Tag 328 – WMDEDGT Juli ’16

Heute ist wieder der fünfte und das heißt, Frau Brüllen will von uns wissen, was wir den ganzen Tag so machen.

Heute begann damit, dass ich nach einer weiteren ziemlich schrecklichen Nacht eigentlich beim Weckerklingeln beschlossen habe, noch eine Stunde liegen zu bleiben. Fünfzehn Minuten später war Pippi wach und weckte durch ihr Herumgeturne auch direkt Michel mit auf. Gaaaanz toll. Also stand ich doch mit beiden auf, wechselte Pippis Windel, machte mir Kaffee, ging duschen, putze Michels Po ab, schmierte Michel Brote. Alles im Zombiemodus. Und während Herr Rabe weiterschlief.

Wie immer in den letzten Tagen überlegte sich Michel just in dem Moment, als ich zur Tür raus wollte, dass er von mir in den Kindergarten gebracht werden wollte. Ich erklärte, ich müsse zur Arbeit. Er brach in Geheul aus. Ich tröstete nach Kräften, kuschelte noch ein bisschen mit ihm, erklärte und machte und tat, aber es half alles nichts. Am Ende musste ich wirklich dringend los und ließ ein brüllendes Kleinkind und ein hungriges Baby bei Herrn Rabe.

Dann bastelte ich fluchend den Fahrradschlosshalter an ein anderes Rohr an meinem Fahrrad, weil an der alten Anbringestelle irgendeine ungute Schloss-Kabel-Kombination nervtötend gequietscht hatte. Quietschfrei* fuhr ich zur Arbeit. 10 Minuten frische Luft und Bewegung und ich bin ein fast ganz anderer Mensch.

Weil ich bei der Arbeit eh durchs Labor reinkomme, guckte ich kurz auf meine Zellkulturen und entwarf fix einen Arbeitsplan. Medium ins Wasserbad und weiter ins Büro. Kram abladen und Frühstück holen. Dann Frühstück vorm Computer und dabei verzweifelte Suche nach den richtigen Zellen in unseren drei Stickstofftanks. In Power-Point-Sheets ist da eigentlich alles vermerkt, aber ich bin ja immer hypergenau und wenn dann da „HeLa S3 old“ steht, wo ich nach „HeLa“ gesucht habe, macht mich das total nervös. Egal. Letzten Endes taute ich dann „HeLa S3“ ohne alt oder neu, dafür von ’98 auf. Mal sehen, wie die sich so machen. Keine zwanzig Minuten später kam eine e-mail, in zwei der Stickstofftanks seien lose Boxen gefallen, da kriege man die Türme jetzt nicht mehr rein. Die müssen geleert werden, um an die Boxen zu kommen, das passiert jetzt über den Sommer und überhaupt könne man dann mal Ordnung in die Zellen bringen. Jaja.

Nach Zellkulturpflege ging ich Mittagessen kaufen. Kirschtomaten für 10 €/kg, ein Kohlrabi für knapp 2 €/Stück (es gibt grade Kohlrabi! ich raste aus!), eine Birne für fast 4 €/kg. Es ist zum heulen hier.

Mittagspause alleine. Juli in Norwegen ist einsam.

Bewaffnet mit diversen Protokollen wieder ins Labor. Hydrolyse von ein paar Proben, während der Wartezeiten Puffer und Gedöns angesetzt. Pakete entgegengenommen. Dabei Podcast gehört (ein <3 an den kleinerdrei-Podcast). Irgendwann fertig mit Puffern aber trotzdem noch Wartezeiten übrig: Kaffee geholt und in der Sonne draußen getrunken (heute ohne Besuch von jungen Möwen. Die machen mich immer sehr nervös, weil wo junge Möwen sind, sind die Eltern nicht weit. Und wenn die Eltern finden, dass man zu nah an ihren Babies ist, greifen die an.). Noch ein paar Handgriffe, alles ins Papierlose (Neuerung!) Laborjournal eingetragen und Feierabend. Quasi auf dem Weg aus der Tür kam mir mein Schweizer „Kollege“ (nicht wirklich, er macht nur einen Forschungsaufenthalt bei uns) entgegen und berichtete von der Horrortour des Wochenendes: Er, seine Frau und die drei Kinder (alle unter 5) sollten Sonntag Mittag von Zürich über Oslo nach Trondheim fliegen. Dann hatte der Flug von Zürich Verspätung, sodass sie den Anschluss in Oslo nicht bekommen hätten. Sie wurden also umgebucht auf einen Flug nach Stockholm, der dann (spät) abends Anschluss nach Trondheim hätte haben sollen. Der hatte dann aber auch Verspätung, sie kamen zwar nach Stockholm, wurden da aber direkt ins Hotel verfrachtet. Am Flughafen, wohlgemerkt, nicht IN Stockholm. Für ZWEI Nächte, denn Montag seien alle Flüge schon voll. Tja, so gewannen sie einen Tag im Flughafenhotel Arlanda Airport (sie fuhren in die Stadt, aber alle waren ziemlich fertig und gerädert) und kamen heute nach zwei Tagen Tortour endlich in Trondheim an.

Nun ja, ich fuhr nach dieser fürchterlichen Geschichte los, traf Herrn Rabe und Pippi, die auf Shoppingtour waren und begleitete sie ein Stückchen. Fuhr dann fix weiter nach Hause, schmiss meinen Rucksack rein und fuhr wieder los um Michel abzuholen.

Michel abholen dauerte eine geschlagene Stunde, weil sein Kumpel H. wieder da ist und wir mit denen ein Stück Weg „gingen“, also spielten und turnten und Quatsch machten. Und dann musste Michel noch Blumen am Weg pflücken. Und an jedem Hundehaufen anhalten. Gnaaaaahhhh.

Wieder zu Hause gab es eine fixe Wäsche für Michel, ein paar Erdbeeren für Pippi, ein trockenes Brötchen für mich, weil ich sonst wen gebissen hätte, und dann irgendwann endlich Essen für alle. Während des Essens sprach ich mit H.s Mutter ab, dass wir uns später noch im Park treffen würden. Nach dem Essen machte ich Pippi schon mal Bettfertig, Michel zog sich was halbwegs sauberes an, wir packten die letzten zwei kleinen Vanilleeis ein und dann gingen wir mit Fahrrad und Kinderwagen in den Park.

Michel und H. spielten ziemlich wild, aber alleine, Pippi turnte auf einer Bank herum und wir Erwachsenen unterhielten uns. Irgendwann war Michel im Brunnen, weil H. das Duplo-Auto etwas zu weit hereingeworfen hatte. Immerhin hatte er sich vorher die Schuhe ausgezogen und die Hose hochgekrempelt, deshalb war nur die Hose nur untern ein bisschen nass. Herr Rabe zog trotzdem los, ein Handtuch holen. Kaum hatte er sich umgedreht, rutschte Michel im Brunnen aus und landete auf dem Po. Bis zur Brust im Wasser. Er kam dann auch gleich angewackelt, H.s Mutter und ich zogen ihm die klitschnassen und eiskalten Sachen aus und Michel bekam die Jacke von H.s Mutter geliehen, damit ihm nicht zu kalt sei. Also flitzte er mit einem Hoodie Größe L über den Spielplatz, bis Herr Rabe zurückkam. Und dann noch etwas mehr, bis Herr Rabe ihn einfangen konnte.

Irgendwann schafften wir es dann aber doch nach Hause. Ich verfrachtete Pippi direkt ins Bett, während Herr Rabe Michel noch mal warm abduschte und dann auch bettfertig machte. Pippi schlief beim Stillen sehr schnell ein, war dann aber auch schnell wieder wach und wollte ewig Nuckeln. Nach einigem Hin und Her und Diskussion und Gebrüll schlief sie aber dann doch wieder ein und ich sitze jetzt hier und schreibe auf und möchte sehr gerne ein Eis, aber ich befürchte, sobald ich hier fertig bin und zum Kühlschrank gehe, wird Pippi wieder wach.

Also gucke ich noch ein bisschen die Schnecken an, die hier neben mir stehen und Süßkartoffel fressen. Der einen klebt ein Stückchen Eierschale am Häuschen. Papa-Schnecke ist schon ziemlich gewachsen. Die anderen auch, aber bei Papa-Schnecke fällt es mehr auf. Morgen wird das große Terrarium geliefert. Dann können sie eventuell umziehen, mal sehen. Nötig ist es glaube ich noch nicht.

 

*Ein Kabel ist komisch verlegt und quietscht immer noch. Es nervt mich zu Tode. Tipps?

 

Tag 327 – Schlafen wie ein Baby, wer will das schon?

Pippi ist vom Wochenende total geschafft. Gestern waren wir auf einem ersten Geburtstag und da fiel der Mittagsschlaf bis auf 5 Minuten im Auto für sie aus. Als wir dann nach Hause fuhren, schlief sie natürlich wie ein Stein ein und wir mussten sie zum Abendessen wecken, was sie uns ziemlich übel nahm. Die Nacht war dann furchtbar. Dauergestille vom Feinsten. Das heißt, sie stillt ja nicht mehr richtig, und das Dauergenuckel habe ich auch scheinbar erfolgreich unterbunden. Also nuckelt sie kurz, ich docke sie ab, sie rollt sich weg und schläft weiter. Aber letzte Nacht wollte sie halt jede Stunde (oder öfter?) kurz Nuckeln. Vielleicht lag es auch dran, dass sie, scheinbar angepisst, weil ich auch das Kneifen und Kratzen nicht möchte, nach ausgiebigem Stillen dann erst noch herumlabern und zappeln wollte, bevor sie ohne Brust einschlief. Neben mir, einfach so. Vielleicht war das noch zu viel Neues. Jedenfalls war sie heute auch einfach k.o. und machte zwei Stunden Mittagsschlaf auf Herr Rabe. Danach war sie den ganzen Nachmittag wach, ohne das sonst übliche zweite Schläfchen. 

Ich glaube langsam, dass sie sich auf den Kindergartenrythmus vorbereitet. Ein ausgedehnter Mittagsschlaf, ansonsten Spielen, Quatsch machen, Sachen lernen. Abends dann nach dem Essen direkt ins Koma fallen. 

Mir solls recht sein. Solange ich irgendwann auch mal wieder etwas Schlaf am Stück kriege. 

Tag 316 – Zitronenkuchen, ab ins Bett. 

Heute war zu viel mal wieder. Doofe Ergebnisse bei der Arbeit, alles was ich gestern gemacht habe war für’n Eimer. Nach der Arbeit Kind vom Kindergarten abholen, sich anhören, dass er auf dem Kindergartengelände an einen Baum gepinkelt hat. Äh. Dann Grillen bei Freunden, wir irgendwie total unvorbereitet, erstmal ne halbe Stunde Gemüse auf Spieße friemeln. Hurra. Essen und so sehr nett, dann nach Hause, Kinder ins Bett gebracht und schon gefreut und dann: ach Mist, ich muss ja noch Kuchen backen für das Meeting morgen. Ich hab ja sogar extra Bio-Zitronen besorgt (stellen Sie sich das nicht zu einfach vor. Wir waren in 3 verschiedenen Läden, der Herr Rabe und ich). Also um halb zehn noch mal aus dem Bett gestiegen, wehmütig geseufzt und Zitronenkuchen gebacken. 

Beweisstück A.


Jetzt völlig im Eimer und mit Kopfschmerzen ins Bett. 

(Ach ja: mein neues Fahrrad ist toll! Und ich habe gestern Schneckenbabys bestellt, am Montag werden vier kleine Achatina Fulica Kinder in der Vollalbinovariante ihre Reise per Post zu mir antreten.)

Tag 310 – Titel vergessen

Mir ist heute nicht nach Schreiben. Michel hustet, Pippi findet auch irgendwie nicht in den Schlaf, Herr Rabe guckt Fußball und scheint mir aus dem Weg zu gehen, damit ich ihn nicht dazu zwinge, eine Bettentscheidubg zu treffen. 

Soviel dazu, arbeiten war ich auch, mir sind (das war gut) für das RNA-Projekt ein paar hundert Mark in Groschenhäppchen gefallen, dann Vortrag zum Biomarkersymposium besucht und: arschlangweilig. DNA-Repair, voll faszinierend, aber nach dem hundertsten Vortrag und 1000 dazu gelesenen Artikeln ist so oberflächliches Geschwafel reine Zeitverschwendung. Immerhin konnte ich mal wieder meine Wachhalte-Skills nutzen. 

So, und das muss reichen, ich muss ins Bett. Wachhalte-Energie ist für heute aufgebraucht. 

Tag 300 – Ach, ihr Zwei…

Ihr raubt mir den letzten Nerv, vor allem nachts, vor allem, wenn ihr beide mit in unserem Bett liegt. 

Dabei hab ich euch doch so lieb. So doll. Vor allem, wie ihr da so beide in unserem Bett liegt, endlich eingeschlafen, nach zweimaligem Kampf und einmaligem wieder Aufwachen und orientierungslosem Rumlaufen und Weinen. Jetzt schnauft ihr hier rum und mein Herz platzt. Ach…

Tag 285 – Grinsebacke

Pippi ist heute genau 10 Monate alt. Hachja, Kinder, wie die Zeit vergeht. Wir waren auf einem Kindergeburtstag und sie war so unfassbar niedlich, dass glaub ich die Hälfte der anwesenden Damen Milcheinschuss bekam. So ein fröhliches, freundliches Baby, nein wie süß, und spielt so schön! Ja, ich weiß. Ich bin auch unheimlich froh, dass die Fremdelphase von vor ein paar Wochen vorbei ist. Überhaupt ist Pippi tatsächlich im Moment ein Sonnenschein sondergleichen*. Und das trotz zweitem Zahn, der (total untypisch) oben durchbricht, gegenüber dem ersten Zahn. Leider ist sie auch um sieben Uhr morgens ein Sonnenschein. Naja.


Ich wollte eigentlich einen ausführlicheren Eintrag über mein Superduperbaby schreiben, aber mir fällt nichts ein, ich komme auch nicht ins Gefühl rein, ich bin einfach zu kaputt.

Sorry, Pippi. Morgen vielleicht.

*morgen dann nicht mehr, Murphy war da bisher immer zuverlässig. Aber egal, ich lass das jetzt so.

Tag 283 – Käsetag. 

Heute gab es Frühstück. Mehr positives lässt sich über meinen Arbeitstag kaum sagen. Erst ne halbe Stunde Rumgerenne und tausend Meinungen einholen um dann doch zu beschließen, dass wirs genau so machen wie immer (nicht ich, ich bin 1. experimentierfreudig und 2. hab ich das noch nie gemacht, es gibt also bei mir noch kein „wie immer“). Aber egal, immerhin gab es am Ende einen Beschluss. Leider ging es danach noch weiter: Ich habe ein neues Kit und die Anleitung liest sich so „add dies und das, spin for 15 seconds, fertig“. Also, zumindest so ähnlich. Am Ende war es eine elendige Friemelei mit kleinen Säulchen, die in kleinen Röhrchen stecken und die man da dauernd rein- und rausbasteln muss, drölfzig Waschschritte, alles peinlich sauber natürlich, manche Schritte muss man zweimal machen, in die Zentrifuge passen für manche Schritte wegen der doofen Deckel nur 18 Proben, ich hab aber 21, und so weiter und so fort. Und schwuppdiwupp waren 4 Stunden vergangen, mein Magen schrie mich an, den Herrn Rabe musste ich anrufen, dass ich es nicht schaffe, Michel aus dem Kindergarten abzuholen und um meine Zellen musste ich mich ja auch noch kümmern. Das sind so Arbeitstage, die braucht kein Mensch. 

Danach so kaputt, dass ich eigentlich ins Bett hätte gehen wollen, aber da sind ja auch noch die Kinder, der Haushalt, das Abendessen. Wenigstens ein bisschen mit den Kindern getobt und gekuschelt hab ich. Und Duplohäuser mit runden Fenstern (naja, kreuzförmigen, weil aus Duplo irgendwas Rundes machen?Hmmnee.) habe ich gebaut. Und mit Pippi geduscht. Die hatte sich nämlich freudestrahlend bis zum Haaransatz und ins Ohr rein mit Tomatensuppe slash Soße eingeschmiert. 

Also: Alles Käse, außer der Kinder. Die sind höchstens kleine Babybels. 

Jetzt Bett.