Tag 2351 – Ächz.

Müdes High Five, ich bin in dieser einen Sache(TM) jetzt up to date, es warten davon erst mal keine neuen To-Dos auf mich. Dafür ging heute der komplette Arbeitstag drauf. Dafür kann ich jetzt wieder rituell eine To-Do-Liste zerknüllen, die fertig abgehakt ist. Hallelujah.

Morgen scheuche ich dann die 24 anderen Kühe vom Eis, aber es ist schon ganz nett, wenigstens in der einen Sache(TM) mal kurz den Kopf über Wasser zu haben.

Außerdem über die Post geärgert, aber dazu vielleicht wann anders mal mehr.

Tag 2347 – Altes und neues Genörgel.

Alljährlich muss ich kurz mal meckern über die immer noch nicht abgeschaffte Uhrzeitumstellung. Dieses Jahr hatte ich auch wieder versäumt, die Aufstehzeit allmählich nach früher zu verschieben, also hatte ich mir heute „einfach“ einen Wecker auf 8 Uhr gestellt, damit ich heute Abend trotzdem halbwegs ok ins Bett komme. Mein Plan war auch, dann die Kinder zu wecken. Naja, die Kinder waren schon wach, ich hörte sie rödeln, als der Wecker klingelte. Ich hingegen dachte „was zum… es ist Wochenende, Herrschaftszeiten!“ und stellte den Wecker 1 h weiter. Döste noch die Stunde weiter, daddelte etwas am Handy und quälte mich um halb zehn aus dem Bett. Also eigentlich halb neun, an einem Sonntag, an dem nichts ansteht. Das ist doof, ich möchte das nicht.

So, bis in einem Jahr, wenn es wieder heißt „Wer hat an der effing Uhr gedreht, hatte die EU nicht irgendwie vor, den Kack abzuschaffen, warum passiert da nichts, HMMMMM?“

Neues Gemecker: Steuererklärung. Ja eigentlich in Norwegen super einfach. Außer man hat Konten im Ausland, Rentenversicherungsverträge im Ausland, einen Kindergarten, dessen Buchhaltungsbüro aufgrund Konkurs des Kindergartens kurz vor Weihnachten hingeschmissen hat (und der deshalb nicht zu Neujahr automatisch die Betreuungskosten gemeldet hat) und einen Sport-Hort, der aus unbekannten Gründen nicht automatisch an die Behörde gemeldet hat. Dann muss man ziemlich viele Belege zusammensuchen. Besonderer Spaß, wenn man im Vorjahr mittendrin die Bank gewechselt hat und dementsprechend Belege in drei Banken (ausländische mitgerechnet) und einem e-mail-Fach liegen. Immerhin ist das meiste eh elektronisch, außer dem Kram von der Rentenversicherung, die mögen Papier und mögen auch, das ins Ausland zu schicken.

Einziger Pluspunkt: ich habe festgestellt, dass ich bei der Bank in Deutschland offenbar inzwischen als Steuerausländerin geführt werde, steht zumindest so auf einer Bescheinigung. Dann hat das also geklappt, gut. Ich war etwas in Zweifel, weil mir wenige Tage nach Hochladen der norwegischen Bescheinigung, dass ich wirklich hier lebe und ganz viele* Steuern zahle, ein Brief ins Haus flatterte, in dem ich in scharfem Behördenton dazu aufgefordert wurde, eben jene Bescheinigung hochzuladen, aber zackig.

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*naja naja, eigentlich nicht, ich beschwere mich nicht. In Deutschland zahlte ich anteilig deutlich mehr von meinem Gehalt (Umsatzsteuer nicht mit einbezogen, das ist mir jetzt zu kompliziert).

Tag 2343 – Pipi, Hunger, Durst…

… kalt, müde.

Und Laune. Wahrscheinlich eine Mischung aus müde, sozial müde (war heute wieder im Büro, inklusive Zugfahrt und allem Tralala) und Zyklus. Keine Ahnung, wie ich das vor der Pandemie gemacht habe, so früh aufzustehen und ständig unter Leuten zu sein und dabei nur gelegentlich Mordphantasien zu haben.

Momentan geht das Pendeln dann auch auf meine Arbeitsleistung, mal gucken wie sich das entwickelt.

Insgesamt heute einfach unzufrieden.

Tag 2338 – Zuhause!

Mit einer Blase, die so voll war, dass ich Herrn Rabe vom Auto aus bat, zu checken, ob die Tür abgeschlossen ist (die Kinder machen manchmal so Quatsch), kam ich heute um 19 Uhr wieder zu Hause an. Die Reisekostenabrechnung zu machen dauerte eine Stunde. Was für ein Gerödel, jede Autofahrt einzeln anzugeben, jede Mautgebühr (beim Elektroauto ja vernachlässigbar wenig), jeden Parkzettel für die 20 Minuten bis zur kostenfreien Parkzeit screenshotten… ächz, ächz, ächz. Der Treppenwitz dabei ist, dass ich bisher noch keine Reisekostenabrechnung im ersten Versuch richtig gemacht habe. Die kommen immer von der Buchhaltung zurück, wegen irgendwas, Hoteladresse war nicht die Firmenadresse, sondern die tatsächliche Adresse, an der das Hotel steht, und ähnliche Späße. So langsam müsste ich alle Fehler, die man machen kann, mal gemacht haben. Vielleicht mache ich mal Fehler-Bingo. Oder kaufe mir ne Flasche Schampus, wenn eine Reiserechnung beim ersten Mal durchgeht.

Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Was bin ich müde.

Ich kam übrigens auch panisch, weil mit Halskratzen, nach Hause, nachdem bei der Herstellerfirma reihenweise die Personen, mit denen wir wirklich viel gesprochen haben (im Meetingraum, beim Essen, bei der Begehung…) wegen positiver Tests ausfielen. Mein Schnelltest sagt aber, ich sei gesund. Falls das so bleibt, glaube ich, man sollte mal gucken, ob man aus meinem Blut irgendeine Wunderdroge machen kann, so viele super enge Nahkontakte kann man eigentlich nicht haben, ohne sich anzustecken. Immerhin hätte ich dann Herrn Rabe, Michel, meinen Chef, eine Kollegin, sowie mindestens zwei Angestellte der Firma diese Woche „überstanden“. Und mit allen hatte ich die Art Kontakt, die mich eigentlich direkt in die Fieberhölle katapultieren müsste. Stattdessen habe ich bisher gar nichts. Selbst das Halskratzen war spontan am Abend wieder weg. Vielleicht habe ich es mit dem Teststäbchen weggeschabt.

Es ist ein Rätsel.

Tag 2332 – Hadern.

Die guten Dinge zuerst: Michel hatte heute Distriktsmeisterschaft im Korps-Musizieren und das war sehr gelungen. Wenn auch früh. Michels Korps trat in der Anwärterklasse an, da bekommen noch alle einen Preis und alle machen den 1. Platz und alles ist insgesamt ganz pädagogisch wertvoll. Aber das ist ja auch richtig so, wenn man schon dringend so Meisterschaften haben muss, muss man den Kindern ja nicht direkt alle Spielfreude nehmen, indem man ihnen an den Kopf knallt, dass das Schlagwerk rennt, die Posaunen schleppen und die eine Klarinette quiekt. So konnten die Kinder ein bisschen Bühnenluft atmen, ein bisschen Wettbewerb haben und vor allem Spaß haben. Michels Korps war der allerkleinste, aber wir sind ja auch ein Kaff. Michel hat das, trotz aller Aufregung, super gemacht und ist direkt bestimmt einen Meter gewachsen.

Ich denke dann einfach nicht weiter drüber nach, warum Norwegen, wo doch alle gleich sind, nahezu zwanghaft Wettbewerbe in allem haben muss.

Ich hingegen hadere mit mir. Wahrscheinlich ist das immer noch eine Nachwirkung von gestern und auch heute, jede Aktion isoliert wäre vielleicht noch gegangen, aber beide waren viel zu viel. Auf dem Rückweg hätte ich am liebsten beide Kinder bei Burger King vergessen, weil die einfach viel zu laut und zu lebhaft waren. Es sind halt Kinder! It’s not them, it’s me. Von dem Gruppenspaziergang noch erschöpft mit zu wenig Schlaf in Räume voller Menschen, zwei eigene kleine Menschen dabei, die Aufmerksamkeit wollen und brauchen (und so Dinge wie essen, trinken, Klo, das wollen die ja auch ständig, können die das nicht unterdrücken, wie Mama? Spaß, aber nur zum Teil.), eng gesteckte Zeitpläne und dann auch noch mit allen möglichen Leuten reden müssen und möglichst niemanden anschreien, weil MUSS DAS KIND DENN JETZT GENAU HIER WEINEN oder MEINE FRESSE PUTZ DEINE NASE UND WARUM BIST DU MIT LAUFENDER NASE ÜBERHAUPT UNTER MENSCHEN??? Ich schreie innerlich und danach gehe ich ins Bett. Ich habe noch mal drei Stunden geschlafen und war auch den Rest des Tages wahrlich nicht mein sozialstes Selbst. Vermutlich wirkte ich beim Einkaufen sogar ziemlich unhöflich, aber mehr Konversation als „Hallo“, „Nein“ (zur Tüte) und „Ja“ (zum Kassenbon) war einfach nicht drin. Vielleicht sollte ich mir ein Schild basteln „sorry, Worte sind für heute aus“.

Und mal ehrlich: das ist doch irgendwie auch ziemlich kacke. Es kann doch nicht sein, dass ich mich von einem Spaziergang mit einer Handvoll Leute (die ich halbwegs gut kenne und mag) und ein paar netten Gesprächen zu nicht-fachlichen Themen erst mal tagelang erholen muss. Ist das mein neues Leben? Freitag bin ich auf einer kleinen Geburtstagsfeier, also kann ich den Rest des Wochenendes abschreiben für alles außer schlafen? Treffen nur noch 1:1, maximal 1:2? Ist alles wenig erquicklich, ich bin ja gleichzeitig keine Eremitin. Warum hat Mama drinnen eine Sonnenbrille auf und Kopfhörer drin? Ach, sie hat bloß mit ihren Kollegen Mittag gegessen und muss sich jetzt abschirmen, damit sie nicht ausflippt oder irgendwo einschläft.

Das war doch früher nicht so extrem? Es soll wieder wie früher sein.