Tag 799 – We survived Kindergeburtstag.

Aber auch nur knapp.

Nein, es war eigentlich doch ganz in Ordnung, ABER.

Sieben Kinder zwischen 2 und 5 (Median bei 5 ;) ) sind einfach laut. Und wuselig. Und dann noch kleine Individuen, zwei davon kennt man sehr gut, eins recht gut, zwei mittel und eins fast gar nicht… puh. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht so ganz damit gerechnet, dass Pippi komplett anti-alles sein würde, eifersüchtig hoch zehn und bei jedem „Warte“ oder gar „Nein, das ist Michels!“ einen Wutanfall sondergleichen hinlegen würde. Das ging soweit, dass ich sie irgendwann ins Bad trug, wo sie dann (in meinem Beisein) ihren Frust darüber, dass auch sie nur EIN Überraschungsei haben durfte, herausbrüllte. Ausdauernd und mit Schlagen, Treten und auf den Boden werfen. Wie im Film. Aber wenigstens standen dann nicht noch drei große Kinder neben mir und fragten „Warum weint Pippi so?“.

Aber ansonsten war es alles ganz ok, Michel hatte Spaß, die anderen Kinder auch, selbst die Wohnung* ist stehen geblieben und als Belohnung** hab ich mir tatsächlich ein Glas Wein und das Auspacken meines ColourPop-Pakets gegönnt. Huiuiui, es wird ein bunter Herbst, sage ich Ihnen!

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* und alle Norweger, die hier reinkommen, so: „Boah, so eine große Wohnung!“. Hmm. Ich glaube ja, das täuscht. 75 Quadratmeter sind jetzt nicht gerade üppig, auch in Norwegen nicht. Aber bis auf das Schuhschachtelgroße Kinderzimmer sind halt unsere Räume groß und offen. Norweger hätten vermutlich auf demselben Raum drei Schlafzimmer und entsprechend gedrungen würde auch alles aussehen. Da wirkt unsere Wohnung natürlich riesig gegen.

** nach dem Aufräumen für die Putzfrau, versteht sich.

Tag 783 – Voll ungerecht.

Heute blogge ich sehr spät, weil sich Dinge, die für „wenn die Kinder schlafen“ geplant waren, wegen nicht-schlafender Kinder verzögerten. Dabei lief es nach anfänglichen Schwierigkeiten zwischendurch ganz gut, jedenfalls dachte ich, dass zumindest Michel schliefe. Aber vielleicht war das auch nur Wunschdenken und ganz vielleicht war ich auch einfach selbst eingeschlafen während beide Kinder noch wach waren. Jedenfalls hörte dann Michel Herrn Rabe vom Einkaufen nach Hause kommen und kletterte wieder aus dem Bett. Er findet es nämlich im Moment total ungerecht, dass wir Erwachsenen länger aufbleiben dürfen als er. Überhaupt ist es schlimm, dass er noch nicht groß ist, die Ankündigung durch den Kindergarten, dass er, wenn er in der Schule anfängt, auch wieder erstmal einer der Kleinsten ist, tat uns da keinen Gefallen, jedenfalls macht dieses Klein-Sein ihm sehr zu schaffen und ihn auch sehr wütend. Und frech. Jetzt sind wir aber ja keine nordkoreanische Diktatoren-Dynastie und deshalb tätscheln wir ihm nicht auch noch den Kopf wenn er versucht, uns herumzukommandieren, sondern da gibt es hier klare Ansagen, manchmal auch laute. Aber weil Michel (Überraschung!) ja eigentlich noch klein ist, nimmt er die nicht gerade gelassen entgegen, sondern schreit und heult und wirft Dinge und (das finde ich ganz schlimm, auch wenn ich leider ahne, woher der Impuls kommt) beschimpft sich selbst mit „dummer Michel“ und „alles ist meine Schuld“. Tja. Und so sind wir hier mit einem tobenden „Nicht klein – nicht groß“ Rumpelstilzchen langsam alle an den Grenzen und da dann um halb zehn wegen wieder aus dem Bett klettern nen Aufriss machen… ach, nee. Blöd nur, dass dann auch noch Pippi aus dem Bett kletterte und als dann Herr Rabe anfing, die zwei mit Bügelperlen zu beschäftigen, da ging ich dann (wutschnaubend, immerhin hatte ich gerade anderthalb Stunden versucht, die zwei ins Bett zu bekommen) meiner Abendplanung nach und schnitt alle möglichen Stoffstücke für alle möglichen Kleidungsstücke zu. Ja, auch für die Rübennasen, ich maß sogar nochmal Michels Hüften nach, das Spargelkind ist nämlich mal locker 6 cm schmaler, als Größe 110/116 sonst vorsieht. Dann machte ich eine Menge Teig und morgen werde ich also backen und nähen und darüber meditieren, wie wir diese neue Phase überstehen sollen.

Tag 766 – Läuft bei uns. 

Wie soll ich das jetzt formulieren, ohne dass es schon wieder in Gemecker ausartet? Also Pippi ist offenbar doch noch oder wieder krank, ich war fünf Minuten zu spät im Kindergarten, da hatten sie gerade Fieber gemessen. 39,2. davon waren zu Hause dann nur noch 38,5 übrig, aber schön ist das ja trotzdem nicht. Aber sie ist sehr fröhlich dabei. Ich, äh, weiß das zu schätzen. Es könnte schlimmer sein. Trotzdem gehe ich glaube ich mit ihr morgen nochmal zum Arzt, das ist ja alles nicht mehr feierlich hier. Immerhin konnte ich heute ganze sechs Stunden arbeiten, wenn ich Glück habe, schaffe ich es morgen, wenn Pippi Mittagsschlaf im Kinderwagen macht, alles ganz dringliche im Turbomodus wegzuschaffen, dann muss ich nicht abends, wenn Herr Rabe gegen zehn hier eintrudelt, noch mal ins Labor fahren. Das ist doch eine Prima Aussicht! 

Überhaupt, Arbeit, so schön. Da reißt man sich ewig den Hintern auf, um blöde Dinger zu färben, es klappt alles nicht, und am Ende findet man raus, dass es daran liegt, dass die Kack-Dinger einfach gar nicht da sind. Der Kollege hat – bis auf dass er ne andere Flasche genommen hat – alles angeblich ganz genau so gemacht und es klappte. Tjanun, ich habe kapituliert. Erwartete mindestens ein Haareraufen vom Chef und was kam? „Och, nicht so schlimm, dann wird unser Modell einfacher.“ Wattsefack? Äh, well, gut, dann, äh, sind wir eigentlich quasi fertig. Oder so. Fehlen noch zwei Bilder statt… acht. Gut. Was wirklich gut ist: ich bin inzwischen ziemlich fit am Mikroskop. 

Dann habe ich ja auch noch ein großes Kind, eins, das gesund ist, obwohl es die ersten zwei Jahre seines Lebens eigentlich immer krank war, jetzt ist es robust. Muss man ja auch mal sagen. Dieses Kind ist ja gerade in einer Abnabelungsphase, so kann man es glaube ich gut nennen, es lernt viel, will viel, kann viel, traut sich viel (so wie alleine zur KiTa fahren, Update übrigens zur Versicherungsproblematik: sämtliche Norweger*Innen die ich danach gefragt habe, in der KiTa und bei der Arbeit, mussten ein bisschen lachen und meinten so Sachen wie „du bist so putzig deutsch manchmal“. Der Fahrradführerschein hat dann endgültig zu Lachanfällen geführt) und das alles ist ja auch total toll. Noch schöner wäre es nur, wenn das Kind dabei nicht total durch den Wind wäre und mich nicht abwechselnd abknutschen und anschreien würde. Wir haben hier morgens und abends im Moment immer die etwas absurde Situation, dass ich Michel ausziehe, ihm einen Schlafanzug anziehe, ihm die Zähne putze und die Haare kämme, während Pippi wütend an ihrem Reißverschluss zerrt, bis sie die Jacke aufhat, sich selbst auszieht, versucht, sich anzuziehen und wehe, ich versuche ihr die Zähne zu putzen! Nix da, das macht sie selbst (erstaunlich gut!). Ich wette, sie würde sich selbst wickeln, wenn sie könnte. Sie holt schon eine Windel und breitet sie fein säuberlich aus, dann legt sie sich drauf.  Auch Pippi schreit mich oft an, aber sie sucht keinen Streit, so wie Michel. Pippis Konflikte mit mir sind einfach: sie will was, ich sage Nein, sie schreit. Und haut und kneift, daran arbeiten wir gerade. Michel hingegen fragt absichtlich nach Sachen, von denen er weiß, dass es die (heute, jetzt, whatever) nicht gibt, holt sich sein Nein ab und rastet dann komplett aus. Mit schreien und toben und Sachen werfen und Türen knallen. Ganz die Mama. So schön. Groß werden ist schwierig. Daneben stehen, auch. 

Tag 741 – Piep. 

Ich habe zwar nichts bahnbrechendes zu sagen heute, aber ich muss nach dem Gemecker von gestern doch loswerden, dass es mir viel besser geht, die Heuli-/Aggressionsphase ist weg. Wie immer beim PMS bei mir, es geht halt nur einen Tag. Aber dafür so stark, dass es langsam mehr als nervt. 

Ansonsten… war nicht viel heute, sorry. Naja, ich war arbeiten und weiß jetzt, dass mein Antikörper eigentlich ganz gut funktioniert, uneigentlich aber ein bisschen was von irgendwas detektiert, was ich nicht so genau weiß, was es ist. Wir hatten Besuch von Michels bestem Freund, das war… ganz ok, aber man merkt halt, dass er wegen des Schulanfangs echt durch ist. Weshalb dann auch Michel nach dem Besuch erstmal wegen Nix* einen Heulanfall haben musste. Pippi hat schon wieder Fieber und sonst nix. Ich habe nach dem sensationellen Erfolg der Zimtschneckenwaffeln vom letzten Wochenende heute Pizzaschnecken im Waffeleisen gemacht und das war auch leider geil. 

Das übliche halt. Nur mit Brötchen und Eis**. 

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*Herr Rabe hat bei einem von fünf Klebetattoos vergessen, die Plastikfolie abzuziehen, das Tattoo klebte dann an der Folie  statt am Arm. WELTUNTERGANG!

**Brötchen gibt es Samstags und Sonntags, Eis Freitags und Samstags. 

Tag 737 – Nur schnell Hallo sagen.

Hallo!

(Ich muss ins Bett, Pippi meckert, die möchte glaube ich gerne Gesellschaft haben, nachdem sie heute im Kindergarten von der Schaukel gefallen ist und sich derbe auf die Zunge gebissen hat. Also so, dass es sichtbare Bissspuren auf ihrer Zunge hinterlassen hat und sie leider beim Essen von wirklich allem trotz Riesenhunger nach ein paar Sekunden anfing zu weinen. Dieses Kind kann ja unfassbar vorwurfsvoll (dass wir ihr das antun! Essen! Also bitte!) und enttäuscht (Essen ist doch ihr bester Freund und ihre Lieblingsbeschäftigung!) gucken, es ist fast niedlich, wenn es nicht so offensichtlich wäre, dass sie wirklich große Schmerzen hat. Ich setze auf das gute Heilfleisch von Kindern generell und im Mund insbesondere, das sollte morgen schon viel besser gehen. Aber irgendwie ist gerade bei vielen Kindern der Wurm ein bisschen drin – Michel ist im Moment oft sehr wütend und auch sein bester Kumpel, zu dem er heute nach dem Kindergarten mitgehen sollte, ist nach den ersten zwei Wochen Schule, was hier ja nicht mit Schule anfängt, sondern mit Hort, etwas… durch. Weshalb auch heute das Treffen dann in letzter Minute geplatzt ist. Weshalb Michel dann bei einem anderen Kumpel war. Äh. Alles wirr. Andere Geschichte, aber related: wenn ich es morgens nicht schaffe, mich zu schminken, bevor die Kinder wach sind, liefere ich am Ende zwei glitzernde Kinder im Kindergarten ab. Weil „Ohhhh, Mama, was hast du da? Ist das so Glitzer? Mit GOLD? Ich will das auch! Und so Wimpern-schwarz! Und die Haare müssen so schick* sein!“. Naja und auf die Wutausbrüche kann ich morgens echt verzichten und wenn dann Michel glitzert dann muss natürlich Pippi auch und… tjanun. Hübsche Kinder wie meine können halt auch alles tragen ;) 

Vor allem mit Zahnpasta im Gesicht 😂


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* Heute: Rockabilly-Tolle. Hatte er sich so ausgedacht und mit Wasser in Form gekämmt, ich hab dann mit ein bisschen Wachs für einen etwas dauerhafteren Stand gesorgt, es sah einfach zu bezaubernd aus.)

Tag 599 – Niemand versteht mich.

Hallo, Sie da! 

Jaaa, ich hab lange nichts mehr von mir hören lassen, aber ich war beschäftigt. Sehr. Ich bin sehr gewachsen. Meine Elefantenpuschen passen schon lange nicht mehr. Ich hab auch ein bisschen reden gelernt, aber ich muss immer alles dreimal sagen, bis mich wer versteht. Das geht mir total auf den Geist, ich sage irgendwas und die lächeln nur und sagen „Ja, genau, hmmhmm!“ und machen aber nicht das, worum ich doch gerade erst ausdrücklich gebeten habe. Am Ende muss ich immer erst wieder schreien, damit was passiert. Echt jetzt mal! Das muss doch anders gehen. Nachts zum Beispiel mache ich mir die Mühe mit dem Reden gar nicht mehr sondern brülle einfach drauflos, sollen die doch zusehen, wie sie mir Banane besorgen! Manchmal will ich auch einfach nur auf der anderen Seite liegen oder meine Füße sind zu warm oder ich will lieber mit Papa kuscheln (Spoiler: ich will immer lieber mit Papa kuscheln, Mama war neulich mal ganz lange weg, das ist mir nicht geheuer, hinterher verschwindet die wieder einfach so), aber ist das mein Job, das zu kommunizieren oder ist es deren Job, das herauszufinden? ICH hab mir NICHT ausgesucht, mit so einer schlecht funktionierenden Sprechmechanik auf die Welt zu kommen! Aber auch sonst, am Tag, raffen die ganz oft nicht, was Sache ist. Ein paar Beispiele gefällig? ICH HASSE DEN KINDERWAGEN. Und den Fahrradanhänger auch. Ich will laufen, aber die lassen mich einfach nicht, es hilft nur ganz selten mal, wenn ich mich einfach ganz steif wie ein Brett mache, dann können die mich nämlich nicht anschnallen. Dann seufzen sie und ich darf gehen. Oder neulich – da war ich krank. Mir gings echt bescheiden, mir war schlecht und ich war so tierisch schlapp, aber das haben die auch erst richtig verstanden, nachdem ich Papa voll angekotzt hab. Oder jetzt seit ein paar Tagen tut mir der Mund weh, es ist wirklich die Hölle, es juckt und drückt und tut weh, alles gleichzeitig, und da hilft kein Essen (im Gegenteil, das macht es noch schlimmer) und geht mit bitte ein für alle mal weg mit der vermaledeiten Zahnbürste! Heute musste ich wirklich erst sehr sehr nachdrücklich werden (ich kann das gut, volles Programm bis zum hysterischen Kreischen, das sitzt keine*r einfach aus!) bis die mir dieses Zeugs in den Mund gemacht haben, von dem alles taub wird. Das schmeckt zwar kacke, aber egal – es hilft. Danach konnte ich dann auch mit Michel und H. spielen, das war super. Michel hat mir ein Bett gebaut und ich hab mich reingelegt. Hinterher hat er behauptet, das wäre sein Bett, aber es war so gemütlich und so lustig, wie sich Michel aufgeregt hat! Michel versteht mich etwas öfter als Mama und Papa, aber der will mich dafür oft gar nicht verstehen.

Mir scheint, ich komme um das Sprechen nicht ganz herum, wenn das hier in Zukunft besser laufen soll.

In diesen Sinne bis bald – 

Ihre Pippi

Das Beste am Spielbesuch ist das Chaos!

Tag 589 nachgetragen – Das Kleinkind! Der Jetlag! Hurz!

Weshalb ich gestern nichts schrieb, ist prinzipiell sehr schnell erklärt: ich bin mit Pippi im Bett eingeschlafen. Sonst habe ich ja dann gerne mal nachts noch eben sowas geschrieben, gestern eben nicht, ich wollte nämlich einfach nur eins: bis zum Morgen weiterschlafen. (Und dann um fünf ausgeruht aufstehen und hier schreiben, was ich für ein Genie bin und dass ich endlich den Jetlag besiegt habe.)

Um zehn war Pippi wach. Herr Rabe war aber auch noch wach und holte sie zum Banane essen ab. Sie aß eine komplette Banane. Dann brachte Herr Rabe sie wieder und sie schlief recht fix wieder ein. 

Um halb zwölf kam Herr Rabe ins Bett, Pippi rödelte daraufhin im Bett herum und beschwerte sich. Ich glaube, sie konnte sich so spontan nicht entscheiden, mit wem sie lieber wrestlen kuscheln wollte. Nach ca. 15 Minuten schlief sie wieder ein. Ich brauchte für dieselbe Tätigkeit ca. 30 Minuten. 

Um eins war Pippi wieder wach. Richtig wach, mit Treten und Brüllen und allgemein schlechter Laune wegen

  1. Hunger (ja, echt, schon wieder!)
  2. Durst
  3. Der Schlafanzug hat Füße (hier Weltuntergangsankündigungsmusik* vorstellen)

Also aß sie noch eine halbe Banane, trank einen halben Becher Wasser und wir zogen ihr mitten in der Nacht den Schlafanzug aus und einen Body an. Inzwischen war es halb zwei, aber Pippi schlief recht schnell wieder ein.

Ich hingegen war dann erstmal wach. Richtig „Ich könnte jetzt aufstehen und den Tag starten“-wach. Bis drei. Oder jedenfalls so ungefähr, ich gucke nachts fast nicht auf die Uhr, das stresst ja doch nur, zu wissen, wie wenig Schlaf noch bis zum Weckerklingeln bleibt. Ich lag also im Bett und dachte so vor mich hin, keine schlimmen Grübeleien, eher so Alltagskram:

  • Würde es Sinn machen, aufzustehen? Ich könnte dann die Wäsche aufhängen. Und die Schnecken einsprühen, Herr Rabe hat das bestimmt vergessen. Hmm, lieber nicht noch den Kreislauf ankurbeln.
  • Ich könnte auch jetzt den Blogeintrag schreiben. Hinterher machen sich Leute Sorgen, wenn ich nicht schreibe! Hmm, lieber nicht, das Displaylicht würde mich bestimmt auch noch wacher machen. Obwohl, es ist ja nachtgedämpft. Ach nee, besser nicht.
  • Ich könnte lesen. Ach nee, mein Buch liegt irgendwo, nicht hier, weil ich das beim Schwimmen mithatte.
  • Schlafmittel? Nee, dann komme ich morgen vor Mittag gar nicht raus.
  • OK, Autogenes Training. Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein rechter Arm ist
  • Ich könnte vielleicht tRNA als internen Standard nehmen. Oder gleich als Oligo-Ersatz.
  • Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein
  • Ahhhh, nee, dann würde ja an allen Us… Obwohl, nee, UNG wirkt nicht an RNA. Oder? 
  • Mein rechter
  • Wenn ich kompetitiv vom Antikörper eluiere, kann ich dann nachher noch Nukleoside quantifizieren? Hmm. Sind einzelne Nukleoside in dem Fällungszeug löslich? Bestimmt. 
  • Mein rechter Arm ist
  • Ooooder ich mache das dann über die Säulchen, muss ich ja eh. Ja. Das klappt.

Sie haben ein Bild. Natürlich war es mir dann um fünf Uhr gänzlich unmöglich, aufzustehen. Um sechs beschloss ich, es einfach zu lassen mit dem Aufstehen. Um sieben war Pippi wach und sang und wurde dann von Herrn Rabe abgeholt. Michel war auf Nachfrage noch nicht wach, sondern „sliten“ (kaputt) und kuschelte sich an. Um halb acht weckte Herr Rabe uns mit den Worten „Es schneit!“. 

Um halb neun hatte ich die Kinder (alles, vor allem den Schnee, abgrundtief hassend) mit dem Schlitten in den Kindergarten gezerrt, stellte fest, dass ich meine Kopfhörer vergessen hatte, ging wieder nach Hause und machte mir einen Kaffee. Hängte die Wäsche auf und sprühte die Schnecken ein. Packte meine Ballettsachen. Und dann fuhr ich, halbwegs besänftigt und nicht mehr ganz so hasserfüllt mit dem Bus zur Arbeit. 

Das mit dem Jetlag könnte dann bitte auch mal langsam ausgestanden sein. Und Pippis Schlechtschlafphase auch. Bittebitte.
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* ich bin mir ganz sicher, dass es da für den Fall der Fälle eines sich kurzfristig ankündigenden, direkt bevorstehenden Weltuntergangs á la Independence Day zu diesem Zweck von Hans Zimmer vorkomponierte Musik gibt, die dann über Lautsprecher weltweit abgespielt wird. 

Tag 571 – Gemischtes

Die Kinder. Die lieben Kinderchen. Ach ja. 

Gestern fiel Pippi irgendwie blöd die Treppe vorm Kindergarten runter und schrammte sich die rechte Nase, Wange und Stirn ziemlich übel auf. Jedes mal, wenn sie im Schlag irgendwie da dran kam, heulte sie vor Schmerz auf. Entsprechend bescheiden lief unsere Nacht. Und als reichte das noch nicht, fing sie an zu Husten und hat jetzt auch eine Rotznase, die wir aber nicht putzen dürfen, weil ihr das wegen der Schrammen ziemlich weh tut. Entsprechend unleidlich war sie im Kindergarten. Und was macht der Kindergarten? Fieber messen, Fieber (vorsichtshalber ungenannter Höhe) feststellen und die Eltern informieren. Die brav andackeln und das Kind, das zappelt und schreit, weil es gar nicht nach Hause will, abholen. Zu Hause hatte Pippi dann in erster Linie Hunger und danach recht fix Wickelbedarf. Und eine Temperatur von, Trommelwirbel, 37,7 Grad. Ich kann mich da schon kaum noch drüber aufregen. Es nervt mich einfach unendlich, und ja, ich werde das am Montag auch nochmal ansprechen, dass wir mitnichten zu Hause sitzen und darauf warten, ein diffus missgestimmtes Kind mit minimal erhöhter Temperatur aus der KiTa abholen zu dürfen. Dass unsere Kindkrank-Tage nach 1/6 des Jahres schon zu 3/4 aufgebraucht sind. Dass mir jeder Arzt, dem ich das Kind heute gezeigt hätte um eine Krankschreibung zu bekommen (wenn die Kindkrank-Tage aufgebraucht sind, müssen wir für jeden Extra-Tag zum Arzt), was gehustet hätte. Sowas halt. Seufz. 

Michel lernt Lügen. Schritt 1: Ausreden. 

„Mama, guck mal, das Klopapier ist ganz abgerollt! Aber ich war das nicht, das war ein Roboter. Ein unsichtbarer. Sowas passiert eben manchmal.“

Ich weiß, es ist normal, auch sowas müssen Kinder ja lernen. Ich weiß nur nicht so ganz, wie ich damit umgehen soll. Heute sagte ich „Ich glaube nicht, dass das ein Roboter war, ich glaube du hast dir das grade ausgedacht, weil du dachtest, ich schimpfe. Komm, wir legen das Papier zur Seite, das kann man ja noch benutzen.“. Ich glaube, wegen des Lügens schimpfen bringt nichts, außer dass er das nächste mal besser lügt („Das war Pippi!“ wäre zumindest sehr viel wahrscheinlicher). Aber glauben heißt ja auch nicht wissen. 

Ich bin so aufgeregt wegen der USA-Reise! Noch eine Woche!

Heute war eine Dame da, die unsere neue Putzhilfe sein möchte. Die, die letztens einmal da war, war leider nur einmal da. Heute war also Liv da. Bei Liv habe ich ein besseres Gefühl. Liv ist frühpensioniert, hat einen Putzfimmel (oder wie soll man das nennen, wenn wer nach eigener Aussage nie ohne Putzhandschuhe im Gepäck verreist?) und langweilt sich. Außerdem hat sie sehr genaue Vorstellungen davon, unter welchen Bedingungen sie hier arbeiten möchte, was ich sehr gut finde. Unter anderem möchte sie gerne andere Produkte* benutzen, als wir haben, soll mir recht sein, sie geht das jetzt am Wochenende einkaufen und gibt mir die Rechnung dann am Montag, wenn sie hier anfängt. Sie sei sehr gründlich, sagt sie. Und ich schäme mich ein bisschen, dass jetzt jemand anderes als Herr Rabe all meine runden Ecken finden wird. 

*“So größere Mikrofasertücher, die sind grün, die gibt es nächste Woche im Angebot bei Nille. Da gibt es auch so einen großen Schwamm mit Griff, der kostet 100 Kronen, aber der hält jahrelang. Ich hab meinen schon vier Jahre und der ist immer noch in Ordnung. Und bei Obs gibt es diese Woche 4 Flaschen Jif Badezimmerspray für 100 Kronen! Das besorge ich dann auch, ich sprühe aber nicht damit, das mache ich nicht mehr, das geht zu sehr auf die Lunge, ich habe da so eine Dose, da tauche ich dann den Schwamm mit dem Griff rein und dann reicht das auch viel länger, da habt ihr mit den 4 Flaschen genug für’s restliche Jahr…“ 

Tag 524 – Die lieben Kinder. 

Geschwister, unverkennbar.


Ach ja. Die Kinderchen. So niedlich. Manchmal. 

Manchmal nicht. 

Heute ist das letztere manchmal. 

Michel redet unfassbar viel und vor allem laut. Also so laut, dass wir bei der nächsten HNO-Kontrolle mal nachfragen werden, ob er wirklich wirklich WIRKLICH normal gut hört. Gefühlt sagen wir tausendmal am Tag „Du brauchst nicht so schreien!“, „Nicht so laut, bitte!“ oder, pädagogisch wertvoll wie eh und je, „BRÜLL HIER NICHT SO RUM!“. Zur Lautstärke kommt eine enervierende Redundanz des Gesagten. Es ist eigentlich immer irgendeine Forderung, die er jetzt sofort erfüllt haben will. „KANN ICH GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER? KANN MIR JEMAND GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER REINSCHINKEN? PAAAPAAAA? ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER!!!“ [Grün, weil die Packung grün ist. Die vom naturtrüben ist gelb.] Und wenn man dann auf das angebrüllt werden nicht sofort reagiert oder – undenkbar – man wagt es sowas zu sagen wie „Grade ist schlecht, schau mal ich wickel grad Pippi, putze mir dabei die Zähne und mit den Füßen falte ich Wäsche. Hol dir doch schon mal den Saft aus dem Kühlschrank, ich komme dann gleich.“ Dann kommt „ICH WILL NICHT HELE TIDA [die ganze Zeit] WARTEN!!! ORRRRRAAAAAAAAA!!!!!!“ und Meltdown. Entzückend. 

Heute hatten wir außerdem eine Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Diskussion, bei der ich mich zeitweise fühlte wir meine eigene Oma. Aber wenn selbst Herrn Rabe, der ja sonst die Ruhe selbst ist, der Kragen platzt, weil sich Michel seit Wochen weigert, was anderes als Nudeln mit Ketchup oder Nudeln mit Kräutersalz zu essen, dann ist es eben Zeit für die Auseinandersetzung. Wir haben jetzt einen Kompromiss: wir tun nicht mehr so obereklige Dinge wie Zwiebeln und Petersilie (die hat er vorher noch roh weggeknabbert, aber Schwamm drüber) ins Essen, dafür probiert er wenigstens. Es ist dringend an der Zeit, dass sich an Michels Essgewohnheiten was ändert, schon alleine weil sich Pippi den Mist abguckt und noch viel früher in die Ich-esse-nur-nackte-Nudeln-Phase startet. Obwohl sie eigentlich noch vieles mag. 

Ja, ach ja, Pippi. Die Nervensäge. Ich vermute mal es ist wieder irgendsoein Schub, jedenfalls habe ich nicht nur nachts wieder ein Kind auf dem Gesicht liegen, nein, tagsüber habe ich immer ein nörgelndes, oder weinendes, oder hysterisch schreiendes Kind am Bein. Sie versucht dann an mir hochzuklettern, sobald ich versuche, mich zu bewegen lässt sie sich theatralisch auf den Boden plumpsen und weint, als hätte ich ihr gerade Den Einen Ring weggenommen und ins Feuer geschmissen. (Manchmal schaffe ich es, sie von mir loszueisen, dann klebt sie halt an Herrn Rabe. Hauptsache sie klebt.) Dazu natürlich alterstypische Dickköpfigkeit, bei einem eh schon willensstarken Kind ist das, ähhh, herausfordernd. Und absolutes Unverständnis für Dinge wie „Guck mal, die ganz scharfen Küchenmesser, die sind echt nur für Große, wir hängen das jetzt hier wieder hin.“. Meltdown. Auch das: entzückend. Ganz und gar reizend. 

Hach ja. Und dann liegen die nachts in meinem Bett, und schnarchen mir ins Ohr und schieben ihre Füße zwischen meine Beine und das ist alles vergessen. Dann ist da nur Hachseufz. (Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder heißt „ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT…“) 

<3 

Tag 521 – #12von12 im Januar ’17

Was 12von12 ist und viele viele mehr davon wie immer bei Draußen nur Kännchen

Kackmorgen mit müde nach Kacknacht mit Husten. Davon keine Fotos. Herr Rabe blieb heute mit beiden Kindern zu Hause, weil jetzt Michel Fieber hat und Pippi so ungenießbar ist, dass wir die vermutlich postwendend unter irgend einem Vorwand aus dem Kindergarten wieder bekommen hätten. Schub, Zahn, Husten, Schläft schlecht, alles Mist irgendwie. Irgendwann könnte ich mich aber doch zu Hause loslösen und…

Erst mal vor der Haustür mit dem Rad ausrutschen. Ich hab dann mal den Bus genommen. Und nen mega fetten blauen Fleck am Schienenbein. #aua #1von12 von #12von12

 …legte mich direkt mit dem Rad auf die Fresse. Naja, auf die Seite. Irgendwas hab ich auch blödes mit meinem Bein gemacht dabei, es hat sich wohl irgendwie verhakt, jedenfalls ist es an mehreren Stellen dick und tut beim Laufen und bei Druck weh. Aber – soweit ich das beurteilen kann – nur tief liegende Hämatome. 

Ich fuhr dann also mit dem Bus zur Arbeit und…

Äh… Wo sind meine Proben??? #2von12 von #12von12

 …fand meine Proben nicht. Irgendwer taut den -80er ab, das ist löblich, aber ne Email wäre trotzdem schön gewesen. Ich fand dann nach etwas Suchen die Ersatzkühltruhe und nach etwas mehr Suchen darin auch meine Proben und so konnte ich dann doch arbeiten. 

Wie ich so arbeite. #3von12 von #12von12


Mein Laborarbeitsplatz. Klein ist er, aber direkt an Fenster und Heizung. 

Extra spät Mittag essen, damit ich mit keinem reden muss. Läuft bei mir. #4von12 von #12von12 #antisocial

 Ja, also so wirklich gesellig war ich heute nicht. Eigentlich gar nicht. 

Kaffeezeit \o/ #5von12 von #12von12 #müdemutti #meinekinderschlafennicht #ichschlafdafürgleichimstehenein

 Mein Arbeitstag war ziemlich eintönig, ich habe 2 x 43 Proben hydrolysiert, das heißt ich hatte jeweils 2 x 45 Minuten Inkubation und 2 x 20 Minuten Zentrifugation. Beim zweiten Mal musste ich in der Zeit auch kein weiteres Zeug machen (wie Eppis beschriften; wie ich das hasse, diese Frickelei in Minischrift und dann sind die Eppis obendrauf irgendwie fettig oder so und die Schrift hält nicht und meh. Als wären Labelwriter sooooo teuer. Augenrollen.) und holte mir einen Kaffee. 

Kennen Sie dieses „There are two types of scientists“ meme? Well… it’s a thing. #6von12 von #12von12 #Kontrolletti

 Meine Boxen sind die links. Es kostet mich manchmal viel Willenskraft bei dem Kollegen rechts einfach wegzugucken. 

Irgendwann spät waren dann die letzten Proben in der SpeedVac zum Trocknen und ich machte ein bisschen Bürodinge. Nach ein bisschen Email-hin-und-her habe ich jetzt eine Zimmerpartnerin für die Konferenz Ende nächster Woche, ich habe den Jahresbeitrag für die norwegische Biochemikergesellschaft bezahlt und in Erfahrung gebracht, wie ich bei denen ein Reisestipendium beantrage. Habe mit leichter Belustigung gelesen, dass ich, wenn ich das Reisestipendium bekomme, einen Artikel mit Bildern für die Mitgliederzeitschrift schreiben muss. (Herr Rabe schlug vor, einfach meine Blogbeiträge aus der Zeit dann mit Google Translate zu übersetzen.) Habe die Quittungen für die Kalifornien-Konferenz schon mal an die Uni weitergereicht, damit ich das (hoffentlich) nicht aus eigener Tasche vorstrecken muss. Dann ging ich nach Hause. Um viertel vor fünf. Und war fast die letzte. Das mag ich an Norwegen. 

Brokkolisuppe, im Hintergrund krankes und nörgeliges Kind. Das andere Kind kippte sich derweil die Suppe über den Latz. #7von12 von #12von12

 Michel ist wirklich richtig krank, der arme Murch. Und sehr nörgelig. Aber die Suppe war lecker. 

Weil das Eis alle war und in einem Weihnachtspäckchen Quetschies waren, gibt’s halt so eins zum Nachtisch. #8von12 von #12von12 . Erst dachte ich „Whaaaaaat, 200 kCal pro Tüte???“. Sind aber kJ. #überteuertesZeug #Umweltsauerei #aberdieKinderfindenssuper

 Dinge, die ich nie selbst kaufen würde: Quetschies. 

Michel war nach dem Essen so im Eimer, dass er ins Bett wollte. Wir guckten ein Buch an, hörten zwei Mal dem Elefanten (seinem Nachtlicht) zu und schon schnorchelte er. Als ich aus dem Kinderzimmer kam, bot sich mir ein friedlicher Anblick. 

Die minderjährigen Raben schlafen, wenn auch nur teilweise im Bett. #9von12 von #12von12

 

Tja, leider musste ich dann nochmal los, um meine Proben aus der SpeedVac zu holen. Als ich das mal vergaß, gab’s Schimpfe von der Kollegin. 

… und nochmal ganz kurz zur Arbeit. Seufz. #10von12 von #12von12

Aber das geht ja glücklicherweise ganz schnell und so war ich schnell wieder zu Hause. Kurz ein Stück Schokolade gegessen, dabei kurz über die beknackte Schreibweise aufgeregt, dann Pippi übernommen. 

Chon lecker, diese Chokolade. Chmeckt viel besser als zum Beispiel Chuhcreme. #11von12 von #12von12


Jetzt muss ich noch Zähne putzen, und dann ganz schnell schlafen, mal sehen, wie oft heute Nacht Geschrei ist und Bäumchen wechsle Dich in unseren Betten gespielt wird. 

Ich werde ein bisschen angeschnarcht, es ist so niedlich😍. #12von12 von #12von12 #nofilterjustweirdlighting