Tag 1773 – Flashback.

Ich war so ein süßes Kind…

Meine Omi war eine große, schlanke Frau und ich hab jetzt hier so einen Seidenrock, von ihr für sich genäht, high waist und bodenlang und muss den kürzen, weil der bei mir selbst mit high heels ne Schleppe hat. Aber macht ja nichts, ich habe jetzt Nadeln für Seide. Geerbt. Seufz.

Im Garten fand ich Rosen, Waldmeister und tonnenweise wilde Erdbeeren.

Falls ich noch mal herkomme, werde ich den Waldmeister ausgraben und zumindest versuchen, den nach Norwegen einzuschleppen zu exportieren und da an irgendeinem nah gelegenen Wäldchen anzusiedeln.

Jetzt denke ich an Omis Waldmeisterbowle und bin müde und schwermütig.

Tag 1769 – Gebucht.

Flug und Zug zu meiner Oma gebucht. Mit Ansage in die Quarantäne. Tjanun.

Beim Kindergeburtstag von spontanem Gewitter überrascht worden. Deshalb nass geworden, aber ich liebe Sommergewitter trotzdem.

Herr Rabe war beim Sommerfest seiner Firma und kam grad erst wieder. Ich bin jetzt sehr müde.

Ich lieb die Kinder immer umso mehr, wenn ich zwei Stunden mit einem halben Kindergarten verbringen „durfte“. Herrje.

Tag 1757 – Ein Tag wie jeder andere.

Møtepotøte den ganzen Tag. (Møte heißt Meeting heißt Treffen. Natürlich online.) Gefühlt habe ich deshalb den ganzen Tag auch so gar nichts geschafft. Das nervt mich ja schnell. Es kam dann noch hinzu, dass unsere Chefin signiert statt freigegeben hat Qualitätsmanagementsoftware nicht zulassen wollte, dass ich eine versehentlich signierte statt freigegebene SOP erneut zur Freigabe versenden wollte und erst lauter lustige Fehlermeldungen produziert hat und dann so gründlich abgestürzt ist, dass gar nichts mehr ging. Also insgesamt so ein mittelmäßig arbeitserfolgreicher Tag.

Muffin hat Michel heute in den Finger gebissen. Nicht mit Absicht, das war auch Michel sofort klar, aber Muffins Zähne sind halt die eines Nagetiers und Muffins Gier auf Salat ist groß und wenn dann da noch ein Finger zwischen ist, dann blutet es auch mal. Armer Michel.

Weitere Muffin-News: so richtig toll sieht das mit der Haut noch nicht aus, eher so lala, aber wir haben ja nächste Woche den Kastrationstermin, vielleicht lassen wir die Kastration dann doch erst noch sein und behandeln erst mal die Haut weiter? Hmm, mal sehen. Bis auf die Haut (und die Einsamkeit) scheint es Muffin aber prächtig zu gehen. Heute habe ich ihm das neue Futter gegeben, weil das von den Vorbesitzern mitgegebene leer war (das war ein völlig okayes Trockenfutter, sonst hätte ich ihm das nicht weiter gegeben) und da ist vielleicht irgendeine Meerschweindroge drin, jedenfalls hat er sich das neue Futter reingezogen als gäbe es keine Kräuter/Löwenzahn/Klee/Gras/Paprika/Möhre/Gurke und was uns sonst so einfällt jeden Tag und reichlich. Das einzige, was er bisher nicht mochte, war Erdbeere und Tomate. Mit der Erdbeere wurde Fußball gespielt, vor der Tomate erschrocken davongerannt. Langsam redet Muffin auch mehr mit uns und quiekt manchmal wenn wir am Kühlschrank sind (klar, da ist das Gemüse drin). Weil ich etwa hundert mal am Tag irgendwelche Leckereien zu ihm bringe, kommt er jetzt vorsichtig angetrabt, wenn ich ihn rufe und reckt sich um zu gucken, was es dieses Mal gibt. Von Michel lässt er sich auch streicheln, am liebsten über die Nase. Hach!

Außer dem Fingerbiss war heute das spannendste, dass wir nach dem Abholen von Kindergarten und Schule im Stau standen. In unserem Kaff hier! Naja, auch hier kann es ja Unfälle geben und wenn die an einer Kreuzung direkt nach einer Brücke sind, das kaputte Auto eine Spur blockiert und deshalb der aus drei Richtungen kommende Verkehr durch genau einen Polizisten geregelt werden muss (weil 2 Kolleg*Innen plus Feuerwehr sich um die Autoinsassen kümmern müssen), dann dauert das schon mal. Es war jedenfalls eigentlich nicht dramatisch, fraß aber so viel Zeit, dass wir den vorletzten Termin der Kulturschule ausfallen lassen mussten. Schade, aber nicht zu ändern.

So, nun ins Bett. Der Corona- und Feiertagsmai hat mein komplettes Wochentagsgefühl zerstört. Auch an Arbeitsaufgaben lässt sich nichts festmachen. Es ist alles sehr seltsam in diesem 2020.

Tag 1752 – Ich möchte nicht.

Der Tag war eigentlich sehr gut, ich habe viel im Garten gebuddelt, dann jedoch entdeckte Herr Rabe, dass die Kinder* sich sehr schön selbst beschäftigt hatten – mit Slime und dann wusch ich ziemlich viel Slime mit Essig und Spüli aus diversen Bettbezügen, -laken und Kuscheltieren, während Pippi einen epischen Kreischheulwutanfall** neben meinem Ohr abfeuerte, weil sie bei der Beseitigung des Chaos helfen sollte. Das hat alle Energie für den Rest der Woche des Tages aus mir rausgelaufen und ich mag nicht mal mehr bloggen, ich will nur ins Bett und meinem Leben vor den Kindern hinterherheulen.

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*Pippi und die Nachbarsmädchen

**inklusive wegrennen und den Nachbarsmädchen schluchzend erzählen, Mama und Papa hätten sie nicht mehr lieb*** und ließen sie nicht aufs Klo gehen****

***auch dieses Mal haben wir das hinterher wieder geklärt

****sie wollte unten aufs Klo, aber da war ich mit den Bettdecken beschäftigt und sagte, sie solle oben gehen, weil ich nicht obendrein auch noch angeschrien werden will, während ich ihren Scheiß beseitige, aber Pippi wollte nicht oben gehen sondern unten. Die Klos sind identisch.

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Tag 1750 – Schnell Bloggen.

Mein Akku ist gleich leer, deshalb Stichpunkte:

  • Arbeit heute viele Meetings aber immerhin produktiv. Eine meiner Arsch-vom-Dienst-Aufgaben ist bald wohl endlich beendet.
  • Pünktlich um drei den Stift fallen gelassen und dank der zwei Stunden gestern Abend trotzdem eine Überstunde aufgeschrieben. Bin bald am Ziel für 5 Wochen Sommerferien.
  • Pippi ging nach dem Kindergarten mit zu einem Kindergartenfreund (I.), was spontan entschieden wurde. Ich rief also den Kindergarten an und erklärte kurz den Betreuer, dass Pippi heute mit I. mit geht und dann telefonierte ich mit Pippi und erklärte ihr dasselbe und das war sehr niedlich. Wie so kleine Kinder halt telefonieren und was sie einer dann dringend alles noch sagen müssen („Mama? Ich spiele mit Barbies!“).
  • Während Michel bei der Kulturschule war, konnte ich ganz in Ruhe einkaufen, das war echt schön. Es gab auch reduzierten Ostersüßkram – weil das Kaninchen Urlaub hat.
  • Nachdem ich Michel wieder eingesammelt hatte und bevor ich Pippi abholte, haben wir Muffin verärgert die Krallen geschnitten und ihn ein bisschen mehr an uns gewöhnt. Er saß auch kurz auf Michels Schoß und das machte Michel sehr froh. Hach, hach. Die Haut sieht noch schlimm aus, aber ich bilde mir ein, dass das Fell schon nicht mehr ganz so stumpf ist und insgesamt kratzt sich Muffin auch weniger.
  • Nach dem fiesen Rausnehmen und beschauen lassen gab es ein paar Troststängel Oregano. Der, und der Estragon, werden uns dieses Jahr möglicherweise über den Kopf wachsen, insofern ist das schon sehr gut, dass Muffin das so gern frisst. Seit ich ihn heute etwas länger auf dem Schoß hatte, weiß ich auch, dass er unter dem ganzen Fell ziemlich dünn ist, insofern: immer mal rein mit dem Futter.
  • Ich werde zunehmend wütend auf Muffins ehemalige Besitzer. Das arme Tier.
Schnurpsknurpszrrrkps…
  • Am Abend habe ich dann noch die Klo-Ecken gesäubert und direkt mal Einstreu nachbestellt. Eieiei, da geht ja ganz schön was durch.
  • Auch am Abend musste ich noch ein Mal los und eine neue Backofenlampe kaufen. Ich oute mich mal: dieses Reinstecken von Halogenlampen in diese Keramik(?)Fassungen, dieses knirschende Gefühl, finde ich absolut furchtbar. Ab-so-lut. Schon der Gedanke daran macht mir grade wieder Gänsehaut.
  • Jetzt husch, husch ins Bett. Es wird Zeit. (Ich wollte heute früh ins Bett, hat super geklappt ganz offenbar.)

Tag 1749 – Prokrastinations-Folgen.

Hättehätte Fahrradkette aber es wäre echt gut gewesen, hätte ich mir meine Arbeit in den letzten Wochen sinnvoller eingeteilt. So war irgendwie Murks, ich hab nämlich nicht alles geschafft, weil dann, wie immer, noch dringende Dinge rein kamen, die sofort bearbeitet werden wollten und die alten (und langweiligen) Leichen wurden noch weiter rausgeschoben und, ach, ach. Heute habe ich dann einen Mammut-Arbeitstag gehabt, unschön, aber jetzt bin ich immerhin zu 80% fertig, eine Aufgabe ist hinten runter gefallen, eine ist halt jetzt eher noch so Dreiviertel fertig und ein viertel schön, aber immerhin.

Jetzt aber fix ins Bett, in 9 Stunden ist schon wieder ein Meeting (das ich leiten muss, seufzi).

Tag 1748 – Für die Tonne.

Da heute keine Müllabfuhr kam, kommt sie wohl morgen.

Morgen kommt auch eine Warmkompost-Tonne.

Ansonsten war der Tag reichlich bescheiden, bis abends Twitterkneipe war, das war sehr schön (wie immer). Das klingt albern, aber das ist schon ein Teil meiner neuen Normalität geworden und ich hoffe, dass sich etwas davon wirklich nach der Pandemie bewahren lässt. Ich mag die alle da sehr gern.

Jetzt Familienbett, Pippi ist seit einer Dreiviertel Stunde wach, kann nicht wieder einschlafen und liegt jetzt bei uns im Bett. Pippi ist ja gar kein Baby mehr, fällt mir dabei auf, die ist ja gar nicht mehr winzig klein. Na sowas aber auch.

Tag 1740 – Anfängerin.

Manchmal könnte man meinen, ich kenne mich erst seit vorgestern. Heute wachte ich nämlich nach 7,5 Stunden laut Schlaftracking-App durchschnittlich schlechtem Schlaf auf und fühlte mich wie verkatert. Ich bin gestern aber gefahren und hatte dementsprechend ein halbes Glas Champagner um zwei Uhr nachmittags. Diagnose Sozialkater. Nach so vielen Wochen mit nur wenigem und kurzen Kontakten, den einzigen längeren immer nur mit der einen Familie, war das gestern wohl einfach zu viel, so schön es war. Die Freuden des introvertiert-Seins. Den ganzen Tag war ich heute hundemüde und konnte mich kaum auf meine Arbeit konzentrieren. Gegen fünf konnte ich die Augen gar nicht mehr offen halten und legte mich „kurz“ hin um eineinhalb Stunden zu schlafen. Eieieiei.

Immerhin ging es danach etwas besser und ich konnte noch etwas arbeiten.

Ich wünsche mir sehr ein kleines Abstands-Sommergrillen mit den Kolleginnen und Kollegen, aber ich muss wohl dafür sorgen, dass wir das an einem Freitag machen oder mir den nächsten Tag frei nehmen. Wir erinnern uns ja alle noch an letztes Jahr, als ich es kaum nach Hause schaffte, so ausgepumpt war ich plötzlich. Nach all dem Corontäne-Tralala und dem gestrigen Tag schwant mir da übles.

(Jaja, erstmal muss ich es eh anleiern und dann wird es vielleicht auch heißen uiuiui können wir das nicht lieber online machen. Aber ich, Ähm, hust hust, vermisse die alle so. Wir könnten uns auf der Dachterrasse vom Werk treffen, da ist viel Platz und man ist draußen. Falls unsere Chefin nicht 15 Mann bei sich zu Besuch haben will (was ich sehr gut verstehen könnte, auch wenn man jetzt theoretisch wieder darf).)