Tag 53 – A-Phase

Das Kind aus dem Kindergarten abholen ist im Moment immer mein Projekt des Tages. Es ist ja schön, dass es gerne in den Kindergarten geht, so gerne, dass es gar nicht mehr nach Hause will. Es ist auch schön, dass es immer selbständiger wird, einerseits was praktische Fähigkeiten (also Schuhe anziehen, Jacke anziehen, Helm aufsetzen usw.) aber andererseits auch was Entscheidungen treffen (also diese Jacke, diese Schuhe, ich hab aber jetzt Hunger) angeht. All das macht am Ende das Leben mit dem Kind einfacher, aber der Weg dahin scheint mir grad unendlich lang. Denn dieser Weg ist mit unfassbarer Langsamkeit, Unentschlossenheit, Misserfolgen und Wutausbrüchen gepflastert. In der Zeit, die das Kind braucht um sich Schuhe auszusuchen, kann ich das ganze Haus putzen. Und am Ende muss ich ihm die Sommercrocs wieder ausreden, es folgt ein Wutausbruch sondergleichen. Vorauswahl treffen hilft dabei mäßig. Und hat es dann endlich Schuhe/Jacke/wasauchimmer gefunden, braucht es ca. tausend Stunden um sich anzuziehen. Besonders im Kindergarten treibt mich das schier in den Wahnsinn, denn das Treppenhaus da ist winzig klein, ständig wollen andere Eltern hoch oder mitsamt ihrer nicht in einer Zeitlupe gefangenen Kinder wieder runter, meistens brüllt das Baby herum, ich hab Hunger oder muss aufs Klo oder bin einfach nur geschafft vom Tag. Antreiben scheint statt Beschleunigung des Aufbruchs den gegenteiligen Effekt zu haben, das Kind wird nur noch langsamer in seinem Tun oder es fällt ihm ein, dass es unbedingt JETZT seine Weintrauben aus der Brotdose essen muss oder es muss nochmal ganz dringend aufs Klo. Oder es teilt mir mit, dass es halt nichts anziehen will. So. Will es nicht. Gut, da in unserer Beziehung ein „Ich will das aber!“ das „Ich will aber nicht!“ einer anderen Partei nicht automatisch wegen irgendwelcher Hierarchien schlägt, hilft ja nur Argumentieren und aufs Beste – also Verständnis – hoffen. Heute zeigte ich also die Vorteile von Bekleidung bei den hiesigen Witterungsbedingungen auf. Das Kind war sich aber seiner Sache sehr sicher. Und so fuhr es dann ohne Schuhe nach Hause.

2015-10-02 16.02.33
(
Die Jacke hat es nur an, weil ihm auf halbem Weg dann doch klar wurde, wie kalt sich 8 Grad bei Sturm und Regen anfühlen.)

Der Vorteil der Aktion war, dass wir schon nach 2 Minuten Diskussion aufbrechen konnten. Der Nachteil ergab sich zu Hause, als ich die dreckigen und nassen Socken in die Wäsche wandern ließ und das Kind einen Wutausbruch bekam, weil die Socken ja gar nicht dreckig seien. Bzw, wenn die Socken in die Wäsche müssen, dann der Schlüpfer aber auch. Und so erklären sich dann auch die sich meterhoch auftürmenden Wäscheberge im Hause Rabe.

P.S. Jemand liest sich scheinbar grad den ganzen Blog durch. Herzlich Willkommen, fühl die wie zu Hause, ich hoffe, dich stört das Chaos nicht! ❤

2 Gedanken zu “Tag 53 – A-Phase

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