Tag 946 – Hungrig ins Bett.

Das werde ich vielleicht bereuen, wenn ich dann nicht schlafen kann. Das Problem ist ein hausgemachtes. Ich bin ja einigermaßen zwanghaft. Deshalb konnte ich heute Abend trotz Muskelkater von gestern keine fünfte gerade sein lassen und musste um meines Seelenfriedens willen Sport machen. (Heute waren Arme dran, die waren auch vom Po- und Beinmuskelkater gänzlich unbeeindruckt). Jedenfalls war es nach dem Gehopse und einer Dusche schon ziemlich spät. Das wiederum lag einerseits an spät schlafenden Kindern und andererseits daran, dass ich etwas Zeit dabei vertrödelt hatte, mich über die schwammigen Aussagen dieser NASA-Zwillingsstudie aufzuregen. Wie dem auch sei, ich bin ja einigermaßen zwanghaft. Und musste deshalb wenigstens noch den Futterstoff zuschneiden.

Gut dass ich auch so zwanghaft bin, mich selbst ins Bett zu schicken und nicht noch ganz schnell die Kanten zu versäubern. Nur für Essen hab ich keine Zeit mehr jetzt. Und die Zähne hab ich auch schon geputzt.

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Auto-Lobhudelei: ich überzeuge mich fast erfolgreich davon, dass das schon irgendwie hinhauen wird mit der Disputation.

Tag 938 – Hamamblabla.

Mein Tag war etwa so:

  • Alleine in der leeren Wohnung hocken und der Wand meinen Vortrag erzählen. Lief bescheiden. War viel zu lang. Ich kürzte.
  • Irgendwann losgeeist und etwas zu spät aufgebrochen zum Hamam. Natürlich hinter einem auf 45 km/h gedrosselten Hutzelauto festgeklemmt, das grad mal 40 fuhr. Mörderisch gestresst beim Hamam angekommen. Das hatte mir Herr Rabe übrigens zu Weihnachten geschenkt und ich hatte es bisher nicht geschafft, den Gutschein einzulösen. Achtsamkeit und so. Jaja.
  • Hamam. Geiler scheiß. Ich wurde von vorne bis hinten gepampert, gewaschen, gepeelt*, massiert, meine Haare wurden gewaschen und mein Gesicht bekam eine Maske, ich kriegte dauernd Obat und Wasser gereicht… Hach. Wirklich wunderbar.
  • Dann fuhr ich zurück und machte mich wieder an den Vortrag. Dieses Mal schreibe ich alles aus. Alles. Sogar „Hallo“.
  • Die Kinder kommen mit Herrn Rabe und sind unzufrieden und müde und ich muss arbeiten und Herr Rabe kocht, alles eskaliert und schon ist meine tiefenentspanntheit hin:
  • Viele, viele Bügelperlen wieder einsammeln.
  • Essen, Michel ins Bett bringen**, wieder Vortrag.
  • Jetzt. Müde. Aber mit dem Vortrag fertig, fast rechtzeitig, bevor ich morgen um 08:15 das Thema für die Probevorlesung bekomme.

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Auto-Lobhudelei: Fertig mit Ausschreiben.

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*Hier wahlweise „abrasives Peeling“-Geschimpfe oder „waaaas, da kriegt man irgendwelche Hautpflege einfach draufgeklatscht?!?“ vorstellen und dann verkneifen. Ich hab vermutlich 1 kg Haut dagelassen, das Peeling schien also bitter nötig gewesen zu sein.

** Der will momentan immer, dass ich ihm sein „Speziallied“ vorsinge, dass ich mir ausgedacht habe, als er ein Baby war, ich singe das aber nicht vor, wenn Herr Rabe in Hörweite ist, das ist mir irgendwie peinlich. Heute Abend ging das aber, weil Pippi noch länger zum Essen brauchte.

Tag 934 – Samstagsdinge.

  • Mit den Kindern um viertel vor acht aufgestanden. Jajaja, Ihre waren/sind immer schon um fünf wach, für mich ist vor acht am Wochenende unangenehm früh.
  • Brötchen gebacken.
  • Gesportelt.
  • Geduscht.
  • Sonnencreme ausprobiert. Und endlich mal nicht das Gefühl gehabt, mit ein bisschen Gewürzsalz könnte man auch ein sehr bleiches Brathähnchen aus mir machen, vong Fettigkeit in Gesicht her.
  • Herrn Rabe vom Flughafen abgeholt mit sehr hibbeligem Michel, der mich auf der ganzen Fahrt „Mama weißt du was? BlablablablablaraketenblablaweltraumblablavulkanblablablablabladinosaurierausgestorbenblablablaPippiisteingeschlafenblablablablabla…“ zuschwafelte.
  • Michel zu seinem Kumpel gebracht.
  • Wäsche, Küche, diesdas.
  • Bolognesesauße und keine Spaghetti gemacht, weil nicht mehr genug Spaghetti da waren (wie konnte das passieren?!?). Dafür Fussilinudeln.
  • Gegessen.
  • Wocheneinkauf.
  • Michel abgeholt.
  • Stoff an Stoff gesteckt.
  • Mit Herrn Rabe geschnackt.
  • Jetzt nochmal Pippi einschlafbegleitet.
  • Auch jetzt: sehr müde.

Tag 932 – Schnipsel.

Habe Michel bei der Schule angemeldet, auf die er vermutlich nie gehen wird. Was für ein Scheißgefühl. Mit Fünftklässlerchor und allem. Wie stolz Michel war. Ich wollte mich am liebsten unsichtbar machen.

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Dadurch heute nicht so viel gearbeitet, wie ich wollte. Vortrag ist jetzt so halbfertig. Geht schon, aber da ich meiner Kollegin versprochen habe, am Montag fertig zu sein, muss ich eventuell am Wochenende ran.

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Die Bluse wird so schön. Ich bin begeistert. Kirschen. So seriös *hust*. Und wenn man einmal kapiert hat, wie das alles geht mit den Belägen und Manschetten und so ist es auch nicht übermäßig schwierig.

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Michels unangenehmen Kumpel nach dem Kindergarten mit nach Hause genommen, nachdem mich die Jungs breitgequatscht hatten. Hmmnaja. Ich hab dann ein Loblied auf den Hygienespüler gesungen, nachdem Michels Handschuh vor der Tür im gelben Schnee landete und es erst der Kumpel, dann Michel und dann keiner von beiden gewesen sein wollte. Und so ging es im Grunde dann auch weiter. Anstrengendes Kind.

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Selbes Kind hat aber auch für den Lacher des Tages gesorgt, als es erzählt hat (während die Mama daneben stand): „Weißt du was? Meine Mama wäre fast ins Gefängnis gekommen! Weil sie einen Strafzettel bekommen hat! Die fährt nämlich wie eine Sau!“ (Ja, 75 in ner 50er Zone ist „wie eine Sau“ und ja, sie wäre tatsächlich fast ins Gefängnis gekommen, weil sie nämlich den Strafzettel nicht bezahlen konnte. Ihr Vater hat ihr dann aber das Geld geliehen. Das klärte sich also alles auf, herzlich gelacht habe ich aber trotzdem – über das peinlich berührte Gesicht der Mutter.)

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Die Haut an meinen Händen findet das Wetter grad ultimativ kacke. Obwohl ich schon dauernd Handcreme draufmache, ist die ganz arg rissig und trocken und rau und rot und tut auch weh. Aber ich sitze halt auch den ganzen Tag im Klimaanlagenbüro, unterbrochen durch Ausflüge in -15 Grad. Es ist so kalt, dass ich sogar das Fenster zulasse, weil ich sonst unter meiner Winterbettdecke friere. Von morgens aus dem Bett kommen und direkt tiefgefrieren mal ganz zu schweigen.

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Pippi ist momentan ziemlich anstrengend. Zuckersüß, aber auch unfassbar bockig, aus Prinzip, wie es scheint. Ich sage x, sie sagt Nein. Und das meint sie dann auch. Ich sage viel x. Anstrengend. Dazu kommt, dass sie scheinbar Albträume hat, jedenfalls schläft sie die ersten 2-3 Stunden sehr schlecht, schreckt oft hoch, weint im Schlaf und so weiter. Anstrengend. Alles Anstrengend.

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Zum Umfallen müde gerade.

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Auto-Lobhudelei: Bluse und Vortrag werden glaube ich richtig gut.

Tag 922 – Kann doch nicht wahr sein…

Ja, genau. Michel hat irgendeinen Infekt oder so, ihn plagen weiterhin Kopfschmerzen, trockener Husten und manchmal leichtes Fieber. Es ist zum Mäusemelken. Und ja, ich nörgle über die Untätigkeit, und dann nörgle ich auch, wenn ich was zu tun hab – nämlich kranke Kinder betreuen. Aber, herrje, die sind ja im Moment auch echt dauernd krank. Und ich verstehe rational, dass ich wirklich nun mal diejenige bin, die keinen Job hat. Aber halt nur rational. Emotional bleibt damit IMMER ALLES an mir hängen. (Ich benutze jetzt grad mal absichtlich die Paarberatungs-Triggerphrasen zur Verdeutlichung.) Ich waschetrocknefalteverräume nebenher Wäsche, räume nebenher die Spülmaschine ein und aus, räume auf, rödle herum. Ich besorge Dinge. Ich gehe zur Post. Ich, ich, ich.

Ha! Schön wär’s! Ich mache das ja noch nicht mal alles! Ich gebe mir jede Mühe, eben nicht den kompletten Haushalt zu schmeißen. Aber das kostet richtig bewusstes Nicht-tun von mir, immer wieder muss ich mir sagen, nein, du bist jetzt nicht automatisch Hausfrau, dein Job ist jetzt die Jobsuche und die Vorbereitung auf die Defense. Herr Rabe arbeitet grad die Stunden wieder rein, die ihm im Dezember verloren gegangen sind, das hält ihn aber nicht davon ab, abends eine Maschine Wäsche aufzuhängen. Oder einen Liter Milch mitzubringen. Und diese Schieflage – ich, die ich mich bewusst bremsen muss, Dinge zu tun, die ich total blöd finde, die ich aber gut machen könnte und zu denen ich mich auf eine fiese, diffus protestantische und hundertprozentig von meiner Mutter übernommene Art auch stark verpflichtet fühle – auf der anderen Seite Herr Rabe, der (wegen mir) Arbeit liegen lassen musste, die jetzt wartet und der sich vermutlich auch dazu verpflichtet fühlt, gerade jetzt bei seiner Arbeit vollen Einsatz zu zeigen, hängt doch unser Familieneinkommen maßgeblich davon ab – diese Schieflage jedenfalls, die ist richtig unangenehm. (War das der längste Satz bisher in diesem Blog? Ich vermute es stark. Nun Ellipsen. Obwohl. Nee.)

Und dann fühlt man frühmorgens ungewöhnlich warme Füße am Bein und weiß: mein Job ist grad eben doch kein Job. Und wenn nichts super wichtiges ansteht (Mittwoch zum Beispiel habe ich einen Augenarzttermin und ich sage es mal so: noch eine Person, der Michel offenherzig erzählt, dass seine Mama „einfach keinen Job findet“ und ich nehme den nie wieder irgendwo hin mit), bin ich dran. Dran, dranner, am dransten.

Gut, dass mir das wenigstens bewusst ist, da ist die Gefahr etwas geringer, es sich in der Situation bequem zu machen. Und für die Zeit ab Donnerstag, wenn ich die Vorträge, den Druck, das ganze Tralala einfach fertig bekommen *muss*, haben wir schon abgemacht: da teilen wir auch die Kindkrank-Tage wieder.

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Auto-Lobhudelei: Gezielt in einen Glitzertopf gefallen und Bombe ausgesehen, während ich mitsamt Michel bei der komplett sinnfreien Beratung des Karrierecenters war. Bombe ausgesehen, während ich Blubberwasserpatronen kaufte. Pippi aus der KiTa holte. Das Spitzenoberteil anpasste. Mit einer Dame telefonierte, die mich ein wenig über die Arbeit der EMA aufklärte. Mit Michel fünfzig Mal durchdiskutierte, dass er kein Fernsehen gucken darf, weil wir das so abgemacht haben, als er am Morgen sagte, er wolle nicht in die KiTa. Also auch: viel geschafft. Erwachsenenpunkte verdient.

Tag 909 – Auto-Lobhudelei Deluxe.

Nun, es ist ja so:

Ich bin krank. Es ist nicht meine Schuld, es ist auch nicht der Ärztin schuld, aber im Moment geht es mir körperlich nicht gut. Und das jetzt einfach mal so sein zu lassen, und mich so sein zu lassen, das ist mein fester Entschluss und gleichzeitig meine Challenge. Ich bin da nicht gut drin, meine Schwächen anzunehmen. Ich finde mich in gertenschlank schöner als nicht und kann absolut nicht fassen, wie man innerhalb einer einzigen Woche so zulegen kann. Ich hoffe noch auf Wasser oder Verstopfung oder irgendwas, was auch genauso schnell wieder verschwindet. Aber ich versuche, nicht zu hadern. Ich versuche, nicht damit zu hadern, dass ich extremst müde und antriebslos herumhänge und klopfe mir für die Kleinigkeiten, die ich schaffe, auf die Schultern. (Ein dicker Schulterklopfer fürs Schulterklopfen!) Heute habe ich 50 Minuten Sport gemacht, davon 20 Minuten HIIT und 30 Minuten „alle Muskeln fallen ab“-Pilates. Ich habe ein Brot gebacken und ein Kleid genäht. Ich könnte jetzt auch alles aufzählen, was ich machen wollte, aber dann nicht geschafft hab, weil mir beim Öffnen der CV-Datei schon die Tränen kommen und ich einfach so hundemüde bin, ich niemanden anrufen mag, eigentlich möchte ich mit niemandem reden – aber das bringt ja nix. Die Selbstdisziplin lässt mich eben noch Dinge tun, es ist nicht so viel und manch einer, inklusive mir selbst, mag es lächerlich wenig vorkommen, aber: ich bin krank. Es wird weggehen. Bis dahin ist es eben so und alles was noch geht ist gut. Das muss ich jetzt nur noch selbst glauben, aber vielleicht hilft es ja, das aufzuschreiben.

(Und die optischen 5 Kilo Bauchspeck, die gehen sicher wieder weg. Und auch die Defense-Präsentation werde ich irgendwann machen können, ohne dass die Diss mich so anpiekt, das nichts mehr geht. Es wird irgendwie werden.)

Tag 908 – #WmDedgT im Februar ‘18.

Es ist wieder der 5. des Monats und das heißt, dass Frau Brüllen von uns wissen möchte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Nun, ich habe heute extra viel gemacht tatsächlich ein bisschen was getan. Das liegt zum Teil daran, dass Montag ist: Montags haben wir Institutsmeeting und da das mit „die Putzhilfe kommt“ zusammenfällt, nehme ich das als willkommenen Anlass um das Haus zu verlassen. Ich stehe also heute fast zeitnah nach dem Weckerklingeln auf und schlurfe ins Bad. Da ziehe ich meine Sportsachen an und schlurfe ins Wohnzimmer und starte den 6. Tag meines Sportprogramms – heute war „nur“ Yoga dran, eigentlich wäre sogar ganz Pause gewesen, aber ich wollte heute den gestrigen (auch schon optionalen) Tag nachholen. Gesagt, getan, 35 Minuten Yoga vorm ersten Kaffee. Dann Dusche mit Haare nach-blauen. Als ich aus der Dusche komme, kommt Herr Rabe mit Kaffee rein. Eincremen (meine Winterhaut an den Beinen und Armen saugt jegliche Creme auf wie ein Schwamm) und Anziehen. Haare föhnen. Irritiert bin ich kurz beim Hören der Nachrichten – äh, hups, schon acht?!? Ja, schon zehn nach acht sogar. 10 Minuten zum Schminken. Awesome. Sparversion geschminkt. Concealer vergessen, fällt mir aber erst viel zu spät auf und dann denke ich, ach, scheiß drauf, Yoga und der viele Schlaf, den ich, wenn auch nicht ganz freiwillig, grade kriege, werdens schon richten. Mit dem Ergebnis nach exakt 10 Minuten recht zufrieden packe ich meinen Kram in meinen Rucksack, Tuppere mir eine Waffel von gestern als Frühstück ein, mache fix alle Betten, hänge meine Unterwäsche ab und sortiere sie in den Kleiderschrank und laufe dann in den Flur, werfe mich in meine Schuhe und JackeMützeSchalHandschuhe, rufe noch schnell „Tschüss ihr Süßen, viel Spaß im Kindergarten!“ in die Wohnung, nehme den Müll mit und laufe dann die Treppen runter. Werfe den Müll unten in die Tonne und checke die Bus-App: ich habe drei Minuten um zur eine Minute entfernten Bushaltestelle zu kommen. Sollte klappen, denke ich beruhigt, da sehe ich den Bus an der Ampel stehen. Ich renne los und der Busfahrer hält (vermutlich wissend, dass er ZU FRÜH ist) länger an der Haltestelle, sodass ich noch einsteigen kann. Ich japse nicht, weil mein unterfunktionierender Stoffwechsel eh macht, dass ich nur einmal in fünf Minuten atmen muss. Im Bus checke ich das Verzeichnis der in Norwegen zugelassenen Arzneimittel nach einem bestimmten Wirkstoff und finde nichts, was mich sehr ärgert. Vielleicht schreibe ich noch mal drüber. 15 Minuten später steige ich bei der Arbeit wieder aus dem Bus und hole mir einen Kaffee, dabei vergesse ich, dass ich extra meine Thermotasse eingepackt habe.

Bei der Arbeit: Meeting. Ist langweilig. Dann schreibe ich eine Bewerbung an das norwegische Patentamt, mir wachsen spontan Ärmelschoner. Ich trage die neue Bewerbung beim NAV ein (dazu muss ich auch nochmal was schreiben) und probiere dann aus, ob ich wieder drucken kann (ja) und ob das PDF mit dem einen Schnittmuster weiterhin nur weiße Seiten enthält (ja). Zwischendurch trudelt eine Mail ein, von drei italienischen PhD-Studenten aus unserer Gruppe, die ein PhD-Forum organisieren möchten. Das ist ja sehr gut und löblich, ich bekömmlich mich auch nur kurz über die Verwechslung von „purpose“ (Absicht, Zweck) mit „porpoise“ (Tümmler, also diese Delphin-ähnlichen Meeressäuger) und versuche dann pflichtbewusst mich in die Doodle-Liste zur Terminfindung einzutragen. Leider lässt Doodle meinen Browser immer wieder abstürzen und so gebe ich es irgendwann auf und schreibe den Initiatoren, dass sie mich einfach auf der Mailingliste lassen sollen, auch wenn ich nicht im Doodle stehe.

Als meine Kollegin kommt und mich zum Mittagessen abholt, fahre ich direkt meinen Computer runter und nehme meine Sachen mit. Vortrag mache ich heute eh nicht mehr.

Mittagessen mit Kolleg*Innen. Es gibt Bohneneintopf mit Hack und Tomate, manche nennen es Chili, aber Chili ist ja normalerweise scharf. Ich esse eh die Wurzelgemüsesuppe, nachdem ich ein paar mal darauf hingewiesen habe, dass sie mir bitte keinen Bacon auf die (ansonsten vegetarische) Suppe tun, haben sie das inzwischen kapiert und meine Kollegen schauen nur mittelmäßig mitleidig, weil die Kantinenmenschen bei mir ja offenbar den Bacon vergessen haben. Nach dem Essen holen wir noch einen Kaffee, den dann meine zwei deutschen Kolleginnen und ich gemeinsam trinken und derweil über Quotenfrauen (die zwei sind etwas älter als ich und aus der ehemaligen DDR, das ist echt interessant, wie unterschiedlich wir sozialisiert wurden) und den Wissenschaftsbetrieb reden. Als der Kaffee grade leer ist, sehe ich in der App, dass in drei Minuten ein Bus geht und mache mich auf – und erreiche den Bus wieder nur durch rennen. Vielleicht geht die App nach.

Zu Hause ist alles blitzsauber. Ich hole meine Nähmaschine vom Schrank und nähe den Pullover für meinen Bruder fertig. Dabei höre ich die letzte Folge vom Lila Podcast, in der die ehemalige Prostituierte Ilan Stephani über ihr Buch und ihre Erfahrungen in und mit der Prostitution spricht. Ich schwanke zwischen „Jajajaja!“ und „Oh Mann, was für ein Eso-Geseier.“ wie noch nie bei diesem Podcast. Nach dem Hören denke ich: Vermutlich ein richtig gutes Buch mit vielen schlauen Standpunkten und Denkanstößen, wenn man das Eso-Geseier überliest. Perfekt pünktlich bin ich mit dem Pullover fertig, stecke ihn in die Waschmaschine um die Stoffstiftmarkierungen zu entfernen und gehe los zum Kindergarten. Ich nehme den Kinderwagen (und den Plastikmüll) mit, stopfe den Müll auf dem Weg in den entsprechenden Container und bin um kurz nach vier an der KiTa.

Da erwarten mich zwei schlecht gelaunte Kinder. Michel hat keine Lust zu Laufen. Pippi hat Hunger. Ich muss beide in ihre Draußensachen quatschen, während beide weinen und sich wehren. Mein Energielevel fühlt sich an, als hätte jemand einen Strohhalm reingesteckt und würde kräftig dran saugen. Pippi ist immerhin zu besänftigen, indem sie die Reste aus ihrer Brotdose isst, Michel… nicht so. Mit ihm an der Hand und ihn mit Motivationssprüchen antreibend schiebe ich Pippi nach Hause. Müde. Ich bin so müde. Pippi auch, fünf Meter vor der Haustür schläft sie ein. Ich packe alle losen Handschuhe und Brotdosen in die Kinderrucksäcke, hänge mir die über den Arm und schleppe dann Pippi die Treppe hoch. Die schläft wie ein Stein. Ich schaffe es irgendwie, mir die Schuhe aufzufummeln und lege Pippi aufs Sofa. Ziehe ihr die Schuhe aus und mache den Anzug auf: gut, dass die noch in diese Babygröße passt, wo man den Anzug an beiden Seiten bis fast zum Fußgelenk aufmachen kann. Ich ziehe mich aus und verteile den Kinderkram: die nassen Handschuhe und Michels nasse Schuhe und seinen Anzug zum Trocknen ins Bad, die Brotdosen in die Küche, die Wasserflaschen ausleeren, gleich ein paar neue Ersatzsocken für Michel in seinen Rucksack, die nassen Socken in die Wäsche, die Tüte in der die nassen Socken waren in den Müll. Michel macht sich derweil selbst ein Brot. Er möchte noch Pizza, die mache ich ihm warm und dann stelle ich nochmal die Kaffeemaschine an. Bevor ich mir Kaffee machen kann, ist Michel jedoch mit der Pizza fertig und möchte Dinozug sehen. Gut, ich mache Dinozug an und dann mir einen Kaffee. Derweil unterhalte ich Little B. ein wenig mit Disney-gifs. Ich trinke meinen Kaffee und lasse zugunsten dieser Akku-Auffüllung Michel noch eine Folge Dinozug sehen. Nebenher starte ich ein längst überfälliges Backup an meinem Computer. Herr Rabe kommt nach Hause, er weckt Pippi, wir essen auch noch etwas Pizza, ich rufe meinen Schwiegervater an und bitte ihn darum, das bei Burda bestellte Schnittmuster, das die Tage bei ihm eintrudeln sollte, direkt an mich weiterzuschicken. Ich drucke zwei Schnittmuster aus. Dann mache ich Pippi bettfertig, die trotz Schläfchen noch müde und ungehalten ist und dann beginnt eine kleine Odyssee, das müde-doch-nicht-müde Kind ins Bett zu kriegen. Herr Rabe muss irgendwann los zum Sport und jetzt liegt also Michel bei Pippi im Kinderbett und beide schlafen, das ist ja das Wichtigste.

Als ich meine müden Knochen wieder aufraffen kann, falte ich mich aus dem Kinderschlafzimmer, trinke ein riesiges Glas Wasser, nehme meine Schilddrüsenblockerabenddosis, hänge die Wäsche auf, kopiere ein paar größere Daten vom Computer auf die externe Festplatte und starte dann ein Update. Als Tagesabschluss setze ich mich mit drei Lakritzschnecken, zwei Wärmekissen und der im Rucksack vergessenen Frühstückswaffel (immer kalt, niemals hungrig – Drecksschilddrüse) aufs Sofa und verblogge den Tag.

Morgen gehts hoffentlich zur Post.

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Auto-Lobhudelei: recht viel weggeschafft, dabei die Nerven behalten, trotz echt meckeriger Kinder und nicht eingeschlafen.

Tag 901 – Achachachach.

Ich vermute, mein Schilddrüsenblocker ist momentan zu hoch dosiert, jedenfalls möchte ich immerzu schlafen, komme morgens nicht aus dem Bett (egal, wie lange ich da drin lag, nach 5 Stunden fast noch besser als nach 8) und sobald es ein bisschen gemütlicher ist, schlafe ich ein.

Pippi nicht so. Pippi schläft nicht, sie ist auch immernoch krank und hat deshalb Mittagsschlaf gemacht. Und jetzt ist sie wach. Und nur ich bin ok, will heißen: sie brüllt nicht. Schläft aber auch nicht. Erwachsenenzeit? Serie schauen? Mal allein sein? Mööööp.

(Es wird besser, ich weiß das, bestimmt schon morgen, aber jetzt grad, da möchte ich einfach nur auf eine einsame Insel gebeamt werden und dem Meeresrauschen zuhören und allein sein. Und jetzt grad, da ist mir nach Auskotzen darüber.)

Tag 895 – T(r)oll.

Ich denke seit Wochen an Twitter und meinem Verhalten da nach. Ob es wirklich so schlimm wäre, wenn ich wirklich ganz ohne Blatt vorm Mund schreiben würde, was ich meine. Das ehemals gemobbte Mädchen in mir weint schon beim Gedanken daran, denn hui, oft denke ich echt böses Zeug. Sowas wie „Das ist eine echt beknackte

Absatz gelöscht.

Sehen Sie, es ist mir eben nicht egal, was andere von mir denken. Und grade bin ich besonders empfindlich und möchte viel um mich schlagen und entgegen meines eigenen Grundsatzes „Jede*r wie er/sie mag“ all dieses aufgestaute Aggressionspotenzial rauslassen und einfach mal meine Meinung sagen. Die hab ich nämlich oft.

Stattdessen werde ich versuchen, Twitter zu reduzieren und (!) mehr Sport zu machen. Vielleicht sollte ich boxen oder so. Gibt es einen Sport, in dem man wahllos Leute anschreit „Deine Frisur ist hässlich und deine Kinder rotzfreche Blagen!“? Das wär was für mich.

Hilfe, in mir wohnt ein unterdrückter Internet-Troll.

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Auto-Lobhudelei: Zwei Bewerbungen, ein Telefonat, ein genähter Rock, Abendessen für alle und niemanden im Internet getrollt.