Tag 1054 – Die gute Nachricht zuerst…

… Pippi hat heute morgen gesagt, sie will „Auch ein Ssslüppa anziehn. Wie Michel. Und Pappa.“. Vor ein paar Wochen haben wir ihr ja schon Unterhosen gekauft, weil ich die Hoffnung hegte, das vielleicht bald mal verstärkt in Angriff nehmen zu können. Also zauberte ich einfach einen Schlüpfer aus der Schublade und machte ein kleines Mädchen sehr stolz. Weil sie wieder Fieber hat, konnte ich den ganzen Tag Argusaugen auf sie haben, aber sie machte das wirklich toll, sagte Bescheid, ging aufs Klo, Highfive, Fistbump, Splschh!. Als wir rausgingen, wollte ich sie zu einer Windel überreden, aber sie wollte nicht. Ich packte also einen halben Schrank an Wechselklamotten ein und wir gingen raus – aber sie sagte sogar auf dem Spielplatz Bescheid und pullerte mit Hilfe ins Gebüsch. Es klappte wirklich den ganzen Tag – bis sie mit Michel fernsehen durfte, das war dann zu fesselnd. Aber danach ging es auch wieder gut. Ich bin ganz baff, von Michel war ich anderes gewohnt. Mal sehen, wie es mit den Ssslüppan hier so weitergeht, es lässt sich jedenfalls vielversprechend an.

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Auch gute Nachricht: Ich habe mit zwei Banken gesprochen, die uns beide einen Finanzierungsbeweis ausstellen werden. Damit können wir dann auf Haus/Wohnung/Borettslag*/whatever bieten. Yeah!

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Schlechte Nachricht: noch nix vom Chipsmann gehört. +++ UPDATE! Inzwischen schon, ich habe jetzt schriftlich, was ich Freitag schon mündlich bekam. Nämlich die Zusage, dass ich den Job zu meinen Konditionen (gnihihi) hab, wenn sich der Finanzmann nicht querstellt. Immerhin. +++ Außerdem: Haussuche nervt zunehmend. Diese Weitwinkelobjektivaufnahmen! 25 Meter lange Treppen, 3 Meter tiefe Arbeitsplatten, 2 Fenster die aussehen, als wäre eins nur halb so groß wie das andere. Wenn das Objekt nicht so der Knüller ist, gibts gerne noch drülfzig Bilder von Blumenvasen und anderen Dekogegenständen oder auch der Umgebung. Ja boah, toll, ihr habt nen Spielplatz aus dem Baujahr der Siedlung, grandios, hätte nicht schon meine Mutter darauf spielen können. Uhhh, Wahnsinn, Garagen. Oh, ein Kochbuch und ein Eierkarton. Man kann also ein Kochbuch auf den Tisch legen, DAS IST JA DER HAMMER DAS MUSS ICH HABEN! Immer ist der Kamin an, immer sind alle Türen auf, immer sind da diese beknackten Retro-Leitern im Bad, über die lässig ein (!) helltürkises Handtuch hängt und es stehen auch immer brennende Kerzen überall. Der Aussagegehalt dieser Bilder ist null. Dann kommen noch die Planskizzen dazu, ohne Maße und so grob, dass man auch einfach schreiben könnte „Haus hat Räume, davon sind mache viereckig“. Der letzte Schrei sind 3-D-Planskizzen, die hasse ich besonders, weil da gerne in nem 7,5 qm großen Besenschrank Schlafzimmer ein Doppelbett eingezeichnet ist, das in der Realität bei entsprechender Skalierung etwa der Größe eines durchschnittlichen Couchtischs entsprechen dürfte. Und diese blumigen Umschreibungen – „naturnah“ (= am Arsch der Welt) – „charmant“ (= alt) – „Platz für smarte Regallösungen“ (= Zimmer ist so klein, da passt auch ein Kinderbett nur hochkant rein) – „pflegeleicht“ (= weißes Plastik) – „klassisch“ (= bieder) und so weiter und so fort. Ein Trauerspiel. Und der eine Bankmensch meinte heute, im Juli wäre es immer dünn gesägt mit Objekten, Mitte August wird es dann wieder mehr. Tja, äh, hmm, WIR HABEN DOCH KEINE ZEIT! Aber ich glaub es ist nur PMS und schlecht geschlafen geschuldet, das mich das grad alles so annervt, dass ich am liebsten Finn.no einfach kleinhacken möchte, wenn ich noch einmal so ein Bild sehen muss, für das jemand mit reichlich Vordergrundunschärfe durch einen locker gebundenen Blumenstrauß in einer türkisfarbenen 45-Kronen-IKEA-Vase eine „pflegeleichte“ Küche fotografiert hat. Hoffentlich hat das bald ein gutes Ende. Ach ja und lieber Körper: ne Nacht mit mehr als fünf Stunden Schlaf wäre auch mal wieder ganz nett.

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Auto-Lobhudelei: Recht entspannt hingenommen, dass ich mit Pippi auf dem Schoß mit zwei Banken sprechen musste. Gespräche auch gut hinbekommen.

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*Borettslag ist… äh… kompliziert. Man kauft sich sozusagen ein Wohnrecht auf Lebenszeit, das man auch vererbt und so, aber man kann eben nicht mit seiner Wohnung machen was man will, sondern muss bei wichtigen Dingen (und auch vielem Kleinscheiß, das ist halt wie so ein Verein, da wird auch geregelt, wie hoch die Hecke am Reihenhaus sein darf und wann man die schneiden darf** und so) erst die Eigentümergemeinschaft befragen. Für äußerliche Veränderungen ist auch die Gemeinschaft zuständig und wenn die Eigentümerversammlung beschließt, dass jetzt alle Balkons kriegen, dann hängt man da mit drin, ob man das will oder sich leisten kann oder nicht. Dafür gibt es die Wohnungen oft sehr viel günstiger, als „Selveier“, also nur einer selbst gehörende Häuser.

**Da fällt mir ein, das in unserem Mietvertrag in unserer Wohnung in Bielefeld damals drinstand, wir dürften Nadeldrucker zwischen 22:00 Uhr und 08:00 Uhr nicht benutzen, und auch sonst sollten wir sie auf einem Filzuntersatz platzieren. Damals = 2009.

Tag 1037 – Zu müde zum Erzählen.

Morgen ausführlich und mit Bildern, heute nur ganz kurz bevor mir die Augen zufallen: ich hab zum ersten Mal was richtig from scratch genäht, nur nach nem Bild und meinen Maßen. Und es hat geklappt. Hurra!

Pippi war heute das erste Mal ohne uns irgendwo anders. Nämlich beim 3.Geburtstag ihres Freundes M., dem Sohn der Leiterin des Kindergartens. Wären die fremder gewesen, hätte es vermutlich lange nicht so reibungslos geklappt. So bekam ich sie nur unter Protest überhaupt da weg. Und trug dann ein „Trampolin!“-murmelndes, schlafendes Bündel die Treppe hoch. Für Pippi war es aber wohl doch sehr sehr aufregend, sie schläft unruhig und redet, weint und motzt im Schlaf. Hachja. Auch dieses Baby wird langsam groß.

Tag 1024 – Ich habe einen Bauzaun getragen.

Die Mutter von Michels bestem Freund, die ja auch meine Freundin ist, die ist dieses Jahr die Produzentin des Juba Juba-Kinderfestivals. Als solche ist sie natürlich für alles mögliche verantwortlich und weil das noch nicht reicht, hat sie die letzten Wochen noch ihre komplette Bekanntschaft* zur freiwilligen Mitarbeit zwangsverpflichtet. Aber weil wir ja grad auch einfach nicht sooo viel Geld haben, ich dafür viel Zeit und mir zu Hause auch gelinde gesagt die Decke auf den Kopf fällt, habe ich mich tatsächlich gerne da gemeldet. Man bekommt, egal wie viel man arbeitet, ein schmuckes** T-Shirt und den Festivalpass fürs ganze Wochenende, plus pro Schicht, die man arbeitet, 2 Tageskarten. Da Pippi ja noch nicht drei ist, zahlt die noch keinen Eintritt, weshalb ich mich für 2 Schichten gemeldet habe. Damit können wir alle vier beide Tage aufs Festival gehen und sparen ~1500 Kronen. Yeah!

Man konnte die Arbeit, die man machen will, priorisieren. Drei Bereiche (von ca. 20) müsste man angeben und da war von Aufbau/Abbau bis Kinderschminken wirklich alles dabei. Weil ich ja je nach Tagesform zur Zeit eher so mittelmäßig sozialkompatibel bin, habe ich mich mit 1. Priorität für „Arena“, also Aufbau/Abbau eingetragen. Die zwei anderen waren Bändchen-Bude und „Sonnenschein-Truppe“, das sind die, die die anderen Freiwilligen mit Essen/Trinken/GUDE LAUUUNE! bei Laune halten (immerhin nix mit Kindern). Ich bekam Arena und sogar meine Wunschtage Donnerstag und Freitag, dann fiel mir aber ein, dass Donnerstag ja das Einschulungsdings-Dings sein würde und außerdem war ich auch mit den Tagen für das Karriere-Dings durcheinander gekommen, deshalb habe ich zähneknirschend den Donnerstag gegen Sonntag (17:00 bis 23:30! Buhuhuuu!) getauscht. Immerhin ist der Sonntag dann kürzer, sonst ist nämlich jede Schicht 8 Stunden lang.

Arena also. Ich kann ja nicht raus aus meiner Haut, also kaufte ich gestern die ungelogen einzigen Montage-Handschuhe, die mir passten:

(Größe 8, da gab es schon mehr in der Größe, aber die saßen alle nur so mittel oder waren total steig oder sonst komisch.)

Dann holte ich mein Aufbauband und das T-Shirt und ein Umhängeschild mit meinem Namen und fett „Arena“ drauf ab:

Und machte mich heute dann fett mit Sonnencreme eingeschmiert, in einer ollen Jeans, die mir mal vor Jahren passte und jetzt leider viel zu groß ist, meinem Sport-BH und dem Juba-Juba-Shirt überpünktlich auf den Weg. Um dann festzustellen, dass ich das Umhängeschild vergessen hatte. Ich flitzte also wieder zurück und dann in einem Affenzahn den Berg hoch. Für die Ortskundigen: Buran – Festningen in 9 Minuten. Zu Fuß. So war ich im Endeffekt dann nur drei Minuten zu spät da, was leider aber trotzdem bedeutete, dass ich es nicht mehr geschafft habe, ein „Vorher“-Selfie zu machen und (schlimmer) dass die Einteilerei schon passiert war und niemand mehr am Treffpunkt zu finden war. Wen ich aber fand war meine Freundin, die dann die Freiwilligen-Verantwortliche anfunkte, die mich dann traf und einem Typen namens „Blitz“*** zuteilte. (Außerdem war sie sehr amüsiert über meine Handschuhe, also darüber, dass ich mir selbst welche mitgebracht hatte, wie so ein Vorbereitungskontrolletti halt, aber das ist eine andere Geschichte.) Zum Bühnenaufbau. Okay. Bühnenaufbau it is! Erstmal musste ich aber meine mit Bedacht gewählten Schuhe gegen Sicherheitsschuhe tauschen.

Ich habe dezente Probleme mit geliehenen Schuhen.

Blitz vermittelte mich dann an einen anderen Typen, mit dem ich das Misch-Zelt vor der Hauptbühne aufbaute. Das ging noch alles, auch die Gewichte auf die Füße des Zeltes legen und dann mit Heringen festmachen, ich war ja für körperliche Arbeit gekommen, nicht wahr? Dann wurde ich mit Kabel legen betraut. Von der Bühne zum Misch-Zelt. Vor den Kabeln kamen allerdings die Kabelkanäle. Diese verstärkten Hartgummi-Dinger, die auf Dorffesten und Festivals weltweit dafür sorgen, dass Kabel nicht einfach so herumliegen und eventuell ein LKW drüber fährt. Diese Teile sind überraschend schwer. Nach dreien bekam ich Hilfe, eine Kollegin meiner Freundin, die eigentlich das Toddler-Zelt einrichten sollte, aber noch auf Zeug wartete, das sie dazu brauchte. Nennen wir sie Ida. Ida und ich legten also die Kabelkanäle und dann das Licht- und die Soundkabel da rein, dann halfen wir beim Aufstellen der Subwoofer und schlossen diese an, schleppten noch Zeug auf die Bühne und dann war es plötzlich auch schon Zeit für Lunch.

Mein Dafuq-Gesicht. In durchgeschwitzt.

Nach der Pause, in der ich einen Liter Wasser exte und drei Scheiben Brot aß, ging es auf der Bühne weiter. Ich schraubte irgendwelche Platten fest, schleppte die unfassbar schwere Bühnenleiter herum, half beim Boxen aufhängen und zog gefühlte drei Kilometer Ketten durch einen Flaschenzug, um die Boxen hochzuziehen. Schleppte nochmal ein paar Bühnenteile von A nach B und dann wurde ich entlassen. Stand kurz herum und wurde einem Typ namens „OK“*** zugeteilt. Der mich nach draußen schickte, einem Mädel beim Befestigen der Molton-Planen am Bauzaun helfen. Das war dann die Scheißarbeit des Tages, es hätte voll gut gehen können, wäre dieses Mädel besser organisiert gewesen und hätten wir vor allem ein scharfes Cuttermesser gehabt. Denn dann wäre das voll gut gegangen: eine schneidet mit dem scharfen Messer Löcher in die Planen (möglichst direkt so an fünf, sechs Stellen), eine friemelt die Kabelbinder durch und zieht sie fest, die erste klipst die Kabelbinderenden ab, nächster Abschnitt. So war es dann nicht, sondern eher so: sie prökelt mit dem Messer Löcher in die Plane, hält das Messer in der Hand und friemelt den Kabelbinder durch und schneidet dann mit dem eh schon stumpfen Messer den Kabelbinder ab. Während ich dumm rumstehe, mit der Kneifzange in der Hand. Oder abgeschnittene Kabelbinderenden aufsammele, die da von gestern noch liegen und die mich wegen „Vermüllung der Meere“ wirklich wütend machen. Nun ja. Wegen ihrer Verweigerung gegen meinen Vorschlag, doch einfach ein besseres Messer zu holen, dauerte das alles ziemlich lange. Tjanun. Ich hatte danach grad noch Zeit, meine Freikarten abzuholen, bevor die Bude für heute schloss. Fand OK, berichtete ihm von unserer Accomplisheden Mission und fragte, was es noch so zu tun gäbe. Ach, in 25 Minuten gibt es ja eh Abendessen, meinte er, ich solle einfach relaxen. Ja, nee. Also echt mal: 25 Minuten Däumchen drehen und auf Pause warten? Crazy German cannot do that. Ich wanderte also ein bisschen herum und fand ein paar ordentlich schwitzende Damen, die Bierzeltgarnituren aufstellten. Auf Nachfragen stellte sich heraus: das war die „Dekor“-Truppe, die ein bisschen überrascht und überfordert davon war, dass man Tische, auf die man hübsche Blümchen stellen will, erst aufstellen muss. Und dass so Biertische halt auch schwer sind. Ich packte also da mit an und erntete sehr viel Dankbarkeit. Um Punkt vier mussten die aber zu Abend essen, also tat ich das einfach auch.

Schwitzig, aber mit Nudeln im Bauch.

Nach dem Essen war ich wieder ohne feste Truppe. Und wurde von einem Mädel abgeschleppt, das für die Turnhalle zuständig war. Sie hatte auch Ida und zwei junge Mädels aus der Dekor-Truppe zugeteilt bekommen. Als erstes fragte ich, ob ich dafür Sicherheitsschuhe bräuchte, weil meine Zehen langsam von schmerzend zu taub übergingen. Brauchte ich nicht, Hurra. In der Turnhalle sollten zwei Bühnen sein. Und beim Reinkommen ging mir auf, weshalb die Turnhallen-Verantwortliche so ein ganz kleines bisschen gestresst gewirkt hatte: da war noch gar nichts passiert. Sah halt aus wie ne Turnhalle mit reichlich Zeug in diesen großen Rollboxen drin. Schon bei „wir müssen diesen Mattenhaufen da drüben hinbringen“ wurde klar, dass die zwei jungen Dekomädels nicht so ganz in Idas und meiner Muskelliga spielten, denn die Matten (diese normalen blauen Turnmatten) konnten sie nur zu zweit tragen. Und als der Haufen überkniehoch wurde, kriegten sie die Matten selbst zu zweit kaum noch obendrauf gewuchtet. Ok, das konnte ja was werden. Die nächste Aufgabe war: die Wände verhängen. Auf einer Seite des Raums sollten Stoffbahnen mit einem Tacker an die Wand gebracht werden (in ca. 2,50 m Höhe), auf der anderen in der selben Höhe mit so riesigen Wäscheklammern an der Sprissenwand befestigt werden. Ich und Ida waren ein Team und hatten ratzfatz 5 Stoffbahnen an die Wand getackert. Ausrollen, Hoch auf die Leiter, Tack, tack, tack, Leiter verschieben, tack, tack, tack. Die ohne Tacker hielt die Plane hoch, damit die oben nicht zu viel Gewicht hochziehen muss. In der Zeit, in der wir die 5 Bahnen angebracht haben, schafften die Deko-Mädels Eine. Eine mickrige Plane. Kannste dir nicht ausdenken. Die waren nicht stark genug, diese überdimensionierten Wäscheklammern aufzudrücken. Und stellten sich auch ansonsten einfach unglaublich dämlich an. Naja. Wir waren ja auch mal 16, deshalb Übernahmen wir das weitere Aufhängen recht unemotional. Und auch den Fußboden für die eine Bühne verlegten wir schnell und ordentlich. Das Aufhängen dieser Stoffbahnen war übrigens ziemlich ätzend und ich hinterher komplett voll mit schwarzen Fusseln, also ein bisschen was hätten die Mädels ruhig auch machen können. Stattdessen schlugen sie Rad (war ja ne Turnhalle) und quietschten der Hyperventilation nahe auf, als ich mit einem geliehenen Klappmesser im Molton herumsäbelte, um die Lüftung freizulegen. „Oh Gott, leg das Messer weg!“ Hmmja.

Um halb sieben gab es nichts mehr zu Verhängen und auch sonst in der Turnhalle nichts zu tun****, also spazierte ich zum Freiwilligenzelt, trank einen halben Liter Fanta und ging dann wieder auf Wanderschaft, Arbeit suchen. OK hatte welche für mich: sechs Stücke Bauzaun waren irgendwie falsch gelandet und sollten jetzt zurück auf den Ständer.

Meine Fresse, sind Bauzäune schwer! Und unhandlich erst (ok, das war irgendwie offensichtlich). Und sind diese Ständer schwer zu verstehen. Für die 6 Teile und einen Weg von ca. 20 Metern brauchte ich gute 20 Minuten. Holte mir von OK ein „gut gemacht!“***** ab und schleppte mich danach mehr nach Hause, als dass ich ging.

Zu Hause. Komplett in Eimer. Aber irgendwie glücklich.

Jetzt sind meine Beine und Füße dick wie Baumstämme und ich freue mich schon voll auf Abbau. Öhömm. Nicht. Trotzdem war es schön, da mitzumachen, gebraucht zu werden und Ergebnisse zu sehen. Hachja.

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*und die ist groß

**naja

***warum haben so Bühnenleute gerne mal beknackte Spitznamen?

****gefragt habe ich schon, und bekam ein „Eigentlich nicht, vielen Dank, toller Einsatz!“***** zurück

*****quasi der norwegische Ritterschlag

Tag 984 – Wettbewerbe und ich.

Jemand(TM) hat mich zu einer Fitbit-Challenge herausgefordert. Wer am Wochenende die meisten Schritte macht. Ich habe mir Zeit gelassen, die Challenge anzunehmen. Warum? Weil ich mich in dem Punkt kenne. Ich verbeiße mich in dem Moment, in dem ich das annehme. Verlieren ist keine Option. Ich bin die schlechteste Verliererin der ganzen Welt und mein Ehrgeiz ist unfassbar ausgeprägt, das halte ich eben dadurch ganz gut in Schach, dass ich Wettbewerbe wann immer möglich meide. So bin ich, seit ich mit dem Turniertanz (auch noch in ner Formation, wo man ja keinen Einfluss auf die Leistung der anderen Mitglieder hat! Da musste mein Zen aufs Maximum gechannelt werden und als das irgendwann nicht mehr klappte (und mir dazu noch die Mädels für die Hebefiguren zu schwer wurden… das Alter, die Zipperlein, Hurz!) habe ich aufgehört. Härteste und beste Entscheidung in dem Moment.) ganz gut gefahren, aber das ist ja nun auch 11 Jahre her, da dachte ich, ich hätte mich vielleicht inzwischen besser unter Kontrolle.

MÖÖÖÖP!

Ich werd nie wieder irgendwo hingehen. Also es war schon schön und so, ich weiß jetzt auch, dass auf dem Ladestien jetzt kein Eis mehr liegt, frische Luft, Bewegung, Dings, Pippi kann jetzt Laufrad fahren und ich bin soweit eingenorwegert, dass ich Merinowollskiunterwäsche besitze und als einziges Oberbekleidungsstück in der Öffentlichkeit trage, aber alter, ich bin platt jetzt.

This escalated quickly und morgen nehme ich den escalator und nicht die stairs. Von den 100 Treppen waren zwar 95 eigentlich keine, sondern eben Ladestien, aber das ändert am dumpfen Oberschenkelgefühl ja mal gar nix.

(Sieht so aus, als würde ich gewinnen. Aber das Wochenende geht ja noch zwei Stunden. Bleiben Sie dran, es bleibt spannend.)

Tag 982 – Spaghettisalat.

Ein bisschen durcheinander bin ich heute. Deshalb wird das hier wieder nur kurz, entschuldigen Sie das bitte.

Pippi ging heute wieder in den Kindergarten. Gestern war sie fieberfrei, aber noch schlapp, heute topfit. Oh wie schön das hier ohne Kinder ist. Ok, kalt auch, etwas langweilig und die Schnecken sind jetzt auch nicht sooo die spannende Unterhaltung, aber immerhin konnte ich über eine ein bisschen lachen, die sich ein Ruccola-Blatt so blöd auf den Kopf gelegt hatte, dass sie das eine Auge nicht mehr ausfahren konnte. Ich hab also erst ein bisschen gelacht und ihr dann das Blatt entfernt. (Spannend, nicht wahr?)

Lernen: ich bin jetzt mit der EU durch. Der Teil des Tests, der sich mit „Molecular Modelling, Personalized Medicine, and Pharmacogenomics“ beschäftigt, sollte auch gehen. Drug Development auch, auch Non-clinical und Clinical Development, denke ich jedenfalls. Bleibt also noch Regulatory Affairs* und dann noch ein Spezialgebiet aus Regulatory Affairs, wobei ich mich da noch nicht entschieden hab, wie ich das angehe. Ich könnte mir ein Thema, zum Beispiel Biostatistics, rauspicken und selektiv lernen und hoffen, dass nicht ganz schlimme Fragen dazu kommen. Oder ich lerne von allem ein bisschen was und von manchem (zum Beispiel Biostatistics und GxP/Quality) etwas mehr und hoffe, dass einer der Bereiche beantwortbare Fragen liefert. Hmmhmmhmm. Schwierig. Immer diese Entscheidungen.

Schrecklichen Muskelkater vom gestrigen Workout bekommen, dabei fand ich das gar nicht so hart. Aber froh gewesen, dass heute nur Yoga dran war.

Heute morgen, als Michel durch Rumgehampel mein Kaffeeglas im Bad auf die Fliesen runterschmiss, total souverän reagiert, geschaut ob das Glas kaputt ist (nein), das Kind sich was getan hat (nein), dann tief durchgeatmet und dann erst das Kind angebrüllt. Fast sechs und fällt im Stehen vom Hocker, weil er eben nicht da einfach steht, sondern hampelt. Orr. Der schöne Kaffee.

Tierisch müde. Weiß auch nicht, wieso. Fitbit und auch Schlafapp sagen, ich schlafe gut. Vielleicht bin ich einfach ne Memme. Vielleicht wirkt auch das letzte halbe Jahr noch nach.

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Auto-Lobhudelei: Gelernt, lustlos, aber eben. (Wussten Sie, dass Kosovo und Montenegro den Euro benutzen, aber nicht in der EU sind? Ich auch nicht.)

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*Auch wahnsinnig präzise, ne? Das ist so wie wenn da stünde „Deutsch-LK Abiklausur-Themen: Texte“. Orr.

Tag 980 – Council of Kopfschmerzen.

Heute blieb, nach meinem Wutgeheul von gestern, Herr Rabe zu Hause und betreute Pippi, damit ich lernen konnte. Bis auf zwei Stunden, da ging er zu Meetings, aber da schlief Pippi auch eh. Ich lernte. Und lernte. Und lernte. Mein Stift war leer, aber ich habe Nachschub. Ich kann jetzt ungefähr erklären, was die 7 Institutionen der EU machen, wie sie gebildet werden und für den legislativen Teil: wie EU-Gesetze gemacht (entworfen und verabschiedet) werden. Mit sowas hab ich mich ungelogen seit der Schule nicht beschäftigt und, hmm, wie soll ich sagen… das hatte Gründe. Ich finde das alles unheimlich kompliziert, First Reading, Second Reading, trialogue Blabla, conciliation Dings… meine Herren. Naturwissenschaftlerin durch und durch, ist ja auch gut so, vermutlich gehe ich da grad auch ein paar Kilometer zu weit in die Tiefe, aber dieser Test ist mir schon wirklich wichtig.

Nun ja. Am Ende (etwa bei „How to make the Commission of the EU resign“) schwirrte mein Kopf nicht nur, der schmerzte richtig und das ging dann über den Abend auch nicht weg. Ich brauche wohl mal ein Päuschen und vor allem eine Nacht Schlaf. Aber hey, wenn mich wer fragt, weshalb Malta 6 Sitze im Parlament hat, Deutschland aber, mit einer ca. 200 mal so großen Bevölkerung, „nur“ 96: könnte ich immerhin grob erklären. Oder zumindest schlau klingende Stichworte in den Raum rufen.

Uffz. Jetzt ins Bett.

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Auto-Lobhudelei: Selbstdisziplin geht auch wieder.

Tag 972 – Easy Peasy.

Heute morgen fiel mir mein halbvolles Kaffeeglas runter und zerschellte auf dem Boden. Ich stand also in einer Kaffeepfütze voller Scherben. Hinter mir die neugierigen Kinder. Alle auf Socken, natürlich. Das gab ein paar ordentliche Flüche am frühen Morgen.

Aber, Überraschung: nach einem wütenden Workout sah alles schon viel besser aus. Ich setzte mich also frisch geduscht und mit frischem Kaffee an den Tisch und arbeitete systematisch die ersten zwei Kapitel des einen Buches durch. Marschierte dann im Stechschritt zum Kindergarten, Elterngespräch. Marschierte zurück. Lernte. Fuhr zum Staples und kaufte ratzfatz zwei Ordner, einen Gelroller* und eine Rolle Paketklebeband, auf dass wir Pakete nicht mehr mit Gaffatape zukleben müssen. Fuhr zurück, holte die Kinder ab. Ließ mich von Michel breitschlagen, H. zu kontaktieren, ob er zu uns kommen mag**. Machte zu Hause schnellschnell was ungesundes zu Essen (Pommes mit „Fiskekake“ also so ner Art Fischfrikadellen), das sich die Kinder aber begeistert und in Massen reinschaufelten. H. kam und die Kinder spielten sehr schön und leider ohne Pippi, die mir dementsprechend am Bein hing. Michel und H. wollten unbedingt Mario Kart spielen, ich machte Aufräumen zur Bedingung und so schnell war noch nie aufgeräumt. Dann brach ich mir tierisch einen beim Einrichten der Controller ab, kriegte es aber doch irgendwie hin. Pippi bekam den Controller der Play-Station (war ja aus) und war sehr glücklich damit. Dann spielten die Jungs Mario Kart um die letzten Plätze, während H.s Mutter (inzwischen zum Abholen eingetroffen) und ich kaum an uns halten konnten, denen nicht die Controller aus der Hand zu reißen und zu zeigen, wie das richtig geht.

Dann zwei Kinder ins Bett bugsiert. Michel überzeugt, in seinem Bett eingemummelt zu warten, bis Pippi eingeschlafen ist, dann käme ich zu ihm. Schon bevor Pippi schlief, hörte ich ihn schnarchen. Pippi schlief auch fix ein und ich ging wieder an die Lernsachen. Ich weiß jetzt grob, wie die Agentur, bei der ich mich beworben hab, organisiert ist, welche Organe an welche delegieren, welche Befugnisse die überhaupt haben und wer das echte Sagen hat (die Europäische Kommission). Puh.

Jetztist der Kopf voll und Zeit fürs Bett.

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Auto-Lobhudelei: trotz schlechten Start nen guten Tag und viel Spaß beim Lernen gehabt.

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*Skandal: mein ~ 10 Jahre alter Eppendorf-Pipettenkuli schreibt nur noch so mittelgut und ich muss ziemlich doll aufdrücken, das bescherte mir schon nach 30 Minuten Schmerzen. Mein guter Kuli! Schnüff.

**Irgendwie dachte ich, dienstags hätte der eh Taek-Won-Do und die Anfrage somit ungefährlich. Tjanun, so kann man sich täuschen.