heute und gestern dachte, das haben mir meine Kollegen heute auf Nachfragen bestätigt. Puh!

Tag 1257 – Seuche.

Pippi schlief sehr schlecht und hustete viel. Um halb drei hustete sie dann so schleimig, dass sie brechen musste. Jetzt sind unsere Badezimmerteppiche mal wieder gewaschen. Pippi war dann auch nicht im Kindergarten, sondern mit Herrn Rabe zu Hause. Das fand Pippi ziemlich doof und wir alle hoffen, dass sie morgen wieder in den Kindergarten gehen kann. Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich wegen Inspektion Mittwoch bis Freitag und davor Inspektionsvorbereitung wirklich einfach nicht zu Hause bleiben kann und mal wieder vieles an Herrn Rabe hängen bleibt.

Dafür schleppte ich mich heute nach zu wenig und zu unterbrochenem (muhaha) Schlaf zur Arbeit. Dort trank ich viel mehr Kaffee als sonst und musste trotzdem immer mal wieder aufstehen und herumlaufen, um meinen Kreislauf in Gang zu halten. Habe meinen direkten KollegInnen gestanden, dass ich absolut kein Morgenmensch bin, mich nur dank eisernem Willen aus dem Bett rolle und abends nicht ins Bett komme. Das schien niemand schlimm zu finden. Gute KollegInnen.

Von meiner Arbeit kann ich ja nix erzählen und heute ist das echt schlimm, weil ich Ihnen so gern die Geschichte erzählen würde, die die Worte „Milchpackung“, „Kristallkugel“ und „Homöopathin“ verbindet. Das müssen Sie sich jetzt denken, wie das zusammen geht, aber verrenken Sie sich nicht das Hirn, ans Original kommt’s eh nicht ran.

Die übernächste Inspektion soll ich dem betreffenden Unternehmen ankündigen und UIUIUIUI! (Vor allem Uiuiui, weil ich dann zum ersten Mal so richtig ernsthaft mit dem seltsamen Dokumentenverwaltungssystem arbeiten muss. Uiuiui.)

Noch ein Seuchending: die Erdmücken. Oder Trauermücken, oder Erdfliegen, oder einfach die dreckigen Scheißviecher, die sich in Terrarium und Küchenkräutererde vermehren wie die Pest. Sie nerven mich zu Tode und die Schnecken wohl auch, jedenfalls haben letztere sich alle eingegraben und lassen sich auch mit Futter nicht locken, nicht mal mit Zucchini. Arme Schnecken. Die Mücken sind überall und nerven unsäglich, dauernd (wirklich) haue ich sie tot, aber es sind so viele, das ist völlig sinnfrei. Im Terrarium kann ich kein Gießmittel anwenden, Nematodenlarven auch nicht, Gelbstecker bringen rein gar nichts und ich kriege echt zu viel. Meine letzte Hoffnung sind Raubmilben, mal sehen ob ich die hier bekomme*, falls nicht, muss mir die wohl wer** mitbringen. Zwinker, zwinker. Ich hoffe ich kriege die hier, weil man sicher für den Import von insektenfressendem Getier in Teufels Küche kommt, wenn man erwischt wird. Morgen mal recherchieren, dank Gleisbauarbeiten habe ich ja morgens (und nachmittags) jetzt extra viel Zeit im Zug.

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*man kriegt hier auch kein Insektengift, jedenfalls hab ich noch keins gefunden

**zwinker, zwinker

Tag 1250 – Halbe 2500.

Heute auf die Minute passend gearbeitet, auf die Minute passend die Kinder abgeholt. Es ist ein Spagat und ich frag mich, ob sich auch Väter schlecht fühlen, wenn sie ihr Kind um zwei vor Schluss aus dem Hort abholen? Ich hoffe es.

Leider sind wir auf den Hort ja morgens und nachmittags angewiesen und damit ist die kurzzeitig verlockend erscheinend gewesene Idee des „Sport-Hort“ schon wieder passé. Der Sport-Hort kostet das Gleiche wie der normale Hort, hat aber tägliches Sportprogramm und (noch viel besser) tägliche Gelegenheit zum Hausaufgaben machen. Aber der Sport-Hort ist nicht morgens und soweit ich das sehen kann gibt es keine andere Möglichkeit, als beim normalen Hort einen halben Platz zu nehmen um morgens je eine Stunde in Anspruch zu nehmen und dafür aber 67,15% des normalen Hortpreises zu zahlen. Wir würden also 167,15% von dem bezahlen, was wir jetzt zahlen und das ist viel. Enorm viel. Mistekack.

Mein Meeting heute war mittelspannend, das Eis ist fest, allerdings brauchen wir um der Firma weiterhelfen zu können erstmal mehr Infos von eben dieser.

Dafür werde ich wohl mit der Dokumentenmanagementsoftware noch viel Spaß haben, die ist nämlich das Gegenteil von selbsterklärend. Bester Tipp aus der Erklärpräsentation: man kann Shortcuts wie zum Beispiel esc benutzen. ACH! Na dann ist ja alles klar.

Der lange Tag wurde mit einem glücklichen Michel belohnt, weil heute ein Paket aus dem Internet ankam. Da hat er auch gleich halbwegs motiviert Hausaufgaben gemacht. (Sie lernen diese Woche den Buchstaben F und weil er keine Lust hatte, die Worte aus der Wörterliste zu schreiben und zu malen hat er seinen Vater gemalt und seinen Namen geschrieben. Im Auto wollte er dann wissen, ob man Felix denn eigentlich mit k schreibt. Norwegen halt.) Hach, mein großes Kind.

Sport-Hort wäre wohl wirklich nicht doof für ihn. Immer in Bewegung.

Tag 1247 – Im kalten Wasser.

Mir fiel heute auf, wie viele seltsame Redensarten es rund um das Thema Wasser gibt. Der Auslöser war, dass ich von meiner Chefin mitgeteilt bekam, dass sie mich in einer neuen Gruppe haben will, die ein noch recht junges Unternehmen hinsichtlich Herstellerlaubnis und (später dann) Zulassung für ein Produkt aus dem Bereich „Advanced Therapies“ begleiten und beraten soll. Advanced Therapies sind Therapien, die Gentherapie, Zelltherapie oder künstliche* Gewebe beinhalten. Das ist heißer Scheiß und genau das, wofür man eine junge, moderne und andere Inspektørin gut gebrauchen kann und zufällig auch genau das, was diese junge, moderne und andere Inspektørin auch sehr gerne machen möchte, weil es heißer Scheiß ist.

Ich sagte meiner Chefin, dass ich da gerne ins kalte Wasser springe.

Sie fragte, ob ich Angst hätte? Ich antwortete, nein, ich sei nur überrascht, dass es so schnell ginge. Außerdem freue ich mich über das mir entgegengebrachte Vertrauen und auf die Aufgabe**.

Seitdem denke ich darüber nach, ob ich da wohl ins Schwimmen geraten werde? Ist das dünnes Eis***? Auch unter dünnem Eis ist das Wasser kalt und dann schwimmt man. Kommt halt drauf an, ob man den Kopf über Wasser halten kann.

Ich freue mich so! Hach, hach. Und jetzt lese ich dann noch mal ein wenig in den Advanced Therapies Guidelines, damit das Eis wirklich richtig fest ist. Dann brauche ich auch keine Angst haben, ins Schwimmen zu geraten.

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*hmmhmmhmm. Künstlich klingt so nach Plastik. Das sind schon echte Zellen bzw. Gewebe. Aber „engineered“ halt. Tissue engineering. Man entnimmt einem Patienten einige Zellen und lässt diese um ein Gerüst oder ähnliches wachsen. So kann man ganze Gewebe, zum Beispiel Darmzotten oder eine Aorta, nachwachsen lassen, die dann am Ende dem Patienten transplantiert werden können.

**Jupp, ich klinge immer noch, als lebte ich in einem dauernden Vorstellungsgespräch.

***Ich hab die total vertraulichen Dokumente aus der Anfrage kurz überflogen und das Eis fühlt sich schon recht solide an.

Tag 1244 – Hopps!

Michel ist heute beim Skitraining das erste mal gesprungen. Ich war drinnen in der Skihütte und habe versucht, Guidelines zu lesen*, deshalb habe ich das nicht gesehen. Was wohl gut ist, weil ich gar nicht weiß, wie begeistert ich davon wäre, würde mein Kind Skispringer. Bei den Profis sieht das hinreichend sicher aus, aber ich bin sicher, deren Eltern mussten in jüngeren Jahren öfter mal diverse Blessuren versorgen und haben vermutlich auch das ein oder andere mal in der Notfallpraxis gewartet, während drinnen das angehende-Skisprung-Profikind genäht oder gegipst wurde. Da denkt man, Langlauf sei harmlos und dann kommt der Sechsjährige mit rot glühenden Wangen angelaufen und erzählt von seinen Sprüngen. Aber Hauptsache, er hat Spaß, ne?

Und den hat er und das ist alle absurden Sorgen um ungelegte Skisprungeier allemal wert. Und auch, dass er unbedingt am Wochenende Skilaufen will, kann ich verkraften, aber wo kriege ich denn nun so schnell Ski her? Und lerne Skilaufen?

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Ich bin todmüde. Und habe heute nach einer… ich nehme mal an einfach unbedachten Bemerkung mir gegenüber der hässlichen Fratze des Impostorsyndroms direkt wieder ins Gesicht geblickt. Aber nur kurz, dann überwog schnell der Ehrgeiz, es nun allen zu zeigen. Das ist mal ein Fortschritt seit dem PhD, da war mir der echte Ehrgeiz, der, der es nicht nur irgendwie über die Ziellinie schaffen will, sondern der schon mal die Fanfaren poliert und die Flaggen bügelt, der war mir da abhanden gekommen und jetzt ist er wieder da, mein alter Freund.

Trotzdem müde. Morgens um viertel nach fünf bläst hier leider keine Fanfare.

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Steuerkarte abgerufen und Schreck bekommen: der Lohnsteuersatz war routinemäßig auf das Letztjahres-Einkommen berechnet worden. Würde ich nur diese Steuern zahlen, käme mit dem Steuerbescheid nächstes Jahr eine wirklich schmerzhafte Nachzahlung auf mich zu. Was lobe ich mir in solchen Fällen Norwegen: einmal eingeloggt lässt sich einfach unter Angabe des neuen Einkommens eine neue Steuerkarte beantragen. Das tat ich heute am frühen Nachmittag als Kaffeepausenbeschäftigung und heute Abend kam die neue Steuerkarte. Was das für ein Aufriss mit Post und Zeug in Deutschland wäre, will ich mir gar nicht vorstellen.

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*ohne Erfolg, ich döste über Partikelgrenzwerten verschiedener Reinraumklassen ein.

Tag 1243 – Neue Themen.

Das erste mal bei einem Meeting aller Inspektør*Innen gewesen. Es war auf fünf Stunden angesetzt und wurde überzogen, danach machte mein Kopf nur noch diffuses Rauschen aus dem ab und an seltsame Abkürzungen hochschwommen. Alles in allem wohl ganz normal für den 4. Tag im neuen Job. Wurde im Meeting natürlich auch vorgestellt, stotterte nur wenig herum aber so langsam macht sich das „What am I doing here?“-Gefühl breit, was wohl auch zu neuen Jobs gehört wie das lustige Bild auf der Schlüsselkarte. Immerhin, das werte ich als Kompliment und gutes Zeichen, wurde ich danach fast in ein weiteres Lag abgeworben, nämlich das der Biolog*Innen. Advanced Therapies, Large Molecules, Biopharmaceuticals, juhu, da kann ich wenigstens fachlich ein bisschen was! Aber erstmal muss ich nun das Inspizieren lernen, danach kann ich Biofachsimpeln.

Zwischendurch saß ich in der Meeting und konnte fast gar nicht glauben, dass ich da inmitten von Menschen sitze, die sehr erwachsen sehr erwachsene Themen diskutieren. Hier eine Auswahl:

  • Der aktuelle Status zu einer europaweiten Rückrufaktion aus dem letzten Jahr, die sich noch in dieses Jahr reinzieht.
  • Brexit und welche Folgen ein harter Brexit ganz konkret für uns hätte.
  • Ein neues Sicherheitsfeature auf Packungen mit rezeptpflichtigen Medikamenten, das zur Fälschungssicherheit beitragen soll und bald eingeführt wird.
  • Rezeptfreie Medikamente für Aquarienfische, wo diese verkauft werden können und welche Behörde (unsere oder eine andere) je nachdem für die Aufsicht dieses Verkaufs zuständig wäre.

Sie sehen, alles sehr wichtig.

Puh. Nun schlafen, aber zackig.

Update: Post noch weiter anonymisiert, sorry. Das lässt mich lauter seufzen als Sie, glauben Sie mir.

Ab jetzt dann nur noch Kinderfotos. Von hinten. Verschwommen. Mit Smileybildchen.

Tag 1240 – Glückseligkeit mit und ohne Klang.

Hier weiter alles super. Unter anderem weil ich zum Arbeiten Kopfhörer bekommen habe. Wir sitzen ja nun in einem Großraumbüro, das ist naturgemäß kein Ort der Stille (auch wenn ale nur schleichen und flüstern) und vor allem wollte ich meinen Kollegen nicht mit dem „Im Staat starten“-Video auf den Zeiger gehen, deshalb fragte ich nach Kopfhörern und bekam sie. Leider gingen sie zunächst nur über Kabel, weil sowohl Computer als auch Kopfhörer mit der Vielfalt an Bluetooth-Geräten im Büro heillos überfordert waren. Heute habe ich deshalb sowohl Computer als auch Kopfhörer mit nach Hause genommen und nachdem Herr Rabe die Kopfhörer erst mal resettet hat und dann Updates eingespielt und die Geräte gründlich einander vorgestellt hat, geht nun alles und es ist super.

Fieser Blitz, weshalb das erste Foto auch in die Hose ging.

Well.

Trotzdem sehr sehr schön. Active Noise Cancelling sollte den Friedensnobelpreis bekommen und auch beim Abspielen von Musik sind die Dinger einfach der Hammer. Ich bin hin und weg. Schade, dass mein Job nicht aus Musik hören besteht und auch sich total abschotten eher ungünstig wäre, wenn man dauernd mit Leuten reden muss, aber um mich durch den Ordner voll Zeug zu arbeiten wird das ganz fein!

Und das hier musste ich Ihnen ja nich nachliefern.

Seit heute funktioniert auch das Bezahlen in der Kantine mit der Karte problemlos.

Jetzt aber endlich ins Bett. Meine Güte, bin ich erledigt. Aber sehr glücklich dabei, nicht nur über die Kopfhörer, aber hab ich erwähnt, dass sie unfassbar gut klingen? Und Active Noise Cancelling haben?

Tag 1239 – Schwuppdiwupp!

Heute um viertel vor Acht bei der Arbeit gewesen. Wann ich dann aufstehen muss, möchten Sie gar nicht wissen. Aber dafür echt einiges getan, trotz meiner etwas begrenzten Möglichkeiten. Zum Beispiel die Mailbox sortiert und Termine abgemacht und schon mal einiges gelesen, und auch die Zeiterfassungsapp geht nun. Das war ein wenig komplizierter als geplant, weil ich mich da mit meiner Bank-ID anmelden musste, aber erst meine Bank-ID auf dem neuen Handy einrichten und dafür brauchte ich meinen TAN-Generator und auf dem, stellte ich heute morgen fest, hat irgendein Kind mindestens fünf mal die falsche PIN eingegeben und ihn damit gesperrt. Ich hatte dann schon befürchtet, dass ich den TAN-Generator einschicken muss oder so, aber ein Anruf bei der Hotline der Bank und viele Fragen später konnte mir der Bankmensch dann die Bank-ID doch einfach so direkt am Handy einrichten, ohne TAN-Tralala. Nun kann ich also einfach per Klick ein- und ausstempeln oder auch Homeoffice* oder freie Tage oder wasweißich eintragen.

Überhaupt. Arbeitszeit. Ich hatte heute auch ein sehr (sehr!) langes Gespräch mit meiner Patin, über das Arbeiten in der Behörde im Allgemeinen und als Inspektør im Besonderen. Im Anschluss an das Gespräch gab sie mir den Plan für die kommenden sechs Monate, in dem die Inspektionen vorgemerkt sind. In der Einarbeitungsphase soll ich auf so viele Inspektionen mitgehen, wie möglich, in diesem ersten halben Jahr wären dass dann… 9 glaube ich, bevor ich im Juni das erste Mal nicht mehr nur Anhängsel in der Einarbeitung wäre sondern so richtig heruminspizieren würde. Zwei dieser Inspektionen dieses Jahr sind mit echten Reisen verbunden (es geht unter anderem auf die Lofoten!), der Rest ist in und um Oslo. Es ist also sehr gut, dass wir unseren Wikinger-Babysitter gefunden haben und auch die Haushaltshilfe hat heute sehr schön zum ersten Mal geputzt, ich werd viel nicht hier sein. Darauf war ich schon eingestellt, auch auf das, was meine Patin dann sagte: ich werde an diesen Tagen schnell Überstunden anhäufen, denn Inspektionstage sind mindestens 10-Stunden-Arbeitstage. Nicht so ganz eingestellt war ich auf die nächste Nachricht: ich darf maximal 50 Überstunden haben, dann fangen Chefs an, auf Abfeiern zu drängen und wenn ich das dann nicht ganz schnell tue, verfallen weitere Überstunden. Ich darf aber gleichzeitig nur 25 Tage pro Jahr abfeiern und (und das ist der Knackpunkt) jede Nicht-Erfüllung des Stunden-Solls an einem Tag wird von der Zeiterfassung als kompletter abgefeierter Tag gerechnet. Ich habe also zum Beispiel gestern schon einen meiner 25 Abfeiertage verbraten, weil ich erst um neun angefangen habe, aber um vier gegangen bin. Meine Patin gab mir den Rat, das dringend mit meiner Chefin (aus verworrenen Team- und Hierarchiegründen ist ihre Chefin nicht meine Chefin) zu besprechen, und da hat sie sehr Recht mit. So nett ich komplett freie Tage finde: die Absprache mit Herrn Rabe und mein eigenes Bedürfnis, nicht jeden Tag zur Bahn zu rennen, damit ich’s grade noch so zum Abholen in die KiTa und zum Hort schaffe sehen eher vor, dass ich die Überstunden zeitnah als Randstunden abfeiere. Und da sind dann 25 Tage sehr wenig, wenn ich auf der anderen Seite 60 Inspektionstage habe. Natürlich weiß ich auch, dass es, vor allem in der Einarbeitungszeit, noch schwierig sein wird, überhaupt irgendwas abzufeiern, denn solange ich noch mehr Klotz am Bein als voll einsatzfähige Mitarbeiterin bin, verringert sich ja der Workload meiner (überlasteten) Kolleg*Innen nicht und ich trippele halt hintendrein. Aber dann irgendwann sollte sich der Workload ja auf ein Paar Schultern mehr verteilen und dann wäre es sicher gut, schon klare Absprachen getroffen zu haben. Huff. (Das ordnet sich. Sicher. Kein Grund schon wieder zu grübeln, Frau Rabe!)

Apropos Einarbeitung: ich habe den Eindruck, das soll alles möglichst zackig über die Bühne gehen. Das liegt mir ja eh, ich freue mich drauf, viel neues zu lernen und einiges altes aufzufrischen. Aber erste Inspektion als Anhängsel in drei Wochen schon ist… ambitioniert. Verständlich ist es ja auch, ich soll halt nicht lange Klotz bleiben. Entsprechend motiviert stürze ich mich in den vierseitigen Plan und stolpere hier und da über technische Schwierigkeiten, die in so einer Behörde nicht mal so eben zu beheben sind. Denn „nur K. kann dir helfen!“. Blöd, dass K. nur eine 40%-Stelle hat und dementsprechend nur zwei Mal die Woche da ist. Aber wenn mir K. dann geholfen hat, dann werd ich – schwuppdiwupp – Inspektørin. So richtig. Gnihihi. (Ich freue mich immer noch sehr.)

Etwas abgekämpft, aber immer noch sehr glücklich.

Ein bisschen Feedback habe ich heute auch bekommen: ich sei sehr offen und gehe auf die Leute zu, extrovertiert sei ich sicher? Ich gab zurück, dass ich das ganz und gar nicht per se sei, aber mich so willkommen fühle und mich gleichzeitig so auf die neuen Aufgaben und Leute freue, dass es mir leicht falle, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Das meinte ich auch so, war aber trotzdem hinterher überrascht über meine einigermaßen geschliffene Antwort. Ich bin mal gespannt, wann ich nicht mehr dauernd das Gefühl habe, in einem einzigen großen Assessmentcenter oder fortlaufenden Bewerbungsgespräch zu sitzen.

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*Homeoffice ist eher unüblich aber grundsätzlich möglich. Muss halt immer genehmigt werden und ist eh nichts, was ich ab Tag 1 sofort machen würde.